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Nr. 259

Donnerstag, 1V. Nov. 1921

48. Zahrg.

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Reparatlonsprableme

Bezugspreis: MonaNich 5.0J Mr. zugestell! frei ins Haus- u Abaehoii in der Gefchästsst.lle 4 60 Mk.

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Rekiamezriie (T«ubieife> nach Colone maß 3 tliarf.

Die deutsch-polnischen Verhandlungen.

Einer Korrespondenz zufolge fand zur Vorde- reitung der deutsch.polnischen Verhandlungen über Oderlchlesien gestern im Auswärtioen Amt unter dem Vorsitz deS Ministerialdirektors v. Stock- Hammer eine Sitzung des Unteraus chuffeS für das Zollwesen statt. Der Sitzung wohnten auch der deutsche Bevollmächtigte Reichsminisier a. D Schiffer sowie sein Stellvertreter, der Staatssekretär Dr. Lewald, bei. Es wurden sowohl die Zollsragen, als auch die Frage der Ein- und Ausfuhr im Zu- sammenhang mit den Bestimmungen des Genfer Dlklats einer genauen sachlichen Prüfung unterzogen.

Vas veichsbesoldungsgefetz.

Die neuen Reichsbeamten-Defol- dungsgefetze sind dem Reichstag zugegangen. Die preußische Vorlage wird dem Landtag heute vorgelegt werden. Der Gesamtverband deut­scher Beamten- und Staatsangestellten-Gewerkschaf- ten hat an den Reichstag die Bitte gerichtet, die getroffenen Vereinbarungen über die Deamten- gehälter trotz ihrer Mängel unverändert an­zunehmen, damit die Nachzahlung der Beträge sofort erfolgen kann. Es wird gleichzeitig dem Reichstag die Bitte vorgelegt, er möge an die Reichsregierung das Ersuchen richten, wegen der fortschreitenden großen Teuerung alsbald in eine neue Prüfung der Beamtenbezüge einzutreten und dem Reichstag in Kürze eine Vorlage hierüber zugehen zu, lassen.

Für die Arbeiter ist eine entsprechende Neugestaltung der Bezüge gleichzeitig durchzu» führen.

Ernte öes Todes.

Fürst zu Löwenstein Rat Wacker f-

Zwei hervorragende Persönlichkeiten des katholischen Deutschland, die ober beide sich seit Jahren infolge des Atters non dem Schauplatz der Oeffenillchkeit zurückgezogen Hatton, sind kurz hmtereimmdcr itn Herrn entschlafe».

Deutscher Reich.

* Berti«, 10. Nov. Der päpstliche Nuntius Monsignore Pacelli ist von München in Berlin eingetroffen.

* Unkerhallszuschüffe für Referendare. Der prangt Iustizmiiftster hatte im Landtag erklärt, daß die fih den eigenen Bedarf der Justizverwaltung nötigen Re­ferendare sowie auch die übrigen Referendare, diefür den Staatsdienst geeignet und bereit sind", bei Bewil­ligungen von llnterhallszuschüffen berücksichtigt werden sollen. Jetzt fragt die sozialdemokratische Fraktion an Ist das Staatsmmisirrium bereit, sich darüber zu er­klären, nach welchen Grundsätzen der Eignung der in den Vorbereitungsdienst eingetretenen Refevmbare zum Staatsdienst festgestellt werden soll und in welchen Formn die Abgak: einer Erklärung zur Bereitschaft für den Staatsdienst verlangt werden wird?"

'Eine kleine kommunistische Anfrage. Don kom- mumstts^r Seite ist tm Reichstag eine kleine Anfrage eingebracht worden, in der die Reichsrvgierung ge» tragt wird, ob sie gewillt ist, die F r e i I a f f u n g b e r bet!>enjpanif(f)en Syndikalisten anzu-

dem Verdacht des Mordes an dem chanffchen Muusterpräsiüenten D a t o von der Berliner Polizei verhafte, worden sind.

' Die Rcvolulionsseier in Berlin. Der dritte Iah- wstag ds Revolution, der gestrige 9. November, ist in j -,ru^9 verlaufen. Die Arbeiter verließen nachnnttags die Bftriebe und begaben sich in geschlosse- 11611 vügen nach den verschiedenen Brrsamirbungsplätzen, wo Ansprachen gehalten wurden. Die Zahl der De- monstrawen wird auf höchstens 70 000 geschätzt. Abends Een in etwa 20 Lokalen Festoersammlungen stickt.

Sunzen Reiche ist ter Tag, sowett die bisher vor- >«ffenden Meldungen erkennen lassem, ruhig und rchn» Störung verlausen.

* Für die hessische Landtagswahl, die Ende d,e,es Monats stattfindet, find 9 Wohlvorschläge ««gegangen. 1. Sozialdemokratische Partei' Deutschnationale (Hessische» Dolksbartei: 3. Deutsch''

Leraniwonlich iür den ceüauionellen Teil: Dr. I. Kramer, = «ii die Anzeigen: I. Parze iiec-Futda. z Roiattonsdnicku. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda. emtprecbrr Nr. 9. 7»legr.-Adresse: F u Idaer Zeituna

Gegen Wucher und Zchledertum.

Ein Ersatz der bayerischen Regierung.

Das bayerische Gesamtministcrium hat einen Erlaß hmausgehen lassen, der daraus hinweist, daß durch das Reichsrtftrtz vom 18. Dez. 1920 die an sich schon hohen S.rafandrohimgen der PreistreibereiverordnLmg tetciu enb erschwert worden sind. Sache des Vollzugs ist es nun, diese schweren Strafoorschristen auch entsprechend anzuwenden. Beim Einschresten gegen PreistraiberÄ ,muB besonders die Frage, ob und inwieweit die Markt- log: zu berücksichtigen ist, gründlich geprüft werden. Die etaa.stutwaüe werden zu raschester Unter- Miesen, damit die Strafe der Tat in ffIßen ftntIL Ferner ist von tefen- berer Wichtigkeit, der strafbaren Zurückhaltung a 6 " nachMFehen, die Mückgehaltenen hrfhbZ I16 Beschlagnahme und

B^ra-cherumg dtzn Verbrauchern zuzuführen. Der Erlch weist werter auf die Leberrsmittelfäl- "L'^EEch die M i l ch f ä l s ch u n g e n hin und betragt die utermaßige Zunahme der Auf­käufer für Lebens- und Futtermittel seit Aushebuna ^r Zwm^swirtschaft, Mshalb auf eine VermirLrung der Zahl der Aufkäufer hmzuwirken ist. Es steht eine Entschließung der beteiligten Ministerien in Aussicht wonach Legitimationskarten und Wan- dergewerbescheinc nur bei unbedingter Zuver­lässigkeit der Geiuchsteller erteilt werden dürfen Der Anzeigenteil der Presse muß stätchlg über­wacht werden.

Die bayrische Staatsregierung hat im Reichsrat beantragt, die Verordnung gegen Preistreiberei vom 8 Mai 1918 den omändetten Verhältnissen entsprechend i anzupassen und die Kartelle sowie namentlich die I Bildung von Verbandspreisen einer wirksamen lieber« wachrmg zu unterziehen.

Ferner hat die bayerische Staatsregienmg im Rftchs- rat beantragt, durch das Verbot dos Aufkaufs von Ge­treide, Mchl und Kartoffeln ohne besonder Erlaubnis I den wilden Aufkauf zu unterbinden. Diese Anträge I wird die Regierung mit Nachdruck weiter verfolgen. I

steine startoffelausfuhr nach England.

Dieser Tage war mitceteilt worden, daß in einer I Vorstandssitzung der englischen Zentral-Landwirt- I schrrstskmmrer Lord Blesdisloe die Vermutung ausgesprochen habe, deutsche Kartoffeln wurden über Holland nach England verschoben. Das Reichsernäh- nmgsmtn: fier rum ist, wie es mitteilt, dieser Meldung I nachgegangen und hat zunächst von der bmtschen Bot­schaft in London die Bestätigung erhallen, daß Lord Bledisloe sich in di.-sem Sinn: geäußert hick. Die Richtigkeit der Bledtsloeschen Behaup­tung wird ober von der deutschen amtlichen Stelle energisch bestritten. I

Am Dienstoa abend starb tm stillen Kloster der Do- mmllaner zu Köln, 87 Jahre alt, Pater Raymun­dus O. Pr., der vor seinem Eintritt ins Kloster Fürst Karl zu Löwenstein hieß. Er war der Sohn des Erbprinzen Konstantin und desien Gemahlin Maria Ayres I ^?nr*ctte- geb. Prinzefston von Hohenlohe-Lanoenburp. Ms noch den stürmischen Ereionrffen des Jahres 1841 die Aschen Katholiken im Kampfe gegen staatliche Willkür I Ogranisationsn auszubauen begannen, waren es die I jährlichen Dersammkunaen der katholischen Vereine, die Mn Sammelpunkte der neuen Unternehmungen wurden I und sich allmählich zu jenen mächtigen Kundgebungen ka» I tholischen Lebens ausgestalteten, die als G e n e r a l v e r» I fammlungen der Katholiken Deutschlands st> große Bedeutung finden sollten Der junge Fürst von Löwenstein war dazu berufen, in der Entwicklung der I Kacholikenversammttmaen eine wichtige Rolle zu spielen I und ist mit der Geschichte dieser Versammlunaen ruhm- | voll vsrbnüpst. Er unterzeichnete arrch den Aufruf vom I Januar 1871, der zur Bi Dung der Reichstagsfraktion I des Zentrums führte, kurze Zeit vertrat er im Reichs-

,dsn Wahlkreis Tauberbischofshetm-Wortheim. In reger I Weist beteiligte sich Fürst von Löwenstein an den so­zialen Bestrebungen der deutschen Katho- I > > ken. Auf dem Katholikentape 1869 in Düsseldorf, die I ihn zu ihrem Präsidenten gewShtt hotte, wurde die Grün- einer eigenen foitafat Sektion beschlosien. Im Jahre I 1883 lud er eine Reche hervorragender Sozialpolitiker zu einer Konferenz auf Schloß ftasd in Böhmen em, wo die bekannten Haider Beschlüsse m der Arbiter- imd Hand- wsrkerfrage gefaßt wurden. Als Kommiffar der deutschen Katholiken ve-anstattete er mehrere Pilgerzüae nach i Rom .er ließ keine Papstfeter vorübergehen, ohne per­sönlich mch öfters mit feiner Famsti e dem Heiligen Vater ferne Huldigungen zu Füßen zu legen. An der Herstelluna emer deutschen Kavelle in Loretto betestiate er N Weist- Eine St-stung des Fürsten

er ^3?ofter ®,!bingen 'M Rbeinaau. ferner d-e Klosterschule non Kleinheubach und Haid in Böhmen Be- widene Erwähmma vefttiert auch dch Beteiliguno des Für- ststen an der AntiduelkbeweounL 5tm 3ahre 1907 tret der dreiunidsiebzigfShrige Fürst als Novizein 4^..^°^7 ,fa rerH°Jter Denlo ein. »m LW s 7 n dort als Frater Ranmrmdus

°us den Handm des Droviazials der putschen Do- weiße Gewand der Predigerbrüder: im lol- -nu 6re rÄ2L aw ®ro"ä> einer besonderen pacht- io» Orden so elükche ab und am 8. Dezember

Pnesterweihe. In der oon.z-n katho-

Dett-mochte dieser Abschluß der arbeitsreichen TS. m TL frommen Fürsten tiefen Eindruck: durch das Dormw der Entfeoung und SelbstMerwindung wirkte er r IErn Klosterzelle weiter fort für die große ka. cho.ilche Sache, der sein ganzes L-»ben oehört hatte. Sein Lckm. dos m ainem abgerundeten Bilde den Geist des Chmtentums wiederioieaette. bStibt ein leuchtendes Beispiel .

Hus dem besetzten Gebiet.

* Ausweisung deutscher katholischer Geistlicher aus Eupen-Naimedy? LautEupener Nachrichten" herrscht unter der katholischen Emwcchmorschaft Eupens große Er­regung über die Berordmmg, daß bie nach August 1914 nach hier gekommenen Geistt'chen nur noch bis Ende dieses Monats in Eapen-Malmedy bleiben dürfen. Eine Ein gäbe an dwi Bischof von Lüttich, dem die kirchliche Ver­waltung des Bezirks untersteht, »st noch nicht beantwort worden.

* Die gefährlichen Theatersäbel Schauspieler vo Stadltheater in Hanau wollten m Wiesbaden ein Gast­spiels mit dem SchauspielSie Zarin" geben. Das Gepäck mit den Kostümen wurde auf der Fahrt borty m Höchst bei der Revision durch die Franzosen beschlag, nahmt und einbehalten, da sich in ihm auch Säbel für bie ruffifiben Uniformen befanden; dieEin fuhr von Waffen" ins besetzte Gebiet ist sa bekanntlich verboten! Das PMikum im Wiesbadener Restdenzcheater das eine Stunde vergMich aus den-Begmm der Doistelluirg gewartet hatte, wurde noch Bekanntgabe des Falles durch die Direktion wieder heimgosth'ckt.

In Hollatck» seien noch etwa 150- bis 200 000 Ton­nen inländischer Kartoffeln für den Export verfügbar, so daß eine Heranziehung deutscher Kartoffeln zur Aus­fuhr nach England von vornherein unwahrscheinlich sei. Nach den übereinstimmenden Meldungen der Zoll­stellen, Güterabfertigungsstellen und Grenzüter- wachutrgsstellen soll eine Ausfuhr deutscher Kartoffeln nach Holland abgesehen von kleinen Mengen, die im Grenzverkehr verschoben wur­den nicht ftotigefunöen haben. Auch tm besetzten Rh-oirckand soll im Einvernehmen und mit Unterstützung der Imeralliterten Rhernlandkammission die Kar- tofselaussuhr völlig unterbunden sein.

Ein hohes Lob der Zmlrumspartei.

Adam Röder zur Badischen Laudkagswahl.

In seiner Süddeutschen Konservati­ven Korrespondenz schreibt der Heraus­geber, Adam Röder, in einer Betrachtung über die Landtagswahlen in Baden folgendes:

Der konservativste Fottoe der Wohlbowegung blieb dos Zentrum . . . Der Landbund hat ihm wohl da emd dort einige tausend Stimmen übgeknöpft, die ober an­gesichts des Totalergebuisies nicht in Betracht kommen. Aber Versuche von deutsch-nationaler Seite; dem Zentrum Abbruch zu tun, müsstm als gescheitert angcfchen worden. Die Zentrumswählerschaft ist bei der Stange geblieben; sie ist weder dem nationali­stischen, noch dem ontifemitischen Hokus­pokus zum Opfer gefallen. Und das muß im Sinn« einer gesunden Rechtscntwicklung ledhast begrüßt werden. Nur die ewig Blinden werden nicht einfehen, daß Chau­vinismus, Hakenkreuzlerei und Antisemi­tismus niemals Elemente einer bauenden Rechtspolrtik fein können, weil sie im religiös« ethischen nicht konservativ funbomentiert sind. Die Zeit für diese Erkenntnis ist noch nicht da. Noch immer liegt die oftelbisch-mi!itanifrische Denkart wie ein Bleigewicht auf den konservativen Gehirnen und verwehrt den freien Ausblick in eine Zukunft, in der nicht der Säbel, sondern die christliche W i i l e n s r i ch t u n g herrschen soll. Auch diese Zeit wird kommen, wenn es dem Zentrum gelingt, sich als einheitliche geschlossene Par­tei zu erhalten, die in allen kulturpolitischen, in allen Fragen der Sitte, des Lebensstils, der Kirche und Schule, der Familie, der Kunst den christlich-konservativen Stanidpuntt hochhätt bei gleichzeitiger rückhaltloser Täti- gung eines wahrhaft freiheitlichen demokratisch im gu« ten Sinn, sozialen und ontikapitaüstischen Geistes, der das Volk aus der Front des Ueberkopitalismus und Ueber- iirdustrialismus befreit und versucht, aus ihm ein Volk von Eigentümern freies Volk auf freiem Grunde zu ma- chen, das sich nicht von derEntwicklung" beherrfchM läßt, fondom die Entwicklung zu leiten versteht.

Unter diesem Gesichtspunkt ist mir der badische Wahl- aussall besonders bedeutungsvoll, weil er eine große Partei auf dem Wege zur inneren Festigung eines fortschrittlichen und zukunftsmäßi­gen christlichen Konservatismus angetroffen hat.

Diese Ausführungen eines wahrhaft konserva­tiven Mannes sollten namentlich den rechtsge­richteten Katholiken zu denken geben.

für die lebende Generation sowohl als für kommende Geschlechter.

Mittwoch nachmsttag starb, 76 Jahre alt, in Freiburg, Geistlicher Rat Wacker, derLöwe von Zährin» gen. Mit ihm ist der bedeutende Zentrmnsführer der Dorkriegszelt dahingegangen, der in Wort und Schrift lange Jahre wie selten einer für die Ideale des Zen­trums und damit gleichzeitig für die Freiheit der kath. Kirche gekämpft hat. Er hatte sich in den letzten Jahren infolge des Alters zurückgezogen. Sein Tod ruft jetzt noch einmal dos Gedächtnis an die Stiftungen dieser kraftvollen, zielbewussten Persönlichkeit wach. Richt nur das Zentrum hat die hervorragende Tätigkeit Wackers an­erkannt. DieFrankfurter Zeitung, das füh­rende demokratische Organ, schreibt heute in feinem Nachruf auf Wacker u. a. folgendes:

Wacker war nicht einer der Parteiführer, die kommen und gehen, er, derLöwe von Zähringen", wie er hieß, war der Schöpfer und während langer Jahrzehnte der fest souveräne Leiter des badischen Zentrums, dos er jur Nachfolgerin der National liberalen als stärkste Partei gemacht hat. Er empfing seinen inneren Antrieb als Kooperator in Konstanz, das damals eine Haupt- feste des Liberalismus war. Dort erkannte der gläubige Katholik die Macht und die Schwächen des Gegners. Starke Gaben stellten sich in den Dienst feines Willens: fein Rie- senflsih bezwang die schwierigsten Materien, feine volks­tümliche Beredsamkeit riß unzählige Derfammlungen hin, feine von unerbittlicher Logik geleitete Feder führte die Presse feiner Partei.

So hat in der Tat Wacker gegen Nationallibe- ta l e und Sozialdemokraten große Erfolge er­zielt und die heutige dominierende Stellung der Zentrums­partei in Baden ist sicher zum guten Teil dem setzt heftn- gegongenen großen Führer zu danken. Auch seiner wird überall da in Dankbarkeit> Treue gedacht roerben, wo katholische Herzen schlagen.

den, und als Zweck dieser Hebung konnte man die Klä­rung über die steuerpvlilffchen Grtmd-sätze und Richi- limen der ernzftnen Parteien betrachten.

Ist dieser Zweck erreicht worden? Wir können beim besten Willen nicht fegen, daß die zweitägigen Debatten uns etwas Neues offenbar: und überhaupt bte Aussichten der Sache verbessert hätten. Es besteht rwch immer die alte Gefahr, daß in der ersten Äsung richttH: Parte irr den gehalten werden, die mchr -Ms die öffentliche Meinung, als auf die Förderung der parliLrentarischcn Geschäfte berechnet sind. Die an« ertiurogte Opposition von nichts und von links schickt gern ihre kräftigsten SHmmsührer vor, um die C:u° mürfe in Grund und Boden zu kritisieren, und in den- jenstjrn Parteien, die zur Mitarbeit sich entschließe» wollen, regt sich dir Neigung, in letzter Stunde den Wühlern im Land« noch zu zeigen, daß man die alten Prinzipien und die b.jo.Tberen Interessen dcr Partei- gerchssen ketneswcgs vergessen hat, sondern tapfer ver­teidigen will, so lange und so weit es möglich ist. In dteser Hinsicht war die Rede des sozialdemokra­tische» Wortführers sehr bezeichnend. Der Dtann konnte sich in der Kritik gar nicht genug tun und vcr- S- dabei, daß seine eigene Partei bei der Ausstellung der Entwürfe milgearbeitet hatte mid bei der Verab­schiedung auch noch Mitarbeiten muß.

Früher ergab sich für die erste Lesung von Vor­lagen eine größere Bedeutung aus dem Umstande, daß die Entwürfe ausgingen von einem Ministerium, das außerhalb des lsferlamentrs stand. Da mußte sich zunächst zeigen, ob überhaupt in der Volksvertretung eine posijive Mehrheit zugunsten des Werkes vorhan­den wäre. Jetzt ist das Ministerium, das die Vor- lagmr entwirft, im Grunde ein Ausschuß des Parla- msnts, und die ganze Sache ist von vornherein auf die Mitarbeit der Koaiiti«msparteien eingerichtet. Die erste allgemeine Besprechung kann also kaum eine über­raschende Enthüllung bringen.

Daraus möchten wir ksineswegs folgern, daß die erste Lesung abgeschafft werden soll. Nein, es ist nur ju wünschen, daß die positiven Fraktionen diese Ge- legenheit nicht be,rutzsn zu einseitigen Parteioeden, son­dern sich kurz und Rar auf das Notwendige zur För­derung des Werkes beschränken.

Das Wiesbadener Abkommen.

Der Reparationsausschuh des Retchswirtfchafts- rates in Berlin beschäftigte sich mit b e m R a- ihenau-Loucheur-Abkommen. Rathe- rtau erläuterte und verteidigte bas Abkommen und erklärte, das Abkommen sei besonders gün­stig für b l e I n b u st r i e, ba es ihr Beschäf­tigung auf eine lange Frist gewährleiste.

Die Ablieferung deutscher Bienenzucht.

Die Zentral-Jmker-Genoffenschaft In Hannover hat in Ausführung des Friebensvertrags einen Transport von 23 000 Bienenvölkern nach Frankreich zusammengestellt unb abgefanbt. Ein weiterer Transport wirb im kommenben Früh­jahr folgen.

Gegen den Ausverkauf.

Nach bemBerl. Lokalanz. haben als Maß­nahme gegen den Ausverkauf bie großen Iu- welengefchäfte in Wiesbaden ihre Lü­ben geschlossen.

3M »er trten Muno »er ölemMW.

Die Geschäftsordnung der Volksvertretung schreibt von altersher drei Lesungen oder Beratungen von Ge­setzentwürfen vor.

Die erste soll eine allgemeine Besprechung der ganzen Ang legenheit bringm unb nicht In einen s a ch- iicheN Beschluß auslaufen, sondern nur in die Ent­scheidung, ob der Entwurf erst in einem Ausschuß vvr- beraten oder sofort im Plenum zue zuzeiten Beratung gestellt werden soll.

Diese zweite Beratung gilt ter Besprechung und Enffcheikmng über bie Einzelheiten des EntWir- fes. Es wirb der eine Paragraph nach dem anderen porgenommetr und zur Abstimmung Mbracht. Ein: Achtlmmung über das Ganze erfolgt aber noch nicht.

bem Fall, daß alle einzelnen Paragraphen des «mnnurfes in ter zweiten Lesung abgÄeynt sein sollten, 'ivache als gescheitert und abgetan.

EiÄgültigen Beschlüsse bringt erst die dritte ü «ine züsammMgefaßte WiLdÄholung

^itergÄfenden Beratungen. Sie bringt zunächst nochmals eine allgemeine Besprschuna, bann eine Erörterung und Beschlußfassung über die 9rMH^-i^TCTrh^PK-?n schließlich die entsch-Emtde bte ob der Entwurf in der feigen Fassung angettommm aber abgelehnt werten

Breies 26^0^»_ fiei)t etwas umstöMich aus; fiLnJ&JB ö ± Schutzmittel. gegea vor- c/®8 ? 23enn nun das ganze Bündel der

Steuergcfttfe mit den unjafeigen Paragraphen einer solch» dreifachen Durcharbeitung mKerwaar roerten

M- Für bi: Wähler ist es nebenbei nana aut wenn Se sich bewußt werden, daß bas Ehrenamt das sie ihren Vertretern übertragen heben keine Sinekuram ändern daß bie Abgeordneten tm schwriße ihres Auaesirtes arbeiten muffen im Weinberg des Baterlanb^6 I

Wenn es sich um ein umfangreiches Werk ber Gfe- fetzgeöung handelt, so wird die Beratung erbebfidi fr- ^chsert und vielleicht auch b.schleunigl, wenn man rur Borberatung mehrere Ausschüsie berirst, ttie sich Jn ^^Einzelprüfung bat verschiedenen Entwürfe 'ei- *:r Dei dem Bukett der Steuergcsetze war «ne Der- «^>fung der Sachen an mehrere Ausschüsfe von "^nherein selbstverständlich. Zur Klärung dieses Der-

hitlte man nicht eine erste Lesung abUchallen _ ®*e lrste Beratung mit ihren allgemeinen Eröne- Bau*yi mußte irellich doch vorschriftsmäßig ftattfin-

Ae SeMroüonsromniiliion in SM.

^ie Mitglieder ber Reparationskommifsion pnb gestern nachmittag in Berlineingetrof- Jen. lieber bie Absichten ber Kommission wissen die Blätter nur mitzuteilen, baß sie sich an Ort unb Stelle über bie Finanzlage Deutsch- I a n b s informieren will, lieber bie Einzelheiten ihres Programms ist auch an Berliner zuständiger Stelle nichts bekannt.

Wie derVorwärts" mitteilt wird heute das Reichskabinett über die Eindämmung der Markentwertung beraten, um Richtlinien für die kommende Besprechung mit der Reparationskom- Mission aufzustellen.

Die Beunruhigung -er Zranzofen.

In ber letzten Sitzung ber französischen Kammer fragte ber Abg. be Lasteyrie bie Regierung, welche Maßnahmen sie in anbetracht ber durch den Mark stürz in Deutschland hervorgerufe- nen Lage ins Auge fasse. Der Sturz der Mark sei nicht auf die Reparationen zurückzu­führen. Frankreich habe nicht nur nichts getan, um den Sturz herbeizuführen, es habe im Gegen­teil durch das Abkommen von Wiesbaden viel zur Erleichterung der geldlichen Lage Deutschlands bei- getrageiL Die Hauptursache des Marksturzes sei bie Unordnung der deutschen Finan­zen. Die deutschen Steuern feien noch basiert auf den deutschen Einkommen von 1918. Die in­direkten Steuern seien zu gering. Der Fran­zose zahle dreloderviermalmehr Steu­ern alsderDeutsche. Angesichts dieser Lage müsse die Garantiekommission funktionieren, um bie Kontrolle ber Steuereinnahmen und des gesam­ten Devisenhandels in Deutschland zu gewährleisten. Redner verlangt ferner zu wissen, wie bie Regie­rung bie Zahlungen Deutschlands sicherzustellen ge­denkt.

FuldaerZeitung

______ AmkNcher Anzeiger für den Kreis und die Lkadk Fulda.