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Freitag, 25. November 1921.

Auldaer Eieitung

Druck der Fuldaer Actieudrnckerei In Fulde

# Kirchhain. Auf der Straße zwischen Halsdors imi> Wohra herrscht rege Bautätigkeit. Es wirb dort ein Sägewerk, verbunden mit einer Fabrik, welche 80 Mann beschäftigen soll, errichtet. Als Gründerin wird eine Firma aus Berlin genannt, welche den gro­ben Holzreichtum^ der Gegend verwerten will.

# Treysa. Bei Abhebungsarbeiten im Steinbruch Harberg wurden der 17jährige H. Kem aus Rsmmers- hausen und der 22jährieu F. Schmerer aus Allendorf durch herabstürzende Steinmassen verschüttet. HUfe war rasch zur Stelle, doch konnte ersterer nur als Leiche ausgegraben werden, während letzterer in schwer verletztem Zustande ins Krankenhaus Hephaty emgeliefert wurde.

Vermischtes.

* Der DresdenerErzbergermörder*. Nachdem der angebliche Tillessen von der Siaatsanwa.lschäft vernommen worden ist, hat sich der Verdacht bet» stärkt, daß es sich wieder um eine Mysti­fikation bandelt, zumal der Mann kein einwand­freies Deutsch spricht. Im übrigen wird sich du Offenburger Staatsanwaltschaft weiter mit der An­gelegenheit zu befassen haben.

* Schadenbrände überall. In der chemis chen Fabrik Krukopf in Hörner bet Dortmund brach ein Feuer aus, das das ganze Fabrikgebäude vollständig vernichtete. Dem Brande fielen sämt­liche Apparate und maschinellen Einrichtungen zum Opfer. Der Schaden ist erheblich. Es wird Brand­stiftung vermutet. Eine Feuersbrunst äscherte einen Teil des Theatre Monccy in Paris ein. Personen kamen nicht zu Schaden. Nach einer Moskauer Meldung ist in M o s k a u ein ge- walliges Feuer ausgebrochen. Der Warschauer Bahnhof steht in Flammen. Die Telephonzen­trale ist zerstört.

* Verhaftungen wegen Geheimbündelei in Baden, Wie dem .Vorwärts^ von unterrichteter Seite mit geteilt wird, sind in den letzten Tagen auf Veran­lassung der badischen Landespolizeibehörden verschie­dene Persönlichkeiten verhaftet worden, die einer rechtsstehenden Geheimorganisation angehören. Die Verhaftungen sind wegen Geheimbündelei erfolgt. Nähere Einzelheiten darüber liegen noch nicht vor

handel und wirtschaft.

ver Uohlcmnarkt Der Heimatsdienst schreibt Die Lage auf dem Kohlenmartt ist, entgegen einer leider verbreiteten Ansicht, infolge ungenügender Vorräte an hochwertigen Kohlen außerordentlich schwierig. Die nach dem Fortfall der lleberschichten im Ruhrbezirk verminderte Förderung und der 10 Wochen andauernde völlige Ausfall der oberschlestschen Kohle haben die erforderliche Vorratsbeschaffung der kohlenverbrauchcnden Werke während der Sommermonate unmöglich gemacht. Die Versorgung der deutschen In- dustrie, die zurzeit durch die augenblickliche Wirtschafts­lage lebhaft beschäftigt ist, stellt daher hohe Ansprüche an die 5lohlenverteilung. Die Wasserarmut der deutschen Flüsse bedingt es, daß zahlreiche mit Wasserkraft arbeitenden Elektrizitätswerke ihre Dampf­reserven haben in Betrieb nehmen müssen, sodaß auch hier ein ungewöhnlicher Mehrbedarf an Kohle gedeckt werden muß. Daß die Ansprüche der Entente an die Reparationslieferungen von Monat zu Monat verschärft worden sind, ist bekannt. Hiernach ist es selbstverständ» lich, daß bis zur Besserung der geschilderten Verhält­nisse jede Maßnahme zur Ersparnis bm Brennstoffen aller Art durchgeführt toerocn mutz, soüaß eine Auf­hebung des Verbots der Lichtreklame zurzeit nicht in Frage kommen kann.

Heiserkeit bewährt

5ind ="**

Gegen Husten und

annähernd 40 fahren

fays ächte Sodener Mineral* Pastillen

aus dem Nachbargebiet.

# Debra. Zu den wildesten Gerüchten hat die in voriger Woche erfolgte Festnahme eines aus Frank­reich kommenden Mannes Anlaß gegeben. Er soll Mädchenhändler und Werber für di>e Frem­denlegion sein. Soviel ist festgestellt, daß der Verhaftete die russische Staatsangehörigkeit besitzt und sich auf der Reise nach Berlin befand. Die stcmzösi- chen und deutschen Geldmengen wurden bei der Ver­haftung beschlagnahmt. Große Mühe hatte man, den Ausländ« nach Rotenburg zur Untersuchung zu brin­gen, wobei er verschiedene Fensterscheiben in seinen zeitweiligen Arresüokalen zertrümmerte. Der Verhaf­tete, der seine Umgebung fortgesetzt mitboche" titu­lierte, tourte schließlich nach Kappel in die Geistes- krankenanstalt zwecks Beobachtung gebracht. Da scheint er auch hin zu gehören.

Wanfried. Den fröhlichen Geber hat Gott gern. Gottlob, daß es noch solche gibt. Ein selten schönes Beispiel freudiger O p fer t i g ke i t gab die Diasporagemeinde Wanfried anläßlich der Firmung durch den Hochw. Herrn Bischof. Die Tellerkollekte, die in der bischöflichen Messe zugunsten armer Priester- «ntskandidaten abgehalten und am Schlüsse der Fir­mung dem Hochw. Herrn von unserm Herrn Pastor überreicht wurde, hatte das hocherfreuliche Ergebnis von 734 Mark. Rechnet man dazu die schon abgelie­ferten 300 Mark Josephspfennig, so gibt das für die

an Zahl und Reichtum unscheinbare Diesporagemeinde \ Wanfried über 1000 Mark Josephspfennig für 1921.

Welche katholische und welche Diasporagemeinde macht das in hl. Wetteifer nach? Dmm wäre manchem armen Priesteramtskandidaten geholfen.

= Wihenhaufen. Ein neues Gewerbe ist i hier im Entstehen begriffen, dessen Betrieb sich schon i einige Tage durch kanonenschußähnliche Schläge be- j merkbar macht; es ist die Gewinnung von Q u a r- ' 3 i t. Augenblicklich ist der Unternehmer damit be- i schäftigt, die Quarzsteine, die in unserer Gegend viel vorkommen,auf den Hecken" zu sprengen. Die Besitzer der Grundstücke erreichen dabei noch eine Säuberung von den Felsstücken. Die Quarzitfteine werden nach rheinischen Fabriken verschickt, wo sie in Zusammensetzung mit anderen Stoffen, meist Graphit zu feuerfesten Schmelzgefäßen verarbeitet werden.

Rinteln. Herrn Beck wurde in Anerkennmig der vielen und großen Verdienste, die er sich als , Diafporalehrer und Organist erworben hat, vom Hochw. ; Herrn Bischof Dr. Joseph Damian Schmitt der Ittel und die Amstbezeichnung Kantor verliehen.

fpd. Frankfurt a. M. Durch einen uralten ; Trick ist der Besitzer wertvoller Schmucksachen um ein Perlenkollier im Werte von 300400000 Mark gekommen. Der Verkauf sollte in einem hiesigen Hotel stattfinden. Als man übet den Preis handel sein« war, bat der Käufer den Besitzer, ihm I das Schmuckstück für einen Augenblick zu überlaffen, . damit er es einem Fachmann, der im Hotel an- . wesend sein sollte, zeigen könne. Selbstverständlich ging der Verkäufer gern darauf ein. Der Schwind­ler verschwand und ward nicht mehr gesehen. Das Kollier hat 111 Perlen, von denen 104 von gleicher Größe sind. Das Schloß besteht aus Gold und Platin, ist länglich, mit kleinen Diamanten besetzt und trägt in der Mitte einen hellen Saphir. Für die Wiederherbeischaffung des Schmuckes ist eine Belohnung von 30000 Mark ausgesetzt worden.

(fpd) Frankfurt a. HL Wegen versuchten Taschen­diebstahls, den er in der Nacht zum 21. d. Ms. im D-Zug zwischen Köln und Wiesbaden begehen wollte, wurde ein Kaufmann aus Halberstadt zur Zett in Frankfurt a. M. fest genommen. Er hatte ver­sucht einem schlafenden Mitreisenden die Brieftasche zu entwenden. Der Geschädigte erwachte jedoch, schlug Lärm und veranlaßte die Festnahme des Diebes. Der­selbe ist bereits vor ca. einem halben Jahre wegen eines Taschendiebstahls, den er im D-Zug zwischen Kreiensen und Magdeburg ausgeftchrt hatte, vorbestraft.

(fpd) Frankfurt a. HL Der Rückgang der Kunden im Rasiergewerbe ist infolge der Preissteigerung bedeutend. Von den Friseuren wird Klage darüber geführt, daß die Stammkundschaft sich verhältnismäßig seltener rasieren lasse. Die Umsätze in Rasierapparaten war in letzter Zeit bedeutend.

mc Frankfurt a. 2IL Eine Werbeausstellung für das Blindenwesen, veranstaltet vom Reichsdeutschen Blindenverband soll in der Zett vom 12. bis 18. DeMrber in Frankfurt a. M. in der Osthalle D der Meßgebäude stattfinden. Die Blindenausstel­lung wird eine umfassende Schau über die Leistungen der Blinden bieten, besonders auch neue Erwerbsmög- lichkeiteir für Blinde praktisch vorfühvm und soll deren Reinerlös ausschließlich der BiMdenerziehung und Blindenfürsorge Wgeführt werden.

(fpd) Von der Bergstraße. Die Arbeiter bet Kammfabriken der Bergstraße und weiteren Um­gegend (dazu amh Weinheim und Birkenau) sind in eine allgemeine Lohnbewegung eingetreten. Sie traten in den Ausstand.

Sus Gberheffen unö den hessischen Remtern.

A Marburg. Hier ist man Saloarsan- Schiebungen auf die Spur gekommen. Es sind auch schon Verhaftungen erfolgt, die großes Aussehen erregen. Die Einbrecher, die kürzlich eine Damen- schneiderei ausraubten, find in den Personen zweier junger fieute von hier ermititelt worden.

# Zimmersrode. Beim Eisfahren wurde das Söhn­chen des Vierverlegers Löwer überfahren und so pjajer verletzt, daß es nachHephata" gebracht wer­den mußte, ©ort ist der Junge inzwischen verschieden, j

nommen. Pastor Lange wies sie, von brausen­dem Beifall oft unterbrochen, mit klaren und be­stimmten Worten zurück:Sie haben uns geschmäht, heute sollen sie die Antwort haben. Wir erkennen den Ernst und die Tragweite dieser Kampfansage und nehmen sie auf. Wir haben für den Wieder­aufbau des Vaterlandes alles zu bieten, alle geisti­gen und moralischen Kräfte und nehmen für uns in Anspruch, daß wir katholisch und treu- deutsche Vaterlandsfreunde sind; wir lassen uns von keiner Seite vorschreiben, wie wir unseren Patriotismus betätigen wollen." Der Red­ner legte bann folgende Resolution vor, die von der Versammlung, die sich spontan erhoben hatte, ein­stimmig angenommen wurde:

Die am 16. November 1921 in der Union tagende bre­mische Kothoirkenioersammlung, besucht von Tausenden ka- tholffcher Männer und Frauen, nimmt mit Entrüstung Kenntnis von den ungeheuerlichen Angriffen, die in den letzten Tagen von der Deutsch nationalen Volkspartei als parteioffizielle Berlaut- barung in den bremischen bürgerlichen Zeitungen gegen die katholische Kirche gerichtet worden sind. Die' Ver­sammelten erheben einmütigen, schärfsten Protest gegen die von Unkenntnis und Gehässigkeit zeugenden Aeußenun- gen, die denrömischen Katholizismus" verantwortlich machen wollen für bas vaterländische Unglück. Sie erkennen in diesen Aeußerungen, die bas politische Feld verlassen, eine nicht ernst genug zu nehmende offene Kampf­ansage gegen das geoffcnbarte katholische Christentum, gegen die katholische Kirche in ihrem von Christus eingesetzten Lehr-, Priester- und ftirtenomt. Mit dem Bedauern über diese Störung des konfessionellen und religiösen Friedens verbindet die Versammlung die Er­wartung, daß nach solcher offener Erklärung des Kampfes gegen Rom und die mit dem Papst unlösbar verbundene katholische Kirche jene Katholiken, die bisher den gehässigen Kirchenfeinden glaubten politische Gefolgschaft leisten zu muffen, einfehm werden, baß katholisch fein und zu jener Partei gehören wollen unvereinbare Gegensätze sind. Mst begrüßenswerter Klarheit ist in der offiziellen Derlaut- borung ausgesprochen, daß die Katholiken den Deutschnationalen willkommen sind, aber nur dann, wenn sie von Rom lassen.

Die Versammlung ist überzeugt, daß die unersetzbaren religiösen Kräfte der katholischen Kirche in erster Linie im­stande sind, dem Vaterlande in seiner Not wirksamste Hilfe zu leisten. Die Versammelten benutzen diese Gelegenheit, um in heiliger Begeisterung erneut vor aller Welt zu be­kennen ihre unverbrüchliche Treue zur katholischen Kirche, zu ihrem Lehr- und Hirtenamte, dem Papste und den mit ihm vereinigten Bischöfen. Sie sind willens, mit allen Kräften einzutreten für die Rechte ihrer Kirche, wie sie es als Katholiken selbstverständliche Wicht erachten, wie bisher so auch weiterhin zu arbeiten am Wohle des Volkes und des Vaterlandes."

Das war die Antwort der bremischen Katholiken auf die deutschnationalen Schmähungen ihrer Kirche. Wir brauchen ihr nichts hinzuzusetzen.

Latholikenhetze.

DieGermania" schreibt:

Es muß leider die betrübende Taffache festgestellt werden, daß sich die Fälle von groben Stö­rungen des konfessionellen Friedens mehren. Angesichts der ernsten Lage des Vater­landes wären wir Katholiken bereit, die Angriffe auf die katholische Kirche zu übergehen, wenn wir nicht die Ueberzeugung gewonnen hätten, daß es sich hier nicht um bedauerliche Einzelerscheinungen, sondern um eine planmäßige Bekämpfung unseres Glaubens handelt. Die Gleichartigkeit und die Häu­figkeit der Fälle lassen gor keinen anderen Schluß zu. Weiten evangelischen Kreisen erscheint es als Bruch eines Naturgesetzes, daß imMutterlands der Reformation" der Katholizismus nicht mehr die Rolle des Geduldeten spielt, daß die in ihm ruhenden Kräfte sich jetzt freier entfalten können unö daß es heute höhere Beamte katholischen Glau- bens und ogar katholische Minister gibt Das ist ^nen Kreisen ein unerhörter Zustand, der von 7^ m auf dem Umwege des Sturzes desprote- stantljchen Kaisertums" herbeigeführt worden ist.

"^urteilen befangene und von Kenntnis kacholifcher Dinge nicht beschwerte evangelische Bolksteil glaubt leider allzu leicht, was ihnen berufs- matz.ge Hetzer vorerzählen. Manche Leistungen mefer Herrschaften erinnern an die läge, wo es ihnen eine Luft war, zu leben. Wir können zu die­sen Dingen nicht schweigen und wollen wenigstens einige der Fälle dieser Art uns näher ansehen.

Wenn der Evangelische Bund in Wit­tenberg eine Lutherfeier abhält, kann man sich auf allerlei gefaßt machen. Der erste Redner, Pastor D o d e n, begann denn auch gleich feine Rede mit einer Attacke auf Rom.Unter denen," so rief er aus,die auf dem ersten großen Katholikentag nach dem Kriege zu Frankfurt vom päpstlichen Nuntius den Segen Roms knieend empfangen, befinden sich des Deutschen Reiches Kanzler und der preußische Ministerpräsident! Eine Tat und ein Symbol! Wer hätte das vor 400 Jah­ren für möglich gehalten!" Das ist für evangelische Gemüter natürlich unfaßbar. Der Hauptredner des Abends, ein abgefallener katholischer Ordensmann, fetzte bann fort, was der erste Sprecher verhei­ßungsvoll angeklungen hatte. Seine Ausführungen bestanden in Schmähungen der katholischen Kirche, wie man es aus dem Munde von Renegaten ge­wohnt ist. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß sich der Evangelische Bund in Wittenberg ausgerechnet einen ehemaligen katholischen Priester zum Fest­redner verschreibt und daß nicht etwa die Frage der Erneuerung des protestanttsch-kirchlichen Lebens, sondern Angriffe auf die katholische Kirche im Mit­telpunkt der Versammlung standen.

DiedeutschnationaleVolksparteiin Bremen darf in der Katholikenhetze nicht zurück- stehen. Die Partei veröffentlichte in den letzten Ta­gen in den Bremischen Zeitungen einenVersamm­lungsbericht von programmatischem Charakter", der das Verhältnis zu den anderen Parteien behandelt. Nachdem die übrigen Parteien ihre schlechte Note erhalten haben, heißt es weiter:

Das Zentrum ist von allen unseren Gegnern am ge­fährlichsten. Die Mitglieder aller anderen Parteien sind mehr ober weniger restlos zurückzngewnmen für die na- tiomle Sache. Ern großer Teil der Anhänger des Zen- trmns sind, und wie wir fürchten, bleiben die Schrittmacher Roms. Der römische Katholizismus ist heute gefährlicher und mächtiger als je. . . . Das Heutige Zentrum rft es im letzten Grunde, das unsere Geschicke leitet, seitdem es ihm in der Revolution gelungen ist, das protestantische Kaisertum zu zer­schlagen. Dieses Zentrum wäre nur zu gewinnen, wenn wir unfeve Seele an Rom verkaufen würden. Das tun wir nicht. Wir hoffen auf den deutschen Mann, der diese Gefahr endgültig bannen wird."

Uns bleibt auf diese Angriffe nur der Hinweis übrig, daß sie von derselben Partei ausgehen, die katholische Wähler gern bei den Wahlen mißbrau­chen möchten.

Was sonst zu den Ausfällen zu sagen ist, haben dre Bremer Katholiken selbst gesagt. In einer glänzend verlaufenen Massenversammlung haben sie zu diesen Schmähungen Stellung ge­

Katholiken Fuldas, kommt zur Dolksoeroins-Derfammlung am Sonntag abend!

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Emilie Hohenfels schien b dem alten Schrank einen Gegenstand gefunden zu haben, der sie zum Nachsinnen veranlaßte. Es war ein kleines Bild, das aufrecht an ber Hinterwcmd des alten Möbels, mit der Rückseite ""ch vorn, doch verdeckt von Büchern und Geschristeu Seftanben hatte. Als sie heute die alte Hausbibel her- um sie dem Buchhalter, Herrn Wllhelm trnebetDato, zu übergeben, hatte sie die Entdeckung gemocht und sann nun vergeblich darüber nach, was tnn#aU -o>em. wiedergegebene Darstellung bedeuten * e' 3tDE>felIos hatte der nämliche Künstler, von dem U-7S Dl® den Wänden hängenden zahlreichen Ge- malde herruhrten. dos Bild gemalt das sah man an Der ganjen Lmienfühung und der eigentümlichen Art und Schattenoerteilung - war der Maler . °!^ch?Eer Meister gewesen, so erhob sich

a.' h a®-t rtmiren, doch weit über Dilettantismus duttema darüber erstaunt sein, daß

der Schöpfer emes derartig gehaltenen Kunstwerks der Nachwelt vochtand g unbekannt geblieben war. Das ^" -lackte nur von einem lang herab- aßenben, tme ©über glitzernden Schleier umhüllte Frauengeftali vor, bie, über einer wilden Felsenland, schalt schwebend, ben.Sopf abwärt- gewendet mit einem lockenden Lächeln aur dem berückend" schön-m von ein-ni sinnlichen Hauch überschwebtem Antlitz, aus einem Füll­horn einen Regen von funkelnden Goldmünzen in die Tiefe gleiten ließ. Darunter stand in verschnörkelten Buchstaben:Die Jagd". An der von dem Beschauer aus, rechten Seite de- Gemäldes war dasselbe wie ein Halbmond weitausgebuchtet und schloß sich ber (Raf.mcn dieser Ausbuchtung genau an. Ein rosig»/ DOn oben fallender Schein die ganze Gestalt ein und setzte sich bis zu dem Rahmen an der Ausbuchtung fort; gegen lichte Helle hoben sich die dunklen Felsenwände des Abgrundes auf dem unteren Teile des Bildes fast p[a, stisch ab, wie es auch die Hand de? Künstlers verstanden hatte, der Frauengestalt den Anschein zu geben, als ! schwebe sie greifbar erhaben über dem Hintergründe, i

Sn welche Beziehung ist die Unterschrift des Bildes die Jagd" mit der goldstreuenden Frauengestalt zu bringen?" sagte Fräulein Emilie Hohenfels vor sich hin und trat in die Mitte des Raumes, um den Schein der an dem Kronleuchter angebrachten elektrischen Flamme voll auf das Gemälde fallen zu lassen. Weder Jäger noch Wild waren zu entdecken; als allegorische Darstellung der Jagd konnte die schwebende Frauen­gestalt auch nicht angesprochen werden, denn jedes zum Jagen notwendige Attribut wie Bogen und Pfeile fehl­ten ihr. Daß das Gemälde etwa unvollendet fei, da­gegen sprach feine ganze Ausführung und was die sichriförmige Ausbuchtung an der rechten Seite des Bil- des bedeuten sollte, das erschien erst recht als ein Rätsel. Kopfschüttelnd wollte Emilie es eben wieder an seinen Platz stellen, als im Garten Männerschritte hörbar wurden und gleich darauf die elektrische Klingel schrillte.

Mit einem befriedigenden Kopfnicken öffnete Fräu­lein Emilie die Tür und ließ Herrn Friedwald mit den Worten eintreten:Sie kommen wie gerufen, Herr Friedwald! Da habe ich in dem Raritätenschrank dieses Bild gesunden, über das ich mir vergebens den Kopf zerbreche. Vielleicht wiffen Sie, der in diesen Sachen Bewanderte, das Rätsel zu lösen!"

Ztrmit bat sie den Buchhalter freundlich Platz zu nehmen und überreichte ihm das Fundstück.

Die Erregung, welche sich auf dem Antlitz Wilhelm Friedwalds bei deffen Eintritt ausgeprägt hatte, wich einem sinnenden Ausdruck, als er den Blick auf das Bildnis heftete. Wo hatte er doch ein ganz ähnliches Bild gesehen? Richtig damals bei der Familie Hochfeld, an dem nämlichen Abende, an welchem er sich von Hedwig kennte. Genau vermochte er sich nicht mehr zu entsinnen, was jenes Bild vorstellte, denn die seelische Erregung, in welcher Cr sich damals wegen Hedwigs Verhalten gegen ihn befand, hatte ihn nichi genau aufmerken lasten, doch schwebte ihm vor, als wäre das Bild an der linken Seite sichelförmig ausge­schnitten gewesen. Wie lautete doch die Unterschrift imter dem Hochfeldschen Bilde? Hieß sie nicht:nach dem Glücke" und stellte das Bild nicht zwer Jüng- lingsgcftalten vor, die nach der Höh- strebten? Sollten sich bie beiden Gemälde vielleicht gegenseitig ergänzen?

j Zweifellos! Wenn beide Unterschriften zusammen ge* I lesen wurden, bann hieß es:Die Jagd nach dem Glücke" und während der Inhalt der Gemälde, wenn man sie einzeln betrachtete, unverständlich blieb, erklärte sich derselbe sofort, wenn man die Bilder zusammen- fügte die nach der gotofkeuenbe« Frauengestalt em- porskebenden Jünglinge jagten dem Glücke nach, das unerreichbar für sie über dem Abgrund schwebte.

In fliegender Hast teilte Friedwald ber jungen Z'ante feine Vermutungen mit und knüpfte daran die Mitteilung von der selffamen Entdeckung, bie er in der atten Hausbibel gemachst hatte. Bei dem Eifer, mit welchem sowohl Fräulein Emilie wie Friedwald be- sttelst waren, Licht in die Rätsel ber Vergangenheit zu bringen, hätten sich beide wohl sofort eingehend in den Gegenstand vertieft, wenn ber Buchhalter sich nicht des sehnsüchttg harrenden Freundes erinnert hätte. Er erstaunte nicht, daß die junge Dame bei Erwähnung des Namens Karl Hochfeld tief errötete und sich sofort bereit erklärte, den Wunsch des Genannten zu erfüllen. Eilig legte sie das Bild und bie Bibel wieder in den Raritätenschrank, löschte das Licht und begab sich mit ihrem Begleite- nach dem Kontor, das wie erwähnt direkt an die Wohnräume des Buchhalters stieß.

In stürmischer Bewegung fcat ihr Karl Hochfeld einige Augenblicke nach ihrem Einkitt entgegen, ergriff ihre Hand und führte dieselbe ehrerbietig an seine Lippen, während Friedwald sich diskret zurückzog, an den am anderen Ende des Raumes stehenden Pult'km und sich mit einem Geschäftsbuche zu schaffen machte.

Freund Friedwald hat mir mitgeteilt", begann Karldaß Sie, verehrtes Fräulein, sich meiner an, genommen haben, als Ihnen zu Ohren kam, welch schmählicher Verdacht auf mir lastet. Wie soll ich Ihnen für tiefen Beweis Ihres Vertrauens danken? Das Dewußffein, daß Sie an mich glauben, wird mir ein Trost auf meinem künftigen Lebenswege fein; es wird mich anfpomen, mit allen Kräften nach dem höchsten Glück zu fkeben, bas es für mich auf ber Welt gibt! Ich danke Ihnen Emilie innig banke id> Ihnen!" Er hatte ihre Hand feftgebalten und dieselbe wiederholt an die Lippen gedrückt.

Mit fünftem Lächeln auf dem erröteten Antlitz ge- ttaitei» das schöne Mädchen bie ehrerbietige Liebkosung i

und bas Auge fest auf ben jungen Mnan richtend, sagt es leise:Ich weiß, daß Sie einer gemeinen Handlung nicht fähig sind, lieber Freund! Deshalb glaube ich an Sie, wenn auch die ganze Welt anderer Meinung ist!"

Trotzdem, daß der Schein wider mich ist, Emilie? Trotzdem, daß selbst mein eigner Vater nicht an bie Unschuld des Sohnes glaubt? Dieses Wort aus Ihrem Munde wiegt alle Trübsal, die ich heute erduldet habe, reichlich auf! Der liebe (Bott segne Sie dafür!"

Ich glaube an Sie, Karl, weil mir mein innerstes Gefühl sagt, baß ich an Sie glauben barf! Und wenn die Empfindungen, die Sie mit einst offenbart haben, noch heute ebenso rote damals in Ihnen leben, bann sage ich Ihnen: Richt nur meinen festen Glauben, son- bem auch meine Hoffnung setze ich auf Sie! Wenn es ein gerecht waltendes Geschick gibt, bann muß bie Stunde kommen, in welcher Sie gereinigt vor aller Welt dastehen dann, Karl, wird auch bas, was ken­nend zwischen uns steht, meberfinten bann wird das, was wir uns gelobten, erfüllt werden können! Ich warte darauf und sollten auch Jahre darüber hinaus­gehen!" Freimütig hatte sie gesprochen und dem sie mit strahlenden Augen Ansehenden wieder bie Rechte ge. reicht.

Eine geraume Weile standen bie beiden schönen MenschenNnder stumm einander gegenüber, eines in den Anblick des anderen versunken; nur ihre inein­ander tauchenden Blicke redeten eine verständnisvolle Sprache. Sic erzählten sich von den heißen Empfin­dungen ihrer Herzen, von dem festen, unveränderlichen Willen, kotz aller Hindernisie, bie sich ihrem Glücke entgegentürmten, keu zu einander zu halten, sie skahl- ten das Hochgefühl wieder, welches die innige Neigung Zweier in den gleichen Harmonien erklingenden Seelen verleiht. Nur das dumpfe Ticken ber alten Kontoruhr und das hastige Rascheln ber Blätter bes Hauptbuches von Friedwalds Pult her drangen durch den weiten Raum, der in feiner kahlen Nüchternheit so recht an die Prosa des Lebens gemahnte, an den durch kein hei- ßes Wünschen und sehnsüchtiges Hoffen zu verändern" den Lauf der alltäglichen Welt.

(Fortsetzung folgt.)