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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 266.

Verantwortlich für den redaktionellen Teil: Dr. I. Kramer. - Mr die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. - Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Abresse: Fuldaer Z'eitu na-

Samstag, 19. November 1921

Bezugspreis: Monatlich 5.00 2RL zugestellt frei ins Haus- - Abgeholt in der Geschäftsstelle 4,60 Ißt > Anzeigen: Kleinzeile nach C 0 lone Imaß 1 Mark; Reklame, eile (Textbreite) nach Coloneimah 3 Mark.

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Arbeiten und nicht verzweifeln!

Schwere Sorgen über Deutschland.

Für jeden deutlich sichtbar gekennzeichnet ist ter Zu- tanü unserer augenüliÄichen Lage durch den hastigen stürz des hinabgieitenden Mcrrkwerirs, durch den Aus- wrtcuf Deutschlands von selten der oalutastarken San« ter, durch den Angstkauf im Lande und durch eine aus diese Weise nur immer mehr gesteigerten Teuerung in solchem Ausmaß, wie wir fle in jenen Unglücksjahren übechallpt noch nicht erlebt haben.

Die Erkenntnis von dem Ernstdergan- Zen Situation ist bereits in weite Schichten un­seres Volb:s eingedrungen; denn die starke Ungunst ter Verhällnisse beginnt allmählich alle Kreise hart an- zupacken, auch jene, von denen man bislang immerhin noch sagen konnte, sie seien infolge ihrer Glücksgüter imstande, auszudauern. Aber die Rückwirkung der Wirtschastserschütterung auf das Gesamtvolk ist bereits so stark, daß nut noch Wenige von chrem Einfluß verschont geblieben sind. Es ist darum nur ein natürlicher Ausfluß dieser wirtschaft- iichen Erscheinungen, wenn man häufiger und mehr denn je die ernste Frage nach der Zukunft von sorgen­vollen und bangen Lippen dringen hört. Die Sorg- chsigkeit, mit ter viele in Deutschland noch dahinlebten, und deren sich manche Kreise in geradezu erstaunlicher Weise hingegeben haben, beginnt allmählich doch zu weichen und der Besinnung Platz zu machen. Zu kraß undlmzensällig sinddieAnzeicheneinerschwe- ren Zukunft.

Diese notwendige Frage um unser Schicksal, die alle jene nachhaltig beschäftigt, die wisien, was Staat, Wirt­schaft und Volk bedeuten, die ahnen, was auf dem Spiele stcht, wird aber auch in gleicher, ja sogar in weit höherer und größerer Sorge gestellt von denen, die in den uns umgebenden Fährnissen im voL>m Bewußtsein ihrer schweren Verantwortung am Steuerruder stehen und mit dem Einsatz von Kraft und Opfergeist den Kurs des Schiffes aus dem brandenden Meere h-eraus- zulenken suchen. Die Zentrumspartei sieht die gro&c Not und sie setzt darum verdoppelt ihre ganze Kraft ein, soweit überhaupt menschliche Anstrengungen möglich sind, um ihr zu steuern. Der Reichsausschuß ter deutschem Zentrumspartei hat in feiner eben ab­geschlossenen Tagung zu Berlin sich aufs eingehendste ernsten Erwägungen über die Lage hingeg.ben, und dabei die unerschütterliche Hoffnung zum Ausdruck ge­bracht, daß in zähem Ringen um unsere Existenz und Freiheit die Not überwunden werden muß und über» WUNÄ.M werden wird.

Die dort versammelten Vertreter der gesamten Zen­trumspartei haben aber auch erfahren dürfen, daß die Fraktion und die Regierung alles einsetzen und auf» bieten, um dem deutschen Volk» in seiner Gesamtheit über die Schwere der Zeit hinwegzuhelfen. Die ein­stimmig gefaßte Vertrauenskundgebung ist ter deut­lichste Beweis dafür, daß dieses Bestreben gewürdigt und gebilligt wird, ja daß man die Wege versteht und begreift, die das Zentrum eingeschlagen, und daß man wünscht, das Zentrum möge auf diesem Wege des Opfermutes und des unerschütterlichen Glaubens an die deutsche Dolkskraft die gerade und ehrliche Straße tes positiven Schaffens, Ringens und Arbeitens auf dem Dornenpfade dieser Zeit w-eiterwanteln, um dem Vaterland« gegenüber in Treue auszuharren, auch in fetten schweren Tagen.

Ein solch felsenfestes Vertrauen aber braucht auch eine Partei, die wie das Zentrum die Last einer unge­heuren und schweren Verantwortung auf den ©dptiern trägt. Es ist das Fundament, aus tarn die Arbeit der Führer auf bauen und gedeihen kann. Mit diesem Vertrauen ausgestattet werten diejenigen, die in erster Linie zur praktischen Arbeit am StaÄe berufen sind, die schwierigen Aufgaben ter kommenden Monate auf

sich nehmen und so hoffen und wünschen wir meistern körnten.

Denn das nächste Ziel und die nächste Sorge ter deutschen Politik wird darauf gerichtet sein müßen, durch die Schwierigkeiten diesesWintels hindurchzulkommrn, eines Winters, von tem wir mit Sicherheit das Eine wissen, daß eranSchweredie übrigen um vieles übertreff en wird.

Sffiias steht tecor? Innenpolitisch: bie Er­ledigung des großen Steuerprogramms. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß eine fruchtbare und gedeihliche Förderung der MÄerie dann rächt möglich ist, wenn die Parteien sich auf Partei- dvktrinen einstellen und wenn sie nicht des Willens sind, Gedanken von einer Machtprobe völlig auszu­schalten. Die Erkenntnis von ter RotwendiAeik ein« schneidertet Steuermaß nahmen sollte ter Antrieb zur Sa chlichkeit fehl Man kann an diesem Punkte nicht vorübsrgchen, ohne ter Rete Erwähnung zu tun, die ter Reichstagsprasitent Lobe auf tem mit- telschlefischen Bezirkspartettag ter sozioltemokrakischen Partei in Breslau gchalterr Hal. Dort brachte er seine MeimMg dahin zum Ausdruck, daß die SoziMsmokra- tie den vorliegenden Steuerentwiwfen ihre Zustimmung nicht geben soll, wenn nicht gleichzeitig ter Zugriff auf die soFOnamrten Gold- und Sachwerte erfolgt. Und er fügt hinzu, daß diese Stellungnahme vielleicht die Reichstagsauflösung beteute. Diese Worte des Reichstagsprasitenten zeigen, wohin wir steuern könntüM, wenn sich nicht alle beteiligten Kreist ter großen Verantwortung bewußt sind, die sie jetzt haben. Wenn Besitz und Arbeit nicht die Vernunft urd> den Willen aufzubringen vermögen, in ter Frage tes gro­ßen SiaÄsopfers einig zu werten, dann könnte man fürchten, daß Löbes Worte nur zu wahr gesprochen sind. Was ater eine Reichstagsauflöfung rmd eine Reichs- tagswcchl tem Motto: Hier Besitz, hier Arbeit, hier Erfülllmgspolitik, hier Ablehmmgr- polistk, für innere ErfchMermigen hevaufbeschwöten müßte, dieses Bill» auszumolen wird nicht nötig sein. Wir glauben, daß ter Entwicklung unseres iimerpoliti- schen Lebens dadurch mehr geschaiÄ als gmutzt würde: denn diese Machtprobe würde die innere Spaltung vollkommen machen.

Außenpolitisch stehen mir unter tem Druck der Reparationsverpflickchmgen. Am 15. 3 a n u a r ist bie nächste Rate fällig. Schon die Aufbringung ter letzten Leistung war mit ungeheuren SchwierigkÄ- ten verknüpft, nur unter schärfster Anspamumg aller Möglichkeiten werten wir die nächste Rate bezahbm können. So stehen innenpolitisch wie außenpolitisch die Dinge auf tes Mesters Schneite. Eine Enffpaimung ist nur möglich, wenn alle in versöhnendem Willen zur Lösung ter schweren Zukunftsfragen beitragen wollen.

Die Blicke richten sich in erster Linie auf die In­dustrie. Die ehemaligen Gegner wollen an ihrer Hilfsbereitschaft den Grad unseres Willens abmessen, im Srtnern will man scheu, ob ter Besitz zur Darbrm- gung eines großen Opfers bereit ist. Man möge es sich nicht verhehlen: auf den Kreisen der 3n. dustrielasteteinegroßeVsrantwort ung. Wir können diesen Winter innenpolitisch bestehen und ter Zwangsvollstreckung ter Entente ausweichen, wenn der Besitz aus freien Stücken den Staatsnotwenidigkeiten Rechnung trägt. Mr wollen die Hoffnung nicht auf« geben, daß diese Einsicht von ter Tragweite ter zu fassenden Entschlüsse sich Bcchn bricht und eine Einigung unter allen in Frage kommenden Instanzen auch in dieser Frage erzielt wird.

Sünnes geht «ach London.

Nach einer Meldung desLokalanzeigers" und derBoff. Ztg.". wirb der deutsche Industrielle Hugo Stinnes in London erwartet und soll dort von wichtigen Stellen empfangen werden.

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

Meine Frau und meine Tochter dürfen hören, um was es sich hinbelt!" fiel der Meister mit fester Stimme ein. »lind dieser dort" Konrad Hochfeld unterbrach sich und deutete mit der Rechten nach einem Stuhle un& fuhr sich zur Ruhe zwingend kalt fort:Dars ich bitten, Platz zu nehmen, Herr Direktor? Sie sprachen von Beweisstücken?"

3n dem Gefach des Kasfenschrankes, das Ihr Herr Sohn^ jur. Aufbewahrung feiner Privatpapiere benutzte, hat sich dieses Paket vorgefunden," erklärte der Direk- t.0^' "®5. enü)ätt Anteilscheine der Silberbau-Akiienge- sellschaft tm Nominalwerte von 5000 Mk. nebst einer quittierten Rechnung über die Einzahlung von 60 Pro- gent, mithin 3000 Mk., ausgestellt für Herrn Karl Hoch- feld von dem Börsenmakler Nathan Bär. Zu was Ihr Herr Sohn die bei Firnhabex und Co erhobenen 3000 Mark verwendet hat, dürfte somit aufgeklärt sein um- somebr als das Datum der Quittung mit dem Datum tes Tages uberemftimmt, an dem das Geld bei Firn- Haber erhoben wurde."

Hast Du darauf etwas zu erwidern?" wandte sich der Meister an den zwischen der Mutter und der Schwester finster dastehenden Sohn.

Hierauf habe ich zu erwidern, daß die Aktien mein rechtmäßiges Eigentum sind und daß ich f,e mit mei. «em Gelbe bezahlt habe!"

Das heißt mit dem Gelbe, welches Sie bei Firn- bflber u. auf den Scheck de- Barons Oreiffenftein erhoben tarn!" fiel hier der Direktor in froftiaem tone ein-Ist es nicht so?" 9

Allerdings, aber"

Kommen Sie mir doch nicht wieder mit Ihrem »Aber!" unterbrach der Direktor erregt im Tone des Vorgesetzten.Ich denke doch, diesen Punkt haben wir bis zum Ueberdruß erörtert! Sie werden doch jm Ernst einem vernünftigen Menschen nicht zumuien, daß er en er so albernen Ausrede, rote Sie sie Vorbrin­gen den geringsten Glauben schenkt? Mein Wort bindet

mich!" fuhr der Sprecher fort, indem er die Stimme Karls nachzuahmen suchte.Sollte man nach den vor­liegenden schlagenden Beweisen eine derartige Unver­frorenheit für möglich halten? Danken Sie es Ihrem braven Herrn Dater, daß er bereit ist, Opfer zu brin. gen, uw- Sie vor dem Schlimmsten zu bewahren und lohnen Sie diese Opferwilligkeit dadurch, daß Sie in sich gehen und bereuen, was Sie getan haben, anstatt den Trotzigen herauszukehren und die beleidigte Un­schuld zu spielen!"

»An dem ist Hopfen und Malz verloren!" fiel der alte Hochfeld mit heiserer Stimme ein.Lassen Sie ihn, Herr Direktor! Wenn ich noch im geringsten Zwei, sei darüber war, daß er sich wirklich vergessen hch das Auffinden dieser Aktien hat ihn behoben! Er har selbst gesagt, daß nut den Papieren ein Heidengeld zu verdienen sei da hat er schon die Absicht gehabt, heimlich damit zu spekulieren und ist zu dem geworden/ was ich ihn vorhin genannt habe."

Und mit der flachen Hand durch die Luft fahrend, als wolle er energisch ein Ende machen, fuhr er fort: Lassen Sie uns die wache sofort in Ordnung bringen. Einen Augenblick entschuldigen Sie mich ich begleite Sie zur Bank!"

Damit trat er rasch in das Nebenzimmer und kam nach wenigen Augenblicken in Rock und Hut zum Aus- gang« fertig zurück.

So, wenn's gefällig ist, Herr Direktor!" sagte er, ohne einen Blick auf den Sohn zu werfen, den die schluchzende Mutter wieder in den Armen hielt. Die beiden Männer, der Direktor mit einer kühlen Semei« gung gegen die Frauen, verließen die Stube.

Und trotz allem glaube ich an ihn!" rief Hedwig den Fortgehenden nach und wandte sich gleichfalls zu dem Bruder, der sich vergeblich den Armen der oer. zweifelten Mutter zu entwinden strebte.

9. Kapitel. Aus Olims Zeiten.

An das tm Seitenflügel des Hohenfelfischen Hauses gelegene Kontor der Firma schlosien sich nach der jen- seit/ der Schloßgasse laufenden Seitenstraße zu zwei Räume, welche direkt durch eine Tür von der Straße

Die Industrie zum verhandeln bereit.

Wie uns aus Berlin gemelbet wird, fand gestern eine Besprechung zwischen den Ausschüssen der Beamten und des Reichsverbandes der deutschen Industrie statt Es wurde be­schlossen, dem Reichskanzler ein Schreiben zu über­reichen, in dem zum Ausdruck gebracht wird, daß der Reichsverband der deutschen Industrie seine Bereitwilligkeit, eine Kreditaktion einzuleilen, auf­recht erhält.

DieBoss. Ztg." teilt mit, daß btefeS Schreiben von den beteiligten Kreisen als eine geeignete Grundlage zur Weiterführung der Kreditaktion und für Verhandlungen wegen Aufnahme eines internationalen Kredits betrachtet werde.

übmse der Reparatisns-AommWon.

Aufrechterhaltung der Reparationsverpflichtungen.

Wie ein Telegramm aus Berlin meldet, wird die Reparationskommission voraussichtlich heute abend Berlin verlasien. Als Ergebnis der Verhand« lungen zwischen ter Kommission und der Reichs» regirrung glauben die Blätter feststellen zu können, daß die Ententemächte auf ordnungsmäßige Erfüllung ter am 15. Ian. fälligen Reparations- Verpflichtungen von 500 Millionen Goldmark be» Sehen. Die Reparationskommission sei zu der »sicht gekommen, daß die deutsche Regierung in der Lage sei, den notwendigen Betrag von der deutschen Industrie zu erlangen.

Die EnistaaLlichrmgrplane.

Aussprache über die Post.

In Berlin fand unter dem Vorsitz des Reichs- postmimsters Giesberts mit dem Präsidenten ter Deutschen Oberpostdirektion eine Beratung über- die Entstaatlichung der Reichspost statt. Die Prä- sidenten ter Oberpostdirektionen sprachen sich ge­gen eine Entstaatlichung aus.

Der Standpunkt Bayerns.

Handelsminister Hamm erklärte im baye­rischen Landtag, die bayerische Staatsregjerung bringe tem Kreditangebot der Industrie "größte Aufmerksamkeit entgegen, weil es sich um das Schicksal ter früher bayerischen Bahnen handele. Die bayerische Regierung erkläre den Vorschlag der Industrie für unannehmbar und vertrete diesen ihren Standpunkt auch dem Reiche gegenüber. Sie erwarte ater, daß die Maßnah­men zu einer wirtschaftlicheren Gestaltung der Bah­nen mit größter Beschleunigung in die Wege ge­leitet werden und daß an den Verhandlungen auch die Länder teilnehmen.

Amerika begreift?

Eine in London verbreitete Nachricht aus Washington meldet, die amerikanische Re­gierung stelle sich auf den Standpunkt, daß die augenblicklich von Deutschland geforder- tenZahlungenübermäßig seien, und daß Frankreich und Italien Abänderungen zustirnmen müßten.___

Um die deutschen werke.

Die versammelten Betriebsräte aller zu den deutschen Werken gehörenden Be­triebe haben eine Entschließung gefaßt, in der sie entschieden gegen die Forderungen der inter­alliierten Militärkommission protestieren. Die Auffaffuna oder Befürchtung, daß in den Be­trieben der Deutschen Werke iu kürzester Frist wieder Kriegsgerät hergestellt werden könne, sei völlig unbegründet. Sie wenden sich mit Entschiedenheit

aus erreicht werden konnten unb dem jeweiligen Buch­halter des Hauses, im Falle derselbe nicht verheiratet war, als Wohnung bienten. Es war dies »och eine Erinnerung an die frühere patriarchalische Sitte, nach welcher die Angestellten des Hauses sowohl im Haufe wohnten, wie auch an dem Familientische tei In ahmen eine Sitte, die heutzutage nur noch in mit Laden­betrieb verbundenen Geschäften geübt wird.

Auch Wilhelm Friedwald hatte nach tem Tode des früheren Buchhalters, eines alten Junggesellen, die Räume bezogen und führte in denselben in seinen freien Stunden ein ziemlich einsames, zurückgezogenes Leben, sich gewöhnlich die Zelt mit ter Lektüre klassischer unb geschichtlicher Werke vertreibend. Ein Wirtshausgänger war er nicht und gesellige Freuden konnten ihn bei fet­tem ernsten Naturell nicht erwärmen; seine einzige Erholung bestand allsonntäglich in weiten Fußwande. rungen, die er mit Angehörigen eines Touristenvereins, dessen Mitglied er war, ober und das vorzugsweise mit seinem Freunde Karl Hoch falb, in die reizvolle Umgebung der Stadt unternahm.

Die Lösung seiner Verlobung mit Hedwig Hochfeld hatte sein freundschaftliches Verhältnis zu deren Bru­der nicht im mindesten verändert, im Gegenteil schien Karl Hochfeld bestrebt zu sein, sich noch inniger wie ftührr an den älteren Freund anzuschließen, als wolle er das, was seiner Meinung nach bie Schwester an dem charaktervollen, selbstlosen Manne gesündigt durch Be­tätigung seiner herzlichsten Zuneigung gut machen. So kam es, daß die beiden, da man sie so häufig zusammen sah,die Unzertrennlichen" von aller Welt genannt wurden, und da sie sich bei ihren Sonntagsausflügen auch nicht von schlechtem Wetter abhalten ließen, so be­hauptete man scherzweise, daß dieUnzertrennlichen" im Gebirge Herumlaufen würden, selbst wenn es Mühl­steine. glühendes Esten und Spitzbuben regnete.

Es war an dem Abend des nämlichen Tages, an dem die tm vorigen Kapitel erzählten Begebenheiten sich zu. getragen hatten, kurz nach Schluß der Geschäftsstunde. Wilhelm Friedwald hatte eben sein einfaches Abend­brot verzehrt, das ihm die Frau des Hausmeisters regel­mäßig besorgte. Vor ihm lag ein dickes, in Schwein-

gegen alle Bestrebungen, die auf Friedei isarbeit ein» gestellten Betriebe lahmzulegen.

Die Betriebsräte erwarten bestimmt von General Rollst und von dem Botschafterrat restlose Auf­hebung aller bisher gelt offenen Bestimmungen.

Zur Durchsuchung in Heide« au.

Diese Angelegenheit hat ihre Erledigung dadurch ge­sunden, daß Fabrikleitung und Arbeiterschaft von sich aus Antrag auf Besichtigung unb Durchsuchung des be- treffenden Raumes stellte. In tem hinter der betref- senden Mauer befindlichen Raume rourtett 15 0 Stück Mantelrohre für leichte Fel'dhaubitzen aus Bromnickel stahl festgestellt unb zur weite, ren Verfügung darüber durch die zuständigen Stellen sichergestellt.

Die Fabrikleitung und bie Vertret«; der Arbeiter­schaft erklärten einstimmig, es handle sich dabei um Mantelrohre (Zwischenfabrikate), welche die Fabrik noch in den letzten Monaten des Krieges in Bearbeitung nahm; keinesfalls fei es Material, das erst nach dem Frietensvertrage angeschchfft und in Be­arbeitung genommen worden fei.

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W Erfassung der AussuHrgewirmv.

Ein Vorschlag von AlüllLr-Oulda.

Her? Richard M ü>l l e r - Fulda veröffentlicht in derGermania" einen auch in ter übrigen Presse viel beachteten Vorschlag zur stärkeren Erfassung ter Aussuhr- gewinne unb zur Gewinnung von Devisen für Re» paratimrszwecke. Er meint, daß sich durch einen gleich- mäßigen, lückenlosen Ausfuhrzoll von wenig st ens 20 bis höchstens 25 Prozent rvm Verkaufswert auf i>ie gesamte Ausfuhr von Roh­stoffen, Halb- und Fertigfabrikaten ein Ertrag von 10 bis 15 Milliarten Mark jährlich für das Reich gewin­nen laste. Die Zahlung oter Sicherst elluna tes Aus- fuhrzoübetroges wäre vor ter Freigabe der Ausfuhr zu bewirken. Selbstverständlich wäre tettei die gesamte Ausfuhr imtzr scharfe Kontrolle zu stellen. Ergänzt werten müßte die Ausfuhrbefbeuerunz> durch eine An­passung ter Abgoten an die Balutaschrnankungen. Die­ses Ziel werte erreicht, wenn man das, was die größten deutschen Iridustrieverbänte heute schäm dringend chren Mitgliedern empfehlen, nämlich den Verkauf in das Ausland nur in ter betreffenden oter einer gleichwerti­gen ausländischen Valuta zu tätigen, zur ge­setzlichen Vorschrift machte. Gleichzeitig müßte bestimmt werten, daß ter Ausfuhrzoll in tat- Währung tes Empfängnrlantes, also in ter auslänSbkschen Valuta, zu zahlen sei und daß für den übrigen Gegenwert der Aus­fuhrwaren die ausländischen Valuten bei Eingang ter Zahlung an die Reichsbank zum Tagiskurs abzukiefern feien. Auch für diesen Gegenwert könnten vor ter Ausfuhr Bankbürgschaften oter Hinterlegung eines dreimonatigen Ak^ptes bedungen werten. Selbstver­ständlich müßten für die Einfuhr unentbehrlicher Ware» auch von der Reichsbank fremde Ttevifen abgegeben werten.

I» dem Artikel teilt Müller-Fuldä auch mit, daß bte Absicht bestehe, in ten nächsten Tagen den Z o l l z u - schlag, der erft vor 4 Wochen auf 1900 Prozent er- höht worben ist, auf 3900 Prozent zu erhöhen. In ter Tat wird heute von terFrmchs. Ztg." gemeldet, daß ter Zollzuschlag, ter am 20. Oktober auf 1900 Prz. festgesetzt wurde, in ten nächsten Ta,M, wahrscheinlich schon heute, auf 3900 Prozents erhöht wertet? wird.

Die Abrüstungskonferenz.

Einer Reuiermeldmrg aus Newyork zufolge erfolgte in Washington von maßgebender Seite eine Mitteilung über die Absichten Großbritanniens bezüglich der Unter­seeboote unb Luftwaffen. Bombenwürfe auf Stabte könnten berechtigt fein, da durch solche Luft­angriffe ein Druck auf die feindlichen Regierungen aus­geübt werben könne. Die Unter wassersahr- zeuge feien jedoch nach Ansicht ter Engländer nichts leber eingebundenes Buch mit künstlerisch ziselierter Me­tallplatte und ebensolchem Verschluß versehen. Es war eine alte Hausbibel, die oben auf der Burg nebst an de. ren aus dem Mittelalter stammenden Raritäten in einem Schrank aufbewahrt wurde und die Fräulein Emilie Hohenfels dem Buchhatter heute gebracht hatte, damit er die auf den ersten 'Blättern befindlichen In­schriften entziffere.

Fräulein Emilie hatte nach ihrer Absicht vor einigen Tagen Herrn Friedwald auf die seltsam« Tatsache auf. merksam gemacht, daß nach ihrer Beobachtung der Mond am zwölften Tage seiner Zunahme kurz nach 9 Uhr durch den in der Mauer des Surgturms befindlichen sichelsörmigen Ausschnitt das Vm-ggemach erleuchtete und hatte daran die Vermutung geknüpft, daß dies irgend eine mit der Geschichte ter, Burg zusammen, hängende BewandMis habe.

Wilhelm Friedwald war sofort Feuer und Flamme gewesen, der Sache nachzugehen, hatte mehrere der in dem Raritätenschrank befindlichen alten Handschriften durchforscht, auch die Chronik der Stadt Liebenburg auf der Stadtbibiiothek geholt und Zu Rate gezogen, konnte aber nirgends etwas finden, was auf ten erwähnten Umstand Bezug hatte. Bei der gemeinsam mit Frau» lein Emilie oorgenommenen Durchsuchung des Rari­tätenschrankes war ihm auch eine alte Hausbibel in bie Hände gekommen, die sofort sein lebhaftes Interesse er­weckte, da sie genau der Bibel glich, welch« ihm Herr Konrad Hochfeld damals an jenem Abende, kurz bevor Hedwig ihre Verlobung mit ihm löste, gezeigt hatte. Auch in ihr fand sich der in ter Hochfeldschen Bibel von dem Ahnherrn Herrn Albrecht von Hochfels nieder- gcschriebene Spruch nebst einer ganzen Reihe von Ein. tragungen der späteren Nachkommen, big in das acht­zehnte Jahrhundert hinein. Das war so recht etwas für ihn, den Antiquitätenliebhaber; er hatte sich das Buch ausgebeten und beabsichtigte, heute abend einmal die lange Reihe der alten Eintragungen durchzulesen. Zweifellos befand sich darunter manches, was von 3« tereffe war.

(Fortsetzung folgt.)