Fuldaer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Lkadk Fulda.
Nr. 268.
««antwortlich tür den cedaaionelle«Teil: Dr. I. Kramer, lur Anzeigen: I. Parqeller-Fulüa. z RotMionsbruck u. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda. ; ernjprecher Nr. 8. Telegr.-Abresso: Fuldaer Zeitung.
Dienstag, 22. November 192t.
Bezugspreis: Monatlich 5.00 Mk. zugestellt frei ins Haus- ~ AbgehoU in der Geschäftsstelle 4,60 Mk. :: Anzeigen: Kleinzeile nach Colonelmatz 1 Mark: Reklame zeit» lTexrdreitel nach Eoloneimaß 3 Mark.
48. Zahrg.
Rene ToWtAinMe te KmmHen
Entdeckung sagen
Schritten draußen Gedankengang des
Hohenfels zu der merkwürdigen würde?!
Das Geräusch non männlichen auf dem Vorplatz unterbrach den
Beratungen der ReichrkMseitr.
Der Reichskanzler hat gestern nachmittag mit den Führern des Zentrums und der Sozialdemokraten eine Aussprache über die durch die Tenerungs- verhältniffe geschaffene innere Lage gehabt. JmAnschlutz daran fand eine Kabinettssitzung statt, die sich mit der Finanzlage und der inneren Lage des Reiches beschäftigte. Der Reichskanzler wird voraussichtlich^ in der heutigen Sitzung des Stenerausschusses des Reichstags über den Stand der Reparationsfrage. nach den Besprechungen mit der Reparations- kommiffion eine Erklärung abgeben.
Auch die Preußische Regierung hat sich mit den Vorgängen der letzten Tage aus Anlaß der gegenwärtigen Teuerung beschäftigt. Innerhalb des preußischen Kabinetts sieht man keine unmittelbare Gefahr in diesen Vorgängen und keinen Grund zu Besorgnissen. Man erwägte Maßnahmen, die nötigenfalls getroffen werden sollen, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhallen.
warteten Besucher entgegen, dessen ganzes Aussehen' I eine hochgradige innere Aufregung erkennen ließ. Totenbleich war sein Antlitz, wir hing ihm das leichtgelockte Haar um die schweißbcdeckte Stirn und mit einem | seltsamen Ausdruck von zagender Befangenheit begegneten seine glühenden Augen den fragenden Blicken ! des Freundes. Erst als dieser seine rechte Hand ergriff ! und dieselbe herzlich schüttelte, huschte es rote ein er.
lösender Schimmer über seine verstörten Züge und mit ! heiserer Stimme stieß er hervor:
»Du kommst mir wie früher entgegen. Wilhelm? Da weiß Du noch nicht —*
-Daß ein schwerer Verdacht auf Dir ruht, armer Kerl?" unterbrach ihn der andere. »Doch, das weiß ich, mein Lieber! Aber ebenso genau weiß ich, daß hier wahrscheinlich ein verhängisooller Irrtum vor- liegt! Du hast ganz gewiß nicht getan, was man Dir in die Schuhe schiebt — dafür kenne ich Dich zu genau!"
»3<6 danke Dir, Wilhelm, für das Wort — ich danke Dir!" stammelte Karl Hochfeld gerührt. »Wenn Du wüßtest, wie wohl das tut, nach dem, was ich heute durchgemocht habe! Alle wenden sich von mir ab, verlegen weicht mir jeder Bekannte auf der Straße aus, um nicht grüßen zu müssen — mein eigner Vater glaubt mir nicht, die Mutter selbst ist im Zweifel — nur Du und Hedwig, Ihr seid die einzigen, die im Vertrauen auf mich fest bleiben — Du und Hedwig! Ich weiß nicht, ob Du genau von der Sache unterrichtet bist?"
-Frau Fama hat dafür gesorgt, daß mir nichts unbekannt blieb!" erwiderte Friedroald, der sich bei der Erwähnung Hedwigs abgewendet hatte. „Die ganze Stadt spricht davon — wahrscheinlich aber mit den üblichen Uebertreibungen — deshalb möchte ich von Dir einmal ganz genau hören, wie die Sache dnen eigentlich liegt! Setze Dich und beruhige Dich vor allem! Trinkst Du ein Glas Bier? Nicht? Na — dann steck» Dir wenigstens eine Zigarre an!"
zieht. In der vergangenen Woche sind in das Polizeipräsidium bereits 20 Personen, meist halbwüchsige Burschen «ingeliefert wordan, die ihrer gerichtlichen Aburteilung wegen Teilnahme an den Plünderungszügen entgegensehen.
Umzugsverbot in Berlin.
Wie das „B. T." hört,ist aus Anlaß der Plünderungen in Berlin vom Polizeipräsidium ein Verbot von Umzügen erlassen worden.
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Im Bezirk Halle-Merseburg wurde gestern in 18 großen Versammlung en die Freilassung der politischen Gefangenen von Lichten- burg verlangt. In einem Telegramm an das preußische Justizministerium wird erneut mit dem Generalstreik gedroht. Die Belegschaften der industriellen Betriebe haben den Generalstreik beschlossen, falls die Gefangenen bis heute nicht freigelassen werden.
Sinnenden: hastig wurde die Tür aufgerifien und Karl Hochfeld erschien auf der Schwelle. Erschreckt sprang Striebaalb vv- ‘einem Stuhle aut und trat dem uner»
gendthorheit, ernst und mannhaft. Herr Jürgen von Frundsberg und der Burtenbacher Bastel sie halten strenge Zucht — Gott lohn's ihnen! Sfber den Frieden brachten die Söhne mir nicht, sintemalen ihre Herzen getrennt sind seit Jahren des altenZwistes um das verfluchte Gold und um eines Weibes willen. Mein Flehm und Bitten sich zu etjnen — machtlos verhallt es! Verstockt und verhärtet sind ihre Seelen von den Gräueln des Krieges, zu tief gefressen der Groll gegeneynand. Mst finsteren Blicken, ohne Gruß und freundlich Wort gehen sie aneynander vorüber und fegnb doch Brüder! SBie wird das enden, wenn ich von hinnen fahre, wenn ihnen kund wird, was ich geheym gehalten vor Jeder- mann? Wird dann der Bruderzwist nicht aufs Nm entbrennen um de? verfluchten Goldes willen? Zu ihrem Seften will ich's verhüten — erst dann vermögen sie den geheymen Schatz zu hebm, wenn sie in Lieb und Treuen etmig sind — erst bann! Und hab ich dero- halber meyn sichtbar Hab und Gut getheylet, also daß auf Jeglichen die Halbscheyd komme — nit mehr und nit minder. Dir Albrecht als dem Aellesten gehört die Siebenburg mit dem Wiesengeländ biz zur Breitengas- fen, Dir Konrad das stattlich Haus in der Schloßgaffen mit Gärllein und allem was drinn und drum. Feld, Wald und Wingerten jedem zur Halbscheyd und ist alles genau verbrieft und mit Jngesiegel versehen von dem ehrenfesten Herrn Veit Wallroder, dem Schultheyßen, also, daß keyner wider ben anderen zu schmälen vermag. Der Herr lenke Eure Herzen zur Eynttacht — bann seyd Ihr gefestet gegen den Fluch des Goldes, bann findet Ihr —"
Hier brach die Handschrift ad. In ungelenken Schriftzügen folgte eine Eintragung, dem Datum nach offenbar von dem Sohne des alten Freiherrn herrüh- renb, die lautete:
„Ein frommer Trug! Der Herr Baier gedenkt mich zu kirren, auf daß ich mich enne mit dem Schalksknecht dort drunten, so meyn Bruder heyßei. Stimmer werd ich ihm wieder hold, der mir das Herz der rninnigli. chen Hildegard geraubt — in diesem Leben nimmer.“ A. D. MDLXXIL
Sturmzeichen?
3m Eircklang mit unfern gefangen Ausführungen über neue bosschewistische Wützl- arbeit in Deutschland stehen folgende Zeilen, die uns von parlamentarischer Seite <ws Berlin zugehen.
Es war vorauszufehen, daß von linksradikaLer Seite der Winter mit all feinen Nöten und mit der wachsenden Teuerung mißbraucht werden würde, um aufs neue Unruhen in die Arbeitermassen zu bringen. Seit Wochen sind in Groß-Berlin Plünderungen von Geschäften an der Tagesordnung. Bald bricht in dem einen Betriebe, bald in dem andern ein wilder Streik aus. Kurz, die Kommunisten haben es mit ihrer Hetzer« er- reicht, daß in einem Teil der Arbeiterschaft eine starke Unruhe wieder einmal herrscht.
Zu der Verhetzungsmethode gehört zweifellos auch der Hungerstreik der wegen gemeiner Verbrechen zu längerer Freiheitsstrafe verurteilten Kommunisten. Dieser Hungerstreik, der ganz, zweifellos eine Mache der kommuni st i-schen Drahtzieher ist, mußte dann dazu herhalten, den Kommunisten das Sprungbrett für deren Unfug in den Samstagsitzungen des Reichstages und Landtages zu geben. Diese parlamentarische Aktion der Kommunisten, wenn man sie so nennen darf, bedeutet anscheinend den Auftakt zu einer neuen kommunistischen Bewegung. Jedenfalls soll man sich davor hüten, die Aktion der Kommunisten auf die leichte Schulter zw nehmen.
Die „Rote Fahne" veröffentlicht am. Sonntag einen Aufruf, der in der hetzerischsten Weise die Wahrheit verdreht und die Arbeiter zum Kampf für die Freiheit der Hungerstreikenden auffordert. Leider haben die Kommunisten mit ihrer Hetze gewisse Erfolge zu verzeichnen. In einer ganzen Anzahl von großindustriellen Betrieben Berlins sind die Arbeiter auf den Trick der Kommunisten hereingefallen und haben Abordnungen in den Reichstag und und Landtag gesandt. In Halle sollte, wenn die Haftenttassung nicht erfolgt, am Montag der Generalstreik austdrechen. Die Lage wird verschärft durch die H alltun g ber । Unabhängigen, die, zunächst ihnen bisherigen Methoden den Rücken wenden zu rotoBen scheinen, I wieder ganz in das Fahrwasser der Pinksradikalen geraten sind.
Das hat sowohl das Auftreten der Unabhängigen im Reichstag wie im preußischen Landtag bewiesen, als auch ein Aufruf des unabhängigen Organs, der „Freiheit", welche in ähnlicher Weife.die Arbeiter- schäft verhetzt. Das einzig Erfrenlvche bei der augenblicklichen Lage ist, daß die Sozialdemokraten mit aller Entschiedenheit gegen die Hetzversuche der Unabhängigen und Kommunisten auftreten.
Der „Vorwärts" veröffentlicht einen Ausruf, in welchem die Arbeiter und Angestellten zur Ruhe I ermahnt und aufgefordert werde», sich nicht miß- I brauchen zu lassen. Auch veröffentlicht der „Vor- I wärts" längere Ausführungen, in'welchen die Par- I t eiangehörigen dringend gewarnt werden, auf die I Hetze der Linksradikalen hereinzuhvllen. Der „Vor- I märts" schreibt mit vollem Recht, das es den Kom- I munisten im Reichstag und Landtag nicht darauf ankam, den Hungerstreikenden zu helfen. Für sie habe es sich lediglich darum gehandelt. einen parlamentarischen Ueberfall auf die sozialdemokratische Partei zu inszenieren. Er Hache aber noch hinzu- I fügen können, daß die Kommunisten offenbar ihre | •3ejt für gekommen halten. auKs neue ihren Ideen I zum Siege zu verhelfen.
Nach der Kbrerse -er Reparütlsnr- kommiWon.
D:r Besuch der Reparattimskommission in Berlin hat sich m eigenartigen Formen abgespiÄt. Die groß- mächtige Kommission kam in corpore, mit ihrem vollen Bestand, nach Berlin, aber sie trat nicht mit der Reichs - rcgierung in förmliche Verhandlungen, fonbent beschränkte sich auf „Besprechungen" mit Ministern und hervorragercdm Persönlichkeiten aus dem Wirtschaftsleben. Der Meinungsaustausch war informatorisch ge- haltkn. Zum Ende der Reise hätte man wohl einen amtlichen oder wenigstens halbamtlichen Bericht über die empfangt nen ©nbrütfe erwarten dürfen. Aber während sonst die Redseligkeit in bei! Entemekreisen mchts zu wünschen übrig läßt, hielt diese Kommission im vorliegenden Falle Schweigen für Gold.
Das einzige amtliche Aktenstück, das zum Vorschein gekommen ist, geht von der deutschen Seite aus, nämlich ein Sci)reiben des Reichskanzlers an die Kommission, in dem Deutschland erklärt, daß es zum Beweise des guten Willens zu dem anßerordentlichm Mittel einer Streb]toperaHon greifen wolle, und dabei die Unterstützung der Kommission erbittet. Aus dieses Schreiben hätte eigentlich eine Antwort seitens der Kommission erfolgen muffen. Aber die Herren sind abgereist, ohne ber Reichsregierung eine Zustimmung abtr einen Widerspruch übermittelt zu haben.
Ztrr Lösung dieses Rätsels muß man die „Enthüllungen" in der französischen Presse heranziehen. Was die Berichterstatter erhorcht haben wollen, ist cm sich nicht zuverlässig: doch spricht im vorliegenden Falle die Wahrscheinlichkeit für die Mitteilung, daß im Schoße der Kommission M e i nu n g s ve r -
Kommunisten ben Regierungsvertreter beim Sprechen. | Man ist empört, daß nicht der Iusttzminister selber dos I Wort ergreift. »Der Iustizminister wagt es nicht seine I Schulb hier zu vertreten", tönt es aus ben Reihen der I Kommunisten. Die Feststellung bes Regierungsvertre- I ters, insbesondere daß es sich bei dem ganzen I Hungerstreik um eine Komödie handele und I daß die angeblich Hungernden heimlich Nahrung zu sich I genommen hätten, wird von den Kommunisten denen I diese Feststellung ersichtlich unangenehm ist als gemeine
Lüge bezeichnet. Die Bemerkung des Vorsitzenden, man dürfe die Aussagen eines Regierungsvertreters nicht als Lüge bezeichnen, wirb mit Geheul und Gejohle aufge- I nommen. Als ber Vertreter bes Iustizministers seine I Ausführungen beendet hat, setzt der Spektakel in oer- I schärfter Form ein. Wieder tönt es „Henker, Heu.
ter". Eine Zurückweisung bes Präsidenten hat nur | ben gegenteiligen Erfolg. »Ein Henker bleibt ein Hen- I ter", ruft man bei den Kommunisten.
So ging es den ganzen Abend zu. Als dem Regie- I rungsocrtreter von ben Kommunisten „Halunke" zu'ge- rufen wird, entspinnt sich zwischen ben Sozialdemo kro- I ten und Kommunisten eine erregte Auseinandersetzung, I in beten Verlauf der Abg. Katz einem Sozialdemokrat I ten mit geballter Faust zuruft: „Warte, Du Lump!" I Nachdem ein zweiter Regierungsoertreter auf die ein» | seinen Punkte der kommunistischen Interpellation ein» I gegangen war, der gleichfalls mit Zurufen wie „Hen- I ter!", „Halunke!" beschimpft wurde, sprach als erster I Diskussionsredner Abg. Suttner (Soz.) Es sprachen ser- I i»er die Abgg. Dr. Schmit t-Düsseldorf (Ztr.), Dr. I Cohn (Unabh.s, Dr. Seelmann (Dvtk). Katz (Kom ), Stendel (D. Vpt.), Höpker-Aschosf (Dem.). Dann wurde I die Debatte, die sich bis über Mitternacht hin- I auszog, geschlossen. Die Absttmmung über die Anträge I vertagte bas Haus auf bie nächste Sitzung, bie auf | Dienstag festgesetzt würbe. Vorher wirb sich noch der I Aeltestenrat mit ber Geschäftslage befassen.
Neue Plünderungen in Berlin.
I Auch am Montag ist in Berkin wieder eine Reihe I von Lebensmittei- und Kleidergeschäften geplündert I worden.
I Millags bildeten sich nach einer Versammlung von I E r werbslo s e n, die in eine Bewegung gegen die I städtische Arbeitslosenfürsorge eingetreten waren, I mehrere Demonstrationszüge, die u. a. die I Auslagen der Konditorei Gnmpert in der Königfiraße I ausraubten und irr dem Herrengar deroüegeschäft von I Esde rs und Dyckhoff sämtliche Schaufenster z-er- I schlugen. Am Eindringen in das Geschästslokal selbst I wurde die Menge durch den Geschäftsführer verhindert, | ber den Eingang schließen ließ und ihn mit dem Re- I oolver in der Hand bewachte. Auch in einem I irr Stilterschen Schuh Warengeschäfte in der Nähe des I Alexanderplatzes wurde das Schaufenster geplündert.
Vor den in Kraftwagen anrückenden Polizeikommandos .ergriff dir Menge die Flucht. Es gelang jedoch, etwa 30 der Plünderer zu verhaften. Unter den Passanten I herrschte über den Raubzug eine solche Empörung, daß | die Beamten ihre Verhafteten nur mit Mühe vor einer Lynchjustiz schützen konnten.
Don zuständiger Steve wird zu diesen und ähnlichen Ausschreitungen der letzten Tage erklärt: Die Plünderungen Berliner Ladengeschäfte sind, wie dir polizeilichen Feststellungen ergeben haben, veranlaßt worden durch Stellte, dte seit langem im Gegensatz zur organisierten Arbeiterschaft stehen. Es W! sich um die gleichen Personen, die vor einigen Wochen, die Arbeitslosen zum gewaltsamen Vorgehen gegen die städtischen Arbeitsnachweise aufgehetzt uni) im Anschluß hieran den Streik der Arbeitslosen zu propagieren versucht haben. Den Hauptbeteiliglen, den ehe- | maligen Steinmetz Leo F i ch t m a n n, hat die Abtei- ' lung Ia bes Berliner Polizeipräsidiums bereits vor einiger Zeit festgeuommen. Er wird dem Gericht ragen Landfriedensbruch vorgeführt. Die polizeilichen I Fahndungen nach weiteren Drahtziehers der Plunde- nmgsaktionett sind im Gange. Die Arbeiterschaft kann I nicht genug davor gewarnt werden, den Machenschaften I irr gekennzeichneten Personen zu folgen, da jede Be- I teHigung an den Plünderungszügen die schwere s Strafe des Landfriedensbruches nach sich I
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Es war ber letzte Vermerk auf ben Blättern, welche I feit Jahrhunderten verborgen gewesen. Wahrschein- I lich hatte Albrecht von Hochfels ber Sohn, das, was er | unb fein Bruber in toifben Sugenbtagcn gesündigt, sei- I neu Kindern verbergen wollen unb bie Blätter zu'sam- I mengeklebt.
Dor Erregung zitternb schlug Wilhelm Friebwalb bie ! Blätter zurück, um diese seltsame Kunde aus grauer I Vorzeit nochmals einer genauen Prüfung zu unter- I ziehen. Das Geheimnis, welches ber Ahnherr erwähnte, I bas sich enthüllen würbe, wenn die Herzen feiner Söhne j sich in Siebe geeint — war es im Laufe bet Iahrhun. I berte enthüllt roerben? Zweifelsohne handelte es sich I um einen verborgenen Schatz, ben ber alte Freiherr I feinen Söhnen vorenthalten hatte, ba e< nach ben I früheren Erfahrungen befürchtete, baß sie, im Besitze I von Reichtum, roieber bem alten Lasterleben anheim- I fielen. Sie hatten feine Mahnung zum Frieden nicht beherzigt, wie aus ber Einzeichnung bes Sohnes her- I vorging — stanb doch auch einer Versöhnung außer bem früheren Zwist um bas bem Vater entwendete I Gelb bie verhängnisvolle Schicksalsfügung entgegen, I baß beiber Herzen in Liebe zu einem Weibe entbrannt I waren. Das hielt sie für immer geschieden unb ihr I Haß gegeneinander vererbte sich von Geschlecht zu Ge- I schlecht bis aus den heutigen Tag.
Ob bie von bem alten Fr ei Herrn angebeuteten Schätze | noch heute ungehobcn waren? Schwerlich! Kriegs.' I stürme waren über bie alte Liebenburg dahingebraust, I mehrmals war sie in dem langen Zeitraum von fast 400 I Jahren von fremden Kriegsvölkern berannt unb zerstört I worden — da war wohl kaum anzunehmen, baß das I Versteck vor ber, im öuffpüren verborgener Schätze ge» I übten Soldateska unentbeckt geblieben. Was wohl Herr I
। Der „Vorwärts" selbst gibt zu, daß die Som« I munisten umfangreiche Vorbereitungen getroffen I haben, um das Spiel, „das sie am Samstag in I den beiden Parlamenten kunstvoll aufgezogen hat» I ten, in den Betrieben weiterzuspielen". Auch das I Verhalten der Unabhängigen wird vom „Vorwärts" I scharf gegeißelt: „Unverantwortlich aber war das I Verhalten der Unabhängigen."
Der „Vorwärts" knüpft daran eine Warnung I an die Adresse der Unabhängigen und droht mit ! dem Austritt der Sozialdemokratie laus der gegenwärtigen Regierung: I „Sie (die Sozialdemokratie) ist gern bereit, weiter I zu wirken wie bisher, aber eine Politik mit doppel- | tem Boden auf ihre Kosten und zum Schaden der I Arbeiterklasse wird sie sich nicht gefallen lassen. I Lieber wird sie durch ihren Austritt aus der Reichs- I regierung eine Situation herbeiführen, in der die I Arbeiter allein selbst entscheiden können, welche Po- I litik eigentlich betrieben werden soll."
So erfreulich die energische Ablehnung der kommunistischen und unabhängigen Bestrebungen durch den „Vorwärts" ist, so müssen mir doch bedauern, daß er diese Folgerung zieht. Mit einem Austritt der Sozialdemokraten aus der Reichsregierung und etwaigen vom „Vorwärts" angedeuteten Neuwahlen wäre nichts geholfen. Neuwahlen in der gegenwärtigen Zeit würden im Gegenteil nur dazu beitragen, weitere Unruhen und Erregung in die Massen zu bringen. Wenn die ! Sozialdemokratie folgerichtig handeln will, dann muß sie erst recht in der Regierung bleiben, ihr,e Massen über die Staatsnotwendigkeiten ausklären, denn nur so allein können bie Gefahren, bie zweifellos wieder einmal dem deutschen Volke von innen her drohen, abgeroenbet werben.
Nochmals yungerstteikdedatte im Landtag.
Am Montag fanden zwei Sitzungen beS Landtages statt. Am Nachmittag beriet man, nachdem auf das Drängen ber Kommunisten für eine weitere Besprechung des Hungerstreiks eine Abendsitzung anberaumt worden war, zunächst über den Forstetat. Abg. bon Pape« (Z.) wünschte dabei vor allem bie Abgabe van Streu an kleinbäuerliche Besitzer.
In ber Abendsitzung, auf deren Tagesordnung bet £> unger ft teil stand, ging es wieder bewegt zu. Die Tribünen roaren trotz der ungewöhnlichen Zeit der Verhandlungen stark besucht. Gleich als der Kommunist Menzel ben Antrag seiner Partei begründete, setzte bie Aktion ein. Die Kommunisten gruppierten sich um die Treppe, die zum Nednerpult hinaufführt und unter» stützten die Kraftstellen des Redners, ber sich tüchtig inS Zeug legte, durch Zurufe, bie von links nach rechts und umgekehrt gingen. Der erste größere Tumult fetzte ein, als Abg. Menzel ben Kommunisten Hölz für einen „Ehrenmann- erklärte, was stürmifche Rufe unb Gegenrufe zur Folge hatte. Bemerkenswert ist, daß die Unabhängigen mit ben Kommunisten Hanb in Hand gehen. Sie haben ebenfalls einen Antrag cirige- bracht, der ganz im Sinne der kommunistischen Vor- I lag« gehalten ist. Sie bedangen bie sofortige Nieder- I schlagung _ deS schwebenden Strafverfahrens wegen rebolutionäret Handlungen, die sofortige Jnfreiheitfetzung aller wegen solcher Handlungen Verurteilten und die Gewährung eine5 Lebensunterhaltes für die entlassenen Gefangenen bis ?.ur Wiederherstellung ihrer Gesundheit
Den Höhepunkt erreichte ber Rabau, als ein Vertreter bes Justizministeriums das Wort nimmt. Er wirb von be.n Kommunisten mit dem Zuruf empfangen: „Henker, Folterknecht". Der Abg. Schultz- Neukölln übertrifft feine kommunistischen Kollegen durch den Zuruf: „3ns Gesicht müßte man ben Kerlen fpu» aen . Gin Ordnungsruf bes Präsidenten wird von dem Abg. Schultz bamit erroibert: „Sie können mich zehn, mal zur Otbnung rufen". Minutenlang hinbern bie
Die 3agb nach bem Glücke.
Erzählung von Frütz Ritzel.
31] ___
Gs durchschaucrte ben einsamen Leser seltsam, als ™ . ®u4 wieber zur Hanb nahm, um sich aufs
C c,le 'n Inhalt ber Blätter zu vertiefen. Wie schon s» vermuten ließ, war bas, was folgte eine °°n Jahren spÄer wie bas Vorhergehende h' . ® Da stanb. ja auch bas Datum: anno
«-uxvni.~ es waren also seit ber Schrei-
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g; --nt ich bes Vaters Treu ob ber 2, S'P^r<UI58'ti!*en wie mit ehernen Zan- gen. Unb doch erbarmet mich ihrer! Rach W-lschlanb 8Äkr 015 4rem^ Herren Knechte mit ben ’^jmbsberg unb Bastel Schärtlin
L - 'n die roilbe 3agb nach
bem Glucke. Eyn,am sitz ich me„ne era,,r„ m>:excr blühen bie Nageleyn im Garten wieder finqt bie Nach-
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*-e • n. ue noch^ (rtwan gelautert im Serien ber mannigfachen Roth unb ber SronXr x. » „ , Gott geb' es! Meiner Tage Ab ° /jst balb wirb es Nacht! Trüb ist ba5 Lick» 1 *rnn’£1 worben, also baß ich die edle Kunst de^ Malerev h/kh Jahre» ber Trost meiner Eynsamkeit geweten ?ft mnhf lasten mute Unb ich bete zum Herrn unterem «Ä Laß meyno Sinber wiederkehren, auf daß men_ noch einmal auf ihrem Antlitz ruhe — auf bat. menn Munb ihnen vergebe. Ich will barmherzig fet)n dmn es steht geschrieben: „Selig sinb bie Barmb^iqcn, denn sie werben Gottes Kinber hryßen."
MDLXIX Aprilis: Der Herr hat mein Gebet er- höret — sic finb gekommen Vor zroecn Menben schn„. Unb sinh wackere Krisosmäimee. word-n bar aller Iu-