Gr.Silberpaket TU.?." Origfnaiaose M. 2.60
Fuldaer Aeitung
Druck der Fuldaer Aetieudruckerei iu Fulda
an verschiedene Staaten
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herausbringen! Das ist Gold in der Kehle, Verehrte- ster — Gold! Der Korelli, der dieser Tage Probe ge. sungen hat, schreit im Vergleich zu Ihnen, als ob er
England Frankreich Italien Neufundland u. Kanada Belgien Rußland
Sang, ihr gestand er in herzinnigen Tönen die lodernde Glut seines 3nnem — und er wurde verstanden. Als der letzte Ton verklungen war und der Sänger nach einer Verneigung gegen die Zuhörer zum Flügel trat, da wandte Emilie Hohenfels den Kopf und ihr Blick begegnete dem feinen mit einem seltsam verschleierten Ausdruck, der Gewährung verhieß.
Ein donnernder Beifallssturm riß ihn aus seiner Verlorenheit und der Ruf: „da capo, da capo" ertönte so unausgesetzt von allen Seiten, daß er nicht umhin konnte, das Podium nochmals zu besteigen und das Lied zu wiederholen. Und abermals erntete er rauschenden Applaus am Schlüsse, abermals drängten sich die Zuhörer komplimentierend um ihn, so daß er nur mit Mühe den Kreis durchbrechen konnte, um^zu Fräulein Hohenfels zu gelangen und sie nach ihrem Platze zurück- zugcleiten. Dort hatte sich mittlerweile der junge Max Hohenfels seinen Eltern zugesellt, der bei Annäherung des Paares mit einer, seinem sonstigen kühlen Wesen ganz fremden Lebhaftigkeit sich von seinem Sitze erhob, und auf Karl zutretend, diesen in der enthusiastischsten Weise zu seinem Erfolge beglückwünschte. Klangen auch die Lobeserhebungen des jungen Herrn etwas forciert, so war es ihm doch offenbar ernst damit, Karl Hochfeld etwas Angenehmes zu sagen. Karl wunderte sich im Stillem Wie stimmte das mst dem sonstigen hochmüti.
(fpb) Melsungen. Wie das hiesige Finanzamt mitteilt, haben bei mildester Anwendung der Steuervorschriften im Bereiche des Finanzamtes in den letzten drei Monaten 94 371 Mark verschwiegenes Vermögen zu Gunsten des Reiches für verfallen erklärt und 190 000 Mark Strafen wegen Verstoßes gegen die Steuergcfetze festgftctzt werden müssen. Ein großer Teil der Strafverfahren ist noch in der Schwebe.
am Spieße stäke!"
„Herr Kapellmeister schmeicheln —" warf Karl lä. chelnd ein.
„Schmeicheln? Fällt mix nicht im Traum ein! Ist gor nicht meine Art! Sage im Gegenteil alles vor den Kopf! Und wenn ich Ihnen sage: „Hängen Sie Ihr Soll und Haben an den Nagel und gehen Sie zur Bühne —"
„Daran ist nicht zu denken, Herr Kapellmeister!" unterbrach ihn der Gepriesene.
„Ganz wie Sie wollen, Derehrtester, — ganz wie Sie wollen! Können sich ja die Sache überlegen — sind ja noch jung! Wissen ja, wo ich wohne, wenn Sie doch einmal Lust haben umzusatteln!"
„Darf ich die Herrschaften zu Tische bitten?" tönte da die Stimme der Hausfrau dazwischen und alles beeilte sich, diesem Rufe Folge zu leisten. Auf der geräu- migen Veranda an der Hinterfront der Villa war die Tafel gedeckt, so daß man den Blick in den etwas ansteigenden herrlichen Park genoß, der mit seinem üppigen Grün, aus welchem hier und dort weihe Marmorfiguren schimmerten, mit seinem reichen Blumenflor und den vielfarbigen elektrischen Flammen, die in Bogen über di« Wege gespannt waren, einen märchenhaft
JE 2^7.
Mittwoch, 26. ettober 192t
schönen Anblick gewährte. Karl Hochfeld befand sich wie in einem Traume. Die Lobeserhebungen der Gesellschaft, die Anerkennung des Hoskapellmeisters, wie auch die außergewöhnliche Liebenswürdigkett, mit wel. cher ihm sein Chef tyb dessen Gemahlin begegneten, hatten ihn mit einem Selbstbewuhtsein erfüllt, daß er alle gesellschaftlichen Schranken übersah, welche ihn von dem ihn umgebenden Kreise kennten. Ungezwungen, mit ritterlicher Attigkeit, hatte er das ihm von der Dame des Hauses zur Tischdame bestimmte Fräulein Emilie Hohenfels zur Tafel geführt und ein lebhafte» zu seinem Entzücken immer verttaulicher werdende, Gespräch mit ihr angeknüpft. Er sah nicht das mo- quante Lächeln, mit welchem sich mehrere Damen gegenseitig fiagende Blicke zuwarfen, nicht die eisig kühlen Mienen der am oberen Ende der Tafel sitzenden Eltern seiner Tischnachbarin. — Alles, was ihn hätte ernüch- tern können, es schien ihm so kleinlich, so leicht über, windbar gegenüber dem heißen Begehren, das sein gan. zes Empfinden beherrschte. Hatte ihm nicht auch der sonst so hochmütige Max Hohenfels mehrere Male fteundlich und bedeutungsvoll zugenickt, gleichsam als wollte er ihn ermutigen?
Auf die Bitten der Gesellschaft hin hatten die vier Herren des Streichquartetts nach aufgehobener Tafel ihre Instrumente aus dem Saal geholt und bald durch, schwebten die bestrickenden Klänge der Haydnschen „Se. renabe" die laue Juninacht. Nach und nach erhoben sich die jungen Paare und verloren sich in den Wandel, gängen des Parks Auch Max Hohenfels ging eben mt* feiner Same, einer üppigen Blondine, nach ber breiten, in den Garten hinab führenden Marmortreppe zu unsagte im Vorübergehen zu seiner Schwester:
„Nun, Emmy, hast Du keine Lust: Dich mit Herrx Hochfeld 'anzuschliehen?" In einiger Entfernung hört sich die Musik noch entzückender an! Der reinste Som. mernachtsttaum!" Bereitwillig erhoben sich die Ange, rebeten und schritten Arm in Arm in den Park hinab.
(Fortsetzung folgte
5 Mlliarten Doll.
3,4 „
1,6 „
464 Millionen „
368 „
285 „
621,5 „ „
rangen. Nach einer in der Reviev of Economic Sto= tistics vom 1. März 1920 ausgestellten Berechnung hat Amerika ausgeliehäi:
WomefeldfsTee
JH la. - aromatischundausgietilg.billigimVerbrauch
Niederlagen In allen Stadtteiltn
Thüringen einverleibt worden ist. Es ist deshalb Zivil' klage auf Zurückgabe des Darlehns erhoben worden.
* Der Tierbildhauer August Gaul, desien frühzeitig« Tod, (im 52. Lebensjahre) wir dieser Tage meldeten war 1869 in Großauheim bei Hanau geboren: Mit vierzehn Jahren kam er bereits aus die Hanauer Zeichenakademie, mußte sich aber nebenbei in einer Silbersabrik sein Brot verdienen. 1889 wurde tr in Berlin in die Werkstatt Calandrelli ausgenommen. Als er hier bei einer Schülerverlosung eine Dauer- kartefürdenzoologischenGarten gewann, wurde das sein Schicksal: von diesem Tage an war er den Tieren verfallen. Seinen ersten Ruhm pflückte er sich mtt den Löwen, die er zmn Sockel des Begasschen Kaiser-Wilhelm-Denkmals beitrug. In Italien, wohin ihn ein Preis brachte, kam er in Verkehr mtt Hildebrand und Tuattlon. Wichtiger wurden ihm die italienischen Museen. Vor allem die attägyptische und die etruskische Kunst gewannen Einfluß aus chn. Er verbreitete diese Einflüsse und kam so zu dem schönen schlichten Stil, der jenseits jeder Mode steht. Es ist noch nicht lange her, daß die Jubiläumsausstellung bei Cassirer einen großen Teil seines Lebenswerkes geschlossen vorführte. Man stellte damals fest, daß Gauls Kunst in der Statik, der Ruhe, der Geschlossenhett ihren Ur- gründ hat. Monumentales lag ihm nicht; dazu fehüe es ihm an Schwung und Mut zur größemn Geste. Seine Art war sogar etwas behäbig; doch der verhaltene Humor, der hinter dieser Behäbigkeit, muhr versteckt als offenbar gemacht war, gab diesen Kleinplastiken einen besonderen Zauber. Er liebte vor allem die Tiere, die diese Ruhe aus eine pflanzen- haft-stille Art verkörperten. Er modellierte gern die als ein wenig dumm verschrienen Brüder aus der Welt der Fabel: Pinguine, Enten, Gänse, Schafe, Esel: ein freundlicher Hirte, der die Gefangenschaft der Tierseele wohl verstand und zum Gleichnis der Menschenseele zu machen wußte. Aber auch die energischen Tiere wie Löwen, Adler und andere gelangen ihm, wenn er sie in gelagerter und gelassener Haltung gestaltete. Der einzige, wirklich große Denkmalentwurf, ein Brunnen mit einem trompetenden Elefanten für di» Stadt Charlottenburg, kam nicht zur Ausführung.
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Siir Neuenberg
Zeitungs-Agentur zum November zu vergeben.
Wir bitten unsere Leser der Nachbargemeinbe Neuenberg, geeignete Persönlichkellen auf diesen guten Nebenverdienst aufmerksam zu machen, da sonst Gefahr besteht, daß di» Fuld. Zeitung ab 1. November erst andern tags durch bi, Post zugestellt wird.
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Im ganzen hat es an die Miierten 11,8 Milliarden • Dollar vorgestreckt. . I
Ski dem lateinischen Amerika hat sich die Wucht des nordamerikanischen Kapitals noch viel mehr geltend I gemacht. Sn Mexiko steckt Naukeekapital in Eisenbahnen, auch der Bergbau mht wohl zu 3^ in den Händen I der Dollarkönige. In Westindien waren {djon i»r 1 dem Krieg der Zuckertrust und der Tabaktrust tätig I um die englische Herrschaft zu untergraben. ,
ZUM ich hat gerade während des Knegs m Arne- I rifc die Industrie einen riesenhaften Aufschwung genommen. Während vor dem Krieg die Ausfuhr feiner 1 fertigen Industriewaren verhältnismäßig bescheiden I war, wirst es heute seine Fabrikat,: in Gebieten auf den I Markt, die vordem rein englische Dränen waren. Während der amerikanische Export 1910: 1,7 Milliar» I den Dollar, 1914: 2,3 Milliarden betrug, Mgte seine Exportziffer 1920: 8,1 Milliarden. Der Ull-erschutz des Exports über den Import betrug 1914. 0,18 Milliarden ,1920 dagegen 2,87 Millarden Dollar. (Fortmghtly Review, The Economw Predomsnance of che United States. Zig. Polittcus Dezember 1920).
Mit dem Aufschwung der Industrie und der steigenden Export- wie Importziffer wuchs die vorher ziem- I lich unbedeutende Handelsflotte immer mehr heran. Wähnend die englische Handelstonnage nach dir Berechnung des englischen Nattonalökonomen Barker I von Juni 1914 bis Juni 1920: 781000 Tonnen abnahm, vermehrte sich die amerikanische in der gleichen Zeit um 10 379 000 Tonnen. Heute verfrachtet Amerika billiger als England, sodaß es nicht unwahrscheinlich ist, daß die amerikanische Konkurrenz in der Handelsflotte den englischen Gegner besiegen wird.
Dabei verfügen die Vereinigten Staaten über einen unermeßlichen Reichtum an Bodenschätzen, an landwirtschaftlichen Produkten vollkommen unabhängig, sodaß auch ein Zollkrieg diesem Lande nicht schaden kann. Während der vorerwähnte Barker den Bestand der englischen Kohlen auf 189,5 Milliarden Tonnen schätzt, soll Amerika 3838,6 Milliarden Tonnen in feinem Innern bergen. Wenn England infolge erleichterter Arbeite- und Transportbedingungen sowie älterer Anlagen trotzdem mehr Kohlen vor dem Kriege förderte als bte Vereinigten Staaten, so ist es heute umgekehrt. 1914 führte Amerika (nach Barker) I 923 261 Tonnen nach Europa aus, 1920 7 694 296 To. I Zwei Gründe sind es vor allem, die England zwang, I auf dem Gebiet der Kohle die Weltherrschaft an Amerika abzutreten. 1. In Amerika arbeitet der„Bergarbeiter I unter dem Einfluß des Tonnenlohnes fchärfer als fein I Bruder in England, der nach Stundenlohn arbeitet.
2. Die deutschen Kohlen, die so billig nach Frankreich und Belgien geliefert werden, bilden der englischen Kohlenförderung eine stark: Konkurrenz. (Blankmsee, I Probleme Englands, Preuß. Iahrb. Oktober 1921).
An Erdölen, die in dem Motor- und Turbimn- I betrieb eine immer größere Rolle spielen und im Wirt- I schasts- wie auch im Kriegswesen (Kriegsflotte! Flieger!) I der Kohle nahezu gleichzustellen sind, ist England noch kläglicher bestellt. Nicht viel mehr als 3 Prozent des I Erdölbestandes sind in seinen Händen, während die Veveinigten Staaten zwei Drittel des Petroleums der I Erde in ihren Grenzen bergen und dem Engländer no- I tigenfalls verschließen können.
Dabei ist Amerika heute in der Lage, diesen seinen Handel durch eine kräftige Kriegsflotte zu schützen! Nach I der Ausstellung des Archibald Hurd wird im Jahre 1923-24 die amerikanische Kriegsflotte die englische I überflügelt haben (Blankensee a. a. O.) Dabei be- I wirkt die Kampfkraft der neuen Wasserriesen, die nach I den Erfahrungen der Skagerrakschlacht gebaut worden I sind, daß die vor 1914 gebauten Kriegsschiffe für eine I moderne Seeschlacht mehr oder weniger wertlos gewor- I den sind. An solchen Schlachtschiffen erster Klasse wer« I den gebaut von England 13, von dm Vereinigten I Staaten 27, von Japan 14. So ist es also unaus- I bleiblich, daß Amerika das Erbe Englands antreten I wird.
Die Iagd nach dem Glücke
Erzählung von F r i tz Ritzel.
England und Amerika. i v Von Studienassessor Weber.
’ In der oberschlesischen Frage haben wir es wieder I em eigenen Leibe verspüren müßen, daß England von I seinem Standpunkt, den es zunächst so fest vertreicn yttte, abgewichen ist und den französischen Fordenmgm 1 «lchgegeben hat. So oft schon haben wir in den letzten Jahren erleben müssen, daß das scheinbar doch allmächtige England in Fragen, die Deutschland betreffen, von seinem uns günstigeren Standpunkte abirrte und sich I den französischen Forderungen beugte. Und voller Ver- wmidemng hat sich mancher wohl gefragt, wie « stimmen konnte, daß auf den Konferenzen Frankreich einen so festen Standpunkt vertrat und England zur Anerkennung seiner Forderungen zwang.
Um jenes Auftreten Englands und seines nur scheinbar allmächtigen Reichskanzlers Lloyd George richtig zu würdigen, ist es wichtig, EnglarÄs heutige Stellung I in der Welt richtig einzuschätzen.
Durch seine insulare Lage vor Einfällen feindlicher I Völker geschützt, hat England schon seit Jahrhunderten darnach trachten können, feine ganze Kraft auf den I Erwerb überseeischer, außereuropäischer Besitzungen werfen zu können. So oft die Festlandsmächte sich gegenseitig bekriegten, hat es diese Kriege nach Kräften tu schüren verstanden und inzwischen in der Welt seine Eroberungen gemacht. Die Kriege der Festlandsmacht mtt Ludwig XIV., der siebenjährige Krieg brachte den Engländern unermeßliche Besitzungen in Asien und Amerika. Der Krieg gegen Napoleon, letzten Endes ein Existenzkampf zwischen England und Frankreich, endete mtt einem vollen Erfolg der britischen Seemacht. Bei Leipzig und Waterloo wurde Englands gefährlichster Gegner, den es je besessen, erfebigt. Zwar hatte der Krieg gegen die französische Revolution und Napoleon auch England viel Geld gekostet. 1835 hat die englische Handelsflotte erst wieder die Höhe von 1816 erreicht! Aber die Kontinentalmächte waren durch die Kriege noch mehr erschöpft. Vor allem versuchte seit der Schlacht von Abukir und Trafalgar niemand mehr England die Herrschaft über die Meere streifig zu machen. Und so wuchs dar überseeffche Handel und wurde englisches Monopol.
Durch die Gründung des deutschen Kaiferftaates war unser Vaterland aus dem Dornröschenschlaf erwacht. In wenigen Jahrzehnten hatte der Reichtum unserer Bodenschätze und mehr noch unser Gewerbefleiß md unsere Geistesarbeit Industrie und Handel zu einer nie geahnten Höhe gebracht und zu einem gefährlichen Konkurrenten Englands gemacht. Gestützt auf eine starke Wehrmacht und Neichsslotte konnte es dun Kampf um die Eroberung der Wellmärkte mit England cmfnehmen. Zugleich war Rußland immer mächtiger geworden und auf asiatischem Boden in den ver- ichisdensten Ecken England, in den Weg getreten. Der Aderlaß im rufsffch-japanischen Krieg hatte nicht ausgereicht. So mußte das Festland sich selbst zerfleischen, und indem Deutschland Rußland, die Welt Deursch- lmid zerschmetterte, wurde Englands Wunsch erfüllt, feiner gefährlichen Konkurrenten sich zu entledigen.
Hat also England den Zweck, zu dem es in den Krieg gezogen ist, erreicht? Durchaus nicht! Rußland und Deutschland allerdings sind für absehbare Zeiten erledigt, aber dafür ist ihm ein Gegner erwachsen, der schlimmer fft als beide: Amerika.
Schon fett Jahrhunderten ist die leitende Idee der errgilischsn Politik der Gedanke gewesen, den Handel an sich zu reißen und damit den Wohlstand der Bürger zu heben. Schon 1743 sagte Lord Hardwicke im Haufe der Lords: „Wenn unser Wohlstand zurückgcht, so fft es an der Zeit, den Handel der Nation zu vernichten, die uns von den Märkten verdrängt hat, indem wir ihre Schiffe von dem Weltmeer treiben und ihre Häfen blockieren." Und 1919 sagte Lloyd George, daß die englischen Soldaten im Weltkriege gefallen seien, bamtt die Ueberlebenden besser leben könnten, d. h. erleichterte Lebensbedingungen hätten. Wenn heute aber England seine europäischen Gegner zu Boden geworfen hat, fo hat es sich damit zugleich selbst auf das empfindlichste geschwächt, und die Erbschaft hat — Amerika ongeta&n.
Zunächst tritt dies in der Geldwirtschaft vor Augen. Während England vor dem Krieg der Bankier Amerikas war, haben fetzt die Bereinigten Staaten ihre Schulden abgetragen und dem alten Gläubiger erhebliche Summen vorgestreckt. Amerika ist der Bankier der Wett geworden, der Dollar der Maßstab der Wäh-
13] --
Es folgte nun wieder ein Streichquartett, sodann eine von Fräulein Emilie Hohenfels meisterhaft auf bem Flügel vorgetragene Schubertsche Symphonie und mehrere von verjchiedenen jungen Damen gesungene Lieder, Darbietungen, die sämtlich mit freundlichem Beifall ausgenommen würben, bis Herr Direktor Hagen als letzte Nummer „Siegmunds Liebeslieb", vorgetragen von Herrn Karl Hochfelb, antüibigte. Sofort erhob sich ber Genannte schritt auf seine Partnerin zu und verneigte sich vorstellenb höflich vor bereu Eltern. In seiner hochgemuten Stimmung achtete er gar nicht dar. auf, daß ihm nur ein sehr reserviertes Kopfnicken seitens des Herrn ^Hohenfels und feiner Frau zuteil wurde, und bot tfraulein Emilie den Ann, die es sich angelegen zu fein lassen schien, durch unverhohlen an den Tag gelegte Liebenswürdigkeit das kühle Benehmen ihrer Eltern oergeffen zu machen. Vertraulich hing sie sich an Karls Arm und flüsterte ihm zu:
„Sie sind unbestritten der Held des Abends! Es ist aber auch ein Genuß, Ihnen zuzuhören! Ihre Stimme hat etwas, was viele der größten Künsller vermissen lassen — sie geht zum Herzen!"
Und hingerissen von dem Lob, neigte sich Karl über das blonde Haupt des schönen Mädchens, das eben am Flügel Platz genommen untf flüsterte, indem er bte Noten umschlug: „Sieglinde.
Wieder traf ihn jenes blitzartige warme Aufleuchten aus ihren Augen, und ein leichtes Erröten überflog ihre feinen Züge, als sie das Haupt neigend, die ersten Akkorde anschlug.
Das erwartungsvolle Gemurmel der Zuschauer war verstummt und
„Winterstürme wichen dem Wonnemond In mildem Lichte leuchtet der Lenz —"
gefeiert wurde. Unter diesen Verhältnissen kann Lloyd George gar nicht daran teufen, auch noch mit Frankreich zu brechen, das immer noch viel Sympathie in Amerika hat. Es würde ihm ja auch nichts nützen, da eine durch einen Bruch mtt Frankreich erfolgte Verbindung mit Deutschllmd, dem ohnmächtigen Laich, ihm keinen wirtschaftlichen oder militärischen Vorteil bringen würde.
Infolge des Genfer Diktats verliert Deutschland einen wichtigen Teil seiner Bodenschätze. Es wird also noch mehr als bisher auf Arbeit angewiesen sein, um die ungeheure Schuldenlast abzutragen. Dazu kommt noch, daß Deutschland bei der schlechten Valuta turntet mehr der Lieferant Europas werden wird, und auch so, obschon besiegt, England wieder ein starker Konkurrent werden wird. Starke Arbeiislosigkett in England ist die Folge. An tiefen großen wirtschaftlichen Fragen, die Kapital und Arbeit gleicherweise beschäftigen, kann die englische Regierung nicht stillschtmigenü vvriib ergehen. Und so steht zu hoffen, daß von diesem Gesichtspunkt aus von England nochmal das Londoner Protokoll aufgerollt und einer Durchsicht mtturzogen werden wird. Ans Mitgefühl für ten Deutschen wird England dies nicht tun, das brauchen wir nicht zu erwarten, aber daß es aus Not dazu bald gezwungen wird, — das wollen wir hoffen.
SrürGGndjer
ist die beste Seife
klang es gleich darauf mit glockenheller Stimme durch gen Benehmen dieses eleganten Lebemannes überein? den Saal. Wie begeistert stand der junge Sänger bro- I Noch ehe er hierüber nachbenken konnte, würbe er schon ben, den träumenden Blick nach oben gerichtet, als I von anderer Seite in Beschlag genommen, zuerst von schwebe ihm das liebliche Bild Sieglindens vor, als I Baron Greiffenstein, der sein Bebauern darüber aus. lebe er ganz im Geiste ber Rolle, so daß er wie der drückte, daß er in nächster Zeit nicht bas Vergnügen liebesentflammte Helb ber Sage erschien. Karl Hochfelb I haben werbe. Karls herrliche Tenorstimme wieber zu
aus dem Nachbargebiet.
= Gersfeld. Dem heftigen Sturm am Sonntag früh fft die etwa 600jährige starke Eiche auf der Wacht zum Opfer gefallen. Vor mehreren Jahren wurde von mutwilliger Hand Feuer in den Hohlraum des Stammes gelegt, das noch rechtZeitig gelöscht werden konnte, um den Baum noch lebensfähig zu erhalten. Man hittte ten hohlen Stamm mit Erde und Steinen „plombiert" und viele Einheimische und Fremde ruhten sich auf ter den Stamm umfassenden Bank aus, dabei die herrliche Aussicht auf Gersfeld und Umgegend genicßeich.
(fpb) Frankfurt a. 2U. In ter Erkenntnis, daß für die Gruppe Schuhwaren und Leder die Frankfurter Messe geeigneter sei als die Leipziger, beschloß eine stark besuchte Versammlung von Ausstell-ern der Frankfurter Messe, die der Gruppe Schuhwaren und Leder angehören, nach einem Vortrag von Kommerzienrat Waller st ein, Offenbach, die Errichtung eines besonderen Gebäudes. Die Mittel für die Erbauung des Hauses sollen nach dem Vorschlag des Meß- amtes im Wege einer Anleihe aufgebracht werden. Um in Zukunft die Klagen über Zuteilung von schlechten Plätzen in iem neuen Gebaute zu bannen, wurde die Einrichtung einheMcher Stände empfohlen. Ein be- fonterer Ausschuß wurde mit ter Weiterverfolgung der Verhandlungen beauftragt. In der Versammlung kam zum Ausdruck, daß sich das große Geschäft in Leder und Schuhwaren in Frankfurt konzentriert habe, und daß Frankfurt in tiefer Beziehung darin auch führend bleiben werde.
(fpb) Frankfurt a. IN. Ein Rundschreiben des Landeshauptmannes verlangt, daß schon jetzt in Verbindung mit ten Wohlfahrtsausschüssen geeignete Feststellungen getroffen werten, bei welchen Handwerkern und Gewerbetreibenden die Möglichkeit einer Einstellung von Kriegerwaisen zum nächsten Schulentlassungstermin vorhanden fft.
(fpb) Burgsolms. Der Letter des „Modernen Dolks- theaters", ter Schauspieler Hartmann aus Kaisers- I lautern, wurde in feinem Wohnwagen am Sonntag abend mit einer Schußverletzung aufge» funden, an deren Folgen er nach kurzer Zeit starb. I Wer den Schuß abgegeben hat, konnte noch nicht festgestellt werten. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Eifersuchtsangelegenheit.
fühlte selbst, daß es ihm bei früheren Gelegenheiten I hören, ba er eine längere Reise ins Auslanb anzutreten noch nie gelungen war, die harmonievolle Weise in so I beabsichtige, sobann von bem Hofkapellmeister, welcher vollenbeter Form zum Dortrag zu bringen — er fühlte, I ben jungen Mann erregt am Arm faßte unb ihm zu- baß er biefes, sein ganzes Empfinden erhebende Kön. I raunte: „Aber junger Freund, Sie haben ja Ihren Venen dem stürmischen Gefühl für bas herrliche Wesen I ruf total verfehlt. Ihre Stimme ist ja von fabelhafter mit bem rotblonben Haupte verdankte, baß eine unbe- I Höhe! Nach bem wie Sie bas hohe a singen, bin ich siegbare Leidenschaft sein Herz ergriffen hatte. Für sie, | überzeugt, daß Sie noch bas hohe b jnit ßMdjttgteit die Geliebte, legte er bas heiße Begehren in feinen ' ' ~ ~ m
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Wenn also auch England in Europa durch ten Krieg seine Vormacht behauptet hat — in ter großen Lage ter Weltindustrie, des Welthandels und ter Weltmacht hat es verloren. Dabei kann es auf Amerika nicht so leicht den Grundsatz anwendm, dm es in Deutschland zuletzt mit so gutem Erfolg durchgeführt hat — den gegnerischen Hantel vernichten. Zwar steht Japan auf sehr gespanntem Fuße mit Amerika, ober in einen , Krieg wird es sich n i ch t einlassen, selbst wenn Eng- I oermchtez.
land seine Hilfe verspricht, denn wenn die englischen I
Dominions durch den Krieg auch fester denn je mit * Ein sehr interessanter Zivilprozeß ist beim Land- bam Mutterland verbunden sind, zu einem Kriege gegen gericht in Gera gegen tie Gebietsregierung von Amerika sind sie nicht zu haben. Im Gegenteil, Ka- I Reuß anhängig gemacht worden. Vor Jahrzehnten, als rtaöa und Australien hat gegenüber japanischer und I einmal die Regierung von Reuß ä. L. sich in Geldver- chinesischer Invasion das gleiche Interesse wie die Ver- I legenheit befand, hat die damalige Fürstin des Lan- einigien Staaten. Das kam vor dem Kriege fast zu I des dem Staat ein Kapital von 150 000 Mark gelte- überschwenglichem Ausdruck, als die amerikanische h e n, das zurückzahlbar sein stille, wenn einmal Flotte auf ihwr Rundreise australische Häfen anlief und I Reuß ä. L. seine Selbständigkeit verlieren würde. Die- die große Republik am anderen Ufer des großen fen Zustand glaubten die Angehörigen des ehemaligen Ozeans als ten Bundesgenossen in dieser Existenzfrage I Hauses Reuß ä. L. jetzt gekommen, nachdem Reuß in |WiMBaiw«^i'iiw,llii —IMmMWill IBM—ui ||, Willi <RI l'IMHI, '■ 1j WIIIHi II»WH II I