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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Aulda.

Nr. 263.

Verantwortlich für Öen reOautoneUen teil: Dr. I. Äramtr, 2 für die Anzetgen: 3. Parzrller-Fuida. = RotationsbruOu. Verlag der Kuldarr Artiendnickerel in Fulda, .^erniprecher Nr. ». Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zeitung.

Dienstag, 15. November 1921.

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Bezugspreis: Monatlich 5.00 AU. zugesteL frei ins Haus- ~ , AbgehsU in der Gefchästsstclle 4,60 All. >

Anzeigen: Kleinzeile nach Colonelmaß 1 Itlntf; Kella m e » e i i e (lejdbteite) nach Colone maß 3 Mark.

48: Zahrg.

ÄMse Seratnnaen te MMMMr.

"verwirrend,' Serüchft übet dir Rwarattorw- oerhondlungea.

Das Reichslubnieft, das am ÜJloritag nachmittag zusmmnentrÄ, behanbefte die schwebenden Fragen bei ReparationsverbEangen und die Kreditaktion der I n d u ie. Die Beratungen des Kabinetts werden Drensu# nachmittag fortgesetzt.

3u den über dir Besprechungen mit der R^para- tronskommrssion in der Presse verbreiteten Gerüchten wird sestgestellt, daß alle Mitteilungen über ore Verhandlungen auf Kombinationen be­ruhen, die geeignet sind, die öffentlich- Meinung zu rnrwnren. Solange die Verhandlungen dauern, kön- mn amtliche Erklärungen darüber aus Gründen des Staatsinteresses nicht er» folgen.

Die deutsch-polnischen Verhandlungen.

Zum Vorsitzenden d-8 deutsch-polnischen Schieds­gerichts ist der frühere schweizerische Bundespräsi­dent Cal ander ernannt worden, da der jetzige Bundespräsident Ador diese Funktion abgelehnt hat. Als Verhandlungsort für die deutsch-polnischen Ver­handlungen ist Genf bestimmt worden.

des Zentralbetriebsrats Opfer einer falschen Be­richterstattung geworden seien.

Die MiMärLonttollkommWon auf der waffensuche.

Wie aus Dresden gemeldet wird, versuchten aufgrund einer Denunziation Mitglieder der interalliierten Militärkontrollkommission in die Rockstrob - Werke in Heidenau bei Dresden einzudringen, um Durchsuchungen nach versteckten Waffen vorzunehrnLn. Die Ententeoffiziere verlang­ten sogar, daß ein Teil der Gebäude gesprengt wer­den müsse, weil angeblich dort Waffen vergraben oder eingemouert seien. Die Werklerrung und auch die Arbeiter widersetzten sich einer solchen Maßnahme. Es wurde schließlich vereinbart, daß die Miiitärkon- trollkommission heute die Stelle, an der angeblich Waffen versteckt sein sollen, in Gegenwart des Be­triebsrats durchsuchen sollen.

Die Blätter bemerken dazu, daß die Rockstroh. Werke Druckmaschinen und Prägepressen Herstellen und auf Waffensabrikalion überhaupt nicht eingerichtet seien.

Die Washingtoner Konferenz

Die Arbeiter bei General Noüet.

Mm das Schicksal der deukscheu Werke.

Montag ist der Zentralbetriedsrat der Deutschen Werke A.-G. non dem Vorsitzenden der Interalliierten Kontrollkommission, dem General Rollet, empfangen worden. Gemral Rollet versprach, die von den Arbeit- «hmem gegen die EntentMuhmchrnen vorgebrcutften Gründe der Dotschasterkonferenz zu übermitteln, da er diese Gründe für die Aufhebung der Rode kmrchcms würdige. Die Arbeitnehmer haben ihre weitere Hal- hurg davon abhängig gemacht, ob die alsbaldige Rück­nahme der Rot« durch die Botschafterkonferenz erfolgen wird. Die Arbeiterschaft der Deutschen Werke verlangt in erster Reihe di« Aufhebung der am 23. September übersandten Rote, die besagt, daß bis Herstellung van Waffen und Munition endgültig auf gegeben wenden mufft. Ferner wurde betont, daß die Forderung der interalliierten Kommission in den Reihen der beut, scheu Arbeiterschaft deshalb als schikanös und unzutref- fend empfunden würde, weil die Arbeiterschaft selbst bc. fftebt fei, die Herstellung von Kriegsmaterial zu ver­hindern. Das Verlangen der interalliierten Kommis­sion habe die Arbeiterschaft in höchste Erregung versetzt und man sei fest emschloffen, diese Maß­nahme Frankreichs mit allen gewerkschaft- lichenMittelnabzuwehren. Die deutsche Ar- beiterschaft werde sich cm die internationalen Organi­sationen wenden unb sie zur Solidarität auffordern, da hier das Wohl zchntmtsender deutscher Arbeiterfamilien ftdroht sei.

Die deutsche Protestaoke.

Wie dieDeutsch- Allgem. Ztg." hört, ist die Rote der deutschen Regierung in der Angelegenheit der Deutschen Werke am Sonntag dem General Rollet in Berlin und gestern durch den deut­schen Boffchafter in Paris der Botschafterkpnferenz überreicht worden. Die Rote wird heute veröffent­licht werden.

DieFreiheit" veröffentlicht eine Erklärung des kommunistischen Reichstagsabg. Maltzahn, die besagt, daß seine Aeußerungen im Reichstag über die Herstellung von Waffen in den Be­trieben der Deutschen Werke vom Zen­tralbetriebsrat in Spandau mißdeutet worden seien. Er habe nicht positiv behauptet, daß in den Spandauer Werken Kriegsmaterial an­gefertigt werde. Er nimmt an, daß die Mitglieder

Die Jagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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-Also doch, also dochl" rief Konrad Hochfeld ccr- zweftlungsvoll und sank auf dcn nächsten Stuhl.S)err öes Himmels, was hab' ich mir großgezogen! Der Scheck war es nicht ein Scheck vm 300U Mark

"icht so ausgestellt von Baron Greiffen, item?

»Allerdings von Baron Greiffenstein!" erwiderte der Direktor verwundert.Ihr Sohn gibt zu, 3000 Mark auf entert «check des Herrn Baron Greiffenstein erho- en zu haben, behauptet aber, es sei dies ein anderer Stpei! gewesen, -ßte Cr aber in den Besitz dieses anged- lich zwrtten Schecks gekommen ist, darüber verweigert er rede Auskunft, mit der vagen Behauptung, fein Ehren­wort bknde thnl " '

Konrad Hochfeld hatte sich wieder gewaltsam zu. sammengerafst. Er war anfgeftanben und sagte in ! merklich festerem Tone:D-s ehrlichen Namens wegen - merken Sie wohl, Herr Direktor - nur des ehr­lichen flamens wegen, welchen mein Sohn trögt, erkläre ich mich bereit, für jeden der Dank entstandenen Scha­den aufzukommenl Ist Ihnen das genügend?"

Vollkommen, Herr Hochfeld! Behufs Feststellung der Summe durste >ch Sie vielleicht bitten, gelegentlich auf meinem Büro oorzusprechen, damit wir auch'gleich­zeitig beraten, in welcher Weise, ob durch Bürgschaft ober durch direkte Ucberroeifung des Betrags die Sache erledigt werden soll. Jedenfalls werde ich desfallfigen Wünschen Ihrerseits tunlichst entgegentommen. Biel, leicht haben Sie die Güte, die Stunde Ihres Erlcheincns ju bestimmen?"

Trotz aller Höflichkeit lag in der Sprechweise des Direktors ein bestimmtes Fordern, ein entschiedenes .entweder ober" und Konrad Hochfest, mußte wohl, j trotz des in seinem Innern tobenden Sturmes, dieses ! drohende Mahnen heraushören, denn hoch richtete er ; seine gewaltige Gestalt emvor und erwiderte: j

Die Aufnahme dec Abrüstungsvorfchkäge durch England und Japan.

Offiziell wird angekündigt, daß der englische Vertreter Balfour in der nächsten Sitzung der Konferenz eine Rede halten wird, worin er im Prinzip den amerikanischen Vorschlag betref­fend die Begrenzungen der Rüstungen zur See annimmt.

Der neue japanische Minister T a k a n a s ch i hat erklärt, daß er der Politik des verstorbenen Hara bezüglich der Washingtoner Konferenz voll­ständig beistimme; er fei überzeugt, daß diese Kon­ferenz von Erfolg gekrönt fein werde.

Reuter erfährt, daß die japanischen Kreise den Vorschlägen Hughes sehr günstig gegenüberstehen und sie als durchaus annehmbar natürlich unter Vorbehalt der technischen Ausarbeitung erklären.

Der König von England hat in einem Telegramm an den Präsidenten Hardina an­läßlich der Eröffnung der Washingtoner Konferenz seine guten Wünsche für den Erfolg der Be­ratungen ausgesprochen. Die Sympathie und der gute Wille des britischen Volkes für die Erhaltung' des Friedens feien der Konferenz sicher.

Mede mit Amerika

Präsident Hardina hat Montag nachmittag die Proklamation unterzeichnet, in der der Friede zwi­schen Amerika und Deutschland erklärt wird.

Die sozialistische Schulpolitik.

Es ist naheliegimd, daß die Sozialdemokratie durch Einflußnahme auf dir Erziehung der ÄugerÄ sich in dieser die Zukunft sichern will. Dftse Sorge steht ihr beinahe noch höher als der wirrschrftliche Kampf. Einer ihrer Schulpvlitiker unb -programutiber, Dr. Richard Hohmann, sagt in einem eben erschienenen Werke: Gang gewiß ist im Sinne der sozialdemokratischen Be­wegung von jeher der wirtschaftliche und polttische Kampf mtr das Mittel zum geistigen und sittlichen Be­freiungskampf des Volkes und der Menschheit gewesen. Aber ehe das Ziel selbst in greifbare Nähe rücken konnte, muhten die Mittel zum Zweck, mußten der wirffchafttichr Stampf im Vordergründe sttherr" (Dos Schulprogramm der Sozialdemokratie und ihre Schul­politik, 1921, S. 7). Das heißt: in Zukunft wird der

Ich bin zu jeder Stunde bereit, meine Zusage zu erfüllen, Herr DirektorI Heute nachmittag 3 Uhr werde ich mich auf der Bank einfinben.

»Sehr wohl dann wäre ja meine Mission so weit erfebigi! Bis auf weiteres denn heute nachmittag! Ich empfehle mich bestens." Damit erhob sich Herr Direktor Hagen, verneigte sich nochmals höflich und verließ bas Zimmer.

Emen Augenblick noch stand Konrad Hochfest) be­wegungslos ba und sah mit starren Blicken nach der Tür, durch welche der Besucher geganaen war. Dann ließ er sich mit einem stöhnenden Laut auf den nüchsten Stuhl sinken und überließ sich ganz der Gewalt seines Schmerzes. Das war das Schwerste, was ihm das Schicksal je zugefügt. Sein ehrlicher flame beschimpft burch denjenigen, der sein alles war, besten Wachsen und Gedeihen ihn mit heimlicher Daterfreude erfüllt, auf besten $orroärtstomm?n in seinem Berufe er mit berechtigtem Stolze geblickt hatte! War es benn mög­lich, baß sein Sohn sich so vergessen konnte, alle Grund- sätze, bic ihm während seiner Erziehung eingepflanzt worden, zu mißachte» und einen Weg zu gehen, der un­bedingt ins Verderben führen mußte? Das unfelige Streben, über feinen Stand emporzufteigen, die rasende Jagd nach einem eingebildeten Glücke hatte ihn, trotz seiner, des Vaters Mahnungen verblendet und zum Dieb werden lasten! Sein Sobn Karl ein Dieb sein eigen Fleisch und Blut auf dem Wege der Schande! .Herr im Himmel, wodurch hab ich das verdient?" murmelte der Unglückliche.

Van der Werkstätte her tSnte ber fröhliche Gesang de-r Gesellen, dazwischen taktmähige Hammerschläge das surrende und dröhnende Geräusch bet Arbeit. Ein Sonnenstrahl fiel durch eines ber hohen schmalen Fenster in den altertümlichen Raum und ließ Myriaden Stäubchen in seinem Schine erzittern, der faul an dem gewaltigen Kachelofen liegende mächtige, graugetigerte Kater blinzelte verschlafen dem hellen Licht- entgegen, erhob sich und strich schnurrend an der Wand dahin; mit melodischem Trillern machte sich Hänschen in seinem in der einen Fensternische hängenden Käfig bemerkbar nltfc. atmete ^rieheni»h die Behaglichkeit des All-

Kamps weniger um den Leib als um die Seele des Volkes gehen und aus dem Gebiete dar Erziehung ge- Mrt werden.

Die Ziele unb Wege ber Erziehung bestimmt der Stille ber Gesamtheit. Die Gesamtheit aber wird nur als eine sozialistische gedachi. Darum lautet eine Pro- grammso-rterung: Ziel der Erziehung ist der sozia­listische Mensch, d. h. die Persönlichkeit als Mied der Gemeinschaft. Auch Hohmann setzt, einem üblichen Gebrauche folgend, sozial gleich sozialistisch und Ge- menrftixrft gleich sozialistische Gesellschaftsordnung. Diese Gleichsetzung ist jedoch in keiner Weise berechtigt; hierüber bedarf es einer weiteren Ausführung nicht. Werm nun auch ber sozialistische Mensch das Erzie- fjungs.jtel ist, so sprechen die Schulprogranune dennoch nicht von einer parteipolitischen Beeinflussung der Äu­gend im Sinne ber Sozialdemokratie, unb der Gegen­satz, in den ihre Schulpoliiiker die eigenen Grundlätze zu denen ber bürgerlichen Gesellschaft bringen, hört sich schön an:Sie (irre Sozialdemokratie) leugnet nicht, daß der Kamps um die Schule ein eminent politischer ist, aber sie will die Schule nicht zum LLerkz-ug politi­scher Interessen machen. Sie lehnt es also auch cu'f das entschiedenste ad, die Jugend in ihrem eigenen Sinne parteipolitisch zu beeinflussen" (Hohmann S. 55). Diese Behauptung will offenbar nur unter benn Gr« sichtsprmkte dernächsten Möglichkeiten" verstanden werden, von denen man dort, wo ine Entwicklung es bereits ermöglicht, in bet Praxis abweicht.

Ali: Erziehung ist Aufgabe der Gemeinschaft." Diese Gemeinschaft wird durch das Reich repräsentiert. Die Weimarer Verfassung hat die Schul gefttzgetning zu einem erheblichen Teile zur Reichssache gemacht und wenn den Ländern, meint Hohrmmn, noch wichtige Kompetenzen Vorbehalten sind, so muffe man als Poli­tisier dies mit einem lachenden und einem weinenden Auge begrüßen:Denn während mm in einigen be­sonders fortschrittlichen Ländern auch eine besonders fortschrittliche Schulpolitik getrieben werden kann, sind andererseits die reaktioiftiron Tendenzen in rückständig regierten Ländern, wie Bayern, nicht vom Reitwegen in dem erwünschten Maße zu dämpfen." Der Staat habe das Recht, auch Zwang in Anwendung zu bringen, um seine Erziehungsab sichren durchzusetzen. Rach diesem hätten sich Rechte und Freiheiten von Kom­munen, Eltern und Schulverwaltungen, die stark be­schränkt werden, zu richten. Glauben dies« Faktoren sich in ihren demokratischen Idealen beeinträchtigt mm, so muffen sie «den die Opfer, die aus taktischen Erwägungen einstweilen als notwonblg erscheinen, bringen.Wir müssen so viel Selstverieugnung auf- bringen» daß wir über Unannehmlichkeiten, die uns selbst und der Politik des Augenblickes bereitet werden, den Blick auf das große Ganze und auf die Zuktmst zu richten vermögen."

Gerade in biefem teilen sich jedoch die fozia- tsstffchen Schulpoliliker. Die einen sind mehr S t ü t - wer unb wollen nicht darauf verzichten, die Pro- grammpMkie und Ideale sofort durchzufetzen; sie ge­hören oorzugswei« den linken Reihen an. Die an­dern sind Politiker unb Taktiker, stellen sich auf ten Boden geschichtlicher Entwicklung unb vertreten die Abstimmung des Programms auf seinen Reifegrad."

Reifegrad der geschichtlichen ®nta>idfcmg ist aber nach ihrer Ansicht noch nicht da, darum sei jetyt Geduld ju iAren unb, wenn nötig, feien auch Kompromisse ob- zuschlftßen. Di« SoUaltemokratie fribft könne Tote. üben, d»> sie die feste Usarrz-eugemg batet dürft, beg bte xeschichiliche Entwicftung sicher zu dem Stande führen wird, daß das Schulproyrwnm einmal voll und L°nz durchgeführt zu werden vermag. Allerdings müsse man Anwälten, und zwar lange zuwarten können: Selbst der glühendste Optimist wird nicht gtaubm, daß bte Gesamtheit unseres Bottes sich SkoWmisch und kulturell in einem MenschLnalt-sr soweit in der Rich- tUT^g zmn Sozialismus entwickeln wird, um eine Ge- meinschafts-, Einhefts- und Arbeitsschule in unserem Ingelebens unb mahnte den gewaltigen Mann in seiner Eeelenptfn, baß für ihn ber Frieden unb die Lebens­freude für immer dahin fei.

Horch! War die Haustür nicht gegangen und klang ba nicht der wohlbekannte Schritt draußen auf dem Vorplatz? Mit einem plötzlichen Ruck erhob sich Sen- rab Hochfeld, eilte nach der Tür und rief, sie aufreißend, mit heiserer Stimme hinaus:Karl, ich habe mit Dir zu sprechen!"

(Einen Moment später trat Start Hochfest) über die Schwelle. Sein Antlitz war bleich und kn seinen Augen glomm es unheimlich, als koche es leidenschaftlich in ihm. Oder war es Schuldbewußtsein vor bem Kom­menden, was sich in diesen verzerrten Mienen mit den zuckenden Mundwinkeln ausprägte? Einen forschend düsteren Blick warf er auf den Beter, ber hastig zur Tür geeilt war, dieselbe abschloß unb nachdem er einige Mal erregt in der Stube auf und ab gegangen, vor dem Sohne stehen blieb.

Ich hatte soeben einen unerwarteten Besuch", be­gann er sodann mit mühsam beherrschter Stimme,von bem ich Dinge hören mußte, daß mir die Haare zu Berg standen! Des Himmels Einsturz hatte ich eher erwartet als bas! Ist es denn möglich Karl? Du ein Dieb?" Die von einem schmerzenden Schlage getroffen, zuckte b«r Sohn bei den letzten Worten zusammen und eine dunkle flöte ergoß sich über sein Antlitz.

Und ist es möglich" erwiderte er bitterdaß mein eigner Sater, ohne mich zu hören, nur auf die Beschuldigung eines Fremden hin, mich für einen Dieb hält? Der einzige, der an mich glauben sollte, stellt sich auch gegen mich?"

Betreten schaut« ihn ber Vater an und bebend, wie in erwachender Hoffnung klang feine Stimme, als er sagte:So ist es nicht wahr, was Dir nachgstagt wird? Du kannst Dich von dem schweren Verdacht rei­nigen, ttotz ber drückenden Beweise, von welchen mir ber Direktor erzählte? flehe doch, Karl", fuhr er fort, als ber Soh, schwieg, rede doch! Ich bin gewiß ber erste, ber sofort Deine Partei ergreift! Reitz mich um Himmelswillen aus ber Ungewißheit!"

(Fortsetzung folgt'

Sinne zur allgemeinen deutschen Volksschule werden zu lassen", (Hohmann, 6. 16).

Die Bahi»en, in welchen bte sozialdemokratische 2u- gendbildung laufen soll, sindEinheit lichkeit und Weltlichkeit der Schulen. Es soll dft Einheits­schule allgemein zur Geltung kommen, in die all« Volksschichten ihre Kinder schicken müssen; in biefer Schule dars kein Religionsunterricht ge­geben werden, die Kirche darf ihre Schwelle nicht über- schreiten.

Stein Zweifel, daß dieser Kampf um die Schule 3um Widerstreit in der Schute werden wird. Die sozialdemokratischen Lehrer erstreben die Erziehung des sozialistischen Äünschen, di« übrigen werden ihre Ziele schon Ttotgebrungen gleichfalls zu verwirklichen suchen. Sehen dich radikalen Pädagogen denn nicht ein, daß dich Zerrissenheit den kindlichen Sinn an allem irre machen muß?

Die Tätigtest der Sozialdemokratie um die Schul« geht auf m Schul Politik. Ähr Ziel ist, das Kind rechtzeitig in das Gemsinschastsbewuß'.srin hineimvach- jen zu taffen, damit es auch die äußeren Formen demo­kratischen Zusammenleb«is rechtzeitig kennen und wür­digen unb darüber hinaus im Sinne einer sozialisti­schen Grftüschastaordmmg feinen Wert nur in seiner Arbeit für die Gemeinschaft sehen lerne. Eine sozia­listische Pädagogik, die das einzelne Kind nach den in seiner Natur liegender. Gesetzen unb Zrelstrelmwgen bildet, gibt es nicht, zum mindesten tritt sie stark zurück. Die Schulpolitik beherrscht eben alles. Arme Ju­gend des künftigen DeutschknÄ»! kk.

Der deutsch-demokrattsche Parteitag,

Die Partei der Simustanfchsle.

Der deutsch-demokratische Parteitag nahm zum Reichoschulgesetz eine Resolution an, dcr zufolge die Einheitsschule das Ideal der Partei sei tmb bleibe. Nach den Beratungen Über das Lohnsystem und dar künftige Arbeiterrechk wurde der Parteitag ge­schlossen.

In ber Flaggenfroge Hatz nach hitziger De­batte ter Parteitag folgende Entschließung angenom­men: Die Partei verurteilt die verwerfliche und agfta- torische Ausnutzung der Flaggenfrage. Sie tritt für den Schutz der verfassungsmäßigen Flaggen ein und warnt, durch Fortsetzung des cmsnicht- baren Streites bte Geschlossenheit bet verfassungstreuen Parteien zu gefährden. Einstimmig wurden zwei Ent- schiießungen angenommen, deren eine gegen bas ober- fchlesische Unrecht Einspruch erhebt, während bte andere einen nationalen Gedenktag für bte Kriegsopfer befürwortet.

GemeindeWahlen in Sachsen n. Lübeck.

Arn Sonntag haben im ganzen Lande Sachsen Stodtvero rdnetenwah l« n stattgefunden, die natürlich von allgemeinem politischen Interesse sind, denn sie geben einen Gradmesser für dft Derschtebung der Stimmung, die im ehemalsroten Königreich" feit Anfang 1919 vorgsgangen ist. Wenn auch inzwi­schen Reichs- und Landtagsrocchlen stattgefunden haben, so ist doch in ber Zwischenzeit keine Neuwahl zu den Gemeftiden gewesen, und ber Vergleich zwischen den jetzigen und den vorletzten Gemeindewahlen ist besonders auffchtatzreich, ba es sich beidemal um die gleichen poli­tischen und wirtschaftlichen Aufgaben handelt.

In einer größeren Anzahl sächsischer Städte unb Gern- indm ist tei Hefen Wahlen di «sozial! st ische Mehrheit gebrochen worden, so tt. a. in Grimma und in allen Ortschaften der sächsischen Lau­sitz. Auch in Dresden ist die joziatistssche Mchrheil Mhrochen, oücrdings nur mit 2 Mandaten. Be­sonders interessant ist auch das Verhältnis in Leip­zig, der alten Hochburg ter Unabhängigen. Hier wurde von der bisherigen roten Mehrheft bas Verhält­nis von 39 Sozialisten zu 33 Bürgerlichen umgekehrt in Stimmengleichheit 36:36. Auch in Ko- d urg siegte bei der Stadiratswcchl die bürgerliche Liste.

Bei den Bürgerschaftswahlen in Lü­beck sieht das Ergebnis anders aus. Hier erhielten die Mehrheitssozialisten unb Unabhängigen 31 086, die Kommunisten 4317, die vereinigten bürgerlichen Par­teien 19 794, der unpolitische Bürgerbund 335 und die Grundeigentümer 5076 Stimmen. Das Verhältnis der sozialdemokratischen Abgeordneten zu den Bürgerlichen in der neuen Bürgerschaft ist 44 zu 36.

Deutsche; Reich.

* Berlin. Dr. Becker, der bisherige preußische Kultusminister, tritt in seine frühere Stellung als Staatssekretär in demselben Ministerium zurück.

(f) Die Sfewnrorfagen. Zur Beratung ber Dor- tagen einer Kraftfahrzeugsteuer, eines Rmm-Wetj. und Lotteriegesetzes, betr. die Erhöhung der Zölle, test, die Erhöhung einzelner Verbrauchssteuern, bett, die Ab­änderung ter Zuckersteuer und endlich der eines Süß- swfsgesetzes sind bekanntlich einem 28gliedrigen Aus­schuß des Reichstages überwiesen. Dieser (der 3 5. Ausschuß des Reichstages) hat sich gebildet, Zentrum gehören ihm die Abg. Dr. Spahn. Schlack, Tremmel und Feilmeier cm. Den Vorsitz führt ter Abg. Dr. Mehr seid (Soz.), stellvertretender Dor- sitzenter ist der Abg. Schlack.

* Bayern unb das Reich. Ministerpräsi- deut v. Lerch en seid ist auS Berlin zurückge- krhrt. Er hatte dort Gelegenheit, mit dem Reichs­kanzler und einer Anzahl Reichsministern über all­gemeine Fragen der äußeren und inneren Reichs- Politik, sowie vor allem über die Bayern betreffen- den Angelegenheiten sich auszusprechen. Hier stand die Sorge um 'Maßnahmen gegen die Preis­treiberei und Teuerung und um dieSicher­st e 11 u n g Bayerns mit Kartoffeln und Ge treibe im Vordergründe. Der bayerische Stand­punkt wurde in weitgehendstem Maße anerkannt. Der Fortführung der Verhandlungen ubet i '-"bstänblaes boberi'ches Konkordat