JK 269.
Mttttvoch, 23. November 1921.
Auldaer Leitung
Druck der Fnldaer Aetieudruckerei in Fuld,
Die sozialistische Einheitsschule.
Eine nicht gerat» günstige Perspektive für die Ein- I hertsschule eröffnet die Tatsache, daß trotz aller Er- I örterungen auch der hervorragendsten Pädagogen seit 1866 nicht einmal eine Einigung über ihr Wesen erzielt wurde. Zu Beginn des Jahres 1919 zählte Gymnasialdirekwr Hält 42 Einheitsschultypen, und wer vermöchte zu sagen, um wieviel sie seitdem gemehrt wurden! Dorum ist es auch nicht möglich, eine Begriffsbestimmung zu geben, die auf allgemeine Anerkennung rechnen dürfte. Jedenfalls kommen folgende Momente in Betracht: Einheit in der Organisation in dem Sinne, daß das Reich das Schul- wefen ganz ober teilweise zentralisiert, sowie daß die bestehenden Schulformen in eine möglichst enge und organische innere und auch äußere Verbindung gefetzt werden; Einheit in Bildung, Verwendung und sozialer Stellung des gesamten Lehrerstandes; Verpflichtung I der Kinder aller Stände, Konfessionen und der beiden Geschlechter zum gemeinsamen Besuche btefitr Anstalten und schließlich Einheit in Unterricht und Erziehung aller Kinder nach Methode, Stoff und Ziel (Viktor Hugger S. J., Nationale Einheitsschule. Flugschrift der Organisation der Katholiken Deutschlands zur Verteidigung der christlichen Schule und Erzichung, 1919).
Die Forderung nach ber Einheitsschule wird von vielen Seiten vertreten, insbesondere fetzt sich der Deutsche Lehrerverein mit feinem ganzen Einfluß dafür ein. Die S o z i a l d e m o k r a t i e hat tereils seit ihren ersten Anfängen wohl erkannt, daß die Einheitsschule ihren eigenen Zielen und Strebungen konform ist und ein durchaus geeignetes Mittel darstellt, ihre Absichten zu fördern. Darum wird in allen sozialistischen Kulturprogrammen, angefangen von dem Erfurter Programm 1891 bis zu dem von Gör- Ntz, die Einheitsschule verlangt, und die sozialistischen Schulpolitiker stellen sie m dm Mittelpunkt ihrer Er- örterrmgen. Die Verfassung des Deutschen Reiches hat ihr zudem in Artikel 146 den Weg gebahnt: „Das öffentliche Schulwesen ist organisch auszugestalten. Auf einer für alle gemeinsamen Grundschule baut sich das mittlere und höhere Schulwesen auf. Für diesen Auf- bau ist die Mannigfaltigkeit der Lebensberufe, für die Aufnahme eines Kindes in eine bestimmte Schule sind seine Anlage und Neigung, nicht die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stellung oder ins Religmrsbekennt- nis seiner Eltern maßgebend.
Die Sozialdemokrat» erstrebt nach Hohmann (Das Schulprogramm der SozialdemLkratie, 1921) folgenbe Gestalt der Einheitsschule. Es wird mit dem Kin- der garten begonnen, der etwa vom 5.—7. Lebensjahre des Kindes zunächst fakultativ, später, wenn der Sozialismus zur Durchführung gekommen ist, o b-
An anderer Stelle schreibt Michaelis, daß bei feinem Besuch an der Westfront zu EndeAugust 1917 die sämtlichen Heerführer übereinstimmend sagten, wenn er bald einen ehrenvollen Frieden zustande bringen könnte, sollte er sich n i ch t durch Forderungen, die von anderer Seite nach der flandrischen Küste und Longwy-Briey erhoben würden, beeinflussen lassen. Die Front hielte zwar, dafür ständen sie gut, aber sie hätten nicht genug Leute. Die Mannschaften kämen nie zur Ruhe, und die Nerven hielten nicht mehr so stand wie früher.
Das war im Sommer 1917! Die Truppe hat dann noch ein Jahr ausgehalten; ist es da nicht eine bewußte Irreführung der öffentlichen Meinung, zu behaupten, daß es noch eines Dolchstoßes von hinten bedurft hat, um das schon 1917 nach dem Urteil der Heevesleitung erschöpfte und friedenbsdürftige Heer außer Stand zu fetzen, den Feind zu befugen? Zumal in Sem letzten Kriegsjahr an der Westfront noch unglaubliche und zum Teil auch erfolgreiche, aber auch kraftverzehrMde Anstrengungen zur Erlangung des Sieges gemacht worden waren?
Michaelis hat, im Reichstag völlig unmöglich ge= worden, in der Zeit feiner Kanzlerschaft, das von.ihm verfolgte Friedenswerk nicht vorwärts gebracht. Die erforderliche Erklärung über Belgien wurde bekanntlich niemals abgegeben, Kühlmann gestürzt und der Kampf durchgekämpft. Wenn auch daran nichts zu ändern ist, so ist es doch nicht uninteressant, auch aus diesem Buch so manches zu erfahren, was uns damals, in raschem Geschehen des Tages, in seinen letzten Gründen und Antrieben ein völliges Geheimnis geblieben ist.
Schaff gute Bücher in dein Hans!
Es ist die Klage laut geworden: „Mele Menschen sind so vom Lärm der Welt erfüllt, daß sie nicht mehr die Kraft haben zu der Stille, ein Buch zu lesen." Und der dies Wort spricht, setzt hinzu: „Laß dir nie im Leben die Kraft abhanden kommen, zu dir selber und zu allem Hohen und Reinen still zu sein!" Keine Klage und keine Mahnung dürste heute berechtigter fein. Um jedoch nicht fruchtlos zu nagen und zu mahnen, wollen wir unfern Lesern einige »eitere Fingerzeige geben für die Auswahl von Büchern, Ae sich sitt das Wechnachisfest zur Anschaffung oder zum -verschenken eignen. Sie sind sämtlich im Verlag Herder ”• ~o- in Freiburg i. Br. erschienen.
Jahre des Dantejubliäums wird man vor allem einem Buch fragen, das ein Bild gibt vom Leben und rr oe5 großen Florentiners. In Karl Iakubezyks Sein Leben und feine Werke" ist HinstckN geschaffen, das diesem Bedürfnis in jeder lieben entspricht. Wer aber den unsterb-
mannoBf„?-^ren toia- greife nach K. Zooz-
Einführungen ^.Übertragung mit den wertvollen Uebertraainta Anmerkungen von Konst. Sauter. Diese rete^Fteß dies« K.-^ergülÄg längst anerkannt Der Asto: entweder JÄnbrme o W versiegenden Genuß, fer beide Bei t »der Zoozmanr: oder noch befreie und ■gebtegeite^uÄ1^™ fä® ^schmock- bei den beiden SrortebÄ^ im-rd,rT9 <^ehm aus: ist sie besonders zu rühZ^'s breemander angepaßt sind, ideales Weihnachtsgesch^'L.U fie -»-ch äußerlich ein
Ein Buch über dre Ze i t d , darf in der Gegenwart, Oo öhrftrfM1 r-V - ” ®Iume Sehnsüchte lebendig sind, gewiß «Ä Strömungen und merk bei vielen rechnen, zumal wenn T« bre'OTi>.cres Äugen» lichen Kenner der Romantik verfaßt ist emem »ur die philosophischen Grundlagen der sondern zugleich sich »egen seiner eb'en s^^J bloßlegt, für jeden Gebildeten anregende und °o f
d-rstellt: wir reden von dem Werkchen Z°i T Romantik. Ihre Wesenszüge und ersten f $ e 2t H. Stockmann S. J. ^^r von
War noch nicht die Uebung kennt, sich jährlich ,u »achten die Werke eines echten Dichters schenken \u T,« . ober anzuschaffen, der beginne Heuer mit den zwei ,,Ausgewählte Werke von G o 11 s rie b ® ler". Mit einer Einführung, Einleitungen und Anm-r' Zungen von Prok. Dr. O Helling Haus. Kellers chu- wirkt in unserer trübseligen Zeit doppelt wohltuend Der Name des Herausgebers bürgt dafür, daß das Beste «wsgewählt und daß nichts den gläubigen Christen Ver- utzerches ausgenommen ist.
Wer die Bücher, besonders die Selbstbiographie „Kämpfe" vu kathoiijch gewordenen Pjorrerssrau Magda Al.
WWriigMten Des Mrn MM.
Dir Ariedensmoglichkeit 1917. — Gegen die Dolchstoßlegende.
Wie eine Reihe anderer Staatsmänner der Kriegs- »?ii hat jetzt auch Michaelis, der in 1917 drei Monate Reichskanzler war, ein Erinnerungsbuch erscheinen lassen, das den Titel trägt: Für Staat und Volk, eine Schlußgeschichte. Michaelis weiß, wie er in dem Buche ausführt, heute noch nicht, wie es eigentlich kam, daß gerade ihn, der den weitesten Kreisen damals unbekannt und nur im Verwaltungsdienst verwendet worden war, der Kaiser zum Nachfolger Bethmann-Holl- wegs bestimmte.
Die Ausführungen Michaelis sind nicht unsympathisch. Er macht nicht mehr aus sich, als er gewesen ist; er gesteht Fehler offen cm. Bekanntlich rechnet sich Michaelis zu einer protestantisch-pietistischen Sekte, was aus dem Buche hervorgeht, wenn er seine Berufung zum Kaiser am 13. Juli 1917 mit folgenden Worten begleitet:
Das war die schwerste Stunde meines Sehens. Kein Mensch war da, aber Gott war bei mir; in den Losungen der Brüdergemeinde, die mir wie Tausenden einen täglichen Geleitspruch auf die Lebensfahrt geben, stand für den Tag Vers 9 aus dem ersten Kapitel des Buches Josua. „Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig feiest. Laß dir nicht grauen, und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirft."
Michaelis war Kanzler zu einer Zeit, in der folgenschwere Entscheidungen reiften. Am 5. September gab PaceN den berühmten päpstlichen Friedensfühler in Berlin bekannt. Der Kaiser traf am 9. September in Berlin ein, und da erst gab ihm Michaelis dm Brief des Nuntius bekannt. Der Kaiser sah ihn — nach Michaelis — als einen ernst- haftenFriedensfühlerEnglandsan. Am 11. September sollte Kronrat fein, der Kaiser änderte jedoch seine Auffassung schnell:
In her darauffolgenden Nacht (so berichtet der Der- fasier) wurde ich in der zwölften Stunde mit der Meldung aus dem Schlafe geweckt, ein Kurier des Kaisers sei da. Er brachte mir ein langes, ganz formlos mit Bleistift auf elf TekegrammforimÄaren nieder geschriebenes Exposee des Kaisers, wonach chm nachträglich schwere Bedenken gegen die ihm von mir vorgeschlagene Lösung gekommen waren. Ich muß annehmen, daß er inzwischen mit anderen Beratern, insbesondere der Marine, gesprochen hatte umb von ihnen umgestimmt war. Er schrieb, er habe in den Jahren 1915/16 der Marine gegenüber den Standpunkt betont, der Kampf gehe u m Flanderns Küste. Wenn dies Kampfziel der Marine verloren gehe, würde es heißen: „Skagerrak umsonst!" Es müßte daher geprüft werden, ob die Frage von Zeebrügge getrennt zu behandeln fei. Zeebrügge fei für eine englische Landung gegen Deutschland gebaut, hätte nur militärischen und keinen Handelswert. Man müßte sich eine Pachtung von Zeebrügge überlegen. Wenn die Küste für die Marine verloren ginge, müßten Aequioalente geschaffen werden, etwa Stützpunkte im Mittelmeer. Besondere Aufträge gab mir der Kaiser nicht. Anscheinend sollte fern ganzer Brief nur feinem sorgenvollen Herzen Luft machen, um ihm Aktions- freiheit für den Kronrat zu sichern. Ich bat noch in der Nacht Herrn o. Kühlmann zu mir, um dm Brief mit ihm zu besprechen. Der Brief warf, wenn er eine wirttiche wirkliche Umschwenkung bedeutete, unsere Politik über den Haufen. Ich gfaubte Herrn von Kühlmann, der so weit ging, daß er von seinem Rücktritt sprach, nach meiner Kenntnis des Kaisers beruhigen zu können; id, faßte die Sache nur so auf, daß der Kaiser sich ferne Erwägungen und schweren Sorgen noch einmal vom Herzen schreibm wollte. Er würde im Endergebnis auf meiner Seite stehen.
Nach einer neuen Rücksprache gab der Koffer dem Kanzler stete Hand. Im Kronrat, über dm Michaelis an Hand eines privaten Protokolls erstmals ausführlich berichtet, begründete der Kanzler die Notwendigkeit, bald zu einer Beendigung der Feindseligkeiten zu kommm. Ter Verfasser teilt weiter mit: I
Hindenburg und Ludendorff gaben die I flandrische Küste preis. Ludendorff meinte, daß zur militärischen Sicherung des rheinischen Industriereviers I nötig sei, die Hand auf Lüttich zu behalten. Admiral v. Holtzendorff kämpfte energisch für die flau- I drische Küste als Kriegsziel, während der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Capelle eine I entgegenkommendere Haltung zeigte. Der Kaffer zeichnete I zum Schluß em erschöpfendes und fornwollendeies Ge- I famtbild der Dechandlung und gab mir freie Hand. I Er behielt sich eine erneute Prüfung vor, falls der Der- I zicht auf Belgien nicht bis zum Ilchresende den Frieden I sichern und so einen neuen Kriegswinter ersparen sollte. !
berti (M. Scharlau) gelesen hat, der wird mtt Span- nung nach ihrem neuen Buch mit dem für sie sehr bezeichnenden Titel „Heber alles die Liebe" greifen, und er wird zu seiner Freude finden, daß biefer Diaspora- roman sowohl hinsichtlich der Tiefe des Inhalts als hin- stchllich der Darfteüimgsftmft noch über ihren früheren Romanen sicht.
Die_ Gegenwartserzählung aus der Ostmark „Das Begrab.nis des Hasses" von Franz Herwig tzt ebenfalls em Werk, das sich nicht nur durch den Stoff, | lindern <chch durch die künftterische Gestaltung das Jnter- [ erstDtngt. Bist du Naturfreund? Dann verrate ich du em mcht kunstvoll geschriebenes, aber erlebtes und nmmberjteblid) reizvolles Büchlein, an dem du deine Mfe greufije haben mußt. Es hat den schlichten Titel I^Hermat und fft von Marie Theres Baur. Dm zrchlrerchM Freunden des hl. Franziskus, besonders dm Tertmnern nnrd im Iubffäumsjahr des dritten Ordens bte hier etwas eingehend besprochene neue Ausgabe her „Storettr ober Blümlein des hl. Fran-
5an" ^.®nn5 S chö Nh ö ffer sehr willkommen fern Wenn ich das Buch „Herrgottswis- f*n °°" Wegrarn und Straße", Geschichten von Webern, Zimmerleuten und Dorfjungen von Joseph Wit- tig mit einem Wort charakterisieren müßte, so fände ich bei allem Nachdenken nur das Wort „köstlich"!
Bücher wie Svenssons „Nonni, Griebniffe eines jungen Isländers, von ihm selbst erzählt", sollten unbedingt Gemeingut unserer Heranwachsenden Jugend werden- sie hinterlaffen Bilder in der Phantasie und Eindrücke im Gemüt, die ein ganzes Leben hindurch bleiben. Man übersehe nicht den soeben erschienenen zweiten Band: „Nonni in Kopenhagen", ein Prachtstück guter Erzählungskunst. Unter dem Titel „Runen des Lebens. Geschichten und Gestalten aus alter und neuer Zett" hat Bernard Arens 8. 7. aus den Erzählungen und Legenden des Diktor Delaporte eine Anzahl ausgewählt und Üdeffetzt und zu einem Büchlein vereinigt, das ein besinnlicher Mensch mit Hochgenuß liest.
Die Leser der Bücher „Gwßmutters Iugendland" und „Großmutters Mädchentage" der begnadeten Erzählerin Helene Pages werden ihr neues Buch „Mu 11 er Nanni und ihre Kinder" mit der Hoffnung auf einen hohen gefftigen Genuß in die Hand nehmen' und sie werden nicht enttäuscht fein. Ein solch warmherziges, gesundes Buch lesen zu dürfen, gehört heute zum Schönsten, was man sich nur wünschen kann. Für keinen Erst- kommunikanten des Jahrgangs 1922 sollte unter dem Weihnochtsbaum fehlen das wertvolle, von Dr. A n- wander und Dr. Z L p f l geschaffene Büchlein „Siehe, ich stehe vor der Türe". Dieses gehört unbedingt bet: und daneben wünschte ich noch dringend den Band \ Kommunionerzählunaen .2 ch klopfe an“ von Schwe- i Ler M. Nataüa. J
ligatorisch sein soll. Man möchte den Schatz von geistigen und seelischen Eindrücken, welche die Jugend im Elrernhause empfängt, für die Gesamtheit der Kinder ausgleichen. Denn, wenn alle aus dem Elternhaus unvermittelt in die Arbeitsgemeinschaft der Schule einircten, fo werden sich diese Unterschiede hier im allgemeinen sehr deutlich fühlbar machen." Darum also Ausschaltung der Einflüsse in höherstehenden Familien, welche ihre Kinder über das gewöhnliche Niveau hinaushebcn könnten. „Eine wirkliche Einheitsschule mit wirklich gleichen Vorbedingungen für die Kinder des gesamten Volkes wird sich nur in einer Gesellschaft erreichen lassen, in ber die sozialen Unterschiede vollkommen aufgehoben sind." (S. 65 f.) Das sozialdemokratische Prinzip fordert also, daß das Bessere zu Gunsten des Mittelmäßigen weicht!
An diese Kindergärten soll sich die gemeinsame Volksschule für alle Kinder und alle Geschlechter bis zum 16. Lebensjahre anschließen. Wohl soll in ihr auch ein gewisses Maß von Kenntnissen, deren ieder Staatsbürger bedarf, vermittelt werden, doch ist diese Schule als Arbeitsschule gemeinschaftlich gedacht. Darum ist Programmforderung: Mittel der Erziehung ist selbstgestaltendes Arbeits- und Gemeinschaftsleben, imi> als nächste Möglichkeiten sind ihr u. a. gesetzt: Ackerland und Gartenland bei jeder Schule oder für die Schulen eines Ortts gemeinsam, Schülerwerkstätten. Die Schulreform im Geiste der Sozialdemo- kraüe ist die „Arbeitsschule"; es genügt nicht, daß das Arbeits Prinzip herrschend wird, sondern es wird Arbeits unterricht gefordert, und zwar handarbeitender Unterricht, Elementarunterricht der kör- perlichen Arbeit. Dieser soll in Dingen geübt werden, welche die Knaben und Mädchen für ihre eigene Schulgemeinschaft gebrauchen, z. B. Instandhaltung des eigenen Schulhauses und «gattens, Ausbesserung des Materials, der Bücher, die Schaffung von Lehr- und Anschauungsmitteln, Werkzeugen usw.
An die allgemein Volksschule gliedert sich die B e- r u f s s ch u l e an, die in Lehrwerkstätten und Lehr- wirffchaften dem jungen Menschen diejenigen Kenntnisse vermittelt, die ihm zur sinngemäßen und technisch vollkommenen Ausübung seines Berufes notwendig find. Diese Schulen sollen die Heranwachsenden bis zu ihrem 18. Lebensjahre umfassen; die hier zugebrachten Stunden des Tages sollen als Arbeitszeit entlohnt werden. In solchen Drrufskursen soll auch die Vorbereitung für ein höheres Studium gewonnen werden; die gegenwärtigen höheren Schulen sollen nach und nach abgebaut, von innen heraus zer- setzt weichen.
Diese sozialistische Einheitsschule unterscheidet sich, wie auf den ersten Blick zu ersehen ist, wesentlich von den Typen, die man bisher aufstellte und wohl auch jetzt noch im Deutschen Lehrerverein erstrebt. Man beachte nur, daß der Unterricht fast durchgängig als Arbtttslehre Mdacht fft, unter dem Gesichtspunkte der wirtschaftlichen Produktion; man will technisch geübte Arbeiter erziehen. Damit verbindet sich eine weitgehende Geringschätzung aller rein wissenschaftlichen Betätigung, es fehlt jefres Verständnis für die formale Schulung des Geistes durch Betrieb wissenschaftlicher Arbeit. Man mag diese Einstellung als Reaktion anfehen gegenüber einer zu starken Einschätzung, welche die vorausgehende Zeit dem Wisien zugesprochen hat. Doch kann nicht ver- könnt werden, daß eine so starke Zurücksetzung des WisienschaftsbetriÄies Deutschland zu einem rein proletarischen Lande machen müßte, das schließlich nur mehr gut geschulte Arbeiter liefern könnte, das sich aber von der geistigen Führung auf allen Gebieten, selbst denen der Technik, ausschlöffe.
_ Die Verwirklichung der sozialistischen Einheitsschule würde außerordentlich bedenklich für die weitere Entwicklung unseres Vaterlandes fein. Zudem gehören „Riesenfummen" dazu, die auch noch Hohmann zurzett nicht zu beschaffen sind. Eine glatte Durchführung würde auch, selbst nach Ueberwindung aller andern Widerstände, scheitern an dem Zwange, der nach der Seite der Weltanschauung nötig märe. Denn es ist doch zweifelhaft, ob genügend weite Kreise sich einem solchen fügten
Das neue Italien.
Aus berufener Feder erhalten wir folgende Ausführungen:
Die Tragik der Dinge, die feit den Tagen von Porta Pia auf dem italienischen Katholizismus lag, beruhte
Wohl für die meisten reifen ober heranreifenden ernsten Menschen kommt einmal die Stunde, wo sie entdecken, daß die Erzeugnisie der Phantasie ihren Reiz für sie mehr oder weniger verlieren und daß Persönlichkeiten eine grö- Here Anziehungskraft für sie gewinnen: ein Roman läßt sie kokt, aber die Biographie eines wah r en Mannes beansprucht ihr ganzes Interesse. Diesen sei empfohlen das Werk über Petrus Eanifius von Otto Braunsberger S. J. Daneben sei empfohlen das ebenfalls gediegene und tiefgründige Lebensbild „D er h l. Klemens Maria Hofbauer". Don I. Hofer C. SS. R. Hofbauer gehört auch zu den Männern, von denen wir heute fo überaus viel zu fernen hätten, nicht zuletzt, wie Heiligkeit und tätigstes Leben sich nicht nur vereinigen lassen, sondern unter Umständen sich bedingen. Ws ein drittes Werk dieser Art wäre zu nennen „Don Bosk o". Leben und Werk eines gottbegnadeten Priesters und Jugendfreundes von Filippo Crispolti, ms Deutsche übersetzt von F. Ritter v. Lama. Eine gute Don Bosko-Biographie wird schon deshalb willkommen sein, wett sie uns seither fehlte. Für die heranwach- tende Jugend ist Nachdaurs „Der Hf. Johannes Berchmans aus der Gefefffchafk Jesu" das geratenste Buch. Dieser junge Marne mit feiner Treuherzigkeit und feinem unbefangenen Tugendstreben wird unsere deuffche Jugend vielleicht noch mehr ansprechen als der hl. Aloysius mtt all feinem herben Liebreiz. Endlich fei genannt ein Buch, dem eine recht große Verbreitung zu wmttchen uns Herzenssache ist: die sehnlich erwartete Biographie „Aldan Stolz" von Prof. Jul. Mayer, dem ausgezeichneten Stolzkenner, dem auch niete trage- druckte Quellen zur Verfügung stehen. Die Freude, das Leden unseres einzigartigen Alban Stolz betrachten zu dürfen, wird uns erst ungetrübt, trenn wir wissen, daß noch viele andere Freunde dieses feftfamen Mannes die Freude mit uns teilen.
Bei der religiösen ß Hern tut müssen wir vor allem sprechen von den Autoren Mons Hellmann und Leo Wofpert. Heil mann hat seinen rasch bekannt und beliebt gewordenen Sonntagsgedanken „Stunden der Stille" nun ein zweites, dem ersten ebenbürtiges Bändchen folgen lassen mit bem Titel „Zwischen Alltag und Ewigkeit" und gibt ihnen die bezeichnende Gesami- uberschrift „Wege zum Glück". Don Wolpert, dessen vor Iahresflisi erfchienenes Bändchen Sonntagslesungen „D-e einzige Seele" nun in zweiter und brittcr Auslage Dortiegt, ist ebenfalls ein weiteres Bändchen erschienen: „Der Sonntag der Seele. Besinnliche Lesungen." Georg Timpe hat am 14. September 1919 in ruf- ''-scher Gefangenschaft in Kiew ein eigenartiges Betrachtungsbuch mtt „Gedanken zu Jesuswoften für jeden Tag oes Jahres" vollendet und ihm den Titel „Der selige e ü" gegeben. Es sind darin die Anmutungen, Ge- oankezr Wh teiteebälfe«* t» i
weniger auf der Ablehnung nationalffticher Tendenzen durch den Vatikan, den Hüter des großen wettsolidarischen Gedankens, als auf den engeren, zeitgeschichüichev Problemen der römischen Frage, deren Lösung auf dem Wege der gewalffamen Usurpation die päpstliche Autv- rttäl nicht anetfarmte und nicht anerkennen konnte. Die ätteste Königsgewolt der Erde, die sich ihres geistigen Ursprungs und ihrer geistigen Zielsetzung stets auf das Lebendigste bewußt war, konnte mtt solcher Methode auch nicht vorübergehend Fristen machen und wiederholte ihre formellen Proteste Jahr um Jahr. Für bte ihr gedanklich und organisatorisch treuergebenen Ka- tholiken des italienischen Staates ergab sich daraus die zudem aud) öffentlich unterstrichene Forderung, am po- lttifchen Leben, an der Kabinettsbildung, an den parkt» menrarifchen Arbeiten keinen Antei l zu nehmen. Als Partei nicht. Einzelne polttische Manner, von persönlich untadelhastcm Katholizismus des Privatlebens, haben in den folgenden Jahrzehnten in den politischen Parteien des Landes und in den Führer- stelluugen der Regierung unbeanstandet gestanden und politisch gearbeitet. Aber die Atmofphäne, die sie umgab, war bei Feind und Freund getrübt und an Set» dächffgungcn, an Mißverständnissen, an Hemnmngen reich. Vor allem unterblieb die volle Cntsattung staats» bildender, aufbauender, versöhnender, hinreißender Kraft seitens des kirchlichen katholischen Volkstums.
Wer Italien kennt, weiß, daß dieses Vollsttmr wertvollste Art und Begabung in sich schloß. Wett durch das Land sind die Katholiken Italiens gewesen; was in einem ostmärkischen Roman Klara Siebig „Das ^hlafende Heer" nannte; gesammelte, fülle, wartend« Kräst, aufgefpeichert für eine Zukunft, um die viele unserer Freunde beteten, auf daß Italien nicht völlig, unter die Herrschaft der tradttiorwlosen Moderne, des sittlichen Zerfalls und des polttifchen Radikalismus gerate. Wie viel primitive physische and nwralffche Gesundheit sdrckte in diesem Volkstum des Landes und der Kleinstadt, im heroischen Enthusiasmus dieses armen aber strebsamen, volkstümlichen, aus größter national«: und kirchlicher Vergangenheit lebenden Klerus, im ungebrochenen Elan dieser Jugend, in der natürüchen Sittenfeinhett dieser Frauen, im Hellen Zauberklang des frischen, sonnigen lebenbejahenüen Christentums dieser Welt. Der Bau des politischen Lebens Italiens, aus dem feit 1870 diese Kräfte ausgeschaltet waren, wendete so dem Ausland in steigendem Maße die Fassade frri- maurerffcher, sozialfftischer, antiklerikaler Architektur zu.
Es war aber Täuschung, wenn jemand glaubte, diese Gebundenhett hindM überhaupt Vorbereitung für spätere Zett. Roch in den Jahren, aus denen dis Charakterköpfe Sacchettis, Margottis und Albertarivs ragen, begann der ungesehene Aufbau einer kath. Partei. Um den lombardischen Polonckker vor allem, der die großzügige Auseinandersietzung mit dem wligiösm und wirtschckftlichm Liberalismus der norditaliemschen Bourgeoisie besorgte, fammetiert sich wertvolle Menschen und Gruppen. Geradezu überraschende und entzündende BMe brach im letzten Jahrzehnt des Leomschen Pontifikates aus dem Geäst und dem Gegweige dieser Vorbereitung in der Democrazia Christiana aus, deren Entwicklung mit der Arbeit des Mailänders Meda, des Pffaners Toniolo, des Sizilianers Sturzo und des aus den Marken kommenden jungen Murri verknüpft war, der später den Wey verlor und in die Wüste des Radikalismus ging. Wer die letztm Jahre des ooriaisn Jahrhunderts aus der Nähe miterlebte, weiß, welch reiche FMe und welch starke Zukunftshoffnungen die jugendliche Generation von damals in sich trug und entfaltete.
Das war nicht nur religiöse Kraft und kirchfiche Organisation. In den Welsen der neunziger Jahre erneuerte sich vielmehr bester wirffchastlicher Ausgteich, starke Volkstümlichkeit und große Tradition des Gemeindelebens aus mittelalterlicher Zeit, lieber Jahrhunderte absolutistischer Verflachung und Knechtung, über die Zeit der Bourbonen und der Auslandsdynasten hinüber wurden wieder im besten Sinne autochthone italienische Axt und Begabung wach, wi>> sie Toniolo in seiner prophetenhafien Genialität und im lieber» schwang seiner Romantik immer wieder als den Beruf der lateinischen Seele, ohne den Chauvinismus Garibaldis und ohne den Imperialismus d'Mmttios, herausrief. Daß heute Sturzo, der große Organisator der italienischen Komm-rnen, der Vorsitzende des Städteverbandes. der Führer der Gemeindepoliffk, die neue Partei leitet, ist. für die Schichtung dieser Kreffe charakterisfisch.
Den Umschwung der Dinge brache die Kckastrophe des Krieges. Daß unsere Freunde jenseits der Mpen
triefenbm Tagen wie duftende Stuten in feiner Seele auffpwßten.
In dem Klöstern, vor allem da, wo man das göttliche Kind besonders oerchrt, werden die „Advents, und Weihnachtsbetrachtungen von Mutter Klara Fey, der Stifterin der Genossenschaft vom armen Kinde Jesus" hochwMornmen sein. Das Buch fft aber auch für alle ernst-religiösen Seelen in der Wett em wahrer Schatz. Gleichsam als männliches Gegenstück dcyu möchten wir „Des hl. Ignatius von Loyola, Stifters der Gesellschaft Jesu, Geistliche Briefe unb Unterweisungen" ansprechen, die O. Karrer S. J. mit großem Verständnis gestimmelt und kommentiert hat. _
Wo m einem katholischen Hanse „Das Meßbuch der heiligen Kirche" von Pater Anselm Schott O. S. B. noch schien solltez da kommt vor allen anderen religilssen Büch em dieses in Betracht. Die neue von Pater Pius Bihlmeyer O. S. B. hevausgegebene (22.) Auflage fft äußerlich vorn Verlag und inhaltlich von Mön- chen der Erzabtei Beuron zu einer Mufterleiftvrng ge» schalten: dieser neue „Schott" fft nicht nur das ideale katholische Gebetbuch, sondern auch ein Handbuch des liturgischen Wissens über die heilige Messe und das Kir- chenfahr und eine Keine Heiligenleaende. Für jene, die nur an den Haupttagen die Liturgie mttfeiern, mag als Ersatz der Auszug aus Schotts Meßbuch und Defperbuch genügen, der den Titel „Oremus" führt und ebenfalls bereits in 8. Auflage vorliegt.
Jeder Gebildete fühlt wohl das Bedürfnis nach einer gelegenen und zuverlässigen Einführung m Staatskunde Md Politik, um sich in dem heutigen Stach zurechtzufinden und Äs dessen Bürger das rechte Derhältnis zu ihm zu gemimten. Diese Einführung findet er in dem von Dr. Hermann Sacher in Verbindung mit einer Reihe pon Fachmännern herausgegebenen Werk „Der Bürger im Volksstaat". Don der vermehrten zwetten bis vierten Auflage, die jetzt vorliegt, gilt das noch mehr als von der ersten.
Das non plus ultra eines Weihnachtsgeschenkes bleibt fteibch „Herders Konv^rfations-Lexikonck, ein Kompendium des Allgenremwiffens von anerkannter Vollständigkeit und Sachlichkeit. Das Werk ist bis in dte Nachkriegszeft fottgeMrt und umfaßt nun 11 Bände. Wer sich oder entern Freunde ein W eihnachtsgefchenk machen will, das wirklich seinen Wert für immer behält und täglich neue Freude bringt, der wähle den „Herber".
Zum Schluß sei genannt der Herdeische Wochenkalender 1922, ein Werk, rote es nur ein technisch und kulturell hochstehender Verlag schaffen kann. Er führt den Tftel „Bergguell" und zwar mit Recht; er fft wirklich ein befruchtender und erquickender Quell, der auf dem Berg >«. ctfe'Äsntwns feinen Ursprung hat.