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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.

Nr. 247.

Verantwortlich für den ceoauionellen Teil: Dr. I. Kramer. = , Nir die Anzeigen: I. Parze' ier - Fuida. =

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, ^ernwiecder \h. 9. Teiegr.-Adresie: Fu ldaer Zeit» ng.

Mittwoch, 26. Oktober 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.0J HlL zugestellt frei ins Haus- - Abgeholi in der (SefdjäKsfLUe 4,60 Mk. " -

Anzeigen: Coioneizeile 70 Big.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklomezeilr (lertbreiie* 2 5J 21«.

48. Zahrg.

Wage an eine

Das zweite Kabinett Wirth.

Die Innere Krise hat nun endlich ihren Abschluß damit gefunden, daß der Reichspräsident nach dem völligen Versagen aller Einigungsbestre­bungen unter den Parteien den bisherigen Reichskanzler Dr. Wirth in einem Schreiben, das einen persönlichen Appell an die Opferfreu- d i g k e i t des Empfängers darstellt, ersucht hat, das neue Kabinett s e l b st zu bilden. Dr. Wirth hat diese Aufgabe angenommen; er hofft, in Kürze sein Ministerium zusammenbringen und es am heutigen Mittwoch um 12 Uhr dem Reichs­tag in der anberaumten Plenarsitzung vorstellen zu können.

Das Schreiben des Reichspräsidenten an den Reichskanzler lautet:

„fierr Reichskanzler! Seit Wochen ist es mein unaus­gesetztes Bemühen gewesen, für eine Verbreiterung der gegenwärtigen Regienmgskoaiition die Grundlage zu Raffen, in der Ueberzeugung, in der ich mit Ihnen, Herr Reichskanzler, einig gehe, daß die großen Ausgaben, die Deulschland auf dem Gebiete der i n n e re n und äuße­ren Politik harren, auf einer breiten Regierungsbasis am besten gelöst werden können. Sie, Herr Reichskanz­ler, haben mich in diesem Bestreben unterstützt und dle Deibreiterung der Regierungskoalition zu wickh 'Holten Malen als nächstliegendes Ziel Ihrer Politik bezeichnet und auch alles getan, um ihr näherzukommen. Die Ent- lchsidung, welche die Bc»i scha f te r ko n ferenz der Alliierten in der oberschlesischen Frage ge­fällt hat, hat zweifellos die Erreichung dcs erstrebten Zie- >cs erheblich erschwert. Ich bin allerdings der Mei» rung, daß es bei allseits gutem Willen und unter Doran- stellung der Interessen des Vaterlandes möglich g». wcfen wäre, die verbreiterte Koalition allen Bedenken zum Trotz zustandezubringen. Verschiedene Vorgänge ha­ben sich leider hemmend in die gepflogenen Verhand­lungen eingedrängt, sodaß das erstrebte Ziel als ge­scheitert anzusehen ist. Dies ist umso bedauerlicher, als der Rücktritt des bisherigen Kabinetts das Bestehen einer handlungsfähigen Regierung angesichts der außen­politischen Lage zur zwingenden Notwendigkeit und die BMnmg des neuen Kabinetts unaufschiebbar macht«. Kost­bare Zeit ist auch für die Verhandlungen zur Klärung der innerpolitischen Lage verwandt worden, ohne daß sich eine solche ergeben Hai.

.5n dieser Not des Vaterlandes richte ich an Sie, Herr Reichskanzler, die dringende Bitte, Ihre mir ge­gebene Absage zurückzuziehen und unter Hinlan- ziehung persönlicher und parteipolitischer Rücksichten die Bildung der Regierung zu übernehmen. Die Tat­sache, daß Sie bereits einmal in schwerster Dediängnis sich dem Daterlande zur Verfügung gestellt haben, gibt mir die Hoffnung, daß Sie auch diesmal dieses Opfer bringen werden. In Anbetracht der ergebenen Verhält­nisse vertraue ich darauf, daß es mit Ihrer Tatkraft und politischen Einsicht gel-ngen wird, eine Regierung zu bis. den, welche in ihrer Zusammensetzung die Gewähr dafür bietet, daß sie bie nächste der deutschen Politik gestellte Aufeabe sowie die dringlichen Probleme der weiteren Zu­kunft lösen kann. Ich bin in aller Wertschätzung Ihr aufrichtig ergebener Ebert.*

Ehe Dr. Wirth auf dieses Schreiben eine Zu­sage erteilt hat, ist ihm von der Zentrums­fraktion die Genehmigung zur Kabinetts­erneuerung erteilt worden. Der Zentrumsfraktion ist es gewiß nicht leicht gefallen, zuzustimmen und unsere Partei wieder einmal mit der ganzen Ver­antwortung zu belasten. Aber wieder ist nach dem Worte Gräbers gehandelt worden: Das Vater­land muß gerettet werden und wenn da­bei die Partei zugrunde geht. Schlimmstes stand wieder auf dem Spiel für Deutschland. Einmal drohten die Möglichkeiten, die für die Sicherung deutscher Interessen in Oberschfesien sich immerhin noch bieten, gleichfalls verloren zu gehen. Dann aber war es klar, daß es unweigerlich zum Chaos in Deutschland kommen mußte, wenn die Krisis nicht baldigst gelöst wurde. Der R ü ck t r i t t des ReichsPräsidenten lag durchaus im Bereich der Möglichkeit. Das aber wurde unter Umständen eine Auflösung des Reichstages zur Folge gehabt und das würde nach Ansicht erfahre­ner Politiker der Anfang vom Ende gewesen sein.

Ob auch die Demokraten den Opfermut besitzen werden neben dem Zentrum ohne Rück­sicht auf die Parteiinteressen am vaterländischen Rettungswerke mihuarbeiten, läßt sich noch nicht bestimmt sagen. Die „Frankfurter Ztg." kündigt es an.

Das Nein der deutschen vslkspartei.

Das Schiff der großen Koalition schvm am Montag ooraitlaa einmal deu Hafeneingang erreicht zu haben; doch da ist es Plötzlich wieder gescheitert.

Die Deutsche Dolksparrei hatte für ihr Protcstbe- gchren weitgeymdes Entgegenkommen gefunden. Man such!« ein« etormcl, ine einerseits eine scharf« Rechtsver- lvahrung gegen den Genfer Spruch einleate, aber an­dererseits die Entsendung von deutschen Vertretern zu den Verhandlungen nicht aus schloß, und glaubte eine iolch« Einigungsformel gefunden zu haben. Doch die 0 r a k! ion der Deutschen Volkspartei lehnte sie ab mgeblich einstimmig, weil damit eine Grundlage für ein dauerndes Zusammenarbeiten der betreffenden Par­teien zurzeit nicht gegeben sei.

Warum nicht? Weil die Deutsche Dolkspartei der Rechtsverwahrurrg j'tzt bii? viel weiter greifende Be­deutung geben will, daß Deutschland gegen die zu er­wartenden Zwangsmaßnahmen der Entente „Wider­stand leist'n" muffe. Es war vorauszusehen, daß bi« anderen Parteien sich auf eine solche Widerst'anLs- Poffffk mit ihren unübersehbaren Folgen nicht festlegen würben. Damit war also die große Koalition gescheitert.

Wer trägt die Schuld? Wir könnun der Deutschen Dolkspartei nicht den Vorwurf ersparen, daß sie das dringende Erfordernis der Gegenwart unmöglich gemach: hat durch ein Vorgreisen in die Zukunft, zu dem noch Ämang oorlagt

Wir waren bisher noch nicht aufgefordert worden, die Ri.'chlmäßigkeit des Genfer Beschlusses unsererseits anzuerkennen, sondern sollten zunächst nur einen Ver­treter entsenden. Es sind zwar Zwangsmaßnahmen für den Fall des Widerstandes angedroht worden; ober der Fall war bisher noch nicht einge!red:n, ferner war noch nicht ausgemacht, ob durch bie Entsendung der verlangten Vertreter der Konflikt nicht überhaupt ver­mieden werden könnte, imd drittens wissen wir noch nicht, um welche Art und welches Maß von Zwangs­maßnahmen es sich im ungünstigen Fall handeln würde. Bei solcher Unklarheit der Zukunft ist cs doch sehr be­denklich, und gefährlich, sich schon jetzt st,ftzulegen auf einen Widerstand, dessen Folgen noch nicht abzumes- I stn sind, auch wenn man über die Berechtigung der­selben keinen Zweifel mehr haben sollte.

Wenn Deutschland einen Widerstand auf das äußerste beschließen soll, so muß es doch wenigstens wissen, was alles auf dem Spiel steht. Sonst könnt« man auf diese Politik das häßliche Wort „Hasard" an­wende». Ferner lehren uns die bisherigen Erfahrun- geu, daß ein Widerstand gegen die übermächtigen Sliege: nur durchführbar wäre, wenn die ganze Ration einig u. fest entschlossen wäre, das a l l e r s ch l i m m st e zu erdulden, ohnie wankend zu werden. Ist ein« solche Entfaltung der elementaren Volkskraft letzt vorhanden?

Die Deutsche Dolkspartei sagt: Hier gehe es um mehr als Sxaa, hier gehe «s um mehr als das Ulti­matum, denn jetzt handle es sich nicht um Kohienlicfe- rungen oder um Geldleistungen, sondern um deutsches Volk und deutsches Land. Ja, hat es sich denn nicht bei der Unterschrift unter den Versailler Vertrag nicht auch um deutsches Volk und deutsches Land gehandelt? Wir mußten doch in unserer Ohnmacht nachgeben, um nicht zu den vorgeschrieb.nen Verlusten noch weitere Verluste an Land und Leuten zu erleiden, um den Bürgierkrieg und den Zusammenbruch des ganzen Va­terlandes zu verhüten. Wer gibt uns die Gewähr, daß wir bei bim jetzt geplanten Widerstände nicht das letzte an Freiheit und Lebenskraft verlieren können, ohne dadurch in Oberschl, sien Land und Leute zu retten!

Dec Beschluß der Deutschen Volkspartei läßt sich nur begreifen unter ter Annahme, daß die K a t a • st r o p h e n p ol i t i k der benachbarten Deu fchnationa- len eins ansteckende Uraft gezeigt hat. Das Spekulieren auf eine Katastrophe ist violÄicht eine tzugkröss-ige Partcitaktik, aber keine gewissenhafte Sorge für das Gemeinwohl.

Das Schlagwort „Wid rstand" hat keinen Wort. Das Pflichtgebot fordert, daß man zu retten sucht, was noch zu retten ist, und wenn die Deu.sche Volks­partei dabei nicht mittun will, so müssen di« anderen positiven Parteien die faure Rettungsarbeit zu leisben suchen, so weit ihr« Kräfte reichen.

Die Mitgl eber des neuen Kabinetts.

Heute Reichstagssitzung.

. Tas von Tr. Wirth zu bildende Reichskabinett wird den Slottern zufolge kein Koalitions­kabinett sein, itmöern aus Politikern ohne Ansehen der Person sich zummmenfetzeii, die geeignet und guten Willens sind, die Politik des Reichskanzlers zu unterstützen.

Das Zentrum sowie auch die Sozialde­mokraten haben ihren Mitgliedern des frühe­ren Kabinetts freigestellt, in das neue Kabinett Wirth einzutreten. Unbestimmt ist noch die Hal­tung der Demokraten. Reichsjustizminister Dr. Schiffer ist vom Reichskanzler ersucht worden, das Justizministerium beizubehalten. Er hat sich seme Entscheidung vorbehalten.

Der bisherige Außenminister Dr. Rosen schei­det aus dem Kabinett aus. Es gilt als sicher, daß Der Reichskanzler selbst das Ministerium des Aeu- ßern verwalten wird. Der Posten des zum Ge­sandten Sachsens in Berlin ernannten bisherigen Ministers des Innern Gradnauer ist Dr. Köster übertragen worden, der dem Kabinett Hermann Müller kurze Zeit als Außenminister angehört hat. Das Finanzministerium hat der Reichskanzler dem Staatssekretär im Finanzministerium Dr. Zapf angeboten, der parteipolitisch der Deutschen Volks- Partei angehört.

Der Reichskanzler wird am heutigen Mittwoch im Reichstag eine Erklärung über die Politik des neuen Kabinetts abgeben. Am Schluß dieser Er- klärung wird er dem Reichstag die Frage vorlegen, ob er diese Politik billige oder nicht. Es wird also dem Reichstag überlassen sein, sich für dieses Programm oder ein anderes zu entscheiden.

Die Verluste des preutz. Bergfiskus.

Der preußische Bergfiskus erleidet durch den Beschluß der Botichafterkonferenz in Oberschlesien die folgt nben Verluste:

Er verliert die staatliche Friedrichshütte, die Berg­inspektion „König" und „Knurow". Der Gesamt» wert der abzutretenden Beraanlagen und zwei Drittel ret Waste, v rt'organgSanlagen beträgt etwa 285 Millionen Goldmark. Doru kommt der Wert der abziitreienden uner chlostenen, Felder, der mit 240 Millionen Goldmark noch sehr niedrig bemesten ist. Das sind allein 525 Millionen Goldmark Per lüste durch die Kohlengruben.

Es lammt noch der Wert der Forsten und Domänen hinzu. Der Wert der Cberförflere'en Rybnik und Schenswald mit einer Fläche von 7200 Hektar wird auf 25106575 Goldmurk berechnet, der der Domäne im Kreie Pleß auf 1 635 639 Gold- mark und die Domänen im Kreise Rybn:k stellen einen Wert von 3 764 936 Goldmark zusammen allo 5400575 Goldmark.

Nach dem Habsburger Abenteuer.

Line Proklamation des ungarischen Reichsverwesers.

Der Reichsverweser Horlhy richtete eine Pro­klamation an die ungarische Nation, worin es u. a. heißt:

Ungarn durchlebte entscheidende Stunden. Gewissen- los« Individuen verführten den früheren König Karl, sodaß er zwecks Ausübung der Macht überraschenderweise noch Ungarn zurückkehrte, obwohl sie die drohenden (Be­fahren eines Bürgerkrieges, fremder Besetzung und Ver­nichtung des Landes vorhersehen mußten. Aus die tra» dstionelle Kömgstreue des ungarischen Volkes rechnend, wollten sie den Plan durch eine Ueberraschung durchfüh­ren. Dank der freien Rotionalarmee und der Nüchtern­hell des ungarischen Volkes scheiterte der Plan, welcher für Ungarn hätte verhängnisvoll werden können. Diele Jrregeführte kehrten auf die richtige Dahn der Pflichterfüllung zurück und ich drücke den wärmsten Dank und Anerkennung allen denjenigen aus, die neben mir treu aushielten und treu aushalten, um das Vaterland zu retten.

ZnlernimungsplSne — Verhaftungen.

Das Ergebnis der Beratungen ter Vertreter der Großen Entente mit der ungarischen Regierung bc- steht in dcm Beschluß, den König Karl vorläufig i m Kloster Tihany am Plattensee zu inter­nieren. Das Cisfercierrserkloster Tihany liegt auf einer ro.it in den Plattensee vorspringenden LanÄzunge und wurde deshalb gewählt, weil die Gegend weilab vom Eisenbahn- und großen Straßenverkehr liegt uni) da­her leicht Überwacht werden kann.

Die Botschafterkonserenz in Paris wird über bie Ereignisse in Ungarn berat:n. Sie wird in elfter Linie über das zukünftige Schicksal des Ex­kaisers Karl zu entscheiden haben, besten Absetzung und Verbannung mit Sicherheit zu erwarten ist. „Daily News" zufolge werden die Alliferten dm vor­maligen Kaiser Karl vielleicht nach den kanari­schen Inseln bringen.

Nach Tndap ster Meldungen wurde gegen zahl­reiche Politifer und Abgeordnete Haftbefehl er­tasten: die Abgeordneten feien ohne Rücksicht auf die Immunität sestzunchmen. Unter den bisher Verhaf­teten befindet sich der vielgenannt« Stefan F r i e d r ich. Dem PrLsidcnten b's „Vereins der erwachenden Uu- parn", Cenreczscmyi, gelang es, sich durch einen Sprung cru-3 dem Fenster der Verhaftung zu entziehen. Unter den Festgmommenen befindet sich auch der l&amte, d r sich im Auftrage der Regierung dauernd beim Exkaiser auf Schloß Harfenstein ainge- halten hat.

Aiaßnahmen der Schwelg

JDer Schmelzer Bundesrat hat beschlossen, das ganze Gefolge von Habsburg auszuweisen. Inbe­griffen sind sämtliche Mitglieder ter Familie, soweit sie nicht absolut notwendig sind für die Pflege der Kin- d e r. die in der Schweiz zurückbfeiben Es wird vor­aussichtlich auch eine Dam? der Familie in der Schweiz bfeiben können. Die Liste der ausgewiesenen Personen wird befanntgegrben.

Ein Ultimatum der fifeinen Entente.

Wie die „Vost. Ztg." aus Prag meldet, wird die Kleine Gnfente ein kurzfristiges Ultimatum an Ungarn richten, in dem u. a. gefordert wird: Karl von Habs­burg wird bis zur endgültigen Entscheidung über fein Schicksal interniert. Die ungarische Regierung ver- zichtet durch ein Gesetz aufjed« Restaurierung der Habsburger. Die ungarische Regierung hat den Kampf gegen die burgenländischen Banden auszu- nchmen und dafür zu sorgen, daß SE-eftimcam an Oesterreich rorbchattlos ou-selfefert wird Die Aus­führung elfer dieser Maßnahmen hat unter Kon­trolle Der Kleinen Entente zu erfolgen.

Kur -sm besetzten Gebiet.

• Die Verringerung der amerikanischen Rheinland- besatzung. Die „Newyork Times" meldet aus Äashing- ton: Dcr Kricgssekretär ordnete cm daß die amerika­nischen Truppen in Deutschland um ungefähr 126 Dffi. ziere und 7873 Mann verringert werden: es verbleiben 'n. Deutschland ungefähr 327 Offiziere und 5217 Mann. Die Verschiffung wird ausgeführt durch zwei Tran», portdcimpfer von Mitte November bis Mitte März. Die „Newyork Times" fügt hinzu, offenbar hätten interna- tionale Erwägungen, die mit der bevorstehenden Enr- waffnungskonferenz zufammenhängen. den B schlutz. Truppen in Deutschland zu behalten, mit veranlaße Für dfe Rückbeförderung der amerikanischen Rhein, armee sind vom Kongreß 140 000 Dollar Kredit bewil- ligt worden.

* 3u den fioblen-er Verhandlungen über bi» Ein­richtung einer Kontrollkommission zur U»berwachung der Ein- und Ausfuhr ist der deutschen Behörde die die Verhandlungen zu führen hat, ein Entwurf der In- teralliierten Rheinlandkommiision inoffiziell zugegan- gen, der. soweit sich das schon jetzt beurteilen läßt, die Handhabung des deutschen Außenhandelsdienstes erheb­lich komplizieren und erschweren würde. Der Entwurf gibt außerdem der Kontrollkommission unter g-wifsen Umständen die Möglichkeit, die Erteilung einer (Einfuhr, bewilligung zu erzwingen, falls durch die Mcht- erteilung eine Verletzung des Versailler Friedensvertra­ges festgestellt werden könne.

• Der Verkauf an Ausländer. Der Oberpräsident der Rheinprooinz hat eine Pol zeiverordnunq über die Balchränkung des Kleinhandelsoerkaufs erlasien. Da­durch sind der Kleinhandelsverkauf an Ausländer und ' die Vermittelung deutscher Verkäufe an Ausländer zu- nächst bis einfchließüch 5. November 1921 verbot e n. soweit es sich nicht um Deckung eines augenblicklichen dringenden persönlichen Bedarfes handelt. Das Verbot erstreckt sich nicht auf Ausländer dir im besetzten Teile der Rheinprooinz ihren dauernden Wohnsitz ha- ben.

• Einreise Zum Besuch der Gräber in Elsaß-Lolh- ringen. Laut „Els.-lntbr. Mttteilung»n» haben die Präfekturen des Unterrheins und her" Mosel von der sranzösilchen Verwaltungsbehö-de die Befuams erhar- ten. ehemaligen Elsaß-Lothringern für Allerheili- a e n Einreiseerlaubnis zum Besuche der Gräber von Angehörigen zu erteilen. Gesuche könne«! noch am 29.

Oktober rechtzeitig erledigt werden. Die Gebühr be­trägt 200 Mark, kann jedoch bet amtlich beglaubigter Bedürftigkeit erlaffen werden. .... >

Haussuchung bei ton Kommunisten.

Wie die Bläiier erfahren, wurde gestern aufgrund richterlichen Ersuchens eine Durchsuchung de» Räume der kommunistischen Zentrale in Berlin vorgenommen. Hieibei griff der kommu­nistische Abgeordnete Brah einen der Polizeibeam- len an und versuchte, ihm e n beschlagnahmtes Akten­stück zu entreißen. Braß wird sich wegen Wider» standes gegen die Staatsgewalt zu verant4 Worten haben.

Ein neues politisches Handbuch.

Unter dem Titel „Der erste preußische Land­tag" erscheint soeben ein sehr aktuelles Buch, das sich als ein Handbuch über die preußischen Landtagswahlen und den Landtag darbietet, mit einem umfassenden Anhang über den preußischen Staatsrat, die Provinziallarvdtage, Gemeindevertretungen, den Deutschen Reichstag, dir Staats- und Reichsmimsterien und die Parteiorganifa- tionen. Verfasser des 152 Textseiten umfassenden, mit mehr als 40 labeQenfeite nausgestatteten Buches ist ber auf diesem Gebiete bewanderte Generalsekretär der Preu­ßischen Zentrumspartei, Dr. Alois Kläcker.

Den Inhalt des in knapper und flüssiger Darstellung bearbeiteten Buches auch nur andeutungsweise wiederzu­geben, macht die Reichhaltigkeit unmöglich. Wir finden den Wortlaut der preußischen Verfassung und des Wahlgesetzes, Namen und Adressen, Beruf und Wahl­kreis der Mitglieder aller Fraktionen nicht allein de» Landtages, sondern auch des Staatsrates und des Reichs­tages. Allein diese fünf Kapitel bieten weit mehr, al», die früheren beliebten illustrierten Erscheinungen über die Parlamente.

Eine sehr klare Darstellung des Wahlkamp­fes zeigt uns die traurige Zerrisienheit unseres unglück­lichen Volkes Der Betrachtung der Wahlergebnisse sind 21 Seiten, mit zahlreichen, äußerst instruktiven Tabelle« durchsetzt, gewidmet; in acht Abschnitt« gruppiert gebe« die hochinteressanten Untersuchungen eine so gründlich« und wissenschaftliche statistische Darstellung, wie sie bis­lang weder amtlich noch privat geboten worden ist. Mit gleicher Gründlichkeit und Sachkenntnis untersucht der Verfasser dos Wahlrecht und sein« großen Mängel, sowie den Weg zum wirklich guten Dolkswahlrecht. Eine frei­mütige und sehr zeitgemäß« Beleuchtung unseres Staats- Parlamentarismus deckt die schweren Schattenseiten unserer Parteipolttik aus, deren Ziellosigkeit und Eigennutz di« Gesundung unseres Volks- und Staatslebens aus Schritt und Tritt hemmt.

Nach Wahlkreisen und Parteien werden gegenüberge­stellt die A d st i m m u n g s e r g e d n i s s e der Londes» wohlen (1919) und der Landtagswahlen (1921) sowie der Reichstagswah en (1920). Die Fraktionen des Staats- rats, die Verteilung seiner Mitglieder auf Provinzen und Parteien sind tabellarisch veranschaulicht. Dos gleiche gilt von den Provinziallandtagen, Provinzlolausschüsien, den preußischen Stadtparlamenten, sowie den Reichstagswah­len. Eine Vergleichung des Parteieinflusses in Staats­rat, Landtag, Provinziallandtagen gibt zu reizvollen Er­örterungen dfe Grund'age. Auherordentl'ch wertvolles auch für di« Geschichte der Revolution und ihrer Nachfahre un­entbehrliches Zahlenmaterial enthält eine Tabelle, die von Landes-, Reichstags» und Landtagswahlen für jeden Stadt- und Landkreis die Wahlberechtigten, die gültigen Stimmen und Zentrumsstimmen nachweist und überdies di« Zahl der Bewohner wie auch die Anteil« der beiden großen Konseffionen angibt.

Don ollen Mitgliedern der preußischen Zentrumsfraktion ist eine Lebensbeschrei­bung gegeben Es fehlen nicht di« Satzungen der preu­ßischen Zmtrumrpartei, der Landesvorstand und -ausschuß, ihre Provinz- und Wahlkreisvorsitzenden und Provinzial» fefretoriofe. Diele andere Kapitel vervollständigen den re'chm Inhalt des Duch-s. das sich als Handbuch höchste Wertschätzung erringen wird. Es oehört in die Hand eines jeden Parteifreundes Man wird es nicht allein mit hohem Interesse lasen, sondern immer wieder dos in ihm verarbeitete Material befragen. Der auffallend niedrige' Preis von 7 M. steht in keinem Verhältnis zu der Fülle und dem Werte 6-5 Gebotenen. Alle untere Parteifreunde sollten es sich daher zur vornehmen Pflicht machen, dem Buche und Lluellenwerke die weiteste Verbreitung zu ver­mitteln, damit die Werte genutzt werden, die es in f» überreicher Menge bietet und damit der hohe Kostenauf­wand der Drucklegung nicht zu einer Belastung des Lan- dessekretariofes führt, das für fein Unternehmen höchste Anerkennung veMent.

Zu beziehen ist das Buch gegen Einsendung des Be­trages (Postscheckkonto Berlin RW. 7 Rr. 64 820, ßan- dessekreiariat der preuß. Zentrmnspartei) Berlin W. 9, Königgrätzerstraße 22.

Soziales.

'= Die Stärke der freien Gewerkschaften. Das „Korrkspondenzblatt des Allaemeinen Deutschen <3e. werkschaftsbundrs" veröffentlich, statistische Angaden über die Entwicklung des Mitoliederbestandes und der Finanzen der freigewerkschaftlichen Zentralnerbände im Jahre 1920. Die Gesamtmitaliederzahl betrug am Ende »es genannten Jahres 8 025 682 = 9.4 v H. mehr als Ende 1919. Die Gesamteinnahmen der Freien De- werklchaften stellten sich 1920 auf 747 Millionen Mark, von denen über 700 Millionen aus Beiträgen stamm- ten. Verausgabt wurden rund 544 Millionen davon 183 Milsionen für die Verwaltung, 108!4 Millionen für Arbeitskämvfe und 105 Millionen für Hnrerstützurinen. Die Ausgaben für Arbeitskämpfe sind gegen das Vor^ fahr um weit über 100 v. H. gestiegen. Die G e f a m t. Mitgliederzahl der Arbeitergewerk» choften aller drei Richtungen lFreie. Christliche und Hirlch-Dunckersche) betrug 1920 9192 892 geg. 6 527 187 1919. Die Gesamteinnahmen aller dieser Organisatio­nen werden mit 84414 Millionen, ihre Ausgaben mit 617 Millionen Mark angegeben.

Aus 6er Sentrumspartei.

= Srmn'ai der nassauischen Aentrnmrpartek fu L mdnrg a d kaha. Der eriie .lrauenrag der nassaulschen Zentrumtpart i brachte unter Vermeidunr aller her­kömmlichen Tngun Sfeierlichkelten eine gewissenhafte Beratung der Probleme und klare Beschlüsse. Eröffnet wurde die Tagung vom Vorsitzenden der nassauischen ZentrumSpnrtei, LandtagSabg. Dr. Stemm ler-Bad Ems, während den Willkommensgruß der gastlichen Stadt Limburg Studienrat Dr. Lauswartz über-