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Amtlicher Anzeiger für den «reis und die Lkadk Fulda.

Nr. 264.

Lerantworlli» für Den ceoauionellen Teil: Dr. I. Kramer, s für bie Anzeigen: % Parzeiler-Fulva. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Acl'endruckerei in Fulda, fttrntprecber Nr. tt. Telegr.-Adreise: Fuldaer Zeitung.

Donnerstag, 17. Nov. 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.0J Btt. zugestelli frei ins Haus- - Adgehoil in der Gefchästsst.lle 4.60 Mk. > Anzeigen: Klrinzeile nachEoione'maßl Marti Reklamezeile (Tezidieile, noch Tolane maß 3 Marl.

48. Zahrg.

Wer beherrscht die Welt?

Deutschen Werke Protest erhoben wird. In dc, Note beißt es u. a.:

.Die Deutsche Regierung ist sich bewußt, daß sie kein Verschulden trifft, auS dem sich dieser plötzliche Stellungswechsel der Kommission erklären ließe. Alle Forderungen auf Zerstörung, Umbau und Entfernung von Spezialmaschinen für die Herstellung von Kriegs, material, auf Vernichtung von iioren und sonstigen Geräten, auf Umgestaltung ganzer Gebäude und einzelner Einrichtungen sind, so weitgehend sie auch waren, erfüllt worden, um den Betrieben ein für allemal den Charakter von .Heeresgutfabri en" zu nehmen. Werte von Millio- nen sind so vernichtet worden. Jede Gefahr einer Wiederumstcllung auf die Fabrikation von KriegSge. rät ist damit beseitigt. Dafür, daß diese Beseitigung eine dauernde ist, bürgt nint nur die rücksichtslos aus. geübte Kontrolle der Kommissionen auch die Deutsche Regierun; und die Arbeiterschaft der Werke selbst stehen dafür em.

Die deutsche Negierung verkennt nicht, heißt es weiter, daß es die Ausgabe der Kontrollkommission ist, die Erfüllung der mllltärischen Bestimmungen des Fiiedenkvertrages und die Durchführung des Be- schlusseS vom 10 November auf das schärfste zu überwachen; sie hat sich in dieser Erkenntnis und um auch nur den Anschein der Ob lruklion zu ver­meiden, so mancher Maßnahme gefügt, deren Not­wendigkeit und Zweckmäßigkeit sie nicht erkennen konnte.

Die wassensuche.

Erneute Durchsuchung der Nrck'trohwerke.

Wie aus Dresden gemeldet wird, fand eine genaue Durchsuchung der Fabrikräume der Nockstroh- toeite in Heidenau durch die Mitglieder eer Entente» kommission in Gegenwart von Dresdener Polizei­beamten statt. Die Durchsuchung führte zu keinem Ergebnis.

Munit'onsfunde in Potsdam.

In der Kaserne des früheren ersten Garde- Ulanenregiments in Poisdam, jetzt belegt mit Teilen des Neilerregimenis 4, hat eine Ententekommisston die Durchführung eines Stalles ve> langt, unter dem nach einer Denuvziaiion Munilionsmeugen verborge» fein sollten. Es wurden 240 Kisten Munition gefunden, die dort mindestens zwei Jahre gelagert haben muß,'jo daß die jetzige Truppe und die jetzt Vorgesetzte Dienststellen ut keinerlei Beziehungen zu ihr gebt ad) t werden können. Tie Munition wurde der ReichStreuhandgefellschast übergeben. Es handelt sich um Patronen für Maschinenpistolen, dir in der Reichswehr nicht geführt werden.

Die ÄmreLiionsgelülie üer polen und Tschechen

scheinen durch die ungerechte Enlschi.idtmg des Obersten Rates über Oberschlesien gewaltig gewachsen zu fein. Offenbar nicht ohne Vorwissen und zweifellos unter Begünstigung der Franzosen machen sich sowohl bei den Tschechen als auch b.'i den Polen Bestrebungen geltend, weitere Gebiete an sich zu reißen.

Es liegen darüber eine Reihe von Meldungen vor, die von derDeutschen Allg. Zeitung" zusammengestetlt sind und solgimdes Bild ergeben: Es heißt, daß die bereits mit dem oberfchlestschen Hultschin bedachten Tschechen eine weitere Abrundung in den Kreisen Rati- bor und Leobschütz anstreben. Ader die Tschechen wüh­len sogar bei den Wenden des Spreewaldes, die immer im allerbesten Einvernehmen mit den Deut­schen geliebt haben, und sie graben zu diestm Zwecke die früheren Beziehungen Böhmens zur Lausitz im Mittel- alter aus, die mit nationalen Dingen überhaupt nichts zu tun haben. Zugleich macht sich in französischen 'Blättern ein lebhaftes Interesse für die Wenden be­merkbar, sodaß man bzutlid) sieht, wie Tschechen und Franzosen hier zusamrnenarbeilen. Als die Franzosen fürchteten, es könne wegen der Auflösung der bayeri- schen Ein'wohtierwehren zu einem Konflikt kommen, da hielten sie die tschechischen Truppen zum Einmarsch nach Bayern bereit.

Auch Polen ist nicht müßig. Es möchte die L o s - lösung Wilnas von Litauen dazu ausnützen, ganz Litauen zu schlucken und im deutschen Memel neben lern zum Freistaat gemachten Danzig einen Aus­weg ans 'Dteer zu bekommen. Die Polen sind ober auch in Ostpreußen nicht untätig, daß sie bei der An­gliederung Litauens durch eine Art bundesstaatliches Verhältnis völlig umschließen würdn. Di>- m a s u r i - schen Bezirke Ostpreußens sind augenblicklich der Ge- gen'stMd einer scharfen polnischen Propaganda, die ihre durch die Volksabstimmung zurückgewiesenen Bestre- bimg.'n b:I einer günstigeren Gelegenheit doch noch durchzusetzen bemüht ist.

Es ist gut, wenn das deutsche Volk sich dieser ver­steckten Wühlereien dauernd bewußt bleibt.

Die Note gegen -le Zerstörung der Deutschen wer ^e.

Die Reichsregieriing bat in Varis, wie schon an- jekündigt wurde, eine No e überreichen lassen, in ter mit Entschiedenheit gegen die Zerstörung der

Mimen den Mminifto $r. IM.

Lm Hauptausschuß des preußischen Landtages gab | der neue Kultusminister Dr. Bötitz die Erklärung ab, I daß ein bindendes Programm noch nicht vorliegen könne. Die Stetigkeit des Programms in der Schule sei gesichert. Er betrachte sich a l s M i n i ft e r der Koalition, nicht als Minister seiner Partei. Die Ueberbrückung der sozialen Gegensätze seine eine Hauptaufgabe. Mit aller Macht müsse die Erzte- hung zur Staatsgesinnung bei festem Willen zur Bejahung dieses Staates durchxeführt werden. In Bezug aus G schichtslehrbücher empfehle sich eine gutgeschriebene Tatsachensammlung und ein Quellenbuch.

Einen Kulturkampf halte et für ein Ver­brechen am Volke. In der LehrerbiRnmg stehe er im wesenliichen auf dem Boden des Programms feines Vorgängers.

Wir nehmen von dieser Erklärung gern Kenntnis und hoffen, daß die Taten des n ucn Mannes mit seinen Worten immer im Einklang stehen werden.

Ein demokratisches Schulprogramm.

DieVoss. Zeitung" veröffentlicht ein? Resolu­tion über d i eSchulforderungen der de- mokratischen Partei. Sie stellt fest, daß sich Gegensätze zwischen Tews und Professor Baum­garten- Kii l grgeigt hätten. Es ist dabei bezeichnend, daß man in der demokratischen Partei den Plänen von Tews den Vorrang gegeb.n hat, während Bawmgarten nach dem Bericht derVoss. Ztg." starken Akzent a u f den Beitrag der Bekenntnisse zur deutschen Volksbildung gelegt und deshaib eine stärkere Berück­sichtigung der Vekenmnisie gefordert habe.

3n der Entschließung, die Tews' Ausfaffunq ent­spricht und bin Zustimmung brr Mehrheit des Partei­tages erhielt, heißt es: 1. Die Gemeinschaftsschule ist die normale deutsche Volksschule. Sie ist als Regel- schtle zweifelsfrei festzulegen. Sie tritt mit Erlaß des Gesetzs für all,.' Schulgemeinden in Wirksamkeit. 2. Die Gemeinschaftsschule ist im Reich-schulgesetz nach den ausgeführten Grundsätzen in ihrem inneren Wesen deutlich zu charak»rrisirren. Sie muß als Fortsetzung der bisherigen Simultanschule klar in Erscheinung tre­ten 3 Sonderschulen (Bekenntnisschulen und bekennt­nisfreie Schulen) sind nur auf besonderen' Antrag der Erziehungsbrwchtigten in den Grenzen der Verfassung zuzulassen. 4. Der Einhrittschulgedanke hat den Soii- derschulen immer insoweit vorzugehen, daß die Sonder- schulen das Schulwesen der Gemeinden nicht zerst-litlern .

5or-erungenderfreien Gewerkschaften.

Vor ernsten politischen und wirtschaftlichen Kämpfen-

DieVorständedes allgemeinen deutschen GewerkfchaftsbundeS und des Afabundes fordern von der Neichsregieruvg Erfüllung der Re­parationsverpflichtungen und zum Ausgleich des inneren Haushalts des Reiches Die be chleunigte Be­schlußfassung über so'gendegesetzgeberncheMaßnahmci;

1. SBeteitigung des Reiches an den Sachwerten. Dis Aktiengesellschaften haben 25 Proz. ihres 8Itaenfapi:als auf das Reich zu übertragen Die Heineren gewerblichen Unternehmungen und die Landwirtschaft sind durch eine Steuer in gleicher Höhe zu belasten. 2. Soziali­sierung des Kohlenbergbaus. 3. N e u- ordnung der Derkehrsunternehmungen mit dem Ziel, sie in kurze st er Zeit w i r t s ch a s t. sich zu gestalten. 4. Schärfste Erfassung der Ex- portdeoisen durch Ausbau der Außenhandelskontrolle. 5. Beschränkung der Einfuhr auf das Lebensnotwendige. 6. Erhö hung der Ausfuhrabgaben .bis zur völligen Erfassung be.r Dalutage­rn i n n e. 7. Beschleunigte Einziehung des Reichsnot­opfers. 8. Sofortige Einziehung der bisherigen Steuern, insbesondere der Einkvinmensteuern. Die Um'a'stteuer ist von den Steuerpflichtigen in monatlichen Abfchlags- zahlungc.n abzuführen. 9. Scharfe Besteuerung der durch Devisen, und Effektengeschäfte erzielten Gewinne. 10. Kontrolle der privatwirtschaftlichen Monopole.

Die Vorstände des Allgemeinen deutschen Gewerk­schaftsbundes und des Afabundes rufen alle organisier- ten Arbeiter und Angestellten sowie die Zentralen und örtlichen Organe der freien Gewerkschaften auf, mit allem Nachdruck ihre ganze organisatorische Kraft zu ent­falten.

Dec »Vorwärts' erklärt hierzu, die Forderungen bet Gewerkschaften stellten Mindestforderungen bar, an die sich die sozialistischen Parteien gebunden fühlen. Die kommenden Neichßlagsver- handlnngen würben zeige«, ob das Volk als Ganzes das Piogramm annehmen wird. Geschehe das nicht, so stäuben toir vor ernsten politischen unb Wirtschaft- lichen Kämpfen.

Tie ,Noie Fahne' sagt unter der Ucberschrisi GeschloifeneKamPffrontbesProleiariats: Die kommiinistifche Parkei ist bereit, ihre ganze Krasi für die Elkämpsung dieser Forderungen "einzusetzen.

Generaistreiksdrohung

gegen die LWaattichmrg der Eisenbahn.

Gestern abend fand im Zirkus Busch zu Berlin eine vom Deutschen Eisenbahnerverband veranstaltete Protestversammlung statt, gegen b:n Plan einer Umwandlung der Neichseisenbahnen in einen prioatwirtschasttichen Betrieb. Es wurde eine Ent» chlicßung angenommen, in der gegen die verlangte Auslieferung b r deutschen Eisenbahnen an die Prioal- industrie protestiert und erklärt wird, daß die Ver­sammelten entschlossen seien, bei ec-emitrlbtr Durchfüh­rung dieses Planes des Reichsverdanves der deutschen Inidustrie sofort m i t b e m G>? n e r a l st r e i k zu ant­worten. Die Entschließung fordert wieder die Erfas- smrg der Gold- und Sachwerte.

Der bayerisch.' Mniflerprcsidrnt gegen die Schlemmerei.

Wie die Blätter ans München melden, wamn am Dienstag bi« Spitzenorganisationen der Gewerkschaften auf Einladung dos M'.ivisterpräsi- denten im Sozislministerium zu einer Aussprache über die zun>:hmettde Teuerung auf allen Gebiet n zusammen- gekommen. Graf Lerchenfeld erklärte sichgegendi« uferlosen Tarifkrhöhungeu und lehnte die eberführutrg der V:rkehrsverwaltung in einen rein privalwirlfchafltichen Gesellschastsk'ürieb ab.

In der weiteren Au-spräche forderten die Geroerk- schaftssekretäre, daß die Ärb iteroertrelier als gleichbe­rechtigt in die Lande-auftragL stellen aufgenommen wer­den, und daß eine Nor> lle zum Dettnebsrätegesetz die Erfassung der übermäßigen Gewinne ermöglichen laste.

In seinem Schlußwort erflärte Mnisterpräsidmt | Lerch» nfeld, Im Ministerrat sei >ttne Novelle durchberaten | worden, die Maßnahmen gegen die Schl em- \ m e r e i vor sehe. Girre Verbilligung bt Lebensmittel erwarte er nur von einem unmittelbare nVer. kehr zwischen Verbrauchern und Er- zeugern j

Fortgang -er Washingtoner ttonserenz.

Nach dem Eröstnungsakt und den ersten großen Reben ,st der Schwerpunkt der Washingtoner Kon- fer.en3 *n die fiommiffionen gefallen unb die Kulissen- nibett hat eingesetzt. Die grundlegenden Beratungen weiden m Ausschüssen unb Unteraiisschüsfen statt­finden, die hinter verschloffenen Türen lagen. Tie -I*?nuntontn enthalten nut Niiiglieder der 5 Groß- tnaajte. _liebet den Gang dieser Verhandlungen wird natürlich gar viel in den Zeitungen berichlet, Einzelheiten, die sich mehr durch Mannigfaltigkeit als durch Klarheit auszeichnen. Wichtiger als diese sich fortlaufend ändernden Kombinationen ist da?, was sich allmähiig als Grundcharakter der Kon­ferenz herauslckälen läßt.

Vor dem Kriege war England die tonangebende Weltmacht. Jetzt nicht mehr. Ter Takislock im Konzert der Völker ist in die amerikanische Hand ubergegangen. Wer es noch nicht gemerkt hat, sieht es beim Hinblick auf die Konferenz und braucht sich nicht einmal die Brille auszusetzen.

Schon die Einladung nach der neuen Welt K von dem gehobenen Selbstbewlißlseui der ri.aner. Viel mehr noch das forsche Vorgehen der Regierung von Wajhingion, die gleich bei Beginn der Konferenz ohne weiteres den Geladenen ihr ein­schneidendes Programm bet Abrüstung vorlegt in dem Tone: Vooel friß ober stirb!

Wie eine Bombe hat das Diktat gewirkt, tagen verschiedene Berichterstatter. Augenscheinlich ist Den Engländern und Japanern der Schreck in Die ©lieber gefahren. Sie wagen keinen offenen Widerspruch, machen vielmehr gute Miene zum bösen Spiel und sagen, das fei eine recht schöne Grundlage für Die Verhandlungen. Dabei denken sie, es werde sich schon noch manche Abschwächung Durchsetzen und manche Hintertür offen halten las­sen. Sie sind aber in die mühselige und zweifel­hafte Defensive gedrängt, während die robusten Amerikaner Die maßgebende Offensive an sich ge­rissen haben.

In Washington treibt man krästtge Welt- Politik, aber in echt amerikanischem Stile nach dem dort üblichen Geschäftsgeist. Von dem sogen. Völkerbund wollen die gegenwärtigen Machthaber nichts wissen, weil ihm die Klauseln eines solchen Vertrages und die Mitwirkung von allerhand Räten und Rednern lästig sein würden. Sie sagen sich: Amerika hat Geld und ihr habt den Rucken voll Schulden: Amerika hat eine Men­schenkraft von hundert von Millionen, die kaum angezapft ist, und ihr seid blutarm geworden; ihr müßt nach unserer Pfeife tanzen, und wir können euch aufspielen, ohne uns an die Rotenhsste eines -Völkerbundes zu kehren!

Die Schattenseite der neuen amerikanischen Weltherrlichekit ist freilich die Rüstungslast. Wer die Welt beherrschen will, muß vor allem eine überlegene Flotte haben. Daher der gesteigerte Mottenbau in Nordamerika. Die Kriegsschiffe kosten i<iber ein haariges Geld. Das Wettrüsten erscheint sden smarten Geschäftsleuten auf die Dauer zu kost­spielig. Also wollen sie Die Wettbewerber zur Ein­schränkung der Schiffsbauten auf Gegenseitigkeit veranlassen.

Das sieht aus wie eine Wohltat für alle Völker. Vorsichtigerweise sind auch die Ziffern so abgemessen worden, daß vorläufig noch England den ersten Platz behält. Aber in Wirklichkeit läuft Die Sache auf die liebermacht Amerikas hin­aus. Wo find die Zeiten, als England mit Stentor­stimme als Herr der Meere verkündete, seine Flotts müsse und solle unbedingt so stark sein, wie die zwei nächstgrößten Flotten zusammen? Diesen Zweimächte-Standard durchzusetzen, war ein we­sentlicher Punkt in dem Konflikt zwischen England und Deutschland. Cs ist nun in der Tat gelungen, Die deutsche Flotte zu vernichten. Doch England ist aus dem Regen in die Traufe gekommen. Jetzt niuß es entweder einen neuen.Krieg riskieren, ober 63 >uuß zugeben, daß seine Flotte auf das Gleich- grwicht mit der nordamerikanischen herabgesetzt w-rd, also hinter einer feindlichen Koalition zu- nickfteht. Nur in Verbindung mit Japan kann englanö noch als Herr des Meeres sich auffpielen. Die Jmeritaner scheinen diesesBündnis" nicht ?9r 8U fürchten und sind schon zufrieden, wenn *.eJf -Meinherrschaft Englands gebrochen und ne alte Weltmacht ge3nrinflen haben, sich auf die spanische S tu de zu verlassen. Mit dieser Krücke lenken sie schon fertig zu werden.

So ijt die Weltpolitik von Washington durch­aus nicht von hohem Idealismus getragen, sondern Don reqlpol 11 «scher Macht- und Profitsucht für das eigene Land.

Der Schwerpunkt der Weltgeschichte ist verscho- den worden, und zwar von London nach Washing­ton. Zum Schaden von England, das den Vorrang eingebüßt hat. Daraus erklärt sich auch, daß Lloyd George in den letzten Jahren so häufigumfallen" mußte. Er und sein vermeintliches Weltreich fühlt sich zu schwach, ihren Willen in den euro­päisch e n Angelegenheiten durchzusetzen. Sie werden auch in den weltpolitischen Angel'eg-nheiten wohl nachgiebig werden müssen, wenn 'sie 'nicht ttrua einen Krieg mit Amerika riskieren wollen

und seinnr Ausbau und seine Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigen dürfen."

Wir werden nicht verfehlen, uns mit diesen Lellsätzen der demokrattjchen Partei in der nächsten Zeit auseiiu archerzusttzm. ..

Parteitag desZentrums am ib.Zanurr.

Tagung des Reichsausschusjes.

Der Reichsausschuß der deutschen Zentrumspartel ist am Dienstag in Berlin im Reichsiagsgebäud« zu einer mehrtägigen Sitzung zufammengetreten. Die Tagung wurde durch den stellvertretenden Vorsitzen­den Geheimrat Dr. P o r s ch eröffnet, der dabei der toten Führer der Partei: Trimborn, Burlage, Erzberger, G istlich.'r Rat Wacker und des letzten überlebenden Stifters der Zentrumspartei, des Fürsten Löwenstein, gedachte. Die Versammlung ehrte das Andenken dev loben in der üblichen Weise.

Sodcmn trat der Reichsausschuß in die Tagesord­nung ein, deren erster Gegenstand die Beratung des Programmenlwurss bildete, die zum Abschluß gebracht wurde. Damit ist der Programmentwurs reif zur Beschlußfassung durch den Parteitag. Der Reichsparteitag wird daher zum 16. Januar 1922 nach Berlin berufen. Sollten sich diesem Termin parlamen­tarische Schwicrigkittten entgegenstellen, so wird der Parteitag wenig« Tage früher einberufen werden.

Am Mittwoch, dem zwtiten Berhandlungstasr des Ausschusses, hielt Reichskanzler Dr. Wirth eine Rede, in der er zu allen schwebenden politischen Fragen Stellung nahm und sein« ablehnend« Haltung gegenüber dem Kreditangebot derJndustrie zum Ausdruck brachte.

Uoch ein Urteil über waÄer.

Adam Röder schreibt in der süddeutschen konser­vativen Korrespondenz:

Wackers Gcsamtpersönlichkelt entbehrt in keiner Be­ziehung der Größe. Wie als Redner, so überragte er auch als Mensch den Durchschnitt um ein Bedeutendes. In der Zeit der aufkommendcn Genußsucht und schär­feren Betonung des Aeußerlichen blieb er der spar, t a n i s ch-e i n f a ch e Mann, dem weder an Komfort,' noch Orden, Ehrenzeichen und öffentlichen Würden etwas gelegen war. Als ein großer Einsamer durchschritt er seine Zeit, als ein Mann, für den Arbeit und Hochhal­tung des christlichen Slltlichkeitsideals den bestimmen« den Lebensinhalt ausmachten. Das muß auch deraner--' kennen, der, wie Schreiber dieses, in mannigfacher Fehde mit ihm stand und dieWackertakiik" ablehnte. Wackers öffentliches Wirk. » hat eine politisch geschicht­liche und kulturpolitische Bedeutung, die in den Jahr­büchern für deutsche und badische Geschichte für alle Zeg festgehalten werden wird.

Bus dem besetzten Gebiet.

Die Unterdrückung der preffe im »esetztrn Gebiet. Der R-ichSkommissar h.it sich niesen Müoerung der Bestimmungen der BesatzungSbchörüe über Presse und Versammlungen an die Ncieintanokommtsston gewandt, die folgende Äutivort eitcilte: Die Kommission nimmt gerne Sie Möglichkeit in Anspruch, daß die Wicdcrher- siellung einer größeren Ruhe in ver öffentlichen Stimmung und die Räckkebr zu einer größeren Mäßigung bei den Angriffen gewisser Organe der deutschen Presse gegen Oie Befahl,ngSlruppcn es gestalten, an der Verordnung erhebliche Milverungen vorzunehmen. ES wäre sogar erwünscht, daß die Verordnung im Laufe der Zeit auf. gehoben werden kann, aber die Rheintandkommission glaubt den Zeitpunkt hierzu noch nicht ge­kommen.

Abzug der Franzosen aas der englischen Zone. Infolge der Beteiligung der Engländer an der oerstarkten Vefetzlkng Oderschiesiens war ein großer Teil der Köl­ner Besatzung nach unb nach durch französische Truppen-, teile ersetzt worden. Wie aus gut unteriichieter Quelle bekannt mitt), werden die Franzosen, die sogar einen Teil1 Oer ©tobt Köln te'.bft beseht haben, demnächst abgelöst und durch englische Truppen ersetzt werden. Unter anderem wird auch Die (Blain Bonn wieder ausschließlich eng­lische Besatzung erhalten. Die Bevölkerung begrüßt den Truppenwechsel schon heute.

Alles zu Lasten Deulschlavds. Di« Rheinlandkom- mission hat in einem Streitfall wegen der Richtungstafeln Auffchnsten. die in den Ortschaften des brfetzien Ge­bietes errichtet werden mußten, bie allgemeine« Entschei- düng gefällt, daß diese Schilder zu den Leistungen zu rech- nen sind, die durch Militärbefehl von der deutschen Der- Weitung verlangt werden können.

Deutsche; Reich.

* Berlin, 17. Nov. D r diplomatische Dertrett /, der russischen sozialistischen föberatioen Cowjettepr.! bltf Nikolal Nikolaiewiisch Krestinski ist vomf Reichskanzler aus Anlatz der Uebernahme ferner i Amtsgeichäfie emp angen worden. Zentrumsab- georbneier Hirijiefer des preußischen Landiages hat den Ruf alS preußischer Woblfabrlsminisler an­genommen. Der bisherige Reichsminister deS Innern, der frühere sächsi chr Minillerpräsident Grab n auer ist an Stelle des in den Rerchsbienst ubergctreienen Gesandten Dr. Koch zum außer- °t6en11 icben Gesandten und bevollmächtigten Mini"er in Berlin ernannt worven.

o, \2*< Sleuerausschüsse des Reichstages. Dem 11. llusschuh des Reichstages, dem ständigen Steueraus- chuß, welchem die direkten Sleueroorlageit überwiesen sind, gehören vom Z « n t r u m an die Abg. Herbert (Fulda), Lange, Hegermann, ten Hampel sl.ohner und von Guerard. Als Slellverlreter für be» timmte Vorlagen sind oorgesth.m die Abgg. Blum, rZleischer, Dr. Fortmann, Korchaus und Dr. Schulte. Dem Ausschuß zur Beratung des Branntweinmonopol, '30. Ausschuß) gehören vom Zentrum an die Abg. Borenefeld-Etlmann. Diez, Ersing und Schulz-Gochmen. Ihre Stellvertreter sind die Abgg. Egger, Hagemam^ Herbert und Nacken.

* Tie Baueinvereine und die neuen Steuern. Tie Vereinigung der deutlchen Bauernvereine hat ür den 22. und 23. November die Vertreter aller deutschen Bauernvereine zwecks Beratung der für