Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Aetteudrnckerei tu Fuld»
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preise folgende Aufschläge machem: a) für Mauersteine . . . .
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höhlen, die in ihrer vollendeten Ausführung einen vollwertigen Ersatz für die mangcLnden Spechtlöcher bilden, der Wintersiitterung und dem gesetzlichen Schutz unserer Vögel, ein Gebiet, auf dem besonders der sehr rührige Bund für Vogelschutz (Stuttgart) viel Gutes leistet, weshalb er die Unterstützung aller Naturfreunde verdient. (Beitrittserklärungen nehme ich zur Weiterleitung an den Vorstand entgegen.) Von den Kamen Vogelschutzgehölzen, die man jetzt fast bei allen Städten hat, ging man über zur Gründung von Dogelfreistätten an der Meeresküste, bis vor dem Krieg auf Anregung des Zoologen Kurt Flöricke das deutsch« und österreichische Volk zwei große Naturschutzparke nach dem Vorbild des amerikanischen und schweizerischen Nationalparks schuf, einen in den Alpen, den andern in der Lüneburger Heide, ganz der Natur geweihte Strecken deutschen Landes, wo kein Axthisb, kein Spatenstich und kein Büchsenschuß in das freie Naturgeschehen eingroist. Wer diesen großzügigen Naturschutz fördern will, trete dem Der- ein „Naturschutzpark" (Stuttgart, Pfitzerstr. 8) bei, der diese NaturdenkmAer im wahrsten Sinne gegründet hat und schätzt. '
Ursprüngliche Natur wollen wir erhalten, allen Wesen eine Freistatt gewähren: deshalb können wir di« Geschöpfe auch nicht einteilen in „schädliche" und „unschädliche". Alle jetzt noch lebenden Wesen sollen sich unseres Schutzes er« freuen, die raupenfressende zierliche Moise rote der majestätisch rm Himmelsblau schwebende rote Gabelweih, der „König der Lüste", der morgens am Dorftand sich ein Hinkel holt, die den Jäger im Frühjahr erfreuende Waldschnepfe wie der Strauchdieb Reinecke Fuchs, der in zerklüfteten Felswänden im einsamen Bergwald hausende Nochcherrscher Uhu wie die zarte Sangeskönigin Nachtigall, di« in dunklen, grimm Zweigen zwischen ofeunmsponnenen Grabsteinen aus dem stillen Friedhof singt, alle Wesen groß und klein!
„Raum für alle hot die Erde!"
Die komnmnMsche Schule.
Dor kurzem traten die kommunistischen Lehrer Deutschlandsin Braunschweig zu eurer Reichskonferenz zusammen. Ziel der Konferenz war: „Klarheit über die schwebenden schulpolitischen Fragen zu schaffen".
Es wurde ehre Reihe von „Leitsätzen für die Arbett der kommunistischen Lehrer" angenommsn, in denen es z. B. heißt: „Die kommunistischen Lchrer' müssen den Kampf nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb des Unterrichts aufnehmen gegen alle Methoden der kirchlichen, nationalistischen, kapitalistischen Beeinsluhung der Proletarierkinder. Der Be- fvöiungskampf der Lehrer ist zugleich ein Kampf um die Secü: des proletarischen Kindes." In anderen Leitsätzen ist gefordert: Oefsentlichkeit des gesamten SltMdetriebes, Abschaffung des Züchtigungsrechts der Lehrer, Abschaffung der Schulzeugnisse und Hausaufgaben, Säuberung der Schulbibliothek, Schaffung von Eltern-, Lehrer- und Schülerräten, obligatorische allgemeine Schulspeisung usw.
In einem Referate hieß es: Unsere oberste Aufgabe ist es, die Schule aus einem Instrument der bürgerlichen Klasse zu einem Machtinstrument des Proletariates zu machen. Die Schul enmüsseninden Mittelpunkt unserer Schulkämpfe gestellt werden. Wir miisfen energisch kämpfen um die Stärkung des proletarischen Einflusses auf die Schule. Die im Anschluß hieran beschlossen« Resolution verpflichtet alle kommunistischen Lchrer zum Kampfe für die proletarische, weltliche Einheits- und Arbeitsschule. Am Schluffe der Konferenz stellte der Vorsitzende mit Befriedigung fest, daß Zielklarheit ge« schaffen wurde zur Steigerung der Aktionsfähigkeit der Kommunisten imt schulpolitischen Kampfe.
An Klarheit und Deutlichkeit lassen die aufgestellten Leitsätze und die angenommenen Entschließungen allerdings wirklich nichts zu wünschen übrig.
Hus dem KachbargMet.
(fpd) Schlitz. Wegen Milchfälschung wurden einer hiesigen Landwirtin 1500 Mark Geldstrafe und drei Wochen Gefängnis auserlegt.
(?) Aus dem Boqelsberg. In Hochwald Hausen wird nächstes Jahr eine rege Bautätigkeit ein» setzen. Mehrere Kriegsbeschädigte von auswärts, die vorfäufig zur Miete in Ilbeshausen wohnen, sind die Bauhern. Die Bauplätze ha: ihnen Herr Berlit von Kassel, unentgeltlich überlassen.
3 Eichenberg. Auf der Nachbarstation Oberrieden der Eisenbahnstrecke Debra-Hannover wollte ein jugendlicher Rottenarbeiter aus Oberrieden einem einfahrenden Eülerzuge ausweichen. Hierbei übersah er den von der entgegengesetzten Seite heranbrausenden! Schnellzug Frankfurt-Hamburg, der ihn überfuhr und tötete.
(fpd) Offenbach. In der Konditorei von Jäger ereignete sich eine B a ck o f e n e x p l o s i o n. Die Explosion erfolgte mit solcher Wucht, daß der große Backofen tiefe Risse davontrug. Ein Teil des Kamins ist eingestürzt. Schwere Eisenkasten wurden nrettrweise fortgeschleudert, eine doppelte Tür des Backofens
dann müssen einige bekannte Zitate entscheidend abge- Sndert werden. Arndt: „Der Gott, der Eisen wachen ließ, Der wollte keine — Landwirtschaftsgehilfen." — Schiller (Gang nach dem Eisenhammer): „Ein romnrer Landwirtschaftsgehilfe war Fridolin." — Schiller (Wallensteins Lager): „Aus der Welt dis Freiheit verschwunden ist, Man kennt nur noch Herren und Landwirtschaftsgehilfen." — Fedor o. Zabeltitz aber wird den Titel seines vor einigen Jahren er« chienenen Romans sicher noch umändern und ihn fortan nennen: „Bester Herr als Landwirtschaftsgehilfe." — Auch der zwar bet uns weniger dienstbare Knecht Ruprecht wird zum „Lanüwirtschaftsgehilsen" befördert werden müsten.
Recht volkstümlich ist der Vogelschutz, weil gerade unsere gefieberten Freunde von der menschlichen Zivilisation stark bedroht sind. Die einförmige Forstkuldur raubt durch Schlagen der hohen Bäume, die Landwirtschaft durch Entfernen der Feldhecken unseren Singvögeln die wichtigsten Nistplätze, Endwässerung und Urbarmachung von Oedland nimmt dem Sumpf- und Wassergeflügel die Lebensbedin- gungen, veränderte Bauweise erschwert' Schwalben, Stör- chen und anderen Hausbrütern das Nisten: dummer Eitel- keit opfert „die Krone der Schöpfung" Tausende von prächtigen Rechenn und eroberen Vögeln, um mit ihren nur zur Brütezeit getragenen Prachtfedern nach der Sille von Indianer- und Negerweibern das „schöne" Geschlecht und («ine Damenhüte zu schmücken, wodurch die ihrer Ernährer beraubten Jungvögel elendlich verhungern müssen. Deutsche Mädchen und Frauen sollten es wahrlich unter ihrer Würde hallen, sich mit Dogelleichen und „fremden Federn" edler Reiher zu verzieren, die das unschuldige Blut treuer Dogeieltern und den erbärmlichen Hungertod von hMosen Nest- jungen gekostet haben! Auch die Ueberhandnahme wildernder „Hans"katzen bringt mancher Dogelbrut dm Tod. Der unroeidmännische Abschuß und das planlose Eiersammeln zu Spoifezweckm hat die Zahl der Seevögel an unseren Küsten ebensosehr verringert wie der endlich dmch das Reichsvogelschutzgesetz verbotene Dohnmstieg (SchLn- genfatg) früher die beerenfressenden Singvögel.
Unschuldig am Rückgang unserer Vögel sind das Weid- roerk und die DogÄliebhaber. Beide erziehen ihre wahren Jünger zur Ehrfurcht vor den Mitgeschöpfem. Als leuchtendes "Beispiel eines deustchen Weidmanns nenne ich Hermann Löns, dem es nicht auf Deute und Iagdtrophäen ankam .sondern vielmchr auf das Belauschen auch der nicht jagdbaren Tiere. „Dom edlen Wsidwerk kann nur sprechen, dem der Wald eip wirkliches Heim ist, dem feine Stimme des Walles fremd klingt. Für einen solchen hat der Pürsch- gang nicht allein den Zweck, nur schnell möglichst viele Tiere toizüschießen, sondern sein Gang ist der eines wahren und gerechten Körrigs des Waldes, der Macht über ferne Unter-
JI2 249.
Freitag, 28. Cftolicr 1921.
Amtliche Anzeigen
Richtpreise
b) Hohlpfannm wir vor auf Revolverpresse hergestellt I. Wahl.......
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5) Falzziegel 15—16 Stück auf 1 qm I. Wahl M. II. Wahl M
b) für Klinker und Dachziegel .... 8 Proz.
Im Kleinverkauf dürfen auf die Richtpreise sämtlicher Erzeugniffe 3 Proz. aufgeschlagen werden.
VIII.
Uedermäßige Preisforderungen werden auf Grund der Verordnung gegen di« Preistreiberei vom 8. Mai (R. (3, Bl. Seite 395) strafrechtlich verfolgt.
Kassel, den 11. Oktober 1921.
Der^Regierungsprösidenk als Bezirkswohnungskommiflar» In Vertretung: Hausleutner.
Wird veröffeilllicht.
Fulda, den 18. Oktober 1921.
Der Landral. 3. B.: Schufte r.
■■■■MmMmmAmMMHiii ihm 'n um
Sollten einzelne Betriebe nicht in der Lage sein, zum Richtpreis produzieren zu können, so ist in jedem einzelnen Falle, vor Ueberschreitung des Richtpreises, meine Zustimmung unter Vorlage einer eingehenden Kalkulation einzuholen.
Bei Abbruchsteinen gilt % der Höhe des Richtpreises für frisch gebrannte Steine als angemessen.
Für ungebrannte Steine wird ein Richtpreis, welcher % des Wertes für frisch gebrannte ausmacht, bestimmt.
VT.
Die Preise gelten für je 1000 Stück ab Stapel oder Df en.
VII.
Gewerbsmäßige BaustoWindler dürfen folgenden Händ- lemutzen auf die Richtpreise austchlagen:
a) für Mauerziegel........5 Proz.
b) für Klinker und Dachziegel .... 10 Pioz.
Die Ziege lv er kauf so e reinig ungen dürfen auf die Richt,
II.
Für Steine, die vor der im vergangenen Monat eingetretenen Lohnerhöhung abgebrannt sind, gilt der Richtpreis meiner Veröffentlichung vom 23. Juli 1921.
III.
Steine, die vor der Lohnerhöhung geformt find, aber erst jetzt abgebrannt werden, find mit rtt 345,— ab Stapel
Markte.
△ Lauterbach, 27. Okt. Auf dem gestrigen Schweinemarkt trurden für Ferkel 100—180 Mark und für Läufer 200—700 Mark bezahlt.
für die Ziegeleien in der Provinz Hessen-Nassau, gültig ' 1. Oktober 1921 (vorbehaltlich der Genehmigung durch den Herrn Minister für Volkswohlfahrt).
sonensorge zusteht, also der Vater, bfc Mutter, der Vormund, der Pfleger, der Richter.
2. Leben beide Eltern, so gilt ihr 9-mertMmer Wille. Diese „Gimgfeit" kann von Mm Ellernteck und jederzell aufgehoben werden. . ,,,.
3 Können sich die Ellern nicht einigen, so bestimmt der Vater ob das Kind in dem Bekenntms des Vuurs oder der Mutter zu erziehen ist. Der Bater ch iedmh an dir Zustimmung der Mutter gebunden m folgenden $QlaT’merm das Kind in einem anderen Bckermtnis enogen werden soll, als beide Ettern bei Eingehung der Ehe gemeinsam hatten; b) trenn das KuDmemem anderen Bekenntnis als bisher erzogen,werden soll, c) wenn das Kind vom Religionsunterricht abgemeldet ^Stimmt die Mutter in diesen Fällen nicht zu, so kann jeder Teil den Dormundschaftsrichter anruftn. Kann dieser die Ehegatten nicht einigen, so hat er selbst zu entscheiden. , , „ .. , .
4 Ist ein Ehegatts gestorben, so entscheidet der überlebende Teil, 'auch dann, wenn den Kindern em besonderer Vormund bestellt ist.
5 Die religiöse Erziehung eines Kindes, das 12 Jahre alt ist, kann gegen seinm Willen nicht mehr geändert werden.
6. Ein Kind, das 10 Jahre all ist, mutz vor allen Entscheidungen des Vormundschaftsrichters gehört werden, desgleichen saine Verwandten, Verschwägerten, Lehrer, Religionslehrer.
Das Gesetz tritt am 1. Januar 1922 in Kraft. Für die Anmeldung der Schulneulinge sind seine Sätze also bereits wirksam.____
Naturschutz.
Van Werner Sunk«l, Marburg (H.).
Ein« Eigenschaft der Deutschen ist ihre große Statur» fteibe, die schon in der altgermanisch en Derehrung der Götter im Wäldern und geweihten Hamen ihren Ausdruck sand tE noch heute in der Kunst, im Volkslied, im Iugend- tWOTbem und manchem Wesenszug unseres Volkes in Er- Zumr hat das Hasten nach Geroinn, die oberflächlichen Eenüffe der Gegenwart, Tanzwut, Kino, Putz, das Jagen nach Vergnügungen, übertriebene Sport- f^enei, dummes Protzen- und ekliges Schieber- und Wn- chertum, politische Verhetzung und Verlogenheit, seelische Verwahrlosung und Gleichgültigkeit viele unserer Volksgenossen so stark ergriffen, daß sie die Fühlung mit der Allmutter Natur fast verloren haben. Unser Volk ist krank; durch den frischen Lebenssaft unverdorbener Natur könnte 65 ®tl?>er nnrc Kraft gewtt.nen und genesen; denn die Beschäftigung mit der Natur bietet einen unversiegbaren Ouell reiner Freuden, einen Ouell, aus dem auch der Aermste in vollen Zügen fernen Lebensdurst stillen kann. Das macht wahrhaft froh, u;tb unser Volk muß lernen, nneber froh zu roetben; dann wird es auch den stolzen Mut zur Armut finden, die jetzt unser Schicksal ist. Deshalb gilt es, die Naturliebe neu im deutschen Volk zu wecken.
Die Natur erfreut nur rann, wenn sie bunt und formen» reich ist. Darum möchten wir keine der Tier- und Pffan- zengestalten unserer Heimat im LandschaftsbiS missen Dort fühlen wir uns am wol/sten, wo der Mensch noch nicht olles ausgerottet und weggejätet hat, was er von seinem kurzsichtigen „Nützlichkoits"-Standpuntt aus als „Unkraut" und „Ungeziefer" oder „Raubzeug" bezeichnet, sondern wo in bunter Mannigfaltigkeit vielerlei Geschöpfe uns mit ihrem Leben und Treiben erfreuen.
Ursprüngliche Landschaften, von der Vernichtung bedrohte Pflanzen und Tiere zu erhallen, hat sich erfreu, licherweise di« Natmichutzbewegung zur Aufgabe gemacht.
Der deutschen Volkspartei ins Alton.
Tip QnTrt tzeituna", die der Volkspartei Itafie ftebtKübt "an der Haltuna der Fraktion der Deutschen Volkspartei im Reichstag nut Recht scharfe Krttk Di« nationalliberale Korreipondenz hatte »klärt daß die Rcichsraasfraktion dieser Part« die ff « H ph h S na eine ^Bevollmächtigten zu den Wirlfchaflsverhandlungen mit Polen abgelehnt und dies wie folgt begründet: „Hier geht es um mehr als in Span, hier geht es um mehr als beim Ultimatum, denn jetzt handelt es sich nicht um Kohlenlieferunacn oder Goldleistungen, sondern um deutsches Volk und um deutfches Land. Wenn wir diese Vergewaltigung mittelbar oder unmittelbar hinnehmen, dann ist das Ende dessen, was man uns noch weiter an Unrecht und Gewalt antut, nicht abzusehen."
Dazu bemerkt nun die Kölnische Zeitung:
Die Fraktion roiri» ja wohl das Bedürfnis haben, bei Her Aussprache im Reichstage di« Parteigänger im Lande etwas eingehender und einleuchtender über ihre Haltung aufzuklären, als es dmch diese Worte geschieht, die wirklich nichts als Worte sind. (Der Redner der Volkspartei im Reichstag, Pros. Kahl, hat inzwischen auch nur Worte gemacht. D. R.) Die Wähl-r der Deuffchen Volks- partei werden schon in oll den lagen darmff gewartet haben, daß diese Fraktion chnen einmal darlegt, wie Deutschland sich denn verhalten feilte, wenn di« Anschauung ter Fraktion im Reichstag durchdränge, was geschehen sollte, wenn dann d-e Folgen einer solchen Politik einsetzen. die man im der Gestalt neuer Gewalt- und Zwangsmaßnahmen des Verbandes mit Gewißheit vorausfehen kann. Cm« solche Aufklärung zum mindesten wären die Abgeordneten ihren Wählern längst schuldig gewesen. Da sie ausge« blieben ist, vermögen wir die Folgen einer solchen Politik nicht anders zu sehen als so: Gerade diese Politik würde den von uns abgeschmi 1 t«n«n Brudern in Oberschlesien verhängnisvoll werden, gerate dann könnten sie uns mit Recht vorwerfen, wir hätten sie im Stich gelassen, weil wir uns geweigert hätten, das wirtschaftliche Rettungsseil, das zu uns hinüberzuwerfen der Völkerbund gestattet habe, zu ergreifen. Es will uns scheinen, daß es die Interessen des deutschen Volkes schlecht wahren heißt, wenn man es neuen Qualen preisgibt, allen Chauvinisten des Auslandes Anlaß gibt, sich wieder gegen uns zusamm snz usch ließ en und die Revision von Versailles, die schon auf dem Marsch war, in weite Ferne rückt.
Dazu kommt, daß Oie Fraktion der Deutschen Volkspartei um einer aussichtslosen Demonstration willen das endlich erreichbare Ziel ihres jahrelangen Bemühens in der inneren Politik, die pro tz e Koalition, die allein den Wiederaufbau hätte gewährleisten können, in besten Zeichen die Partei stark und groß geworden, fahren läßt. Leider kann man sich nicht verhehlen, daß der Vorwurf, den der Reichspräsident in feinem Schreiben an Dr. Wirth ausspricht: „daß es bet allerseits gutem Willen und unter Voranstellung der Interessen des Vaterlandes möglich gewesen wäre, die verbreiterte Koalition allen Bedenken zum Trotz zustandezubringen", nicht zuletzt auch die ReichstapS- fraktion der Deutschen Volkspartei trifft. DaS alles sind bedauerliche Merkmale dafür, daß die Deutsche Volkspartei oder doch ihre ReichStagsfrak- tion den Weg, der sie zum Aufstieg und das Vaterland zur Gesundung hätte führen sollen, verlassen hat, daß sie den Einflüssen von Leuten unterliegt, denen es an politischer Einsicht, Politischer Erfahrung und dem Verantwortungsgefühl mangelt, das uns vorschreibt, die persönlichen Empfindungen zurückzustellen, wenn es das Wohl der Gesamtheit gilt, deren Interessen selten an individuellem Maßstab gemessen werden können, Leuten, die sich nicht davon haben durchdringen lassen, daß in der Politik daS nach Berücksichtigung aller Umstände Mögliche, nicht das jeweils Wünschenswerte zu erstreben ist. Damit der Tragödie auch das Satyrspiel nicht fehle, ist Herr Wirth, gerade der Mann, den von der Leitung der Reichsgeschäfte fernzuhalren die Deutsche Volkspartei sich heiß bemüht hatte, nun in sein Amt zurückgekehrt. Wir bedauern daher, feststellen zu müssen, daß nach unserer Meinung die Politik, die die uns politisch nahestehende Deutsche Volkspartei in dieser Frage befolgt, zu einem Mißerfolg geführt hat, der schwer auszuwetzen sein wird.
Diese Ausführungen stellen eine glänzende Rechtfertigung der Politik des Zentrums dar. Man wird gelegentlich aus sie zurückkommen können, wenn die „patriotischen Deklamaioren" gar zu laut werden sollten.
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* Die deulfche DüchercrMgung 1920. Gegen 26195 Bücher 1919 wurden 32 345 rm Jahre 1920 gedruckt. Zurück gingen nur Rechts- und Staatswissen- schaft (3400 — 3200), Kriegswissenschaft (243 — 176), Kunst, Musik, Theater (589 —495). Es stiegen die Zahlen für Theologie 1847 — 2302, Heittoissenfchaft 1072 — 2489, Philosophie 654 — 950, Pädagogik 2600 — 3149, Sprache und Literaturwissenschaft 1054 — 1726, Geschichte 966 — 1300, Handel imd Gnoerbe 1499 — 2075, Iugendschristen 1016 — 1451. Gegenüber den starken Steigerungen im Absatz wissenschaftlicher Literatur ist die Nachfrage nach Belletristik verhältnismäßig wenig gestiegen: 5051 6647.
* Mordchronik. In Hagen ist der Talsperrenaus- feher Tempelmann einer furchtbaren Mordtat zum Opfer gefallen, deren Beweggrund noch nicht aufgeklärt ist. Tempttnrcmn war von seinem Borgesetzten zu einem Kontrollgang ausgrsandt worden, von dem er nicht mehr zurückt ehrte. Bei einer Streife fand man ihn furchtbar zugerichtet als Leiche unter dichtem Gesttüpp versteckt vor. Der Kopf wies schwere Wunden, von Schlägen herrührend, auf. Der Hals war durchgeschnitten worden. Tempelmann stand kurz vor seiner Hochzeit. — In Bergm auf Wgen wurde in seiner Werkstatt der Kaufmann Pfeiffer ermordet . aufgefunden. Wie festgestellt wurde, hat die Leiche bereits vier Wochen dort gelegen. Als Mörder kommt ein Angestellter Pfeiffers namens Tetzlaff in Betracht, d:r Hausbewohnern erzähll hatte, daß Pfeiffer verreist fei. Tetzlaff ist seit dem Mordtage flüchtig.
* Milliou-nschade« durch Brand. Ein Großfeuer äscherte das Rittergut Creypau bei Merseburg ein: nur das Wohnhaus konnte gerettet werden. Der Schaden beträgt über eine Million Mark. Als Brandstifter wurde ein entlasseurer Knecht ermittelt. — Ebenso ist die Keimmichle der Iüdenweimr Mühlen- und Holzwollwerke in Thüringen mitsamt großen Vorräten vollständig niedergebrannt. Man vermutet, daß der Brand durch Selbstentzündung ent» standen ist.
* Ein furchtbare Llebestragödie hat sich im schlesisch- böhmischen Grenzgebiet abgespielt. Die Tochter des Holzschlägers Knappe in Grenzdorf tmtrire von dem Glasdrucker Joseph Iary aus Morgenstern in den Wald gelockt und dort von ihm ermordet. Zunächst gab Iary mehrere Revolverschüsse auf das Mädchen ab, und als diese nicht tödlich warm, erwürgte er das Mädchen. Die Leiche vergrub er unter Zweigen. Den Täter fand man im Walde erhängt auf.
* Einem groß angelegten Betrug find Beamte der Ueberwachungsstelb: Stettin auf die Spur gekommen. Die Firma W oll st ein in Magdeburg erließ vor einiger Zeit in allen größeren Zeitungen Inserate, in denen Kartoffeln in größeren Mengen zum Kauf angeboten wurden. Die Firma wurde mit Aufträgen überhäuft. Eine bekannte .Kartoffelgroßhandelsfirma bestellt« zwanzig Waggons und ließ dmch Akkreditiv einer Bank in Brandenburg über 400 000 Mark überweisen, die gegen Vorlegung der Duplikatsbriefe und der nötigen Ausweis« gezahlt werden sollten. Die Beträge wurden abgcholl, aber Kartoffeln hat die Firma nicht erhalten. Die Papiere waren g e - fälscht. Beamt« der Ueberwachungsstelle stellten fest, daß der Prokurist der Firma Wollstein, Schneider, flüchtig ist. Die Bücher ergaben, daß Schneider auf diese Weise sehr große L'tträgr erhalten hat. Wie hoch die Delrügereien sind, ließ sich noch nicht feststellen.
* Mil dem Titel fällt auch das Zitat. Rach einer Verfügung des preußischen Ministers für Landwirtschaft soll die Bezeichnung „K n e ch t" nicht mehr geführt werden. Statt dessen heißt es „Landwirtschaftsgehilfe". — Knechte darf es in Deutschland nicht mehr geben. Et verflucht, meint dazu der „Kladderadatsch", tonen hat, der alle in ihrer Eigenart kennt und zu schätzen weiß" (Prof. Dr. K. Günther in „Der Naturschutz" (Verlag des „Bund für Vogelschutz", Stuttgart, Iägerstraß«). Wäre nicht dos Wsidwerk und die Hege des Wildes, fo wären manche urigen Tiere wie Hirsch, Elch, Auerhahn ausgerottet. — Die Vorkämpfer des Vogelschutzes wie Brehm, von Berlepsch, Flöricke, Günther u. a. bezeugen, daß auch die Vogelliebhaberei di« Natur nicht schädigt. So sagt Flöricke im feinem guten „Deutschen Vogelbuch" (Kosmos-Verlag, Stuttgart): Der wahre Vogslfchützer sollte di« Liebhaberei nicht anfeinben, sondern sie vielmehr unterstützen umib fördern, wo er nur tarnt, vor allem aber ihr auch selbst huldigen, da nichts so fchr die Kenntnis vom Wesen und ben Bedürfnissen fees Vogels vermehrt, wie das Hakten gefangener Vögel und ihre sorgsame, sachgemäße Pflege. Das Hakten von Stubenvögeln ist kein« Tierquälerei; denn schon ihr feuriger Gesang und noch mehr der Umstand, daß sie in der Gefangenschaft sogar zur Brut, also zur freien Entfaltung ihres Lebenstiiebes schreiten, beroeift, daß sie sich unter der Obhut eines gewissenhaften Menschen wohl fühlen. — Ich sehe die Hauptbedeutung der Pflege von Stubentieren (Vögeln, Fischen, Lurchen u. a.) darin, daß die Menschen, vor allem unsere Jugend, wieder an stillen, häuslichen Freuden Gefallen finden als Gegenmittel zu dem beinahe zur einer Zeitkrankheit werdenden Ueber-Sport und Liebe zu den Tieren, der deuffchen Natur und mferet Heimat gewinnen. Die Beschäftigung mit der Natur, meint Flöricke, ist em hervorragendes Erziehungsmittel für die heranreifende Jugend, bei der es um so vollkommener anwendbar effcheint, als jeder echt deuffche Junge von Haus aus eine große Vorliebe für die Natur und chr« Geschöpfe hat/ Und wer sich in die Nattrr zu vertiefen gelernt hat, ist reich, so reich, daß er sich selbst Genüge fft, nie Sange» rocile empfindet und meisterhaft die für di« Dutzendmenschen so schwere Kunst beherrscht, di« Cinsamkeit zu ertragen.
Der Naturschutz begann mit der Erhaltung und Anlage von Hecken und Dogelschutzgehölzen, dem Auf- Hängen von Starenkästen und von Berlqrsihen Rist» t
ist zersprungen. Zwei KoMtorgehilsirn trugen Brandwunden und leichtere Verletzungen davon. Die Ursache der Explosion konnte noch nicht einwandfrei festgestellt werden.
(fpd) Frankfurt a. Hl. In der Maschinenfabrik von Pokorny und Wittekind wurde der Arbeiter Heinrich Schmidt aus Hausen bei Usingen von einer Eisenplatte, die sich aus eininn Flaschentzug löste und herabstürzte, totgequetscht.
aus Gberheffen und den deffischenAemtern.
△ Marburg. In den unteren Räumen des Land- grafenhaufes wurde das zweite Studentenheim, das 500 Studenten Unterkunft bei dem Einnchmen der Mchlzriten usw. bietet, mit «irrem kleinen Festakt eröffnet. Das im vorigen Jahre im unteren Saalbau, der Universitätstumhalle, eröffnete Studentenheim reichte infolge des zunehmenden Besuchs der studentt- schen Gäste, die dort ihre Mahlzeilnn einnehmen, nicht nrehr aus. Im Landgrafenhaus sind nun außerdem noch Räume vorhanden, irr denen sich die Studerttm auch zu anderen Zeiten aufhalten können.
Vie Einschulung aus religiös gemischten Ehen.
Das bisher geltende Recht über die religiöse Erziehung der Kinder aus religiös gemischten Ehen erfährt am 1. Januar 1922 eine bedeutsame Aenderung. Die Mutter wird dem Batin bei der Entscheidung zwar nicht völlig gleichberechtigt: chve Rechte erfahren jedoch ein: große Erweiterung. Das Reichsgesetz vom 15. Juli 1921 bestimmt:
1. Die Entscheidung über die religiös: Erziehung der Kinder hat derjenige, dM nach den B. G. B. die Per-
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