Fuldaer Zeitung
0?^ Druck der Fuldaer Actieudruckerer in Fuld»
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Am 25. Oktober ist, wie schon kurz berichtet, in Genf die dritte allgemeine Arbeitskonserenz, zu der auch Deutschland Vertreter entsandt hat, zu- fommengeireten. Diese Konferenz ist eine Einrichtung der vom Völkerbund geschaffenen „Organisation der Arbeit", für die im 13. Teil des FriodMSvertrages die näheven Bestimmungen gegeben find. Es heißt hier: „Da der Völkerbund die Begründung des Weltfriedens zum Ziele hat und em solcher Friede nur auf dem Boden der sozialen Gerechtigkeit
gegründet werden kann; und da ferner Ar- beilsbedingungen bestehen, welche für eine große Zahl von Ddenschen Ungerechtigkeit, Elend und Entbehrungen mit sich bringen, durch die eine derartige lln.’"-’“- denheit erzeugt wird; daß der Weltfriede und die eintracht in Gefahr geraten usw. „haben die vertragschließenden Parteien die Gründung der Organisation der Arbeit beschlossen. Für sie werden im Friedensvertrag folgende Grundsatz,; genannt: 1) Die Arbeit ist nicht einsach Ware; 2) Das Recht der Koalition bestehe für Arbeitgeber und Arbeitnehmer; 3) Bezahlung eines angemessenen Lohnes; 4) Annahme des Achtstundentages; 5) Einführung eines wöchentlichen Ruhetages; 6) Beseitigung der Kinderarbeit; 7) Grundsatz des gleichen Lohnes für Arbeit gleichen Wertes; 8) Gleichbehandlung auswärtiger Arbeiter; 9) Aufsichtsdienst zur Durchführung des Arbnterfchutzcs.
Karl Legien, der verstorbene Führer der freien Gewerkschaften, hat mit Recht über diesen Plan des Völ- kerbundss folgendermaßen geurteilt: „Hier handelt es sich um eine schöne Geste gegenüber der Arbeiterschaft .... dmch die Friedensbedingungen werden die Fortschritte der deutschen Arbeiter vernichtet, die in jlchrolangen und opfervollen Kämpfen aus dem Gebiete des Lohnmes,ms, der Sozialhygiene, der Wohrmngs- pflege usw. errungen worden sind . . . . Die Bedingungen des Friedensmrtrages bringen für die deutschen Arbeiter die allergrößte Not und Ausnutzung
M 250.
Samstag, LS. Oktober 1921.
Oderschlefiens kirchliche Verhältnisse.
Die Entscheidung über das Abstimmungsgebiet Oberschlesien, von dem etwa drei Zehntel künftighin polnisch sein wird, muß auch unter kirchlichem Gesichtspunkt gewürdigt werden, nachdem der Herr Kardinal Fürstbischof von Breslau für das abzutretmde Gebiet bereits eine eigene Delegatur errichte hat.
Das ganze Abstimmungsgebiet umfaßt 338 Pfar- leten, 31 Kurati en und Lokalien. Von den Pfarreien werden künftighin 108 auf Polen kommen, 230 bei Deutschland verbleiben, von den Kuratien und Lokalien 15 bzw. 16. — Soelsorgsgeistliche sind 549 im Abstimmungsgebiet tätig; davon verbleiben 349 bei Deutschland. Die Gesamtzahl der Katholiken beträgt rund 1860 000; zu Polen werden nach der Trennung 914 000, zu Deutschland 946 000 gehören. Für die Nichtkatholiken betragen die entsprechenden Zohlen 64 000 bczw. 109 000.
Es fällt also fast die Hälfte der Bevölkerung an Polen, denn das abzutrennende Gebiet ist erheblich stärker bevölkert als der deutsch bleibende Teil. Hinsichtlich der Versorgung mit Gristlichen liegen die Verhältnisse in dem polnischen Gebiet viel ungünstiger als in dem deutsch bleibenden. Hier kommen auf einen Eoelsorgsbrzirk 3849 Katholiken und auf einen Serl- sorgsgeistlichen 2713 Katholiken, in dem abgetrennten Teil dagegen auf einen Scelsorgsbezirk 7432 und auf einen Seelsorgsgeistlichen 4571 Katholiken. _
Von dem bei Deutschland bbnbenden Gebiet gehört ein kleiner Tell zum Erzbistum Olmütz, nämlich dos Kommissariat Kätscher mit 41 Seelsorgs- bezirken, 68 Weltgeistlichen, 78 253 Katholiken und 4196 Nichtkatholiken.
Die- Katholikenzahl des deutschen Gebietes des Bistums Breslau geht durch die Abtrennung von 3 330 000 auf etwa 2 420 000 zurück. Da nur wenige Nichtkatholiken an Polen kommen, wird das deutsche Gebiet des Bistums Breslau noch mehr Diasporagebiet wie bisher, die Katholiken machen bisher 25 Proz. jetzt höchstens 20 Prozent der Gesamtbevölkerung aus.
Deutschland hat nunmehr dmch Abtrennungen (ohne das Saargebiet) über 7 Millionen Einwohner verloren, darunter 5 Millionen Katholiken. Die ohnehin schon in der Minderheit befindlichen drut- schm Katholiken werden dadurch erheblich geschwächt. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt um mindestens 3 Prozent von 36,7 Prozent (i. 3. 1920) auf etwa 33,5 Prozent, sodaß jetzt nur ein Drittel der Bevölkerung Deutschlands katholisch ist. Dr. E.
Wie steht es mit der katholischen Internationale?
Viel ist in der letzten Zeit von den mannigfachen Bestrebungen die Red,; gewesen, die auf ein einträchtiges Zusammenarbeiten der Katholiken der verschiedenen Länder bei der Lösung kultureller, caritativer, sozialer
Albert Thomas. Seine Aufgaben sind die Vorbereitung der Konferenzen, die Durchführung der Beschlüsse, die Sammlung aller auf das Arbeitsr.cht bezüglichen Gesetze, sowie das wissenschaftliche Studium sozialer Probleme. Die Aufsicht über das Arbeitsamt wird von einem Verwaltungsrat, der dritten Körperschaft dieser Organisation, ausgeübt, der aus 24, auf 3 Satjre gewählten Mitgliedern und zwar 12 Vertreter der Regierung und je 6 Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer besteht. 3rt führender Stellung befinden sich zurzeit keine Deutsche bei der Organisation der Ar- beü, wohl aber in den Nachgeordneten Stellen.
Während auf der ersten Arbeitskonferenz 1919 in Washington die Frage des Achtstundentages, das Der- bot der Nachtarbeit für Kinder usw. bchandelt wurden, und sich die zweite Konferenz in Genua 1920 mit Fragen seemännischer Arbeit beschäftigte, stehen auf der Tagesordnung der dritten Konferenz in Genf u. a. die^Regelung der Arbeit der Landwirt- schaft, die Einführung eines wöchentlichen Ruhetages in Gewerbe und Handel. Man sicht, daß sich die Organisation der Arbeit sehr weitgehcnde Ziel,; gesteckt hat. Leider hat die Arbeit der Organisation bisher nur geringen praktischen Erfolg gehabt; denn die Beschlüße der Konferenzen sind bisher nur von zwei Staaten ratifiziert worden, doch wird die Durchführung aller Beschlüsse große Fortschritte auf sozialpolttischem Gebiet; in der Welt bringen.
ihrer Arbeitskraft. "
Trotzdem müssen wir, nachdem Deutschland in die Organisation der Arbeit aus der ersten Konferenz 1919 in Washington ausgenommen worden ist, an dem Ausbau dieser Fundamente für ein Welt - arbeiterrecht Mitarbeiten. So war auch Deutschland auf der zweiten Konferenz in Genua 1920 vertreten und ist es heute auch in Genf. Die Organisation der Arbeit umfaßt alle Mitgliederstaaben des Völkerbundes, außerdem die durch besonderen Beschluß, wie z. B. Deutschland, aufgenommenen Staaten, insgcsamt sind heute 50 Staaten Mitglieder. Außerhalb stehen zur- zeit insbesondere noch die V e r e i n i g te «Staate« von Amerika und Rußland. Die Organisation der Arbeit hat drei Einrichtungen getroffen. Mindestens einmal im Jahre findet eine allgemeine Arbeitskon- ferentz statt, zu der jeder Staat 4 Vertreter und zwar 2 für die Regierung und je 1 für die Arbeitnehmer und für die Arbeitgeber sendet. Die zweite Einrichtung ist das ständige internationle Arbeitsamt in Genf unter der Leitung des Franzosen
rem Volke dos Verständnis für die NoiwendigkÄten unserer Tage zu erwecken unä zu festigen unb a u f d 1 Umwege über den Verstand ine neue Swats- sonn schließlich auch im Herzen des feeufichm Voltes zu vemnkern. Das fit die wichtige und notwend^e Werbe arbeit, die jede Regierung zu leisten °.erpfUchtet fit una für die wir in Deutschland denn auch eine omttrche Stelle haben, nämlich die R e i ch s z e n t r a l e f u r H dienst, die die Aufklärungsstelle der Reichsregierung fit.
Es Sann nach dem Dargelegten nicht Sache dieser am.- löchen Aufklärwmsstelle sein, sich in den Streit der Mei- mnK*n einzumischen. Diese Stelle hat vielmehr nur das zu tun was Ranke einmal als die Aufgabe des Geschicht^- lckreibers bezeichnat hat, nämlich: d«s zu sagen, was ist Deshalb beschäftigt sich die R. f. ch.,m ihrer Aufklärungsarbeit auch lediglich mit Gesetz«, und Dmgm, die von der Volksvertretung bereits beschlossen worden sind. Aber auch hier will sie keine Emheck-meinung fabn- zieren, sie will nicht schematisieren, und sie kann und darf dies auch nicht wollen, weit sie eben «ne amtliche Auf- klürungs? und teilte Propagandastelle fit. Sie will lediglich das einwandfreie Tatsachenmaterial, die sachlich neutralen Unterlagen für eine AusNarMgsarb«t un deutschen Volle geben, die dann jeder emzelm, der M m den Dienst dieser guten und notwendigen Sache stellt und zum Trager dieser Aufklärungsarbeit machen will nach seinem Gutdünken ouswerten kann und soll. Deshalb kann und muß dre R. f. H ihre Mitarbeiter auch in allen Parteien finöen .soweit sie sich auf den Boden der Verfassung stellen. (©in zweiter Aufsatz folgt.)
Propaganda oder Aufklärung?
St^te tiT^toienft, Arrn Schöny den wir äwSSn Abdruck bring°n^nl-rte° Ansicht weünZentnnnskrefie über eine amtliche Aufklanmgs- stelle wiedergibi. ....
Der Mord an Erzberger und d.e m fernen Auswirkungen aufgedeckten weitverzweigten wakbon-aren Putsch- pläne haben «wfs neue »erstarkt feen Ruf nach emer größeren Werbearbeit für die Republik erschallen lasten Es gibt wohl niemanden, sofern er sich auf den Boden der Versostung stellt, der die Notwendigkeit einer derartigen Werbearbeit für die in der Versaflung festgelegte neue Staatsform ableugnen könnte. Und wenn der frühere Reichsaußenminister Dr. Adolf Köster vor einigen Wochen in einem „Republikanische Propaganda" übefichrtebenen Aufiatz im „Vorwärts" den Sah aufge- ftettt hat: „Wenn von Seile baut bis Campe das deutsche Volk davon überzeugt fit, daß die Republik heute eine innere Notwendigkeit dwrstellt, dann ist Werbearbeit für die Republik heute wichtige staatsschöpferische Arbeit — eine Arbeit, die die Regierung selber in die Hand zu nehmen hat", so kann man dem nur zustimmen. Die Frage fit nur, ob diese Werbearbeit für die deutsche Re- publäk zunächst in erster Linie Propaganda- oder Aufklärungsarbeit sein soll.
Für jeden, der sich schon einmal eingehender mit diesen Dingen beschäftigt hat, dürste die Beantwortung dieser Frage zugunsten der Aufklärungsarbeit eiggnllch von selbst gegeben fein. Denn was wir während des KrWfs und auch noch in der ersten Zell nach der Revolution an Propaganda und als Früchte einer amtlichen Propagandatätigkeit in Deutschland erlebt haben, kann unmöglich zu einer Fortsetzung dieser Methoden ermuntern. Einmal wurde damals die Propaganda mit völlig unzureichenden, zum Teil sogar mit schädlichen Mitteln unternommen, dann aber auch hat diese gewaltsame Veeinflussung des Volkes jede Aeußerung von Regierungsstellen derartig in Mißkredit gebracht, daß man ihr von vornherein nur mit dem größten Mißtrauen begegnete und auch heute noch zum Teil begegnet. Ich brauche nur an die unheilvolle Propagandatätigkeit des Kriegs- presseamts zu erinnern, die es schließlich dahin brachte, daß man amtliche Verlautbarungen über unsere Lage überhaupt mcht mehr als ernst zu nehmende Auslassung betrachtete.
Es soll nun nicht in Abrede gestellt werden, daß es auch Zeiten und Gelegenheiten gibt, in denen reine Propaganda am Platze und durchaus geboten ist. Man denke mir zurück an die Zeiten vor den Wahlen zur deutschen Nationalversammlung, als man durch Plakate, Flugschriften, Flugblätter, Bild und Film dem deutschen Volke die Notwendigkeit der schleunigen Einberufung einer verfassunggebenden Natwnalversammlung enchämmern mußte. Damals war Propaganda das einzig Mögliche. Aber in Zellen, in denen es darauf ankommt, ein neues Staatswesen systematisch weiter zu entwickeln, die Bevölkerung immer mehr in die neuen Verhältnisse hineimvachsen zu lassen und sie, nach den Orgien des Eigennutzes in feen letzten Jahren, mit Verantwortungsgefühl und Derant- wwrtungsfreudWeit gegenüber dem Ganzen zu erfüllen, sind derartige Methoden nicht mchr am Platze.
Das ergibt sich schon aus einer kurzen Betrachtung des Wesens der Propaganda. Es enfipricht dem Wesen bet Propaganda, daß man mit ihr Augenblickserfolge erzielen kann und erzielen muß. Denn Propaganda fit weiter nichts als mehr ober minder großzügig eingeleitete Reklame, die ihre Wirkung von der Suggestion erhofft. Sie kennt nur Vorzüge und Vollkommenheiten und will der Maste ein fertiges Urteil aufdrängen. Wenn aber nachher der Rausch der Hypnose verflogen fit, wenn ruhige, fachliche unb nüchterne Ueberlegung wieder Platz greift, dann kann Propaganda keine Wirkung mehr erzielen.
Anders dagegen die Aufklärung. Im Gegensatz zm Propaganda wurzelt die Aufklärung in der Logik und baut sich auf aus feststehende Tatsachen, aus denen feder einzelne seine Schlüsse ziehen kann und soll. Die Ans- klämng will nicht, wie die Propaganda, ein fertiges Urteil aufdrängen, sondern sie will, dmch Zurverfügungstellung von stichhaltigen Unterlagen, zu eigenem Urteil und eigenem Nachdenken anregen. Daraus ergibt sich mit Naturnotwendigkeit, daß ihre Erfolge nicht von heute auf morgen in die Erscheinung treten, sondern daß es zäher und unverdrossener Kleinarbeit bedarf, um überhaupt Früchte zu zelligen. Diese Aufklärungsarbeit, feie vielfach ein undankbares Geschäft ist, und der ihre Mitarbeitsr nicht zahlreich zuströmen, mit der weithin schallenden Tromml eines Propagandafeldzuges, fit unserer heutigen Zeit das einzig Mögliche. Heute kann unb darf es nicht mchr gelten, agllaiovfich auf das Gefühl Iber breiten Maste einzuwirken. Denn dann wird man sehr bald vor der bitteren Erkenntnis stehen, daß man seine Saat in den Wind gesät hat. Sondern heute kommt es einzig und allein darauf an, dmch ruhige, zielbewußte und sachliche Aufklärung und staatsbürgerliche Erztehnug in unse-
und auch polstischer Fragen hmzielen. DestrebmMN deren Ziel man gewöhnlich kurz als die „kacholfiche Internationale" bezeichnet. Da ist es rat sehr zu begrüßen, daß dec Pater Hermann Gruber S. J. int Oktvberheft der „Stimmen der Zeit" einen Ueberduck über „das Problem des zeitgemäßen Ausbaus der katholischen Weltorganisation" gibt, tu dem die wichtigsten Versuche zm Lösung und sachlich erwähnt werden. Es handelt sich zunwhst um den .Katholischen Weltfriedenbund", die „Kath-ltsche In- ternationaie", die „Apostolische Liga" zur Begrünung eines Völkerbundes aus christlich-katholischer GrunAage und um den „Katholischen Weltbund". „Katholrscher Weltsriedensbund" und die „Katholische Interncüro- nale" haben, von dem Missionspriester Dr. Max Soft Metzger geleitet, in Graz ihren Mittnpumt; bte; „Apostolische Vvlkerbundsliga" in B r u s fei mü Zweigstellen in Paris und Lyon, der Redemptorfiten- pater A. Philippe steht hier an der Spitze. Der „Kochi Weltbund" wurde von holländischen Katholiken unter Führung von Professor Dr. Alfons Sieger ta Leben gerufen. Alle diese Bestrebungen erfreuen sich mcht nur einer zahlreichen Anhängerschaft im katholischen Lager, sondern auch der ausdrücklichen Billigung des hl. Vaters. So schr sich auch ihre Wege bisweilen unterscheiden mögen — im Ziele: gemäß dem Wüten des hl. Vaters die völkerversöhnende Mfifion der kath. Kirche zu unterstützen, sind sie sich einig.
Aber damit ist die Zahl der Versuche in dreserRich- tag noch nicht erschöpft. Don Sturzo, der bekannte Führer der Volkspartei in 2tali«i, der fa vor kurzem erst mit führenden kacholischen Persönlichkeiten , in Deutschland Fühlung nahm, will den Versuch wagen, „eine interparlamentarische Ent ent e zwischen den ch r i st l i ch e n Müschen, Brudrrpartelen aller Staaten hcrzustellen, um ihrer Tätigkeit und ihrem Einfluß in einer den Grundsätzen des Christenüuns entsprechenden Weise größeren Nachdruck zu verleihen — ein Projekt, das auch unter der Bezeichnung „Woche Internationale" in der Oeffentlichkeit schon des öfteren genannt wmde. In gleicher Richtung ist der auch m Deutschland nicht unbekannte katholische Abgeordnete für Paris, Marc Sangnier in Frankreich tätig, freilich nicht chne hier aus mancherlei Wrder- stände zu stoßen. Schließlich kommt in diesem Zu- ammenhange noch die „Union catholiquc d'etudes internationales" in Frage, die von dem chweizerischen Ständerat Georges de Montenach im Verein mit 'ftanzösischen, belgischen und italienischen Katholiken im November 1920 gegründet wurde, und die darauf hinaus will, aus dem Gebiete des D ö l k e r. rechts der Gesetzgebung der verschißenen Staaten und der nationalen und internationalen P o li- t i k „im Interesse der Sicherhest und der Wohlfahrt der Naüonen und der Ausbreitung des Reiches Gottes auf Erden auf die Auftichtung einer Aera der Gerechtigkeit und des Friedens hinzuarbeiten" und „auf Grundlage der Lehren des Evangeliums den brüderlichen Zusammenschluß der Völker zu sichern".
Das sind, in kurzen Umrissen angedeutet, die wichtigsten Bestrebungen im katholischen Lager, die dte „katholische Internationale" zum Ziele haben, UM bet. dieser vielleicht nicht ganz glücklichen Bezeichnung zu bleiben. Sie haben, wie gesagt, nicht wenige Anhänger, finden freilich bisweilen auch Widerspruch insbesondere bei solchen, die glauben, die Zeit der internationalen Hochspannung sei nicht günstig für die Propagierung und Verwirklichung derartiger Ideen. Ganz unberechtigt aber ist es. a ch t l o s an diesen Strömungen vorüberzugehen. Wenn man sie zunächst auch nur als solche wertet — von dm praktischen Verwirklichung der gesteckten Ziele sind sie ja samt und sonders noch recht weit entfernt — es sind doch immerhin Bewegungen im kacholischen Lager, die von jedem kirchentreuien Katholiken aüf das Wärmste begrüßt werden sollten. Die Ideen, die da diskutiert werden, für die Anhängerschaft geworben wird, sind, darüber kann kein Zweifel bestehen, katholisch. Sie haben, das verdient, ^sonders beacht zu werden, Woods im kacholischen Frankreich Anklang gefunden, und zwar bei den katholischen Vertretern der verschiedensten Richtungen. Hervorgehoben seien nur die Namen P- Besseres, p. Jury, Abkte Beauregard, P. de la Brierc, Kanonikus Beaupin, Gaetan Bernoville und nicht zuletzt der des bekannten Publizisten R>rne Iohannet, der erst im Mai dieses Jahres aus der Tagung der katholischen Schriftsteller in Paris (La Semaine des eerivains catholiques) in einem ebenso gründlichen wie geschickten Referat das Thema „Katholische Jnternatio- nale" behandelte. Gs.
Unpolitische Zeitkäufe.
Von Fritz Nienkemper.
Berlin, 26. Oktober 1921.
Fliehen möchte ich aus diesem Tale des Jammers end Elends, der Angst und Not. Auswandern möchte !ch. Wer auswandern im großen Stil. Nicht allein, sondern im Verein mit Millionen biederen Volksgenos- fen. Und nicht in ein anderes zweifelhaftes Erden- land, sondern von der unseligen Erde hinweg ht eine belfere Welt, wo es Frieden gibt.
Das ist nicht möglich, sagt der Naturforscher. Der Mensch ist aus Lehm und Erd: gemacht und kann vom Lehm der Erde sich nicht loslösen. Die Erde hält alles krampfhaftftst, mas aus ihr hervorgegangm ist. Wir haben freilich Luftballons und Flugzeuge erfunden, mit denen rott zwischen den Wolken spazieren fahren kön- En. „Aber die Lustkletterei hat bald ein Ende. Wohl oder übel muffen wir zurück auf den Erdboden, wo das alte Unglück auf uns lauert. Die Erde ist ein Gefängnis ohne Attegang. Für die Reise auf einen anderen Stern gibt es keinen Wagen und feinen Paß. Diese Einkerkerung ist lebenslänglich.
Also wäre dn Ausflug in eine bestem Welt aus- gefchiosfen? Dock) mcht so ganz. Das Wort „lebens- langlich deutet schon einen Ausweg an Im Tod: trmnt sich die seele vom Leide, und im selben Augenblick rst sie von den Fesseln der Materie befreit. Die Erde hält nur die sterbliche Hülle fest, die aus irdischem Soff gemodjt fit. Die öeele kann sie nicht fassen; denn dm. stammt aus höheren Regionen und kann ungehindert dahin zuiückkehren woher sie gekommen ist. Die Seele genießt dte vollste. Bewesungsfähigkeü im Welt- und Htmmelsall, sobald sie den Ballast der KörverliÄ- keit abgestreift hat. r
Darin liegt ein Fingerzeig zu zeitweiliger U-ber- windung von Raum und Zeü. Der Geist muß die Reise machen, die dem Körper noch nickst möglich ist Sursum corda! Empor die Herzen! Empor das Sim nen und Trachten, empor die Gedanken und Hossnun- gen, empor auf dm Flügeln des Glaubens, unter der Triebkraft der Liebe! Das ist ein wunderbares Flug- Mig, das aus dem Dunstkreis der Erde uns hinüber- Mrt in selige Gefilde, in die himmlischen Regionen Allttdings nur zu vorübergehendem Besuch, zu einem vorläufigen Einblick, zu einer kleinen Kostprobe. Doch dieser kurze Ausflug wirkt jchav sehr tröstlich, er
quickend, stärkend. Es geht uns ähnlich wie dem Arbeitsmann, der an dm Werktagen in der dumpfigen Fabrik oder im düsteren Bergwerk sich abvackert und am Feiertag mit Behagen durch die frische Lust des grünen Waldes spaziert.
Also ein geistiger Ausflug in die bessere Welt, in dte schönere Zukunft! Dazu lofeen uns die Festtage der nächsten Woche ein. Wenn zu Allerheiligen und Allerseelen die Glocken lauten, dann ist das, als ob die Borausgegangenm uns zuriefen: Ihr Brüder und Schwestern, die ihr auf dem unseligen Erdboden stöhnt und schwitzt, dmkt an uns und schwingt euren Geist auf zu einem Besuche bei uns. Wer guten Willens ist, gehört in die Gemeinschaft der Heiligen, und wenn ihr euch uns zugesellt, so findet ihr in dem hofsnungs- seligen Vorgeschmack des ewigen Friedens Trost und Stärkung in den vorläufigen Erdet Mim.
Beim Gesang der Vesper freue ich mich immer auf den fünften Psalm mit seiner aufhichfendm Melodie: „A-als Israel auszog aus Aegyptm, Jakobs Haus ans b:m Barbarenland . . . ." Wir suchen jetzt aus dm Ausweg aus der ägyptischen Gefangenschaft und aus dm barbarischen Quälereien, die man auf uns häuft. Wenn wir einen geistigen Ausflug in die bessere Welt machen und frische Hoff nung in die Seebr atmen, so gewinnen wir Verständnis für die zuversichtlichen Verse dieses Psalms.
„Was ist dir o Meer, daß du geflohen, und dir, o Jordan, daß du zurückgewichm bist?
Und euch, ihr Berge, daß ihr hüpfet wie Widder, und ihr Hügel wie jung: Lämmer?
Dor dem Antlitz des Herrn bebt der Erdball,— vor dem Antlitz des Gottes Jakobs.
Er verwandelt den Felsen in einen See und das Gestein in Wasferquellm.
Nicht, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib dte Ehv:,
Um deiner Huld und Wahrheü willen, daß nicht die Heiden sagen: Wo ist ihr Gott?
Unser Gott ist im Himmel; altes, was er will, schafft er.
Die den Herrn fürchten, vertrauen aus den Herrn; der ist ihr Helrer und ihr Beschützer.
Ihr seid Gesegnete des Herm, der Himmel und Erdi: geschaffen hat.
Der höchste Himmel ist der Henn; dte Erde aber aab er den Menschenkindern."
Die Verklärten im Jenseits haben das gelobte Land bereits gefunden. Von ihrem Standpunkt aus erscheint die Macht des Ewigen in ihrer überwältigenden Größe, während das verwirrende Treiben der Menschenkinder auf der Erde sich als ein bedauerliches, vorübergehendes Zwischenspiel darstellt.
Nach dem Auszuge aus Aegypten mußte das aus« erwählte Volk Gottes noch vierzig Jahre irren und darben und leiden, bis es im Lärche der Verheißung sich ausnchen konnte. Was sind vierzig Jahre gegen die Ewigkeit? Und dürfen wir etwa ungeduldig werden, wenn wir erst drei Jahre unter den Schmerzen der Niederlage stehen? Freillch können wir dahinsterben in der Wüste, wie auch Moses selbst vor den Toren der Verheißung sterben mußte. Aber was macht das uns? Der Gestorbette ist nicht tot, sondern er beginnt ein neues, unaufhörliche, seliges Leben in der großen Gemeinschaft der Vorausgegangenen in dem gelobten Lande, von dem auch das benfbar beste Land auf Erden nur ein dürftiges Vorbild fein würde.
Wo ist ihr Gott? So fragen die Heiden und wir sagen mit fern Psalmist: Unser Gott ist im Himmel, wo di>: Seligen feinen Thron umgeben; er schasst alles, was er will. Er schafft es zu seiner Zeit und nach seinem Plan, wann und wie er will; seiner Ordnung hat sich alles zu fügen, in Treue und in Geduld.
Die Vorausgegangenen haben es schon gelernt. Wü, die noch im Gewirr der menschlichen Wirtschaft stehen, müssen uns bemühen, es ebenfalls zu lernen. Und wenn uns auf Erden ein Fegfeuer beschieden ist, dürfen wir nicht murren; denn mir haben viel abzubüßen, und was hier gesühitt ist, wird da drüben erlassen.
Je schlimmer es auf Erden geht, desto bester wird is im Jenseits gehen.
Alles Irdische ist eine Kleinigkeit; alles Vergängliche ist Nebensache. Nur eins ist notweMg: daß wir ein Pslätzchen erlangen in der Gemeinschaft der Seligen.
Wie denn? Einfach durch treue Pflichterfüllung. „Ei, du guter und getreuer Knecht, weil du in wenigem treu gerne) en bist, will ich dich über vieles setzen. Geh ein in die Freude deins Herrn." —
Das ist die beste Erholungsreise: die geistige Wallfahrt in die überirdische Welt. Bei der Heimkehr sagen mir und antworten die Vorausgegangenen: A u f Wiedersehen!
Brief aus Bayern.
Aus München wird uns geschrieben:
Bayern hat in letzter Zeit wiederholt die Aufmerksamkeit in politischer Hinsicht auf sich gezogen. Es wäre unbillig, wollte man dem religiösen und kirch- lichen Lieben nicht ebenfalls Beachtung schenken.
Den Michen Schäden aus der Kriegszeit und den folgerten Jachen sucht die Seelsorge durch außerordentliche Mittel zu begegnen. So werden in vielen Orten Volks Missionen gehalten, die einen eminent segensreichen Einfluß ausüben. Auch bietet das eine und andere der in der Säkularisation am Anfänge des vorigen Iahchunderts geschloffenen Klöster den zurück- kechenden Ordenspersonen erneut Unterkunft. Die Vereine, die divekt oder indirekt der Hebung des geistigen und religiös-sittlichen Lebens dienen, sind mannigfach und blühend. Neben dem Volksvereine für das koch. Deutschland verdient besondere Erwähnung der kath. Preßoerein unter Leitung des Prälaten Dr. Müller. In 840 Zweigvereinen über ganz Bayern verbreitet, zähst er zurzeit 50 000 Emzelmitgjieder und gegen 600 000 korporative; in 872 Jugend- und Volksbibliotheken hält er über 600 000 Bücher zur Verfügung. Er veranstaltet Volksbildungsabcnde, unterhält Lesehallen und Lesezirkel, bemüht sich, auf Bahnhofsbuchhandel, Kolportage und Lichtspiel den gebührenden Einfluß zu gewinnen. An 16 Zeitungen ist der Verein mehr oder weniger finanziell beteiligt und hilft so manchem wackeren katholischen Blatte über die schwere wirtschaftliche Zeit hinüber.
Blühend ist die Organisation der katholl Eltern für Erhaltung efner Schule, dte christlich ist und christlich erzieht. So hat der nahende Gewitttrstunn, der unser hn Großen und (Sangen doch christliches Schulwesen stark bedroht, eine machtvolle Vereinigung derer ins Leben gerufen, die an dem Geiste in den Schulen das größte Interesse haben, nämlich der Eltern. Diese wissen, daß fte nicht gegen ein Phantom sich rüsten, sie unterschätzen die Feinde der christlichen Schule nicht; sie sehen, daß die Ruihen der Sozialdemokraten eine Berstärkung finden durch die Demokraten, die bereits bei der Schaffung der ReichsverfassMg eine Verschlechterung der Situation herbeiführtm, und die auch jetzt die Zurückziehung des ReichsschulgesetzMtwurfes fordern, weil noch ein Lun-