W
Wie
&»£• [■»"v-j.-.
■ &
»'M
W
. A
Mtz
ZW
M
M^r
Nr. 261.
Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Skadt Fulda.
_________________ . - <?
Verantwortlich tür den crsauioaeüen Teil: Dr. I. Kramer, - für dir Anzeigen: I. Parzetter-Fulda. " Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, -"ernwrecher Nr. U. Telegr.-Adretse; Fuldaer Zeitung.
Samstag, 12. November 1921.
Bezugspreis: ’Vi-jnartid) 5.00 Mk. zugestellt frei ins Haus» n Abgehott in der Oeidjäjtsftille 4,60 Mk. > Anzeige«: Klein-eile nachColonelmaß 1 Marti Retlamszeiie (Stephrtrti> noch Cülone'mah 3 Matt.
48. Zahrg-
Zie TcilemWfrW oor dem Reichstsg.
vr Hermes aber die Srnährnngsstage.
3>ie Frage der Lebensmittelverteuerung, die jetzt «aGe ©emfiter bewegt, hat nun auch im deutschen .nolchstage ihr Echo gefunden. Die Ausführungen Des Reichsernahrungsministers Dr. Hermes sollten bei allen, denen es um eine sachliche Beurteilung der Lage zu tun ist und die nicht in der Neuerung lediglich eine Gelegenheit zur Erregung von Haß und parteipolitischer Leidenschaft sehen, erulte Beachtung und Würdigung finden.
Sitzungsbericht.
Nach Erledigung von Anfragen und nach kurzer Debatte wurde in zweiter Lesung di« Ergänzung zum Beamtenbesoldungsgesetz unter Ablehnung sämtlicher AbändcrungSantcäge gegen die Stimmen der Kommunisten und Unabhängigen angenommen. Annahme findet auch die gemeinsame Ent- schlietzung oller Parteien mit Ausnahme der Unabhängigen und Kommunisten, die eine baldige Nachprüfung der Bezüge der RcichSbeamten sowie der noch vorhandenen Spannung zwischen den einzelnen Ortsklassen fordert. Abgelehnt wird dagegen die von den Kommunisten geforderte einmalige ^irtschaftSheihilfe von 30U0 Mk. und die von den Un- ubhängjgen beantragte Uebernahme der Mehrkosten der Gemeinden aus den Gehaltserhöhungen auf das Reich. Zff der sofort vorgenommenen dritten Lesung bringen die Abgg. AlperS (Dtschhannov.) und Frau Ztetz fUnabh.) sowie Plettner (Komm.) nochmals Bedenken gegen die Vorlage zum Ausdruck. In der ^»chlußabsttmmung wird doS Gesetz gegen die Stimmen der Unabhängigen und Kommunisten angenommen.
Es folgt eine Roche von Teuerungsinterpellationen.
Abg. yermeter (Dnat.) begründet eine Interpellation, die die Aufhebung der Zwangswirtschaft auf allen Gebieten der landwirtschaftlichen Produktion und die rechtzeitige Sicherung der nötigen Brotgetreideein- fuhr fordert, sowie eine andere Interpellation, die stch gegen die Verschiebung von Getreide in das Aus. lanö wendet. Abg. Lrötzja (Soz.) begründet eine Inter» pellalion gegen die Preissteigerung und den Wucher mit inländischen Waren. Abg. Frau Wurm (Unabh.) begründet einen Antrag, die tägliche Mehlrotron auf 260 Gramm zu erhöhen. Die Rednerin begründet ferner einen Gesetzentwurf, nach welchem im Wirtschaftsjahr 1921-22 eine Umlage von 6 Mill. Tonnen Kartoffeln zu einem Erzeugerpreis von 30 Mark pro Zcmner aufgebracht werden soll; 25 Mark für den Zentner Kartoffeln ist angemessen, denn dafür geben die deutschnationalen Landwirte an ihre Parteigänger Kartoffeln ab. Eine verschärfte AuSfuhrkon- trolls oder absolutes Ausfuhrverbot kann die Sicherheit der Kartoffelvcrsorgung gewährleisten.
Leber Zwangswirtschaft und Teuerung.
Rcichsernährungsmlnistsc Dr. Hermes: Die sozialdemokratische Interpellation geht von der Annahme aus. daß die Aufhebung der Zwangs wirtschaft die Lebensmittelpreise maßlos in die Höhe getrieben hat. Die Preissteigerung ist zutreffend, aber der innerste Grund dafür ist die
Entwertung der deut sch en Mark, die auf den Verlust des Krieges und die Maßnahmen der Feinde zurückgeht. (Zustimmung bei der Mehrheit.) Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß die Zwangswirtschaft noch heute aufrecht gehalten werden kann. Die Zwangswirtschaft ist aus der Not des Krieges geboren und sie konnte nur so lange aufrecht erhalten werden, als ein geschwelltes Nationalgefühl (Lachen links) einigermaßen das selbständige Streben niederhielt. Als das deutsche Volk unter den Entbehrungen allmählich zermürbte, mußte auch diese Maßnahme zusammenbrechen, die dem innersten Wesen des Menschen widersprach' (Widerspruch links.) Man verkennt die Betriebsverhält. nifse der Landwirtschaft, wenn man die Teuerung nur Äs eine Folge wucherischen Willens betrachtet. Dio Zwangswirtschaft mußte versagen, da sowohl E.r - zeuger wie auch Verbraucher an ihrer Zer-
Die Jagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
25 . _________
Die Fenster des im Seitenbau liegenden Kontors waren erleuchtet. Emilie konnte von ihrem Platze aus den Vater sehen, wie er lebhaft auf den ersten Buchhalter, Herrn Friedwald, einsprach, der in einem, vor ihm liegenden großen Geschäftsbuche blätterte. Der Vater mst seinen offenbar recht schweren Sorgen tat chr leid, aber sie konnte es nicht über sich gewinnen, sich zu opfern und dem erträumten Glück zu entsagen.
leuchtenden Farben hatte sie sich in ihrer J' i?SCC,Q^£fen ®inlamtot dieses Glück ausgemalt, ihr Hoffen mit dem Gedanken bestärkt, daß die Eltern an» beren würden, wenn sie sähen, daß sie fest
bliebe. Jeder Verkehr mit dem Geliebten war ihr
ab geschnitten und sie würde cs unter ihrer Würde ge* halte» haben, hinter dem Rücken ihrer Eltern heimlichen Verkehr mtt Karl Hochfest, zu pflegen. Aber denken durfte sie doch an ihn. durfte davon träumen, daß das Schicksal, welches sie zusammengeführt, auch Ereig- niste eintreten laste die alle Hinderniste gegen ihre ein- stige Vereinigung beseitigten! Vielleicht war die von dem Vater erwähnte drohende Katastrophe ein solch-s Ereignis? Wenn sie wirNich verarmten, war dann nicht die Kluft zwischen ihr und Karl Hochseld überbrückt? Die Vorstellung, in geringere Lebensverhältniste zu kommen, hatte ferne Schrecken für sie _ jm Gegen- teil fühlte sie etwas wie das Hochgefühl des auf eigne - Kraft Gestellten, der bereit ist, es mit der ganzen Wett «ufzunehmen.
Ein Geräusch im Wohnzimmer schreckte die Sinnende aus ihren Gedanken empor. Aufblickend gewahrte sie, - daß ihr Bruder Max in das erleuchtete Wohnzimmer i getreten war und sich schwer in den ihm zunächst stehen- ' de» Sessel fallen ließ. So war er gar nicht in dem Theater gewesen, wie er heute mittag beabsichtigt hatte, denn die Vorstellung konnte noch nicht zu Ende fein. Wahrscheinlich hatte er, wie schon öfters, die Zeit mit seinen guten Freunden, sämtlich lockeren Lebemännern, j ht einem der in den letzten Jahren wie Pilze aus dem
rüttung jahrelang zusammenarbesteten. Daneben ging die landwirtschaftliche Erzeugung immer weiter zurück. Die Richtpreisfestsetzung durch die Behörden begegnete demgemäß ungeheuren Schwierigkeiten. Die Preise waren zu einem Teile so niedrig festgsetzt, daß nicht einmal die Produktionskosten gedeckt, geschweige denn ein angemessener Gewinn ermöglicht wurde. Die Landwirtschaft ging daher zu Produktionszweigen über, bei denen ein größerer Gewinn zu erzielen war. Dieser Prozeß hätte zu einer zunehmenden Verarmung Deutschlands und zu einer zunehmenden Abhängigkeit vom Auslande führen müffen. Die Regierung mußte aus diesem Grunde dafür eintreten, dieses Hemmnis der Wirtschaft zu befestigen und die landwirtschaftliche Pro. duktion zu steigern. Die Zwangswirtschaft ist inzwischen für Milch und Zucker aufgehoben worden. Sie besteht nur noch für einen Teil des Jnlandgetreides. Der Wunsch der Deutschnationalen kann nicht erfüllt werden. Nach meiner persönlichen Auffassung ist allerdings die Umlage nur ein Uebergang. Aber die Regierung kann heute noch fein Urteil über die Der. hältniffe des Jahres 1922 abgeben. 3n der gesunkenen Währung liegt letztes Endes die Ur. fache 'der ungeheuren Preissteigerung der letzten Monate. Stunde unsere Mark noch auf der Höhe wie im Juli, so wäre heute kein Anlaß zu dieser Debatte. Das gibt die „Freiheit" z. B. in einem Artikel vom 7. Oktober zu. Es ist nicht richttg, daß anstelle der alten Zwangswirtschaft die der Landwirtschaft getreten fei. Wir können höchstenson Den einer
Zwangswirtschaft der Valuta sprechen. (Zustimmuna rechts.) Ich fürchte mich nicht vor den Landwirten, ffrau Wurm, ich weiß mich aber auch frei von der Frucht vor Schlagworten. (Großer Lärm auf der äußersten Linken. Aba. Höllein fKomm.f erhält einen Ordnungsruf für den Zwischenruf unverschämter Bursche.) Vom April 1921 begann allmählich eine Dufwärtsbewegung der Margarin epr eis e. Don Ende August bis Ende Oktober betrug die Stei. gerung rund 100 Prozent, seit Ende April rund 175 Prozent. Sn der gleichen Zeit sank der Kurs der Mark gemessen am Dollar um 100 bis 180 Prozent. Die Preise von 600 bis 800 Mark für den Doppelze nt- n er Roggen und We i ze n bleiben noch weit hinter dem Auslandspreis zurück. Sie decken heute nicht die Produktionskosten. (Unruhe links.) Aus die rations- mätzige Versorgung der Bevölkerung ist die Preissteigerung'für Mehl und Brot ohne Einfluß gewesen, da die Reichsregierung für die Bevölkerung Umlagegetreide zu ermäßigten Preisen abgibt. Auf gesetzlichem Wege kann Getreide überhaupt nicht ins Ausland kommen. Rur als Saat- Re treibe kann es für einen bestimmten Beredlungsoer- kebr unter besonderen Kontrollmaßregeln zur Ausfuhr gelangen. In keinem (einzigen Fall e kann Verschiebung von (Betreibe ms Ausland nachgewie- f e n werden. Daß kleinere Mengen im Grenzverkehr ins Ausland verschoben werden, läßt sich natürlich nicht mit Sicherheit ausschließen. Eine gewiße Schwierigkeit in der Durchführung der Grenzlpsrre beruht in den Sanktionen der Entente. Die lebhaftesten Klagen werden gegenwärtig über die
Kartoffelversorgung erhoben, vor allem die außerordentliche Preissteigerung fest Mitte September. Em Preis otm 50 Mark für den Zentner ist im allgemeinen nicht als zu hoch zu bezeichnen. Im Laufe des Monats September ffrft die Preise aber sprunghaft in die Höhe gegangen. Die Gründe liegen zum Teil in dem großen BedarfWvor westlichen mä> fiWchen Gegenden Deutschlands und in der unmöglichen Einfuhr holländischer Sttirtoffefa. Die Arffkäuser in den Ueberschußgebieten überboten sich urtb trieben die Preise in die Höhe. Don einem Zurück- halten der Kartoffeln durch die Landwirtschaft kann man nicht sprechen. Ein Teil der Kartoffeln muß bekanntlich jm Herbst rechtzeitig eirrganretet weiden, damit im Frühjahr der Mark! wieder mit flat« löffeln versehen werden tarnt Ungünstig hat auch ein« gewirkt die teilweise Sperrung des polnischen Korridors. Infolgedessen war das Angebot von Kartoffeln aus Ost- «MlNUsil Hl —Willi!IllilllIHN.1. 1
Erdboden emporgeschossenen feinen Weinrestaurants mit Damenbedienung verbracht und dabei wohl des (3’tett etwas zuviel getan — fein gerötetes Gesicht, feine stier blickenden Augen und die.unsicheren Bewegungen sprachen dafür. Ein bängliches Gefühl beschlich das junge Mädchen, ein Grauen, wie vor etwas unendlich Gemeinem.- Das war nun schon das fünfte oder sechste Mas in den letzten Wochen, daß Max in diesem Zustande nach Hause kam und sie und die Mutter in Angst versetzte, denn wenn er vom Weine erregt war, dann kehrte er ein Wesen heraus, das ihn zu einem höchst ungemütlichen Gesellschafter machte. Und das viele Trinken war doch bei seiner schwachen Brust geradezu Gift für ihn! Machte man ihm aber nur den gering- ften Dorwurf, barm erging er sich in Redewendungen, als gehöre er den niedersten Klassen an — er wurde einfach grob! Emilie hatte daher alle Ursache, sich ruhig zu verhalten, um nicht von dem Bruder bemerkt zu werden; jedes Geräusch vermeidend, beobachtete sie ben offenbar Trunkenen, der halb unverständliche Worte vor sich hinmurmelte, bald die Melodie eines ©affen« Hauers pfiff, und babei mit den Armen heftig oeftifu- lierte, als bereite er sich auf eine Rede vor. Jetzt griff er plötzlich in die Brusttasche feines Rockes, zog eine Ledermappe hervor und entnahm derselben einen Bündel Hundertmarkscheine, die er mit gierigen Süden zu zählen begann. Mit gespannter Aufmerksamkeit be. obachtete die Lauschende, daß sich die Summe auf west über tausend Mark belaufen mußte. Das war doch aufsallend! Wie kam Max in ben Besitz des vielen Geldes? Sie wußte doch, daß er, feiner verschwenderischen Neigungen wegen, vom Vater ziemlich knapp gehalten wurde. Gewiß hatte er wieder gespielt und die Summe gewonnen! Wieder fühlte sich das junge Mädchen von einem geheimen Bangen, wie vor künftigem Unheil ergriffen. Wenn der Vater erfuhr, welchen Lastern sich der leichtsinnige Bruder ergeben — seither war es ihm von der Mutter forgfältig oerheim- l-cht worden — welche furchtbaren Auftritte standen bann wieder bevor? Und was sollte werden, wenn der charakterlose Fant dort einst die Zügel der Herrschaft im Haufe ergriff? Emilie graute es, daran zu denken. Mit angehaltenem Atem verharrte sie, bis der "
preußen zeitweise sehr gering. Das Reichsernährungs- Ministerium hat alles daran gesetzt, die Versorgung der Bedarfs gebiete aus ben U eberschuß gebiet en zu sichern. Der direkte Verkehr zwischen den Großverbraucher-Organisationen und den ländlichen Organisationen ist bereits erfolgreich ausgenommen und muß roetter ausgebaut werden. In ein« 3einen Bezirken hat die Landwirtschast große Mengen von Kartoffeln an mmberbemittetie Kreise zu ermäßigten Preisen, die zum Teil unter den Produktionskosten liegen, abgeSejert. Ich stehe jedoch andersests nicht an zu erklären, daß die heutigen Kartoffelpreise in ungerechtfertigter, den Entstehungskosten nicht entsprechender Weise gesteigert worden sind. Ich weise da auf die Wucherverordnung hin, nach deren scharfen Bestimmungen auf Z u ch l- Haus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte erkannt werben Sann. (Zuruse links: Das find die Schlagworte!) Die Fesffetzung einheitlicher Richt- und Höchstpreise für das ganze Reich schestert daran, daß ein' für alle Tolle des Reiches angemeffener Preis kaum gefunden werden kann. Auch in den einzelnen LaNdesteilen ist das m- solfl« der verschiedenen Güte des Bodens bezw. des verschiedenen Kartoffelertrages nicht möglich. Ausfuhrverboten einzelner Landestelle und Bezirke ist das Reichsemährungsmmisterimn stets entgegengetreten, da sie ungesetzlich sind. Der
Erlaß von Höchst- und Richtpreisen im jetzigen Stadmm der Kartoffeseindecklmg für den Winter würde nur Verwirrung erzeugen. Der Antrag der Unabhängigen, eine Umlage von 6 Millionen Tonnen festHusetzen, ist nicht druchfühnbar. Bis 1. Dezember, bis zu dem die Umlage ausgeschrieben werden soll, werden rund 3% Millionen Tonnen der Bevölkerung durch den Fracht- und Stuckgrrtverkehr bereits zugefiihrt fein. Diese Menge muß für den Winterbedarf der Bevölkerung aus- reichen. Eine auch nur annähernd gerechte Verteilung der Umlage würde besondere Ernteschätzungen m jedem Lande notwendig machen. Sie müßten aber während der Kar- toffalernte selbst vorgenommen werden. Die tatsächlichen Unterlagen für die Verteilung taffen sich also nicht beschaffen. Dazu kommt, daß die Anrechnung der bereits »erteilten Mengen aus die Umlage nicht zu ermöglichen wäre. Ein großer Teil der Lankvirte hat bereits große Mengen bet Kartoffelernte dem Markt zugeführt. Ich bitte daher, dem Antrag Agnes nicht stattzugsben. Eine große Beunruhigung herrscht infolge des Gerüchts, daß große Mengen von Kartoffeln in das Ausland gehen. Nach Oesterreich, Tirol und Vorarlberg sind insgesamt 6000 Tonnen zur Ausfuhr freigegeben worden. Außerdem sind 5200 Tonnen Saotta staffeln im Herbst nach Belgien und Frankreich «lsgeführt worden, do das Deutsche Reich auf Grund des Versalller Destrags verpflichtet ist, jährlich eine besttmmte Menge varr Saatgut nach Belgien und Frankreich zu liefern. Nach lang» roterigen Verhandlungen ist es gelungen, We ursprünglich viel höhere Forderung der Gegner auf die Gesamtmenge zu befchränten. In den letzten Tagen fit eine Nachricht durch die Peeffe gegangen, daß echebiiche Mengen Kartoffeln über Holland noch England gegangen sind. Eine Ausfuhrgenehmigung dazu ist von einer staatlichen Stelle niemals erteilt worden. Die Uebeowochung der Grenze im besetzten Gebiet ist uns leider nach Eintritt der Sank- tionen verloren gegangen. Auch hat sich die Rheinla-nd- üb erroachun gs-kommisston in Kollleng die Regelung der Ausfichigenehmigung Vorbehalten. Wetter sind gewifl« Mengen Kartoffeln von der Dejatzungsbchörche für bk Ausfuhr nach Malmedy frergegeben warben. Die englische Regierung selbst betrachtet die Einfuhr von Kartoffeln als eine Gefahr. Es handelt sich also dost wahrscheinlich um holländische, nicht um deutsche Kartoffeln. Leider hoben wir unsere West grenze nicht in der Hand, aber deshalb dürfen wir nicht die Belieferung des besetzten Gebiets einstellen, denn es ist in großem Umfange Bedarfsoebi-et. Unsere Brüder dost leben schon bedrängt genug. (Ruse links: Phrase!) Ich hoffe, daß die erwähnten Maßnahmen eine Entspannung der Lage herbefführen werben. Wer sie greifen doch nicht cm
die Wurzein des Uebels, an die Entwertung der Mark. Die Regierung hat auch Notstandsmaßnahmen in die Wege geleitet. Ich erinnere an die Notstandsmaßnahmen für die Rentenempfänger .die das Reich zum größten Teil auf feine Schultern nimmt. Dafür sind 250 Millionen Mark zu- Bruder, nachdem er das vor ihm liegende Papiergeld wieder sufammengerafft, das Wohnzimmer taumelnden Schrittes verlaffen hatte, um wahrscheinlich zu seiner SpiÄgesellschaft zurückzukehren, dann öffnete sie das Fenster und blickte in die stille Mondnacht hinaus.
Das Licht im Kontor drüben war erloschen. Wie ein Mörchenschlotz hob sich dort droben die Ruine mit ihrem Rundturm von dem sternenglitzernden Nachthim- mel ab. Durch die Lücken des geborstenen Mauerwerks flimmerten die vom Abendwind bewegten Ziersträucher des Gästleins im Lichte des Mondes wie Silber; dazwischen wallte und webte es, als schlängen Geister ihre Steigen — vielleicht die Geister derjenigen, die einst dorr oben hausten? Emilie Hohenfels schrak plötzlich zusammen. War cs ihre, von der herrlichen Mondnacht erregte Phantasie, die ihr vortäuschte, daß das nach dem Garten zu gehende Fenster des Turmes erleuchtet fei? Deutlich hob sich das schmale Rechteck mit seinem Spitzbogen von dem Dunkel des Mauerwerks ab — woher kam bas Licht? Es konnte nur von der Mondsichel herrühren, die der Turm verdeckte. Sie sichelförmige Oefsnnng, die in der entgegengesetzten Wand des Turmes angebracht war. über deren eigentümliche Form und den Zweck derselben sich ein jeder Besucher der Ruine den Kopf zerbrach, mußte den Schimmer einlaffen und zwar nur zu einer bestimmten Stunde, während welcher die Mondsichel genau der Oessm-ng gegenüber stand! Der Mond stand im ersten Viertel und vor etwa einer Viertelstunde hatte cs neun Uhr geschlagen — sie mußte sich das doch einmal merken und ihre eigentümkiche Beobachtung Herrn Friedwald mitteilen, deffen Liebhaberei es ja war, in den allen Schriften, die sich oben auf der Burg im Raritä- tätenfchrankc befanden, herumzukramen: vielleicht war aus diesen etwas herauszulesen, was Aufklärung verschaffte?
8. Kapitel.
Bewahr Dein Herze vor Gelüst Roch gleyßend Gold zu jeder Frist.
Im Hochseidschen Hause ging alles seinen alten Gang- Don früh bis spät tönten die Schläge der Hämmer, das Surren der Feilen und das dumpfe Dröhnen der n
nächst in bat Etat eingesetzt worden. Diese Summe wird aber erheblich Überschritten werden. Wir werden auch bä diesem Etat eine Summe für die Kleinrentner einsetzen. Daneben sind diese bei den Steuergesetzen berücksichtigt. Mr die Beamten ist eine Besoldungsreform durchgeführt, die das Reich mst 12% Milliarden belastet. Dazu sind Maßnahmen zur Linderung der Wohnungsnot im Gange. Die Regierung ist sich also chrer Verantwortung gegenüber der Teuerung b-wrcht. Aber eine grundlegende Abhilfe ist nur möglich, wenn es uns gelingt, die Entwer tung der Mar? aufzuhalten. (Zustimmung.) Diese Rot- Wendigkeit bricht sich auch im Auslande Dahn. öoF Deutschland und die Welt wieder gesunden, so ist es allerdings notwendig, daß die Staatsmänner d'.efe Erkenntnis auch ihren Ländern cermittekt, und die Schlüffe daraus gezogen werden.
Auf Antrag Müller-Franken (So;.) wrrd dte Besprechung der Interpellafion beschlossen.
Abg. Schlack (Ztr.) befürwortet eine scharfe Wucher- und Kartoffelgesetzgebung und eine Set- braucherumlage für das kommende Jahr, falls sich die Ea zeuger und Verbraucher nicht einigen können.
Daraus wird di« Beratung abgebrochen. Dizepräsiden' Dr. Rießer verliest einen telegraphffchen Protest des Be- triebsrates der Deutschen Worte Spandau gegen die Behauptung des Abg. Maltzahn (Komm.), daß m Spandau Kriegswaffen hergestellt worden seien. (Hört, hört!)
Dos Haus vertagt sich daraus auf Donnerstag, 17. November, nachmittags 1 Uhr. Weiterberatung, Kleine Vorlagen, Interpellation Bartz (Komm.) über das Verbot des Landens russischer Schiffe in Stettin.
Preußischer Landtag.
Mitzlrauensantrage der Deulschnatlonalcn rind der UsmmLniststt.
Die Freitagsitzung steht weiter im Zeichen der Au spräche über die Programmerklärung des neuen Mmists Präsidenten Braun.
Weich der erste Redner, der derktfchmüiowale Abgor», nete Winckler, geht gegen das neue Kabinett scharf ins Zeug. Nach anerkennenden Worten für das scheidende Kabinett ©tegermafö richtet er zunächst scharfe Angriffe gegen dis Politik der Reichsregierung, insbesondere Dr. Wuchs, die schuld fei an dem Verlust Obeischlesiens. Dann wendet er sich mst Schärfe gegen das neue preußische Kabinett, insbesondere gegen Staun, Severing und Siering: scharf kistifiert er die ProgrammerWrun-g Brauns rmd 5um Schluß bringt er einen Mißtrauensantrag ferner Partei gegen die neue Regierung em.
Inzwischen ist auch von den Koalitionspärteien ein Vertrauensvotum eingebracht worden.
Der Demokrat Oefer, der ^beinahe selbst Mfnffterpräsi- bemt geworden wäre, verteidigt die neue Regierung gegen bisr Angriffe feines Dorrchners und hofft, daß es ihr gelinge, ihre Aufgabe zu 15[eit. Auch er gedenkt mit Än- crtatw.xtg des Kabinetts begerwoE» rmd wendet si< dann gegen die schweren Dorwürfe, die titt Deutsch nationalen gegen den Reichs-kar^ter erhoben hatten.
Abg. Leid (II. 6. P.): Trotz aller Täuschungsmanöver der Rechtsparteien sicht doch fest, daß an dem Verlust Oberschiefiens diesenigen Parteten die Schuld tragen, die den Krieg gewollt haben und denen er nicht lange genug bauern konnte. Eine Regierung, in dar dle Deutsche Volkspartei sitzt, wird sicherlich nicht eine starke steuerliche Hermyichung bes Besitzes fertig bringen. Die Arbeitermassen, auch die noch böi den Rechtssozialisten organisierten, können zu dieser Regiorrrng kein Dertraueu hoben.
Abg. Meyer-Bülkau (Welse) meint, auch die preußische Regierung werbe sich schließlich dom södorattstisches Gedrmten anpaffen müssen.
Minffterpräsident Breun weift die Angriffe des kommunistischen Redners Dr. Meyer zurück. " Nicht auf das Programm komme es an, sondern auf die Taten. Der MteüsterprÄidoni fuhr fort: Don unseren Beamten müssen wir bei aller Sicherung der politischen Gesinnuwgs- freihest oerfcmgen, daß sie sich nicht zu hämischen, gehässigen Verdächtigungen der Regierung und der Republik hinreißs» taffen. Die Angriffe des Slbg. Winkler gegesr den Reichskanzler Wirth müffen mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden. Wir sind jetzt wehrlos und wir würden nur eine komische Figur machen, wenn wir Gewalt gegen Gewalt setzen wollten. Unsere einzige Hoffnung ist, daß alle Bölter schiedenartigen Werkzeuge aus bcr Werkstätte, in welcher die riesige Gestalt bes Meisters ruhelos auf. und abging, bald Weisungen erteilend, bald selbst helfend anfassend. Wo er erschien, da gingen Hammer, Feile und Bandsäge noch einmal so flink, denn der Alle verstand keinen Spaß, wenn er einen feiner Gesellen auf faulem Pferde ertappte, so wohlwollend er auch sonst gegen seine Leute war. Das hatte auch der lange Mecklenburgerr erfahren müffen, der entgegen dem strengen Verbot, wiederholt Schnaps in die Werkftätte eingeschmuggelt hatte, und von dem Meister gerade dabei erwischt wurde, wie er sich einen hinter die Bind« goß. Ohne ein Wort zu sagen, hatte Konrad Hochfeld die Schnapsflasche oor den Augen der anderen Gesellen konfisziert, pnd als am letzten Samstag die Lohnzahlung stattfand, da hatte et, nackchem die anderen gegangen waren, dem Mecklenburger gekündigt. Derselbe hatte sich aufs Bitten verlegt, da jetzt, gegen den Win ter, anderwärts schwer Arbeit zu finden war, der !Dlelfter aber war unerbittlich geblieben und hatte gesagt: „Ich dulde nicht, daß während b®r Arbeit getrunken wird — bas wußten Sie ganz genau! Das erste Mal habe ich Sie verwarnt, bas zweite Mal mit Entlaffung gedroht — Sie haben meine Mahnungen in den Win' geschlagen. Nun, nachdem ich Sie das dritte Mal ertappt habe, ist's fertig mit uns zweien! Wenn Sie auch ein guter Arbeiter sind — die Ordnung in mei- nem Haufe taffe ich mir von Ihnen nicht auf den Kopl stellen — jetzt müffen Sie hinaus, und damit basta!"
Da hatte Kort — so hieß der Mecklenburger, ttotzig erwidert: „Ja, wenn een armer Teufel von Gesell sich eenen Schnaps leistet, dann is bet een Staatsverbrechen — wenn andere Leute aber Schlampamper saufen und Hazard spielen, dazu sagt der Herr Papa teer Wort!"
»Don wem sprechen Sie?" hatte der Meister mit einiger Bestürzung gefragt.
»Don wem denn anders, als von dem jungen Herrn, der die Reefe so hoch ttägt, als wäre er der Großmogul selbst!"
„Mein Sohn und Hazard spielen? — Das ist gelogen!"
«Fortsetzung folgt»