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TSTT

Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 271.

Verantwortlich rür den rediMtonellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Firlda. n Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda. Ferniprecher 9tr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.

Freitag, 25. November 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.00 Mk. zugestellt frei ins Haus- u Abgeholt in der Geschäftsstelle 4,60 Mk. > Anzeigen: Kleinzetle nach Tolonel maßt Mark; Rekiamezeile (Textbreite) nach Colone'matz" 3 M^rk.

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48. Zahrg^.

Die Anschläge derMoskauer"

ist

Streift rmd Demonstration

Ter Hungerstreik der Politischen Gefangenen.

Wie von Seiten der preußischen Regierung mit» geteilt wird, ist in Torgau der Hungerstreik be­endet. In Lichtenburg befinden sich nur noch vier Gefangene im Hungerstreik. Zwei davon erhalten anscheinend Ernährung von Mitgefangenen zugesteckt. Auch in Wittenberg ist der Hungerstreik beendet

Streik in Berlin?

Nach einer Mitteilung derDeutschen ALgem. Zeitung* haben von den 1500 Werksangestellten 1200 für den Streik und nur 300 dagegen gestimmt. Heute soll noch einmal versucht werdens in Verband» lungen mit dem Stadtkämmerer eine gütliche Rege­lung in der Lohnfrage herbeizuführen.

Aus der Werkstatt der Bols^wiskeu.

_ DerVorwärts" veröffentlicht zwei Berichte, die während des kommunistischen Märzaufstandes von der Ausstandsleitung in Halle an die kommunistische Zen­trale in Berlin gerichtet worden sind und aus denen hervorgeht, daß die Kommunisten systematisch darauf hmgearbeitet haben, durch Provokation den Aufstand herbeizuführen.

In dem einen Bericht heißt es, daß die Aimmung unter den Arbeitern sehr schlecht sei und daß es n st- l i che r Mittel bedürfe, um die Sache hochzubringen. Die Stimmung der Arbeiter müsse durch Verhaf­tungen kommunistischer Führer und durch Attentate gestützt werden. In dem andern Be­richt heißt es, die Sipo müsse zur Abwehr gereizt werden. ______________ _ ___________

Beratungen des Nerchskabmetts.

Das Reichskabiuett hat sich gestern abend mit der Erledigung der Reparotionsverpflich- lungen beschäftigt.

. Weiter bewilligte das Reichskabinett einen Zuschuß von 100 Millionen Mark an die 2u ä k e r st i f t u n g für bedürftige deutsche Frauen und Kinder. Schließlich wurde eine Notstandsaktion zurMilchversorgung der Städte und weitere Maßnahmen zur Be­kämpfung des Lebensmittelwuchers be­raten.

Diese Fragen sollen am Samstag nochmals m i t der preußischen Regierung bejprochen roei=

beschlußunfähig. Rüche Sitzung Freitag.

Theater oder Ernst?

- Wir haben bereits gestern mitgeteilt, daß in Berlin eine BcjprechungüerBetriebsräte auf Be­weiben der Kommunisten stattgefunden und ein über­raschendes Ergebnis gehabt hat.

Zwar behaupte» derVorwärts", daß an dieser Be­sprechung Vertreter der Mehrheitssozial, demokratienicht teilgenommen hätten, aber aus der unabhängigen und kommunistischen Presse geht her­vor, daß d o ch einzelne Vertreter der Mchrheitssozial- demokratie bei dieser Besprechung zugegen waren. Der Vorwärts" Halls noch am Mittwoch abend unter Be­zugnahme auf diese Besprechung von einem Unfug der Kommunisten gesprochen und die ganze Veranstaltung als nichts weiter als ein kommunistisches Theater bezeichnet.

Das Ergebnis dieser Besprechung ist, wie gemeldet, die Annahme einer Entschließung, die zunächst den all­gemeinen deutschen Gewerkschaftsbund (Sozialdemo­kratie) und die Asa aufforderte, innerhalb 14 Tagen einen allgemeinen deutschen 'Betriebsräte« kongreß nach Berlin einzuberusen. Dann wird die­sem Kongreß die Tagesordnung oorgeschrieben, die folgendes besagt:Erreichung einer Amnestie für die politischen Gefangenen, Durchführung der Forderungen, die m den Aufrufen des ADGB. und der USPD, ent­halten sind, Abwälzung der Steuerlasten auf die Schul- tttir der Besitzenden (Sachwerterfasstmg), Sicherstellung der Botksernahrung durch Erfassung der Lebensmittel mib Verteilung durch die Organisation der Gewerk- fchasten rmd Betriebsräte, Organisierung der Lebens- msttelproduktion durch Organe der Arbeiterschost und chver gewerkschaftlichen Organisationen." -Dieser Ausgang der Besprechungen ist einigermaßen überraschend, erklärt sich ober doch aus Sen vomVor- behaupteten Nichtbeteiligung der sozialdemo­kratischen Vertreter. Immerhin kann man den Ver­lauf dieser Versammlung als einen Sieg der K o m m u n i st e n mtb einen Reinsall der ^hrheitssozioldemokratie aussprechen. Allerdings, so ganz scheinen die Drahtzieher zu ihrem Sieg doch noch kein festes Vertrauen zu haben. Es wurde noch ein Antrag angenommen, der besagt daß, wewr innerhalb 14 Togen kein BelriebsrAekongreß emberufen werde oder die Amnestiefrage nickst auf der Tagesordnung stehe, bann ein eigens zu diesem Zweck gMahllerA us sch selbst einen Kongreß einberufen

Ausschuß setzt sich aus je zwei Vertretern der Unabhängigen, der Kommunisten unb der Mehr- y^tt5|0$iol£riTnofrQti^ Z^amlmen. Scroti ous fmnntenfefeiaig dieses Ausschusses geht hervor, daß die Behauptung desVorwärts" in feiner Donnerstag- Morgenausgabe sich über die BefprechMg völlig aus- schwelgi. DieRote Fcchne" triumphiert dagegen und spricht bereitsv o n einer Arbeiterkämpf- tL°>"i^mrSat;3en Resche". Das Blatt begeik j E Versammlung als einen verheißungsvollen An- 1^ , dneFreiheit" ist begreiflicherweise mit zufrieden. Bon Ä derFreiheit", den mitgeteil-

Wn Beschluß der Versammlung auszudeuten. Nach unabyangigen Organ bedeutet die angenommene Entschließimg, daß die Betriebsräte die Forderung-n dieser Aktion nicht jener provisorischen Körperschaft fon.

Instanzen der Massenorganisation des Proletariats anoertrauen wolle", d. h. also den Gc- ?^rkfchasten. Man könnte aus den Zeilen derFrei- Ä^r, Schiußsolgerung kommen, daß der Ererhell Hinterer etwas angst geworden ist vor den rzolgen, diu jener Beschluß mich sich ziehen tonnte. Me öem^er auch sein möge, an der Tatsache läßt sich nichts Moern. J

n Die Kommunisten haben dank der Mitschuld der llnadmingigen u. dank zumindestens einer Fahrlässigkeit d^Mehrheitssozialdemokratie einen äußerlichen Erfolg davon getragen Was sich weiter aus diesen Dingen mtonMn wird, dem wird man achmerksam folgen

l8-§tunöeKfitzung im Landtag. GtUnhL2r0nneiL5t?9..^Lb >echs Uhr früh, achtzehn Srfcu9' P>at ??e Sitzung gedauert, in der sich o r ö n t uan^-a9 eine neue Geschäfts- Stintbnmk8 9abL roaJircr Heldenkampf gegen mittel Dnllerpfeifen und sonstige Kraft-

die doch . $ur. die Abgeordneten,

siche 5eIbhS21,^t merf?r m dem Alter für nächt- tiqe Anstrk>nn ^düngen stehen, war es eine gewal-

Die vorder»^ ®{ sich das Opfer lohnen?

Uhr qebaue?t unhfn?ene Nachtsitzung hatte bis 3 Diesmal ist ba" erS p°flttDen Erfolg gebracht. Mehrheit des Hauses t j5 ?c «roße muniften und Unabhänön, Gegensatz zu den Kom- fung der Geschäftsordrnl^n" erstrebt: die Verschar- groben" Störern der Ord^n»^ 'te DOn

Nach dem Radau de?

vermuten, daß es sich um ganf frfnprfrirh» m di- "Freiheit" der Abgeordneten §ndelte. A§ ZÜnächst"muß der Abgeordnet? in"g r^b e? Weste sen.zu werden. Erst dann, menn^r^er ^t Weisung widersetzt, wird er von acht weiteren Sitzungen ausgeschlossen. D^ese Zwan?sfer?e?? nen in besonders schweren wallen durch e;npn schluß des betreffenden Ausschusses auf 15 Sitzunaen ausgedehnt werden, aber nur mit Dreiviertelmehr­heit. Wird diese Androhung abschreckend wirken? Einige versprechen sich etwas davon, wenn zugleicb der Verlust der Diäten verhängt wird. Werin i nun aber die Parteikasse oder die moskowitische Hilfskasse die Diäten ersetzt'? Jedenfalls ist die zeit- i wellige Ausschließung eines hartnäckigen Ruhe- i störers ein humanes Abwehrmittel. Und zu­gleich ein dringend notwendiges Abwehrmit- i

fei, denn das souveräne Volk hat doch sein Parla­ment gewählt zu den Zwecken, daß es Arbeit leiste in der vaterländischen Werkstatt, und wer diese Arbeit freventlich stört, ist ein Empörer gegen den Volkswillen, der von rechts wegen ins Gefäng­nis gehört.

Wir versprechen uns von den vorgesehenen Strafen" nicht sehr viel. Im Grunde kommt es immer darauf an, ob hinter dem Präsidenten eine feste und tatkräftige Mehrheit steht, die genug Mut und Zucht hat, um die Ruhestörer niederzuztvingen. In dieser Hinsicht hat nun die Nachtsitzung eine er­freuliche Probe gegeben. Wenn dis arbeitswilligen Abgeordneten nur halb so tapfer und dauernd blieben, wie sie sich jetzt gezeigt haben, so wird es für den normalen Bedarf des Parlaments schon ausreichen. Die linksradikalen Ruhestörer haben eine schwere Niederlage erlitten, und wenn sie da­durch ihrerseits nicht eingeschüchtert werden sollten, so wird doch die Mehrheit sich fortan besser ihrer überlegenen Kraft bewußt fein.

Nebenbei ist es beachtenswert, daß dieU n ab­hängigen" sich an die Seite der Radaubrüder gestellt hatten, während die Mehrheitssozia- listen getreusich den O r d n u n g s k a m p s bis zu Ende mit durchgefochten haben. Das Gerede, daß allenfalls auch die Unabhängigen zur Regie­rungsstütze werden könnten, ist jetzt wohl abgetan. Es schadet nicht, wenn die Mehrheitssoziasiften von diesem bedenklichen Nachbarn wieder etwas ab» rücken. Wir wollen hoffen, baß bei den Mehrheits­sozialisten die positive Energie vorhält.

Es kommt viel darauf an, daß die ängstliche Scheu vor den radikalen Agitatoren überwun­den wird. Wir glauben nicht, daß die kommunisti­schen und unabhängigen Hetzer bei der Masse der Arbeiter Anklang finden werden, wenn sie Stink­bomben und Trillerpfeifen als die unentbehrlichsten Machtmittel des Proletariats anpreijen. Der ver­nünftige Arbeiter sagt: Das Parlament hat den­selben Beruf wie ick, nämlich zu arbeiten!

Der preußische Landtag scheint die Rolle des Bahnbrechers zugewiesen erhalten zu haben. Wie in der Anbahnung der großen Koalition, so auch in der Aufbesserung der Geschäftsordnung. Der große Bruder, der Reichstag, wird sich darüber nicht ärgern, sondern vielmehr sich angespornt fühlen, dem guten Beispiel zu folgen.

Wiederaufnahme der Ekatsberaiung.

Am Donnerstag um 3 Uhr nachmittags trat der Landtag wiederum zusammen.

Die Komnnrniften hoben auch diesmal wieder Extra­wünsche. Sie stellen wiederum eine Anzahl von Anträgen, Sie daraus hinsusgehen, die Freilassung der politischen ©efaiigenen zu erwirken. Nachgerade werden diese Kom- munisten-Airträge so gewöhnlich, daß kein Mensch mchr auf sie achtet.

Zur Verhandlung stehen die 2. Beratung des Forstetats und das Ministerium des In­nern. Hu erstgenanntem Gegenstand spricht zunächst der Landwirtschaftsminister Dr. Wandorsf. Er verspricht größt­möglichste Ausnutzung der Forsten bis an die Grenzen der Wirtschaftlichkeit und die Erweiterung der Forstkultur. Mit den AusschMbeschlüsfen erklärt er sich einverstanden, namentlich auch mit der Erhöhung der Dienstaufnxmds- entschädigung.

Nach einer längeren Aussprache stellte sich bei der Ab» ffrmrmmg heraus, daß infolge der voDousgcgangenen Nacht- jitzung viels Mitglieder nicht anwesend waren. Das Hous

ben. DemVorwärts" zufolge steht aber heute schon fest, daß die Notstandsaktion zur Milchversorgung durchgeführt und daß in den nächsten Tagen neue Ma ß- nahmenzurBekämpfung des Wuchers be­kanntgegeben werden.

Entstaatlichung der Reichseisenbahnen.

Zu dieser Frage hat der Reichsverkehrsminister G r o n e r dem Reichstag eine Denkschrift zugehen lassen.

Aus dieser Denkschrift ist zunächst zu entnehmen, daß die Fehlbeträge der Reichseiscnbahnverroaltung zurück- zusühren sind einmal auf die gesteigerten Personal­koste n, bann aber auch auf die ganz außerordentlich gesteigerten S a ch k o st e u und endlich aus den R ü ck - gangdesVerkehrs.

Ire den Denkschrift wird ferner nachgewichen, daß die Bemühungen der Reichseifenbat)iwenDttitimg, ben Betrieb wirdfchaftlicher zu gestalten, nicht ohne Er­folg geblieben sind. Es wird darauf hingewiefen, daß die Reick^eisenbahn im Iahw 1920 mit einem Fehl­betrag von 15,6 Milliarden abgeschlossen habe, während im Jahre 1921 nur noch ein solcher von 10,8 Mil­liarden zu verzeichnen ist. Sn der Denkschrift wird der Uebrrzeugung Ausdruck gegeben, daß bfe Reichseisen- bahiwerwollung niit der Zeit den Betrieb wieder wirtschaftlich gestalten könne, allerdings unter der Vor­aussetzung, daß eine der GeÄenwertung cngepafjte Erhöhung der Tarife durchgeführt werde. In dieser Beziehung wirb bar auf hingewiesen, daß die Sätze des Güterverkehrs durchschnittlich um das Drei- zehnfache, die des Personenverkehrs um das «Sieben» dis Zehnfache gestiegen firib. Es wird hingugefügt, daß die deutsche Volkswirtschaft sich daran werbe ge­wöhnen müssen, daß künfttg die Teuerungswelle rascher und entschiedener als bisher durch Tariferhöhungen aufgefangen werden müsse.

Was bann die Frage der Prioatbewirtschasmng der Reichseisenbahnen an langt, so wird in der Denk- schdist zugegeben, baß die Etsenknchn in Privachändeu den einer wirtschaftlichen Gchchästszührung abträglichen Einflüssen der inneren unb äußeren Politik mehr ent­zogen wäre. Aber auch der prioatwirtschaft- lichen Betätigung wären Grenzen ge- zogen und daher die Entpolitisierung jedcnsalls keine vollstärtLige. Auch fragt es sich, ob der Verkaufspreis fo gestellt werben könnte, daß der Käufer dann eine wirtschaftliche, d. h. auf Gewinn gerichtete Geschäfts­führung sich würde versprechen können.

Ab-Meßenb kommt die Denkschrift zu dem Ergeb­nis, baß es ni ch t r i ch t i g sei, daß die deutschen Eifen- bahnen als Reichs»nternchmen nicht zur GcftrnLung gebracht werden konnten. Die Voraussetzung für diese Gesundung sind in eineinhalbjähriger mühevoller Ar­beit geschafftn worben. Durch Anmchme privat- wirtschaftlicher Grundsätze in der Organi­sation des Unternehmens und in der Führung der Ge­schäfte kann dieser Prozeß beschleunigt werben, ohne daß die Uebergabe der Bahnen in Prioalhände not­wendig wäre und damit die Preisgabe der polisischen Vorteile^ die dem deutschen Volke aus dem Reichs­betrieb erwachsen sollen.

Ein Reichscisenbahn-Finanzgesetz.

Der Großindustrielle Direktor Cremer erklärte rir einer Rede, die er int Verein der Berliner Kauf- leulc über das Kreditangebot der deutschen Industrie hielt, daß schon in den nächsten Tagen em RetSseiseubahnfinanzgesetz veröffentlicht würde, tn dem bte Loslosung der Eisenbahnen aus de mR e:chsetat vorgeseherr sei. Gleichzeitig werde ern Tienstgksetz erlassen werden, dgs mit der bis- berigen Dimstregelung und der schematischen Auf» fatzung des Achtstundentagks aufräumen werde.

Vie Ententemächte unter sich.

Ser englische Außenminister richtete in einer Rede in London eine Warnung an unb erklärte, die einzige Gewähr für bte Wiederherstellung des Weltsriedens sei nicht . alte Sbee von der glänzenden Isolierung irgend einer Macht, sondern die h a r m o n i f ch e, f r u ch t- bare Zusammenarbeit aller Mächte. Der Friede werde niemals erzielt, wenn eine Macht versuche, einet anderen Macht zuvorzukommen und auf eigene Rechnung ein Uebereinfommen abzu- lchliehen. Wenn Frankreich eine isolierte, besondere Politik verfolge, würde es auf die Dauer nicht Deutschland Schaden zufügen, sondern sich selbst. Ciwzon sagte, die wirkliche Stärke und der wirk­liche Schutz Frankreichs beständen nicht in der Stärke seiner Waffen, sie bestünden in dem uner­schöpflichen Seifte seines Volkes. Sie bestünden nicht einmal in der Gerechtigkeit feiner Sache, sondern in der Tatsache, daß das Gewissen der Welt und zwar die zusammengefaßten phy­sischen Kräfte der Welt und hier schließe er die Großmächte Europas und die Vereinigten Staaten ein die Wiederkehr einer großen, gefährlichen Macht im Herzen Europas, die fortwährend mit dem Schwerte in der Scheide raffele, zur Bedrohung des Friedens der Welt nicht dulden werde.

Wir werden", sagte Curzon,Deutschland in ein friedliches Mitglied des inter­nationalen europäischen Hofes nur » mbilden, wenn die Großmächte sich vereinigen, nicht nur um den Friedensvertrag zu erzwingen, fonbem um ihm klar zu machen, daß keine Politik der Wiedervergeltung oder der Rache von ihnen geduldet wird und daß sie Deutschland bei» stehen werden, seine Rolle zu spielen, voraus­gesetzt, daß es Aufrichtigkeit an den Tag legt."

Rückreise Skinues nach Berlin.

Von englischer amtlicher Seite wird in Abrede j gestellt, bt?r; ein Zusammentreffen zwi - | sch enL - r d George undStinnes verein­bart worden sei. Stinnes ist w i e d e r n a ch B e r- linzurückgekehrt. i

Briand geht, Lloyd George kommt.

Der französische Ministerpräsident Briand ist von Washington kommend in New-Dork eingetroffen. Er begab sich nach der Columbra-Universität, wo ihm das Diplom eines Ehrendoktors der Rechte der liehen werden soll. j

Den Blättern zufolge besteht die Möglichkeit daß Lloyd George noch vor Weihnachten zur Abrüstungskonferenz nach Washington fahren wird.

Hus dem besetzten Gebiet.

I * Die Folger» der Frankenwährung. Die^E i s e n - I bahnfahrpreife auf den Bahnen vom Saargebiet I nach Deutschland haben infolge der Einführung der Fran-' I kemvährüng eine sehr bedeutende Verteuerung erfahren. I So kostet eine Fahrkarte 3. Klasse von Dillmgen über I Saarbrücken nach Landau die Kleinigkeit von 220 M.

I * Bedingter Strafaufschub. Die französische Regierung I hat bte Militärgerichte des von Frankreich besetzten Rhein- I yebietes ermächtigt, dieLex Beranger", ö. h. die Ge- I Währung bedingten Strafaufschubes, die seither nur franzö-' I fischen Staatsangehörigen bewilligt wurde, in geeigneten I Fällen auch bei deutschen Angeklagten anzu- I wenden.

* Reucmsjchmückung des französischen Hauptquartiers. [ Das französische Oberkommando der Rheinarmee hat aber- I mals eine MillioNenforderung für Erneuerungsarbellen I und bauüiche Veränderungen an der Residenz des Generals Dagonte, dem großherzoglichen Schloß in Mainz, an die deutsche Regierung gestellt Schon im Vorjahre mußte das Reich eineinhalb Millionen Mark für diesen Zweck zur. Verfügung stellen.

* Ausschreitungen belgischer nnd französischer Soldaten am Riederrhckin. Infolge der gewissenhaften amilichen Nachprüfung werben erst fetzt eine Anzahl wüster Ausschreüamgen und Rüpeleien französischer und belgischer Truppen bekannt, die sich in der letzten Zeit zugetragen haben. Am 23. September wurde ebn Düsseldorfer Hilfsarbeiter mit.feiner Braut und einer anderen Beglei­terin auf der Straße von 7 belgischen Soldaten angehal­ten, di« bte Frauen belästigten. Als der Begleiter dis Frauen schützen wollte und sich gegen die Anrempeleien wehrte, wurde er von einem der belgischen Soldaien der» artig ms Gesicht gefchlagen, daß fein Auge erheblich ver­letzt wurde, und der Arzt seine Aufnahme in eine Augen­klinik anordnen mußte. In Kaldenhausen im Kreise Mors wurde em ISfähriger Junge durch zwei berittene Soldaten ohne jeden Grund derartig mißhandelt und durck Fußtritte fo verletzt, daß er einen schweren Nervenchock. baoontrug. Auch aus Duisburg liegen eine große Anzahl neuer Fälle vor. Von zuständiger Seite sind gegen diese Ausschreitungen Vorstellungen bei den Kreisdelegier- ten gemacht worden, deren Ergebnis jedoch noch ausstcht.

* Die karloffelzufahr ins Saargebtei. Das vom Reichs- I nÄmftenwm für Ernährung und Landwirtschaft für das Saargebiet freigegebene Quantum von einer Million Zent- . ner Kariös fein, das mit Rücksicht auf den Bedarf des Saat» gebiete und die höhe der deutschen Erzeugung festgesetzt wurde, ist bereits überschritten worden. Der wei­tere Versandt mußte daher gesperrt worden. Der von bei Frankfurter Eisenbahndirektion vor einigen Wochen namentlich bezeichnete Jakob Schröder aus Dud- weiler, der bsschickdigl wurde, deutsche Kartoffeln verscho- >ben zu haben, erklärt in ben Zeitungen des Saargebiets diese Nachricht als Schwindel und will gegen die Ver­breiter dieser Gerüchte gemeinsam mit dem organisierten Saarländischen Kartoffesgroßhandel strafrechilich vorgehen. Schröder erklärt, daß die von ihm mit größter Mühe her- angeschastten 40 Wagen Kartoffeln lediglich im Saargebtet abgesetzt seien und noch nicht den vierten Teil des Bo barfs seiner ltzimdschaft deckten.

Deutscher Reich.

* Berlin, 25. Noo. Die Reichsregierun g hat die Auflösung der Orgamsatfonen Roßbach, Huber- hts, Aulock, Heybebreck und Oberlanb verfügt. Per­sonen, die sich an einer der aufgelösten Organisationen als Miiglieder beteiligen, werden mit Geldstrafe bis zu 50 000 -K oder Festung oder Gefängnis bis zu 3 Monaten brstrast. Die Pferdelirferungen an Belgien, Frankreich, Italien und Rumänien neh­men ihren Fortgang. Mit der Lieferung von R i ir d - vieh anSerbien wurde begonnen. Die deulfche Regierung hat wegen des Telegramms des ungarischen Reichsverweftrs Horthy an den Prinzen Rupprecht von Bayern, in welchem dieser den Prinzen alsSeine I Majestät König Rupprecht" anredete ,d i p l o m a t i fche I S ch r i 11 e in Budapest unternommen.

* Rücktritt des Botschafters in Rom. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat der deutsche Bdtschafter in Rom b. Bereu berg-Go ßler, um seine Entlassung aus dem Reichsdienst nachgesucht, mit der Begründung, er glaube nicht, daß er unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Ziele, die er sich bei Uebernahme seines Amtes gesteckt habe, er­reichen könne. John von Berenberg'-Goßler, der im 55. Lebensjahre steht, hat das Deutsche Reich seit: Oktober 1920 in Rom vertreten. Er ist früher Mitinhaber deS Hamburger Bankhauses Berenberg, Goßler u. Co. gewesen und ist 1908 aus der Firma 1 ausgetreten. Seine Ernennung zum deutschen Bot- schafter in Rom war auf Dr. Simons zurückzu- jühren. Man sieht ihn ohne Bedauern scheiden.

* Der ängstliche Herr General. In einer Be­sprechung nach der Besichtigung der Deutschen Werke in Erfurt meinte General Rollet, indem er be­sonders auf den Bau von Schreibmaschinen hin­wies, daß sich das Werk vollkommea umstellen lasse. Auch die Fabrikation von Jagd Waffen müsse Frankreich als gefährlich ansehen. Als der Be- iriebsrat den General Rollet darauf hinwies, daß er die Fabrikation von Militärwaffen unter allen Umständen verhindern würde, sagte General Rollet in deutscher Sprache:Das sagen Sie, aber nicht Ihre Kinder!"

* Die neuen Verbrauchssteuern. Der Steuiraus- fchuß des Reichstages lehnte die regierungsseitig vorgefchlagenen Zollsätze für Kaffee, Kakao und Tw ab und beließ es bei den alten niedrigen Zoll­sätzen, bewilligte jedoch ben neuen erhöhten Zollsatz für Schokolade. Auch die erhöhte Zündwarensteuer wurde angenommen.

* Verbot derTäglichen Rundschau". DieTäg­liche Rundschau" ist vorn preußischen Minister des