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Mldaer Zeitung

0*^ Druck de- Fuldaer Actieudruckerei tu FulL«

254.

Freitag, 4. November 1921.

Das hirtenwort

»es Hochwürdigsten Herrn Bischofs Joseph Damian, das am vorigen Sonntag von den Kanzeln verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:

Geliebte Diözesanen!

Je mehr die Kartoffelernte nach Einbringung 6er letzten Früchte in ihren Erträgnissen übersehen werden kann, um so mehr zeigt sich, daß trotz gün­stiger Ernteerträgnisse an einzelnen Orten, die Ernte im ganzen als knapp bezeichnet werden muß. Es wird deshalb nicht möglich fein, die Be­völkerung nach dem früheren Maßstabe der Be­darfsbestimmung mit Kartoffeln zu versorgen.

Schlimmer aber ist die Tatsache, daß der ge­ringere Ernteertrag zum Anlaß außerordentlicher Preissteigerungen gemacht worden ist. Die min­derbemittelte Bevölkerung wird deshalb zum Teil wenigstens außerstande sein, ihren Bedarf an diesem wichtigen Nahrungsmittel einzudecken. So ist es z. B. auch der Stadt Fulda nicht gelungen, alle Haushalte mit Kartoffeln zu versorgen. Das ist um so bedauerlicher, als die Kartoffel für die Masse der Bevölkerung zum Hauptnahrungsmittel gewor­den ist.

In dieser Not haben sich hilfsbereite Kreise in Stadt und Land zusammengefunden, um in einer gemeinsamen Hilfsaktton alles zu versuchen, um wenigstens die größte Not von unseren Familien fern zu halten. Ich würde es als eine Verletzung meiner oberhirtlichen Pflichten betrachten, wenn ich in dieser Bedrängnis teilnahmslos und tatenlos beiseite stehen würde.

An die Landwirte meiner Diözese richte ich des­halb die ebenso herzliche wie dringende Bitte und Mahnung, die allgemeine Not nicht durch zu hohe Preisforderungen zum eigenen Vorteil Herz- und gewisienlos auszunutzen. Wer so handelt, versün­digt sich schwer und verdient nicht mehr den Ehren­namen eines Christen. Euer Heiland ruft durch Wort und Tat zur Nächstenliebe auf. Wie er selbst für uns sich ganz und selbstlos geopfert hat, so will er, daß auch wir zu dieser Opferliebe bereit seien. Niemand hat eine größere Liebe als der, welcher sein Leben hingibt für die Seinen." (Ioh. 15, 13.1 Ein neues Gebot gebe ich Euch, daß Ihr einander liebet, wie ich Euch geliebt habe, damit ihr einander liebet. Daran sollen alle erkennen, daß Ihr meine Jünger seid, daß Ihr alle Liebe zu einander habt." (Ioh. 13, 34 f.) Darum sagt der hl. Johannes: Daran haben wir die Liebe Gottes erkannt, daß jener sein Leben für uns eingesetzt hat, auch wir also müssen für die Brüder unser Leben einsetzen. Wer die Güter dieser Welt hat und sieht seinen Bruder notleiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?" (I. Ioh. 3,16 f.)

Weist deshalb den gewissenlosen Händlern, die nichts als ihren Vorteil kennen, die Tür. Soweit Ihr irgendwie, vom eigenen Bedarf an Kartoffeln noch Abzüge machen könnt, wenn auch einige Opfer damit für Euch verbunden fein sollten, tut es und stellt sie den in Eueren Gemeinden sich bildenden Ausschüssen zu herabgesetzten Preisen zur Ver­fügung, damit sie durch deren Vermittlung den hilfsbedürftigen Kreisen der Bevölkerung zugeführt werden können.

Da indes die Erträgnisse der Ernte für die Be- üürsnisse der heimischen Bevölkerung nicht aus­reichen, muß an die Einführung von Kartoffeln aus Ueberschußgebieten gedacht werden. Um die Mittel dazu auch für die weniger bemittelte Be­völkerung zur Verfügung zu stellen, wendet sich das Hilfskomitee in Fulda an die gesamte Bevöl­kerung um Gewährung von freiwilligen Geld­spenden. Gebe jeder, was seine Leistungsfähigkeit ihm ermöglicht, sich bewußt, daß der Bruder dem Bruder schuldig ist, ihm in der Not beizustehen. Meine herzliche Bitte geht besonders an jene Kreise, die durch geschäftliche Unternehmungen sich auch in diesen Tagen allgemeiner Not verhältnismäßig hohe Gewinne verschaffen konnten. Sie geht auch wiederum an Euch, liebe christliche Landwirte. Die Ernte ist im ganzen trotz der Ungunst der Witte­rung eine recht gesegnete gewesen. Schon die Dankbarkeit gegen Gottes Güte sollte Euere Herzen in mildtätiger Gesinnung für Eure Mitmenschen öffnen. Wer immer aber in Stadt und Land viel-

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Corona von Olsen, die bekümmert sich um mich?" fragte Max offenbar neugierig.

Hat denn dieser hochgeborene Eiszapfen überhaupt für die Stimmung eines anderen Sterblichen auch nur einen Blick?"

"Es scheint doch, denn sie fragte mich ziemlich un- armvunden, ob Du die Absicht hättest, unter die Dichter Zu gehen, weil Du so zerstreut gewesen seiest, als sie sich mit Dir unterhielt!"

So hat sie entbehrt, daß ich ihr nicht wie fonft siür- msich den Hof machte?" fragte Max lebhaft.

Wag weiß ich!" entgegnete die Mutter wie gelang- weilt und legte, als wolle sie ein leichtes Gähnen ver- bergen, die Hand vor den Mund.Ich bin eine alte Frau und kümmere mich nicht um Euer Getändel! Nur

1 sie- ob wir das Künstlerfcst im Kurhaus nächstens besuchen und ob Du bei dem geplanten Einzug des Kaisers Maximilian mitwirktest!"

Mama, wir gehen doch hin?" rief Max bittend.

Vtun M doch mit Mühe habe ich es dem Papa abgerungen!

Du bist ein Engel, Mama! Dann will ich nur Sle'ch an das Festkomitee schreiben, daß ich bereit bin, die mir angetragene Roll» des venezianischen Gesandten zu übernehmen. Addis, Mama über die Softenfrage sprechen wir noch!

Damit neigte er sich ritterlich vor der Mutter, küßte chr di« Hand und eiste von bannen

Mit einem überlegenen Lächeln sah ihm die schöne Frau nach und Nickte befriedigt mit dem Kopfe.

6. Kapitel. Sieb es leib.

Das trübselige Wetter, welches Enbe Juni eingesetzt hatte, hielt nun schon seit sechs Wochen an unb brachte sowohl die Lanbleute, welche ihre Ernte nicht einfahren konnten, wie auch die Besitzer Cer Gasthäuser unb Som. «erfrischen fast zur Verzweiflung. Glaubte man an manchem Morgen, daß die Sonne sich wieder durchrin- gen würbe unb freute man sich barüber, wenn sie am un­bewölkten Himmel staub, so trat in wenigen Stunben »rückende Schwüle ein wie herbeigezauber: zoge^ on allen Seiten graue Wolkengebilde auf, bi» sich «rheerenden Gewitterstürmen entluden und jedesmal teber ei r-"Narischer Tage zur Folge hatten.

leicht durch zu hohe Preisforderungen sich unge­rechte Vorteile zu verschaffen wußte, sollte durch seine Gaben den ungerechten Mammon in Segen zu verwandeln suchen.

In den einzelnen Kreisen werden die Herren Bürgermeister von dem Herrn Landrat zur Bil­dung von Ortsausschüssen aufgefordert werden. Ich bitte die Herren Pfarrer und Kuraten dringend, in diesen Ausschüssen zur Durchführung dieses Liebes­werkes mit aller Kraft mitzuwirken.

Der Bischof von Fulda: t Joseph Damian.

Kaufmannschaft und höhere Schule.

Aus Philologenkreiscn werden wir gebeten, folgende Aeußerung von Dr. Ernst Majer-Leonhard in der »Frankfurter Leitung' wiederzuaeben:

Gerade in kaufmännischen Kreisen hört man immer wieder von dem Mangel an Stabs-Kaufleu­ten. und in jeder Zeitung kann man Annoncen sehen, worin Kaufleute in selbständige, führende Stellungen gesucht werden. Ganz gewiß sind ja nun gerade auf den Schlachffeldern die Besten auch des kaufmännischen Nach­wuchses geblieben, unb ebensogewiß kann man aus einem Trottet kein kaufmännisches Genie, keinen Füh­rererziehen". Aber es ist auch ebenso sicher, baß ur. teilsfähige, weltkunbige Menschen. Männer mit Energie unb Verstaub, großzügige selbstbewußte, innerlich unb äußerlich sichere Persönlichkeiten einer gmnblegenben, allgemeinen BÜbung bedürfen. Und diese zu vermit­teln, dazu stehen unsere höheren Schulen da, und es ist eine Sünde, wenn man der Jugend dort eine unvollen­dete Halbbildung zuteil werden läßt, wie sie der Abgang aus Untersekunda zweifellos darstellt. Die Kaufleute müflen sich klarmachen, daß sie ihren Söhnen unb üb r, Haupt ihrem Nachwuchs eine gründliche allgemeine Bil­dung geradezu schuldig sind, daß die ungeheuren wirt- schafllichen Forderungen, die man an Deutschland stellt, niemals von anderen Leuten geleistet werden können, als von gründlichst vorgebildeten. Und diese Vorbildung vermitteln die höheren Schulen, oder weil ja alle Erziehung doch letzten Endes Sache der Persönlichkeit des Erziehers ist die Lehrer auf den höheren Schulen. Wenn Walter Rathenau kürzlich meinte, zu feiner Zett feien die meisten Lehrer gelehrt, verschroben und ur. teilslos gewesen, so fei dies ein ernster Hinweis aus die Frage der Vorbildung unseres Lehrer-Nachwuchs-s. Wir wollen gewiß keine ideologischen, weltfremden Er­zieher gerade für die Generation, die weltkundig int weitesten Wortfinne werden muß. Aber man besinne sich auch gerade in den Kreisen von Industrie unb Han­del einmal darauf, daß man feinen besten Angestellten denen man Goldwerte anvertraut, auch ein anständiges <Set)alt gibt. Wenn der Lehrer auf höheren Schulen Führerpersönlichkeiten ausbilden soll, bann darf er nicht selbst von den Miseren des Alltags überwältigt werben, er muß sich auf Reifen weiterbilden und in der stillen Studierstube ruhig {einer Arbeit obliegen können, aber er darf nicht zur Schaffung von Nebenerwerb gezwun- gen werden, der ihn feiner eigentlichen Aufgabe ent­zieht.

So erwächst denn den Kaufleuten die Aufgabe einer starken», bewußten Förderung unserer höheren Schu­len den Schulen felbft aber wird es zur Pflicht, sich wieder zu besinnen auf ihre eigentliche Aufgabe, die Vermittlung einer allgemeinen, für alle brauchbaren Bildung. Wenn beide Teile sich rechtzeitig darauf be- sinnen, bann wird das eben von unverantwortlicher Seite empfohlene Sinken des Bildungsniveaus ausblel. ben. Videcmt consules!

Hus dem Nachbaraebiet.

Ruckers bei Hünfeld. Bei feinem letzten ober­hirtlichen Besuch in Rückers wurde dem Hochw. Herrn Bischof eine freudige Ueberraschung bereitet. Beim Empfang wurde ihm nämlich durch ein Kind ein Brief überreicht mit der Aufschrift:Ihrem Bischof für das Pricsterseminar in Fulda von der Gemeinde Rückers". In dem Brief befand sich eine namhafte Summe Geld, das in der Gemeinde gesammelt worden war. Seme Bischöfliche Gnaden zeigte sich über das Geschenk hocherfrertt. Möge das schone Beispiel recht viel Nachahmung finden. Es könnte dann noch man­ch nn minderbemittelten Studenten der Theologie der Weg zum Priestertum erleichtert werden.

Heesfeld. Die 20 000 Voit-Hochspan nungsleitirng WintershallHersfeldFried­los MeckbachTann ist inBetrieb genommen worden-

(fpd) Schollen. Beim Spielen mit dem Herdfeuer kam in Gr. Eichen ein unbeaufsichtigtes vierjähriges

Unter dem Einflüsse dieses fortbauernb abscheulichen Wetters war der Fremdenbesuch Liebenburgs noch nie so gering wie in diesem Jahre gewesen, welcher Um, ftanb auf das ganze Geschäftsleben nachteilig einroirtte. Bemühte sich auch die rührige Kurverwaltung durch glanzende Veranstaltungen Gäste aus nah unb fern her­anzuziehen, so konnte sie damit nicht den Mangel des großen, lediglich den Lebensgenuß des luxuriösen Ba­deorts suchenden Fremdenpublikums wett machen, zu. mal sämtliche Festlichkeiten, die im Freien ftattfinben sollten, regelmäßig zu Wasser wurden. Nur das in den gewaltigen Räumen des Kurhauses abgehaltene Künst- lerfest hatte einen vollen Erfolg zu verzeichnen, da der Fürst des Landes selbst diesem die Ehre feines Besuches geschenkt und infolgedessen alles, was sich in der Resi­denz und in den in weiterem Umkreise liegenden Städ- ten zur Gesellschaft zählte, herbeigesttömt war, um die beispiellose Pracht der Veranstaltung zu bewundern Die Zeitungen brachten spaltenlange Arttkel von dem Niedagewesenen, rühmten die Pracht der Dekorationen, die historische Treue der Kostüme und waren alle darin einig, daß der prunkvolle Einzug des Kaisers Maxi- mllian die xrste Note unter dem Dargebotenen verdiene. Unter Namhaftmachung einzelner Personen anerkann­ten sie fast einstimmig, daß unter diesen dem veneziani- chen Gesandten und seiner Braut, dargestellt von Herrn Max Hohenfels und Freifräulein Corona von Olsen, die Palme des Abends gebühre, wobei ein überschweng­licher Berichterstatter einfließen ließ, daß eine beff-rc Wahl für diese beiden Rollen, wie dies schöne, wie für einander geschaffene Paar nicht getroffen hätte werden

können.

Hedwig Hochfeld hatte Abends am traulichen Farni- lientifche den Artikel gelesen und war kaum im Stande gewesen, ihre fieberhafte Erregung vor den Eltern zu verbergen. Mit totenbleich gewordenem Gesicht war ie aufgestanden, hatte auf die ängstliche Frage der Mut­ter, ob ihr etwas fehle, mit gezwungenem Lächeln er­klärt, daß sie sich müde fühle und zur Ruhe gehen wolle. In ihrem Stübchen war sie fast unter der Last des sie Überkommenen Wehs zusammengebrochen. Wechm'ang hatte sie seit jenem Abend an welchem sie ihre Verlo­bung mit Wilhelm Friedwald gelöst, auf ein Lebens­zeichen des schönen Mannes geharrt, ber ihr ganzes Empfinben in so unlösliche Fesseln geschlagen sie hatte es nach dem, was er ihr zugeschworen, für unmög­lich gehalten, daß er ihren Anblick so lange entbehren könne und war dennoch, vertrauensvoll fest bauend auf

Kind den Flammen zu nahe und wurde von diesen et- griffen. Das Kind verbrannte.

mc Aronkfuri a. In letzter Zeit beobachtet man in allen Städten eine auffällige Zunahme der Selbstmorde. So hat man hier an einem Tage sieben Selbstmorde und Versuche dazu gezählt, in Nürn­berg seckp, in Mannheim füttf und in Stuttgart gar acht, während in normalen Zetten in der Woche mit einem oder zwei Selbstmorden gerechnet werden konnte.

nc Frankfurt a. 2H. Frankfurt leidet augenblicklich wie alle Großstädte außerordentlich unter der Ratten­plage. Diese Nager sind so dreist, daß sich dieser Tage am hellen Mittag eine große Ratte einer Frau in der Allerheiligenstraße, die vor einem Laden stand, auf ben Fuß setzte und ihren langen Schwanz um ben Knöchel der Frau schlang. Erst durch ganz energische Bewegun. gen und Schlagen mit dem Schirm wurde das Tier ver. jagt. Die Stadtverwaltung bekämpft die Plage mit allen Mitteln, doch sind die Erfolge bisher nur sehr gering. Der Magistrat beschloß, der staallichen Hilfs- lasse einen Kredit von 300 000 Mk. einzuräumen, die als Darlehen an Haus desitzer ousgegeben werden sollen, damit diese die nötigsten Hausrevaratu» ren vornehmen und den Handwerkern sofort Barzah. lung leisten können. 3n der Metallindustrie des Frankfurter Wirtschaftsbezirks sind sämtliche laufenden Lohnverträge auf den 30. November ge- kündigt worden. Den Arbeitgebern sollen in den nächsten Tagen die neuen Lohnforderungen der Arbei­ter überreicht werden.

(fpi>) Würzburg. Im benachbarten Heibingsfeld wurden sieben Zentner Käse, die verschoben werden sollten, beschlagnahmt. Die Ware wurde zu annehmbarem Preise an die Einwohnerschast oer- kauft

sfpd) Aschaffenburg. Auf Veranlassung tes Obcr- bürgermeisters wurde der städtische Obersekre­tär Herzog verhaftet, weil er dringend ver­dächtig ist, sich bei der Erledigung von Kartoffelankäu­fen für die Beamttng>'wrrkschust im Herbst 1920 durch Unterschlagung und Betrug persönliche Vorteile ver­schafft zu haben.

Kus Oberhesiey und den hessischen Remtern.

# Treysa. Seit längevrr Zett werden zwischen der Staatsreglerung einerseits und den städtischen Behörden von Ziegenhain und Treysa andererseits Verhandlun­gen gepflogen wegen des Ausbaues der in bei­den Städten bestehenden Mittelschulen und wegen etwaiger Uebernahme aus die Staatskasse. Auch andere benachbarte Städte sind um Errichtung höherer zu Vollanstalten allmählich aus- zubauender Schulen beim Ministerium vorstellig ge- worden. Dieses hat sich nun, schon mit Rücksicht auf die zentrale.Lage, für Treysa entschiedm und hat den eingangs genannten Nachbarstädten einen Vertrags­entwurf zwecks Errichtung einer gemeinschaftlichen Schule mit dem Sitze in Treysa vorgelegt. Die hiesige Stadrverordmtenvetsmnmlung hat in ihrer letzten Sitzung diesen Vertrag in der Erwartung angenom- nvm, daß der Staat zu den Kosten der Erbauung eines neuen Schu,Hauses eine Beihilfe leistet.

Vermischtes.

* Jugendliche Revolverschützen. In einer Wirt­schaft in Gelsenkirchen, in der ein Tanzvergnügen stattfand, belästigten zwei junge Burschen aus Rott­hausen ein junges Mädchen und wurden deswegen von dem Wirtsfohn und einigen Gästen aus dem Lokale entfernt. Draußen fielen mehrere Schüsse. Ein Schuß durchbohrte die Rolläden und traf den am Fenster sitzenden, an der Sache völlig unbeteiligten Bergmann Georg Reynders tödlich. Dieselbe Kugel verletzte dann noch den Maschinenschlosser Wilhelm Zimmermann, der eine leichte Verwundung am Hinterkopf erlitt. Die erregten Gäste stürmten auf die Straße, um die Täter festzustellen; sie wurden draußen sofort mit zahlreichen Schüssen empfangen, durch die drei weitere Personen getroffen wurden Sie mußten dem Krankenhaus zugeführt werden. Bisher ist es nicht gelungen, die Mordbuben zu b erhoffen.

* Der Skörtebecker-Schah. lieber den Störte- becker-Schatz, der vor einiger Zeit in der Nähe von Neustadt a. d. Oste gefunden wurde, teilt der Ent­decker, Archivar K i e p, mit: Zweimal habe er sich vergebens an die Regierung gewandt wegen Ga­rantierung des Finderlohns, um den er an­scheinend gebracht werden solle. Man habe ihm mit Verhaftung gedroht wegen des Verdachts der

feine Neigung zu ihr, unerschöpflich im Aussinnen von Gründen gewesen, die fein Ausbleiben entschuldi­gen konnten. Die Gelegenheit, Max Hohenfels im Gar­ten zu sehen, war ja schon durch das dauernd schlechte Wetter abgeschnitten, außerdem aber durch den Um­stand, daß immer Arbeitsleute anwesend waren. Eine andere Gelegenhett, dem Geliebten zu begegnen, kannte aber Hedwig nicht und würde eine solche auch unter keinen Umständen gesucht haben dagegen sträubte sich ihr ganzer weiblicher Stolz. Warum hatte Max Hohenfels wenigstens nicht einige sie tröstende Zeilen an sie gerichtet? Jeden Tag hatte sie in fiebernder Erwartung dem Kommen des Postboten entgegenge­sehen, war ihm entgegengegangen, um die einlaufenden Briefschaften in Empfang zu nehmen es befand sich niemals etwas darunter, keine Zelle, welche die un­geheure Spannung ihres Innern hätte lösen können. Und dabei die Qual des Verheimlichens, die stete Angst, daß ein Zufall ihre Beziehungen zu dem Sohne des Nachbars an ben Tag bringen könnte, die Angst vor dem Augenblicke, in welchem sie den Ihrigen erklären mußte, daß ihre Verlobung mit Wilhelm Friedwald gelöst fei.

Wie hatte sie aufgeatmet, als ihr Bruder Karl am zweiten Tage nach ihrem inhaltsreichen Gespräch mit Wilhelm Friedwald bei dem Nachhausekommen er­zählte, daß der Freund in dringenden Geschäften plötz­lich nach England habe verreisen müssen, wie ihm, Karl, von einem ihm zufällig begegnenden Angestellten der Firma Albrecht Hohenfels mitgeteilt worden war und daß Friedwald voraussichtlich einige Wochen fern bliebe. Die Ettern waren darüber erstaunt gewesen, daß er, ohne Abschied von der Braut zu nehmen, ge, gangen war; Karl hatte aber dafür die Erklärung ge ben können, daß der Freund, um einen bedeutenden Verlust seiner Firma zu verhüten, ganz plötzlich un zwar zur Nachtzeit abceisen mußte. So war sie, Hed­wig, vorläufig davor bewahrt geblieben, den Ellern die für dieselben gewiß höchst niederschmetternbe Mit­teilung von ihrem Bruch mit Friedwalb zu mach n Aber es brückte ihr beinahe das Herz ab, mit dem Ge­heimnis unter den Augen des guten Vaters, ber liebe, vollen Mutter herumzugehen, immer wieder auf die teil, nahmsvoll ängstlichen Fragen der beiden nach ihrem Befinden und nach dem Grund ihres seltsam veränder­ten Wesens ausweichende Antworten geben zu müf. fen, denn es war ihr, als muffe sie sich in tiefster Seele hinein schämen, das zu offenbaren, was sie netan, trotz»

Fundunterschlagung und ihm Amtsentlassung in Aussicht gestellt. Kiep will nicht mit dem Schatz über den Harz gehen", aber seinen Antell gewahrt wissen. Seine Forderung ist der zehnte Teil des Schatzes, aber nicht etwa in Papiergeld. Der Weg zum Schatz gehe nur über feine Leiche. Es haben sich u. a. auch die Erben S t ö r t e b e ck e r s ge­meldet; auch soll ein Verttag mit dem Herzog von Sachsen existieren, wonach der ganze Schatz nur aa diesen ausgeliefert werden soll.

handel und Wirtschaft.

= Die Entwertung der Mark schreitet mit unhettn. lieber Sicherheit fort. Der Dollar notierte am Donners­tag an der Berliner Börse 205 Mark.

= Wagenbelieierung ber deüungspapierfabriBtn. Der ReichstzertehrSminifter bat vor einigen Tagen an- geordnet, daß Wauen für ZeitungSdruckpapier in den nächsten zwei Wochen mit Vorrang vor allen anderen Gütern zu stellen sind. Die Eisen- babnbireftionen sind besonders angewiesen, dafür zu sorgen, daß die Wagen nicht nur zur Beladung gestellt, sondern auch pünktlich bis zum Empfangsort durch­geführt werden muffen.

= Wiederaufnahme des Lloyddampserverkchrs mit Amerika. Der Norddeutsche Lloyd nimmt Anfang 1922 die direkten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wie. der auf und errichtet zu diesem Zwecke wieder eine eigene Lloydvertretung in Rewymck. Eigene Passagieidampser ber Norddeutschen Lloyds nehmen ben Dienst Bremen. Newyork im Februar wieder auf. Ferner erweitert der Norddeutsche Lloyd demnächst feinen Frachtdampserdienst Bremen-Brasilien durch Einstellung eines britten Dampfers. Zu diesem Zweck« wird der in Stettin neu- erbaute DampferMeriden" als brütet Dampfer in Dienst gestellt. Der Dampfer geht am 14. Dezember von Bremen nach Rio de Janeiro und Santos ab. Er ist auch zu/ Beförderung von Pasiagteven eingerichtet.

Markte.

Hersfeld. Dem Schweinemarkt am Don­nerstag waren 247 Ferkel und 8 Läufer gugetrieben. Für Ferkel wurden 100200 Mark, für Läufer 700 Mk für das Stück gezahlt. Der Markt war schleppend und es wurde nicht viel abgesetzt.

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Amtliche Anzeigen.

An sämtliche Herren Bürgermeister des Kreises Fulda.

Wiederholt ist beobachtet worden, baß im Streife Zlttd oerborbenes unb auch gesundheitsschädliches Fleisch in ben Verkehr gelangt ist, weil die betreffenden Ortspolizei' behänden die diesbezüglichen Bestimmungen des Fleiich- belchaugeletzes überhaupt nicht ober aber unvollkommen in Anwendung gebracht halten. Es hanbett sich hier in erster Linie um Fleisch, welches bei der tierärztlichen Beschau bedingt tauglich" befunden worden ist. Solches Fleisch wird mit dem Stempelzeichen O gekennzeichnet. Es darf nicht eher in den Verkehr gebracht werden, ehe es durch ein besonderes Verfahren und unter polizeilicher Aussicht tauglich gemacht worben ist. Dor erfolgter Tauglich» machung kann solches Fleisch gesunbheitsschäbliche Wikung haben. Um zu verhüten, daß bedingt taugliches Fleisch vorzeitig in den Verkehr gelangt, unb um die Bestrafung bei Zuwiderhandlung zu ermöglichen, ist es erforderlich, folgende Punkte auf das Genaueste zu beachten:

1. Kein Teil des Schlachttieres darf aus dem Schlacht- raume ober der Schlachtstelle (Hofraum,Schlachthaus, Scheuer, Schuppen) entfernt werden, bevor das Fleisch der hn Ge­setz vorgeschriebenen Behandlung unterzogen worben ist. Elne Abgabe von bedingt tauglichem Fleische mit dem Hin- zulügen:Das Fleisch muß vor dem Gebrauche gekocht werden" entspricht nicht den gesetzüchen Bestimmungen. Auch der Verbrauch im eigenen Haushalte darf nur erfolgen unter Einhaltung der besonderen gesetzlichen Be­stimmungen.

2. Die Ortspolizeibehörde hat die weitere Be­handlung des Fleisches zu überwachen und Sorge zu tragen, daß bas entsprechende Verfahren Anwendung findet. Es handelt sich um Ausschmelzen, Kochen, Dämpten oder Böckein. Der Tierarzt wird angeben, welches Verfahren Anwendung findet.

3. Verzichtet der Besitzer des Schlachttieres auf die Tauglichmachung des Fleisches, so ist es als untauglich zu behandeln unb ben gesetzlichen Bestimmungen gemäß un­schädlich zu beseitigen. Auch als Tier- ober Filchfutter bars solches Fleisch nicht in Verkehr gebracht werden. Die utr schädliche Beseitigung ist polizeilich zu überwachen.

Fulda, den 30. Okto ber 1908.

Der Landrat: gez. Springorum.

Wird in Erinnerung gebracht.

tjuiba, ben 28. Oktober 1921.

Der Landrak: Frhr. v. Sagern.

dem sie doch nur einem unwiderstehlichen seelische» Zwange gefolgt war.

Unb nun hatte sie gelesen, daß der Mann, um wel chen sie sich härmte, in rauschenden Vergnügungen schwelgte und an der Seite eines hochgeborenen Fräu­leins Triumphe feierte. Konnte sie da noch daran zwei­feln, daß er nur ein loses Spiel mit ihr getrieben habe, ein Spiel, dessen er überdrüssig geworden war, sobald die Erscheinung der allenthalben als Schönhett gefeier­ten Corona von Olsen in feinen Gesichtskreis trat und fein wetterwendisches Herz fesselte? In den glänzenden Sphären, in welchen er sich bewegte, mußte jedenfalls das Andenken an sie, das einfache Bürgermädchen, ver­blassen. Ein unendlich beschämendes Gefühl ergriff die Nachsinnende bei dieser Vorstellung. Wie hatte sie sich nur der Illusion hingeben können, daß der als der all­gemein verhätschelte Liebling der vornehmen Damen­welt bekannte Max Hohenfels zu ihr herabsteige und es wirklich ernst unb ehrlich mit ihr meine? Unb mit diesem beschämenden Gefühl regte sich in ihr ber Stolz der Verschmähten, der Stolz auf das Bewußtsein ihres in­neren Wertes. Wie eine Wandlung ging es in ihrem Innern vor viel nüchterner und leidenschaftsloser wie in den letzten, in Harren und Hoffen vergangenen Wochen vermochte sie die ihr Inneres durchströmenden Empfindungen zu sondern, jede Einzelne auf Tiefe und Gehalt zu prüfen, wobei sie zu der erschreckenden Er­kenntnis kam, daß nicht das innere Wesen des Ge. liebten, sondern nur dessen äußere Erscheinung m Ver­bindung mit der vornehmen Art, sich zu geben, sie so rnächttg zu ihm hiiigezogen hatte. Wie hatte sie nur diesem Gefühl eine so unbeschränkte Macht über ihren inneren Willen einräumen können, sie, die doch sonst allen Phantastereien abhold und von frühester Jugend auf beftrebt war, in allen Verwicklungen des Lebens ihren klaren Kopf zu behalten? Hatte sie in einem Traumjuftanbe dahmgelebt, in einer Verfassung, bie ihr Denkvermögen beschränkte? Und in diesem Traum­zustande hatte sie das Band, welches sie an den besten, edelsten Menschen geknüpft, auf immer gelöst bei dem Pedanten durchzuckte sie wieder das schneidende Weh, welches sie damals nach dem Abschiede von Wil. Helm Friedwald gespürt wie ein lähmender Alp la. gerte es sich auf ihre gemarterte Seele und vor ihrem Bette in bie Kniee sinkend, verhüllte die Einsame ihr Gesicht in den Kiffen und brach in ein herzzerreißendes Weinen aus.

Efittletzung folgt)