Freitag, 18. November 1921.
UuldaerZeitung
Druck der 7yn(t>aer eictieftbrnvtcrci tu Fulds
Der SBerteihmg oder dem Ankleben dieses
von der
die
Kleines Feuilleton
imh die Anwemdrmg der Strafgesetze geschah noch einem sichtbaren Verhältnisse. Die Gerechtigkeit konnte einem jeden das Seinige mit dem Maß stabe in der Hand zunwffm, d^e Gleichheit der Menschen durch eine sichere Anweisung der Aeckerzahl bestimmen und ewig verhindern, daß keiner zwei Erbteile zusammenbrachte. Man kannte keine geldreichen Leute, diese Verräter der menschlichen Freiheit; das Mittel Schulden zu machen und tausend Schuldner zu heimlichen Sklaven zu haben, war den Menschen unerhört. Die Kinder konnten den väterlichen Acker nicht schätzen lassen und von dem ge- etzmäßigen Erben nicht fordern, daß er ihnen den Wert derselben zu gleichen Teilen herausgeben sollte. Er gab ihnen Pferde und Rinder; der Richter oder Gutsherr beurteilte die Billigkeit in diesem Stücke leicht, weil sie aus sichtbaren Gründen beruhte, und der Staat duldete es nicht, daß der Acker mit jährlichen Abgiften zum Vorteile der abgehenden Kinder beschwert wurde.
Ehe du kamst, entschieden Klugheit und Stärke, diese wahren Vorzüge der Tiere und Menschen, das Schicksal der Völker. Die Krämer herrschten nicht mit ihrem Gclde über die Tapfersten, und der Zugang zu den geheimsten Staatsräten konnte für eine Tonne Pökelfleisch nicht so leise als für eine Tonne Goldes in Wechseln eröffnet werden.
Glückselige Zeiten, denen wir uns nunmehr wieder nähern können, da di? mächtige Zauberin zusehends verschwindl-t! Wie mäßig, wie ruhig, wie sicher werden wir leben, weim wir ohne Geld alles mit Korn wisdm bezahlen können; wenn der Steuereinnehmer, der Gutsherr, der Richter und der Gläubiger nicht mebr nchmen mögen, als sie mit Gewalt verzehren und vor Würmern bewahren können; wenn der Bettler mit seinem täglichen Brote zufrv-den sein muß und keine Pfänder mehr verkauft werden können!
wenn die Frauenschülerinnen ein vollwertiges, d. h siebenjähriges Lyzeum besucht haben.
3. Für humanistische Studien scheint der Weder Gabelung nach wie vor geboten.
4. Bleibt das Lyzeum siebenklassig und wird sein innerer Wert nicht durch große Aenderungen in der Lehrzielen herabgemmdert, so ist das jetzige Ober- l y-z e u m in einer gewissen Abwandlung, die ihm vor allem den Charakter einer Berufsausbildung nimmt, als gradliniger Auf stieg zur Hochschule gleich- wertig mit der Studienanstalt. Ein drei, jähriges Oberlyzeum würde genügen.
5. Lyzeum und Oberlyzeum können als Einheit den Namen Deutsche Oberschule erhalten.
6. Wo aus wirtschaftlichen Gründen in kleineren Städten die gemeinschaftliche Erziehung von Knaben und Mädchen nicht zu vermeiden lst. muß der männliche und weibliche Einfluß entsprechend der Zahl der Schüler und Schülerinnen voll zur Geltunf kommen.
sie aus dem Weißbuch in übergroßer Zahl sich ergeben. Es wird notwendig fein, darauf des öfteren zurückzukommen. Heute fei nur noch darauf verwiesen, daß Ereignisse der letzten Zeit Erwiesen haben, daß Frankreich heute ganz offiziell sich in die Geschäfte der Saarregierung einmischt. Das haben dis Aeußerungen Loucheurs bei seinem Besuch im Saargebiet, das haben die Ausführungen Briands in der Kammer über die „große Zufriedenheit über unsere freiheitliche Rcgierungsweiss im Saargebiet" erwiesen. Das Weißbuch gibt im einzelnen geradezu eine Unsumme von Dokumenten an die Hand, aus denen sich ergibt, in welcher Weife diese Einmischung diplomatisch, politisch und wirtschaftlich vorbereitet worden ist. Bor allem ist bezeichnend, daß der französische Präsident der Saarregierung jedes Recht Deutschlands, die deutschen Interessen im Saargebiet im Rahmen des Saarbecken-Abkommens wahrzunehmen, verhindert hat, daß er die deutsche Regierung beim Völkerbund diskredierte und diese selbst in seinem schriftlichen Verkehr in einer Weise behandelte, die jeder diplomatischen Herkunft und Gepflogenheit Hohn spricht.
Die deutsche Regierung hat sich mit der Herausgabe des Weißbuches über das Saargebiet ein Verdienst erworben nicht nur um das Saargebiet, ändern auch um das Völkerrecht. Das deutsche Volk sollte das Weißbuch über das Saargebiet als ein Dokument betrachten, das über die politischen Ziele und über die politischen Wege, die Frankreich zur Erreichung seiner imperialistischen Ziele verfolgt, unbestreitbare Beweise erbringt. Das Weißbuch über das Saargebiet sollte daher jeder Deutsche sein eigen nennen.
höheres Madchenschulwesen.
Der Vorstand des Rheinischen Provin. zialvereins für das höhere Mädchenschulwesen faßte folgende Entschließung:
1. An dem siebenjährigen Lyzeum muß unter allen Umständen festgehalten werden, zumal die vierjährige Grundschule keine Heraufsetzung der Ziele unserer bisherigen Unterstufe oder der bislang geforderten vier Volksschuljahre bedeutet. Die schematische Anpaffung des Lyzeums an die sechsjährige Knabenrealschule würde, da notwendigerweise die Lehrziele herabgemindert werden müßten, ihm den Charakter einer höheren Lehranstalt nehmen und es zwangsläufig zur Mittelschule herabdrücken. Damit würde die Schule zerstört, die sich bisher, besonders in Verbindung mit der Frauenschule als durchaus geeignet erwiesen hat, der Frau und Mutter des gebildeten Mittelstandes die ihr gemäße Bildung zu geben. Die Mittelichule kann schon deswegen nicht als Ersatz für das Lyzeum in Frage kommen, weil sie infolge ihres mehr auf die Praxis eingestellten Lehrzieles eine andere Arbeitsweise hat. die durch die ausschließliche Verwendung seminarisch gebildeter Lehrkräfte gekennzeichnet ist. Zudem würde die Angleichung des Lyzeums an die Realschule die Gefahr in sich schließen, daß die Koedukation zur Norm würde. Als ein schwerer pädagogischer Fehler muß es aber vor allem bezeichnet werden, daß der Versuch unternommen werden soll, das Lyzeum, das bisher in feinem zehnjährigen Lehrgang eine geschlossene Einheit darstellte, auf drei verschiedene Schulgattungen zu verteilen: auf die Volksschule (Grundschule, vier Jahre), Mittelschule (drei Jahre) und Oberschule (drei Jahre). Damit würde dem Bildungsgang unserer jungen Mädchen von vorn her. ein die Stetigkeit genommen werden, die allein einen pädagogischen Erfolg verbürgen kann. Mit aller Schärfe müßen wir uns auch gegen das scheinbar vorliegende Bestreben richten, vor einer allgemeinen Neuregelung des höheren Schulwesens eine Mädchenschul„reform" z. B. dadurch vorwegzunehmen, daß der Beginn des Französischen von Klasse 7 nach 6 verlegt wird, womit der Mittelschulcharakter des Lyzeums auch ohne gesetzliche Regelung geschaffen würde. Eine Schule wird erst von dem Augenblick an höhere Lehranstalt, wo neben den Elementarfächern ein Fach gelehrt wird das zu wissenschaftlich geleiteten Dergleichungen mit bisher unbewußt geübten Fertigkeiten, in diesem Falle der deutschen Sprache, anregt und somit die Schüler, indem sie es in fremdes formales Denken emführt zur Klarheit über eigene Denkgewohnheiten führt. Bedauerlich ist es. daß auch aus Frauenschulkreisen die Axt an das siebenjährige Lyzeum gelegt wird, um ein Pflichtfrauen, lckmljahr fördern zu können Dos Kernstück der höheren weiblichen Bildung muß ei« v o ll- wertiges Lyzeum bleiben.
2. Ein Pflichtfrauenschuljahr ist erwünscht, kann aber nicht als Vorbedingung für die Erwerbung des Schulzeugnisies in Anspruch genommen werdeen. Der wissenschaftliche Teil der Frauenschul. arbeit wird nur dann befriedigende Ergebnisse zeitigen.
Ehe du kamst, mar die Wohltätigkeit die allgemeinste TugerSd, wenn man es eine Tugend nennen kann, was die natürliche Folge verderblicher Güter war. „Komm zu mir," sprach der Ruche zum Armen, „und labe dich an meinem Biere mid iß von meinem Brote! Es verdirbt ja doch, und die Ernte ist wieder vor der Tür. Soll ich für die Würmer sparen und dich darben lasten?" So sprach der Deutsche, wie er noch dem römischen Gelde fluchte; und in der Wohltätigkeit besaß er alle Tugncken.
Ehe du kamst, war der Unterschied der Stände und die Begierde, sich zu erheben, nicht groß unter den Menschen. Jetzt hat der Himmel oft Mühe, ohne Wunder. einen Reichen arm zu machen, da er feine Früchte in Hortes Metall verwandelt und bei unzähligen Schuldnern verwahrt. Damals aber lebte er mit feiner Herde und mit seinen Scheunen unter der unmittelbaren Furcht vor ftdem Wetterstrcchle, und dankbar und gefühlvoll betete er die göttliche Vorsehung bei jeder Landplage, gleich dem geringsten unter seinen Flurgenossen, an.
Ehe du kamst, war noch Freiheit in der Welt. Keine Macht konnte unbemerkt und sicher den Schwächeren zu zu Haupte steigen, kein Richter konnte heimlich bekochen werden und brauchte sich bestechen zu lafsen, kein Zanksüchtiger tonnte ein? Rechtssache weiter bringen, als seine Fütterung peichte, kein Tor mit einem Fuder Korns nach dem Kammergericht reifen und kein Kluger in die Versuchung geraten, mehr Prozesse für andere zu sühnen, als er zu seiner Notdurft und Nah- nrng gebrauchte. Größere Feindschaften währten nicht länger, als bis der Kriegsvorra! verzehrt war, und der Hunger war ein sicherer Friedensbote.
Ehe du kamst, wußte man nichts von fremden Torheiten und Lastern. Deutschland konnte weder in Frankreich verzehrt, noch die Ernten aus Westfalen für Wein und Kaffee versandt werden. Wer satt hatte, konnte nichts mehr verlangen, und satt hatten alle Länder, denen der Himmel Vieh und Futter gab. Jeder li die feinen eigenen Acker und fein Vaterland, weil er nicht ander- reifen konnte als ein Bettler aus die Rech- nung der allgemeinen Gastfreiheit und, wo er mit einer stolzen Begleitung reisen wollte, als ein Feind- zurücksiewiesen wurde.
Ehe du kamst, war der Landbesitzer allein ein Mit
französischen Behörde veranlaßten Flugblattes darf kein Widerstand geleistet werden. Nötigenfalls ist die Bevölkerung zu verhindern, es zu vernichten.
17. Januar 1919.
Für den Kommandanten der Bürgermeisterei. (Unterschrift in Anfangsbuchstaben.)
Dieses Ziel der französischen Saarpolitiker, Saarbevölkerung durch Irreführung und Täuschung einzeln, in Gruppen oder in der Gesamtheit zum Anschluß an Frankreich zu bestimmen, tritt in fast allen Maßnahmen der Saarregierung zutage. Die deutschen Beamten, die den Bestrebungen der französischen Militärverwaltung bezw. der Saarregierung unter Berufung auf ihr deutsches Recht Widerstand entgegensetzten, wurden entfernt, ebenso alle führenden Persönlichkeiten der politischen und wirtschaftlichen Kreise sowie der Presse. Zwar sagt der Punkt 3 der Instruktion des Völkerbundsrates für die Regierungskom- miffion des Saarbecken-Gebiets:
— Ein euthülltes Geheimnis. Man hat bisher nicht zu ergründen vermocht, wie es die Maurer in früheren Zeiten zuwege gebracht haben, ein Mauerwerk herzustellen, das dem Zahn der Zeit durch viele Jahrhunderte Widerstand leistete. In Ruinen alter Schlösser, Kirchen und Klöster sieht man oft freistehende Teile von Mauern und Gewölben, deren andere Teile aus irgend welchen Gründen eingestürzt, oder durch Kanonenkugeln zerstört wurden. Dank
dem starken Bindemittel im Mauerwerk scheinen diese Fragmente den Gesetzen der Schwere zu trotzen. Der ungarische Chemiker Professor Brunn will dieses Geheimnis entdeckt und eine chemische Lösung hergestellt haben, die alle Materialien gegen Verwitterung schützt. Er versichert, daß sein Mittel die Festigkeit jeder Steinart nahezu verdoppelt und diese vollkommen wasserdicht macht. Auch soll es Metalle widerstandsfähig gegen atmosphärische Einflüße machen und diese mithin vor dem Verrosten bewahren.
moS.
— Woher kommt die Körperwärme? Tas wissen wir erst feit rund 140 Jahren! Schon im Altertum beschäftigten sich die Gelehrten mit der Frage, wie die Wärme im lebenden Körper zu erklären sei, ebenso die Schwankung dieser Wärme, die man also damals auch bereits beobachtet hatte. Der erste, der eine befriedigende Erklärung gab, war Arift vieles. Seine Ansicht, die Wärme werde im Herzen erzeugt und mit dem Blute durch sie Adern dem Körper zugeführt, blieb die geltende durch zwei Jahrtausende hindurch. Die erste roiffen- schriftliche Erklärung fand der berühmte Leibarzt der Maria Theresia, van Swieten, welcher meinte, die Wärme entstehe zufolge der Reibung des Blutes an den Gefäßwänden. Eine andere Hypothese nannte als Quelle der Wärme die „Gärung", welche beim Uebertritt der verdauten Nährstoffe in das Blut entstehe. Die Enideckung der wahren Ursache der Körperwärme, nämlich die Verbrennung des mit der Luft eingeatmeten Kohlenstoffes in den Lungen haben wir dem Chemiker Lavoisier zu verdanken der sie 1777 bekannt machte. m0S.
Geld, das wihre Uebel der Welt.
„Trostgründe bei dem zunehmenden Mangel des Geldes" überschreibt der gelehrte Osnabrücker Syndikus Justus Möser eine im Jahre 1768 erschienene wertvolle Betrachtung, die für die Gegenwart ihre besondere Bedeutung hat. Sic ist enthalten in der bei PH. Reclam in Leipzig herausgekommenen Sammlung „Ausaewählte Patriotische Phantasien".
it Entsetzliche Erfindung! Du bfft das wahre Uebel der Welt! Ohne deine Zauberei wär kein Räuber oder Held vermögend, das Mark zahlreicher Pro- D"fcr2L,mctiTtc Hauptstadt zusammenzuziehen und unzählbare Heere zum Fluche seiner Nachbarn zu erhalten.
®3' wodurch er zuerst die Herden seiner ge» treuen Nachbarn, ihm Ernten und ihre Kinder sich eigen machte und zum Unglück einer künftigen Welt den schweiß von Millionen armer Untertanen in tiefen Gewölben bewachen ließ. Eh« du erfunden wurdest, keine Schätzungen und feine stehenden Heere.
DDn feiner Herd«, der Wem- WrfXaXnnn eimn Eimer Weins und der
DOn allem, was er baute;
nnn M9» Ur Unb genoß bcs Opfers mit.
Uc erfIuffe brachte. Der Herr XXXXr iu Leihen und so viel Korn SEsäb (Ernte non 50 Jahren zum särittSdbJte? zum ®- kauf hätte opfern wollen. 061 $um 'uyan'
.. Welch «in grausames und löcherliäies Geichäm wurde ein Geizhals zu der Zeit gewesen stin man deine Zauberet, die Kunst, das Verwögen 'non im Mitbürgern in einer papiernen Verschreibung ^
- "A n!rf* kannte. Berge van Korn, unzählbar Herden hatten leinen Schatz ausmachen müssen schen diesen Reichtümern hättt er verhungern bätVer den Armen nichts mitgeben, hätte er die Bedürfnisse des iLlaals dem ®erinpcp:n zuwälzen fallen? wuf feinem Kornhamen würde man den Bösewicht verbrannt haben! Und wer hätte seinen Vorrat vor Würmern, seine Herden von Seuchen und ihn selbst wider die Rache jeiner Nachbarn iiHwstelley wollen?.
Das weitzbuch über bas Zaargebiet.
Entstehung und Entwicklung der Saargebicfsftage
von Werner Pardolt.
Das bereits erwähnte „Weißbuch" über das Saargebiet ,das die deutsche Regierung auf Wunsch des deutschen Reichstages diesem vorlegte, gibt in seiner Einleitung einen Auszug aus Andre Tar- dieus Buch „La Paix" wieder, das auf Grund von amtlichen französischen Dokumenten die Enfftehung der Bestimmungen des Vertrages von Versailles gegen das Saarbecken-Gebiet behandelt. Danach We Frankreich im Januar und Februar 1919 an seine Verbündeten die Forderung a u f A n- gliederungdesSaargebietsundTeile d e r P f a l z auf Grund der Grenze von 1814. Die Ansprüche wurden in einer Denkschrift „begründet", die in der Einleitung behauptet, das Gebiet habe während vieler Jahrhunderte zu Frankreich gehört.
lieber die Haltlosigkeit der französischen Ansprüche und der historischen Feststellungen über das (Saar gebiet ist wiederholt geschrieben worden. Es ist daher nicht nötig, im Rahmen dieses Artikels auch nicht möglich, auf die Feststellungen, die sich aus den Dokumenten des Weißbuches darüber ergeben, näher einzugehen. Es ist ebensowenig notwendig, hier nochmals die gefälschte Saarländer-Adresse besonders hervorzuheben, mit der Clemenceau den Widerstand Lloyd Georges und Wilsons im Rat der Vier gegen die Annexion des Saargebiets durch Frankreich erschütterte. Hier festgehalten zu werden verdient jedoch folgende Tatsache:
Nachdem die französischen Delegierten sich davon überzeugen mußten, daß sie mit der Forderung auf Annexion des Landes keinen Erfolg erzielen würden, war ihr ganzes Trachten darauf gerichtet, die Souveränität Deutschlands übe r das Saargebiet auszuschalten, um damit einen ernsten Widerstand gegen die französischen Pläne im Saargebiet zu befeitigen. Frankreich hat sich damit getröstet, daß es die Bestimmungen so auslegen würde, wie es seinen Zielen entspricht.
Der derzeitige Präsident der Regierungskommission hat wenige Monate nach Uebernahme der Regierungsgeschäfte im Saargebiet einer Deputation ber Bevölkerung, die ihn auf die Verletzung der Saarbecken-Bestimmungen durch eine Maßnahme der Regierungskommission hinwies, erklärt: „Für mich ist bei Anwendung der Bestimmungen das Protokoll der Vorfriedensverhandlungen maßgebend!" Die Tatsachen haben bewiesen, daß er nach diesen Richtlinien die Ausführungen in der französischen Note über die Saarfrage an den Rat der Vier vom 29. März 1919 beachtete, die u. a. folgendes besagen:
„Die von der Zentralbehörde ermannten deutschen Beamten sollen beseitigt werden. Frankreich soll vom Völkerbund ein zweifaches Mandat erhalten: 1. Militärische Besetzung; 2. Aufficht über die Vetorechte in der Lokatver- waltung (einschließlich Unterrichtswesen). Ernennung der Bürgermeister und Beigeordneten. Die französische Staatsangehörigkeit soll individuell und nach Prüfung des Falles den Personen verliehen werden, die darum nachsuchen. An dem Tage, an dem in jedem der hautsachlichsten Verwaltungsbezirke die Mehrzahl der Wähler die französische Staatsanaehöri giert erworben hoben dürsten, oder einfach an dem Tage, an dsm der Kreistag die Annexion an Frankreich verlangen wird, soll diese Annexion rechtsgültig werden nach Bewilligung durch den Bölker- tnmb. Nach Ablauf von 15 Jahren sollen all« Bewohner, die nicht bereits ihren Willen kundgegeben haben, befragt werden. Vor diesem Datum soll kein Antrag auf Ver- einümng mit Deutschland in Erwägung gezogen werden, da diese Frist von 15 Jahren gerade deshalb vorgesehen ist, um die Zeit (lies: französische Propaganda. D. R.) handeln zu foffen und di« Bevölkerung in die Lage zu versetzen, gerecht und frei über die Souveränität zu entscheiden . . ."
Wenn man sich diesen Absatz vor Augen hält und die Dinge verfolgt, wie sie sich etwa von Mitte April 1919 bis auf den heutigen Tag entwickelt haben, wenn man die Bestrebungen genau verfolgt hat, hie von der französischen Militärverwaltung und in deren Fortsetzung von der Saarregierung verfolgt wurden, dann erkennt man eine einzige gerade Linie, deren einzelne Punkte bestimmt werden von dem Wortlaut und dem Geist der oben mitgeteilten Forderungen Frankreichs in der erwähnten Note.
Es ist möglich, daß man in französischen Kreisen über den wahren Geist der Saarbevölkerung sich etwas getäuscht hatte, daß man auf Grund gefärbter Berichte der Meinung war, daß tatsäch-
„Die Regienmgskommission hat keine anderen Aufgaben und Jntevessen als das Wohlergehen der Bevölkerung des Saarberken-Gebiets."
Wie die Saarregierung diese Anweisung auffaßt, geht u. a. aus ihrer Verordnung über die „Eigenschaft Saareinwohner" hervor. Zur Schaffung dieses Begriffs liegt nach den Bestimmungen des Saarbecken-Abkommens keinerlei Veranlassung votz, da die deutsche Staatsangehörigkeit für die deutschen Saargebietsbewohner unberührt bleiben soll. Der Präsident der Regierungskommission, der französische Staatsrat Rault, hat jedoch nach den Anweisungen Frankreichs ein wesentliches Interesse daran, den ohne jede Veranlassung in außergewöhnlich großer Zahl in das Saargebiet hineinbeorderten und hineingezogenen Franzosen ein Mitbestimmungsrecht in den örtlichen Vertretungen usw. zu geben, was er mit der Schaffung des Begriffs „Saareinwohner" erreichte. Gegen die Einführung dieser Verordnung hat die deutsche Regierung beim Völkerbund Einspruch erhoben, worüber der Völkerbund noch nicht entschieden hat.
Das sind nur einige kleine Beispiele, die die französische Politik im Saargebiet kennzeichnen, wie sie durch die Note vom 29. März 1919 an den Viererrat zum Ausdruck gekommen ist. Es ließen sich noch zahlreiche andere Beispiele nennen, wie
Bedauert demnach, edle Mitbürger, den Mangel des Geldes nicht, bemüht euch vielmehr, den Rest dieses llebels vollends los zu werden! Werst eure Reichtümer ins Meer oder schickt sie den bösen Natta- mm zur Strafe zu. die euch mit Wein, Kaffee -md neuen Moden versorgen! Hungert die reinen Geldmenschen, di« ohne Ackerbau, bloß von einer Torheit leben, völlig aus und zwingt sie, euch bei eurer Mäßigkeit zu lassen! Ihr braucht alsdann nichts wie Mause- ■ «n .. lallen, um euch vor der gefährlichsten Art von Feinden
Lüed Der Nation. May kannte eme§ teöui VetuuML * Hiebm sichexMeLn. Johann Jgkob
fch im Sqargebiet eine gewisse franzosenfreundliche Stimmung vorhanden war.
Tatsache ist, daß man zur Französierung des Saargebiets Methoden zur Anwendung brachte, bie in erster Linie auf die wirtschaftliche Umstellung des Saargebiets hinauslaufen. Das tritt cor allem in der Frankenpolitik der Saarregierung hervor. Obwohl die Saarregierung, die nach dem Saargebiets-Statut das Wohl der Bevölkerung garantieren soll, vollkommen darüber überzeugt ist, daß eine wirtschaftliche Umstellung des Saargebiets nach Westen unmöglich bezw. nur bei vollständiger Vernichtung des gesamten Wirtschaftsl"bens an der Saar möglich ist, arbeitet sie auf dem Wege der Frankenpolitik unentwegt auf dieses Ziel hin.
Es mehren sich die Meldungen, nach denen versucht wird, die Bevölkerung zur Erwerbung der französischen Staatsangehörigkeit zu veranlassen. Man nützt dabei in geschickter Weise den niedrigen Stand der Reichsmark aus, indem man den betreffenden Personen große wirtschaftliche ud politische Vorteile verspricht.
Ihr besonderes Augenmerk haben die französischen Saarpolitiker auf den Kreis Saarlouis gerichtet, wo sie annehmen, irrtümlicherweise zwar, daß die Bevölkerung dort einem Anschluß an Frankreich geneigter wäre. Bereits die französische Militärbehörde hat versucht, die Bevölkerung durch Ueberrumpelung und Täuschung für einen Anschluß an Frankreich zu gewinnen. Mitte Januar 1919 hefteten französische Offiziere in Saarlouis einen „Aufru s" an die Mitbürger und Mitbürgerinnen des Kreises Saarlouis an die Häuser und verteilten ihn als Flugblatt, in welchem ein angeblicher „Vertrauensausschuß" die Parole „Los von Berlin" ausgab und den Wunsch, an Frankreich angegliedert zu werden, durch Wahlenthaltung bei der Wahl zur deutschen Nationalversammlung zum Slusbrud1 brachte. Zu diesem Ausruf ist folgende vertrauliche Mitteilung des Kommandanten der Bürgermeisterei Saarlouis bekannt geworden:
aus dem NachdargedieL.
(fpd) Frankfurt a. Al. Ein blutiges Familiendrama trug sich im Haufe Mainzer Landstraße 133 zu. Die Frau des Schleppdampferbefitzers Adam Schneider in Mainz war vor den fortgesetzten Mißhandlungen, die sie von ihrem Gatten zu erleiden hatte, vor einigen Tagen mit ihrem 14jährigen Sohn aus erster Ehe, dem Schüler Hans Eisele nach hier geflüchtet und hatte bei der ihr befreundeten Familie Hofmann in der Mainzer Landstraße Aufnahme gefunden. Plötzlich kam der Mann in die Wohnung und fing sofort wieder Streit mit der Frau an. Schließlich richtete er einen Revolver gegen Frau und Stieffohn. Dieser entriß dem wütenden Manne die Waffe und feuerte auf ihn. Schneider wurde tödlich getroffen und starb nach kurzer Zeit. Mutter und Sohn wurden vorläufig in Haft genommen. Die Frau hatte sich schon wiederholt wegen der Mißhandlungen durch ihren Mann an die Polizei wenden müssen.
(mc) Frankfurt a. Al. Hier herrscht schon seit einigen Wochen ein ganz empfindlicher Zuckerman g e l. Nun hatten heute einige Geschäfte größere Mengen des süßen Stoffes erhalten und sofort begann ein Ansturm des Publikums, wie er in den dicksten Kriegszeiten nicht ärger sein konnte. Die Geschäftsinhaber muhten deshalb Polizei zu Hilfe rufen, die für eine ordnungsmäßige Aufstellung der Käufer in schönen Zuckerpolonäsen Sorge trug. Außerdem wurde auch eine Rationierung eingeführt, um alle Kauflustigen bedienen zu können. ,
vermischtes.
* Studentenmensur mit tödlichem Ausgang. Auch so etwas gibt es noch! Vor dem Schwur- gericht in Rudolstadt hatte sich der Studew K. Waller aus Jena wegen Zweikampfes mit töd. lichem Ausgang zu verantworten. Walter ist Angehöriger der Verbindung „Agronomia" und hatte vor einem Jahre mit dem .Arminen" Wissens eine Bestimmungsmensur in Löbstedt auszutragen. Hierbei erhielt Wissens einen Hieb auf die Schädeldecke. Er mußte nach einigen Tagen die Klinik aufsuchen, wo er operiert wurde und starb. Bei der Operation wurde festgestellt, daß die Schädeldecke des Verletzten außerordentlich schwach und daher gesprungen war. Nach Aussagen der Sachverständigen ist als Todesursache Infektion der Wunde und Gehirnhautentzündung anzusehen. Nachdem die Geschworenen die Schuldfrage bejaht hatten, wurde der Angeklagte zu lechs Monaten Festungshaft verurteilt. Warum Festung? Ins Gefängnis gehören die Leute, die sich durch Teilnahme an Mensuren über die Staats- gesetze hinwegsetzen. Wer bei einer Prügelei einen anderen totschlägt, kommt auch nicht auf Festung, sondern ins Gefängnis.
* Wiederum Plünderungen in Berlin. Aehnlich rote in Neukölln wurden am Donnerstag auch in Berlin Lebensmittelgeschäfte geplündert Gegen Mittag drangen etwa zweihundert Arbeitslose in ein Fl.ischkonsumgeschäft in der Schönhauser. Allee ein unö raubten es vollständig aus. Der Polizei gelang es, fünf der Rädelsführer festz u- n eh men. Auch an anderen Stellen im Osten der Stadt wurden von Arbeitslofentrupps Plünderungen ber^r^t.
* Ein Walfisch in der Elbe. In der Elbe ist eir Walfisch gefangen worden. Seit einigen lagen bemerkten Fischer einen ungeheuren, großen Fisch und vcr-