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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

i Bezugspreis: üionatitct) 5.0J tllc. zuqestell! frei ins Haus, j Vonnesrtag, 27. Oktober 1921. Anzeigen: C o i on e i 5 e t i*e° Plg.; für mebr|palttge 48. Zahrg.

I Anzeigen Zuslbläge. Äek'omezeiie (iennrette> 2 59 2lif. |

| imoriltai tüt Den itoauioneUen Teil: Dr. I. Kramer, T7 **40 I - für die Anzeigen: I. Parreiier-Fuida. - 1 U. Zn©. I Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda-

I ^ermptetbei Nr. U. Teienr.-'äbrefk: Fuldaer Seituna

Das Kabinett Wirth vor dem Neichstag

Vertrauensvotum mit 230 gegen 132 Stimmen.

Tapfer nnü treu!

Die Gefahr der Katastrophe war nahe, zäher als die trci[krt Volksgenossen es empfanden. Das «ich hatte keine politische Leitung mehr und das Uiii- .niatum der Enbrnte verlangt« bis Donnerstag fpä« fkjtens die Ernennung eines Kommissars .1 u r v h e r s ch l e s i e n, und ehe ein Vertreter ernannt Verden kann, muß eine Negierung geschaffen sein.

2m tefctat Augenblick ist es gelungen, die Lück» ju füllen, weil zwei beherzte Männer in di« Bresche ge­sprungen unü über das Gewirr der parteipolitischen Verhandlungen die frische Tatkraft gesetzt haben. Der Reichspräsident E b e r t und der Reichskanzler Wirth verdienen außerordentliches Lob für ihr mutiges Ein- "ertip.-n. Umsomthr, als es ihnen, namentlich Dr. Wirth, sicher nicht unklar gewesen ist, daß die Besserwisser, daß hie Haß. und Katastropheirpolitiker heute alle Schleu­sen ihrer bloten und tückischen Schimpskünste gegen diese Männer ösfnen würden.

Ebert hatte mit gutem Takt« in der bisherigen Führung seines Amtes sich auf die formelle Er­ledigung beschränkt, ohne seinen persönlichen Einfluß an die Oeffemlichkeit kommen zu lassen. Diesmal Hal er, der Not des Vaterlandes entsprechend, seine Wiliens- meinung öffentlich in die Wagfchale g-worsim. In- dem er über die Köpfe der zerfahrenen Fraktions- sührcr hinweg Herrn Dr. Wirth zur Neubildung des Kabinetts aufforderle, übte er zuHeich eine mild ge- fafjte, aber doch sehr deutliche Kritik.Bei allseiti­gem guten Witten unter Boranstellung der Interessen des Lakerlandes", sagt er,wäre es möglich ge­wesen, die verbreiterte Koalition allen Bedenken zum Trotz zustande zu bringen. Er sagt ferner:K o st- bare Zeit ist auf die Verhandlungen zur Klärung der innerpolttischen Lage verwandt worden, ohne daß sich eine solche ergeben hat. Wen das Gewissen iuckt, der frage sich.

Dr. Wirth hat don Auftrag tapfer übernommen, obschon er über die außerordentlichen Schwierigkciten auf Grund seiner bisherigen Erfahrungen sich klarer ftin müßte wie kein anderer. Es war keine sctbst- gesällige Einbildung, sondern die richtige Einschätzung der Verhältnisse, attm er sich berufen und verpflichtet fühlt, seine Person in die Dresche zu stellen.

Das bisherige Ministerium trug schon den Namen Wirth. Die neue Regierung ist im vollsten Sinne des Wortes ein Kabinett Wirth. Es tritt hier aus dem Wirrwarr von endlosem Wortwechsel in den 'Fraktionen Ausschüssen und sonstigen ratlosen Räten 'der hohe Wert einer klar denkenden und kräftig zu- packenden Persönlichkeit zutage. Ein tüchtiger Mann ist mehr wertz als Hundert« von Worthelden und Rcsoiutionssabrikantcn. Auch im demokrati­schen Staatswesen; unter Umständen in solchem erst recht.

Wirth ist nicht als Bevollmächtigter des Zentrums und überhaupt nicht als Parteimann in die Bresche gesprung«n. sondern als opfermutiger Bürger, der für fein Vaierland retten will, was noch zu retten ist. Wie ein poltüfdxr Winkelried.

Schott die bisherige Amtsführung von Dr. Wirch zeigte em hohes Maß von Energie, wovon bei den früheren Leitern der deuifchm Politik in den Schicksalsjahren oft zu wenig sich bekundet hatte. E n e r- gisch war auch die Erklärung, mit der Dr. Wirth am Mittwoch sein aufgefrischtes Amt wieder antrat. Der Protest gegen das Unrecht und das Aktionsprogramm der bebiärjgteit Regierung ließen an Klarheit und (Ent« ichiedenhcit wahrlich nichts zu wünschen übrig.

Hoffentlich wirkt das gute Beispiel anfeuernd auf die Mrhrhrii. der Volksvertreter, damit endlich auch die schwächeren und schwankenden (Elemente sich auf» raffen zu jenerDoranstellung der Interessen dos V a t e r l a n d e die Präsident Ebert den Mitgliedern aller Parteien mit Recht zur Pflicht macht.

Wenn es nicht gelingen wolüe, eine KoÄition -u zimmern, so müssen wir abwarten, ob nicht die notwendige Koalition erwäch st.

Die Reichztagssitzung.

Ober sch le si en, Schicksal vor dem Reichstag! Die schwarz-rot-goldenen Fahnen auf den Türmen des Reichstages stehen auf Halbmast; nn Tag voll Schmerz und Trauer ist es, von Ditterbnt und tiefem Groll und tiefempfundener Ohn­macht, an dem sich die deutsche Volksvertretung ver­sammeln muß, um sich über die Rot« der Entente zu entscheiden, die Rote, die ein Siück deutschen Landes und deutscher Wirtschaft, ein Stück 700jähriger Kultur- arbeit durch Rcchtsbruch und Gewallbruch von uns loswißt. ,

Bis in die Rachmittagsslurchm herrscht Ungewiß- heil, ob es gelingen werde, das Kabinett zu bilden. Die Sitzung des Reichstages, die auf mittags 12 Uhr fest­gesetzt war, wurde zunächst aus 2 Uhr, schließlich auf 1 Uhr verschoben. In dm Wandelgängen des Reichstages zeigte das Gewoge die (Erregung und die (Erwartung über das Kommende. Welche Männer wird ter Kanzler finden, fcie gewillt sind, mit ihm den schweren Weg zu gchen? Was werden die Parteien tun, was fegen? Diese Fragen schwirrten durchrrnaiDcr! Das Bild des Hauses zeigte das des großen Tages. Die Tribünen warm bis auf den letztem Platz bef.tzt. SU Vertreter des Reichsrates und der deutschen Länder Unter Führung Preußens, dos bte Kultusminister H**4cr vertrat, waren anwesend. Der Sitzungssaal ,wtes nur wenige Lücken auf besonders stark waren di« Linksparteüm vertreten. Man harrt« der Regie»

nma, über demn Zusammensetzung bis zur Stunde des Reichslagsbeginnes nichts bekannt geworden wer.

Mit wirkungsvollen eindringlichen und zu Herzett gehenden Worten gedacht« der Präsident des Hauses, der Mehrheitsfozialift Lobe, mrsevtr nun von uns ge- trennten Brüder in Ob-rMsien. Ein Abschtedswori der Treue nist er ihnen zu. Treue um Treue, das tst das Gelöbnis, das ihnen Deulschland entgegenzubrin- gen getobt Und Beifallssturm begleitest seine Worte, als er mit erhobener Stimme den Satz hervorhebt, daß das eine gewiß fei: keine Macht der Erde könne durch das Mittel der Gewalt Un- rech» in Recht verwandeln. Dann erteilt er dem Kanzler das Wort

Reichskanzler Dr. Mrlh

führte aus:

Auf Grund der Sitte des Reichspräsidenten habe ich die Neubildung des Kabinetts übernommen.

Die Liste der Minister

ist folgende:

Reichskanzler und Auswärtiges Dr. Wirth: Vizekanzler und Schatzmimstex Bauer;

Inneres Dr. Adolf Köster;

Wchrrnimster Gebier;

Wirtschaflsminister Robert Schmidt;

Emälz ungsmlvister uttd gleichzeÄsg Dortauftgcr u* mmzminister Dr. Hermes;

Postmmifter D i e s b e r t s;

Andsrismimster Brauns;

Derkehrsrnmister ®röner;

Justizminister Dr. Radbruch.

Dao WiederaufbamninlsteriMN bletbt vorläufig unbe- setzt

Die Rechtsverwahrung.

Die neue Regierung fft einer schweren äußeren Loge des Reiches gegenüber und unter innenpoli­tischen Schwierigkeiten gebildet worden. Ich habe von dem Herrn Reichspräsidenten dos verantwor­tungsvolle Amt übernommen und meine Mitarbeiter ge- sucht, die mit mir eines Glaubens sind, dah es nicht an­gängig ist, das Schicksal des Vaterlandes durch eine lange Krisis der Regierungsbildung ober durch eine handlungsunfähige Regierung aufs Spiel zu setzen. 3d; spreche auch diesen Männern an dieser Stelle beson­deren Donk für ihre BereÄoillitstett zur Mitarbeit aus. ' (Beifall links.) Dor die Entscheidung der Bolschasterkon- ferenq gestellt, hat sich die frühere Regierung ent« schlossen, ihre Demission anzuzergen und mit diesem Schritt die Auffasiung bekräftigt, daß sie die Entschei­dung über Oberschlesien in der Form, wie sie erfolgt ist, als ein Unrecht als ein Unglück ansieht Sie hot zugleich in ihrem den Rücktritt begründeten Schreiben an den Reichspräsidenten sich dahin ausgespro­chen, daß durch den Spruch der Bolschasterkonfermz eine neue politische Lage geschaffen sei. 3m Namen der neuen Regierung erkläre ich, daß auch sie in der Verurteilung der Emsiheidung über Oberschlesien in nichts von dem Standpunkt der vorigen Regierung abweicht. Auch die neue Regierung ist dieser Mei- mmg unü betont feierlich vor oller Wett, daß durch den Spruch der Dotschasterkonferenz Deutschland und den be­troffenen Oberschlesiern harte Gewalt angetan wird. (Lebh. Zustimmung.) Die Entscheidung dursten nach dem Vertrag nur die Hauptmächte selbst treffen.. Roch unse­rer Auffassnug, die mit dem allgemeinen Rechtsempfinden identisch ist, verstößt die Uebertrogung der Enl- scheidung an eine andere Instanz gegen den klaren Wort­laut des Vertrages. (Lebh. Zustimmung.) Die Entscheidung stellt aueÄrückllch fest, daß bte gewählt« Li­nie wichtige wirtschaftliche 3nteressenaÄ>iete zer­reißt (lebhafte Zustimmung), also, die Gefahren und Nachteil« für dos Land Oberschlesien nicht vermeidet, die durch lne Bestimmungen des Vertrages vermieden werden sollten. Daraus ergibt sich, dah eine solche Ererbe nicht gezogen werden durste, weil sie die Deutschtond durch den Vertrag gewähisefftetsn Rechte verletzt. (Anstim- rmmg.) Zugleich mit der Festlegung der Grenzlinir ha­ben die alliierten Hauptmächte beschlossen, den beießligten Staaten ein Uebergangsregime aufzuzwin» gen, eine Verfügung, die gänzlich außerhalb der ihnen vom Vertrag zugewiesenen Befugnisse liegt. (Setzt rich- tigl) Diesen Standpunkt wird die neue Regierung den alliierten Hauptmächten in einer ihr geeignet erschei­nenden Weise unverhüllt zum Ausdruck bringen. Sie wich keinen Zweifel darüber losten, daß sie di« Ent- schetdung der Botschafterkonserenz als gegen vertrug und Recht verstoßend erachtet und daß fit Deutschlands Vorrechte aus das uns entrißene Land in feiner Weile für beeinträchtigt erachten kann durch einen Zifftand, der hier durch Gewalt geschaffen werden soll. (Lolch. Beifall.) Unser« erste Pflicht ist es. die Hundert- taufenbe deutscher Volksgenossen, tfe durch den Machtspruch zu Boden geschlagen werden sollen, nicht im Stich zu lasten, und dein Versuch zu machen, die durch diese Zerschneidung von Oberschlesien drohende Verelendung dieses Gebiets so west rote möglich abzuschwächen.

Don solcher Betrachtungsweise ausgehend, wird ble nnie Regicbung ein-n Bevollmächtigten zu den Wirtschaftsverhandlungen ernennen und dies den Girierten Hauptmächten unverzüglich mitteifen. Es ist kein Zweifel trrtb wäre ein schwerer Fehler, der deutschen Bevölkerung und dem Ausland zu verheimlichen, daß tre Deutschland verbleibende Wirtschastskrost durch die Entscheidung über Oberschlesien so vermin- bert wird, daß alle Berechnungen, Me auf ihrer Grundlage hinsichtlich der Erfüllung der deutschen SReparattonsleiftunaen ousoestellt waren, aufs neue in starken Zweifel aezoo-n werden wüsten. Der Minister oibt sodann eine Schilderung besten, was wir in vbersch'esien an Werten verlieren, leg» aegen den hierdurch geschaffenen Zuftcmd als gegen eine Rechts- Verletzung die feierlichste Verwahrung ein und fährt fort: Ledirltch durch dir in der 5iote_ ausge- sproch-ne Drote-ng u'st) um die der deutschen Bevölkerung de, oderfchlestschen Intzustrieoebietes sonst bevorstehende Derelemdvng soweit wie möglich zu vermeiden, siecht sich die d-ustch- Regierung gezwungen, dem Diktat der Mächte entsprechend di« bann vorgesehenen Delegierten, ohne dodmch ihre Rechtoauffasiu»« yi andern. > ru ernennen. (Lebhafter VeisaL) >

Der sozia-demokratische Redner.

Abg. Müller-Franken (Soz.) dankt den oberschlcff- scheu Märtyrern für ihre Haltung, umsomehr, als ge- rade die deutschen Gewerkschaften dort die stärksten Trü. ger des deutschen Gedankens gewesen. Wir muhten den Oberschlesiern praktische Hilfe testen. Der Ldee des Dölkerbundgedankens habe der Spruch jedenfalls bte uns keinen Dienst erwiesen. Redner dankt dm Reichskanzler im Namen seiner Fraktion für seine Opferwilligkeit in schwerster Stunde. Fällt die Enr. scheidunq heute gegen den Reichskanzler, so hat auch die Mehrheit die Pflicht, die Regierung zu bi l d e n.

DaS Zentrum

Aba. Mhka (Ztr.): Die Hoffnung aus den Gteech- tiqkeitssinn der Entente war verfehlt. Speziell L > o y d Georges Worte waren eine Enttäuschung. Jede Rücksicht auf den Willen der oberschlesi'chen Bevot- kerung ist fallen gelosten. Städte mit über 8 5 Prozent deutschen Stimmen sind zu Polen geschlagen worden. Würde jetzt die Frage zur Abstim. mung gestellt: Ganz zu Deutschland ober geteilt zu Polens so würden die meisten Oberschlesier. die da- mal» für Polen stimmten, heute für Deutschland stim. Md». (Sehr richtig!) Das uns diktierte Wirtschafts. obkommen mit Polen enthält unerhörte Zumutungen für Deutschland die weit über den Friedrn-vertrag hinausgehen. Frankreich hat birfe Grenzlinie gezogen, und wir Oberschlesier sind schmäh- sich verschachert worden. (Lebh. Zustimmung). Der Reichskanzler hat alles getan, um Oberschlesien zu ret- ten. Der von uns ersehnte Frieden mit Polen ist durch die Genfer Entscheidung unmöglich ge. macht Deutschland wird nie den Verlust dieses Landes vergessen können. Dos Wirtschaftsabkowm-n mit Polen kann Oberschlcflen nicht helfen. Wir verstehen es, wenn die Regierung unter dem Zwange ber Lage dennoch einen Kommissar entsendet, wir wüsten ab=*r ver. langen, daß der deutsche Vertreter wirkliche Gleich- b e r e ch t i g u n g erhält. Durch die Entsendung un. seres Vertreters wird unser feierlicher Protest nicht berührt. Wir hoffen auf die Gerechtigkeit der Welt­geschichte. Deutsche Oberschlesier bleiben trotz aller Dren, zen zusammen. (Lebhafter Beifall).

Der Kala tropheupo itiker.

Abg. Hergk (Dntl.): Es ist sehr bedauerlich, daß die Lester der deutschen Pol tik sich nicht zu einer rühmlichen Abwehr hoben aufschwingen können. Der Reichstag hat sich der Situation nicht gewachsen gezeigt. Wir haben ein klares Recht auf dos unge­teilte Oberschlesien. (Beifall.) Das Genfer Diktat ist schlimmer als das Londoner Ultimatum. Wir erheben den schärfsten Protest gegen feine Annahme. Wir entgehen dadurch auch nicht dem Konflikt, der ein­mal ausgetragen werden muß. (Sehr richtig! recksts.) Wir mfifiin dem Gegner beweisen, daß wir entschlosten sind, die letzten Konseguenzen aus unserer eigenen Lage zu ziehen. Darum wüsten wir nicht nur bas Genfer Diktat ablcbnen, sondern auch bie Entsen- dung deutscher Delegierter für das Wirtschaft», abkommen. Don der Zuhörertribüne wird aerufen: Sinneftlerer und Protestierer Hergt. Präsident Löb, warnt den Ruser. Wir wüsten jetzt end- sich übergehen von der pastiven Duldungspolitik zu einer positiven Politik des Willens. Wir wüsten Jrredenta treiben ob wir wollen ober nicht. (Beifall rechts.) Wir werden nicht ruhen und rasten, bis die Wiedervereinigung mit Oberschlesien da ist. (Lebh. Deif.) Wir bedauern, daß bie Garantie für diese große Politik nicht in der Zusammensetzung ber neuen Regierung gegeben ist. Es scheint als ob es bei der alten Politik bleiben soll. Der Ersül. lungsfanatismus muß verschwinden Un­ser Trost ist daß das neue Kabinett nur eint Episode, nur eine Eintagsfliegesein wird. Seif, rechts,) (Abg. Maltzahn (Komm.) erhält wegen des Zwi- schenrufesIhr Verbrecher seid die Schuldigen einen Ordnungsruf.)

Die Lettische SolkSpariei.

Abg. Sahl (D. Dpt.) bedauert, daß das Snteriffe an der Kabinettsbildung die Gefahr für Ober. f<bleften ganz zurückgedrängt hat. Wir stell- ten die Forderung alles andere vor dem Rechtsbruch zurücktreten zu lassen. Wir sind nicht durchgedrungen damit. Wir wollten die brutale Gewalt g e- zwungen übet uns ergehen losten und keintn Zweifel daran lasten, daß wir bas Unrecht nicht als Recht anerkennen können, daß Oberschlesien deutsch ist und von uns als deutsch auch fürderhin betrachtet wer. den wird. Aus diesem Standpunkt stehen wir noch heute Auch die Sanktionen widersprachen schon dem Versailler Vertrag und dem Völkerrecht. Das Wirt- schastsabkommen ist aber geradezu ein Hohn. Kein Wort davon steht im Friedensocrtrag. Es ist erzwungen und ein Rechtsbruch im schwersten Sinne. Man will uns damit nur den Vorwand neh- men, zu sagen daß wir durch den Verlust Oberfch'esiens in ber Erfüllung unserer Vertrogrpfkichten behindert seien Daß unsere Leistungsfähigkeit auf bas ernstlichst- gefährdet ist, steht außer allem Zweifel. Dieses schwierige Wirtschaftsabkommen tön. nen meine Freunde nicht annehmen. Wir hoben nicht die Sicherheit, daß bie Entsendung eines deutschen Delegierten nicht als Anerkennung des Dik­tats ausgelegt wird. Die Richtentsenbung ist Ute einzige klare Form der Ablehnung. Darum sind wir gegen bie Entsendung. Die Genfer Entscheidung muß unser schwaches Vertrauen zum Völkerbund vollends er­schüttern. (Lebh. Seif.)

Präsident Cöbe teilt mit, daß von den Parteien der Rechten und Linken namentliche Abstimmung über ein Vertrauensvotum des Zentrums und der Sozialdemokraten beantragt worden ist.

Die U. 6. P

Abg. Dr. Dreikfcheidl (U .6.) beklagt auch fvr feine Partei den Verlust Oberschlesiens und der Oberschlesier. Die Entscheidung über Oberschlesien ist bie folgerichtige Entwickelung der imperialistischen Politik. Die

Meroetionate Arbeiterschaft wehrt sich gegen diesen Im­perialismus, aber sie kann dabei nicht die von Herr» Hergt empfohlenen Mittet anwenden. Die ganze Krise ist aber nur dadurch so schlimm geworden, well bie so rühm­liche Demokratie die Getegenhsit benutzen wollte, die Koalition durch ihr Lieberwerben um die Volks- Partei nach rechts abzudrängen. Diese demokratisch« Politik der letzten Tage sucht an Verantwortungslosigkeit ihresgleichen. Dem neuen Kabinet sage ich in gewissem Sinne Unterstützung zu, ohne mich indessen zu binden.

Präsident Löbe verliest eine Kundgebung des P r o - vinzialausjchusses der Provinz Schlesien, die von allen Parteien, von den Deutfd)nationalem bis zu den Mehrheitrsozialdeomkraten, unterschrieben ist und di» Ablehnung des Genfer Diktats fordert.

Sie Haltung der Demokraten.

Abg. Schäcking (Dem.) verliest folgende Erklärung sei­ner Fraktion: Die Fraktion stimmt im Inter- esse Oberschlesiens der Entsendung eines Kommissars zur Abwicklung der sich aus dem Diktat ergebenden Fragern zu unter der Voraussetzung, daß sich daraus keine Anerkennung der dem Friedensver- tragwidersprechenden Entscheidung ergibt. Sie muß erwarten, daß sich die Regierung von diesem Standpunkte nicht abbringen läßt und macht ihre zukümstige Stellung zur Regierung davon abhängig. Da sie hierüber nach beit Verhandlungen bei der Regierungsbildung die notwen­dige Sicherhest nicht erlangen konnte, vermag sie sich nkcht der Regierungsbildung zu beteili­gen. Rur im Hinblick aus die Eigenart des Wirkungs­kreises des Reichswehrminiisters hat sie sich damit einver- stanSen erklärt, daß Herr Geßler dem dringenden Er­suchen des Reichskanzlers auf weitere Geschäftsführung dieses Mdrt.steriums entsprochen hat in der Hoffnung, daß dieses wichtige Ministerium auch in Zukunft dein Wechsel der politischen Konstellation entzogen wirb. Red­ner weist dann den Vorwurf zurück, daß seine Fraktion sich undemokratisch benommen habe. Wenn eine Regierung die Ueberzeugung gewinnt, daß ihre Außen- polttik nicht den erwarteten Erfolg gehabt hat, dann hat sie die Pflicht zurückzutreten. Die Losreißung Oberschle- sines zeige die Tendenz des unverhüllten Länberraubes. (Lebhafte Zustimmung.) Für politisch Konflikte muß end­lich ein unparteiisches Tribunal geschaffen werden. Das ist die Forderung aller Pazisisten. Deutschland habe nach dieser Entscheidung ein Recht auf bie Herabsetzung seiner Reparationsleistungen. Den oberschlesischen Brüdern möge die Erkenntnis Trost gewähren, daß das natür­liche Recht doch schließlich siegen muß. (Bei­fall.)

Die anderen Parteien.

Abz. Lmminzer (Bayer. Vp.) verliest eine Erklärung seiner Fraktion, die schärfsten Einspruch gegen daS Genfer Diktat e>hebt und sich gegen bie Entsen­dung eine? deutschen Delegierten anSspricht.

Inzwischen ist ein Antrag der Deutschen Volks» Partei, der Bayerischen Votkspartei und deS Bayerischen Bauernbundes eingegangen, der gegen den Genfer «pruch Einspruch erhebt und betont, daß ba9 beutsche Volk niemals diese neue Gewalt als Recht anerkennen, vielmehr stets in den deutschen Oderschlesiern feine Bruder und in der oberschlesischen Erde deutsche» Land sehen wird.

Abg. fitibemamt (Komm.): Der Völkerbund offenbart sich immer mehr al# ein Blutbund und Mörderbund zur Niederhaltuni bei internationalen PioletariaiS. An dieser Potiiik sind aber die Vertreter de# alten Kurses und mit ihnen die Mehrheitssozia- listen ichutd.

Abg Dr. £eol (Komm. ArbeitSgemeins *.) sichert bet;- Regierung die Unttrslützun, feiner Partei zu, wenn sie. ernstlich den Kampf gegen die Reaktion führen wolle.

Das BertrauenSootum.

Nachdem bie Slbgg. Marx (Ztr), Müller- grani­ten (Loz.i und Ledebour (U. ®.) bie Erklärung ab­gegeben haben, daß ihre Fraktionen für den Ver- trauensantrag stimmen werden, kommt es zur nament­lichen Abstimmung, in der da» Zentrum, die Sozialdemokraten, die Demokraten u. die Unabhängigen für den Bertrauer:»antrag stimmen.

Die Abstimmung ergibt die Annahme des Vertrauensvotums mit 23D gegen 132 Stimmen bei 9 Stimmenthaltungen.

Auch über den Antrag Emminger erfolgt, namentliche Abstimmung. Der Antrag wird mit 213. gegen 152 Stimmen abgehn t. Bier Abgeordnete ent-' halten sich der Stimme. Da» Ergebnis wird von' Seiten der Rechten mit Zischen und Pfuirufen aufge-i nommen.

Nächste Sitzung Donnerstag, den 3. November, nachmittag» 3 Uhr. Ta. esordnung: Interpellationen.

Schluß 12 Uhr nachts.

Die presse zum Programm Wirths.

Das gestern vom Rcichskanzler im Reichstag ent­wickelte Programm der neuen Regierung findet die Zustimmung der Prcffe des Zentrums, der De­mokraten, der Sozialdemokraten und der Unabhängigem

SieGermania schreibt: Der entschloflenr Wurf von Wirth ist gelungen. Es gibt beruhigender Weise keinen Zweifel mehr, wir haben jetzt wieder die nötige klare politische Linie, die in den letzten lagen verloren zu sein schien.

3mB erl. Tgb l. h:ißt es: 3n dar gestrigen; Red« des Reichskanzlers ist nichts, was nicht auch di«! Demokraten und die Deutsche Dolkspar- 11 i hätten mitwachen können und nichts, was diejeni­gen abM)nui müßten, trnen in der ob.rschlesijchen Frage eine Politik des Nichtverzichtens notwendig er­scheine.

Dervorwärts schreibt hinfichllich des Wie- deraufdau-Rcssorls, daß dieses wieder für Dr. Rat Henau osfenbleibt, der aber das Ergebnis der Pariser Kammrrüebaüe lubroatten wolle, iuxw ibm.