Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Vctieadrnckerei in Auld«
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10. 21 Manz, Ich. Melchior, Bauer, Obertzaff«
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allen den Damen ihrer Kreise sich keine einzige be.
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1) für männliche Arbeiter über 21 Jahre M 7200 2) für weibliche Arbeiter über 21 Jahre M 5400 3) für männl. Arbeiter v. 16—21 Jahren <4 5700 4) für we«. Arbeiter v. 16—21 Jahren M. 4200 5) für männl. Arbeiter v. 14—15 Jahren M 4200 6) für weibl. Arbeiter v. 14—15 Jahren M 2700
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7. Kapitel. Drohende Wolken.
Wie Frau Franziska Hohenfels richtig vorausgesetzt hatte, war die Neigung ihres Sohnes Max zu der schönen Tochter des Nachbars schnell verflackerndes Strohfeuer gewesen, wie sie, die Mutter, dies bei den zahllosen Liebeleien des schönen jungen Mannes schon so oft beobachtet hatte. Seine Aeuherung, daß unter
Zurückblickend gewahrte Karl Hochfeld, daß do? Licht im Wohnzimmer erloschen war — Vater und Mutter hatten sich wohl zur Ruhe begeben. Langsam schritt der junge Mann wieder dem Ausgang des Gartens zu, um gleichfalls sein Zimmer aufzusuchen, als er plötzlich wie gebannt stehen blieb und lauschte. Woher kamen diese bald onschwellenden, bald wie vom Winde verwehten melodischen Klänge? Gingen dort oben auf , «u™ -......
Ce® Burgfelsen Geister um? Immer deullicher drang j finde, welche mit der schönen Hedwig Hochseld zu oer«
Angebrachte Ge-ächtnisauffrischung.
Der derzeitige Werberedner der Deutschnationalen, Prof. Martin Spahn, sprach, wie schon kurz gemeldet, auf dem Württembergischen Parteitag der Deutschnationalen über „Die Katholiken und die deutschnationale Idee". Nach dieser An-
Arntliche Anzeigen.
Als durchschnittlicher Iahresarbeiksoerdleust der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter sinh vom Obervechcho. rungsamt zu Kassel vom 1. Januar 1922 ab folgende . ge feftgelegt worden:
Beghmbet Gültigkeit
deutenden Export und gab dem JnlandSverbrauch zu umfassenden Eindeckungen für die Zukunft, durch die dre Läger von Gross« und Einzelhandel schneller geleert wurden, als sie nachgefüllt werden können, Anlass. Die Tatsache der lebhaften Beschäftigung saft der gesamten Industrie schaffte auch auS sich einen bedeutenden Gegenwartsbedarf. DieAufhebungderRheinzoll- grenze wurde nicht nur im besetzten Gebiet als groheErleichterung empfunden. SchwereHemmnisse der Produktion stellten der Mangel an QualitätS. kohlen und eine unzureichende Gestellung von Eisen, bahnwagen dar, die durch einen weitgehenden Ausfall des Binnenschiffahrtsverkehrs infolge der ungewöhnlichen Trockenheit verschärft wurde. Dazu kamen in den eisenverarbeitenden Gewerben Knappheit an Rohstoff und in allen Industriezweigen erhöhte Lohn, und Ge. holtsansprüche, über die in der Mehrzahl der Fälle eine Verständigung erfolgte, die jedoch vielfach die Kalku- lationsgrundlagen der Abschlüsse umwarfen, an deren Ausführung gearbeitet wurde. V'.cle Industrien sind unter diesen Umständen nicht in der Lage gewesen, der gegenwärtigen Nachfrage zu entsprechen und mutzten ihre Lieferungen streng rationieren. In der Beurtei. lung der Zukunft sind insbesondere nach dem Fehlspruch über Oberschlesien und dem katastrophalen Sturz der Markvaluta UnsicherheitundBesorgniS eingerissen. Neue Abschlüsse kamen wenig zustande, sei es, dass die Verkäufer nicht für längere Frist Preise machen konnten, sei eS, dass die Abnehmer die geforderten Preise nicht bewilligten wollten. Die durch die Mark- entwertung herbeigeführte Unsicherheit hat bisweilen sogar dazu geführt, dass im In landsgeschäft Abschlüsse in ausländischer Währung gemacht wurden.
— Argentinische ZndnstriekSufe in Deutschland Wie Savas aus Buenos Aires meldet, hat die argentinische Regierung beschlossen, von deutschen Firmen 70 Waggons, 17 Krane und verschiedenes Hafenmaterial im Gesamtwert von 850000 PesoS zu kaufen.
* Ein einig Volk von Stübern! In der „Voss. Zeitung" lesen wir: Der Berliner Magi st rat verhandelte dieser Tage mit den Organisatioen der städtischen Arbeiter über ihre w-uesten Forderung. Gleich zu Beginn der Verhandlungen ergaben sich die bei derartigen Verhandlungen schon üblich gewordenen Schwierigkeiten, weil die Vertreter des Zentralvierbandes es Mahnten, sich mit den Vertretern der anderen Organisationen an den Verhandlungstisch zu setzen. Dann wurde getrennt »er- handelt. Nun weigerte sich wieder der Verband derHand-undKopsarbeiter, gemeinsam mit dem Verband der christlichen Gewerkschaften zu verhandeln. Wiederum mutzte getrennt verhandelt werden. Glücksicherweise gab es nicht viel mehr OrgMisationsvertreter, sonst hätte der Magistrat vielleicht nicht Zimmer genug, um einzeln zu verhandeln. Das Ganze nennt sich dann —Solidarität! Nachdem die Forderungen entgegengenommen waren, gingen die verschiedenen Parteien nach verschiedenen Rich- tungen auseinander.
* Fünf Millionen Liter Wein aus Frankreich. Wie der „Exportateur FrancaiS" mitteilt, Hot Deutschland die Einfuhr von fünf Millionen Liter französischen Weines in der Zeit vom 1. November 1921 bis 31. März 1923 gestattet. Die Einfuhrbewilligungen erfolgen durch die Vermittlung der deutschen Weinhandelsgesellschaft. — Wie heißl's im Faust? Ein echter deutscher Mann kann keinen Franzmann leiden, doch seine Weine trinkt er gern.
Der Jagdschein-Sn bade» Karne. Stand, Wohnort
ä) Jahresjagdscheine.
Gottesbühven, Arthur, Ingenieur, Fulda Reith, Adolf, Lehrer, Steschaus , ‘ Walter, Joseph, Kohlhaus
Storch, Leo, Dörmbach ''
Karges, Franz, Landwirt, Dietershmrfe» Matcheis, Peter, Hüttner, Weidenau Doppelt, Otto, Schreinermeiftvr, HofenfeL Kress, Emst, Landwirt. MittelLstbach Zimmermann, Fritz, fffieben
Hornung. Georg, Landwirt, Unterbimbach J Jonas, Karl, Niederbieber
Hillenbrand, Ignaz, Maurermeister, Fulda
Wird veröffentlicht.
Fulda, den 4. November 1921.
Der Conbrot 3. SB.: Schuster.
Verzeichnis fcV
der in der Zett vom 1. Oktober 1921 bk entsetzlich 81. Oktober 1921 erteilten Jagdscheine.
hohe Ehre und welch Glück es sei, eine Hochgeboren als Schwiegertochter zu besitzen. Und das war nach Frau Franziskas Ansicht nicht schwer.
Während sich nach dieser Richtung hin alle, nach I den Wünschen der ehrgeizigen ffrau Franziska Hohenfels zu gestalten schien, machte ihr die Tochter schwere Sorgen. Nicht, daß dieselbe nach einer unerquicklichen Szene vor nunmehr fünf Wochen sich in Leid vergraben hätte, wie es unglücklich Liebende zu tun pflegen und | wie es die Mutter auch bei ihr vorausgesetzt — tat Ge- | geniest schien die Erinnerung an das, was sich zwischen ihr und den Ellern an jenem Morgen zugetragen, bei Emllie vollständig ausgelöscht, denn nach wie vor bewahrte sie ihr mstd fteundliches, manchmal träume- risches Wesen, besuchte mit den Eltern alle möglichen Soireen, Konzerte u. dgl., darunter auch bas schon öfters erwähnte Künstlerfest und schien die früher nur ganz in ihrer einzigen Passion — der Pflege der Musst — aufzugehen. Und wenn es sich, wie Frau Franziska innerlich sagte, um diese ihre Musikwut handelte, dann war das Mädchen ein verbohrter Trotzkopf. Da mußte jeder in Liebenburg auftauchende Künstler gehört und jedes Symphonie-Konzert besucht werden und fie, die Mutter, mußte selbstredend auf ausdrücklichen Wunsch ihres Gatten mitgehen, wenn sie auch in den Sym- phonie-Konzerten mitunter beinahe vor langer Weile einschlief. Aber konnte sie anders? Wie leicht hätte der fürchterliche Mensch, der Schlosserssohn, wieder in bn Gesichtskreis Emiliens kommen können — da» mußte verhütet werden um jeden Preis. Uebrigens hatten die Besuche derartiger Veranstaltungen auch für sie, die Mutter, bas Angenehme, daß sie sich das Ansehen einer Kunstorständigen geben konnte, als welche zu gelte» khr außerordentlich erstrebenswert erschien. So saß sie denn die Konzerte in Gottes Namen ab, nahm eine Miene an als lausche sie in atemloser Spannung dem Dargebotmen und erging sich in den Pausen mit ihren Bekannten in Gesprächen, in welchen es von „Tonsatz", „Allegro", „Andante", „F.dur" und „A.moll" und dergleichen nur so wimmelte.
(Fortsetzung folgt.)
. Schäfer, Isidor, Landwirt, Sparhof , Odenwald, 2t., Landw. u. Kauft»., GroßeMd», Leitsch, Philipp, Hüttner, Wissels Blum, Dalerian, Zimmermann, Lütter Rübsam, Mngenz, Auszüger, Mittelberg Kehl, August, Archttekt, Fulda Gies, Leo, Landwirt, Lütter Herr, Leopold, Schreiner, Wittges Eickenscheidt, Ernst, Fabrikant, Fulda
b) Unentgeltliche Jagdscheine.
Emmelhainz, Forstmeister, Fulda Gombert, Forsffokretär, Fulda Andreas, Hegemeister, Riesig Krämer, Hegemeister, Lehnerz Stein, Hegemeister, Dietershan Gute, Hegemeister, Marbach Biel, Förster, Kämmerzell Bloch, Forstgehilfe, Hovas Herber, Förster, Giesel Wegener, Oberförster, Niederkakbach Schneider, Hegemeister, Opperz Malkmus, Hegemeister, Eichenzell Allar, Förster, Mittelkaibach Drews, Förster, Niederkalbach Gärtner, Hilfsförster, Hattenhof Kaufmann. Hilssförster, Niederkalbach Hebeler, Waldaufseher, Büchenberg v. Keitz, Gemeindeförster, Büchenberg Henrici, Forstreferendar, Langenbieber.
JE 257.
Dienstag, 8. November 192L
Donmchme, Wilhelm, stud. med., ObernttS» . Romeis, Heinrich, Gastwirt, Fulda
Loch, Hugo, Goldschmied, Bad Salzschlirf Knortz, Hermann. Oberseuenverker. fftiQx Auch, Anton, Hosenfeld
Bleuel, Richard, Landwirt, Karhof Schütz, Johann, Lehrer, Magdlos Heil, Ed., Bahnschaffner, Hattenhof Hs. Nr. 2- Hammel, Ferdinand, Kaufmann, Fulda Kirchner, Otto, Eisenbahnsekretär, Fulda Kollmann, Konrad, Fuhrunternehmer, Fulda Schmitt, Lorenz, Landwirt, Lüdermünd Baumgart, Friedr., Zimmermann, Mttelkawach Baumann, Leop., Müller, Döllbach
Deutrich, A., Polizeiwachtm. a. D., Rommerz Siechling, Jos.. Landwirt, Wisselsrod
Reinhardt, Jos., Landw. u. Brgm., Knesheck» Braun, Karl Jos., Lehrer a. D., Rothemmm Rathmann, Heinr., Bankbeamter, Fulda Andre, Ernst, Lehrer, Fulda l--
Kopp II, Amand, Hauswurz Kempf, Edmund, Lehrer, Buchenrod Bleuel, Martin, Dleinb ruchbesitzer, Steinau Voosen, Paul, Flieden Wingenfeld, Adalbert, Landwirt, Engelhelms Jestädt, Benedikt, Mschberg, Gde. Dipperz Weber, Emil, Metzgermeister, Hofbieber Blum. Ludwig, L-mdwirt, Friesenhausen Hornung, Ferdinand, Steinmetz, Unterbimbach Kreis, Joseph, Wagner, Johannesberg WaD, Johannes, Rentner, Besges Günther, Joseph, Bäcker, Flstda Gaul, Bernhard, Landwirt, Magdlos Schmitt, Magnus, Dirlos
Daldus, Oberlandmesser a. D„ ffuffi» Schmitt, Valentin, Lehrer, Schletzenhausen Pamme, Lehrer, Jossa Dechant, Franz, Bauer, Böckels
Buchmcmn, Wich., Hegemeister, Johannesberg Schütz, Gustav, Bürgermeister, Harmerz Kaib, Sskundus, Landwirt, Mittel kalbach Winkler, Wühelm, Kaufmann, Fulda Müller, Karl, Steuer-Betriebsfekr., Fulda Kramer, Pius, Bierbrauereibesitzer, FiMa
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7. 10. 21 Heil, Wich., Landwirt, Hattenhof
7. 10. 21 Wohlgemuth, Aug.. Kaufmann, FuS»
7. 10. 21 Küch, Arthur, Fabrikant, Fulda
10. 21 Walter, Philipp, Gutsbesitzer, Kohchaus '
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für den Sanbbesirt
Stadtbezirk der Kreises Sttlba
Märkte.
(fpd) Frankfurt a. 2IL, 7. Nov. Auf dem heutigen D i e h m a r k t zogen die Presse für Schweine um 150 <4 für den Zentner Lebendgewicht an. Dagegen sind Ochsen um 25—50 -4, Kälber um 50 -4 billiger geworden. Aufgetneben waren 526 Ochsen, 38 Bullen, 2017 Färsen und Kühe, 348 Kälber, 683 Schafe und 1124 Schweine. Auf dem Rinldermartt verblieb Ueberstand. Die übrigen Märkte wurden bei lebhaftem Geschäft ausverkauft. Cs wurden bezahlt für einen Zentner Lebendgewicht: Ochsen: oollflesschige ausgemästet <4 850—975, junge fleischige -4 750—850, mässig genährte Tiere «4 650—750. Dullen: oollflesschige -4 650—850, mäßig genährte -4 550—650. Färsen und Kühe: oollflesschige ausgemöstete <4 700—950, wenig gut entwickelte Färsen -4 650—800, Kühe <4 350 bis 650, gering genährte Kühe und Färsen -4 250—350. Kälber: feinste Mastkäkber M 900—1000, mittlere Tiere -4 800—900, geringere 700—800. Schafe: <4 400 bis 650. Schweim: oollfleisch ge unter 80 Klg. <4 1300—1400, von 80—100 Klg. <4 1550—1650, über 100 Klg. 1600 bis 1700.
(mc) Frankfurt a. 21L, 7. Nov. Der heutige sehr stark besuchte Fruchtmarkt zeigte wiederum, wohl infolge der niedrigen deutschen Valuta, bedeutend erhöhte Preise in eiivetr -n War^ngattung-en. Trotzdem war der Ver- kehr rege, da die Ansicht vertreten wurde, daß in absehbarer Zeit mit einer Besserung der deutschen Valuta nicht zu rechnen sei. Gesucht waren Hüksensrüchte und Gerste, sehr stark im Angebot lagen Roggen und Hafer, auch Mehl süd- und norddeutscher Herkunft wurde stark gehandelt. Im einzelnen warm folgende Preise per 100 Kilo loco Frankfurt zu erfahren: Hafer M 510, Weizen <4 680, Roggen <4 565, Gerste -4 700—725, Weizenmehl <4 900—970, Roggen <4 710—730, Weitzenkleie <4 300-340, La Plata- mais <4 550, Linsen -4 1250—1320, Erbsen <4 700—825, Weiße Bohnen -4 650—700, Grünskern -4 925, Haferflocken M 810—820, Viktoria-Erbsen <4 675, ffttttererbsen -4 510, Trockenschnitzel <4 160, Treber bis -4 200, Kartoffeln <4 95—110, Zwiebeln -4 100, Stroh <4 40—55, Heu -4 130, Reis -4 1100—1575 je nach Qualität.
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kündigung hätte man erwarten dürfen, daß er die „nationalen Kräfte" positiv hervorhob, die im Katholizismus leben. In Wirklichkeit sprach er nur über „den Linksabrutsch des Z e n tru m s". Nach Spahn soll das Zentrum bis 1917 Rechtspolitik getrieben haben und erst von da ab auf „die schiefe Ebene der Linkspolitik" gekommen sein. Er suchte das frühere „enge Verhältnis des Zentrums mit den preußischen Konservativen" darzulegen, so 1892 beim Volksschulgesetzentwurf, 1902 beim Zolltarif und 1909 bei der Reichsfinanzreform.
Der Geschichtsforscher Spahn vergaß, so schreibt dazu die „Köln. Volksztg.", offenbar in seiner Objektivität ganz zu bemerken, daß im Zeitalter des Jesuitengesetzes und der Ultramontanenhetze n i e- mals eine Vereinigung zwischen den beiden Parteien möglich gewesen wäre. Allerdings vergaß er auch zu bemerken, daß die alten Konservativen nie die Katastrophenpolitik ihrer jetzigen Nachfolger machten, sondern positiv mitarbeiteten für den Schutz der Kulturgüter. Erst dann wird das Zentrum sich zu den Deutschnationalen wieder verhalten wie früher, aber auch dann wird es den Weg der Mitte und des Ausgleichs gehen müssen.
Noch eine Frage an Prof. Spahn: In dem protestantischen Stuttgart, wo Spahn sprach, wirken heute seit zwei Jahren Jesuiten. Nie wäre das früher möglich gewesen, als die damaligen Konservativen den Ausschlag gaben im Land und Reich. Ein besonderes Gesetz wäre nötig gewesen, um die württembergische Grenze den Jesuiten zu öffnen; ober davon darf man überzeugt fein, daß die württembergischen Konservativen n i e die Hand zu diesem Gesetz geboten hätten. Was zeigte sich, als das württembergische Zentrum vor einem Vierteljahre zwei Millionen Mark mehr für die katholischen Geistlichen bewilligt haben wollte, um deren Gehälter mit denen der protestantischen Geistlichen gleichzustellen? Da stimmten die Deutsch- nationalen alle dagegen; und wenn je früher Zentrum und Konservative zusammen gingen, so hatten die katholischen Wünsche immer zu schweigen. Die jetzige Hetze der Rechtsradikalen ist der Dank dafür, daß das Zentrum und nur es allein, das Vaterland vor dem Bolschewismus bewahrt hat. Keine tendenziöse Geschichtsschreibung wird die derzeitige vaterländische Politik des Zentrums aus der Welt schaffen können, auch die des Prof. Spahn nicht.
handel und wirtschaft.
— Der Dollar überschritt im freien Verkehr an der Berliner Börse den Stand von 300 Mark.
— Handel und Gewerbe im Gktober 1921. Die Berichte, die die preussischen Handelskammern über den Geschäfsganz von Handel und Industrie im Monat Oktober dem Handelsministerium erstattet haben, geigen eineff o rtdau er des lebhafte nGeschä ft Spanges Der schlechte Stand der Valuta ermöglichte einen be«
es herab und reihte sich jetzt zu der Weise, die seit Wochen im Wachen wie im Träumen seine Seele schwang:
„Winterstürme wichen dem Wonnemond, In mildem Lichte leuchtet der Lenz —
- J^r Endung zitternd, traft der Lauschende ans äußerste Ende des Gartens und schaute hinauf nach der Ruine, deren Rundturm sich deutlich van einem Stück klaren Sternenhimmels abhob. Ein Lichtschein lag auf bem der Innenseite zugekehrten Mauerwerk __ demnach
mußte der neben dem Turm befindliche Bau bewohnt sein, denn nur von dorther konnte bas Pianospiel fom- men und nur sie konnte die Spielerin fetal Wollte ihm die Geliebte mit den Klängen des Liedes die Ver. sicherung geben, dass sie ihn nicht vergessen habe? Wie Jubel wollte es in ihm auf und in atemloser Spannung verweilte er an seinem Platz, den Blick nach oben ge. richtet, wo soeben ein rauschender Akkord das Spiel beendete. Einen Augenblick noch, dann — der junge Monn fuhr unwillkürlich mit der Hand nach dem Herzen, als wolle er dessen stürmisches Pochen beschwichtigen — trat oben eine helle Gestalt an eine Lücke des Mauerwerkes, die mit einer Eisenstange gegen die Tiefe gesichert war. Vom Mondlicht umflossen, stand sie dort wie eine Erscheinung aus dem Märchcnlande, wie ein verkörpertes Bild alter Sage und blickte wie suchend hinab. Seiner selbst nicht mächtig, stürmte Karl aus dem ihn beschattenden Gebüsch auf das Rasenrondell, so daß feine Gestalt in dem Scheine des Mondes erkennbar wurde und reckte in stummer Sehnsucht beide Arme empor. Und wie eine unendliche Fülle von Glück kam es über ihn, als es halb verweht zu ihm ! herabklang: „Für immer!“
Die neue volkstzrankheit.
Nikolaus Montanus schreibt im „Fränk. Dolksblatt": Eine ganz neue Dolkskrankheit hat die neue Zeit ^festigt: Das Spekulationsfieber. Die breitesten Dollsmassen sind davon ergriffen. Zuerst haben Tausende auf das Laufen von Rennpferden spekuliert und ihr Geld vertrauensvoll den neuerstandenen Wettbanken übergeben. Diese konnten auch wirk- kich hohe Gewinne auszahlen; aber nur mit dem Geld« der später Eintretenden, die durch die gezahlten Gewinne der Ersteren verlockt sich drängen, ihr Geld anzubringen. Viele Millionen hat das Volk verloren. Gewonnen haben nur die Gründer dieser Wettbanken. Und auch sie nicht einmal, wenn sie jetzt der Verurteilung wegen ihrer Schwmdebeien entgegensetzen.
Die eine Art der neuen Krankheit ist mit der Schließung dieser Banken überstanden. Um so mehr greift die ander«, das Börsenfieber, um sich Die Danbrn können es kaum mehr erarbeiten, footde Leute drängen sich zum Tanz um das goldene Kalb. Einfache Leute in Stadt und Land, die früher kaum wußten, was eine Aktie ist, geben heute dMh ihren Bankier Auftrag, ihnen „Laurahütte", „Zellstoff Walds- Hut" oder „A. E.-G." oder „Daimler" oder „Badffche Anilin" oder „Scheidsanstalt" oder sonst eines der Taufende von Jndustriepapieren zu kaufen. Mit einer Spannung, als ob es sich um ihr Lebonsglück handle, studieren sie den Börsenteil der Zettungen und lassen barm, wenn die Papiere genug gestiegen zu sein schei- nen, sie wieder verkaufen, um den Mehrerlös als leicht verdienten Gewinn einzustecken. Wenn die Rentner, deren Zinseinnahmen durch das Sinken der Valuta täglich mehr an Kaufkraft verlieren, durch die Not veranlaßt auf diese Weife etwas gewinnen wollen, ist es nrch zu begreifen. Weit mehr Menschen spekulieren aber nur, um sich Gewinne zu verschaffen, angelockt durch das Vorgehen Anderer. Eine Art „Freßneid" auf die Erfolge des Nachbarn hat Viele erfaßt. Da nun die Nachfrage nach solchen Papieren immer größer wird, steigt chr Kurs ins Ungemessene, ost sprunghaft von Tag zu Tag. In der Absicht, die Entwertung des laufenden Geldes zu vermelden, wollen wieder Andere das ihrige in sog. Sachwerte umfetzen. Zu diesen rechnen sie auch die Jndustriepapiere. Wenn auch bet manchen derselben die Steigerung darin begründet ist, daß die Aktionäre hohe Dividenden erhalten, bei den meisten steht ihre hohe Bewertung nicht im Verhältnis zu den Zinsen, die sie abwerfen. Und schließlich können doch nur diese als Frucht der Jahresarbeit des Betriebes der einzige berechtigte Maßstab für den Wert solcher Börsenpapiere bilden.
Das jetzige Börsenfveber kann keine gesunde Reaktion tes esskranktm Volkekörpers sein. Es gleicht dem Fieber des mi$ galloppierender I Schwindsucht Behafteten, das rote Lebensfarbe auf die Wangen zaubert, aber die letzten Kräfte verzehrt. Mit dem Spekulieren auf das Steigen der erworbenen Börsenpapiere werden lwch nicht wirkliche Güter erzeugt oder irgend ein greifbarer Wert neuge- fchafsim. Es verschiebt sich nur das Geld hin und her, wobei täglich ein Teil abbröckelt, nämlich die U m s a tz. I steuer für das Reich. In Wirklichkit wird also die Gesamtwertsumme sämtlicher Jndustriepapiere immer I geringer. Solange unsere Valuta so sinkt, wie dieser Tage, wo für den Dollar über 250 Mark gezahlt war- dm. behalten die „Sachwerte" chren hohen Stand. Wer bürgt aber dafür, daß die V a l u t a nicht ganz plötzlich wieder steigt, oder daß Fabriken mangels von Rohstoffen oder aus anderen Gründen die Arbett einstellen müssen. Dann wird der Sturz der Börsen- P°Piere ebenso jäh erfolgen, wie der jetzige sprung- haste Aufstieg. Dann gibt es Milliardenver- lüste für die jetzigen Börsenspieler. Das sind aber nicht die großen Banken, sondern die Hundert- taufende kleiner Leute. Einer muß doch auf einmal verlieren, wenn die Andern gewinnen sollen. „Die Letzten beißen die Hunde." Ein Segm ruht nicht auf solchem Geld. „Wiegewonnen, so zerrönne n" das gilt auch von dem Börsengewinn. Immer wieder muß an das Wort Benjamin Fran klins erinnert werden: „Wenn Einer Euch vorredet, man könne auf andene Weife als durch zähen Fleiß, Sparsamkeit und Genügsamkeit zu dauerndem Glück und Wohlstand kommen, dem traut nicht; der ist ein I Schwindler." I
Diese Sätze gelten zunächst für die Zett bis zum 31. Dezember 1922.
Fulda, den 3. November 1921.
I Der Vorsitzende des Dersicherungsamles. I. D.: Polster.
। gleichen sei, war eben nur müßiges Gerede gewesen, denn kaum hatte er von seiner klugen Mutter vernorn-
I wen, daß Corona von Olsen Interesse für ihn gezeigt, da flatterte sein Schmetterlingsherz dem neuen Stern zu. Gegen diese vollerblühte üppige Rose, der noch der Glanz eines altadeligen Namens eine wirksame Folie verlieh, mußte allerdings das bescheidene Dettchen im Nachbargarten verblassen, besonders da Corona von Offen es wie keine andere verstand, sein Interesse für sich wach zu erhalten. Bald entflammte sie ihn auf das äußerste mit liebenswürdigster Koketterie bald kehrte sie den ganzen Stolz der adlig Geborenen gegen ihn heraus; immer aber hielt sie dabei ein gewisses Maß ein, so daß es nie zu einer Entfremdung kommen konnte. Dieses ost in blitzartigem Wechsel gegen den jungen Mann eingehaltene Benehmen war ganz geeignet, diese unlösbar an den Triumphwagen des schö- nen FreiftSuleins zu ketten; bfe Vorbereitung^ zu dem Küistlerfest, dieses selbst und die sich befan in den ersten Familien der Stadt anschließenden Gesellschastsabende haften Max reichlich Gelegenheit geboten, mit feiner neuen Flamme zu verkehren, so daß er allenthalben als ihr erklärter Anbeter galt.
Eine bessere Bundesgenossin für ihren Plan, den Sohn von der, wie sie sagte, verrückten Geschichte mit dem „Schlossersmädchen" abzubringen, rote die schöne Evrona von Offen, hätte ffrau Franziska Hohenfels in der Tat nicht finden können. Mit Befriedigung sah sie bei jeder Gelegenheit, wie sich Max immer tiefer und tiefer in die Leidenschaft für das schöne Mädchen verrannte und erwog schon, ob es nicht bald an der Zeit sei, die Sache zum Klappen kommen zu lassen, damit der Sohn vor jebem etwaigen Rückfall in feine wahnsinnige Idee mit Hedwig Hochseld bewahrt bliebe. War auch Corona von Offen unvermögend, so wurde dies durch den Vorzug ihrer Geburt vollständig ausgewogen. An eine Weigerung der alten Baronin von Olfen, die mit ihrer schmalen Pension unter Hängen und Würgen das Dekorum einer sorgenfreien, vornehmen Stellung behauptete, war wohl nicht zu denken, umsoweniger, als ja auch in den Adern der Hohenfels von alters her blaues Blut floß — es galt also nur, Herr» Albrecht Hohenfels dafür zu begeistern, welch *
Die Iagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
22] __________
Dex aus allen seinen Himmeln Gestürzte hafte nach Empfang dieses Schreibens die stille Hoffnung gehegt, t«e ®eIiebte dem Inhalt des Briefes fernstehe. harrte er auf ein Lebenszeichen von ihr, ta0li$ bie Gelegenheit, ihr auf der Straße zu Sn „ff en' obet sie im Garten zu sehen — all sein J Hen war ein vergebliches. Verreist war sie nicht, Mi. J’?* vermutet, denn noch vor einigen Tagen Anifip«61 «re mit ihrer Mutter in dex Equipage des ieum>nn9;n ~ fo mußte sich immer mehr die lieber- npmnrht. 'm ’r»™ befestigen, daß sie in der Tat das ihm betrachte ST™3 ii)rn ®e9e*lfiebe Qts Übereilung xu ia notieren c05;®05 zwischen ihnen geschehen war, zu ignorieren beabsichtigte.
nahm»3 '^res Bruders Max schien diese An-
liebenswürdig und zuvor. Direktor chonen Hohenfels <n jenem Abend bei SÄK »“• f-MunJ,
ter. wo er dem Äaffenrefta?"
und so täglich in näber^ £t,Ph 9 < t.ro0K n Fterer stand Augenscheinlich ve^i^e?Ma/Hofew fe(s sogar, sich von ihm, der doch qew-ssermaken ein Vorgesetzter geworden war, in bef*äftnrf>o„ wni>m unterweisen zu lassen. Er führte infolgedessen die chm obliegenden Arbeiten gewöhnlich derart aus daß Karl dieselben umschrelben mußte, was er stillschweiaend tat um nicht mit dem eingebildeten jungen MeL in Kollision zu kommen. nroen m