Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Aulda.
Nr. 260.
Verantwortlich für den ceoauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: T Parze,ter-Falda. - Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Acttendrnckeret m Fulda, ^ennpreckier Nr. 0. Telegr.-Adresie: Fuldaer Zeitung
Freitag, N» November 1921*
Bezugspreis: Monatlich 5.00 Ml. zugestellt frei ins Haus- = Abgeholt in der Geschäftsstelle 4,60 Mk. > Anzeigen: Kieinzeile nach C o > one lmaß 1 Mark, Reklamezeile (Zepbrette) nach Colone'maß 3 Mark.
48. Zahrg.
Iw erste Tag der grasten
WistWWent Rann hot dein Landtag.
Stetigkeit in der inneren Politik und Bindung aller wirtschaftlichen Kräfte zum Wiederaufbau unseres Vaterlandes: das waren im Kem die inneren Gründe, die alte staatspotirisch ein- sichtigen Köpfe zu der lleberzeugung brachten, daß die breite Koalition der Mitte eine staatspolitische Ncttwen- >drgLÄt ist. Hinweg über die parteipolitische Individualisierung zur Betonung derjenigen Güter im Staatsleben, die Gemeingut sind, danach riefen Diejenigen Kreise, die sich der Furcht nicht erwehren konnten, daß der parteipolitische Egoismus geraden Wegs in den Abgrund führt.
Diesem Gedankengang verdankt die große KcxÄlion in Preußen ihre Entstehung. Unter großen Ecchoie- rigkeitLn Haden sich die in ihren Grundsätzen durchaus verschiedenen Parteien zu einer Arbeitsgemeinschaft im preußischen Staate zusammengesunden, zu einer durch die Not der Zeit bedingten klug berechneten Bernunft- rhe, nicht um geistige Prinziprerr auszuheben, wohl aber irm im Dienste des Staates nach Dem Grundsatz: das Vaterland über der Partei, Staat und Volk vor dem Sturz in den Abgrund zu bewahren.
Es ist dämm eine selbstverständliche Aufgabe des rieuen Ministerpräsidenten Braun gewesen, m seiner Ragierungserklämng, die er in der gestrigm Landtags- litzung abgab, diesen Gedankenyang besonders zu betonen. Eine Einheitsfront nennt er die große Koalition und zwar alter derer, die auch in Dem Chaos dieser Zeit den festen Glaubenandem Wiede r- vufstieg unseres Volkes nicht verloren haben und die daher ihre ganze ikrast einfetzen wollen, um unser Land imd Volk vor Dem Zusammenbruch M bewahren und es in langsamer aufopfernder und zäher Arbeit aus den furchtbaren Nöten unserer Zeit einer besseren Zukunft entgegenzusührm. Auch der Ministerpräsident hält mit seiner Meinung Durchaus nicht zurück, wenn er ausdrücklich hervorhM, Daß bei der Eigenart unseres deutschen Parteiwesms und bei Den stanken politischen und wirtschaftlichen Gegvnsätzen in unserem Volke es unendlich schwer sei, vier politische Parteien auf einer Regierungsplattform zu gemeinsamer Arbeit zu vereinen. Und mit Recht fügt er hinzu, daß jede Partei dabei Opfer bringen lmd sich in ihren Ansprüchen bescheiden muß. Diesen Umstand haben Die Borverhvndlun- gen und Die Zusammensetzung Des Kabinetts Deutlich btwiesen. Die vorr keiner Seite als recht befriedigend engMhen worden ist.
Diese Tatsache hat für das Zentrum der Zen- trumsredner noch einmal klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. Erwarten birrfte man von feiten Der Regierung ein einwandfreies Bekenntnis zum Schutze Der Verfassung und Hjnr Anerkenmma überhaupt. Dies wird umso wertvoller, als dadurch durch den Mund des Ministerpräsidenten auch sirr die Dcutfdje Volksportei Die Erklärung abgegeben wurde, daß die Ver- fassunggegen jede rmannmitalleu Mitteln in Schutz zu nehmen und für die Autorität des Freistaat es imD der verfassungsmäßigen Regierung einzutrelen Die Pflicht aller an Der Regierung.beteiligten Parteien sein will.
Nach Dieser Richtung hin ist auch sin anderer Passus Der Rede Des Ministerpräsidenten durchaus beachüms- wert und erfreulich, wenn er Davon spricht. Daß die Erziehung Der Jugend zur Staatsge- srnnung angeftrebt werden soll, und Daß dadurch ter Geist der neuen Verfassung auch zum Eigentum ter Jugend gemacht wird. Wir stimmen mit ihm überein, wenn die Stärkung des Gemeinsinns mit Dem Dringend notwendigen Gedanken Der Verjöh- nung Der Volksschichten schon zur Grundlage
der Jugenderziehung gemacht werden muß. Vermißt haben wir es allerdings, daß Der Ministerpräsident kein Wort darüber gefunden hat, wie er sich die Beziehungen zwischen Staat und Kirche in Preußen denkt. Und wenn im allgemeinen auch Die Regelung Der künftigen Verhältnisie von Staat und Kirche, von Schule und Staat, Sache des Reiches ist, so hätten wir doch gern gewünscht, von feiten der Regierung des größten Lautes einige nach Dieser Richtung hin befriedigende Worte zu hören.
Die Demokratisierung ter Verwaltung Darf nicht fehlen. Ein Gesetz nach dieser Richtung hm wird vom Ministerpräsidenten angekündigt. Aber von ihm wird in Dankenswerter Weise zum Ausdruck gebracht, Daß bei der Zulassung von Staatsämtern die persönliche Eignung sowie Die fachliche Tüchtigkeit und Erfahrung Der Anwärter in erster Linie maßgebend sein soll. Aeußerst beachtenswert ist die Stellungnahme Der Regierung zum Staatsgebilde Pneußon. Sie kann, fo erklärt Ministerpräsident Braun, Die Bestrebungen auf Absplitterung einzelner Gebietsteile aus Dem preußischen Staatsgefüge nicht unterstützen. Denn sie ist Der MÄnung, Daß nur durch ein nn^teiites und unyeschwächtes Preußen Dem Reiche die Reichseinheit gewahrt und in organischer Fortentwicklung ter Weimarer Verfassung jene Vereinheitlichung Des Reiches rmd seiner Verwaltung angebahnt werten kann. Die im Hinblick auf die wirtschaftliche Verarmung Des Landes unerläßlich erscheine.
Ein reibungsloses Zusammenarbeiten mit Der Reichsregie r ung und ein gutes Verhältnis zu ihr verspricht der neue Ministerpräsident, auch für Die Siedlung findet er Worte tes regsten Interesses. Wohltuend smd die warmen Worte, Die Die Regierung für Die noch immer unter Dem Druck Der rechtswidrig verhängten militärischen Sanktionen seuf- zenDen rheinischen Städte fmtet, wie überhaupt für Die Seiten des besetzten Rheinlantes. Ztoß Preußen sich gegen die gewaltsame Abtrennung Oberschlesiens mit aller EiÄfchistenheit mentet, ist so selbstverständlich, wie es Wahrheit bleiben wird. Daß Die gerftige und kulturelle Gemeinschaft eines Volkes trotz künstlicher Grenzziehung nicht zerrissen werden kann und Daß Deshalb die geistigen Bande Mischen Den Deutschen tes abgetrennten Gebietes und Des Reiches nicht cüweißen werden.
Alles iir allwu: Die Rete war frei von einseitigen Partrimaximen; sie hat Den Versuch gemacht, daß Ge- meinfame über das Individuelle zu stellen. Man Darf saym, Daß dieser Versuch noch schüchtern, Doch ge- g l ü ck t ist. Leicht wird es auch in Zukunft sicherlich nicht sein, bei ter Koalition von 4 Parteien Den Ml- tenen Mittelweg zu finfcen und innezuhalteii. Aber es kommt in Zukunft alles Darauf an, Daß es gelingt. Dem endlich geglückten ExperiMMet einen Halt zu geben, der für eine möglichst lange Zeit Die Sicherung des Mittelblockes ter Parteien gewährleistet.
AuBersuchenDerZermürbungvonter rechten und linken Opposition wirD cs nicht schlen. Reibungsflachen werten ynügenb oorhanten fein. Darüber hinaus aber muß die Sorg» um Das Gemeinwohl Den nach unendlichen Schwierigkeiten endlich in die Wirklichkeit mirgesetzten Gedanken Der gro-> ßen Koalition für lange Steuer zu erhalten trachten.
Der Verlauf der Landtagssitzung.
In der gestrigen Landtagssitzung gab gleich gjt ~£6,nn Der Tagung Ministerpräsident Braun im tarnen des neuen Kabinetts eine Regierungsertläru«! ob, m der er einleitend sagte: Gemäß Artikel 45 ter preutziichen Verfassung vom 30. November 1920 haben eie mich zum Ministerpräsidenten gewählt. Ich teufe fur Das mir entgegengeürachie Vertrauen. In ^tl£ nfiCD Der Verfassung obliegen den -Pflicht habe ich die Bildung des Kabinetts übernountien unö die folgenden Herren ernennt: Den Staats- »nd in welche» ich schon feit Monaten stecke, vertrau!.' zu machen!"
„Kalamitäten, in welchen Du steckst? Ja, war denn diesen nicht vorzubeugen?" fragte Frau Franziska gespannt.
Ihr Gatte warf ihr einen ärgerlichen Blick z» und erwiderte pikiert: „Ob den «Schlägen, die mich getroffen nicht vorzubeugen war? Eine seltsame Frage! Wenn ich einmal alles voraus weiß, was emtrifft, dann - kannst Du Dich darauf verlassen, daß ich in keine D-rlcgen- helien mehr ,omme! So vollkommen bin ichl leider noch nicht!" ‘
„Aber, Albrecht, Du machst mir ja angst nutz bange! Von Schlägen sprichst Du, d« Dich getroffen? Ist Denn die Londoner Affäre von einer solchen Bedeutung»"
„Gerade bedeutend genug, um mich aufs empfindlichste zu treffen! Nur Dem besonnenen 'Eingreifen Fricdwalds verdanke ich cs, daß nicht alles) verloren ging. Dazu haben das neue Weingesetz uitfc die beständigen Mißernten eine Lage geschaffen, , daß auf einen Verdienst aus Dem Wein handel absolut nicht zu rechnen ist. Wir arbeiten feit Jahren faktisch mit Verlust! Trotzdem aber muß das Lager in bey Hoffnung auf bessere Zeiten immer wieder ergänzt «werden und das kostet Geld und zwar mehr Geld, aljs ich flüssig machen kann! Ja, hätte ich mich nicht aon Direktor Sagen dazu verleiten lassen, den großen Ppsten Silber» afften zu zeichnen, die in den letzten Wockfln um mehr als fünfzig Prozent gefallen sind, bang könnte ich aller Schwierigkeiten Herr werten — so, aber — es ist rein zum Verzweifeln, rein zmn Betyrocifeln!"
Man kannte Den gelassenen Herrn Albrecht Hohenfels nicht mehr. Wie außer sich rannte er in dem Zimmer auf und ab, habet heftig geMkulierend und unverständliche Worte murmelnd, bis C-r endlich mit einem Blick auf seine ihn betreten ansehende Frau mühsam seine Faflung wieder erzwang und in ruhigerem Ton fortfuhr: „Du begreifst also, daß weder von der Anschaffung eines Autos, noch oegt ter Derheira- tuncr unserer Sohnes mit einem vermögenslosen Mäd-
Die Jagd nach dem GMcke.
2^ Erzählung von Fritz Ritzel.
„Aber Albrecht — Du mußt doch ebenfalls bemerkt !*$r Max in ter letzten Zeit tim Corona S? Dr°l » ®cit bem Künstlerfest ist er doch ihr er.
lhnJ’bC Cr' ber Mutige Besuch der Damen "'chis als eine Aufmunterung zur liiafidL n8' ^ie $aronin ließ sogar einige diesbe- Eun3“«beutlge Bemerkungen fallen. Ist diese 2fCl'S Können wir uns eine pas-
e? eine?Snrnfe °d)tec benfen' roie Corona von Ol- sen, einen Sproß aU5 altateligstem Geschlecht?" b Tr Hohenfels stehen geblie
ben und ftreate abwehrend die Rechte aus
„Daran ist nicht zu denken,, Franziska _ unter un- Verhältnissen unter keinen Umstanden Nachdem Emil.e ben Millionärssohn Kurt ^irnh°ber ausgeschlagen hat und allem Anscheine nach m -ochster Zeit nicht zu einer passenden Heirat zu be- wegen ist, liegt im,ere einzige Rettung in der Zukunft unseres Sohnes! Em armes Mädchen kann und darf ” U"b bi° Olsens sinh arm r,rb^m!...2),efen $ " mu6t Du ein für alle Mal fallen lassen!
Auch ^au Hohenfels mar aufgeftanben unb maß uchwch erschreckt den Sprechenden mit einem ängstlichen
„Unter unseren gegenwärtigen Verhältnissen? Unsere Rettung, sagst Du, Albrecht? Ja, toas verstehst ®u denn darunter?"
"Nichts mehr unb nichts weniger, als daß mir durchaus nicht die reichen Leute sind. Die wir scheinen! Ich Hubs Dir seither van diesen Dingen geschwiegen, um Dich nicht Au beunruhigen unb well ich hoffte, glücklich über ben Berg zu kommen; da ich aber sehe, daß Du trotz meines Abwehrens Dich fortwährend mit Plänen trügst, als ständen mir ungezählte Millionen zu Gebote so &in ick> gezwungen, Dich mit den Kalamitäten,
Justizminister Dr. Am Zehnhoff als Juftizminister, den Staatsminister a. D. Severing als Minister des Innern, den Oberpräsidenten a. D. Dr. v. R i ch t e r als Finanzminister, den Mecklenburg-Schweriner Ministerpräsidenten a. D. Dr. Wendorff als Minister für Landwirtschatt, Domänen und Forsten, den Geschäfts» führet des Arbeitsnachweises Stering als Minister für Handel und Gewerbe, den _©tubienbireltor Dr. Boelitz als Minister für Wipenschaft, Kunst unb Volksbildung. Den Verbandssekretär Hirtsiefer beabsichtige ich zum Minister für Volkswohlfahrt zu ernennen. Seine Zustimmung habe ich noch nicht zu erlangen vermocht, da er sich im Ausland befindet. Den ausscheidenden Herren Ministern spreche ich den Dank aus für ihre dem Land geleisteten wertvollen Dienste. Der weitere sachliche Inhalt der Braun'schen Erklärung ist schon oben nutpeteilt und gekennzeichnet worden. Die Braun'schen Ausführungen fanden lebhaften Beifall bei der Mehrheit, während die Kommunisten lärmten. Dann sprach
Abg. Hauschild (Soz.): Die Erklärungen des Ministers finden oie Billigung meiner Fraktion. Mit den anderen sozialistischen Parteien zusammenzuarbeiten sind wir allerdings für den Augenblick nicht in der Lage. Vor allem wollen wir verhindern, teß Preußen sich zu einem zweiten Bayern entwickelt. (Lebh. Zustimmung bei den Soz.) Ferner wollen wir verhindern, daß Hergt und Genossen von Bauern auS die deutsche Republik in die Zange nehmen. (Erneute Zustimmung bet den Mehrheitssozialisten.) DaS neue Kabinett kann erfolgreiche Arbeit leisten, wenn jede Partei Verständnis für die politischen Notivendigkeiten der Zeit bekundet. Wir haben den festen Willen, parlamentarische Arbeit zu leisten. Des Volkes Wille bleibt der Leitstern für unser Handeln. (Beifall bei der Mehrheit.)
Abg. Herold (Ztr.): Wir haben vor allen Dingen gewünscht, die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Unruhe und Lärm bei den Kommunisten, Rufe-: Severing!) Zum Schutze der wirtschaftlichen Entwickelung bedürfen wir einer aktionsfLhi-en Regierung. Wir sind von jeher für eine große Koalition einge- treten und fiir dieses Ziel hat sich auch Minister S leger wald eingesetzt. Daß Stegcrwald nicht an die Spitze des neuen Kabinetts hat treten können, bedauern wir auf bal Lebhafteste. Die Koalition war aber nur dann zu erreichen, wenn wir von der Person des Herrn Stegertoaib Abstcmb nahmen. (Hört, hört! rechts.) Die Zusammensetzung des Ministeriums entspricht zwar nicht ganz unseren Wünschen, aber iw Interesse der Koalition haben wir Opfer gebracht in der Hoffnung, daß die Koalition erfolgreich zum Wohle des Vaterlandes arbeite. (Beifall im Zentrum.)
Abg.p. Ktaufe (D. Vp.) Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit ist die Arbeit an sich selbst. Das gilt auch für diejenigen, die den Mund noch so weit aufreißen. (Heiterkeit.) Wem tes Wohl des Vaterlandes über alles geht, der muß für die verbreiterte Koalition eintreten. DaS ist VaierlandSpflicht. Die Bildung einer extremen Rechts» oder Linksregierung würde nicht im Interesse unseres Vaterlandes liegen. (Lebhafte Zu» stimmung bei der Deutschen Volkspartei.) Ein festes Programm hat die Regierung allerdings nicht. Ein derartiges Programm läßt sich jedoch auch für den Augenblick nicht auffierten. Die Richtlinien des Kabi- iiettS stärken in uns das Zutrauen, daß eS erfolgreiche Arbeit leisten wird. Der Gedanke einer Einheitsfront sollte dazu führen, daß die Parteien in ihrer Agitation sich gewisse Beschränkung auferlegen. (@tn»ute Zustimmung bei der Deutschen Volkspartei.) ES ist eine Pflicht des Mannes zu gedenken, der sich für_bic große Koalition eingesetzt hat, des Minister» prägten tert Stegerwald. Die Arbeiten deS Ministeriums wollen wir abwarten in der Hoffnung, daß die Ziele der Mehrheit verwirklicht werben.
•Ibg. Dr. Meyer-Ostpreußen (Komm.): DaS Programm des neuen Kabinetts mutz allerdings die Zustimmung^ aller kapitalistischen Parteien haben. Datz Oberschlesien seine Blüte nur der deutschen Arbeit verdankt, ist eine Unwahrheit (Erregung rechts.) Das Zentrum 1 volle eine kräftige Regierung. Ja, eine Regierung kräftig gegen die Arbeiter. Der Versuch der Mehrheitssozialisten, mit der StinneSpartei zusammen» zugeben, mutz scheitern.
Darauf wird die Aussprache abgebrochen. Die neue Vesoldungsvorlage für unmittelbare Staatsbeamte, Lehrer, Handels sch ul- und Gewerbelehrer wird ohne Aussprache an ben Beamtenausschutz überwiesen-
Ein Entwurf durch Den staatliche Mittel für die Stromerzeugung im oberen Quellgebiet
chen die Rede sein kann! Vorläufig muß ich alles zusammenhalten und zusammenraffen, Damit ich eine Katastrophe verhüte! Wer hätte ater auch gedacht, daß die Ergiebigkeit Der Silbergruben fo rasch vachläßt? Da hallen Diejenigen, die cor optimistischen Erwartungen gewarnt haben. Doch recht — Die Gruben sind schon vor Jahrhunderten vollständig ausgebeutet Worten und die Aktien find so gut wie wertlos! Kein Mensch kaust sie mehr! Ich muß nur ben Conto-Eorent-Auszug einmal durchsetzen, mit dem Herr Friedwald beschäftigt ist — vielleicht ist es möglich, einige Ausstände beizutreiben, damit vorläufig wenigstens für das dringendste gesorgt werden kann!"
Damit entfernte sich Herr Hohenfels eilig und ließ seine Frau in einem schwer zu beschreibenden Gemütszustände zurück. Ms hätte sich ein Abgrund vor ihr geöffnet, so hatte die Mitteilung ihres Gatten auf sie gewirkt. Daher seine beständig gereizte Stimmung, sein abwehrendes Verhalten gegen alle ihre Wünsche, wenn die Erfüllung derselben mit Ausgaben verknüpft war! Und sie selbst hatte, getäuscht durch die glänzen- Den Prospekte, ihren Mann damals dazu Überredet, sich mit einer, für ihre Verhältnisse ungeheuren Summe an dem neuen Unternehmen zu beteiligen, das die Aus. beutung der alten Silbergruben bezweckte! Ging das Geld verloren, — wirklich ganz verloren, wie ihr Gatte fürchtete, bann stank» ihnen allerdings eine Katastrophe bevor, an die sie nicht denken durfte, ohne daß eine unheimliche Angst ihr das Herz zusammenpreßte.
Aber noch einer anderen gab die Mitteilung tes Herrn des Hauses zu denken. Unbemerft von ben Ellern war Emilie schon während des Gesprächs in bas Nebenzimmer getreten unb war fo, ohne daß sie es wollte, Zeugin des letzten Teiles der Unterrebung gewefen. Was sie da vernahm, ließ sie Die außergewöhnliche Entschiedenheit, mit welcher ter Vater da. mals ihrem Glücke gewehrt hatte, begreifen. Es mußte wirklich schlimm mit ben Vermögensverhältnissen des Hauses stehen, sonst hätte sich der Vater nicht in einer solchen, noch nie an ihm beobachteten Aufregung befunden, hätte nicht so unumwunden der Mutter die
ber Weser angefordert werten, geht ebenfalls an Der Ausschuß.
Nächste Sitzung Freitagen Uhr. Fortsetzung der Regierungs-Erklärung des Ministerpräfidenten.
Prejsestimmen zu dem Programm der großen Koalition.
Die „Deutsche Allg. Zig." schreibt: Der Weg, Den Preußen jetzt beschritten hot, zeigt einen festen Willen zur Zusammenarbeit. Er birgt eine gewisse Sicherheit in sich, teß wenigstens ernste Versuche gemocht werden, gemeinsam auf das große Ziel tzinzukämpsen, bas auch Herrn Braun als dos des Kabinetts hmstellte: Das Wohl tes Volksganzen.
Die „Germania" sagt, es handele sich bei ter großen KoaKtion um eine Arbeitsgemeinschaft, die die Sicherung ter elementaren Staatsgrundlagen bezwecke, imfex Volk vor dem Zusammenbruch zu bewahren, wie Herr Braun sich nicht unrichtig ausDrüdte.
Das „Berl. Taget»!." nennt die Regierumgserklä- rung ein Kompromiß ohne Inhalt, dos sich ängsllich hütet, auch nur dos geringste zu versprechen und alles von dex praktischen Entwicklimg der Dinge erwartet.
Der „Vorwärts" schreibt: Mr die soziaDemokro». tische Partei kann nur die Frage bestehen, ob ihr dos, was bas Programm verspricht, für den Augenblick genügen kann. Festzuhallen wird sein, daß bas neue Regierungsprogramm em Mmdestprogramm ist und daß die Zirsllmnnmq zu ihm eine moralische Bindung in sich ein- schließt. Wird es verwirklicht, so ist fürs erste allerlei getan, was für die Zukunft nützlich ist. Stößt die Ber« wrrkfichung auf Hindernisse, barm wird man gegen die Väter jener. Hindernisse die allerschwersten Vorwürfe er«, heben Dürfen, denn sie werden es dann fein. Die ihre» Worten untreu geworden sind.
Die „Freiheit" prophezeit, daß diese Regierung, möge sie noch so sehr guten Willens sein, an ter Unnatur» licksteit ihrer Paarung zugrunde gehen werde und bezeichnet es als Ausgabe der Ärbeiierklasie, außerhalb des Parlaments die großen Kämpfe ausz-usechlen, die ihr nicht erspart werden durch Bündnisse mit kapitalistische» Parteien. ________________________
Deutscher Reichstag.
Deutsche werke — Sesoldungrvorlage«.
Nach der Erklärung ter Regierung, daß sie einige auf der Tagesordnung stehende Interpellationen in der ordnungsgemäßen Frist beantworten werde, wird die sozialdemokratische Interpellation über d i e D e u t s ch e n Werke besprochen. Diese wird Bcgrünbet von bem Abgeordneten hoch (Soz.). Er wendet sich mit Entschie denheit gegen die Forderungen der Entente, datz alle diese großen Werke. Die 36000 Personen beschäftigen, vernichtet werden sollen. Dagegen sollte eine Einheitsfront von allen Parteien gebildet werden. Redner be» zeichnet Die Entente als machtwahnsinnig.
Reichsschatzminister Bauer wendet sich ebenfalls mit schärfen Morten gegdn die Zerstörungswut der Entente „Wir können uns die Angst der Gegner gar nicht vorstellen", sagt Der Minister ganz richtig. An Maschinen seien bisher 5500 Tonnen im Werte von 8 250000 GolD- rriark zerstört worden, an Gebäuden etwa 21/» Millionen Goldrnark. Die Entente sollte doch bei dem allgemeinen wirischattlichen Tiefstand nicht mit Gewalt Werte vernichten, Die zu irgend welchen Bedrohungen der Feinde nicht dienen können. Diese Maßnahmen find unver». nünftig und stellen Tausende von Arbeitern vor das Nichts. Der Minister hofft jedoch immer noch, datz Die Botschafterkonferenz diese Anordnungen der Soi»’ trollkommission aufheben werde.
Der Abg. Arflng (Ztr.) vergleicht diese Zerstörungs rout der Franzosen mit Der Zerstörung des Heidelberger Schlosses. Unverständliche'- Sadismus wolle alles gerade wieder Aufgebaute zerstören.
Abg. Hartwig (Dntl.) stellt sich auf bei Boden der Interpellation. Die Schuld an diesen Zuständen tragen aber die Sozialdemokraten, die die Umwälzung herbeigeführt haben. Die deutsche Arbeiterschaft muß sich politisch mehr und mehr dem deutschnationalen ®e» danken zuwenden.
Abg. 2rüningh-ms (D. Vp.): Die ersten rein sachlichen Ausführungen tes Abg. Hoch können auch von uns unterschrieben werten. Wir hoffen, daß die R e - p a rati on s t o m mif f |d n, Die morgen HS er ein«
ganze Sachlage dargelegt. Deshalb auch hatte er damals eine fo eigentümliche Verstörtheil gezeigt, als sie den Antrag tes jungen Firnhaber zurückgewiesen, deshalb verweigerte er fo entschieden seine Einwilligung zur Berlobgng ihres Bruders mit Der hochgeborenen, aber vermögenslosen Corona von Olsen — von einer reichen Heirat, die fie ober Max schließen sollte, erhoffte er Rettung vor ber drohenden Katastrophe! Vermochte sie diese Rettung zu bringen? Ein Wort von ihr hätte genügt — das wußte sie — um den abgewiesenen reichen Freier wieder zu ihr zurückzuführen — aber konnte sie Dieses Wort sprechen unb damit jeder Hoffnung auf eine beglückende Zukunft an Der Seite tes geliebten Mannes entsagen? Nein — sie konnte es nicht! Alles wehrte sich in ihr dagegen, ein solches Opfer zu brin. gen. Emilie Hohenfels war eine Der ideal veranlagten Naturen, die den Wert Des Daseins nicht in äußeren glänzenden Verhältnissen, sondern in ber Zufriedenheit des Herzens erblicken. Das moderne Streben nach oben, diese wilde Jagd nach Dem Glücke, widerte sie an; weil sie nach ihrer sesten Ueberzeugung die edelsten Triebe in der Menschenseele erftidte unb dagegen nu» unreine Leidenschaften, wie Habsucht, Ehrgäiz, Neid auf andere unb schrankenlosen Eigennutz emporwuchern ließ. Der klare Geist tes Mädchens ließ sich von bet allgemein geltenden Anschauung, daß die Grundlage des irdischen Wohlbefindens der Besitz sei, absolut nicht' irre machen vielmehr nahm er als unerschütterlich feststehende Tatsache an, daß nur ein Ausleben in Verhältnissen, die mit dem eigenen innersten Wesen harmonierten, Menschenglück bedeute, auch wenn äußerliche Mühe und Sorgen damit verbunden waren.
Bon dem Turme der nahen Marienkirche schlug es neun Uhr. Die Mutter hatte längst das Wohnzimmer verlassen, um sich wahrscheinlich in ihre Gemächer zu« rückzuziehen — die Auflegung über die Mitteilungen des Satten mochte ihr wieder Migräne verursacht he ben. Immer noch saß Emilie an einem der nach den» Hofe zu gehenden Fenster des dunkel gewordenen benramns unb grübelte über bas Gehörte nach.
(Fortsetzung folgt.)