Einzelbild herunterladen
 

Das Ananreiend Deutschlands

Die Reparations-Uommiffron kommt!

es mit Deutschland durch die Desak'.mgskosten geschieht.

Die der

die Beamten aber auch sicher gestellt weiden können, muß der Beomtenapparat aus rn Mindestmaß herab- gesetzt werden. W« denkt sich die Reichsverwattunq das Buds«! der Kontributionen für die kommenden Jahre? Niemals isi ein Do!? schamloser ausgebeutet worden als

Es ist doch wenigstens ein Anlauf genommen M- Ueberwinduna Les dten Eigensinn,?s' und Eigen­nutzes in gewissen Fraktionszimmern. Der Erziehungs» Prozeß muß fortschreiten. Insbesondere in der Rich­tung. daß die Sozialdemokratie die Angst vor der Wahlagitation der radikabm Nachbarn überarintei und - «... ____ ..... r.dre Deutsche Volkrpartei zur wirklichen Einheit und

lZustimmung.) Ich bedauere. boS Rathemm nicht hier iit » Klarheit seiangt, nämlich durch JldrenDirStnn

eingestM werden, schärt, härtl bei den Deutlchnationalen.) Die schwere Not der Beamtenschaft erkenne ich an. Damil

Stegerwald scheidet aus.

Granowski preußischer Wohlfahrtsminister.

Stegerwald, der bisherige preußische Minister» I Präsident, nimmt da? für ibn vorgesehene Wobl» sahrtsministerium nicht an. Im „Deutschen' teilt er mit, er werde wieder da wirken, wo et feit 25 Jahren tätig war, in der christlich.» atio» nalen Gewerkschaftsbewegung und daneben im Reichstag.

I An der gleichen Stelle gibt er seine Ansicht dahin I kund:

I .Stetigkeit in der deutschen Politik ist das erste I Erfordernis gegen unfern völligen Untergang. Ohne Stetigkeit ist lein größerer politischer Erfolg möglich.

I Ohne Stetigkeit finden sich keine ersten Kräfte, die I willens sind, mit voller Hingebung dem Staat und Volk zu dienen. Wo« ich im April als Ministerpräsi.

I dent neben der Führung der laufenden Gesck ätte eines I Berwaltungkstaates mir zum Ziele fefcte, war dreierlei: I 1. ich wollte mit allem Nachdruck und aller nur denk­baren Zähigkeit die große Koalition schaffen, 2. suchte

I üb zu verhindern, daß durch meine vorübergehende I Mintsterpräsidentschost die chri st lrch-nationale I Gewerkschaftsbewegung, in der sich meine I Lebensarbeit verköipert und die sich au« Angehörigen I der Oppositions- und KoalilidnSparteien rekrutiert, I zerschlagen oder auSrinandermanöveriert wird, I 8. wollte ich auch nach Beendigung meiner schwierigen I Mission nach allen Seiten hin als anständiger Mensch dastehen. Ich glaube, daß mir diese» Ziel gelungen

I tft_ und das genü, t mir. Dem deutschen Volke ober I möchte ich sagen: Wache auf, aus deinem politischen I Schlaf! Tas gegenwärtige deutsche Parteien» I elend bringt dich, wenn es an baue it, rettungslos an I den Abgrund!»

Namentlich das Zentnrm bedauert es ungemein, daß Stegerwald tem Preu ßenkabi nett nicht erhalten bleibt. 3ti Zentrums!reisen hätte man diesen energi­schen Politiker am liebsten wieder an der Spitze des neuen Kabinetts gesehen. Leider hat die Sozial­demokratie bfefe Lösung vereitelt. Wegen der Mißverständnisse und Zänkereien, di« bei der ersten Wohl Stegerwalds eniftanten waren, wollte man nach­träglich den Mann beiseite schieben, der tatsächlich die I berufenste Persönlichkeit für die schwebende Aufgabe I war. Er hatte, wie kein anderer, für den Gedanken dec großen Koalition gearbeitet und ihr die Bahn ge- bcachen. Er hätte jetzt, den guten Willen der beteiligten Partien vorausgesetzt, ein imposantes Ministerium bilden können. Wir sagen das nicht vom einseitigen Prrstigestaiidpunkt aus, erkennen vielmehr an, daß es fürdasZentrum eine gewisse Erleichte­rung ist, wenn es nicht mehr den Shröpf auf der Turmspitze bildet, den alle Dohlen umschreien. Ader wir brauch:» nicht bloß eine ausgeklügelte Koalition der Fraktionen, sondern auch tatkräftige Minister mit groß:» Zielen und entsprechendem Wagemut. Steger- wald ist eine zur Führung befähigte Persönlichkeit, und I halte im preußischen Bundesstaat ein passendes Seiten­stück gebildet zu dem energischen Reichskanzler Wirth. I

Es sollte diesmal noch nicht fein; eher tüchtige I Leute können aus dem zeitweiligen Ruhestände er- I frischt und mit gehobenem Anschm wiederrommen.

Was jetzt vorliegt, ist ja nur der erste Versuch. Das Küken, das da ausg-. brütet worden ist. hat noch manche Mängel und schleppt auch noch die Eierschalen der alten engherzigen Fraktionspolitik mit sich herum. Hoffentlich hat es die Fähigkeit, sich zu entwickeln, sich zu verbessern.

Gegen polnische Gewalt.

(Eine deutsche Roke.

Französische Ingenieure in Lönigshülke.

Wie aus Körrigshütte gemeldet wird, trafen auf der dortigen Königsgrube mehrere französische Ingenieure ein, die der Direktion mitteilten, sie sollten nach der Ueöergabe von Königshätte an Polen den Betrieb der Königsgrube übernchmen.

Rach einer weiteren Meldung soll englisches Kapital in dem Kreise Pleß die dortigen Stein, kohlenselder erschließen wollen.

Wer ist der V Herrscher Europas.

2" der letzten Zeit ist England regelmäßig in den ""Zigsten mnereuropäischen Fragen vor Frankreich zuruckaermchen. Besonders deutlich war das an dem Beispiel Oberschlesiens zu erkennen. Das deutsche Volk, das leidrr noch immer zum großen Teil noch nicht realpolitisch geschult ist, verkennt vollkommen die Ur­sachen dieses Verhallens Englairds, wenn es dies durch die geschicktere französisch« Diplomatie zu erklären sucht. Englands nüchtern« klarblickende Diplomaten lasten sich durch diplomatische Schritte nur beeinflussen, wenn hin­ter ihnen tatsächliche Macht steht. Frankreich steht aber aug-nblicklich in einer außerordentlich günstigen Machtstellung. Deutschland ist zur völligen Entwaff- mrnZ gezwungen, Frankreich dagegen vermag im gia fieer von 4000 000 Mann auf.

Der 9. November.

„Freiheit" und „Vorwärts" veröffentlichen einen gemeinsamen Aufruf der S. P. D., der U. S. P. D. und der Berliner Gewerkschaftskommis­sion sowie einen Aufruf des Afa-Dundes. In die­sen Ausrufen wird die Berliner Arbeiter» und An- gestelltenschaft anläßlich des dritten Jahrestages der Revolution aufgesordert, in Versammlungen unter freiem Himmel zu demonstrieren. Um 2 Uhr nach­mittags sollen die Arbeiter die Betriebe verlassen und geschlossen zu den Lerschnmlungsplätzen mar­schieren. '

fltts dem besetzten Gebiet.

• von einem Amerikaner erskoche«. Der Arbeiter Kröly in Bingen wurde in der Nacht zum Sonntag von einem amerikanischen Unteroffizier ohne jede Ber» antaffung erstochen. Der Getötete hinterläßt eine Frau und drei unversorgte Kinder.

fpd. veschlsgnalmte Zagd. Die Franzosen habe« neuerdings wieder eine Anzahl der besten Jagden link» und rechts vom Rhein im besetzten Gebiet beichlagnahmt und taffen dort die Jagd durch französische Offiziere auSiiben. 6o hat der kommandierende General der Rheinarmee die Osthofener Jagd für die Offiziere der Jagdgesellschaft der Garnison Worms beschlagnahmt. Die Bürgermeisterei hat sich in einem Anschreiben an bie Jagdgesellschaft gewendet, indem sie um Auskunft darüber bittet, welchen Pachtpreis die Gesellschaft zu zahlen gedenkt.

. Die kurze Meldung, daß das Garantiekomitee «er Entente nach Berlin kommen werde, wird nun­mehr von zuständiger Seite betätigt. Es han- um einen Teil der Reparationskommission, die Mittwoch abend in Berlin eintresfen wird, um mit der Regierung zu verhandeln. Der Gegen­stand der Besprechungen wird noch auf amtlichem «itege bekannt gegeben werden.

Der „Temps" veröffentlicht die Namen der Mit- Fiedcr der Reparationskommlssion, die sich nach Berlin begeben wolle. Es find dies für Frank­reich Vorsitzender Dubois, Generalsekretär Aron, Direktor der Finanzabteilung Minolta, Sekretär des Vorsitzenden Chappei: für England Sir John Bradbury, zweiter Delegierter Kombaß, Cook, Ge­neralsekretär Mac Sadyean; für die Bereinig- tenStaaten Boyden, zweiter Delegierter Long- han, Generalsekretär Bato; für 31 a I i e n Sakvago Raggi, zweiter Delegierter d'Ameglio: für Sei- gien Delacroix, zweiter Delegierter Bemelman.

Zu den Meldungen aus dem Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages, wonach die Entente Ein­wendungen gegen eine Besserstellung der Sozial- rentner erhoben habe, wird erklärt, bei der Reichs­regierung seien von der Entente keinerlei Vorstel­lungen dieser Art erhoben worden.

DieKreöttafction der -erttschenIn-ustrie

#ft vom Reichsverband der deutschen Industrie am Samstag nach längeren Verhandlungen beschlossen wvr- den. Danach ist die deutsche Industrie bereit, dem Reich ihren Kredit zur Beseitigung des Finanzelendes Mr Verfügung zu stellen. Der Reichsoer band knüpft allerdings an feine Bereitwilligkeit eineReihevon Voraussetzungen, die darin d-stehen, Post und Eisenbahn wieder zu ertragbringenden Unter- nchrnungen zu gestalten, das Wirtschaftsleben von allen die freie Betätigung und Entwicklung schädigenden Fesseln zu befreien, sparsame Finanzwirtschaft und Sparsamkeit in der Verwaltung.

Man wird dem Reichsoerband die Berechtigung feiner Forderung nicht absprechen können. Allerdings sind diese Forderungrn im Grunde genommen durchaus leine neuen. Reichsr egierung und Reich«, tag haben von jeher auf dem gleiche» Stand- punkt gestanden, nur haben sich der Durchführung j bie^r Forderungen bisher so große Schwierigkeiten ent. Segengestellt, daß sie sich bis heute noch nicht völlig Haden durchsetzen können.

Den Beschluß der deutschen Industrie, dem Reich w seiner Notlage zu helfe», wird man mit rückhaltloser Anerkennung ausnchmen müssen. Es ist auch mit Ge­nugtuung zu begrüßen, daß die deutsch Industtie be­reit ist, das Schlimmste vom deutschen Volke abzuwen­den. Mit der Ausführung des großen Kreditplanes ist der Weg beschritten worden, auf dem die großen Aktiv- posten der deutschen Wirtschaft auch dem Reich zur Sefrebung seiner Notlage nutzbar gemacht werden sollen.

Angesichts der Bereitwilligkeit der Industrie wird man allerdings such von allen übrigen Ständen ermat­ten dürften, daß auch sie alles daran setzen werden, um arrch ihrerseits dem Interesse des Reiches und damit oys Bolksganzen zu dienen.

Zic SleiterMiilte im ReiPlnz. viel Arktiker, wenig veffermacher.

fein Platz ist ihm allerdings Vorbehalten. Auf ernt ein. gehende Erönsiung feines Wiesbadener Abkommens tön- nen wir nicht verzichten. Das Kabinett Wirth hat die Der- faffung gründlich verletzt. Wir werden es zur Berant- Wartung ziehen. Unsere Stellungnahme zu den Steuer- entwürfen behalten wir uns vor. Wir werden dafür ein- treten, daß die Vermögenssteuer nur eine reine Ergün- zungssteuer bleibt. Der (Bemeinroert als Bewertung?- grund.'age fft bei Industrie und Landwirtschaft unmöglich. Maßgebend für die Gewinne der Eigentümer ist der er­trag. Durchschnittlich beträgt der Gewinn ki der Land- wittschast wie auch in der Industrie nicht mehr als 2 Pro­zent. Das Schlagwort von den Goldwetten ist Unsinn. Welche Wege will die Regierung in der Politik der Er­füllung weiter verfolgen? Bisher Hal diese Politik mo­ralisch und auch finanziell völlig versagt. Die auswär­tige Politik des Herrn Wirth hat uns dem Abgnmde wesentlich näher gebracht. Dor der Kreditzwangs- orgamfation warne ich mit dem gleichen Nachdruck, wie vor der Annahme des Ultimatums. Wichtiger als die Stabilisierung der Valuta ist für die gesamte Weltwitt» schast die Siche rheit des privaten Eigentums, die durch die Kammevrede Brands gefährdet erscheint. Bleibt die Geldentwertung so wie sie setzt ist, so wird Ar­beitslosigkeit und Hunger das deutsche Volk zur Derzweif- lung treiben. Aus der ganzen Rod« des Finanzministers habe ich nur herausgehött: Abwarten, bis bei unseren Gegnern die Vernunft siegt. Was hat die Reeierung ge­tan. um die Erkemstnis unserer Zahkungsa-nsWgkeit bei unseren Gegnern zu stärken? Will die Regierung ihre ErsLllungspolitik solange sorffetzen, bis sie don ausg'eblute- ten Leichnam des deutschen Volkes als letztes Beweismittel auf den grünen Tisch der Entente legen tarnt? Sie soll stetste oder morgen schon erklären, daß sie nicht weiter er­füllen .kann. Jetzt ist die letzte Stunde für dos deutsche Volk, auf Grund des Paragraphen 234 des Friedensver- träges die Einsetzung einer Kommission für die Prüfung der Zahllmpsfähigkeit Deuffchlands zu forbern. Was rote brauchen, ist eine Stundung unserer Goldverpfp chtungen auf Jahre hinaus, eine wirksame Kreblthilse vom Auslande aus. Die Regierung sollte endlich einmal den Mut haben, der Entente die notwendigen Erklärungen zu unterbreiten, und gegebenenfalls in Ehren unterzugehsn. (Lebhafter Beifall bei der Rechten. Lachen links.)

Das Haus vertagt sich aus Dienstag.

Anfragen, unabhängig.soziakdemokratische Interpellation wegen der Orgesch, Tßeiterberatuna, Müller-Frankens In­terpellation über die Deutschen Werke, Anfragen.

Elemente auf ihrem rechten Flügel, die noch klar zur Katastrophenpoliük der Deutschnationalen himreigen. Di« große Koalition muß innerlich sich festigen und zusammenwachsim; sonst halten alle Künste der Ministerfabrikamen nicht stand.

Angesichts der Mängel bei dem ersten Versuch kann man sich mit dem Sprichwort trösten: Probieren geht über Studieren. Dte Probearbeit mußte doch mal riskiert werden. Wenn sie in Preußen etwas mangel­haft, aber doch nicht ganz verfehlt ausgefallen ist, so hindert das den Reichstag und die Reichsregierung nicht, ihrerseits einen weiteren Versuch mit besserem Rüst­zeug zu machen.

Die große Koalition gehört zu den Reichs- und Slaalsnolwendigkerten, die von der Logik der Tatsache» unbedingt gefordert werden. Darum wollen wir nicht verzweifeln an ihrer allmählichen Ausgestaltung, und rufen daraufhin dem verdienen Vorkämpfer dieses Gedankens, Herrn Stegerwald, ein herzliches' »Auf Wiedersehen!" zu. Zu feinem Nachfolger rat W o h l f a h rt s m i n i st e ri u m fall, wie wir zu- veriäßlich hören, der Abg. Granowski, der be­kannte Ärbeiteroertreter des Zentrums, bestimmt sein»

Die Sozialisten und die große Koalition.

Eine außerordentliche Sitzung der erroeiterteit Bezirksvorstandes Groß-Berlin der S. P. D., art der auch die Groß-Berliner sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten teilnahmen, beschäftigte sich mit der Regierungsumwandlung in Preußen.

Es wurde einstimmig eine Entschließung ange­nommen, in der es heißt: Der Bezirksvorstand ist der Ansicht, daß mit Rücksicht auf das Verhalte» der Deutschen Bolkspartei im Reiche die Bildung einer Regierungskoalition mit ihr in Preußen dis schwersten politischen Bedenken erregen muß. Der Bezirksvorstand würdigt jedoch auch die Gründe^ die die Mehrheit der Fraktion veranlaßten, dieser Koalition zuzustimmen. Der Bezirksvorstand for­dert daher die Parteigenoffen auf, einmütig die Landtagsfraktion und die sozialdemo­kratischen Regierungsmitglieder in der Durchfüh­rung einer Politik zu unterstütz rn, die dst Mindestforderungen der Görlitzer Beschlüsse über die Koalitionspolitik der Partei enthält.

gesetzgebung. Sollen die Reichsfinanzen gesunden, so I muß sich vor allen Dingen die Revarationspflicht im I Rahmen des Erfüllbaren halte«. Die Entente muh sich entschließen, wenigstens für ein Jahr die Reparations­zahlung zu stunden. Sie muß einsehen, daß die Politik I der Gewalt nicht nur Deutschland, sondern den ganzen I Kontinent vernichtet.

I Reichswirtschaftsminister Schmidt: Bei der Annahme des Ultimatums hat niemand behauptet, daß Deutsch-

I land nunmehr alles durchführen könne. Wern die En­tente damals aber ihre Absichten durchgeführt hätte, wenn sie damals das Ruhrgebiet besetzt hätte, so wäre die Zerrüttung unserer Industrie noch vst! schlimmer gewesen, als dies heute der Fall ist. So haben wir wenigstens etwas gerettet. Wir haben aller- I bingg nach dem Kriege unser Paffiosaldo außerordent. I sich vermehrt, wir können mit einem Betrage von rund

2 Milliarden Goldmark rechnen. Dazu kommen rund 3 Milliarden.Reparationskosten und eine halbe Milliarde I Besatzungskosten, Ausgleichforderungen usw., die nicht in unseren regelmäßigen inneren Etat gehören. Das sind rund 6 Milliarden. Wir müssen also, wenn wir die Sachleistungen abrechnen, für rund 5 M i l- liarden jährlich Devisen aufbringen, die I natürlich nicht vollständig aus der Wirtschaft genommen I werden können. Wir müssen vor allem die Roten- I presse lebhaft in Bewegung halten. Die»

Tatsache muß man ganz kühl ins Auge schauen.

ir müssen aber auch unsere Einfuhr ganz er» I heblich zurückhalten und gleichzeitig unsere Ausfuhr begünstigen, um die Devisen zu erlangen. Nun I sind wir aber auch darin in unserer freien Verfügung I durch die Entente beschränkt und wir werden darin I noch viel mehr beschränkt werden, wenn die Entente I von ihren Machtmitteln einen noch schärferen Gebrauch machen sollte. Allerdings haben Industrie und j) anbei in keinem Lande augenblicklich einen so günstigen Stand, wie gerade in Deutschland, aber wir sind auch nicht ganz sicher, ob dieser Zustand auch lange anhalten wird. Vielleicht wird er schon sehr bald abgelöst von einer schweren und nachhaltigen Krisis. Natürlich ist nicht die Sp e. k u l a t i o n allein schuld an dem Sinken der Bewertung der detuschen Mark. Aber sie sorgt in der übelsten und unerhörtesten Weise mit dafür. Abwehrmaßnah. men werden vorbereitet. Wenn • bas Wiesbadener Ab- I kommen zur Durchführung gelangt, werden wir damit natürlich unseren inneren Markt belasten, aber die Be­schaffung von Devisen wird gleichzeitig damit für uns erleichtert. Ein weiteres Mittel ist die Anleihe Aus dieser Grundlage werden bereits Verhandlungen mit der Industrie geflogen. Ich bedauere, daß der Reichs- verband der Deutschen Industrie die Nutzbarmachung des industriellen Kredits von politischen Dor- I aussetzungen abhängig gemacht hat. Wir müssen I auch neue Steuerquellen erschließen, müssen zu einer Reform unterer gesamten finanziellen Lage gelangen. I Dazu brauchen wir aber die vorübergehende Hilfe der I Industrie.

Abg. Dr. Helffettch (Strati. 53p.): Wir können uns auch I im neuen Deutschland nicht an bett Gedanken gewöhnen, I daß. wenn der Reichspräsident einem Minister ein doppel­tes Amt gibt, der liebe Gott diesem Minister auch einen I doppelten Verstand verleihen müsse, (Heiterkeit.) Wir I verlangen, bah an die Stelle des Reichsfinanzministers ! ein ganzer Mann gesetzt wirb. (Zurufe links: Helf- feri ch!) Bei der Annahme des Ultimatums habe i ch die oanze finanzielle Lage Deutschlands bei weitem pessi­mistischer beurteilt, als bie Reichsregierung. Meine Er­wartungen haben sich voll erfüllt. Die weitere verhängnis­volle Entwicklung kann nur bann aufgehalten werden, wenn bie Geldentwertung zu einem Stillstände gebracht wird, und wenn in den Verwaltungen und in der Wittfch-ist mehr als bisher gespart wird. Kein Anziehen der Stelrersch'aiche wird uns bei einem Anhalten einer I Teuerungswelle aus dem Defizit der heutiaen Wirtschaki I herausbringen. Von einer Beseitigung des Defizits in Sen I reichseigenen Der rieb en ist heute keine R:d« mehr. In- I fo'ge des Achtstundentage» ist btt her Eff-mb-hn allein ein Mehrbedarf von 240000 Mann entstanden. I Davon sind allttn 140 000 Mann aus politischen Gründen

। sein, daß wir beim besten Willen unsere ßaften nicht er» füllen können. Setzen rote alle Kräfte ein, um zu erfüllen, so weit es möglich ist.

Abg. Dohm sBayr. Dpt.) erklärt, baß es keinen Zweck habe, Zeit zu gewinnen, da wir auf die Dauer doch nicht erfüllen können. Leiber haben wir in der Welt nirgends , weitsichtige Führer. Trotzdem kommen schon Stimmen der Bonumst aus dem Ausland. Die Reichsregienmg muß endlich den Mut haben, den Gegnern den ganzen Umfang unserer Rot zu zeigen, wir steuern sonst einem vollkom- menen Weißbluten entgegen. Das Ausland kauft Deutschland aus. Die breiten Massen werden immer mehr in die Börsenspekulation hinttngetrieben. Der Frie­densvertrag macht uns zu einem Volk, dem niemand mehr Kredit gewähren will. In der Wirtschaft müssen sich beide Teile verständigen.

Abg. Diekrich-Baden (Dem.): Der jetzige Weg un­terer Finanzen führt in den Abgrund. Die Schuld trägt allein die Reparationsverpflichtung. Diese Last beläuft sich schon auf 225 Milliarden Papiermark. Ohne die Reparationsleistungen wäre es zweifellos möglich, den Reichshaushalt in Ordnung xu bringen. Werden die Reparationsansprüche in diesem Umfang ohne Stun­dung aufrecht erhalten, fo bedeutet das für Deutschland die Fortdauer der Geldentwertung. Die Entente trägt die ganze Verantwortung dafür, dah Deutschland nächstens nicht mehr zahlungsscihiq feen wird. Es ist unverzüglich eine Kommission für die Prüfung der Leistungsfähigkeit Deutsch, t a n b s einzusctzen, wie sie im Friedensvertrag vorge- sehen ist. Die Forderung nach Erfassung der Sachwerte hat in ökonomisch nicht geschulten Köpfen große Ver­wirrung hervorgerufen. Wir meinen, daß die Regie- rung den richtigen Weg eingeschlagen hat, indem sie das Vermögen und Einkommen besteuerte. Die erste Forderung der Sanierung der Finanzen muß lauten: Vereinfachung der Steuergesetzgebung. Ich habe mich selbst davon überzeugt, daß die Beam­ten sich einfach nicht mehr durchsinden. Glaubt man denn, daß diese unzähligen Anordnungen durchgeführt werden? Das bedeutet geradezu Sabotage der Steuer.

FuldaerZettung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Der deutsche Botschafter in Paris Hal der Bot- schaflerkonferenz eine Note überreicht, in der die Auf. merksanikeit der Botschafterkonferenz auf die Aus» Weisung von 1O00 deutsch stämmigen A»« s i e d l e r n aus den an Polen abgetretenen Lande stei­len gelenkt und gegen dieses unerhört grausame, jeder Rechtsgrundlage entbehrende Vorgehen der polnischen Regierung schärfsten Einspruch eingelegt wird.

Note bittet die Botschafterkonferenz dringend, bei__

polnischen Regierung darauf hinzuwirken, daß sie von diesen Maßnahmen absicht.

Am Montag begann im Reichstag die Debatte über die 11 Steuergesetze. Es zeigte sich, daß kaum eine Partei davon Abstand nahm, recht kräftig zu kritisieren. Den Bogel schoß natürlich in dieser "egattven Tätigkeit Herr Dr. H e l f f e r i ch ab. Als er selbst — während des Krieges — Finanzminister ®ör, da hätte er Gelegenheit gehabt, seine „Weis- reit praktisch vorzuführen: aber d a tat er es n t ch t, tonöern machte es sich bequem und sprach davon, r? ^"kel unserer Feinde die Milliar- m mie Ketten nachschleifen möchten. Mit „l,1®**? Asept hat er sich zwar furchtbar blamiert, leöf M schweigen, wie es nach einem fol- t ein weniger selbstbewußter Mann tun krtin nnhk- bJin9t dieser große „Berliner" nicht d'e deutschnationale Presse preist die Rede di- -im Mittelpunkt der De- m° findet sie wirklich Leute, die an d-ese Redensarten glauben?

. .^kung begründet Abg. Dr. Ebter

n?e^n # 1 Pa H n mit l>er Beratung verbundene

VU°" Uber die Dalutanot. Er for-

•“ »«'«-->» *“

Saiz ±s Rttch-ftn-rnMmisters sehr

Wa" seitdem Katestwpkte nur im R eb en flt± 5"^ eiten

einfach unerhört. Wir müfien ttnaeitrhPr,m^'rr-J01^' «ir vor bem Nichts stehen.

^rnn'sien finden. Di« Dorschläae d-s

in feiner Weise. Die G-samthttj lckittnt ihm nickt annehmbar. Die Arbeitett<b-,eP'”7" l «flicht bem Dante regenüber tun Xr^ 77 «7 > JJtenfcen müßten ihr Teil bazu k>ertragen. Solle dte ff-' ^llungsvofitik ferne Phrase fein, so müßten rote ffr fcffima b»r Sachwerte kommen.

abg fSrclb (3ir.) erinnerte ben Borrebner baran bau r Angehöriger emer Regretenyspottsj die

Regierung nicht -rschweren bürst. Die außerar^nte Anspannung der breiten Steuern führt zum au7„a »ir täglich sehen. Wenn roir neue Lasten bcfAr;,6, ' mSRen die Schulben des Reicks neristt roerbm ,°n'f sinkt der Wett der Mar? roeiter. Die Steuern müllen w Hüstelst werben, baß sie unsere Wirtschaft nicht rOr veeinträchioen. Der Anteil bar Länder nutz E-nittn- 'r.!® n'cht mehr aus. Die Behörden müssen bei d-r "Ichvtzung gerechter vorgeh«n und dem Pvbstlum cegen.

«r Entgegenkommen zeigen. Die Etatzahlen bewei-

Nr. 257.

tiermtuDonlid) für ben leoautoneüen leb: Dr. I. Kramer, z für bie Anzeigen: I. Parzeifer- Fuiba. z

Romtionsdruck u. Verlag bet Fuldaer Slctienbratferei in Fulda, -emmreroer 'Ja. M. 7eieor.-Adreist: ffuibaer Zeitung

Dienstag, 8. November 1921»

Bezugspreis: Monabich 5.0J ZflL zugestellt frei ins Haus- - Abgehon in der Gelchästsst. lle 4.60 Hit. ::

Anzeigen: Kteinzetle nach o>on,imaß 1 Mark; Reklame, e i i r (ieiihirite nach Colone maß 3 ll-ork.

48.3abrg.