Einzelbild herunterladen
 

M 260.

Freitag, 11. November 192L

»rul-aer Zeitung

Druck der rtznldaer Betiendrnckerei itt ^ulLs

M Her Wre Dec beim RotWfltar M LNÄciii ml> Bslll.

Die katholische Presse und auch ein Teil der übrigen deutschen Presse würdigt die Bedeutung der betmqegnngenen großen Rianner des kathollschen Deutschland.

Aus dem Lebendes Fürsten zu Löwenstein erwähnt die ,(3frm<tnia tolaen^es:

Mit welcher Wärme und Ueberzeugungstreue sich der katholische Fürst der Sache der Kirche in dieser be­drängten Zeit (Kulturkampf) annahm, beweist bcr Um. stand, daß er dem von d->r preußischen Regierung ver­sagten Bekenner Bischof Peter Joseph Blum auf sei­nem böhmischen Schlosse zu Halb ein Asyl anbot das der landesflüchtige Bischof mit seinem ®-ne. ralvikax auch sieben volle Jahre in Ansnruch nehmen mußte, bis er 1883 wieder in seine Diözese zurück­kehren durfte. Aus Dank für die genoßene Gastfreund­schaft stiftete der Bischof im Dome von Limburg auf ewige Zeiten ein Hochamt, das alljährlich am 29. Oktober für die fürstliche Familie dargebracht wird. Wie für die Bekennerbischöfe Deutschlands, so schlug sein edles Herz vor allem auch für den Papst. Sein» große Ehrfurcht vor dem kirchlichen Oberhaupt ertrug still den Dorwurf des Ultramonanismus" und desFriedensstörers" als welchen gerne die kirchenfeindliche Presse und das M nffterium Crailsheim den Fürsten und sein Werk verlästerten, namentlich als es sich darum handelte, 1890 in Mün­chen einen Katholikentag abzuhalten, der aber fallen gelassen werden 'mußte. Als dann an Stelle Münchens Koblenz gewählt wurde, auf dem Windthorst zum letz, ten Male zum deutschen Volke sprach, sollte es sich bald zeigen, daß Fürst Löwenst.^n die Hoffnungen derer zu Schanden machen wußte, welche mit dem Tode des Führers Windthorst ein Versanden der Katholikentage erwarteten.

Seit den neunziger Jahren zeigte es sich erst rechtz daß eigentlich der Fürst Löwenstein. der Träger der großen Bewegung war, wie sehr er auch durch seine stille Tätigkeit in den Hintergrund trat. Hat doch kein geringerer als der große Zentrumsfüdrer selber auf der Aachener Generalversammlung (1879) bereits den Aus'vruch getan, daßdie Stellung des Fürsten für die Sache der deutschen Katholiken von grober und entscheidender Bedeutung" sei. und daßder Mann üch niemals gescheut habe, das Panier des katholischen Glaubens offen und treu zu tränen".

Aber auch die deutschen Katholiken wußten Vie Verdienste ihres großen Führers zu schätzen. Lm> mer mehr kam dies in Huldigungen zum Ausdruck, und als Fürst Löwenstein zum 25. mal das Präsidium des obengenannten Komitees übernahm, konnte ihr Sprecher Dr. Lieber bezeugen:Auf meinem langen und ziemlich weiten Weae durch das öffentliche Leben diesseits und jenseits des Atlant'schm Meeres habe ich keinen kathr'ischen Mann kennen gelernt, auf den ich so aut bi» Worte dez Thomas von Kamp's onwen^en möchte wie auf ihn.viriliter age", handle mgnn'ich und sei stark. Er ist uns allen ein Beispiel geworden in ß e i de n."

Ja Löwenstein ist seinem Nomen und Wappen ge­treu geblieben: ein Löwe im Streit, steinhart in der Treue zur Kirche.

Vom Geistlichen Rat Wacker sagt die ,®er«

man a':

Wacker war der geborene Organisator and poliii'che Führer Energisch. Aar und präz's ver­trat er jederzeit das Recht der Katholiken und des ge. samten Vo'kes. Mit wahrem Feuereifer trat er in W»rt und Schrift dafür ein. daß der katholische Dol's- teil durch prakt ich- Betät'gung des christ'ichen Lebens- ideal? in ter sozialen und kulturellen Hebung aller Vol'skreiss Hervorrgoendeg leiste

Und weiter: Geistlicher Rat Wacker war ein Mann ohne Fehl und Tadel, ein aufrechter Ett-arte- tcr durch und durch der sich nicht scheute, d'e Wahrheit zu sagen und die Wahrheit au vertreten, aber auch ein Marn, der ein liebevolles Herz besaß. E- war ein Mann des unerschütterlichen Gottver. trauens, der einzig und allein suchte. Gott, dem Da- terla-de und dem Volk zu dienen. Er selbst war in seinem ganzen Leben äußerst einfach und anspruchs­los. Weckers Leben war reich an Opfern. Jedes Opfer, jede Mühe und SInftren-'una der ganzen, schweren und verantwortungsvollen Last, die jahrzehntelang auf ihm als dem Führer der Zontrumspo-tei Badens ruhte, die namentlich dann sich auf- Drückendste fühlbar machte, wenn schwierige politische Situationen und Datekämvfe durchz^fechten waren, hat Geiltl'cher Rat Wacker freudig getragen in dem Bewuhf'ein. damit seine Pflicht gegenüber dem katholischen Volke zu er­füllen. _______________________

Unpölttlsche ZMäuse.

Von grrtz Nr entern per.

Berlin, 9. November 1921.

Warenhaus Deutschland.

Zum brüten Geburtsfeste d r Republik:

Totaler Ausverkauf.

Um damit zu räumen!

Wegen Ausgabe tes Geschäfts.

Unerhörte Schleuderpreise.

Was mit 300 Mark ausgezeichnet ist, kostet nur einen Dollar.

e

Heut» stecken wir schon drei Jahre in der Republik. Eimyr sagen, dieser Jahrestag müsse gefeiert werden. Dkse Leute kennen kein größeres Vergnügen, als zu demonstrieren. Wer klug ist, bleibt in f:inem Körn- merlein sitzen und sucht sich srlber den Segen der Re. volution klar zu machen. Nach dem bewährten Spruch:: An chren Früchten werdet ihr sie erkennen.

Wie sehen denn die Früchte aus? Wie haben sie uns aZchmeck? Wie liegen sie uns im Magen?

Vier Jahre Krieg unter d:r kaiserlichen Fahne: das war fau'r! Drei Jahre sog. Frieden unter republikani­scher Flagge: ach, bas war ebenso sau» r und ist es noch. Dom langen Krieg in die ewigen Krisen!

Es geht dem armen Deutschland, wie manchen Schuxwerwunteten. Die Kugel war schmerzlich: der Transport vorn Schlachtfeld war noch schmerzlicher, ab r die Operation en im Lazarett, von denen die eine auf dir andern fofttt. brinren erst rcht Arm st irrte Pein. Ob er die j olterbank lebend oder tot verlassen wird, wer kann es sagen?

Minister kommen, Minister gehen: Reich und Volk kommen nicht aus den Wehen. Eine Koalition über die andere Koalition, und immer bleibt die Konfusion.

Wo wir vor drei Jahren hingefallen sind, da liegen wir trotz allem Gezappel heute noch: am Rande des Abgrundes. *

Alles, was r cht ist: es gab wenigstens einen Tag, der auch eine oute Seite Halle. Nämlich der 9. No- verber 1918, der eigentliche Reoolutionstag in Vertin. Er verlief unblutig, und das wollte schon etwas be­deuten.

Beim Aufstehen waren wir noch kaiserlich; zum vveuen Frühstück wurde uns die RLgenifchost serviert.

Wahrhaft groß, lauter und edel steht Geistlicher Rat Wacker vor uns. Er war ein streitbarer Kämpe, aber auch ein ritterlicher Segnet. Möge er nun in ewigem Frieden ruhen und ernten, was er als Priest.r nach dem Herzen Gottes und als idealer Führer des ka..,o- lifchen Volkes gesäet hat.

Selbftverwaltun1, die Spille des Vuwerfinnes-

Es war das Eingeständnis unserer seelischen Armut als Siaatevoik, als man vor dem Krieg»: von oben her, unter dem Beifall der Studierten, gegenüber der staats- feindlichen Sozialdemokratie die Staat-bürgergesinnung verteidigen und stärken wollte durch Erteilung von Staatsbürgerkunde in den Schuten und

Man bot da einWissen vom Staate, eine Auf­klärung über feine Zwecke, feine Leistungen und Lfor- ttnmgen; man legte dar, was das Ruch fur^-eme Bürger an Wirtschaftspolitik, Sozialpolitik, an >hl- fahrtspflege, an Förderung des Mistens mrd Könnens ge^an bähe und tue: daraus leitete in n die >. »licht des Bürgers ab zu entsprrch.mden Gegickristunst-ti an Ein­ordnung, Treue, cm Mililürdtenst und Steuerzahlung. Natürlich erzog man damit mir Menschen, die ihr Ber- hältnis Mn Staate, zu der Obrigkett und Regierung als ein Geschäft «Iahen, das sie als f-lbstherr- liche Einzelmmschen mit ihm macksten auf Leistung und Gegenleistung. Man berechnete:Was habe ich vom Staate und was verlangt er dafür von mir? Lohnt sich das G schäft? Muß ich nicht vielleicht vom Stand­punkt meiner Interessen dies n Staat als meinen Gez- n't betrachten und einen ganz anderen Staat herbeizu­führe i suchen?"

Ebenso nutzberechternd sah man die einzelnen politischen Parteien an.Kann ich noch meine bisherige Partei wählen, wenn sie so wenig für meine Standesinteressen tut, wenn sie so wenige Par- latnmtssitze für die Vertreter meiner Int'ressen zuge- st.ht?" Es ist derselbe nackte Eigennutz, der den heron- gewachsenen Sohn überlegen laßt, was er davon habe, daß er auf dem väterlichen Bauernhöfe, im elterlichen Geschäfte mitarbeite, ober daß er als Arbeiter, Ange­stellter seinen Lohn mit in die elterliche Familie e:n- schi ße. Er kommt bei dieser Berechnung tes eie, nen Nutzen; leicht zur Ueb rzeuaung, man verlange bamt Unrechtes von ihm, er müsf,e sich vor dieser Ausbeutung schützen. Nicht sittlich Höker stehen jene Eltern, dte ihre schulentlassenen Kinber nimt in ein' Lehre g.b:n, wo sie etwas Tüchtiges lernen können, sondern sie unge­lernte Arbeiter mürben lasi°n, weil sie, die Eltern, dann um so eher etwas von den Kindern haben und nun auch mal an sich denken können. Der einz lne kommt damit, roenicflen« ein Zeitlang, solange der Staat und die Famitte zusamnomhallen auf Kosten der G-meinschaft zu seinem Vorteile; langsam aber sicher, geh n dabei die Gemeinschaften, Staat und Familie, in die Brüche

Denn jede von b:t Natur gewollte Lebens- und Schicksalsgemeinschaft, die, nicht bloß willkürliche Jme- ressenoroanisation zur Erzielung eines Profites ist, lebt von der Gesinnung der unverbrüchlichen Treue in Freud und Leid von der s.lbstloten Freundschaft, 5)üfs. bereitschaft, der gütigen, sich hingebenden Liebe.

In jener Vorkriegszeit. da man mit dem Wissen der Staatsbürge: künde den Bürgersinn zu stärken und widerstandsfähig zu mach u glaubte, übersah mm nicht aanz die Ded^ung der treuen Staatsbürgergesinnuttg. Aber diese glaubte mar fest im Volke v rrourzelt Man sprach von derb e st e h e n d e n Gesellschafts­ordnung" als von etwas Unerschütterlichtm, das sich ja auch in der patriotischen Gesinnung tei vielerlei ffk» leg ent) it bekunde. Aber man Übersah, daß diese 6'aatstreue nicht in einem Bewußtsein des freien Bürgers verwurzelt war. Dies n Halle man seit Jahr- humterten unterdrückt durch den Obrigkeitestaat, in dem die Sorge und Verantwortung für d n Staat als Sache des Fürst n, seiner Beamten und seines Heeres gatt. Der Unter:an, der Bürger wurde regiert und hatte sich in die Regierung nicht «inzumifchen. Auch lange Satire nach Einführung der Reichsverfasiung wagte der Reichskanzler Fürst Bülow noch im Anfänge diese« JahrhurLi rts dem - dvm allgemeinen Wahlrecht her- vorgegangenen Reisetage zuzurufen:Meine Huren, Sie tragen ja keim Verantwortung." Diese nahm er allein für die verbündeten Regierungen in Anspruch. Der Reichstag konnw mitwirken, aber der Bundesrat

wollte darüber entscheiden, was er Gesetz und Recht wer­den ließ, wie er nachher regierte.

So ward kein« seeusche Einheit zwischen Staat und Volk. Dte Sozialdemokratie hatte darum in einer Feit der Rede-, Preß- und DersammlungssreiheU leichtes Spiel damit, diesen Staat als den Stafi en float zu ver­dächtigen, der mu den Interessen der herrschenden Klasse diene. Di» po itischen Parteten erwiderten das Mißtrauen ter Staatsregierung gegen die Volksoer. tretung mit dem Mißtrauen gegen die Regierung, muffle den Staat letzthin in ter 5)and behalten wall:«. Weiten Wählerkrrisen ward eitle Partei verdächtig, wenn sie in ten Anschein kam. regierungsfreundlich zu sein.

Ein Glück war dabei, daß in Deutschland vor hun- dert Jahren im Geiste des Freiherrn von Stein die Selbstverwo'tung der Gemeinde durchgr- führt wurde. Zwar war in Preußen durch das Drei- klassenwahlrecht die große Masse der Bürger, welch: >n ter dritten Klasse wählten, durch eine Minderheit ter großen Siewert-ahl'.r zur Ohnmacht verurteilt. Aber immerhin lebte doch der Geist der Selbstverwaltung tn ter Gemeinte. Inzwischen ist hinzugekommen die Selbstverwaltt.ng in Vorständen und Ausschüssen der A-b> iier- und Angrstelltenversicherung, in ten Handels-, Handwerks- und Landwir' iafiskan.mern, in ten Ge­nossenschaften. Gew rkschas-en, Bauertwereinen, Innun­gen u'w. Dor allem die Innungen haben, z. L. in Rheinland und Westfalen, als Aufgabe der teruss- stöndigen G.meinschaftsarbeit die weitgehendste Seldst- t-erwoltunz ter Belange des Handwerks aufgenommen. Die neuen Beirrebsräte, die Tarifgemeinschaf en er» fardftt Selbst-, rwattung ihrer Interessen gemeinsam ran Unternehmern. Arbeitern und Angestellten. lieber« cH dort gtlt'rs, den Geist der S e l b st v er w a! - tu r g zu piieeren auch als die starke Wurzel des staats- bi'rgerlichm Gemeinschoftspttstes. Nicht minder eignen sich bau di" vielen ehrenamtlichen Stellen in ter rot ter Gemeindeverwaltung geleiteten Dolkswohl- fahrtspflege, wie Armenpflege, Jugendpflege, Wiiw.n- irt> Wen fenv flöge.

Rur so kommen mir von der bloß formalen, in den hm und D rordnungen auf dem Papi r stehenden D-molro ie zur lebenswarmen, tätigen Ds- mokraiie, zum snien Bürgertum des neu n sosimen Volksstaate«. Erst dies r erstarkende^aerflnn. der an erster Stelle fcürvtlidjes Pflicht- und V rantwortlich- keitsteürußtsein ist. vermag in dem neuen republitani» fchrn Volksstaate die heute noch schwache Autorität aus- 3ufcmten. ______________________________________

Hüfruf der Bauernvereine.

Der Ve wr un < der deutschen B"> erun insbe­sondere der Rroßstädt', mit 3?abrun lemittctn, vor ollem mit K irtoffe n. stellen sich vielerorts erhebliche SM r-ieri - leiten in den We -, die bereits zu einer < ewtflen 53c. umuhmun i in Konsttmentenkr tien nesührt bjben Diese Tet wierigkeiten sind jedoch nicht, it> e es häuft t dar eiient wird, etitf ein Verschulden der Lan d, wirtschaft zurücku>f"hren, sondern wurden vor allem durch die Wi tt e tun n8c er b ä11n t f f e hervor .e- rufen; hinzu kommt auch noch eine mangelnde Wa ien oestel l una seitens der Eisenbahn.

Kartoffeln und B>otoetreide bilden heute bei uns an enter Stelle die Grundlage der mentcb« lichen Ernährun r. Es ist mithin Pflicht und Auf­gabe der Landioirtschaft, nach besten Kräften aus die Versor una ter Per räucher mit Kartoffeln und Brot.etreide bedacht zu sein, sowie ihre Berfutte- rung möglich st einzuschränken. Wir müffen mit allen Mitteln zu verändern suchen, daß nach Abbau der Zwangewirtfchait große Schwierigkeiten in der Nahrun Smtttelversor ung etntieicn. Anherdtm ist aber auch dte Ausrechterhaltuag von Ruhe und Ordnung nur möglich, wenn die Sicherstellung einer ausreichenden Menge von Kartoffeln und Brotgetreide , ewährleistet ist. Deshalb muß die deutsche Landwirtschaft im tztnblick aur ihre großen, rem menschlichen Aus. (Oben und angesichts der eben geschildeiten Berhälintffe nichts unsersml t taffen, m ö tlichst viel Kartoffeln zu angemessenen Preisen aur den Markt zu bringen. ®.e Die erorts aeza llett unerwünschten hohen Preise sind durch 6a 8 über maßt c Gebot ter Händler bervorgerufen Aufgabe der lokalen landwirtschaftlichen Oracniiatiorcn mutz eS gieret Wohl feinfür Minder- bemittelte, insbesondere Rentner und kinderreiche ivamtlten des Arbeiter- und Mittelstandes Kartoffeln zu weit herab esetzten Pteisen zur Bersü uni zu stellen Wir haben sengestellt, daß derar.ige Lieferun en fast bei ollen Bauernvereinen schon durchaejutirt werden.

Wir bitten daher auch mit Nachdruck die Ab­lieferung bet (Setretbeumla te zu beschleunigen Sollte bei der versprochenen Nachprürun, tn ein reinen

Bezirken die Umlage sich als zu hoch herausitellen, so bitten wir trotzdem uorläuff t daS zweite Viertel mög­lichst utnehcnü ab tuttefern; die ct.ua bet diesen Raten zu viel zur Ablieferung getan ten Mengen können dann nach erfol ter Nachprnfun \ des Ernteer ebntffes und der Veranla. ung bet der Ablieferung der letzten Hülste tn Abzug gebracht werden.

Ter Vorstand

ter Vereinigung der deutschen Bauernvereine.

v e Anwartschaft in der Llngeftellten- verficherung.

Mit tem 31. Dezenter 1921 läuft die griff jur Nachzahlung freiwilliger Beiträge für die Dahre 1914 bis 1920 ab. Versicherte, deren An- warlfchaft in di, sen Jahren nicht aufrechd.'rhLten ist, müssen also, um ihre Ansprüche nicht zu verlieren, die fehlenden freiwilligen Beiträge bis zum Schlüsse di.ses Jahres einzahlen. Dazu find die bet ter Post erhältlichen roten Zählkarten zu benutzen, auf denen Dar- und Zuname, Geburtstag und -ort sowie das Jahr, für das die Beiträge ge.ten sollen, aryugeben sind. Zur Erhaltung ter Anwartschaft müssen in jedem Lahre minb stens 8 Kalendermonate mit Pflicht- oder freiwilligen Beiträgen oder mit sog. Ersatz!atsachen (z. B. Krankheit, P(iUtärdienst) belegt fein.

Berner können Angst-lle bis zum 31. Dezember 1921 Pftichübeiträge, deren Entrichtung aus einem nicht in ihrer Person liegenden Grünte unterblieben, aber zur Erhaltung der Anwartschaft no wendig ist, sämtlich oder i ilweife nachenlrichten oder die Stundung bei ter Reichsversicherungsanstalt für Angestellte bearr.ragen.

Beachtenswert ist für Ang stelle folgende Neue­rung: Nach § 1 Abf. 2 des Gesetz e vom 23. Juli 1921 über Aenderung des Versicherungsgesetzes für An- g stellte (Reichs-D setzdlat! S. 1173) erhallen Empsän- gr von Ruhegeld ober Hinterbliebenenrente nach ten Vers ich vungsges tze für Angestellte dann keine Beihilfe, wenn sie eine fache berei s aus der Invalidenversiche­rung bezie hen. Di.se Aus nahmt.' ist mit dem 1. Okt. 1921 gegenstände las geworden, da seitdem die Inva­lidenversicherung keine besondern Beihilfen mehr, fan d.rn einhttilich erhöhte Leistungen gewährt, önfolge» dessen erhalten vom 1. Oktober 1921 ab auch di.jenigen Empfänger ran Ruhegeld oder S) in terblie» benenrente nach dem Versicherungsoesetz für An­gestellte eil« D ihilfe, die bis zu diesem Tage eine Dei- hil-e aus ter Invalidenversicherung bezogen haben, sk.

Kus dem Kachbarqediet.

Ans dem Freig'richl. Don Samstag den 30. Oktober abends bis zum Montag den 7. Novemter früh fand in ten Gemeinden Altenmittlau und Horbach eine Volks Mission statt. An beiten Orten wirkten je zw i Herren ter thüringischen Fran ziskanerprovinz. Dte Beteiligung und religiöse Begei­sterung der Bevölkerung war sehr praß. Es zeigte sich auch hier mietet, wie sehr die Menschens eie von Natur aus nach den ewigen Wahrh iten verlangt.

sps. Büdingen. Im jog nannten Wachtbau des FchlosseS hat die fürultche Famtlte die etwa 17 000 Bände umfassende Bibliothek zu einer Fioei- komm>ßbiblioihek eingertchiet, die der Allgemeinheit zugönoig gemacht werden toll. Zn den Räumen das Wachtbans soll künftig auch das släotijche Museum Unterkunft finden.

sp.r. Friedberg. Die seit zwei Jahren bestehende B r a n n k o h I e n g e w e r k s ch a f tE 11 k ö n i g" bei Oberer len bach, beten Gerechtwme ck000 Moracn umfassen, mutte mit entern Akiienlapnal von 21/» Dlilltonen Mark in eine Sifttengeteufdjaft u > ge­wandelt. Ter Abbau der ©tubenfelDer hat mit zwei Schächten betens begonnen.

spd. Würzburg. Bon der Gendarmerie in Ran- deteacker rottr'e ein gewisser flojaun Btnmöller vom Schleehof am e alten, der 10 Zentner Sim« burger Käse anHcbltrt) nach Och enftut bringen wollte. Ter Käse rourae beiwiagnabmt. Bon der Antiare der fahrlässigen Tötung wurde oer hier iiudietende Sohn eines Ho gu be- sitzers, der auf der H.tltnerj tgd beim En'laden des Gerne res den SOjägitgen Optck, r Huldreich Schil- ing durch einen S büß in die Rtetengegend tödlich verletzte, vom Scköffengericht fr eige s prochen. Der älnaeflatte, der beim Entladen gesio peri 'ein

IBW.HWWH ..I TTI 1 ........JÜU

Zum Mittag zogen die Truppen auf und nach einer halben Stunde zogen sie wieder ab. Dom Nachmittags­schläfchen standen wir als bewußte Republikaner auf. und am Abend ließen die neuen Herren, di sog. Volks­beauftragten ohne Volke test agung, ihre W<md«rr-dt^r auf Autos durch dte S raßen fahren, um Ruh: ms erste Bürgerpflicht zu predigen, wie es vor 112 Jahren schon ein königlicher Statthalter getan hatte. Und oas Berliner Volk war auch wundubar ruhig; nur sehr neugierig. Ein Redner, der mir mit le.n».' Autokanzel vor dte Füße fuhr, sagte in tzchr vernünftiger Weise, es sollten doch wenigstens die Frauen und die Kind r sich nach Hause scheren, da sie in der Dunkelheit auf den Straßen nichts m.hr zu suchen hätten. Die Weiber lachten und die Kinder grinsten; aber nur wenige gingen heim, da sie dachten, es werdenoch etwas los fein". Es geschah ater nichts Auffallendes mehr an dem ersten Abend. Das dicke Ente der Revolution ko>n erst hinterher. Auch bas Blutvergießen wurde leitet noch nachgeholt.

Sonst heißt es: Aller Anfang ist schwer. Hier war dec Anfang der R> publik verhältnismäßig leicht; aber die Forts tzung brach:,: viel Wirrwarr und Not.

Drei schwere Jahre folgten dem glatten Nmsturztag. Liege die Schuld an d.r Demokratie oder an dem Parlamentarismus oder an den wechselnden Ministern? Wären wir unter der allen Staatsordnung glimpflicher terrchee-kommen? Eigentlich eine müßige Frage, da öb: alle Ordnung zusatnuengebrochen war und in ab­sehbarer Zeit sich nicht wieder Herstellen ließ. Ater wenn dies möglich gewesen wäre, so halte es uns auch nicht helfen können; denn unsere schlimmsten Feinde, die Franzosen dort draußen und die Kommunisten im Innern, würden uns dann erst recht auf den Kopf gekommen sein. Es hat also sein Gutrs. daß wir in diesen drei Jahren wenigstens bewahrt geblieben sind vor solchen Abend u.rn .wie sie Karl der Ungeduldige schon zw imal in Ungarn versucht har.

Ihm hat einer ins Stammbuch ^.schrieben: Willst du den Baum schütteln, so warte, bis das Obst reif ist.

*

ülter !-.n wir denn überhaupt noch eine D-e-

wonstratio:. ,r den 'G.-denktag? Die Börse macht ja schon eine großartige D monstration einen wilden Tanz um das goldene Kalb.

Jawohl, dir Republik von heutzutage nennt sich sozial, aber das Getriebe in der Well ist verzweijell kapllalrstijch.

Die alten Israeliten hatten ihrem Kapilaloötzen die Gestalt eines goldenen Kalbes gegi ten. Was jetzt von Juden, Christen und Heiden umtanzt und verehrt wird, hat eine einfachere Form: es ist der altb kannte amerikanische Dollar, ein Goldstück, das man in Fcie- denszeiten für 4>,4Mark hcllren konnte. Jetzt hat dir Börse den Preis les Dollars hinaufgelrkben bis auf 300 Mark das Stück. D. h.: wenn du nach Amerika kornn st und willst etwas haben, was früher 4 bis 5 Mark kostete, z. B. ein leidliches Mittagessen, so mußt du 300 Mark auf den Tisch legen.

Als der jetzige Reichskanzler Wirth Finanzminister wurde, sagte er uns, wir müßten uns an die Groschen- redjnung gewöhnen. Damals war dte deutsche Mark auf ein Zehntel ihres Wertes gefunken, also zu einem Groschen g.worden. Jetzt ist sie bis auf ein Siebzigstel zusammengeschnunpft. I tzt dürfen wir nicht mehr nach Groschen tedjnen. sondern nach Pfennigen und Bruchteilen von Pfennigen. Nach dem heutigen Dol- lorkursr sind 3 Mark immer noch 4 ganze Pfennige wert.

So wird Deutschland «um Armenhaus, wo Pfen- nigtettler ihre lumpigen Pfennigscheine zählen. Aber die Börse lacht, die Börse tanzt, dte Börse treibt alle Kurse für die sog. Sachwerte in fabelhafte Höhe, und die Spekulanten verdienen te~i> i einen solchen Haufen von Papiergeld, daß sie sich Dollars in Masse kaufen können Der Finanrrninister soll sie ihnen zu Wuchnr- preisen wieder abnehmen.

Was kommt te dreier Schiebung herEs? Das Ausland kann bei uns so billig einkaufen, daß unsere Warenläg r bald geräumt fein werden. Um neue Waren zu schaffen, brauchen wir Rohstoffe und Lebens- mittel. Da gchts umgekehrt. Wenn wir im Ausland etwas einkaufen wollen, so müssen mir 300 Mark zahlen, um das ?u b kommen, was früher 4 Mark kostete. Also Schleudervrrkauf auf ter einen Seite und teutfau-erischer Einkauf auf ter unteren Seite. Daher habe ich an den Eingang dieses F"startik-els das zeit­gemäße Inserat vom Warenhaus Deu'fchland gestellt.

Mein Flickschuster Hut ab vor dem unentbehr­lichen Nothelfer fragte mich ob denn Ire d utsche Mark bis auf null und nichts sinken könnte. Ich habe ihm auseinand rgesetzt chcß im schlimmsten Falle ein Bünd.ll ron Marlschrinen immm noch einen aewiffen W rt als Altpapier b Helten müßte. Das schien ihn aber nicht?u beruhigen. Ich fürchte, er wird bei der nächsten Rechnung die Jagd auf ten Dollar mitmachen.

Wie soll das enden? Ich weiß es nicht. Die Her­ren Minlster und Sachverstätrdigcn müssen es wissen.

Ich wundere mich nur, daß es immer noch wagemutige Leute gibt, dte unter den heutigen B rhälmisjen einen Ministerposten annehmen. Sic stehen in den versumpf- ten Laufgräben d.r Politik; sie haben immer den gepack- ten Tornister auf dem Rücken; denn jeden Augenblick kann Ablösung kommandiert werten. Der ftete Wech- sei bilder die Regel in der R.publik. Die Mir jt-ryerr- lichkell sinkt ähirüch wie ter Marktwert. Der kluge Baler läßt seinen Jungen nicht Minister lernen, sondern lieber Kellner mit einem gesich.rten Grundgehalt von 1600 bis 1800 Mark monatlich.

Wir haben die Republik. Aber wo bleibt das Glück?

Mühlsteine als Geld.

Don Walter n. Rummel.*)

Manch schmückendes Beiwort verdiente dos schöne Slld- see-Ellmü Sag: denn 3op ist die Insel der schönen, mohlgepflegtcn Wege, die ,aus Befehl des Bezlvlsamts von Höup.lmgon und Dorfschaflen in gutem Stand gehal­ten, sie nach ollen Selten durchqueren und umlaufen, und welch schöne Weae zu gehen dte auf Iap lebenden (Euro­päer meist zu saut sind.

(Es ist ferner die Insel der handgroßen, herrliche: Hibislusblüte. Mit brennend heißem, flammendem, breit und stark arrfgelragenem Rot bekränzt sie baechanlisch das Grün am Wege.

(Es ist auch die Insel der Südseekrlnoline, die sich die Insulanerinnen in Gestalt von zwei oder drei schwe>ren Grasröcken um die Hüsten binden Grasröcke, so wulstig und umfangreich, daß die armen Iaperinnen durch diele recht unbequeme Mode gezwungen sind, beim Gehen di« Arme stets wer! vom Körper wcgzuhaltrn und abzuspreizen.

Was die Herren der Schöpfung cmsngt, so ist Iap ein gesegnetes Torcdo und eine Hochburg terMänner- eitel leit". Nach Frsuenatt hoch hinausgebunden tragen die Iapmänner ihr mit viel Liebe gepflegtes, langes Haar ernst und würdevoll zur Schau. Diese Haartracht gibt den

*) Dir freuen uns, durch das Entgegenkommen des Verlags Brockhaus, Leipzig, in der Lage zu jein, aus dem soeben erschienenen WerkS o n n e n l ä n d e r" des be- kannten Schriftstei.ers und Deltreisenden Walter von Rumm-l (Bäte 14 derReisen und Abenteuer", ge­bunden 12 ./') eine (leine Piobe bieten zu können. Ad- seits von der großen Straße der Reisenden hat Rummel feine Wettfahrt gemacht. Don seinem Aufenthatt in Ja- pan und auf den Südseeinlcln berichtet er im vorliegenden Band, fianoefr.ijrten, Jagd und Fischlang, einsame Tape, als einz ger Europäer auf fernen Inseln ein Buch voll dichterijcher Schönheiten. Interessante Bitter Unterstützer den Mietern Teft