Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Sladl Fulda.
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Nr. 246.
Lrranlworllich für den ceoouioneüen Teil: Dr. I. Kramer. - für die Anzeigen: I. ParzeIler-Fu!da. ~ Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckrrri in Fulda. Fernlprecher Nr. ». Telegr.-A drefse: Fulda er Zeitung.
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48. Zahrg.
MH wieder ReWimzler? -
Schwierigkeit -er Kabinettsbildung.
Enlgüllige Ablehnung brr Dolkspartei.
Reichspräsident Ebert halte am Montag nachmittag «ine gemeinsame Besprechung mit den Führern der .Fraktionen der Sozialdemokraten, des Zentrums, der Demokraten und der Deutschen Volkspartei über die Frage der Bildung einer Koalition dieser Parteien. In der obrrschlesischen Frage crgab sich eine Aussicht auf Verständigung, während hinsichtlich der inneren Politik noch Schwierigkeiten bestehen.
lieber die Besprechung wußte die „Doffische Ztg." M'üzuteilen, daß alle Parteien von der Deutschen Volks. Partei bis zur Sozialdemokratie von dem Bestreben geleitet waren, eine möglich st geschlossene Front herzustellcn. Es sei eine formulierte Erklärung vereinbart worden, die di« Rechtsverwah- r u n g Deutschlands gegen die ungerechte und willkürliche Entscheidung über Oberschlesien in der schärfsten Form zum Ausdruck bringt, aber die Entsendung eines Kommissars zu den Wirtschafts. Verhandlungen mit Polen zu läßt. Diese Er» klärung sollte heute den Fraktionen unterbreitet werden.
Bei der Erörterung eines gemeinsamen innerpoli- Aschen Regierungsprogramms hätten sich erhebliche Gegensätze nur in der ©teuerfrage ergeben. Heber eine mittlere Linie habe man sich nicht einigen können. Man sei übeneingekommen, die Forderungen der ein- zelnen Parteien den Fraklionen zur Kenntnis zu brin- Mn und ihnen die Entscheidung zu überlassen. Aus der Tatsache, daß bei dem Reichspräsidenten Reichskanzler Dr. Wirch glmeinsam mit den sozialdemokratischen Vertretern zu einer internen Aussprache $arücfgeblieben, glaubt das „B. T." schließen zu dürfen, daß der Reichspräsident Dr. Wirth erneut mit 6er Bildung des sEichskabinetts beauftragen werde.
Gegenüber diesen Darstellungen der Berliner Mor- ge.chlätter vom heutigen Dienstag hat sich nun noch ein»! Aendcrung ergeben. Ein Telegramm meldet uns:
wtb Berlin, 25. Oft. (Tel.) Der .Deutschen Allg. Ztg' zufolge lehnt di« Deutsche Bolkspartei die Zustimmung zu der Erklärung der interfmftlonellen Be- sprechung einstimmig ab. Da hiermit die Partei aus der Koaliion ausschsidet, hält das Blatt ein neues Kabinett Wirth für sehr wahrscheinlich.
On sich die Demokraten nun an der Re- gierurg beteiligen werden, nachdem die Volkspartei den besseren Teil der Tapferkeit wählt und trotz der offenbar gegenteiligen Ansicht Stresemanns die Mitwirkung an der Verantwortung ablehnt? Die Demokraten haben schon einmal in einem solchen Augenblick, als es die Unterzeichnung des Versail- ter Vertrages galt, gekniffen. Ein erhebendes Bild bietet dieses Verhalten nicht. Die „Frankfurter Zeitung , ein demokratisches Blatt, konstatiert diese Tatsache immer wieder, ohne freilich den ausreichenden Einfluß auf die demokratischen Parlamentarier zu besitzen. Noch deutlicher sagt heute die gleichfalls demokratische „Voss. Zei- tun g", was gesagt werden muß, wenn sie schreibt:
„Die Welt brennt und im Deutschen Reichstag schachert man noch immer um das Kabinett. Es zeigt sich setzt deullich, welch ungeheurer Fehler es war, daß das Kabinett Wirth sich durch die Parteiführer zur De- Mission bringen ließ. Denn nunmehr will keine Partei die Verantwortung übernehmen. Und die Beratungen Wer die Bedingungen und über die Kantelen nehmen kein Ende. Alle Parteien berechnen sehr sorgfältig die mögliche Wirkung ihrer Handlung auf die WSHlennasien. Aber keine bedenkt, daß es nicht darauf ankommt, was der Wähler verlangt, sondern was die Stunde gebietet. . . Es ift_ein trauriges Schauspiel, das durch seine regelmäßige WiHerhoiung nicht gerade erhebender wird, daß immer in den höchsten Stunden vaterländischer Gefahr die Parteien vor der Äerantwortung scheuen und in erster Linie aus ihre Deckung bedacht sind. Da- wäre für den Augenblick schon schlimm, wenn Deutschland weiter gar keine Sorge Äs die gewiß große Sorg« um Ober« M-sien hatte. Aber wir ersticken fast in Sor- gen. Und jeder Tag, um den die Krise hinausgeschleppt
bmeutet eine Vergrößerung des deut- >**" u.,nan;5efenbs und eine Deroutserung oller wirtschaftlichen Verhältnisse. Es muß fortgeorbei- ttet werden. Und diese Arbeit darf nicht dadurch ine bocken geraten, daß die Parteien den Mut zur Mil» Verantwortung nicht finden wollen."
Das sind Empfindungen, die hoffentlich immer mehr Gememgut des Volkes werden. Es ist jetzt höchste Zeit, daß die Hemmnisse für fach- liche Arbert der politischen Organe mit aller (Energie aus dem Wege geräumt werden.
49% der Oderjchlesier werden Polen.
Nach den Annaben des Statistischen ReichSamts beträgt die Bevölkerung des gesamten Abstimm,mgs- gebietes rund 1 950 000 Einwohner. Davon werden polnisch rund 965 LOO Einwohner, das sind rund 49%
Die polen nehmen an.
Wtb Paris, 25. Oft. (TÄ.) Die polnische Re- s-rung hat die Beschlüsse von ©enf über Oberschlesien angenommen.
Die 5teuergesetze im Reichsrat.
Der Reich-rat hat in seiner letzten Sitzung einen wesentlichen Teil dcS Steuerprogramms der Regie- rung verabschiedet, allerdings nicht ohne an vielen besetzen bedeutende Aenderungen vorzunehmen.
So hat er den vorgesehenen Sah der Umsatz, /teuer im Einklang mit den Beschlüssen des Reich-, wirtschaftsrats auf 2% Prozent festgesetzt. Bei der Vermögenssteuer hat der ReichSrat die Freigrenze von 50 000 auf 100 000 Mark erhöht. Diese ersten IDO 000 Mark sollen überhaupt steuerfrei bleiben.
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Den Reichsnotopferaufschlag zur Vermögenssteuer hat der RexhSrat gestaffelt, für die ersten 100000 Mk. 100 Prozent, für hie nächsten 150000 Mk. 150 Proz., für Die weiteren Beträge 200 Prozent. Die Ausschüsse haben ein Kinderprrvileg eingefügt derart, daß für jedes minderjährige Kind im Sinne des § 17 des Einkommensteuergesetzes ein Abzug von 50 Mark von der Vermögenssteuer zu beanspruchen ist, sofern das Vermögen nicht wehr als 500 000 Mk. beträgt. «Steuerbefreiungen sind für Leute über 60 Jahre vorgesehen, die gänzlich oder vorübergehend erwerbsunfähig sind. Diese Bestimmungen sollen nut bann gelten, wenn daS Einkommen nicht mehr als 40000 Mark beträgt.
Auch bei anderen Steuern wurden zahlreiche Aenderungen vorgenommen. Mit einigen AuS- nahmen erklärte sich die Reichsregierung hiermit einverstanden.____
Vas Ende des Karlisten-Putschs.
Karl und Zita in Gewahrsam.
Der Vormarsch der Truppen, die sich zu dem in Oedenburg gelandeten König Karl geschlagen hatten, nahm vor Budapest ein unrühmliches Ende. In der Nacht zum Montag zogen sich die Karlisten zurück. Die Kämpfe zwischen ihnen und der Nationalarmee scheinen keinen sonderlich ernsten Charakter gehabt zu haben. Es wird von 8 Toten und 12 Verwundeten geredet. Offiziere der Raaber Garnison, die zum König übergegangen waren, wurde gemeldet, sie h.tten einstimmig beschlossen, König Karl um Enthebung vom E i d e zu bitten, da sie den Eid nur auf die falsche Meldung hin abgelegt hätten, daß der König mit Einwill igung der Entente und mit Wissen des Reichsverwesers nach Ungarn gekommen fei.
Angesichts des panikartigen Rückzugs der kar- listischen Truppen ersuchten die Vertreter des Königs bei der ungarischen Regierung um einen Waffenstillstand. Der Reichsverweser S) o r 19 stellte für diesen Waffenstillstand folgende Bedingungen: Bedingungslose Waffenstreckung. Die militärischen Ratgeber des Königs sind vor ein Kriegsgericht zu stellen, die politischen vor ein bürgerliches Gericht. Die Mannschaften werden entwaffnet und amnestiert. Endgültige Abdankung des Königs für sich und seinen Sohn. Der König bleibt in Ungarn interniert solange, bis die Frage seiner Wegbringung geregelt ist. Seine Abreise und sein endgültiger Aufenthaltsort werden von den Großmächten bestimmt.
Jedenfalls ist Karl dann von seinen Freunden völlig im Stich gelassen worden. Das Ung. Korr.- Büro meldet nämlich: Nach einem neuen Gefecht wurden die Aufrührer zerstreut; ihre Führer flüchteten und überließen die Sorge für die Sicherheit der Person des Königs den Regierungstruppen. König Karl wurde unter den höflichsten Formen der Obhut des Obersten Simnefalvi von der Nationalarmee anvertraut. In einer anderen Meldung wird der Tatbestand deutlicher dahin ausgedrückt, daß König Karl und Königin Zita von den Regierungstruppen gefangen genommen worden feien.
Zwei weitere Meldungen berichten über das Schicksal des Königspaares:
wtb Budapest, 25. Oft. (Tet.) Wiener Korr.-Düro. König Karl urtb Königin Zita befinden sich zurzeit unter Bewachung auf Schloß Totis.
wtb Budapest, 25. Oft. (Tel.) Gegenwärtig finden Beratungen zwischen der Regierung und den Vertretern der Ententestaaten statt, zu denen auch btt ls ploinatischen Vertreter der fleinen Enterte geladen sind. Die Beratungen sollan sich mit dem Schicksal do» früheren Kaisers befassen.
Aus der Schweiz wird inzwischen erklärt, daß man Karl, nachdem er sein Ehrenwort" verletzt und das Land verlassen habe, nicht wieder aufzunehmen gedenke.
vie Lustreise König Karls.
Neber den Flug Karls und Zitas au» der Schweiz nach Ungarn — der erste Staatsstreich der Welt, geschickte im Flugzeug — wird in der,Voss. Ztg. einiehend beschrieben. Danach war e» zur Durchführung der Flucht au» der Schweiz notwendig, unauf- sälltg ein Flugzeug zu kaufen Zum Ankauf einer Maschine erteilte Karl dem Botschafter Boroviceny den Auftrag, der bei Lübendorf in der Näde von Zürich ein einem Holländer gehört-eS große» Junier-Flugzeug mit 180 PS für sechs Personen mit einer Stunden- geschwindigkeit von 170 Kilometern entdeckte. Der schwierigste Teil de» Unternehmen» war eigentlich da» Passieren de» Gendarmeriekordons um Hertenstein, der offiziell zum Schutz de» König», tat- sächlich jedoch zu seiner Ueberwachung aufgenellt war. Doch gelang e» Karl, Hertenstein, ohne weiter bemerkt zu werden, mit einem Auto zu verlassen.
Donnerstag, 20. Oktober, um 12,14 mittag», erhob sich der Apparat in die Lüfte, um seinen nicht ungefährlichen Weg über die Schweiz, Bayern u. Oesterreich nach Ungarn anzutreten. Die Fahrt ging bei günstigem Westwind anfänglich ohne Hindernisse vonstatten. Der Apparat überflog bei günstiger Lust stet» in einer Höhe von 3000 bi» 3500 Meiern den Bodensee und die daher. Hochlandschaft, al» zwischen Kempten und Füssen der Motor de» Apparate» plötzlich auSzusehen begann und ein jähes Sinken um 1000 Meter erfolgte. So war man auf da» Aeraste gefaßt, al» nach einer halben Stunde die Gangart wieder te elmäßiz wurde und eine Schnelligkeit von 170 Kilometern pro Stunde bei 350)0 Dietern erreicht werden konnte. Um 4,10 Ubr nachmitiags erfol te aus einem geeigneten Acker, 5 Kilo, meter vom Schloß des Graien Csiralh entfernt, unter einigen Schwierigkeiten die Landung,
König Karl gefangen genommen.
Das Königspaar machte bei dieser Gelegenheit seine erste Luftreise, und Königin Zita zeigte ein besonders großes Interesse bei dem Flug Über die prachtvoll gelegenen lirolcr Schlösser. Gegen di e Fahrt der Königin noch Ungarn würben vor Antritt der Flucht triftige Einwendungen gemacht, wobei auch auf die mit dem Fliegen verbundene große Gefahr hingewiesen wurde. Die Königin betonte jedoch, daß es die „e r st e Pflicht einer liebenden Gattin" sei, ihrem Gatten in don Stunden der Gefahr zur Seite zu stehen, dann auch, daß auch sie gekrönt sei und die Verpflichtung habe, mit nach Ungarn zurückzukehren.
Jedenfalls haben König und Königin, die beide von thron freimaurerischen und sozialistischen Gegnern viel verleumdet worden sind und verleumdet werden, es an persönlichem Mut bei dem an sich recht zweifelhaften Abenteuer in keiner Beziehung schien lassen.
Gegen die Dynastien.
Eine Aktion der Sozialisten.
„Sorurärte" und „Freiheit" veröffentlichen eine Erklärung der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutsch- Oesterreichs, der tschrcho-flowakischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik. In dieser Erklärung verpflichten sich die genannten Parteien, in ihren Länder ne zur Aufrechterhaltung und Sicherheit der republikanischen Staat sforn mit allen parlamentarischem Mitteln. Die Parteileitungen sollen zur Abw.hr der Wiederaufrichümg der Dynastien miteinander in ständiger Fühlung bleiben. Die Erklärung fordert tte betreffenden Parteien Englands, Belgiens, Frankreichs und Italiens zur Solidarität auf.
Kein Putsch in München.
Zu den an der Börse in Berlin verbreiteten Gerüchten über einen Putsch in München wird nach Erkundiqung an amtlicher Stelle mitgeteilt, daß von einem Putsch in München keine Rede sein kann und daß auch keine Anzeichen vorliegen, daß ein jolcher geplant ist._____________ ________________
Uns dem besetzten Gebiet.
• Verschärfung und Verteuerung der Paßkontrolle. Die Paßkomrolle an dec Grenze Westdeutschlands ist mit dem Heuligen Tage in Straft getreten, d. h. von heute ad muß jeder Ausländer für die Einreise- erlaubnis nach Deutschland 18,50 Fran ken entrichten. Diese Vorschrift gründet sich auf die deutschen Paßnesctze, deren Anwendung im besetzten Gebiet zu» gelassen worden ist. Wenn deutscherseilS bisher auf die Anwendung dieser Bestimmung verzichtet wurde, so mußte dies geschehen mit Racksicht auf den Mangel an Grenzpersonal. Diesem ist jetzt abaeholsen. Wie wir hören, hat auch die luxemburgische Regierung den deutschen Gesandten in Luxemburg gebeten, auf die Anwendung der deutschen Paßvorschrificn hinzu- wirkeu. Die luxemburgische Regierung sprach die Bitte im Interesse der Luxemburger Geschäftsleute aus.
* Gegen den Mißbrauch der Basaßungskssien. Die in Paris erscheinende „Chicago Tribüne" teilt über die Beratungen der Interalliierten Kommission zur Festsetzung der Besatzungskosten im Rheinland mit, daß England und Amerika nachdrücklich auf den Skandal hin- gowiesen haben, der sich daraus ergebe, daß nicht nur männliche Truppen im Rheinland anwesend seien, sondern auch ein ganzes Heer von Frauen. Deutschland bollage sich mit Recht darüber, daß es nicht nur für die Unterkunft der Truppen zu sorgen habe, sondern auch für Kinderstuben, Tanzlokale und andere Stätten, die mit dem eigentlichen Zweck der Besatzung wenig zu tun haben. Die Kommission beschloß, an die alliierten Truppen eine Warnung ergehen zu lassen, damit diesen Uebelständm abgchoisen werde. Sollte diese Warnung nichts fruchten, so würden energische Maßnahmen ergriffen werden, damit der Geldverschwendung Einhalt getan werde, die nur dazu führe, daß Deutschland seinen Verpflichtungen nicht nachkommen könne. Die französischen Blätter haben diese Angelegenheit bisher vollkommen tot geschwiegen mit Ausnahme des „Ternps", der mitteilte, daß ein« Kommission eingesetzt werden wird, die festzustellen haben soll, für welche Aufwendungen Deutschland gemäß den Bestimmungen des Vertrages tatsächlich aufzukommen hat, und welche Mißstände sich bisher ergeben haben. Es handelt sich bei diesen Mißständen namentlich um Wohnungen für Offiziere, Unteroffiziere und deren Familien. Weiterhin werden der englische ttrtb der amerikanische Vertreter in Köln und Koblenz in der gleichen Richtung eine Untersuchung einleiten.
= 0er flusverbaui deut chlanc, Der Oberbürger, meister von Köln hat sich auf Grund von Verbandlungen mit dem NeaierungSpräsidenten und der Preispi üfungS- stelle der Stadt Köln, die den Ausverkauf deutscher Waren infolge MarksturzeS zum Gegenstand hatten, in folgenSem Telegramm an den ReichswirtschaflSminister aewandt, um auch von den Neichsbehörden sofortige Unterstützung in seinen Bestrebungen zu erhalten:
Der Marksturz hat in Köln unhaltbare Zustände geschaffen. Der Ausverkauf deutscher Waren ist katastrophal für die deutschen Verbraucher. Scharen von Ausländern kaufen die Läden völlig leer. Die Bevölkerung ist höchst beunruhigt Infolge Kartoffelmanaei» herrscht ohnehin höchst gereifte Stimmung. Sofortige Gegenmaßnahmen sind erforderlich. ?n Frage kämen Ausfuhrverbote und Paßvisum an der Grenze. Eventuell bitte sowrt einen Kommissar hierher zu schicken
Da jetzt auch die tschechische Krone die Mark übersteigt, nimmt mau jetzt auch an der böhmisch, sächsischen Grenze diese Situation wahr. Täglich kommen Tschechen und Deutscbböhmen in Massen übet die sächsische Grenze, um Maren einzutaufen In einzelnen Orten des vo tlänöifcben Gr nzgebiete» muhten sächsische Kaufleute ihre Geschäfte stundenweise schließen, so groß war der Andrang.
Deutsches Reich.
* Berlin, 25. Cft. Die auf den 19. und 21. Oktober nach Oldenburg einberufene Konferenz der ErnährungSrnin rster der deutschen San«
Ausland.
• Das Atbeilslofenptoblem in Italien. Die Zahl derArbeitslosin in Italien betrug am 1. September 470 542, darunter 100 006 Frauen. Gegen 1. August bedeutet das eine Vermehrung um 35 348. Zurück- gegangen ist di« Arbeitslosigkeit in der Textilindustrie, in dm übrigen Industrien hat sie zugenommen, am meisten in der Bauindustrie. Die Textilindustrie zählt noch 66171 Arbeitslose, die Bauindustrie 130 334, die Metallindustrie in ihrer Gesamtheit 72 775. Mit vermehrten Schichten arbeiteten 186 286 Personen, mit verminderter Arbeitszeit 34 477 Personen. Die Situation ist somit recht ernst. Man erwartet eine gewisse Erleichterung infolge des soeben abgeschlossenen A us- wanderungs- und Arbeitsoertrags mit Brasilien, auf Grund dessen die Abwanderung einiger zehntausend.- von Arbeitern ermöglicht wird. Ferner beginnen demnächst die öffentlichen Arbeiten großen Stils, mittels deren die Regierung der Ard-ite- losigkeit entgegenwirken will.
* Lin Vertrag zwischen Frankreich und fiemaL Aus Angora wird gemeldet, daß zwischen den Kema- lisdm und Frankreich ein Abkommen unterzeichnet worden ist, worin Frankreich seine Zustimmung zu einer Grenzänderung, welche sitzt der Bagdadttnie bis Nis» fibin folgen sott, gegeben hat. Die Franzosen haben sich die Verwaltung unö den Betrieb der Bagdadbahn Vorbehalten.
* Berg der Toten. Bei seiner Ankunft im Ministerrat hat der spanische Kriegs Minister aus einer Unterredung mit dem Geneial Berenguer mitgeteilf, daß sich an spanischen Truppen, die den Berg Arruid besetzten wollten, ein schrecklicher Anblick geboten habe. Mehr als SCO Leichen «panischer Soldaten und mehr als 200 Pferdeleicben lagen tu halbverwestem Zustande auf der Erde. Die Truppen seien auf ihre Ausgangsstellungen zurückgenvmme« worden. Es seien sofort die nötigen hygienischer» Maßnahmen eingeleitet worden.
Kulturkampssansage in Sachsen.
Die „Sächsische Boltsgeitung" schreibt:
Ein unerhörtes Vorkommnis, das die kirchenpolit»- sche Loge in Sachsen blitzlichtartig beleuchtet, hat sich ereignet. Anläßlich des AusMchaltes des Hochw. S>:rrn Bischofs von MeißenD r. Christian Schreiber in Leipzig war für Montag und Dienstag auch der Besuch der katholischen Schulen in Leipzig vorgesehen. Wie gewöhnlich sollten in bett katholischen Schulen auch Religionsprüfungen von bem Hochw. Herrn Bischof gemäß den Bestimmungen der katholischen Kirche abgetfalten werden. Das Kultus- Ministerium hat nunmehr den Besuch der katholischen Schulen und die Abhaltung der Religionsprüfungen durch den Bischof von Meißen verboten. Ein Schrei der Empörung über diese unerhörte Vergewaltigung wird durch das kath. Volk nicht nur in Sachsen, sondern weit darüber hinaus gehen. Anläßlich der Festfeier am Sonntagabend in Leipzig hat, wie wir hören, der Ortsverbanb der koch. Vereine Leipzigs bereite wuchtigen Protest gegen dir Verfügung des Kultusministers eingelegt.
Inzwischen hat ebenfalls unverzüglich Herr Abz. H e ß 1 e i n im Landtag- heute noch folgende groß« Anfrage eingebracht: „Das Kultusministrium hol dem Bifchcr von Meißen verboten, die katholische« Schulen zu besuchen und Religionsprüfungen abzuhalten. Wir gedenkt die sächsische Regierung dieses Verbot mit Artikel 149 der R e i ch s v e r s a f s u n g, wonach der Religionsunterricht „in Uebereinftimmung mit den Grundsätzen der be!r. Religionsgemeinschaft* erteilt wirb, w Einklang zu bringen?" •
Dre Angelegenheit wird also nach dem Wiederzu- ammentrilt be« Landtages, der am 2. November er» olgf, alsbald ein parlamenarijches Nach piel haben
der ist der Gespanntheit der politischen Lage halber auf den 27. bis 29. Oktober verschoben worden.
In einer Versammlung bet Funktionäre der Berliner Buchdrucker wurden die von den Verlagen bewilligten Zuschüsse zu dem lausenden Tarisvertrag angenommen. Damit ist der Kampf tm Berliner ZeitungSgewerbe endgültig beendet.^— Die Gewerkschaft deutscher Lokomo'ivfüh« r et hat sich in letzter Smnde dazu entfd! , bon
einem Eintritt in den Et-eik abzusehen.
♦ Die Finanzlage Preußens. 3m Houshaltungs- ausfchuß des preußischen Landtags erklärte Finanz- minifter Samisch, gegen den Haushaltsvoranschlag für 1920 werde voraussichtlich bei den ordentlichen Einnahmen und Ausgaben mit einer ©efamtoerbeffe» r u n g von 384,5 Millionen Mark gerechnet werden können, und zwar bei den Forsten, B.-rgverwaltungen und ber allgemeinen Fimmzverwaltung. Dieser Verbesserung stehe eine Verschlechterung von von 1186,5 Millionen gegenüber. Es werde mit einem mutmaßlichen Fehlbetrag von 802 Millionen Mark gerechnet werden müssen, der sich auf insgesamt 2795,2 MlliEn Mark erhöhe, falls die im Haushalt eingestellten Erstattungen in Höhe von 1993,2 Millionen vis zum Jahresschluss nicht eingehen. lieber die voraussichtliche Entwicklung der Einnahmen in Preußen tm Rechnungsjahr 1921 sagte der Minister, daß, um ohne einen Fehlbetrag abschließen zu können, für 1921 noch 933,1 Millionen neue Steuern bereitgestellt werden müßten.
* Die Ueversührung von König Ludwigs Leiche verschoben. Tie Ueberfütirung der Leiche des früheren Königs Ludwig von Bayern nach München muß wegen der augenblicklichen politischen Lage in Ungarn auf unbestimmte Zeit verschoben werden.