Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.
Nr. 252.
Derantwonlich für den reoauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: Z. Parzeller-Fu:oa. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Lciienüruckerei in Fulda. i?«rn,nrecher Nr. v. Telegr.-Adrelse: Fuldaer Zeitung.
Mittwoch, 2. November I92L
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48. Zahrg.
Das Unheil von Amerika.
Jenseits des großen welches tritt jetzt die Abrüst u n gs ko n fer enz zusammen. Damit wird der Brennpunkt der Zeitgeschichte nach Nordamerika verlegt. Das entspricht der Kräfteoerschiebmig in den letzten sieben SchicksÄsjcchren. Durch den Krieg, durch chie Rwolutionen und durch die schlimmen „Friedens- Verträge" fft die alte Welt so arg zerrüttet worden, daß di« neue Welt die Oberhand gewinnen konnte.
Die Frage der Abrüstung bildet für die trans, atlantische Wrltkonfevntz den Kem des Programms. Deutschland wird davon nur mittelbar berührt. Wir selber sind ja schon zwangsweise abgerüstet bis aus die blanke Haut. Es kann sich nur dämm handeln, ob die Gegner und Neider an beiden Seiten Deutschlands zur Verminderung ihrer Kriegsrüstrmgen veranlaßt werden können, wodurch sich für Deutschland etwas mehr Sicherheit ergeben würde. Die Aussichten in dieser Be- ziehamg sind aber sehr trübe. Nordamerika steht sebr sreundschastlich zu Frankreich, und die Franzosen rechnen bestimmt darauf, daß die Bereinigten Staaten schon fürdieSicherheitFrankreichs sorgen werden. Bon der Sicherheit des armen Deutschlands ist fiter» Haupt ferne Rede. Zur französischen „Sicherheit" gehört ater einerseits die fortgesetzte Schwächung Dcutsch- toiti>5 mit andererseits die Slufrechlerholltung der ftorten Kriegsmacht d:s Marschalls Fach. So wird voraussichtlich das französische Heer in der alten Stärke bestehen bleiten, und wir Deutsche werden diese Rüstung der Gegner zum großen Teil bezahlen muffen durch die riesigen Unkosten für die überflüssigen Besatzungs- truppen.
Wer aus Amerika noch irgend welche Hoffnungen setzen möchte, foll sich gefälligst daran erinnern, daß das ganze Unheil der Gegenwart im Grunde von den Ser« ehiigien Staaten stammt.
Amerikas militärische und finanzielle Leistungsfähigkeit gab den Ausschlag auf dem Kampfseid zu unseren Ungunften. Als wir mm um Frieden nachsuchen «rußten, gab die politische Schwäche Wilsons den Ausschlag für die entsetzlichen FrteÄmstedingungen, die Elemeneeau und Fach zu unserem Verderben durch- ietzten.
Bei all den nachfolgenden Bestrebungen zur Milderung unserer erdrückenden Lasten zeigte uns Nordamerika, auch unter dem neuen Präsidenten, die kalte Schulter. Wir konnten uns höchstens an die Hoffnung klammern, daß England jene retckpolitlsche Einsicht betätigen würde, die Lloyd George wiederholt in seinen Raten zum Ausdruck gebracht hatte. Aber die englische Macht ist immer wieder umgefallen vor ter französischen Hartnäckigkeit, und sie hat schließlich sogar in der oberschlesischen Frage die feierlich verkündeten Grundsätze sowie die eigenen äntcreffen mit verblüffender Selbstverleugnung preisgexrchen. Warum? Es bleibt keine andere Erklärung, als die Armahme, daß ßlogö George Deutschlands Recht und Deutschlands Zukunst ja sogar ein Stück vom Ansehen der britischen Macht preisgibt, um nur ja einen Bruch mit Fmnkveich zu vermeiden, weil hinter Frankreich di« große nordamerikanische Weltmacht steht. Er behandelt die wichtigsten Angelegenheiten von Mitteleuropa als Nebensachen, und läßt sich b'stimmen von den Rücksichten auf den Wettbewerb im Flottsnbau, aus die wirtschaftliche und politische Kraftentfalttmg der Nordameri- tonet und auf die Schwierigkeiten, die sie den briti- scheu Kolonien, dem oerbündetiM Japan und im Bunde «mit Frankreich sogar dem englischen Mutterland« machen könnten.
Nordamerika ist es, das dm Franzosen Diktatur fn Mitteleuropa verschafft hat. Deutschland hat den Schaden davon an seinem Mutet tben Dolkskörper zu trogen und England hat unter diesem Einfluß schon eine empfindliche Einbuße in feiger Weltmachtstellung er« litten.
Deutschland wird aus eine Entlastung erst dann hoffen dürftn, wenn m Nordamerika ein Umschwung in ter Politik eintritt.
Die Iagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
„Besonders wenn die Mama sich nur in dem Trubel oer Gesellschaft wohl fühlt!" unterbrach Herr Hohenfels seine Frau mit leisem Spottlächeln. „Doch laß das, Franziska — über diesen Punkt werten wir nicht einig. 'SOr allem bitte ich Dich kein Wort mehr über die ganze Affäre gegen Emilie zu erwähnen — je weniger man die Sache aufrührt, desto eher verläuft sie im feanbe — Schon zehn Uhr —" unterbrach er sich, als die an der Seitenwand stehende gvoße Uhr mit dumpfem tocMage die Stunde verkündigte — „da wird der Daniel mit der eingelaufenen Korrespondenz zurück sein."
~am.u fäicftc er sich an, das Zimmer zu verlasien, bueb aber an der schon halbgeöffneten Tür nochmals stehen und sagte: „Was ich noch sagen wollte: Du kannst den Kutscher di« Karten Mr daz Künstlerfest im Kurhause besorgen lassen - wir wollen es denn in Gottes Namen, besuchen!"
Frau Hohenfels nickte nach der Entfernung ihres Gatten befriedigt vor sich hin. Wurde ihr doch mit dem besuch des Kunstlerfestes ein Herzenswunsch erfüllt. Dieser Tage noch hatte sie einen erregten Auftritt mit ihrem Gemahl gehabt, ter sich entschieden gegen den besuch des Festes verwahrte unfc dabei als Grund angab, daß ihm der Besuch der -Veranstaltung zu teuer sei. Zu teuer — lächerlich! Allerdings verschlangen die projektierten Toiletten für sie und Emilie eine respektable Summe, dazu die horrenden Eintrittspreise — aber feit wann kamen bei Albrecht Hohenfels derartige «ebensächliche Dinge in Betracht? Der Mann wurde entschieden alt. Da wollte sie nur gleich Emilien die «reudige Mitteilung machen und die Toilettenfragen mit Sfr beratschlagen — das lenktie von allen verrückten Bebanten ab.
Gerade wollte sie sich erheben, als ihr Sohn Mar p das Zimmer trat und mit einem nachlässigen „Gu- en Morgen, Mama!" seinen 'Platz am Frühstückstische «nnahm. Trotz der Morgenstunde zeigte das Wesen des
Minell StegecwM Wiickzcketen.
Das preußische Siaatsinimsterium mit tem Ministerpräsidenten Stegerwald atr der Spitze hat am Dienstag beschlossen, zirrückzutreton. Die Demission des Ktetnetts wird vom amtlichen preußischen Pressedienst in folgender Form midgeteilt:
„Das preußische Staatsmmisterimn HÄ tetn Präsidenten des Landtages feinen Rücktritt angezeigt. Das Staatsmimsteriu-m ist zu diesem Entschluß gelangt, nachdem alle Bemühungen des MkristerpräsideMen, durch Umbildung des Kabinetts eine neue Regierung $u schaffen, di« sich auf möglichst weite Kreise des preußischen Boltes stützt, fehlgeschlagen sind. In Anbetracht ter wirtschaftlichen und politischen Anforderungen, die die nächste Zukunft an die Staatsleitung stellen wird, und geleitet von dem Wunsche, stetige und gesicherte Regierungsverhältnisse in Preußen zuu schaffen, will das Staatsministerium bem Landtage die völlige Bewegungsfreiheit zurückgeben."
Der Anstoß zu dem Rücktrittsentschluß tes Kabi» neUs soll aus ter soziaidcmokratifchen und aus ter te- mokratffchm Landtagsfraklion gekommen sein. Bon sozialdemokratischer SÄte fft Herr Steger- waid darauf aufmerksam gemacht worden, daß die sozialdemokratische Landtogsfraktion an ter Fo-ttsüh- nmg ter von ihm in ter letzten Zeit unternommenen, aber immer ergebnislos gebliebenem Versuche zur Bil- duntz einer erweiterten Koalition kein ärtiereffe mehr habe. Zugleich wurde Herr Stegerwald darüber benachrichtigt, daß feine Regierung mit ter schärfsten Opposition der Sozialdemokraten zu rechnen habe. Auch die demokratische Landtagsfraktion war angeblich zu dem Entschluß gekommen, ihre Minister aus dem Kabinett zurückzuziehen, um völlig fre'e Bcchn zu schaffen. Der einstimmig gefaßte Beschluß hatte folgonten Wortlaut: „Nach ter veränderten politischen Sage erscheint uns die jetzige Zwei- parteien-Regierung nicht mehr länger haltbar. Die bis. herigen Versuche, zu einer Verbreiterung ter Regie- rungsgrundiage zu gelangen, müssen wir als geschritert betrachten. Um freie Bahn zur Bildung einer tragfähi. gen Regierung zu schaffen, treten unsere Minister aus ter jetzigen Regierung zurück."
Wie sich die Lösung dieser plötzlichen Krise gestalten wird, ist noch nicht klar. Es ist damit zu rerfjnen, daß bereits Donnerstag die Wahl des neuen Ministerpräsidenten stattfindet.
Das Echo des Rücktritts.
In einer Unterredung mit einem Mitarbeiter des „Berliner Tageblatts* erklärte Ministerpräsident Stegerwald zu der Regierungskrise in Preußen u. a.: Auf Grund der preußischen Verfassung wird die gegenwärtige Regierung als Geschäftsministerium einstweilen auf ihrem Posten verbleiben. Heber meine weiteren persönlichen Absichten kann ich noch nichts sagen. Am Donnerstag tritt der Landtag wieder zusammen. Dann erst werden die Besprechungen mit den Fraktionen eine Klärung der Lage herbeiführen können. Ich bin der Ansicht, daß die politische Lage ein K a b i n e 11 auf breiter Grundlage notwendig macht.
Die preußische Regierungskrise wird von den Blättern auf die Krise im Reiche zurückgeführt. Die Verhandlungen über die große Koalition in Preußen hätten bereits zu einer weitgehenden Einigung geführt, als der Verlauf der Krise im Reiche neue Schwierigkeiten geschaffen habe. Die Sozialdemokraten haben wegen des Verhaltens der deutschen Dolkspartei bei der Regierungskrise im Reiche erklärt, baß sie nicht mit der Dolkspartei zusammen- gehen können. Gleichzeitig haben sie eine verschärfte Opposition gegen bas Kabinett Stegerwald angekündigt und auch durchblicken lasten, baß sie darüber hinaus gegebenenfalls zu ben Mitteln ber Obstruktion greifen würben, um bis gegenwärtige Regierung zu stürzen. Aus dieser Situation hätten die Demokraten die Konsequenzen gezogen und ihre Minister aus bem Kabinett abberufen.
jungen Mannes etwas Müdes, Abgespanntes, als hätte er die Nachtruhe entbehrt, was feine Mutter wohl auch anzunehmen schien, denn kopfschüttelnd begann sie: „Aber Max, warum bist Du gestern abend nicht mit nach Hause gekommen? Als wir uns verabschiedeten, warst Du auf einmal spurlos verschwunden. Der Papa war recht böse auf Dich."
Wie klang die Stimme der stolzen Frau so mild bei ben Vorwürfen, gerade als fällte jedes Wort, das sie vorbrochte, eine Schmeichelei fein. Dabei richtete sich ihr Blick wie in zärtlicher Besorgnis auf die schlaffen Züge des Sohnes, der mühhfam ein Gähnen unterdrückte, und sich wie gelangweilt in dem Befiel räkelnd, erwiderte: „Papa war böse? Das kann ich mir denken, denn Papa ist ja nichts recht zu machen. Ginge es nach ihm, dann wäre ich als Mummelgreis auf die Wett gekommen! Ist es denn etwas fo Ungeheuerliches, daß ich mich nach, dem langweiligen Klimbim bei Direktors mit guten Freunden noch ein wenig amüsiert habe?"
„Gewiß nicht, sofern sich diese Amüsements in den Grenzen halten, wie es sich für einen jungen Mann aus vornehmer Familie schickt. Aber Papa ist nach der Londoner Affäre mißtrauisch geworden und steht über- all Gespenster, wenn es sich um Dein Tun und Lassen handelt. Und so ganz Unrecht kann ich ihm nicht geben Max, wenn ich bedenke —*
„Gott im Himmel, Mama, fängst Du auch an?" un- terbrach sie der Sohn mit einer unwilligen Gebärde. „Du wirst doch nicht in das nämliche Horn blasen, wie der Papa mit seinen veralteten Anschauungen? Soll ich mir in diesem langweiligen Rest nicht das geringste Vergnügen mehr gönnen und zum leuchtenden Tugendspiegel für die Mitwelt werden? Na — ich danke. Die- sez fortwährende Ducken und Beugen unter das, was der Papa „korrekte Aufführung" nennt, ist mir wahr, haftig ein Gräuel! Uebrigens Mama, kannst Du mir mit einigem kleinen Geld aushelfen — ich bin fo ab. gebrannt wie eine Kirchenmaus.
„Aber Max" — das Gesicht der Mutter nahm den Ausdruck peinlichsten Erschreckens an — „ich habe Dir
Hinsichtlich ber Neubildung bes Kabinetts nennen I die Blätter zwei Möglichkeiten, entweber Herstellung einer großen Koalition von > der Deutschen Dolkspartei bis zur Sozialbemokratie oder Bildung der sogenannten alten Koalition aus Zentrum, Demokraten und Sozialdemokraten. Die Aussichten für die erste Mög- lichkeiten werden allerdings von den Blättern als äußerst gering bezeichnet.
Gderschlefien.
Dem deutschen Botschaster in Paris ist eine Note ter Botschafttnonfnenz übermittelt warten, worin auf die Gefahren aufmerksam gemacht wirb, die der Eintritt lantesfremder Personen nach Oberschlesftn für die Auf- rechterhaliung ter Ordnung in diesem Lande haben könnte. Die Konferenz würde darnach die deutsche Regierung als in hohem Maße verantwortlich betrachten, wenn die Unruhen in Oberschlesien von Leuten, dis aus dem teiltfdjen Gebiet kommen, gefördert würden. Ob eine Note gteichlautendeir Inhalts auch ter Warschauer Regierung übermittelt worden ist, fft nicht bekannt.
Nach einer Meldung des „Bett. Lokalanz." aus Breslau werten als Protest gegen die Zerreißung Oberschlesiens die Bvslcmer Kaufleute und Eewerbetrcibenten am Freitag nachmittags 1 Uhr ihre Betriebe und Geschäfte schließen. Am gleichen und am folgenden Tage werten auch die Veranstaltungen und Lustbarkeiten unterbleiben. Die Polizeistunde wird auf abends 9 Uhr feftgffetzt werd«!.
Der Reichstag,
ter zum Zwecke ter Stellungnahme zur Ententenote über Oterschlefien einen Sitzungstag eingelegt hatte, wird nun am 3. November seine Arbeilen für längere Zeit wieder ausnchmen. Der Reichsrat wird hoffentlich die ihm vottiegenten Steuer gesetzcnt wfir fe soweit erledigt haben, daß sich nunmehr auch ter Reichs- tag mit ihnen befassen kann. Denn die ter Gesetzge- bang bevorstehende Hauptaufgate für die nächste Jett liegt in der Durchberatung der von ter Reichsregierung ausgcarbeiteten großen Steuervottagen, die infolge tes Reparationsprogramms notwendig geworden sind.
Einige ter Entwürfe liegen bem Reichstag bereits vor, fo der Entwurf eines Gesetzes zur Amderung des Körperschastssteuergefctzes, der Entwurf über Erhöhung von Zöllen und ter Entwurf eines Gesetzes über di« Erhöhung einzelner Verbrauchssteuern. Die letztge- nannte Vorlage enthält fims Abteilungen: 1. Die Seudjt- mittelsterer, dann die Zundwarensteuer, ferner die Mer steuer, die Mrnero lwassersteuer und schiießlich die Tabaksteuer.
Die Tagesordnung ter Reichsiagssitzung vom 3. RoaMber sicht ebenfalls bereits fest. Es finten sich auf ihr zunächst drei Interpellationen, eine volkspartei- lichs über Vorkommnisse in ter Pfalz, eine mehrheits- soziaiistffche über die Preissteigerung ter Waren deutscher Herkunft und über den offen betriebenen Wucher und schließlich eine kommunistische über das Verbot des Landens russischer Schiffe im Stettiner Freihafen.
Ferner liegen einige Anttäge vor, ein unabhängiger über bte Erhöhung ter täglichen Mehlration vorn 1. November ab und ein demokratischer über die Verzögerung ter Veranlagung und Erhebung ter Reichseinkommensteuer.
Drei Gesetzentwürfe sollen ihne Beratung finden: einer über die Abänderung ter Verordnung über Lohn- beschlagnahme, ein anderer, ter von der U. S. P. D. ein- gebracht ist über die Börsenumsatzsteuer und schiießlich ein Entwurf über die Regelung tes Verkehrs mit Kartoffeln. _________________
Memoiren.
Bethmann Hollwegs zweiter Band.
Blätter bringen Auszüge aus dem II. Teil der „Betrachtungen zum Weltkriege" von Bethmann "' ........11 ........
vorgestern hundert Mark gegeben, die ich mit Mühe dem Wirtschaftsgeld abgezwackt habe und heute stehst Du schon wieder mit leeren Händen da? Du hast doch am Ende nicht wieder gespielt?"
„Soll ich mich von Fritz Brenner und ben anderen auslachen lassen und sagen: Papa und Mama erlauben es nicht, wenn eine Partie Bakkarat vorgeschlagen wirb? Wenn sich Leutchen wie der Sohn unseres Nachbars beteiligen, soll ich zurückstehen? Das verlangst Du doch gewiß nicht, Mama?"
„Der Sohn unseres Nachbars?" fragte seine Mutter mit angehaltenem Atem. „Der junge Hochfeld? Aber Max, wie kommt denn der in Euren Kreis?"
„Auf die einfachste Weise von der Welt — Ich habe ihn eingeladen. Hat sich zwar etwas gesperrt. Ein ganz netter Junge! Kann nicht begreifen, daß Du unv Papa ihn gestern abend so auffallend geschnitten habt!"
„Max — Du suchst diesen Verkehr, jetzt, nachdem so- wohl der Papa wie ich Dix vorgestellt haben, wie un. passend es von Dir gewesen ist. Dich mit dem jungen Mädchen da drüben täglich in eine Unterhaltung einzu. lassen? Und Du hast die Gelegenheit dazu gesucht — ich weiß es! Was soll ich davon halten?"
„Was Du davon hatten sollst, Mama?" versetzte der junge Mann und eine leichte Röte über flog fein blasiertes Gesicht. „Ja nun, daß. ich das Mädchen wirklich lieb habe!"
„Ich muß Dir gestehen, daß ich zu Scherzen gar nicht aufgelegt bin!" entgegnete Frau Hohenfels mit hörbarem Aerger. „Mit derartigen Albernheiten kannst Du mir gründlich die Laune verderben."
„Aber Mama, ich darf mich gerade anstellen wie ich will — Dir und dem Papa ist es nicht recht! Wie oft hast Du mich gedrängt dazu, unter den Töchtern des Landes Ausschau zu halten — ich hab', getan. Ich will, rote es der Papa wünscht, ein waschechter Muster- junge werden und in Gottes Namen einen dicken Strich unter das flotte Junggesellenleben machen. Wenn ich aber meine Freiheit opfere, dann will ich auch a.t meiner Frau Spaß haben.
(Fortsetzung folgt)
Hollweg, der in den nächsten Tagen erscheinen soll- Der Sohn des verstorbenen früheren Reichskanzlers- Felix Bethmann Hollweg, übergibt das Manuskript in bem von ihm Vorgefundenen, nicht völlig fertigen Zustande der Oeffentlichkeit. Auf ebt allgemeines Kapitel, dos insbesondere die Beziehung zwischen Kriegführung und Politik erörtert, folge« vier spezielle Kapitel „Polen", „U-Booikrieg", „Wil- sonS Aktion", dos „Friedensangebot der Mittelmächte^ und schließlich „DaS erste Halbjahr 1917", das mit der Demission des Reichskanzlers abschließt.
Die Aufzeichnungen richten sich namentlich gegen Ludendorff. Zur Widerlegung der Dolch- stoß legende heißt es: .Versagt har Deutschlands Widerstandskraft erst, als vom Zusammenbruch sein« Bundesgenossen begleitet, die amerikanische Kriegshilfe das feindliche Uebergewicht an Men- schen und Material zum Ueberquellen brachte; eine Koalition, deren Bevölkerung 878 Millionen Streiter stellte und die frei über dre Kriegsmittel fast der ganzen Welt verfügte, fielen, nahezu hermetisch abgeschlossen, die Zentralmächle mit ihren 143 Mill. Menschen nach heißem Ringen zum Opfer. Das ist der weltgeschichtliche Vorgang."
Ein großer Teil des Buches ist den Friedensbemühungen gewidmet; u. a. heißt es darüber: „Unabhängig von dey österreichischen Demarchen taten sich während des Krieges zum ersten Mal im Frühjahr 1917 Anzeichen auf, als ob die Entente zu Gesprächen übet den Frieden bereit fei; verläßlich wurde festgestellt, daß einflußreiche Männer Frankreichs und Belgiens nicht abgeneigt wäre«, sich mit Deutschland zu begegnen. Für Frankreich war Briand als bereitwillig zu einer Aussprache angedeutet. Für September wurde eine Zusammenkunft deS Barons von der Lancken mit Briand fest vereinbart, allerdings im letzten Augenblick durch Ri bot verhindert."
Ludendorff als Antisemit.
General Ludendorff gibt in den nächsten Tagen den dritten Band seiner Kriegsdenkwürdigkeiten an die Oeffentlichkeit. Ludendorffs Freund, Oberst Ntkolei, schreibt zur Einführung der Veröffentlichung u. a. folgendes:
Er (Ludendorff) sieht „England, Frankreich und die Leitung deS jüdischen Volkes zur Vernichtung Deutschlands entschlossen. Die scharfe Stellung, nähme gegen daS Judentum, die an zahlreiche» Stellen des BucheS hervorleuchten, ist eine neue Note in Ludendorffs Urteil. Dies erklärt sich mir aus einet Antwort, ine er in einem Ge präch nach dem Kriege gab: „AIS Soldat stand ich dieser Frage fern. Sie wissen, da» ich im Kriege keine Zeit hatte, mich mit ihr zu beschäftigen und eine Stellungnahme deswegen abgelehnt habe. Jetzt aber, wo ich mich in die Gründe unseres Zusammenbruchs vertiefe, gewinne ich den Ein- druck, daß die Bestrebungen des Judentums den unfngen zuwider liefen und oatz ihre Macht die Deutschland» gebrochen hat."
Zur Landlagswahl in Baden.
Glänzender Sieg des Zentrums.
Zur richtigen Einschätzung der schon gemeldeten Ziffern von der badischen Wahl sind einige Der» gleichsziffern nötig.
Der bisherige Landtag war am 5. Ianua„ 1919 als verfaflunggebende Landesversammlung gewählt worden. Es war die erste Wahl nach der Revolution. Er zählle nur vier Fraktionen: drei der Regierungsparteien (Zentrum 40, Sozialdemokraten 35, Demokraten 25 Abgeordnete) mit zusammen 100 Abgeordneten, denen als Opposition die nur sieben Mann starke deutschnationale Gruppe gegenüberstand. Der neue Landtag wird einekleinereAbgeordnetenziffer aufweisen. Als Mandatsbewerber traten neun Parte i g r u p p e n au . Bei der Wahl im Jahre ISIS hatte sich die Deutsche Volkspartei mit den Demokraten zusammengeschlossen; diesmal haben die beiden Gruppen getrennt gewählt und sich gegenseitig heftig bekämpft. Der Erfolg ist, daß beide Orup- Sen zusammen nur denhalben Bestand der Man- ate der vereinigten demokratischen Partei erhallen haben. Die Gruppe der Deutschnationalen hat nur ihre alte Abgeordnetenziffer wieder erreichen können. Als bürgerliche Parteien traten zwei Gruppen, die sich als parteipolitisch völ- lig n e u t r a l bezeichneten, neu in die Erscheinung. Es waren der Landbund, der es auf sieben Mandate gebracht hat, und die Wirtschaftliche Vereinigung (Haus- und Grundbesitzervereine), die ein Mandat erzielten. (Der eine Mann wird den Haus- und Grundbesitz ebenso wenig retten wie die vier Mann um Herrn Bredt im preußischen Landtag.) Man wird die beiden neuen Parteien zur Opposition der Rechten zählen können, die dadurch von 7 auf 13 gewachsen ist. Zu dieser Opposition von rechts erhält der neue Landtag eine solche auch von links. Unabhängige und Kommunisten gab es im alten Landtag nicht. Beide Parteien haben es trotz wüster Agitation nur auf zusammen fünf Mandate gebracht.
Das Charakteristische dieser Wahl ist, daß in den Landtag an Stelle von bisher vier nunmehr neun Parteigruppen einziehen. Dies bedeutet auch für Baden das Ende der bisherigen ruhigen Parlamentsarbeit. Wesentlicher ist, daß der demokratische Gedanke in Baden bei dieser Wahl seine sieghafte Kraft bewährt hat. Trotz der Absplitterung der kleinen Parteigruppen bleibt der demokratisch gerichteten Regierung eine starke Mehrheit.
Was uns vor allem interessiert, ist der Erfolg unserer Zentrumspartei. In der Wahlbetrachtung schreibt bas führende Zentrumsblatt Badens, der „Badische Beobachter" folgendes:
Das Zentrum hätte nach ben Wahlen bes Jahre» 1920 auf 34 Mandate Anspruch gehabt. Don sachkundiger Seite wurde dieser Tage gesagt, wenn diese 34 Mandate am 30. Oktober im Wettbewerb von 9 verschiedenen Parteien artalten werden, bann bedeutet die Hattung bo»