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FuldaerZeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Lkadk Fulda.

Nr. 258

Mittwoch, 9. November 1921,

Verantwortlich für öen teoauionrUen Teil: Dr. I. Kramer, = . 'ül dir Anzeigen: I. Parze'ier-Fuioa. s

iRotattonsbrud u. Verlag der Huldaer Aciienüruckerei in Fulda ^erniptedier Nr. U. Tefear.-llbre'fe: Fu >daer Zeitung

Bejngsptei»: Monatlich 5.0J 2ÜL zuzesteüt frei ins Haus-

s Abaehou in der Gelchäfisst.lle 4.60 Mk. > A Q T-V- «nzergen : Kirinzeiie nach ck o -n , >maß 1 Mark; >ö» jufjlg« Reklame, ei>r (Ievfne'te> noch Colone maß 3 tttor'.

Der Untergang als Ausweg?

yelfferlch als llnglucksprophet.

Die fünf wichtigsten Punkte enthalten folgende Forderungen: die Abschaffung der Repa- ratlonskommission, die Revision der Verträge, die Aufrechterhaltung aller Entwaffnungsverpflichtungen für Deutschland und die besiegten Länder und m i- litärische Garantien für Frankreich vonseitenEnglandsundJtaliens. Die Ausführung und Kontrolle der Entwaffnung sollen aber dem Völkerbünde anvertraut werden. Weiter an vierter Stelle: die Festsetzung der inter-

Wir haben neulich über einen Sanierungsplan «£cr europäischen Wirtschaft und Finanzen berichtet, den der amerikanische Finanzmann V a n d e r l l p p auf Grund der aus seinen Reisen in den europäischen Staaten gesammelten Erfah­rung ausgearbeitet hat. Dieser Plan sah vor allem die Errichtung und Organisation einer europäischen Bank vor mit den dazu gehö­renden Goldreserven. Nunmehr wird vom ehe- maligen italienischen Ministerpräsidenten Nitti a m Vorabend der Washingtoner Konfe­renz em Buch erscheinen, das den Titel:3 a s friedlose Europa" führt. In diesem Buch werden von Nitti grundlegende Borschläge formu­liert, die das Friedensprogramm fördern können.

Geg n das Börsenfieber.

Der Schlutzschriu kommt zu den Steuerakten. , Das Reichskabinett bat den dom Reich?. wirtschaftSminiüerium eingebrachten Gesetzentwurf über den Verkehr mit Dev isen, fremden G ldlorten und Banknoten seine Zustimmung erteil».

Das Gesetz bestimmt, daß der Handel mit Devisen usw. an die Banken gebunden sein soll. Allo nur durch die Bermitilung von Banken und Bankieie können in Zukunft Devisen und ähn» siche Geschäfte abgeschloffen werden. Die Banken sind verpflichtet, von jedem, der ein Devisen» oder ähnliches Geschäsk einoehen will, eine aenüaende

So seid Ihr Männer!" klagte die schöne Frau schmollend.Alles Unangenehme, was Euch im Ge. schäft vorkommt, müssen wir armen Frauen ausbaden!"

Äu übertreibst, Franziska!" meinte ihr Gatte zer­streut.Ich wüßte nicht, daß ich Dir jemals eine» berechtigten Wunsch verweigert hätte!"

Ist denn mein Wunsch etwa nicht berechtigt? Unt ich hatte mich so auf die erste Autofahrt gefreut! Bla­miert bin ich bei allen meinen Bekannten, denn ich habe schon mehrfach erwähnt, daß wir nur noch über das anzuschaffende Fabrikat im Zweifel seien!"

Mit einer unwilligen Gebärde erhob sich Herr Hohen­fels und wandte sich nach der Tür.

Da Du trotz meiner bündigen Erklärung, daß ich Deinen Wunsch nicht erfüllen kann, immer wieder be. harrlich aus den nämlichen Punkt zurückkornrnst, muß' ich aus dos Vergnügen Deiner ferneren Gesellschaft' verzichten! Guten Abend!"

Aber Albrecht warum denn so gereizt? Man kann doch ruhig einen Gegenstand besprechen fjne gleich in Harnisch zu geraten! Da fürchte ich m.ch' ja ordentlich. Dir meine Neuigkeit mitzuteilen"

-Deine berühmte Neuigkeit ist wohl auch nicht von sehr erfreul-cher Natur, sonst würde ich sie schon ge­hört haben!"

Von sehr erfreulicher Natur sogar! Denke Dir heute besuchte mich Daronin von Olsen mit ihrer. Tochter Corona"

Frau Hohenfels hielt inne, als erwarte sie von diese< Mitteilung eine besondere Wirkung aus ihren Gatten, der aber nur ein fragendesNun?" hören ließ und fuhr dann fort:Trotz meiner häufigen Ein­ladungen ist es das erste Mal, daß die Damen gekom­men sind! Cie geben uns gegenüber demnach ihren exklusiven Standpunkt auf! Kannst Du Dir den Grund dafür denken, Albrecht?"

Auz welchem Dir die Damen Olsen einen Besuch abgestattet haben? Da mutest Du meiner Kombiaa- iionsgabe au viel zu!"

(Fortsetzung foigtj

I schien. Unausgesetzt vor sich hinstarrend, nahm er me- I ch^fllfch von dem Tee und den Speisen, die ein sauberes I Mädchen sofort nach feinem Eintreten aufgetragen I hatte und beantwortete mehrere Fragen seiner F.au mit einer Zerstreutheit, daß Frau Franz'ska ärgerlich den Kopf schüttelte und in einem neben ihr liegenden Modefournal zu blättern begann.

Endlich brach sie das Schweigen und sagte:

Du scheinst heute wieder Aergernis in dem Ge­schäft gehabt zu Haden, Albrecht. weil Du Dich in ein so erhabenes Schweigen hüllst. Ist denn diese Lon. d-ner Geschichte immer noch nicht geregelt? Herr Fried- wald hat sich doch wahrhaftig lange genug Zeit dazu genommen, die Sache in Ordnung zu bringen! Ich habe zwar kein Derständnis in diesen Dingen, aber ich meine immer, dieser Herr mit feinem phlegmatischen Wesen fei doch einer so schwierigen Aufgabe nicht ge­wachsen oder hältst Du ihn für die geeignete Per­sönlichkeit dazu?"

|Wenn ich ihn nicht dafür hielte, dann hätte ich ihn nicht mit der Sache betraut!" antwortete Herr Hohen- fels kurz.

|Aber er hat doch nichts erreicht, wie es scheint so ist meine Annahme doch zutreffend, daß es ihm an 6er nötigen Umsicht und Energie fehlt!"

Liebe Franziska, Du hast vollkommen recht, wenn I Du gestehst, daß Du von berartigen Dingen kein Der- ! ständnis hast! Ich bin Herrn Friedwald für das, was , er im Interesse meiner Firma getan hat. sogar zum 1 größten Danke verpflichtet. Ohne seine Umsicht, fein rasches besonnenes Eingreifen wäre mein ganzes Gut­haben verloren gewesen! So aber hot er doch was

rede ich von Dingen, denen Du ja doch kein tieferes Interesse entgegenbringst nur kann ich nicht benr-i. ! fen, warum Du bei jeder Gelegenheit eine g:tvisse Dor. j eingenommenheit gegen meinen Buchhalter zeigst! Ich

wüßte doch nicht, daß Friedwald Dir im geringsten dazu Anlaß gegeben hätte!"

!Gott im Himmel, kann man etwas für feine Sym­pathien oder Antipathien? Uebrigens wüßte ich nicht, daß ich gegen Deinen Schatten, der sich wie rin steif-

: leinener Grande gebärdet, voreingenommen wäre! Der i Mensch ist mir tödlich gleichgültig!"

Deutscher Reichstag.

Korlsetzunq und Schluß der Sierrerdebatte.

Am Dienstag setzte der Reichstag seine Beratungen über das von der Regierung eingebrachte Steuerprogramm auch weiterhin fort.

Vorher mußte das Haus wiederum das eintönige Ge- fchäst der Erledigung von 23 kleinen Anfragen über sich orgchm lassen. Außerdem stand noch auf der Tagesord- nung die Interpellation der Unabhängigen überMona r« chrstische Treibereien", also die sog. Orgesch- Interpellation. Die Beantwortung wird in der geschäfts- orimungsmäßig festgesetzten Frist ftattfmdcm.

Nach dioser Einleitung ,d!e nicht viel Abgeordnete in Öen Sitzungssaal gezogen hatte, kann sich das Haus endlich dNn eigentlich zur DechMrdttmg stehenden Thema zu-

Die Rechtsv rWahrrmq gegen das Genfer Diktat.

Der Auswärtige Ausschuß des Reichs» rsiS behändeste die oberschlefische Frage. Im Verkauf der AuS prache gab der Reichskanzler Dr. W i»iik folgende Erklärung ab:

Aus dir Note der Deutschen Regieruna, in der sie gegen die Sntscheidung über Oberschlesien al» gegen fn? Ungerechtigkeit und eine Verletzung deS Friedene- Oertn-.-.e# Verwahrung einl-gt, hat die Dotschafterkon, serenz erwidert, da« sie den Protest der Deutschen Re. nierung a!S unbegründet, null und nichtig nnfebe; sie hat erklärt, von der Mitteilung nur die bedinaungSlo e und vorbehaltlose Erklärung der Deutschen Negierun, festhalten zu wollen, wonach sie sich allen Anordnun ien der Entscheidung dom 20. Oktober mit den sich daraus ergebenden Folgen fügen wrrd.

Ich möchte demgegenüber feststellen, daß durch die Antwort der Botschafterkonferenz die Tatsache der @inle,ung einer Recht4v erwah r un g nicht aus der Welt geschafft wird. Unsere Rechtsverwah. tuns wird nicht dadurch beseitigt, daß sie zurück eioiesen wird, sie bleibt vor der Geschichte für alle Zeit bestehen.

Die ttre-Itaktion.

Wie versautet, sollen die Derhandsunaen über die Kreditaktton der Industrie zwischen dem Reichskanzler und den Vertretern des ReichsverbondcS der deutschen Industrie am Mittwoch wieder aufgenommen werten. Da von feiten des ReichSverbandeS jene bekannte Resolution borliegt, so ist voraukzu ehen, daß die Besprechungen sich auf der Grundlage dieser Resolution bewegen werden.

Außerdem ist bekannt, daß die Reparations- kam Mission am Mittwoch abend in Berlin ein» treffen soll, daß man also unmittelbar vor Ver­handlungen mit ihr steht. Dieser Umstand und die erneut entsetzenden Verhandlungen lassen den Schluß nicht unmöglich erscheinen, daß hier ein Zusam­menhang besteht.

Damit lehnte sich die Dame wie gelangweilt in ihren Sessel zurück, begann ober gleich wieder:Appro- pos, Albrecht, wenn das Genie des Herrn Friedwald so befriedigende Resultate gezeitigt hat, wie Du sagst dann könntest Du der Angelegenheit wegen des Autos wohl näher treten? M.t Rücksicht auf die immer von Dir betonten Geschäftsverluste bin ich in letzter Seit nicht auf meinen Herzenswunsch zurückgekommen. Cciber Gottes ist es auch lange genug her, daß Du mir eine Freude gemacht hast!"

Herr Hohenfels maß die Sprecherin mit einem fragenden Blick und einen Augenblick erhellte ein sar­kastisches Lächeln feine düsteren Mienen. Dann sagte er:Ich weiß nicht, wie Du immer wieder auf diesen. Deinen sogenannten Herzenswunsch zurücklemmen kannst, nachdem ich Dir doch schon hundermal erllärt habe, daß ich für derartige kostspielige Extravaganzen gegenwärtig absolut kein Geld übng Habel"

Gott im Himmel kein Geld übrig habe! Das wiederhelst Du mir in letzter Z ii aber wirklich zum Ueberdruß, lieber Albrecht! Was andere sich le.sten, das können mir doch auch! Es dürfte doch endlich cn der Zeit sein, daß unsere vorsiniflutl che Karre mit den beiden Apfelschimmeln in einer Versenkung verschwinde! Du glaubst nicht wie überaus peinlich mir das Zu- rückstehen gegen andere ist! Ditte, Albrecht, weise die Sache nicht so kurz von der Hand zurück ich über- rasche Dich auch mit einer entzückenden Neuigkeit!"

Mit Dorgenoi-ttem Oberkörper lächelte sie schmek- chelnd zu dem Manne hinüber, der aber von dieser plötzlichen Liebenswürdigkeit gar keine Notiz nahm sondern nur zerstreut erwiderte:Eine Neuigkeit? Und das wäre?"

Erst mußt Du mir versprechen, daß Du Deinen ab- lehnenden Standpunkt aufgibst, Albrecht! Denke doch einmalso teuer stellt sich ja die ganze Sache gar lucht, wenn wir die Equipage verkaufen! Was sparst Du allein an Futterkosten für die Pferde!"

Bemühe Dich trcht, mir die Sache plausibel zu ma- i chcn! unterbrach Herr Hohenfels beft mmt dte S.-re- | chende.Jedes Wort darüber ist zuviel. Bei ber ge. j schästlichen Mrifts, welch« ich eben durchzumachen haoe, I stehl mit der Kops nach ganz anderen Dingen!" ' J

rn einiger Zeit hatte nun Emilie eine neue Ma. frfih ~ re studierte Harmonielehre und anstatt wie L h rtm "etmünstiges Stück zu spielen, klimperte sie « Ia9 Zum Davonlaufen auf ihrem vorzüg- 1 Ument herum. Und um bei diesen Studien ", bie Familienmitglieder oder Besucher gestört mit (BenebmU11 auf bie Troglodytenidee gekommen, «Ä ,m. hTUn9 bes Vaters, einen der bewohnbaren

Burg, in welchem sich ebmsails , lQrfen Tlnt,anl> sich als Musikz.mmer Herrichten nur f iten mur'T allerdings ungestört, denn

Sonmitaliehrr heft-ber 98ut96tr9 von einem der Fami- tmflh f8en bffin?nmr8tn unb st- sich in der felbst- hSuf i nermeS tL .,0? .r'$ 9ut 3 g-sallen, denn n rh/9hiirrh mfelikhnfir* P5t cbcni>9 droben, wenn sie mcht durch gesellschaftttche 0cnötigt mar- m Famtltenkretse anwesend zu fen

.^..diesen ^-danken mrsunlen, saß Frau Franziska Hohenfels in dem m.t gelegener Prockt ausaeftabeten Eßzimmer ihrer Wohnung und wartete auf ihren Gat. «en, der um diese Stunde, nach GAr.,e. x 9

stin Abendbrot, bestehend «n Zef un& Ottern Aut gtaitt einzunehm«, pflegte (EmUie marJJ ouf\cfr Vurg, wahrend Max angeblich bem 8hth-et-n ,in/r he. rühmten Sängerin im Hoftheater beiwohnen wollte fo war ihr, der Mutter, heute Gelegenheit geboten d n Gegenstand, der ihre ganze Gedankenwelt be'chn'twte 8'Jr Sprache zu bringen, ohne befürchten 3u müssen' durch die Dazwischenkunft ber Kinder gestört zu wer.' den. Pünktlich wie immer trat Herr Albrecht Hohen, fels ein und ließ sich nach kurzem Gruß an dem weiß, ^deckten Tische nieder, über welchen eine elektrische Flamme ihr durch ein milchweißes Glas gedämpfte, ^>cht ergoß. Wäre feine Frau nicht so mit dem Ge» banten beschäftigt gewesen, wie sie das in Worte kleiden * was ihr am Herzen lag, so hätte sie wohl den feisiam düsteren Zug in den Mienen des Mannez ge. ®a9ren müssen, der auf schwere Sorgen hinzudcuten

Je fdjtafjter bhe Zeiten sind, desto besser geht es der Opposi.ion. Sie lebt von dem einfachen Trugschluß, Loß die schlimmen Dinge von der Regierung verschuldet fetrn. Sie behauptet, sie habe immer schon gesagt, daß «s so kommen würde, aber bi? Regierung und ihre Mehrheit habe sich dieser Weisheit verschlossen. So hat Herr Hrlfftrich als Sprecher der Demschnationalen eine geschwollene Parteirede gehalten, die dm Reichskanzler und f?in Crfüllungsstreben in Grund und Boden ver­donnert und in ben Kassandraruf ausklingt:Wir müssen uns entschließen können, mit Ehren unterzugehen."

Wenn Helfferich keinen anderen Ausweg weiß, als dm Untergang Deutschlands, so können wir uns immerhin die Sach? noch in Ruhe überlegen. Denn gurn Unter gehen bleibt auf alle Fälle noch Zeit und Gelegenheit.

erklärt. Nein, sie Hai fortwährend mit vollster Dnülich. leit gesagt, Deutschland wolle alles tun, was in den Grenzen seiner Leistungsfähigkeit lirge. Aus die Erschöpfung der deutschen Leistung-sähigkeit war immer hingcwiesen worden. In dieser Hinsicht bedarf es einer nachträglichen Belastung durch Herrn Helfstrich wahrlich nicht.

Die Ha-uptsache ist, daß unsere gewissenhafte Re­gierungspolitik das Ausland zugänglich gemacht hm für die Erkenntnis, daß die deutsche Leistungsfähig, keit eine Grenze habe, unö daß man schließlich trm bedrängten Deutschland helfen müsse, um es am Leben zu erhalten.

alliierten Schulden und der von Deutschland und den besiegten Ländern geschuldeten Entschädigun­gen. Nitti stellt fest, daß während die Siegerländer ihre Schulden nicht amoritisieren und nicht einmal die Zinsen zahlen, man verlange, Deutschland möge am Vorabend des Ruins seines Kredits ungeheure Entschädigungen zah'en. Eine Lösung müsse ge­sucht werden. Zunächst möge man alle De­satzungstruppen zurückziehen. Diese kosteten mehr als 25 Milliarden Mark jährlich; in­folge der Entwertung der Mark könnten sie leicht das Doppelte kosten und alle Kräfte Deutschlands aufzehren. Man solle weiterhin auf alle kostspie­ligen und unnützen Kontrollmaßnahmen verzichten.

Unter diesen Voraussetzungen könne man dazu kommen, Deutschland mit einer Entschädigung zu belegen, die der Gegenwert von 60 Milliarden Franken oder Lir zu pari ist und in Goldmark unter bestimmten Bedingungen zu zahlen wären. 20, Milliarden sollte man als abgegolten betrachten infolge dessen, was Deutschland abgetreten hat. 20 Milliarden sollte Deutschland den Siegern in natura leisten und zwar nach den bereits festgesetz­ten Anteilen: besonders in Kohle. 20 Milliarden sollen von Deutschland nach Bezahlung der Schul­den der vorhin genannten Art als Anteil an der Rückzahlung übernommen werden, die den Ländern zu leisten ist, die den kriegführenden Staaten der Entente Kredite bewilligt haben: Vereinigte Staa­ten, Groß-Britanien und in beschränktem Maße Frankreich.

Nitti hält diese Vorschläge für die einzigen, die die Lage zu retten vermögen. Ein von allen Dan- den befreites Deutschland könne eine starke, aber vernünftige Entschädigung bezahlen. Schließlich fordert Nitti als fünfter Punkt die Wiederauf­nahme der Beziehungen zu Rußland.

Dagegen hat der gutwillig« Versuch der Erfüllimg ms wenigstens den Vorteil gebracht, daß wir augen­blicklich noch den Kopf üb:r die Sintflut halten formen unb noch eine gewisse Aussicht auf Ret- t u n g haben. Auch die letzte schwache Möglichkott einer Rötung muß jeder Menschenfreund begrüßen, tenn es handelt sich um Leben und Tod von sechzig Millionen.

Ob die Rettung gelingen wird, kann freilich (reute niemand mit Sicherheit sagen. Die Un^ückspropheten haben es bequemet; sie dürfen ruhig das schwätzi.ste an die Wand malm, denn wenn es nicht zutresfen sollte, so wird es ihnen angesichts der Glückswendung nicht übel genommen. Wer Besserung ankündigt, muß seiner Sach: sehr sicher fein; denn jeder Fehlschlag wirkt bitter enttäuschend und hetzt die Leute auf gegen den Mann, der mehr versprochen hat, wie er durchsetzen komite.

2n birfcr Hinsicht sind mm auch Dr. Wirch und feme Genossen vorsichtig gew:s:n. Es widerspricht ton Totlachen, wenn H lfferich behauptet, die Regierung habe das Ulttmatum und sein Zubehör für erfüllbar

wenden. In der Reihe ber ParteivStmer spricht als erster I der deutfch-volkspatteiliche Hbg. Dr. Decker, der ehemalige

hessische Mmmzmmister. Auch er beginnt ferne Rede mit einer Polemik gegen die Regierung, die aber insofern von der des Herm Holfserich abweicht, als der voAsparteiliche Redner mimechin den Versuch macht, die Dinge von sach­licher Seite zu sehen, wenn man von der Auseinander- fetpjng absieht, die er persönlich mit dem Staatsscll etär Hirsch hat. Der ehemalige hessische Finanzminister sieht bie erste Rettung in der Sparsamkeit. Ihrer rück- stck;tslosen Durchführung redet er das Wort. Er will nicht nur das Gefühl, sondern auch die zahlenmäßige Gewißheit erhalten, daß in der Verwaltung feine Mahnung zu äußer­ster Sparsamkeit auch wirklich in die Tat umgesetzt werd«. Ader wenn Herr Becker davon spricht, daß das Defiyt in den öffentlichen Betrieb en verschw-in-dem müsse, so hätte man ihm dankbar sein können, wenn er den Versuch ge» macht hätte, ein wirklich probates Mittel dafür anzugebe«. Diesen Versuch ist er leider schuldig geblieben. In kurzem Zwischenspiel setzt sich Herr Decker auch mit den Sozial­demokraten mree'mmÄer. Dor allem rügt er die Art und Weise des Mehrheitssoziakstm Braun, der s-eradezu an | die Grrente die Aufforderung gerichtet Hobe, in die Dn» naiwirtschast eimugreifen. Dieser Angriff bringt Herr»

Braun in Wallung. Mit dem Ruf:schamlose Berleum- dung" schnellt er emvor. Der Ordnungsruf des Präsiden­ten bringt ihn zur Desinmma. Schließsich wendet sich der Dolksparteiler tran Steunn selber zu. Mit bem Zerttmns- obgeordnsten Hrrold bitt er die voraesck>tage>ne Wertermitt­lung für landwirischMichen Grundbesitz für unannehm­bar. Er wünscht, daß der Ettragvwert zugrunde gelegt wird. Bei dem Dermögenssteueroesetz sollen die sozialen Rücksichten anders ausgobam werden. Bei der Körper« schaftotteuer ist die deutsche Dolkspcrrte! einer Erhöhung der Sätze an sich nicht entgegen, auch mit der Erhöhung der Umsatzsteuern will sie sich abfinden. Mit Bier und Tabak, so meint der Rckdner, würde noch mehr heraus* zuhol«i fein. ?m übrigen überläßt er das weitere Schicksal dar Vorlagen der Ausschußberi^lmg.

Den Dolksparteiler löst der Redner der Unabhänaigen Linken ab. Der Jfbg. Her; rechnet mit bem ehemaligen Finanrm'nister Hsffferich in scharfer Tonart ab. Die rück­sichtslose Belastung des Besitzes ist feine unb ferner Freunde Forderung. Die Arbeiter müßten verhindern, daß die Besitzer der Produktionsmittel nicht mehr bie Rttsenge- minne ae-s der Notlage ber konsumierenden Massen ziehen.

Anschließend nimmt der FmanzMinister Dr. Hermes (Mcarnbelt in kurzen Ausführuraen die Angriffe zurück« zuweisen, die man gegen ihn und sein ©teuerp^ooramm erhoben bat, vor all»m wendet er sich gegen den Vorwurf daß er Illusionspolitik treibe

Zum Schluß sprachen noch die Kommunisten Hölle!» und Dr. Geyer. Sie lehnen die ©teveroorlage als e;ne Verhöhnung der Arbeiterklasse ab. Dar Schicksal der Dourgevisie ist besienrlt. es dncht mit ihrem Kapitalismus elend zusammen. Hollein falbert u. a. dir Besch'agrahme der Vermögen aller H-erführer und Staats­männer Dnrtftfi'anbs während der Kriegszeit.

Darauf werden die Besttzstruem einem Steueraus­schuß. d'e Derbrauchsstauern einem Sonderausschuß, und bas Gesetz fiber das Branntweinmonopol gleichfalls einem beförderen Ausschuß überwiesen.

Donnerstag: Interpellation.Heine (Dem.) we- pan Baßschwierigkostm mtt Deutsch-Oesteneich. Inter- pellation Agnes 01. 6. P.) über den Schutz der Enttrnckk-ng in der Kunst. Interpellation Mül- len-Franken über die Deutschen Werke. Besolo dungsoorlagen.

Die Jagd nach dem Glücke

- Erzählung von Fritz Ritzel.

Das ist der große Unterschied: Die dAttschnvtio- nalen Agitatoren sagen leichthin, D utschlcmd solle sich zum Untergang entschlichen, aber im Auslände, auch b'i dm früheren Fanden, mehren sich bfe Stimmen, die da sagen: es wäre ein fürchterliches Unheil für die ffroy Welt, wenn man Deutschland untergehen ließe. Es g> ht uns freilich schlecht, sehr schlecht, und ge- | Wir halten re mit denen, die an eine wirtschaft- rade zum heutigen dritten G e d u r t s f e st e der W und kulturelle Solidarstat der D8lli:r Dauben, Republik hat der Unglücksprophet überreichlichen und suchen mit dem letzten Aufgebot der Stoff für feint selbstgefällig: Beredsamkeit. E- ist Krästedem Untergangauszuweichen tauch wahr, daß die Rsgterung weder die Zerreißung non I bsn parteipolitischen Unglückspropheten zum Trotz. Ll-ersch!esien noch die heillos» Entwertung urtf/res Gtt- o-s hat verhüten können. Aber es ist nicht wahr, daß die Regi.rung diese Urbtt verschu'det habe, und «och weniger ist es wahr, daß die deulfchnationale Ka- tastraphenpolttik etwas gebessert hab«, könnte.

Was wäre eingetreten, wenn wir nach dem Rezept dre Herm Helfferich das Ultimatum aoottehnt und reinen Versuch zur Erfüllung unserer Verbindlichkeiten gemacht hätten? Dann hatten wir erstens in Ober» schtesien nicht bloß die Hälfte, sondnm den ganzen I n d u st r i e b e z i r k verlovm. Zweitens hätten wir -in der Welt tflre Vertrauen, alles Anschen, alles Mi!- Lid und alle Hilfsbereitschaft eingebüßt; denn die Sie- tz-smächte und die von ihnen beherrschte öffentliche Meinung in dm neutralen Landern hätten die Bös- Willigkeit D:uisch!ands behauptet und angenom­men. Die dritte Folge wäre die Besetzung de s Ruhrgebiets gewesen und damit wäre das ganze deutsche Wirtschaftsleben Aerrüttet worden. Viertens wäre die deutsche Mark noch schneller entwertet worden wie jetzt.

V I vorsch-Sge Bittis zum wieteraufdau Unersetzliches verloren. Tonn müßten wir freilich zum ' '

UiÄergMig uns entschließm, und es wäre nicht einmal ein ehrenvoller Untergang, da die Well uns nachsagen würde, Deutschland habe sich durch Eigensinn und Ün- Fähigkeit selbst ruiniert.