Md aer Zeitung
48. Zahrg
Montag, 21. November L921
Nr. 267
Morgenluft fit den BoWmsms?
Seite
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domini Nach-
Nachdem er sich gemächlich eine Zigarre angezündet, naljm er das alte Stück nochmals genau in Augenschein und überzeugte sich, daß dasselbe in der Tat. seines Erinnerns nach, der Bibel glich, welche er im Hochfeldschen Hause gesehen. Es war eine der zuerst gedruckten zweiundvierzigzeiliaen Bibeln, wie Wilhelm Fridwald sie in Mainz gesehen hatte. Bor der ersten Seite waren einige mit den Namen der jeweiligen Besitzer des Hauses versehene Blätter eingeschaltet, aus deren erstem sich der gleiche Spruch wie in der Hoch- feldschen Bibel befand. Nur stand der Name d°s ersten Inhabers am Stopfe des Spruches und Zwar folgendermaßen:
wähnet, der vollendete Meister der schwarzen Kunst — — nimmer wollt ich das verfluchte Gold zeugen, so Euch meine leiblichen Söhne zu SchelmenLnechten ge. macht, also daß Ihr ihm alles opfert, des Caters Lieb und des Hauses Frieden.
Hat Euch das Gold, so Ihr heymelich genommen, etwan zum Segen gereichet? Mit Nichten! In Span und Streit seyd Ihr geraten ob der Teylung — di« Schwerter habt Ihr gezucker wider einand und Bruder» blut wär stossen, so Eure bösen Gesellen Euch nit auseinander gerissen. In grimmiger Feindschaft seyd Ihr geschieden und lebtet hinfüro in Saus und Draus, ein Jeglicher für sich, nur bedacht dem Anderen Tort und Unbill zu erweisen. Das Gold zerrann in Euren Händen; wieder seyd Ihr kommen zu dem eynsamen Mann im Vaterhaufe, einer nach dem anderen und gedachtet, ihn wiederumb mit Eurer Schalkheit zu betören. Aber wie heyßt es in der Schrift? »Wenn Dich Deyn Äug' ärgert, so reyß es aus und wirf es von Dir!" Die Kränkung so Ihr dem Herzen des Vaters zugefüget — nimmer tunnt ich sie vergessen und fortgestotzen habe ich Euch von der Schwelle gleich räudigen Hunden! Was ich im Herzen dabey gelitten —*
Bis hierher zeigte die alte Handschrift ein festes Ge- präge, als wäre der Schreiber wohl mit der Feder bewandert gewesen, das Folgende deutete dagegen, wenn auch die gleichen Schriftzüge unverkennbar waten, auf eine zitternde Hand, wie sie sehr alten Leuten eigentümlich ist.
Schwer atmend hiett Wilhelm Friedwald unwill- kürlich inne und sann über das Gelesene nach. Träumte er denn ober war es Wirklichkeit, daß er der Erste war, der seit Hunderten von Jahren diese Zeilen las, die von unendlichem Menschenleid erzählten? Wie muhte dem alten Edelmann das Herz geblutet haben, als er M« Niederschrift machte! Wohl mochte ihm an dieser Stell« die Feder 'entfallen sein, nachdem stki erster Zorn über den Leichtsinn der Söhne verraucht war und er die Gröhe seines Elendes ermaß. Oder hatten ihm bi« Worte gefehlt, die ungeheure Oval feines Innern zr schildern?
uctzung folgt.)
Die Zerstörung der Dieselmotoren.
Eine neue deutsche Protestnote.
Gegen die fortgesetzten immer weiter gehenden Zerstörungsbefehle der Entente-Kontrollkommission, die jetzt auch nur für Friedenszwecke hergestellte, nicht unter das Verbot fallende Diesel-Mascblnen
sintemalen die Mutter noch in der Kammer auf dem Schrägen lag, doch weder meyn Zorn noch meyne Bit- ! ten haben vermocht Eure verstockten Herzen zu rühren. Gehetzt von der wuthigen Gier nach den eytlen Freuden dieser Welt gestachelt von Euren verruchten Kumpanen seyd Ihr vor den Stuhl des Richters gerannt gleich Besessenen, habt wider mich geschrieen, daß ich Euch weigere, was Euer. Da ergrimmte mein Herz und ich schwur Euch zu meiden bis an das Ende meiner Tage. Verpraßt habt 2hr das Gut Eurer Mutter, 70 ich Euch dahingegebcn — in Jahresfrist verpraßt mit grutelichen, verzwiefelten Bösewichtern und feilen Dir- neu, also daß der Name Hochfels zu Spott und Schanden'ward im ganzen Lande. Und als der letzte Heller dahin war da seyd Ihr kommen zur Winterzeit, arm und abgerissen zu Eurem Vater, bcr hier hausete, ein- sam wie eine Eule in ihrem Horst. Und habet mit falschen Zungen Besserung gelobt und Einkehr. Und ich gedachte der Lehre unseres Heylandes und Seligmachers und hab Euch ausgenommen wie der Mann im Evangelium den verlorenen Sohn. Wie habt Ihr mir gedankt? Daß Gott erbarm! Gleich Schelmen und Raübgesellen habt Ihr hinterrücks die Truhen erbrochen, so die Säcklein Goldes barg, den Notpfennig der Hoch, fels feit alter Zeit! Und seid zur Nachtzeit heimlich entwichen. Wie stund auf dem Zettelein, so in der leeren Truhen lag, von Deiner Hand geschrieben. Alb- recht, verblendeter Sohn? Sollen wir unsere Jugend vertrauern, allhier im alten Eulenneste, anstatt zu leben, wie es wohledlen Junkern geziemet? Wir nehmen das Unfrige; der Vater entbehrt es nicht, sintemalen der Herr Safer in geheimen Künsten wohl erfahren und gleißend Gold zu machen weiß."
Verblendete! Wohl bin ich in geheimer Kunst erfahren, hab gleich anderen Narren über dem Tiegel ge[elfen und vermeinte das gleißend Metall zu zeugen. Der rothe Schwan ist vor mir aus der Glut gestiegen, emsiglich hab ich das große Elixir erkundet — aber Gold mit Nichten! Solches fteußet einzig aus der Hol- leghit — ein Satansroert. Ist ein eitler Wahn, wenn der Mensch glaubet, das höllische Metall in Tiegeln und Töpfen formen zu können! Und wär ich, wie Ihr
Die Jagd nach dem Glücke
Erzählung von Fritz Ritzel.
„$in eymeynsamer Mann jetzund, dem das l'uchte Goid das beste genommen, so des Menschen Herze im Alter ergötzet — bcr Söhne Lieb und Treu. Und roarumb? Weil Hoffahrt in ihre Herzen gefahren ist — fündige Hoffahrt! D Ihr eytlen thärichten Ge. fellen so Ihr dahinstolzieret wie Pfauen in eytel Pfei- (el Zindal und Bakdekin mit Hermeleyn verbrämt — mi'e habt Ihr die Lehren de» Vaters, die Bitten der outen Mutter veracht! Biderb und einfach, wie es sich für 'die Söhne eines wutschen Ebelings geziemet, hab ich Euch gehalten, hab Euch gewehret zu schwitzen und zu prassen gleich anderen Eures Alters - zu Eurem H-Yle that ich'-, °b-r solches mochte Euch mm- mer gefallen. Und als der Herr meyn tugendfames Weib Eure Mutter zu sich genommen, da kämet Ihr, verleitet von Guixn bösen Gesellen und sprächet also-, "later gebt das Gut io -ms gebühret von der Muller her! Da enisetzhe ich und fuhr Euch hart an.
Dein erstes Denken sey Qn Galt Tu ihme nichts zu Leid und Sooft;
Bewahr Deyn Herze vor Gelüst Rach gleichend Gold zu jeder Frist. Denn Gold, so merk Dir unverdrossen Ist aus der HLUenglut gestossen Dicwenl mit ihm 6es Satans Macht
Diel Unheyl in die Welt gebracht —
Hier endete der Spruch und setzte sich auch nicht auf der folgenden Seite fort, vielmehr waren auf die. [er die Nachkommen des alten Albrechts von Hochfels, welche fast ein Jahrhundert später gelebt hatten, verzeichnet. Das war doch seltsam! Wilhelm Friedwald erinnerte sich genau, daß der Spruch in der Hochfeld. Ich«n Bibel mit einem anderen Verse schloß, der die Mahnung enthielt, mit dem zufrieden zu fein, was Gott gegeben. Sollte der Sohn jenes Albrecht von Hoch, •eis jö ystichfalls Albreckt hieß und dcsien unmittet, bare Nachkommen die Hauschronik nicht iorigefetzt ha- oen? - -v u-'* WmKrtkb anzunebm-ni
Die Reparationsfrage.
Ei» Schreiben des Reichskanz lers.
Das vom Reichskanzler Dr. Wirth derRepa» rationskommisfion überreichte Schreiben hak folgenden Wortlaut:
.Die deutsche Regierung geht davon aus, daß eS an und für sich nrcht bem Sinne der Be- fttmmungen des Zahlungsplanes von London entspricht zur Aufbringung der JahreSannuitaten zu dein Mittet des Kredits zu greifen. Sie ist aber, um den Be- weis des guten Willens zu geben, bereit, eine solche Kreditoperation vorzunehmen. Für die Frage, unter welchen Bedingungen der Kredit angenommen rouroe, kommt es in erster Linie auf die Vorschlags ^lentgen an, der das Geld herleihen soll. Die deutsche Regierung ist bereit, und tat auch bereit! Schritte, um sich Kredit zu verschaffen. Sie bittet die Nepaiationskommission, sie hierbei unterstützen zu wollen, fühlt sich jedoch verpflichtet, sie schon jetzt darauf aufmerksam zu machen, datz für die Zeit der Rückzahlung de» Kredits eine außerordentlich schwierige Lage mit Rücksicht auf die sonstigen Verpflichtungen dcS Reiches entstehen wird. Sie erwartet von der NeparattonSlommission, daß sie di es er besonderen Lage Rechnung tragen wird.
Di« Abreise der Sommissionsmilglieder.
Wie der „Berl. Lokalanz." erfährt, haben die Mit- güeder der Reparationskommission zum größten Teil Berlin verlassen. Dubois ist irr der Nacht zum Sonntag abgereist, während der größte Teil feiner Kollegen ihm im Laufe des Sonntags gefolgt sind.
Stintes in London.
Die Ankunft von Hugo Stinnes in London erregt in der englischen Presse beträchtliches Aufsehen. Die Blätter ergehen sich in Mutmaßungen über den Zweck seiner Reise. Amtlicherseits wtrd mitgeteilt, daß Stinnes nicht auf die Einladung Lloyd Georges oder der britischen Re- gi’rung noch London gekommen sei und daß über seine Absichten nichts bekannt sei.
sichtig die Blätter und fand sofort auf der ersten die Fortsetzung des altem Spruches:
Sey brumb fo lang Du lebst hinieden Mit dem befcheyden Pfund zufrieden. So Gott in ferner Güt und Gnad Dir, Menschenkind, gegeben hat!
Teran schloß sich unmittelbar:
Nm Saale geht da- Lärmen weiter. Nunmehr Höll auch die Tribüne, auf der die Freunde der Kommunisten sich breit gemacht haben den kmnstmen Zeitpunkt für gekommen, sich einzumischen. 2)te kommunistischen Tribünendesucher bringen ein H och für die Gefangenen aus, die Kommunisten im Saale stimmen ein Drunten aber brodelte es weiter. Um den Rednertisch scharen sich Abgeordneien ein dickier Knäuel ballt sich zuiammen, will sich nicht losen. Zt muß man fürchten/daß eS zu Tätlichkeiten kommt nebt nxcin QuSwinnnbcr» .
Sber erregte Gruppen setzen immer
Geste ihre Auseinandersetzungen l-ri Gegen nachmittag 4 Uhr teilt der Voltsparteiler yelb unter heftigem Läufen mit der Präsidentenglocke mit, datz leine «'tzung mehr stattfinden solle, die nächste für Montag 2 Uhr
^Die Szenen, die sich anläßlich der Behandlung der Sfraae des Hungerstreiks in Lichtenburg im Kreise Torgau abgespielt haben, sind nicht von ohnaesahr; in ihnen liegt Absicht und Methode. Tue Kommunisten wollen die Arbeit der Parlamente sabotieren, sie bringen den Ton der Gasse in das Haus der Gesetzgebung hinein, unter ihnen sind die Rohlinge, die immer wieder mit den Mitteln der Gewalt auch im ParlamentShause vorzugehen trachten. Wann wird der Tag kommen, wo man diesen Verächtern des Parlaments, den Störern der Gesetzgebung und denen, die nicht nur die Würde, sondern auch d:e Achtung vor dem Hause allsichtlich untergraben, die Zügel anlegt?
Das Treiben -es Kbg. Uatz . im Landtag.
Der Landtag kann es noch besser als der Reichstag! I Man glaubt eher zur Walpurgisnacht auf dem Brocken I ÄU sein, alS in einem Parlament. Diesen Hexensabbat I haben die Kommunisten dem Preußenhaus beschert. Auch hier im Landtage geht eS um die hunger- I streikenden Gefangenen von ^.ichtenburg. I Schon der Beginn der Sitzung war vielversprechend
Der Abg. «atz von den Kommunisten stellte den I Antrag daß die politischen Gefangenen von Lichten- I bürg sowie die in den anderen Gefängnissen -sofort auf I freien Fuß gesetzt werden. Der Präsident teilt darauf mit datz sich der Aeltestenrat bereits mit diesem Antrag besaßt habe. Um 1 Uhr sollte eine Kommission üu8 je I einem Vertreter aller Parteien gufammentreten, um mit dem Justizminister zu verhandeln. Die Kommission I soll dann evtl, an Ort und Stelle feststellen, um was I es sich handele. Eine spätere Sitzung des AellestenrateS I soll darüber beschließen, ob es notwendig sei, die Sache I noch im Hcuse zu behandeln. , _ s . I
Diese Ausführungen des Herrn Seintit werden von I den Kommunisten mit hitzigem Zwischenlärm anhaltend I und häufig unterbrochen. Ruf wie Gewissenlosigkeit, I bis die Gefangenen verhungert sind, tönen ihm ent- I gegen. Man kann auf allerlei gefaßt sein. Gegen den 1 Wunsch der Kommunisten erhebt sich Widersprach. In I erregter GeschästsordnungSdebatte debattiert man hin I und her. Endlich kommt eS zur Einigung. Der inter- I fraktionelle Ausschuß soll zusammentreten und die Dinge I icncln. I
Indessen ist es 12 geworden und daS HauS wendet I sich der Besprechung des Haushalts der Gestüt. | Verwaltung zu. Aber so etwas wie ,m Innern brodelnde Unruhe geht durch die Banke. Und wahrhasi I tig — der große Kladderadatsch bleibt nicht aus. Auch hier hat man von feiten der Kommunisten s y st e matisch für die Störung der Sitzung gesorgt. Die Tribünen beweisen dies im Lause der Verhand- langen. Mitten in der Beratung nämlich erscheint Herr «atz und verlangt, daß die indes begonnenen Perhandlungen über den Forste tat unterbrochen werden sollen, um den Bericht des interfrattioneUen Ausschusses । über die Hungerstreikangelegenheit entgegenzunehmen. Hierin liegt Methode, Ansicht, Komplott. Der Piasivent [ erklärt, daß dieser Antrag nur zulässig sei, wenn kein
Widerspruch erfolgt Dieser wird erhoben.
Katz und Schulz treiben Allotria.
DaS ist daS Signal für die Herren von der radi- taten Linken, ein Schauspiel zu provozieren, wie man es im deutschen Parlament wohl noch nie erlebt hat — und nicht wieder erleben möchte. Der tolle Lärm, den die Kommunisten auf den Widerspruch der anderen Parteien hin erheben, hindert jede ordnungsmäßige Verhandlung. Nur die Stimme des kreischenden Herrn «atz ist hörbar: „2Bir haben keine Lust, ihren Quatsch weiter anzuhören!"
Das ist der Auftakt zu den Szenen, die sich nun- I mehr im Sihungssaale abspielten. Der Kommunist I Schulz stürmt vor; er will den Antrag des Abg. Katz I unterstützen, seine Worte verhallen ungehört. Denn der Aufruhr, der sich ob des Zwischenrufes des Herrn I Katz erhaben hatte, ist allgemein. Die Massen der Abgeordneten ballen sich vor dem Rednerpult zusammen, die Situation ist beängstigend. Man fürchtet, daß sich I in jeder Minute die innere Erregung entladen, daß sie I explodieren muß! Indessen wiederholt der Kommunist I Schulz die Versuche, feinem Freunde Katz beizuspringen. I Zunächst nur rednerisch: Schuftige Komödie! hallt e» I Bon feinem Munde dem geballten Knäuel entgegen. Der Präsident läßt auf den ersten Ordnungsruf den zweiten fallen. Aber daS ist erst der Anfang, es sollte I noch viel schlimmer weiden. Auf den Abg. Schulz I prasselt der dritte Ordnungsruf des Präsidenten nieder. I Dieser Mann, erbost ob dieser Zurechtweisung und biS I zur kochenden Wut erhitzt, ergreift das neben ihm stehende Wasserglas und gießt es in weitem Bogen auf die in der Nähe des Rednerpultes stehenden bürget- I lichen Abgeordneten aus. Das ist der Höhepunkt. | Tobender Lärm auf allen Seiten, man fordert, daß I dem Kommunisten das Wort entzogen wird. Da geht der Abg. «atz zum Angriff vor, mit raschem Sprunge stürzt er sich zum Präsidentenplatz, entreißt die I Präsidentenglocke. Der Präsident ist gegenüber I solchem Treiben machtlos. Er verläßt den Präsidenten- I sitz und unterbricht die Sitzung. _______________
eines Abänderungsantrages des Gesetzes haben soll, sondern nur in Verbindung mit ihm bespracht n wrro. Wozu also der Lärm? Diese Feststellung halle Zweifel- los auch geräuschloser gemacht werden /ömren, d,e Linke hat mal wieder ihr Pulver umsonst verschossen.
Man tritt in die Debatte ein. R 0 s e n f e l d, der un- entroegte Kämpfer für aufsäss. Staa^verbrecher begründet Den Antrag seiner Freunde, wahrend er sich Muhe gibt, rum Gesetz fast nichts zu sagen. In seine Kerbe haut mit gleichtr Wucht des Angriffs gegen die Regle- runq bcr Kommunist Löhnen. Radbruch, ter neue Justizinimster, gibt die Antwort. Er müht sich, gerecht zu ' fein. Spricht von der notwendigen Reform der Justizverwaltung, kündigt nach dieser Richtung durchgreifende Maßnahmen an unb wendet sich schließlich den Hungerstreikcndeit von Lichtenburg zu. Er nennt diesen Streik eine heroische Torheit, aber nichts besto- weniger eine Torheit, eine Verzweiflungstat, noch mehr aber eine absichtliche Demonstration unb fügt mit schneidender Schärf? den Satz hinzu, baß er nicht gebenke, hinter bieser Demonstration zurückzuweichen.
Dies peitscht die Linke auf. Ein Sturm fanatischer Entrüstung ist ihre Antwort. Diese Herren vergessen, wo sie sind. Der Reichstag ist kein Dolkstribunai. Der Minister hat nunmehr bei der radikalen Linken völlig ausgespielt. Wie nennt ihn Ledebour? „Sie sind der fanatischste Strnnesminister!" Das Haus antwortet mit Lachen. Wie nennt ihn CShnen? Er sei ver- görlitzert unb wenn er die Gewalt gegen Gewalt setze, dann würde er mit Hindenburg und Lndendo.n die Galerie der Bluthunde bereichern! Seine Freunde brüllen Beifall, von anderer Seite wehrt man ab.
So läuft durch viele Fährnisse btefc Debatte unentwegt weiter. Der Minister greift nochmals ein, die Linke schickt Redner auf Redner vor, man sieht kein Ende. Sie provoziert die Mehrheitssozial» bemof rotte. Das führt Hermann M ü l l e r auf die
UaLastrophenpolttiker an -er Arbeit.
Die kritischen Stunden, in die Deutschland durch die zäh festgehaltenen Reparationsforderungen der Entente gebracht worden ist, verstärken allem Anschein nach die Hoffnung derjenigen, die aus den verschiedensten Motiven Katastrophen und gewalttätige Auseinandersetzungen nn Innern Deutschlands herbeiführen wollen. In Berlin weilen zurzeit 7 Moskauer S e n d l i n g e, die vermutlich von den kommunistischen Partehen in den beiden Berliner Parlamente durch die Radauszenen der deutschen Sowjetanhänger erfreut werden sollten, über die im folgenden berichtet wird.
Alle Freunde der Drbraun und des Rechts haben die Pflicht, angesichts solcher Ausschreitungen und ra- bitaler Forderungen mehr als je auf bem Posten zu fein, die Autorität des Staates zu stützen, maßlose Stgtidion zu unterlassen. 3e mehr sich Deutschland bürd) inneren Zwist jetzt schwächt, um so hilfloser stehen wir den Anschlägen der Ententemächte gegenüber. TmMMk in öen Wlmmen
3m Reichstag.
Mit Spektakel und Krach schloß am Samstag der Reichstag die Beratungen! Aufderrabikalen Linken sitzen die Ruhestöver; sie lärmen, toben, zischen, rufen dazwischen unb gebärden sich wie eine los- gclassene Meute. Mit unfreundlichen Absichten sind sie schon in diese Sitzung des Samstag hineingekom- ttxn. Ein Blick a uf bie Tribünen des Hauses beweist dies klar.
Dort sitzen eine Menge von Bassermann- schen Gestalten von der Zunft des Herrn Cöhnen und feiner kommunistischen Genossen. Lange trauerte nicht, da mengt sich dieser Chor in die Debatte, die sich im Sitzungssaale abspielt. Herr Löhnen richtet seinen Blick nach rückwärts unb nach oben, winkt ben Tribünen hastig zu — will er zum Schweigen mahnen oder zum Tumult? Der Präsident greift ein. Er weist die Störer m die Schranken zurück: unten im Hause wie oben auf der Tribüne.
Was verursacht dtesen Lärm? In Lichtenburg im Kreise Torgmi sind fn ungefähr 150 Strafgefangene, politische Aufrührer, in den Hunger', streik getreten. Das „Recht" der Haftentlassung wollen sie erzwingen! Unabhängig; unb Kommunisten nehmen bics zum Anlaß, um laut und polternd in der Volksvertretung ihre Parteiagitatton zu treiben.
Auf der Tagesordnung steht ein Gesetzentwurf zur Erweiterung des Anwendungsgebietes bet Geldstrafe unb zur Einschränkung der kurzen Freiheitsstrafen. Hier liegt für sie der Ausgangspunkt für ihre Wünsche. Sie stellen die Forderung an das Haus, mit der Beratung des Gesetzentwurfs ihren Antrag zu verbinden, daß dte Reichsregierung sofort alle Maßnahmen taffen möge, um die im Gefängnis zu Lichtenburg befindlichen politischen Gefangenen s 0 • fort aus der Haft zu entlassen.
Einen nach dem anderen schickt die Linke vor, um diese Forderung zu begründen. Bartz, Cöh nen, L e de- bour unb wie sie die heißen mögen, spielen sich als aufs treffte entrüstete Fürsprecher für bie politischen Verbrecher auf. Der Präsident pocht auf Sie Geschäftsordnung des Hauses. Einen Abänderungsanttag könne er nach bem Wortlaut des Paragraphen in der ersten Lesung des Gesetzes nicht zulassen. Sturm und Entrüstung auf der Linken braust ihm entgegen. Hermann Müller von der Mehrheitssozialbemokratie springt dem bedrängten Präsidenten bei. Er verteidigt besten Standpunkt. So geht das Spiel von heftiger erhitztet Rede und Gegenrede hin und her. Unb schließlich ist man sich einig, daß bieser Antrag nicht bie Bedeutung
Albrecht von Hochselz schreibt solche, anno MDLVIII. feinem Sohne Albrecht unb besten kommen:
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Stnitlidjct Stnjcigct füt Öen fircis utib öie Stöbt Julöeu
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Rednertribüne. Er erklärt, daß er sachlich auf bem 1 Boden des Antrages stehe, daß der Minister aber bie I Angelegenheit vom Staatsgedanken aus behandelt habe I und behandeln müsse. Endlich ist man fertig. Der I Antrag Bartz wird abgelehnt, dir Vorlage bem Rechts- I ousschuß überwiesen und ber verlangte Untersuchungs- I crusschuß wird beschlossen.
Zu Beginn ber Sitzung sind noch einige wichtige Gesetze erledigt worben. Ausschußentschließungen zur Färbeying des Wohnungsbaues fanben Annahme. In ihnen wird vorgeschlagen, daß in den Jahnen 1922 unb 1923 minbeftens je 200 000 Wohnungen gebaut werden unb zur Deckung der Baukosten in denselben Jahren von den Ländern und Gemeinden insgesamt jährlich mindestens sechs Milliarden M a r k zur Verfügung zu stellen seien. Das W 0hnu ngsab gäbe gesetz soll zu diesem Zwecke weiter ausgebaut werden. Die Deutsch Nation a l e n sind die einzigen, die sich gegen diese I Vorlage wenden. Sie sind ihnen zu weitgehend.
Ohne Aussprache findet Anncchme der Gesetzentwurf zur Ergänzung des Gesetzes über Aenderung des Ster- sicherungsgesetzes für Angestellte vom 23. Juli 1921.
Schließlich wird ein Antrag genehmigt, der die Reichsregterung ersucht, die Unterstützungssätze für Erwerbslose durch Erhöhung um durchschnittlich em Drittel ber bisherigen Unterstützungssätze ber Teuerung unb der Notlage ber einzelnen Erwerbslosen anzumaßen.
Nach einer kurzen Besprechung der Angelegenheit des Verbotes der Landung russischer Schiffe in deutschen Hafen trat Vertagung ein. Auf Vorschlag des Aeltestenrates wird dem Präsidenten Vollmacht erteilt, bienächsteSitzunginderZeitzwischendem 6. unb 13. Dezember anzuberaumen. Der Termin wirb sich nach bem Fortschreiten ter Seraiungen im Steuerausschuß richten.
Mechanisch wendete der Lesende die folgenden Blätter um unb machte dabei die Überraschende Entdeckung, daß deren Papier sich weit dünner wie das erste Blatt, welches den Spruch enthielt, anfühlte. Dieses war von außerordentlich starkem Papier — doch halt — Nässte da nicht am Rande ein kleiner Spart, gerade als wären einige Blätter zusammengeklebt? Behutsam mit dem Federmesser in den Spalt fahrend, fand Friedwald bie erwähnte Vermutung vollkommen bestätigt — das Blatt spaltete sich und mehrere- dichtbeschriebenc Blätter kamen zum Vorschein, Das war ja eine köstliche Ent. deckung! Ohne Zweifel war er der Erste, be? seit Lahr- Hunderten einen Blick auf diese Schrift warf, die viel- leicht auch einen Aufschluß über die von Fräulein Emilie Hohenfels gemachte seltsame Beobachtung enthielt.
Dor Erregung zitternd löste der junge Mann vor-