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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda. /

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48. Zahrg.

Dar Willktt MH zurNgetreten. - Bürgerkrieg in Ungarn.

Ver Kanzler an den Reichspräsidenten.

Die Reichsregierong hat in ihrer Kabinetts- sitznng am Samstag auf Antrag des Reichs» Kanzlers Dr. Wirth beschlossen, dem Reichs­präsidenten ihre Demission zn unterbreiten.

Der Reichskanzler hat noch am gleichen Tage die Demission des Kabinetts mit folgendem Schreiben überreicht:

Herr Reichspräsident I In schwerer Stunde hatte »sich das gegenwärtige Kabinett entschlossen, die Verant­wortung für die Durchführung des Ultimatums zu übernehmen. Fünf Monate lang hat es eine Politik geführt, welche getragen war von dem Gedanken, die Stellung des Deutschen Reiches zu den Alliierten zu regeln und durch den ernsten Willen der Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen bis an die Grenze der Leistungsmöglichkeit zur Wiedererstarkung Europa? bei­zutragen. Es hat die dem deutschen Volke cruferlegten überaus schweren Leistung en erfüllt, insbesondere den ungeheuren Barbetrag von 1 Milliarde Goldmark zum 31. 8. abgetragen. Die alliierten Staaten haben die Erfüllung der deutschen Verpflichtungen, vor allem die Durchführung der Entwaffnung, die unter großen Schwierigkeiten sich vollzog, anerkannt. Es durfte er­wartet werden, daß im Hinblick auf Deutschlands An­strengungen und auf sein ernsthaftes Bestreben, den vertraglichen Verpflichtungen treu zu bleiben, die Besetzung d*c Ruhrhäfen restlos aufgehoben und hinsichtlich Oö^rschlesiens eine Lösung gefunden würde, welche dem Rechtsempfinden des deutschen Volkes und der Obersch'esier sowie den künftigen friedlichen Be­ziehungen zwischen den europäischen Nationen ent­spräche.

Statt dessen ist ein Diktat erfolgt, durch welches nicht nur weite Flächen des oberschlesischen Landes, sonderu auch blühende deutsche Städte, der weitaus überrfiegende Teil aller Bodenschätze, »ter Fünftel der Ver^.rbeitungsstätten der deutschen Heimat entriffen roe .Oen sollen. Ein großer Teil der an Polen fallenden Bevölkerung ist deutschen Stammes und deutscher Sprache und »soll, entgegen dem Selbst­bestimmungsrecht der Völker und entgegen dem klaren Ergebnis der Abstimmung unter Fremdherrschaft fallen.

Obwohl das Kabinett nach wie vor überzeugt ist, daß nur das aufrichtige Bestreben aller Teile, pie ver­traglichen Verpflichtungen zu erfüllen, die politische und wirtschaftliche Wiederherstellung Europas ermög. licht, ist es sich doch vollkommen klar darüber, daß dte Grenzen der deutschen Leistungsfähigkeit und ErfüllungS. Möglichkeit durch das schlesische Diktat sich erheblich ver. engert haben und daß somit für die Politik des Reiches eine neue Lage geschaffen ist. .

In Würdigung dieser Tatsache hat das Kabinett beschlossen, den Auftrag zur Führung der Regierungs­geschäfte tn Ihre Hände, Herr Reichspräsident, zurück- zugeben.

In Ausführung dieses Beschlusses habe ich die Ehre, Herr Reichspräsident, Ihnen die Demission des Kabinetts mitzuteilen. gez. Der Reichskanzler: Dr. Wirth.

An die Ueberreichung der Demission schloß sich eine längere Aussprache über pie politische Lage an, in deren Verlauf der Reichspräsident den Reichs­kanzler ersuchte, mit den übrigen Reichsministern die Gesch äste zunächst weiterzuführen. Da­mit erklärte sich der Reichskanzler einverstanden. Es begannen sofort Besprechungen beim Reichspräsiden­ten, an denen folgende Persönlichkeiten leilnahmen: Reichstagspräsident Löde, vom Zentrum Dr. Spahn und Dr. Marx, von den Sozialdemokraten Müller und Wels, von der deutschen Volkspartei Dr. Strese- mann u. Kempkes, von den Demokraten Dr. Petersen und Koch und von den Unabhängigen Dr. Breit­scheid und Crispien. Eine völlige Klärung der Lage wurde bei den Besprechungen noch nicht herbei- gesührt. Die Verhandlungen werden heute fortgesetzt.

Nach dem Rücktritt Dr. Wirths.

Die Entscheidung über das Schicksal der Stegienmg ist gefallen. Am Samstag nachmittag hat das Kabi- beschlossen, die Verantwortung für die Staatege- schäste in die Hände des Reichspräsidenten zurückzutegirn. Ä? ungünstige Ausfall der Entscheidung über Ober- Mesicn und starke Strömungen, die sich imrerhalb der ver!«r bürgerlichen Koalttionspatecion gegen ein Set« bleiben des Kabinetts bemerkbar machten, haben schließ­lich zum Rücktritt der Regierrrrig führen müssen. Denn nachdem das Kabinett und auch der Reichskanzler selbst zu wiederholten Malen die Erklärung abgegeben habun, bafc em ungünstiger Ausgang in der oberschlesischen Frage von ernstlichen Folgen für die amtierende Re­gierung begleitet fein würde, schien ein Rücktritt des KabmWts aus formalen Gründen nicht mehr zu umgehen. Dabei darf durchaus zugegeben werden, Einungen über das Geschick des Kabinetts mnerhaw der Parteien auseinander gingen.

. ,^u, nüt!xiht^!. daß sich in allen beteiligten Par»

teisn Vertreter der Anschauung fanden, man solle es dem Reichs tag überlassen, das Gsschick des Ka- blnetis selbst zu restiminen dadurch, daß der Reichstag dem Reichskanzler für die Führung feiner Politik ein Bcrtrauensoomm aussterre. Es ist bekannt, daß diese Ansicht vornehm»'ch von der Sozialdemokratie vertreten worden ist, wie sie auch nach wie vor bis zum letzten Augenblick auf dem Standpunkt beharrte bm sie seit Anfang an vertreten hat, die formalen Gründe seien nicht genüg:nd, um einen Rücktritt b:s Kabinetts zu rechtfertigen.

Wenn man sich ober auch in den Kreisen des Zen- r u m s für einen Rücktritt der Regierung ausgesprochen hat, so verdient doch mit Entschiedenh:it h-rvorgehoben zu werden, daß die Ursachen nicht fcgrünbet liegen können m Beweggründen, die sich auf die fachlich vom Kabinett eingefchiagrne politische Linie ^ziehen. Auch wir sind nach wie vor der Mcinung, daß der politische Kurs im gegenwärtigen Augenblick eine andere Rich-

-Mattea tot als ine es ist, wie sie sowohl

nach innen wie noch außen seit der Annahme des lllti- matmns getrieben wurde. Aber schließlich mußte die Befürchtung überwiegen, daß, wenn em Rücktritt der Regierung nicht erfolgte, ihr Ansichen nach den von ihr selcht abgegebene n Erklärungen bezüglich der Rückwir­kung etres ungünstigen oberschlesischen Beschlusses im In- und Ausland einen nicht unbeträchtlichM Schaden erlitte.

Im engsten Zusammenhang mit der nuimnchr ge­schaffenen neuen Lage und der oberschlesischen Frage stehen die Erwartungen über die Bildung des neuen Kabinetts und damit auch die Frage ter Erweite­rung der Regterung. Infolge der Schwierig­keiten, die sich mit der Entente-Entscheidung im Augen­blick für die innerpolitische Entwicklung ergaben, schien auch die Regierungsumbildung nach dar breiten Mitte chin ins Stocken geraten. Soviel aber steht fest: der ungeheure Ernst der Lage macht es noch zwingender als vorher zur dringende» Notwendigkeit, das Ziel der breiten Mitte zu erreichen. Im Zentrum wird dieser Grundsatz nach wie vor mtt aller Entschiedenheit ver­treten und man weiß, daß auch dte Demokraten auf dem gleichen Standpunkt stehen. Bon der Haltung der deutschenBolkspartei wird es in erster Linie abhängen, ob das lange erstrebte Ziel auch wirklich erreicht werten kann. Was die Mehrhritssozialdomv- kraiie angeht, so darf man sicherlich schon hertte sagen, daß auch unter dm veränderten Verhältnissen nicht un­günstige Aussichten, bestehen, die innerhalb der Partei sich geltend machenden SchwierigkeiLn schließlich doch zu überwinden.

Aber es wäre verfrüht, schon heute über die im Gang befindliche Entwicklung bestimmte Angaben zu machen, da eine endgültige Stellungnahme noch von feiten keiner Partei vorliegt. Auch für die Bildung dcs neuen Kabmttts wind es von entscheidender Be­deutung fein, ob die Bestrebungen, die nach der Rich­tung der erbretieiten Koalition führen, von Erfolg fein werden. Dte nächste Frage, vor die man sich gefteflt steht, wird dahin gehen, welche Partei den Kanzler stellen soll und wer für triefes Amt in Frage kommt. Es ist durchaus ni<Ht unmöglich, daß der Reichspräsi- bent von neuem dte Bildung des Kabinetts dem Reichs- kanzler D r. Wirth überträgt. Ob er sich in diesem Falle zur erneuten Annahme dieses Amtes bereit er» klärt, wird von stäner eigenen Entscheidung abhängen, vorausgesetzt, daß sich das Zentrum dazu entschließen kann, aus seinen Reihen wiederum den Kanzler zu stel- fen. Denn auch daraus braucht kein Hehl gemacht zu werden, daß Umstände eintaten formen, auf Grund deren es sich das Zentrum doch überlegen muß, ob es überhaupt gewillt ist, die Führung der Reichsge­schäfte in seinen Härchen zu behalten ober ob nicht eine der anderen Piwicten, so beispielsweise die Mehr» hei tssoziaildemokratie, für die Besetzung des Kanzterpostens kn Frage komme.

Eins ist ütni vornherein klar, sollte cs zu einer Erweiterung des Kabinetts nicht kommen können, dann würde dcrdmch die Lage eine nicht unwesentliche Erschwerung erhalten. Denn dann bestände zunächst einmal nur die eine Möglichkeit, daß dte alte Koalition aufrecht erhall ün bleibe. Was das Zentrum anbetrifft, so besteht bei ihm der ehrliche Wille, die Schwierigkei­ten so weit es in seinen Kräften liegt, überwinden xr Holsen.

Wie weit dieser Wille auch bei den übrigen Parteien in Frage kommt, das steht allerdings noch offen. Was uns aber im gegenwärtigen Augenblick als die Haupt­fachs erscheint, das. ist ein rasches Handeln. Denn es geh- nicht an, daß in einer so überaus schwie­rigen Lage bas Reich für einem längeren Zwischen, raum ohne ehre nach allen Seiten hin akdionsfähiHc Regierung bleibt. Äe Krise muß in kurzer Zeit be­endet werden: die Parieiien müssen sich bewußt sein, daß bas Ansehen Deutschlands nicht zu wachsen im­stande ist, wenn tn diesem entscheidenden Stunden, die wir wiederum durchleben, nicht die Entschlußkraft ge- funden werden kann, dem Volke eine führende Spitze zu geben.

Besprechungen beim Urastdenten.

Ein Ecschäflsministerium?

Ki dm gestrigen Besprechungen der Parteiführer mit dem Reichspräsidenten, die noch zu feinem greif­baren Ergebnis geführt haben, wird aus Berlin ge- meDet:

Die Demokraten verharrten aus ihrem Stand­punkt, an keiner Neubildung der Regierung auf bet bisherigen Grundlage teilzunehmen. Sie walten fich nur an einer Kabinettsbildung auf breiterer Basis beteiligt». Der Einbeziehung der DeutfchenBolks. Partei steht aber die Tatsache entgegen, daß diese an ihrem Fraktionsbeschluß festhält, auch die Entsen- düng eines Kommissars zu den deutsch-polnischen Ver- haMumgen über das Wirtschaftsabkommen abzu- lehnen. Ein etwaiger Plan, ein Kabinett nur aus Vertretern des Zentlums und Sozialdemokraten yj bilden, würde an dem Widerstand des Zentrums schei­tern. So blieb nur der Ausweg übrig, ein Ge- schäftsministerium zu bilden, wenn nicht ein Umschwung bei der Deutschen Dolkspartri eine Lösung der Krise hoffnungsvoller machen würbe.

Protest gegen den Genfer Beschluß.

.'Die Protestkundgebungen gegen d i e Zerstük- k e l u n g Oberschlesicns nehmen ihren Fortgang. Be- son'ters imposant war die Kundgebung der oberschlesischen Verbände, die am Sonntag im Berliner Lustgarten stattfand. Etwa 60000 Menschen waren dem Rufe der einladenden Verbände gefolgt, ffltcn sah DteI_ui.TfIoiie Fahnen in de« oberschlesischen Farben und L-chrlder mit den In- lchriften,_die iternKr o.t e st gegen dte EnjlLi^LM. tes..

Obersten Rates Ausdruck gaben. Es sprachen Redner aller Parteien. Alle verliehen der tiefen Enttäu­schung des deutschen Volkes und namentlich der Ober- schlesier über die ungerechte Entscheidung des Obersten Rates Ausdruck und erklärten, daß das deutsch« Volk sich innerlich niemals mit dieser Lösung der oberschtesi- schen Frage zufriedengeben könne. Die Kundgebung verllef ohne Störung. Am Schlüsse bildete sich em langer Demonstrationszug, der unter Ver­meidung der Barmmeite nach dem Belle-Allianceplatz zog und sich dort auflöste.

Stimmen aus dem Entente-Lager.

Der „Temxs" schreM zur Ministerkrise in Deutschland: Ob der Sturz des Reichskanzlers Wirth provisorisch oder endgültig sei, feine Verdienste könne msn nicht vergessen. Anfrichllg republikanisch und überzeugt davon, daß Deutschland seinen Rang in der Wett erst dann wieder entnehmen könne, wenn es fehl Wort Halle, habe er den Ultrareaktionären widerstanden.

Dte „Liber t e" schreibt, wie immer auch die Mi­nisterkrise gelöst werde, der Beweis sei erbracht, daß Deutschland, ob demokratisch ober nicht, unersättlich sei und immer bereit, fein Wort zu widerrufen.

Das „I o u r n a l" schreibt, feit acht Tagen habe fich dte Frage darum gedreht, ob es zu einer parlamen- torischen oder auhrrparlamentarischen Krise kommen werde. Nach seiner Ansicht sind di« Parteien unent­schieden. Das werde sich zeigen, wenn dte Regierung gebildet werden solle, ine schwerlich ohne dte Sozialisten zustande kommen werde. Es sei sehr schön, gegen eine Entscheidung zu protestieren, die man nicht verhindern könne. Ein Protest sei aber kein Regierern gsprogramm. Man müsse also in Dculschtend zeigen, daß eine Mehr- hett vorhanden sei, die fähig sei, einen offenen politi­schen Kampf gegen die Alliierten zu wagen.

Heros erklärt in der „Dictoire": Wenn die Volkspartei ohne ein sozialistisches Gegengewicht Herr würde, so würde die Spannung zwischen Deutschland und Frankreich alsbald wieder einsetz/en, und das de- deute bet der ersten Verzögerung in den deutschen Zah­lungen die Besetzung des Ruhrgebiets. In diesen entscheidenden Stunden liege das Schicksal Deutschlands in den Händen der deutschen Sozialisten.

„G a u l o i s" fragt, ob man schon dte Maßnahmen geprüft habe, die man ergreifen müsse, wenn Berlin sich roetgme, Delegierte für die wirtschaftliche Kom­mission zu ernennen. Deutschland müsse wissen, daß es, trimm es die oberschlesische Teilung nicht annehme, damit alleRechteaufdieGebieteverlier«, dte ihm zugesprochen worden seien.

Deutschland und ämercka.

lieber die Absichten der Washingto- tt er Regierung betreffend die Ausgestallung der Berhältnisse Deutschlands zu den Großmächten liegen zwei wichtige Meldungen vor.

wtb Paris, 24., Oft. (Tel.) Nach einer Meldung des „Chicago Tribüne" aus Washington wird Präsident Harding auf Anraten des Genervlamvalts in einer Proklamation formell den Friedenszustand erklä­ren, sobald die Ratifikationsurkunden über den Friedens- Vertrag mit Deutschland ausgetcmscht sind.

Vtb London, 24. DEL (Tel.) Der Newyorker Korre­spondent des „Ballt) Expreß" will erfahren haben, daß man in Washington dte Frage der Einladung Deutschlands zu der Abrüstungskonferenz erörtert habe, um ehte befriedigende Vereinbarung zu er­zielen, di« dl« Zurückziehung aller alliierten Truppen vom Rhein gestatten werde. Es ver­lautet, daß Amerika bissen Vorschlag mißbillige.

Ende des Berliner ZeitnngsLoirMts.

Nachdem die Berliner Zeitungsverleger am Frei­tag noch beschlossen hatten, ihre Gehilfen auszu­sperren, weil sie sich geweigert hatten, den Druck der Mosseblätter in den anderen Druckereien zu übernehmen, ist es am Samstaa vormittag über­raschenderweise gelungen, eine Einigung unter den beiden Parteien herbeizuführen. Von Samstag mittag an sind die sämtlichen Berliner Zei­tungen wieder erschienen,

Die überraschende Einigung ist nach den Aus» führunaen der Berliner Blätter auf das zielbewußte und cieschickte Eingreifen des Reichsarbeitsministers Dr. Brauns, bekanntlich ein katholischer Geistlicher, zuiückzuführcn.____

Kus dem besetzten Gebiet.

• Die amerikanischen Sheintruppen. Reuter meldet: Die amerikaniscbenTruppenam Rhein, die gegen- toäitig 13 500 Mann stark sind, sollen bis Mitte März 1922 allmählich bis auf etwa die Hälfte zurückge­zogen werden. — Zu den Nachrichten über die Z u- rückziehuna der amerikamischen Truppen nm Rhein erfährt Sie „Koblenzer Zeituna' aus zuver­lässiger Quelle: Die 5. Brigade der 50. Infanterie» Tranzportkolonne und Heine Abteilungen von verschie­denen Waffen gattungen befinden fich in Marscheb- reitschäft und erwarten jeden Tag weitere Befehle. ES ist ziemlich bestimmt, daß eine kleine Trup» penabteitung am Rbein bleiben wird.

* Der deutsche Aurverü ruf. Getegentlich der Herbst- kirmeS war die holländisch-rheinländische Grenze ge­öffnet und brr Menschenstrom aus Holland war außerordentltch stark. Bei der Grenzüberschreitung muhte jeder Holländer einen halben Gulden zahlen. Dabei sind 30 000 Mart cingefoinmen, die zur Hafte an den Ltaat fallen und zur Hälfte der Kreisfürsorge» stelle überwiesen wurden. Der Wert der Waren, .die die Holländer bei ihrer Rückkehr nach Holland gebracht haben, wird auf anderthalb Millionen Mark geschätzt.

König Karl vor Budapest.

Arn Freitag nachmittag 2 Uhr ist der otm den Un­garn theoretisch noch als König anerkannte Karl von Habsburg mit seiner Gemahlin, der Königin Zitta, im Flugzeug in Debenburg in Ungarn gelandet.

Karl von Habsburg hat sofort Zulauf von Trup. pen erhalten. Ungarische Staatsmänner haben sich ihm zur Verfügung gestellt. Sofort setzte natürlich auch die Gegenwirkung ein. Wer allerdings Freund, wer Feind des zurückgrkchrten Königs ist, läßt sich zur Zeit nach nicht mit absoluter Sicherhett sogcn. Namenttich besteht hinsichtlich der Frage noch keine Klnrhett, mit in der großen Entente die Meinungen über dte Rückkehr des Königs nach Umgarn sind. Die kleine Entente, darunter die Nachfolgerstacrten der ehema­ligen österreich-ungarischen Monarchie, scheint einhrtt- Uch gegen die Rückkehr Karls zu fein. Jedenfalls fjiat Karl bei feinem Unternehmen auf dte Unterstützung sehr mächtiger Faktoren rechnen.können.

Die ungarische Regierung, an deren Spitz« erst sett kurzem Graf B e t h l e n steht, hat ihrer- seits, sobald die Ankunft bes Habsburgers bekannt wurde, erklärt, daß der König in Anbetracht der internationa­len Lage seine Herrscherrechte zur Zeit nicht ausüben könne, ohne die Nation in die schwersten Verwicklungen zu stürzen, und daß sie aus diesem Grunde seine Ent- fernunB vom ungarischen Boden mit alle n Mitteln durchsetzen müsse. Di« Regierung hat den Kultusminister Daß zum König geschickt, der ihm den Standpunkt der Regierung auseinorchersetzen und ihn zum Verlassen des Landes bswegen sollt«. Da eine Einigung nicht erfolgt ist, sind die Slnhänger Karls und Regierungsüuppen kriegerisch zusam- «ngeftoßen.

liebet das Unternehmen des Exkönigs Karl ver­breitet das Ung. Korresp.»Büro folgende zu« fammenfassende Darstellung;

wtb Budapest, 23. Oft. (Tel.) Die ungarische R«-. gierung erfuhr am Samstagmorgen, daß der König mit der Königin Zitta in Oedenburg angrkommen sei, die Ueb er nähme der Königsgewalt prokla­miert und eine Regierung unter Führung von Ste. phan Rakowsky ernannt habe. Ministerpräsident Graf Bethlen berief einen Ministerrat zusammen, der einen Beschluß faßte, demzufolge König Karl auf Grund des Art. 1 des Gesetzes vom Jahre 1920 die Ausübung der Königsgewalt nicht übernehmen könne und das Land unverzugl. verlassen müsse. Die Regierung wurde in diesem Entschlüsse bekräftigt durch Erklärungen der Budapester Vertreter ber großen und kleinen Entente. Ministerpäsident Bethlen unterrichtete davon telephonisch wiederholt Rakowsky, den Derttauten des Königs, und wies auf die unab­wendbaren, verhängnisvollen Folgen eines etwaigen Einzuges des Königs in Budapest hin. Rakowsky ant. wartete jedoch stets mit Drohungen. Die Regierung, strebte eine unmittelbare Verständigung mit dem König an, um ihm den Ernst der Lage klar zu machen. So übersandte sie am Samstag abend dem Kultusminister Daß. der ein Schreiben des Reichsoerwesers Horthy überdachte, worin der Reichsverweser den König zu bewegen suchte, das Land nicht ins Verderben zu stür­zen. Dem Schreiben war auch eine Note der En­tente und eine Bekanntgabe des Standpunktes der kleinen Entente beigefügt. Daß wurde nicht zum König vorgelassen. Inzwischen setzten die aufrührerischen Trup. pen ihren Bormarsch gegen Budapest unter Führung des Obersten Lehar und des Majors Ostenburg fort. Die Regierung wollte sie ohne Blutvergießen auf» hallen und ließ daher die Schienen aufreißen. Die jedoch durch die Ostenburgische Vorhut wiederherge.^ stellt wurden. So gelangten die Aufrührer bis nach Buda-Oers. Die Regierung war aber gezwungen, ener»; gifche Maßnahmen gegen die erfolgreichen Gegenstöhe anzuwenden. Feldmarschalleutnant Hegedurs. der,sich in der Umgebung des Königs befand, wurde nach Buda, pest gebeten, um sich persönlich von der Lage zu über­zeugen. In Budapest wurde Hegedurs in Anwesenheit des Ministerpräsidenten durch den engl. Ge- sandten Rohlex über den Standpunkt der gro. ßen und kleinen Entente unterrichtet. Der Minister­präsident bat Hegedurs, dem König wahrheitsgetreu Be. richt zu erstatten und'ihn zur Aenderung feines Dor. habens zu Überreben. Hegedurs kehrte zum König zu. rück; da stdoch keine Antwort erfolgte, mußten militärische Maßnahmen ergriffen werden, um die Ge. fahren des Handstreichs abzuwenden. Di« Regierung fchreibt die Verantwortung dafür denjenigen zu, die be. reit waren, aus selbstsüchtigen Gründen das Daterlanh. in den Abgrund zu stürzen.

Deutscher Reich.

* Berlin, 24 .Ott. Dr. Daoid, der frühere sozial­demokratische Reichsinnenminister, ist zum Vertret«: des Reichs in Darmstadt ernannt worden. Er über­nimmt damit den Eesandtenposten, den bis vor kurzem der jetzig- bayerische Mimsterpräsident Graf Lerchen­feld time hatte. — Dte sächsische Regierung hat ben bis­herigen Ncichsmünster des Innern, Dr. Gradnauer, als Nachfolger des neu ernannten Reichsgesandten tn Prag, Dr. Koch, zu ihrem Gesandten in Berlin bestellt.

* Der Parteitag der Deutschen Bolkspartei. Der wegen der inneipolitischen Lage aufgeschobene Par­teitag der Deutschen Volkspartei wurde auf den 1. und 2. Dezember nach Stuttgart einberufen.

* Journalistische Lachverständige im Beschwerde- ausschuß des ReichsratS. Ter Reichsratsausschuß, der,als Beschwerdeinstanr »ür LeituyaLvexbote ewf