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Fuldaer Zeitung

Nr. 262.

Amtlicher Anzeige" für den kreis und die Stadl Aulda.

*

Montag, 14« November 1921

Verantwortlich für den reüatlionellen Teil: Dr I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. - Rotationsdrucku. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda, iterniprecher Nr. 8. Telegr-Adreste: FuldaerZeitung.

Be$uflspreis: Monatlich 5.00 IRL zugef..llt frei ins Haus- " Abgeholt in der Geschäftsstelle 4,60 ML > Anzeigen: Kleinzeile nach C o tone lmaß 1 Alark, Reklamezei l e (Zep breite) nach Colonelmaß 3 Mark.

48. Zahrg.

Das Echo des Dorfchlages.

Wie Havas aus Washington meidet, soll einer der japanischen Delegierten, Admiral Kato, den Cee- abrüstmrgsplan von Hughes als sehr weitgehend, aber als Einen Vorschlag bezeichnet haben, der würdig sei, in Betracht gezogen zu werden. Die japanischen Soch- verständigen sind bereits zusammengetwten, um unoer- züglich der Konferenz einen Vorschlag machen zu kön­nen. Dieser Vorschlag soll eine positive Kritik ent­halten, nämlich die Beseitigung der befestig- ten amerikanischen Marinestützpunkte im Stillen Ozean und aus den Philippinen.

Der Sonderberichterstatter desJntransigeartt" be­richtet aus Washington, dieenglischeDelegation habe vernehmen lasten, daß sie grundsätzlich bereit fei, den Vorschlag Hughes anzunehmen. Wenn dem so wäre, dann werde man am Dienstag die Bedingungen erfahren, die England und Japan an die Annahme knüpften. Die Rede Hughes scheine ehren tiefen und ausgezeichneten Eindruck gemacht zu haben. Der Be­richterstatter dcsJntransigoant" fügt hinzu, daß das ameri'anische Programm unmöglich ausgeführt wer­den könne.

In einer Rede in Pretoria erklärte General S m u t s, es werde vielleicht der Tag kommen, an dem man sagen werde, daß die Washingtoner Konferenz der Beginn der Zusammenarbeit der Vereinigten Staa­ten mit dem Völkerbund war. Smuts erklärte, Deutsch­land und Rußland müßten dem Völkerbund bei­treten, und wenn sie es nicht freiwillig täten, so müß­ten sie dazu gebracht werden.

Die Zrage der ttreditaktion.

Unter den innerpolitifchen Fragen mit starker außen­politischer Bedeutung nimmt die Kreditaktion der In­dustrie für die Gegenwart zweifellos das größte In­teresse in Anspruch. Nachdem von feiten des Reichs­oerbandes der Industrie die allgemeinen Richtlinien an die Rrichsregierung bekannt gegeben worden find, die Parteien und die anderen beteiligten Körperschaften mit dem Problem eingehend befasten. Soweit bisher ersichtlich ist, hat die Reichsregierung eine be­stimmte Stellung noch nicht eingenommen. Sie hat dies schließlich auch noch nicht tun können, denn der Gegenstand ist in seiner ganzen Tragweite sowohl der wirtschaftlichen als auch der politischen, zu ein­schneidend, als daß von Seiten der Reichsinstanzen eine überschnelle Entscheidung getroffen werden könnte. Auch die Partien und die anderen beteiligten Körperschaften dürften erst um ihre Meinung gefragt werden. Soweit bis fetzt bekannt ist, hat der Reichskanzler Vertreter des Zentrums und der Mehrheitssozialdemokratie be­züglich ihrer Aufsassimg gehört. Ebenso sind, wie man hört, auch Vertreter der freien und christ- lichen Gewerkschaft en vom Kanzler empfangen worden.

Die Stellung der Presse zum Kreditangebot ist durch­aus nicht einheiLich. Die Presse der Linken macht scharf gegen die Forderungen der Industrie bezüglich der Pläne mit der Eisenbahn Front, cmch die Bost. Ztg." macht starke Bedenken geltend, wachtend dsBerl. Tagebl." eine abwartende Haltung einnimmt. Zustimmend äußern sich bisher nur die Blätter der Rechten. Man darf erwarten, daß im Laufe der Wiche nach dieser Richtung hin eine klarere Situation ge­schaffen wird.

Interessant tft auch die Aeußerung der Korrespon­denz der bayerischen Volkspartei, des Organs der größ­ten politischen Partei m Bayern. Diese veröffentlicht einen Artikel vonmaßgebender Stelle", worin auf die Erregung hingswiesen wird, die sich der gewaltigen Schar von Ersenbahnbeamten, Angestellten und Arbei­tern bemächtigt habe. Die (Erregung wird von der Korrespondenz ds begreiflich erklärt. Auch in politischer

9er MMlmW MüslMWlW.

Die Washingtoner Konferenz.

Am Samstag ift die Konferenz in Washington feferhdf mit einem Gebet eröffnet worden. Dann hieß Präsident chardrng die verschiedenen Delegationen will- kommenulch erinnerte an die Daten, aa denen die ein­zelnen Machte in den Weltkrieg eingetreten sind,nm eine gemeinsame Sache zu oerteibigen". Harding be­tonte als Hauptzweck der Konferenz,daß die kriegsmüden Völker sich über den Krieg außer n". Er führte weiter aus, die Menschheit hasse die Opferung von Menschenleben und habe sie niemals gefordert. Düe Konferenz habe die Pflicht, das Streben der Völker »ach Brüderlichkeit zu stärken.

Die Welt breche unter d-cr Last ihrer Schuldenzufammen. Man mtüfle chr die Lasten von den Schultern nehmen. Alle dankenden Menschen umchchten effektive Beschränkung desr Rüstungen und die Berfehmung des Krieges.

Harding charakterisierte dann den Standpunkt derVereinigten Staaten Mit folgenden Wor­ten:Wir bandeln nicht aus Furcht, wir verfolgen kein niedriges Z er, wir verdächtigen tränen Feind. Wir haben den Wunsch, uns mit Äznen <m diesen Tisch mit ehrlichem Willen und mit intternationalem Verstehen zu setzen. Die ganze Welt verlangt prak­tische Ergebnisie. Aber eine Besfevung der Lage kann nicht erreicht werden, wenn nicht all« Ratio- nenzuOpfern bereitfind- Wir wollen nicht tagen, daß es erforderlich sein wird, feine Rechte aus- zugeben und auf seine Freiheit zu verzichten. Wic wollen die DEstrebungen der Völker- uitb die nationalen Notwendigkeiten nicht verkennen. Kein notwendiger rridiz soll gctemütigt, keine Natiormlstät erdrosselt wer­den Aber nur haben begriffen, tiaß wir dem uns be- Mckenden Frieden mchr Reiz abgewinneir, wenn wir uns weniger auf den Krieg vorbereiten. Nichts kann indessen durchgesetzt werden, roernn wir gewisse natio- nale Befürchtungen nicht gebührend beachten. Wir müssen alle darauf ausgehen, di« Ursachen dieser Be­fürchtungen zu beseitigen."

Harding erklärt weiter, eine Pirüsung derkalten und harten Realität der Tatsachen" taffe ohne weiteres erkennen, daß eine Beschränkung der Rüstungen, ganz abgesehen von den Gefühlsgründen, schon deshalb unvermeidlich sei, mail das Wettrüst en unmögliche Ausgaben bwnfpruche. Vor dem augenblicklichen Zeitalter fei die Welt wieder in so tragischer Weise zu Einsichten geführt worden, aber den Weg, den man verfolge, werde ein edlerer fein, wenn man die Vernunft, das Gewißen und die Brü­derlichkeit reden laste. Wir haben uns, so 'führ Prä­sident Harding fort, hier versammelt, um der Hu­manität zu dienen, wir hoffen auf tiefes Ver­sichern das dazu dienen wird, die Friedensgaran­tien zu verstärken. Wir haben uns hier ver­einigt, mit dem Mandat, die Lasten der Völker zu vermindern und endlich eine hefftre Ordnung aufzu­richten, die der Welt ihre Ruhe geben wird.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurde dann der amerikanische Staatsvertveier H u g h e s zum Präsi­denten gewählt. Er trug das folgende Abrüstungs- Programm vor:

1. Verzicht auf die Fertigstellung einer Reihe gegenwärtig in Bau befindlicher Großkampfschiffe und Verpflichtung, keine der in ben Flottenbauprogram- men vorgesehenen Neubauten auf Stapel zu legen.

2. Zerstörung einer bestimmten Anzahl Schiffe äl­terer Bauart, die heute nicht mehr den vollen Kam- pfeswert haben.

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Frfttz Ritzel.

26: __

tyragen Sie nur Brenners Kutscher, der is mein ffreurfb! Der hat die saubere Jesellsthast schon mchr als eenmal in die feine Kneipe mit Damenbedienung in die Rosenstraße gefahren!"

Und mit höhnischem Lächeln mar der Bursche gegangen, ofs-nbar von Genugtuung darüber erfüllt, daß es ihm ge- .ungen war, dem Meister einem diesen sichtlich tief »= lefetenben Streich zu versetzen.

Conrad Hochfeld war im Anfänge entschlossen ge- wcsu.,^ n «ahn ohne weiteres über das Gchörte zur ^,c 'lU * Cu^n- ®£i näherer Ueberlegung kam er je- ^2°" '. ?? er l'ih jagte, daß auf derartige müßige Älatfchere .n nichts zu geben fei. Wenn Kari auch oft den Wunsch geäußert hatte, nasch reich zu werden, und wenn ,hm, dem Vater, auch diese ruhelose Jagd nach dem Glucke auss äußerste mißfiel, so war doch der Sohn viel zu klug, um zu glauben, daß er sich durch das Spiel emporbrmge. Nein, em Spieler war Karl nicht - konnte es ia gar n°cht fern, denn seit fast einem halben Jahre M.eb er ja fast jeden Abend zu House - nein, jeden- afe batte der Mecklenburger irgendwo ein Glöckchen läu- ten h°«n und wußte mchtz wo es herckam. Und wie es der Grundsatz Konr-rd Hochfeids war, nichts zur Svrache zu bringen, was den häuslichen Frieden, der ihm' über «lles ging, stören konnte, so hatte er den gehässigen Be- MMkungen des Mecklenburgers weiter keine Bedeutung beigelegt, umsoweniger, als er zu seiner innigsten Be­friedigung gewahrte, daß d-e trübselige Stimmung welche den Sohn eine Zeit lang beherrscht hatte, vollständig von diesem gewichen und einer ruhigen Heiterkeit Mak ae- mocht hatte. J 8

Auch Hedwig schien von ihrer Schwermut ziemlich ge­heilt zu sein. War fic auch nicht mehr das lustige, leb­hafte Kind wie früher, so sah man doch wenigstens keine verweinten Augen mchr an ihr, und während sie nach Lösung ihrer Verlobung in eine geradezu unheimliche Starrheit versunken schien, so zeigte sie doch jetzt wieder Interesse für das, was um sie her vorging. Vielleicht mochte zu dieser Dcrändevung ihres Wesens der häufige Verkehr mit ihrer Schulfreundin Else Firnhaber beitragen?

3. Die Basis des künftigen Stärkeverhältnistes zwi. scheu den drei hauptsächlich intereffierten Mächten Amerika England und Japan soll die augen­blickliche Stärke ihrer maritimen Kampfmittel bil­den.

4. In dem gleichen Verhältnis wie die Großkampf- schisse sollen die kleinen Fahrzeuge, Hilssschiffe ufm. verwendet werden.

Unter Anwendung dieser Prinzipien soll der Bestand an Ueberdreadnoughts in den drei Flotten künftig beschränkt werden: für Amerika auf 18 mit ins­gesamt 500 360 Tonnen, für England auf 22 mit ins, gesamt 604 450 und für Japan auf 12 mit insgesamt 299 700 Tonnen.

Vor Ablauf von zehn Jahren sollen keinerlei Neu- oder Ersatzbauten vorgenommen werden. Nach dieser Frist soll ber Ersatz veralteter Schiffe dahin be­schränkt werden, daß das Verhältnis sich folgender­maßen stellt: Amerika und England je 500 000 Ton­nen, Japan 300 000 Tonnen. Die leichten Kreuzer, MincrAeger, Flugzeugmutterschiffe, Hilfskreuzer ufm. sollen bei Amerika und England 450 000, bei Japan 27.0000. die Unterseeboote bei den ersten beiden Mach, ten 90 000, bei Japan 74 000 Tonnen nicht übersteigen.

In Ausführung des Punktes 2 würde Amerika 545 000, England 583 000, Japan 449 000 Tonnen öfterer Gröhkampffchiffe zu zerstören haben. Bei Amerika kom­men dafür etwa 30 Fahrzeuge in Betracht, bei Eng­land alle Linienschiffe, die älter sind als dieKing Ed­ward V."-Klaffe. An atterm ob ernften Einheiten, deren Konstruktion bereits den Erfahrungen der Skagerrak- Schlacht Rechnung trägt, dürfen haben: England eine mit einem Deplacement von 41200 Tonnen und 8 Ge­schützen von 40.1 Zmtr., Japan zwei zu je 33 800 Ton­nen und gleichfalls mit 8 40.6 Zmtr.-Geschützen, Amerika eine mit 32 600 Tonnen und gleichfalls 8 40.6 Zmtr.- Geschützen. An Schiffen mit schwerster Artillerie würde darnach Amerika im ganzen über 7 moderne sowie über 4 ältere Panzerschiffe mit 35.6 Zmtr.-Bestückung, Japan über 4 Schiffe des gleichen Kalibers sowie über 4 mit 35.5 Zmtr.-Kanonen verfügen.

Nach der Rede von Hughes aourde eine Ab - rüftung skommission aus den Führerei der Ab­ordnungen der fünf Großmächte gebildet; zu dieser treten als Beigeordnete für die Fragen des Stillen Ozeans je ein Abgeordneter der vier aitiieren Mächte.

Hierauf verlangen die Mitglieder der Konferenz eine Rede Briands und riefen wiederholt dessen Namen. Briaird hielt eine Ansprache aus dem Stegreif, worin er sagte: Frankreich wolle trotz der ihm von Nachbarseite drohenden Gefahren mit ganzem Willen und ganzem Herzen auf der Konferenz Mittel suchen, die kost- spieli gen Rüstungen einzuschränken. Bester als sonst jemand roiffe Frankreich, was ein Krieg koste: es liebe daher über alles den Frieden. Briand schloß feine Rede, indem er erklärte, werm morgen die Sicherheit Frcmkreichs wiederhergestellt sei, werde es bereit jrän, zu sagen: Die Waffen nieder!

Lord Curzon sandte an den Staatssekretär Hughes folgende Botschaft:Ich kann die Eröffnung der Wrs- hingtoner Konferenz nicht vorübergehen lasten, ohne Ihnen die Versicherung meines Wunsches zu übermit­tln, so viel als es mir möglich ist, an einem zufrie­denstellenden und dauerhaften Abkommen über die Fragen, die zur Besprechung fmrmen, mitzuarbei­ten. Sie können darauf rechnen, daß die brrtische Re­gierung alles in ihrer Macht stehende tun wird, um die großen Hoffnungen, unter denen sich die Konferenz ver­sammelte, zu verwirklichen."

Nach Newyorbre Meldungen oeraiistasteten in Ame­rika Arbeiter und Frauen eindrucksvolle Pazifi­stische Kundgebungen. Die Vorschläge von Staatssekretär Hughes werden von der Bevölkerung der Union unterstützt.

Das frage Mädchen, bte Tochter des reichen Bankiers Firnhaber, war vor einem Vierteljahr aus der Pension in das elterliche Haus zurückgskehrt und hatte die Freund­schaft, welche sie mit Hedwig in den Kinderjahren verbun­den, wieder ausgefrischt . Ws Kind hatte Hedwig die gleichalterige Freundin einmal von einem bösen Fall von der Schaukel bewahrt, indem sie die schwindlig gewordene mit den Armen auffing. Seitdem hing Else mit schwär­merischer Perehrung an ihr und da die alten Ftnchabers in der ihnen nochgerühmlen Einfachheit und Herzens­güte selbst den Verkehr mit Minderbemittelten durchaus nicht scheuten, so hatten dieselben gegen die Freundschaft ihres Kindes mit der Tochter des Schlaffermeisters durch­aus nichts einzuwenden, schienen dieselbe vielmehr sehr gern zu sehen, wie dies aus ihrem Dechalten gegen Hed­wig Hochfeld bei deren getgentlichen Besuchen im Firn- haberschcn Hause klar hervorging. So waren die bei­den Mädchen fast unzertrennlich. Die etwas romantisch veranlagte Else hegte zudem eine leidenschaftliche Vorliebe für das alte Haus, in der Schloßgaffe und wurde nicht müde, durch die ehrwürdigen Räume mit ihren Winkeln und Wölbungen zu wandern.Ein solches Haus," meinte sie zu Hedwig,wo die Schatten derjenigen, die vor Jahrhunderten darin mimbeiten, uns umschweben, das be­sitzt Seele und löst die Poesie der Vergangenheit in unserer Phantasie aus; die modernen Bauten mit ihrem über­triebenen Luxus und ihren raffinierten Einrichtungen las. sen dagegen kalt; hier ist unvergänglich innige Behaglich­keit, während das heutige Hous auf die Dauer lang­weilig wirkt."

Auch heute war Elfe Firnhaber wieder bei Hedwig ju Besuch und rüstete sich gerade zum Forigchen, als Mei­ster Hochefld eintrat, um fein Frühstück einzunehmen. Nach­dem sich die junge Barne, begleitet von Hedwig, unter einigen Scherzworten des Hausherrn verabschiedet hatte, nahm dieser an dem Eßtische Platz und sprach dc-m ein- sachen Frühstück und dem dabei stehenden Stengelglas Wein wacker zu, dabei hin und wieder einn Blick in das auf dem Tische liegende Morgenblatt werfend. Plötzlich stichle er und erhob sich, während eine jähe Röte über sein Gesicht flog . Nochmals nahm er das Blatt, als zweifle er, richtig gelesen zu haben. Da stand unter den Lokalnotizen klar und deutlich:

Wie wir erfahren, hoben sich gelegentlich einer plötzlichen Kassenrevision bei einem unserer ersten Bank­

häuser erhebliche Umegelmähigkeiten ergeben, die mög­licherweise 3tt einer gerichtlichen Verfolgung desHaupt- belasteten führen dürsten. Bis zur Klarstellung der Angelegenheit enthalten wir uns weiterer Mitteilungen."

Ein Zittern ging durch die mächtige Gestalt des Mei­sters, und tastend suhr er mit der Harck» nach der Lehne des nächsten Stuhles, als befürchte er, umzusinken. Be- traf diese Notiz dieDeutsche Industriebau^" und feinen Sohn Karl? Hatte dieser deswegen gestern abend ein so verstörtes Wesen «geigt? War er der in dorn Artikel erwähnte Hauptbelastete? Nein, es konnte ja nicht sein sein Fleisch und Blut vergaß sich nicht! Und doch? Wenn es wahr wäre, daß Karl heimlich spielte wenn er sich durch feine Sucht nach Reichtum dazu hinreißen hätte lassen, die Hand an anvertraute Gelder zu legen?Güti­ger Gott, nur das nicht!" rang es sich von den Lippen des Vaters,das wäre mein Tod!"

Ein Klopfen an der Tür unterbrach feinen Gedanken­gong. Auf jein racch hervorgestoßenesHerein!" trat etn öfterer, elegant gekleideter Herr ins Zimmer, bei besten Anblick den Meister ein tödlicher Schrecken durchzuckte. Direktor Hagen von der Jndustriebank was wollte der bei ihm? In atemloser Beklemmung harrte Konrad Hoch­feld der Anrede des Besuchers, der sich mit einer kühlen Verneigung vorstellte und eine Unterredung unter vier Augen erbat. Mechanisch wies Konrad Hochfest) nach dem nächsten Stuhl, auf welchen sich der Gingetretene langsam, in gemessener Haltung mederfieß und nach kur­zem Räuspern begann:Ich komme leider in einer sehr peinlichen Angelegenheit, Herr Hochfeld! Ihr Herr Sohn, der seit zwei Jahren in unserem Institut als Kassierer tätig war er legte auf daswar" einen besonderen Nachdruck und der mein ganzes Vertrauen genoß, hat dieses Bert rauen leider in der unverantwortlichsten Weise getäuscht. Eine gestern plötzlich vorgenommene Kasten­revision ergab einen Fehlbetrag von annähernd 10 000 Mark, über deren Verbleib sich Ihr Sohn nicht auszu- weffen vermag. Er behauptet, daß ein Irrtum vorliegen müsse, daß vielleicht eine Buchung unterlassen worben sei und daß bei genauem Kollationieren der Kastenbücher mit den Belegen sich das Defizit aufflären müsse dem steht jedoch eine Tatsache gegenüber, die Ihren Sohn aufs schwerste belastet. Ich habe sofort, um Klarheit in die Sache zu bringen, die sämtlichen feit einem halben 3<chre eingelaufenen Belege revidieren und mit den Ein- ,

Beziehung könne es nicht gleichgültig fern, ob in ent­scheidenden Augenblicken das gewaltige Instrument bet Verkehrsbetriebe sich in den sichern Händen des Staates oder unter dem Einflüsse von Magnaten der Industrie und der Börse befinde. Die Korrespondenz kommt zu einem ablehnenden Standpunkt.

Die Entente-Ängst

vor dem deutschen Bankerott.

DieSunday-Times" schreibt: Die Ankunft der Reparationskommission in Berlin hat großes Intereste erregt, und die Aussprache zwischen dem Reichskanzler Dr. Wirch ist sehr offen ge­wesen. Es droht noch immer die Gefahr eines voll­ständigen deutschen Zusammenbruchs. Der Gedanke zwingt sich den Alliierten immer mehr auf, daß bfc Reparationen in ihrer jetzigen Gestalt nicht fortbauern können, unL> daß ein auf Deutschland ausgeübter Zwang für die Alliierten selbst verhängnisvolle Folgen haben könne. Es verlautet, daß ll^rhandlungen mit Amerika in dieser Frage im Gange seien. Man hofft sogar auf sine Aenderung der Haltung der Franzosen.

Ein Sonderberichterstatter desObserver" berichtet aus Paris, derletzteSturz der Mark habe end­lich Frankreich die Wirklichkeit vor Augen geführt. Ein finanzieller Zusammenbruch würde, wie die französischen Kreise jetzt einsähen, dasWiesbadenerAbkom. men gefährden. Der Berichterstatter schreibt, es sei nun Sache ^der Washingtoner Konferenz, so schell wie möglich die Diskussion über die Frage der Schuld der wirtschaftlichen Verwicklungen zu eröffnen.

Hetze gegen Dr. Wirth.

Der deutschnationale Vorstoß im Landtag.

Wie schon in dem Landtagsbericht Samstag zu lesen war, hat der Vorsitzende der deutfchnationchen Fraktion im preußischen Landtag, Winckler,' in wohlpräparierter Rede verkündet:

Im Laude steh: das Urteil fest, daß die Polittk des Rerchslanzlers Wirth die Schuld trägt an dem Verlust OberfchlefienS."

Der Mann spricht also nicht nur seine Ansicht aus, sondern will zugleich den Glauben erwerben, daßim Lande" dieselbe Ansicht schonfest st ehe" als ent- siheidendes Urteil. Gegen eine solche tolle Hetzerei muß doch von allen Seiten Einspruch erhoben werden, denn es gibtim Lande" glücklicherweise noch Millionen ron Deutschen, die etwas Sinn für die Wahrheit und cmch etwas patriotisches Pflichtgefühl sich bewahrt haben.

Der Abg. Herold, der altbewährte Zentrums­führer, gab in derselben Sitzung, wie mitgeteilt, sofort den konservativen Hetzereien die verdiente Antwort. Die Rede Herolds war nicht präpariert, aber sie war ein Prachtstück der natürlichen Deredtsainbrit, getragen von gründlicher Sachkenntnis und beseelt von gerechter Entrüsttmg. So kurz, klar und kräftig möchten alle ParlamMtsredm sein!

Zu beachten bleibt bei dem Vorstoß Winklers erstens die persönliche Zuspitzung. Der Hetzer spricht nicht von der Reichsregieruna im ganzen, sondern von dem Kanzler Wirth. Der letztere soll offenbar jetzt aufrücken m dH Position desSchädlings", die seither der Abg. Eiberger ausfüllen mußte, bis sich die ewigen Mrleumdungcn zu Pistolenkugeln ver­dichten.

Zweitens ist der Zeitpunkt dieses Ausfalles beachtungswert. Soeben hat sich die Deutsche Volks- Partei in Preußen zum Eintritt in die Koalition ent­schlossen. Damit wird der Einfluß von rechtsstehenden Elementen auf di>e Staatsregierung gefördert. Das paßt aber den Konservativen durchaus nicht, da sie über­haupt keine Kdalition wollen, sondern vielmehr von

tragungen vergleichen lassen. Dabei stellte es sich heraus, baß eine Anzahl Schecks der Scheckkaste, die die Erhebung besorgt, wohl belastet, aber nicht überwiesen worden sind-, diese Schecks sind aber bei den Bankhäusern, aus weiche sie ausgestellt waren, erhoben worden. Einen davon im Werte von 3000 Mark, ausgestellt auf di« Firma Firn­haber u. Co., hat Ihr Sohn bei der genannten Firma präfentiert und den Betrag ausgezahlt erfüllten! *

Der Sprecher hielt hme und betrachtete den vor ihm Stehenden mit einem Blicke, als erwarte er eine Aeuße- rung darüber, was jener von der Sache halte. Ws er des namenlose Entsetzen gewahrte, welches sich in den Zügen Komad Hochfelds ausprägte, zuckte er wie be- dauernd die Achseln und fuhr fort:Die Rücksicht auf die braven, ehrenwerten Eltern des jungen Mannes haben mich im Einverständnis mit dem Auffichtsvat davon ab­sehen lasten, die Angelegenheit der StaatsanWalljchaft zur Verfolgung zu übergeben . Allerdings setzen sowohl die Direktion, wie auch die Herren des Auffichtsrates dabei voraus, daß Sie, Herr Hochfeld, für den Schaden, wel- cher der Bank durch die offenbare Veruntreuung Ihres Sohnes entstanden ist, in vollem Umfange aufkommen werden. Dürfte ich Sie bitten, fich über diesen Punkt ju äußern?"

Hatten die Zeitungsnotiz und das Erscheine» desDirek- lors Hagen vorhin fast niederschmetternd auf Konrad Hoch- fefö gewirkt, so gewann er jetzt, nachdem er die schreckens- notte Wahrheit erfahren, seine Fassung wieder. Bon je­her gewohnt, jeder Widerwärttgkett des Lebens, mit star­kem Willen entgegen zu treten und stets den geraden Weg zu gehen, zwang er auch jetzt den aufwallendenZorn über Öen ungeratenen Sohn, das väterliche Leid um denselben mit ungeheurer Selbstbeherrschung nieder und erwiderte mit heiserer Stnmye:Und es ist nicht möglich, Herr Direktor, daß ein Irrtum, eine Verwechslung vorliegt? f)at mein Sohn feine Erklärung, durch weiche die unge­heuerliche Beschuldigung widerlegt wird? Hat er selbst zugestanden, das Geld bei Fftnhaber u. Co. erhoben zu haben?"

Ihr Sohn behauptet mit recht gut gespielter Ent­rüstung, daß er unschuldig sei, aber in Abrede tinnte er nicht stellen, daß er den Scheck bei Firrchaber u Eo. präsentiert und auch das Geld erhallen hat! Der Kas­sierer von Fimha!ber u. Co. ist übrigens bereit, dies zu beschwören!" <Sorf. folgt.)