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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.

fir. 265.

LerantwoNlich rur drn reüauionellen Teil: Dr. I. Kramer, Ü-r die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. = Kotationsbrurf u. Verlag der Fuldaer Slctleadrnckerei in Fulda, iprecher Nr. 9. Telegr.»Adresfe: Fuldaer Zeitung.

Freitag, 18. Nov. 1921.

Bezugspreis: Vlonatlich 5.00 2RL zugestellt frei ins Haus- ~ Abgeholt in der Geschäftsstelle 4,60 3lt > Anzeigen: Kleinzeile nach C o i on e lmah 1 Mark; Reklame geile (Textbreite) nach Colvne'maß 3 Mark.

48. Zahrg.

sich an

„Karl, wo? mich um!*

Und als Gotten, der Stube stand

28]

Er gelegt

Die Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Industrie sind gestern mit den Bertrelern der Spitzenverbände der Arbeitnehmer in der Zentral­arbeitsgemeinschaft zur Beratung über die an die Kredithilfe geknüpften Bed'ngungen, insbesondere die Umformung der Reichseisenbahnen, zusammenge- rreten. Die Verhandlungen, die vertraulicher Natur und, sollen fortgesetzt werden.

bildenden Ausschuß. Der Ausschuß erhält die Be­rechtigung, Sachverständige nach eigenem Ermessen zu seiner Arbeit heranzuziehen.

5. Die Beratungen über die am 16. November von den Großorganisationen mündlich oorgetrage- nen Mittel werden mit dem Zehnerausschuß mit aller Beschleunigung weiter geführt.

Handwewcgung gegen die Mutter machte, ist's? Sage mir's, sonst bringt die Angst der Sohn schwieg, wandte sie sich an den in drohender Haltung in der Mitte der

Außerdem werden einige Gesetzentwürfe zur Erledi­gung gebracht. Eine Vorlage über die Ablösung Ser Reallaften geht an den Recht sausschuß. In gleicher

Wehe ohne Debatte die Novelle zur Verordnung über die Zwongsouflösung der Familiengüter und der Gesetzent­wurf auf Einführung der Verhältniswahl für den Aus- fchich ifur Auswahl der Schöffen und Geschworenen. Bei der ersten Beratung des Gesetzes über den Sitz des Lan- deskulturwmts für die Provinz Schleswig-Holstein in der Stadt Schleswig kommt es zu kurzer Auseinandersetzung. Die Sozialdemokraten wünschen Kiel als Sitz der Be- ! Hörde, ihnen treten die Demokraten bei. Deutsche Vobks- partei und Deutschnationale sind für Schleswig. Die Frage geht schließlich zur liebe rprünmg an den Landwirtschafls- ousschuß.

nunmehr, gestützt durch die überwältigende Mehrheit, an die Arbeit

Hen, um zu zeigen, ob die Hoffnungen, die lüpfen, berechtigt sind.

Preußischer Landtag.

Vertrauensvotum für die Regierung.

Im preußischen ßanbtoge, der ebenfalls nach et«« achttägigen Pause am Donnerstag ferne Arbeiten wieder aufnÄ;m, wurden nur kleinere Vorlagen behandelt. Zumeist wurden sie debattelos oder nur unter geringer Aussprache erledigt.

Das Hmkptevgelmis war zweifellos die am Foeiiw ZMiickgestellte namentliche Abstimmung übet den Vertrauensantrag der Koalitions­parteien für die neue Regierung. Der Vertrauens« Antrag wird mit großer Stimmenntehrheit angenommen. 198 Stimmen entschieden sich für ihn, 99 gegen ihn. Da­gegen stimmten Deutschnational c. Unabhän­gige und Kommunisten. Die große Koalition kann

vor. Als Mittel, die eine Linderung der Rot in ge­wissem Grade begünstigen können, erklärt der Minister die Beseitigung des Zwischenhandels und den möglichst direkten Verkehr zwischen 'Erzeuger und Verbraucher.

Für die bayerische Dolkspartej spricht der Abg. Gerauer sein Bedauern darüber aus, daß namentlich die Sozialdemokratie der Landwirtschaft unberechtigte Borwürfe mache.

Eingehender äußert sich der Reichsernährungsmini. fier Hermes zum zweitenmale zu diesem Thema. Die Linke kann es nicht unterlassen, ihm immer wieder in das Wort zu fallen, eine Methode, die beweist, daß diese Herren wirklich nicht imstande sind, die Dinge sachlich zu behandeln. Dr. Hermes teilt mit. daß die Zucker- verteilungsstelle ein neues Drittel des Zucker­kontingents freigegeben habe und daß der Wagengestel­lung für die Kartoffelbeförderung eine wesentlich er. höhte Aufmerksamkeit geschenkt werde Im übrigen wen­det sich der Minister gegen die von feiten der U. S. P. D. erhobenen Vorwürfe und Einwendungen.

Die Kommunisten schicken Herrn Semmrle in- Ge­fecht. Dieser wettert nach altgewohnter Weise, Kom- munalisierung. Sozialisierung: wir sind gewöhnt, ander. Mittel von dieser Seite nicht zu hören! Dasselbe tat der Kommunist Reich Der deutschnationale Krüger weist dagegen auf günstige Folgen der freien Wirtschaf hin. Die Aufhebung der Zwangswirtschaft habe de Rindviehbestand um 500 000, den Schweinebestand um 2,7 Millionen Stück erhöht, und die Auswirkungen da­von werden sich bald auch auf dem Markte bemerkbar machen Der Auftrieb hat sich vermehrt, und er würde sich auch in den Preisen bald äußern. Abg. Frau Schuch (Soz.) schildert in einem Schlußworte noch einmal die Preissteigerung auf dem Lebensmittelmarkte und vor ollem für Kartoffeln und für Margarine.

Damit schließt die Aussprache. Ein Mißtrauens-^ votum der Kommunisten gegen den Reichsernährungsmini st er Hermes wird gegen die Stimmen der Kommunisten und der Unab- hänmgen abgelehnt.

Die Anträge zur Ernährungssrag^ gehen a den volkswirtschaftlichen Ausschuß.

Das Hans vertagt sich auf Freitag. Anfragen, Heim Borlagen. Interpellation übcz das Verbot des Landens russischer Schiffe in Stettin.

Reparation, Kreditangebot und Reichseisenbahn.

„Sieh ihn Dir an. •‘■’n Mustersohn!" schrie ihr der Meister entgegen. „So sieht einer aus, der alles hinter dem Rücken seiner Eltern treibt, was Gott verboten hat — der annertrautes Gut stiehlt und noch nicht den traurigen Mut hat, es einzugestehen, jetzt, nachdem alle seine Schandtaten sonnenklar erwiesen sind! Und das ist unser Sohn! — 3?ein, er ift’s nicht mehr — cr ist's gewesen — einen Dieb hab ich nicht zum Sohn!"

Mit schwerem Schlage fiel die gewaltige Faust des Mannes auf den Tisch, daß die auf demselben stehende Wasserflasche mit dem Glas heftig erklirrten. Einer Ohnmacht nahe war Frau Hochfeld auf den nächsten Stuhl gesunken, und starrte mit entgeisterten Blicken den Mann an, den sie während eines Menschenlebens als das beste Herz der Welt kenen gelernt hatte und der jetzt schonungslos das heUige Band zerriß, das ihn an den von ihm — sie wußte es — heimlich vergötter­ten Einzigen knüpfte. Sie starrte auf den Sohn, über dessen vorhin bleiches Gesicht bei den letzten Worten eine jähe Röt- geflogen war und der mit flammenden Blicken reden zu nullen schien aber plötzlich wie sich

Deutscher Reichstag.

vurchgefallener Mißtrauensvotum gegen Dr. Hermes.

Bei äußerst schwach besetztem Hause setzt der Reichs­tag nach achttägiger Pause seine Aussprache über die Interpellationen und Anträge wegen der Aufhe­bung der Zwangswirtschaft für bi e Landwirt schäft sowie über Verschiebun- gen und Preiswucher fort

Wiederum geben fick die Redner Mühe, den Grün­den und Ursachen der Preissteigerung nachzugehen und Mittel und Wege für die Abstellung der Mißstände zu suchen. 3n die Debatte greifen sowohl der Ernährungs­minister Dr. Hermes als auch der Wirtschaftsminister Schmidt ein. Die Linke hakte in ihren Ausführungen vor allem die Landwirtschaft beschuldigt.

Dagegen nahm als erster Redner der Donnerstags- sitzuna der Dolksparteilvr Hepp Stellung. Er mißt die Schuld der ungeheuren Preissteigerung den hohen An­forderungen des Ultimatums bei sowie dem Ausverkauf deutschen (Eigentums namentlich im besetzten Gebiet. Er beschuldigt dabei die deutschen Kaufleute, von denen er behauptet, sie entblödeten sich nicht, ihre Waren im Auslande direkt zu vertreiben. Nun — wenn dies für diesen oder jenen auch zutreffen mag. so sind wir doch der Meinung, daß diese Verallgemeinerung nicht angängig ist. ebenso wenig, wie man die Landwirt­schaft als solche verantwortlich machen darf, wie dies die Linke tut. sondern nur biejeniaen in ihr, die die Not des Vaterlandes ausbeuten. Gegen die unabhän­gigen Anträge polemisiert der Redner; diese gehen dar­aufhin. die freie Wirtschaft von neuem zu beschränken.

Von den Demokraten spricht der Abg. Trischmaun. Er warnt in erster Linie vor Üeberfparmung des Par­teiegoismus und in diesem Zusammenhang wendet er sich gegen den Borwurf, den die Linke der Landwirt­schaft zu machen pflege, sie habe überhaupt kein Ver­ständnis für die Notlage des Volkes. Er und seine Freunde find Gegner der Zwangswirtschaft; denn wie er sagt, auch unter der Zwangswirtschaft war beispiels. weise der Karkosfelpreis von 60 Mk. nichts ungewöhn­liches. Also könne die Preissteigerung nicht an der freien Wirtschaft liegen. Er redete einer energischen Förderung des Siedlungsw e f e n s bas Wort und stellt anheim, hierfür eine besondere neue Regierungsstelle zu schaffen.

Auch Reichsmirtschaftsminister Schmidt beklagt, daß die durch die Preissteigerung hervorgerufene schwere Lage im politischen Sinne ausgenutzt werde. Er hält die Sucht, sich einzudecken als einen der Hauptgründe für das Schwinden der Ware und die Preissteigerung. Der Ausverkauf an das Ausland käme hinzu. So teilt der Minister mit daß im September allein 120 000 Personen über die dänische Grenze ge­kommen seien, um hier einzukaufen. Da- Finanzmini­sterium hat, um dieses Unwesen einzudämmen, Kon. trol l m aßnahmen für den sogenannten kleinen jnanbelsverkehr an der Grenze er­raffen und zwar sind diese Maßnahmen auf alle Gren­zen ausgedehnt worden. Aus diese Weise hofft die Re. gierung. wenigstens die krassesten Erscheinungen einzu. dämmen. Auch die Wuchergerichte gehen scharf

„Was passiert ist, Mutter?" rief der Meister, indem er zur Tür eilte, den Schlüssel herumdrehte und seine totenbleiche Frau einlieh. „Das Schlimmste, was uns noch im Leben passieren konnte! 2B#m der liebe Gott nicht wohl will, den straft er an seinen Kindern! Hier steht einer, der die Schande über uns gebracht hat, die Schande über den ehrlichen Namen Hochfeld!"

„Konrad — Karl — was soll das heißen?" rief die geängstigte Frau und eilte auf den Sohn zu, der bleich, mit trotziger Miene an seinem Platz verharrte und eine abwehrende

Vie Vertreter der Industrie beim Reichskanzler

Reichskanzler Dr. Wirth hat gestern abend die Vertreter der Industrie empfangen, um mit ihnen vre Kredithilfe und die Frage der Ent- Itaatlichung der Reichseisenbahnen zu besprechen.

Sin neuer Zolltarif.

Wie die Blätter melden, hat die Reichsregierung eine Neugestaltung des Zolltarifs in Angriff ge­nommen. Es ist zu diesem Zweck ein Ausschuß ein­gesetzt worden, dem Vertreter der Reichsministerirn, der Landesregierungen sowie Mitglieder des Reichs- wirtschaftsrats angchören.

harrt und daß die Möglichkeit gefunden wird, die Kreditaktion auf anderer Basis in die Wirklichkeit umzusetzen.

Das Reparationsproblem.

Die „Deutsche Allg. Ztg." erfährt aus parla­mentarischen Kreisen, daß amDonnerstagdie er st en offiziellen Verhandlungen zwischen der Reparationskommission und der deut­schen Reichsregierung stattfanden. Man nimmt an, daß der Reichskanzler im Steuerausschuß des Reichstags am Freitag über das gesamte Repa­rationsproblem sprechen wird.

Die Reichsminisker zum Sreditangebok.

In den Beratungen des Reichskabinetts zu dem Kreditangebot der Industrie haben sich sämtliche Reichsmini st er der Auffassung des Kanzlers angeschlossen, daß das Kreditangebot eingehender Beratungen und Besprechungen in den parlamentarischen Körperschaften würdig sei, ohne daß die endgültige Stellungnahme des Kabinetts selbst festgelegt worden ist. Die Auffassung, daß bei Ablehnung des Ange bots der In- dnstric die Reparationszahlungen nach dem 15. Januar tatsächlich nicht mehr möglich sein werden, wurde im beson­deren von dem Reichsfinanzminister und dem Ver- kehrsminister geteilt.

Gegen die Entstaatlichung der Reichsbahnen,

Heber die Forderung des Reichsverbandes der deutschen Industrie, die Reichseisenbahnen in pri­vatwirtschaftliche Formen zu bringen, fanden in den letzten Tagen Besprechungen zwischen dem Reichsverkehrsministerium und den Großorga­nisationen des Eisenbahnpersonals statt, die zur vollen Einigung führten. Besonders bedeutsam ist das unbedingte Fe st halten des Perso­nals am R e i ch s b e s i tz der Eisenbahnen und die baldige Inangriffnahme einer Neuorganisation durch gemeinsame Beratungen der Verwaltung und des Personals. Im einzelnen lauten die Verein­barungen:

1. Die Vertreter der Grohorganisationen erklä­ren, an dem seitherigen Verhältnis des direkten Besitzes des Betriebes der Eisenbahnen durch das Reich unter allen Umständen festzuhalten.

2. Die Rechte des auf einem öffentlich-rechtlichen Dienstvertrag beruhenden Beamtentums, zu deren Wahrung die Reichsregierung verfassungsmäßig verpflichtet ist, gelten den Großorganisationen als unverletzlich.

3. Die Großorganisationen erklären sich bereit, an der Neuordnung der Verwaltung und des Betriebs zur dauernden Wiederher­stellung der Wirtschaftlichkeit der Reichsbahnen unter Voranstsllung der In­teressen der Allgemeinheit mitzuwirken.

4. Die Neuorganisation der Eisenbahnverwal­tung wird beraten und zur geschäftsmäßigen Be­ratung durch den Minister spruchreif gemacht in einem zu gleichen Teilen aus Vertretern der Ver- waltung und der Eisenbahngroßorganisationen zu

chcn, daß man ihn im ganzen Hanse hören mußte. In der Tat ließen sich auch eilende Schritte auf dem Flur vernehmen, an dem Türschloß wurde gerüttelt und die Stimme der Frau Hochfeld rief draußen: „Aber fton, rab, was ist denn passiert? Mach doch um Himmels­willen hie Tür auf!"

und stammelte: „Du sprichst von Schande, Konrad? Karl soll Schande über uns gebracht haben? D gütiger Gott — das kann ja nicht sein!"

I besinnend, krampfhaft die Lippen zusammenpreßte unt I in Schweigen verharrte.

„5s kann ja nicht sein — Vater — Karl!" vermochte I die arme Frau nur zu lallen. „Unser Karl ein Dieb? I Vater, besinne Dich doch —*

„Unser Karl ein Dieb?" sagte dg Hedwig, die kurz I nach der Mutter eingetreten war, und bcn furchtbaren I Zornerguß des Vaters mit angehört hatte. Mit blei­chem Antlitz stand sie neben dem Bruder und fuhr fort: „So gewiß, wie ein Herrgott im Himmel ist Vater — Du tust ihm Unrecht! Nach fremdem Gut streckt Karl die Hand nicht aus — dafür ist er Dein Sohn! Und wenn es die ganze Welt behauptet — ich glaube es nicht!"

„Ich dank Dir, Hedwig — ich dank Dir für dieses Wort!" sagte da .Karl mit bebender Stimme, indem er bie Schwester an sich zog. „Da hab ich doch wenigstens den einen Trost, daß im Elternhaus noch nicht aller ; Glauben an mich verloren ist! Der Baier hat mich einen Dieb genannt — das trennt uns für immer! 23iel= le'"ht kommt einmal die Zeit, in der er es bereut! Erst dann seht Ihr mich wieder."

Sanft neigte er sich zu der Schwester nieder und küßte sie auf die Stirne. Dann wandle er sich mit einem geflüsterten „Lebt wohl" nach der Tür und schickte sich an, bas Zimmer zu verlassen, als die Mutter schluch. zend auf ihn zueilte und ihn in die Arme schloß.

„Karl, um Himmelswillen, Du willst doch nicht fort? Bleib, Karl — es wird ja alles gut, cs muß sich ja alles aufHären! Du kannst ja doch das nicht sein, was der Vater .Dich genannt hat! Es wäre ja mein Tod, wenn —"

Da klopfte es an die Tür und ohne auf das „Herein" zu warten, trat der Herr Direktor Hagen hastig in das Zimmer. 3n der Hand hielt er ein Paket, das er dem ihm entgegentretenben Hausherrn mit den Worten ent« gegenhielt; „Sie entfchuldigen, Herr Hochfeld, daß ich nochmals störe, aber es haben sich Beweisstücke vorge­funden, die eine nochmalige Unterredung mit Ihnen dringend notwendig erscheinen ließen. Dürft ich Sie bitten —" er sah dabei nach Karl und den beiden Frauen, als wäre ihm deren Geegnwart für das, was er zu sagen habe, hinderlich.

«Fortsetzung folgt.)

Wie man in den Wald hineinruft, so klingt es heraus. Die Bedingungen der Industrie haben in aflen Schichten der Arbeitnehmer begreifliche Auf­regung verursacht. Die auf Grund der Berliner Resolution aufgestellten Forderungen, die nicht nur ihrer Form und Aufmachung nach als ungeschickt bezeichnet werden müssen, sondern die sowohl in ihrer innen- wie außenpolitischen Wirkung von einer völligen Verkennung unserer po­litischen Lage zeugen, haben neben dem Wi­derstand, den sie fanden, nun auch zu praktischen und positiven Konsequenzen auf der andern Seite geführt. Schon melden sich die freien Gewerkschaf­ten zum Wort und zeigen dadurch, daß sie mit Gegenstoß parieren wollen. Wir haben die Forde­rungen dieser Gewerkschaften gestern bereits aus­führlich mitgeteilt.

Wenn die Situation gerettet werden foll, dann muß sich die Industrie entschließen, ihre Forde­rungen in völlig umgeformte fest greif­bare Vorschläge umzuwandeln. Ob sich diese Einsicht durchsetzt, steht noch dahin. Man darf mit Sicherheit annehmen, daß sich auch das Plenum des Reichstages in eingehender Aussprache mit der Angelegenheit befassen wird. Wie die Gegenaktion der Gewerkschaften beweist, hat die Abwehr bereits die Form von radikalen Gegenforderungen ange­nommen. Es dient aber weder der Gegenwart noch der Zukunft, wenn die bereits vorhandenen Gegen­sätze zwisä>en produzierenden und konsumierenden Kreisen eine unerträgliche Verschärfung erfahren. Noch dazu in einem Augenblick, wo wir vor einem schwereren Winter stehen als alle die bisher mit Sorge überstandenen.

Alle beteiligten Kreise werden darum gut tun, an die zu lösenden Fragen mit dem nötigen Opfer­sinn und der Vernunft heranzugehen. Auf allen Seiten ist man sich klar dariiber, daß etwas ge- fchehen muß, um die Verwaltung der Bah­nen zure organisieren und damit die Wege einzuleiten, die zur rentablen Gestaltung unseres Verkehrslebens führen müssen.

Soweit wir unterrichtetHnd, wird auch die Re­gierung nicht zögern, ihtz-rseits praktische Vor­schläge nach dieser Richtung hin vorzulegen. Man möchte wünschen, daß die Industrie auf ihrem un­durchführbaren und schroffen Standpunkt nicht bc-

jeber offenen Erklärung verstocktes Leugnen unb ba ihm solches bei seiner Grobheit in ber Seele zuwiber war, so wallte ber vorhin niebcrgehaltene Zorn roieber in seiner ganzen Stärke in ihm empor.

„Junge, bringe mich nicht zum äußersten!" fuhr es ihm in grollendem Tone heraus. „Mit einer solchen erbärmlichen Ausflucht willst Du Dich rein waschen? „Mein Wort bindet mich" — weiter nichts? Und da­mit soll ich mich zufrieden geben? Nun gut", fuhr er sich plötzlich besinnend fort — „ich will annehmen, ein Wort bindet Dich — was hast Du mit dem Geld, mit den 3000 Mark gemacht, die Du eingestandenermaßen auf meinen Scheck bei Firnhaber und Co. erhoben hast? Wo sind sie?"

„Frage mich nicht, Vater, — frage mich nicht!"

»So — dann will ich Dir sagen, was Du damit angefangen hast! Verspielt hast Du sie wabrscheinlich — verspielt! Glaubst Du. ich wisse nicht, was Du hin­ter meinem Rücken treibst?"

„Ich bin fein Spieler, Vater — wer Dir das gesagt hat, der hat gelogen!"

„So — — ist cs nicht wahr, daß Du mit jungen Leuten aus der besseren Gesellschaft, dem Brenner, dem Werringhof, dem Perfen und wie sie alle heißeit, verkehrst? Daß Du mit ihnen die noble Kneipe in ber Rosenstraße besuchst unb bort mit bem vornehmen Pack spielst?"

„Das roar ein einziges Mal, 23ater, fast gegen meinen Willen! An jenem Abend als ich —"

.Schweig unb tefüge mich nicht! Wer zum ersten Male der Äersuchung nicht widersteht, der ist verloren! Die unbändige Sucht, Dich zu überleben. über Deinen Stand hinauszukommen, hat Dich in Grund unb Boden verdorben! In den Wind geschlagen hast Du meine Mahnungen, Fuß beim Mahl zu halten, an den Spruch zu denken, den unser Urahn über die Haustür geschrie­ben hat. Was gilt Euch modernen Lassen denn auch das. was ein einfacher, alter Mann sagt? Ihr wißt ja alles besser! Und jetzt, wo es Dir an den Kragen geht, setzest Du Dich aufs hohe Pferd und sagst groß­artig: „ein Wort bindet mich — fraget mich nicht!" Meinst Du, mit derartigen hochgestochenen Redensarten ließe ich mich abspeisen?"

Der Alte hatte sich immer mehr in Zorn hinein- aerebet unb zuletzt mit so brebnenber Stimme gefpro-

roiberte er: „Ich sah ben Direktor aus bem Hause lom- men unb kann mir benken baß er Dir alles erzählt bat,

was corgegangen ist. Von seinem Standpunkt aus hat er ja recht! Er muß mich für einen — Du baff & ja vorhin gesagt — für einen Dieb halten! Ich sage Dir aber: ein Irrtum liegt vor, muß oorlicgen unb wenn es sich um einen Diebstahl handelt, bann ist er von einem anderen begangen worden! Und der an- finde ihn heraus, ich finde ihn — bann aber: Gnade ihm Gott!"

-Du sprichst van einem Irrtum? Müßte sich ein yrrtu” "'chi in den Büchern finden? Ich verstehe mich mtrhhn* nnUfl abcr ich denke doch, bei so einer Bank

b 0) Ucs genau aufgeschrieben unb nachgerechner; r T^V ^°rbr°ch er sich-ist es mit bem Scheck, bcn £u bet ütrnbaber u, Erhoben hast?"

, ^^ ***'** blickte her junge Mann zu Boden und schwieg.

„Karl — drängte der Vater — „Du hast dem Direktor etngestanden daß Du das Geld erhoben hast! Der Ka jterer von Ftrnhaber kann es übrigens be­schworen! Ist es nicht so?" ”

mich nicht. Later! ' Frage mich nicht! Ich

„Dein üßort bindet Dick?" frno.» >

„®o es sich um Deine ganze Zukunf"h?ndclt'-^wo es sich darum handelt ob Du als Tiiot-, „ ,,

wirst oder nicht, sprichst Du von einem Wort "da-'"Dich bindet? Wern hast Du denn dieses Son LI

»Auch bas darf ich nicht verraten Vater'm "icht! Wenn Du mir auch nicht glaubst, bann must ck es eben tragen! ' u° ’

Das, abrocifenbe Verhalten des jungen mQn„. s Oer gekränkte Ton, in welchem er sprach, marcL geeignet, ben Vater von der Unschuld des Sohne- ? überzeugen. Vielmehr erblickte er in dem Versagm '

Die Jagd nach dem Glücke

Erzählung von Fritz Ritzel.

hat« Leine Hand auf die Schulter des Sohnes und "nichte ihm in die Augen zu sehen. Ver­geblich, Karls Blicke blieben gesenkt unb gekrankt er.