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* JE 244.

Samstag, 22. Oktober 192t

Fuldaer Zeitung

0^ Druck der Fuldaer Actieudruckerei iu Fulda

Der zluch des mammonismas.

Ein aklociies Thema.

Wr alle Zukunft muffen mir uns die technischen und lvirtfchaftiichen Fortschritte zu erhalten suchen, welche dos Zeitalter desKapitalismus" uns gebracht hat- ©egen den das Gemeinschaftsleben der Menschen mnerlich zersetzenden Geist desKapitalismus", der als Mammonismus bezeichnet werden muß, kann aber niemand nachdrücklicher und ernster kämpfen als der echte Geist des Christentums.

Ein zweifaches gemeinfchafiszerftörendes Gift birgt der Geist des Kapitalismus in sich. Einmal die mam- monistische Auffassung, daß jede Arbeit und Erwerbs- tätigteik nur als Mittel angufehen ft, um Geld und immer mehr Geld zu verdien en, damit sich Un­terhalt, Reichtum und Genuß zu verschaffen. Er Der- mchtete damit die jahrhundertealte, vorn Christentum im Volke gepflegte sittliche, rel igiöse Ueber­zeug u n g, daß jede Arbeit und Erwerbstätigkeit cm erster Stelle sittliche Lebensaufgabe fei, einen Beruf als Ruf Gottes, als Dienst an der Volksge­meinschaft, zuerst zu dem Zwecke, um deren Bedarf Ztt decken.

Zum zweiten brachte der Geist des Kapitalismus als feine brutalste Gefinnungsäußerung die Lehre \om freien Arbeitsvertrag, der als das ein­zige Band zwischen Unternehmer und Arbeiter nur Arbeitsleistung und Barzahlung kennt; mit letzterer hätten Unternehmer und Arbeiter sich als von allen feinmenschlichen Verpflichtungen gcgen- einanber befreit, abgelöst zu erachten. Bis dahin hatte man aus natürlichem Volksgemeinfchaftsfmn wie aus christlicher Bruderliebe in jedem Arbeits- und Dienst­verhältnis ein von Gott gewolltes und im Gewissen bindendes beiderseitiges Treuverhältms gesehen. Mochte es darin immer wieder Zusammenstöße und (streitig* leiten geben, man brach doch niemals mit der Ueber- zeuMng, daß man in eine rein menschliche Lebens- und Schicksalgemeinschaft, ähnlich der einer Ehe uni) Fa­milie, durch einen höheren Willen und durch den von Gott im Schicksal gegebenen Berus zusammengeführt seh daß man drshalb einander Vertrauen, Treue, Hilfs, bereitschaft, brüderliche Liebe schulde. Man dachte und faflte gläubig:Was Gott verbunden hat, soll der Mensch nicht trennen."

Der Kapitalismus aber trennte es. Um solches Treueverhältnis in einer Lebensgemeinschaft wieder Zu erwecken, warben die christlichen Sozialpolitiker zu Anfang ihrer Tätigkeit für Fabrikwohlfahrt s» x2tlrt$*un8en' dnen Kem sie im Arbettsaus- lchuß sahen. Darum begrüßten sie noch der Revolution die Betriebsräte Dort wie hier sollten die Ihn ternchmer und Arbeiter wieder lernen, statt nur immer ateIch" undDu" auch wieder alsWir" denken, fühlen und handeln lernen. Und zwar in erster Linie als Menschen, die ihr Lebensbems und ihr Schick­sal täglich bei der Arbeit und Erwcrbstätigkett zusam- mensührt und aufeinander angewiesen sein läßt ;erft ht zweiter Linie sollten sie aus ihrem tigeren Interesse am gemeinsamen Geschäfte, an dessen Wohlergehen und Ertrag alsWir" denken, fühlen und handeln lernen. Das war wohl bedacht und hatte einen tiefen Sinn. Denn alles nein Geschäftliche ist mehr geeignet, zu tren­nen als zu einen; alle rein menschliche Anteilnahme über des einen am anderen, an feiner Person, an fiel» wem, seiner Familie und seines Standes Lebensschick- fal ist mehr geeignet, einander zu einen als zu trennen. Zwar ist solche menschlich edle und christlich brüderliche Auffassung von der Arbeitsgemeinschaft als Lebens­und Schicksalsgemeinschaft nut dort möglich, wo Unter­nehmer und Arbeiter in ihrer Arbeit und Erwerbstätig­keit zuerst ihren von Gott gewollten Beruf als freie sittliche Tat und als Dienst am Wohle der Volks- gemeinfchaft sehen, in zweiter Linie erst das Mittel zum> Erwerb.

Aus diesen kurzm Andeutungen erhellt schon, daß hiefer Kamps des christlichen Gemeinschaftsgeistes des Solidarismus gegen den Mammonsgeist des Kapitalis­mus mehr ist als bloßes Anlegen von Fesseln durch den Zwang der Gesetzgebung oder der machtvollen Ar­beiterorganisation. Dieser Kamps ist vielmehr die innere Ueberwindung des kapitalisti­schen Geistes durch den christlichen Ge­meinschaftsgeist, der aus bloßen Jnteneffen- menschen Gemeinschaftsmenschen macht, die nicht zu- sammenleben .miteinander arbeiten, sich aufeinander angewiesen sehen können, ohne den Willen zu haben, auch rein menschlich einander wohlzuwollen, sich zu verständigen und einander zu vertrauen, weil nur dann ihr Zusammenleben erträglich und auszuhalten sei.

Hier sprechen die tiefsten Lebensgemein­schaft s g e h l e, die unausrottbar im Menschen-

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Einen Augenblick stand Hedwig Hochfeld wie betäubt Ms vermöge sie der widerstreitenden Empfindungen die .E Seele bewegten, nicht Herr zu werden. Was sie mit Begierde gewünscht die Trennung von dem Ver- wvten sie war erfolgt. Frei lag der Weg zu dem erträumten Glück, gelöst war das Band zu dem fS*. beT es nicht verstanden hatte, ihr Herz rascher r,3U ma$en, gelöst von ihm mit väterlichem Wohlwollen - und doch! Was war das für ein hei.

ÖCr it,r innerstes durchzuckte als das Rl rren der Gartenpforte herüberklang, durch die Wil- L°eben s^itt - wurde ihr nicht ein h ° Leise klagend flötete noch im­mer die Nachtigall und aus dem Rauschen ber Blätter tonte es wie flüsterndes Weherufen. Die Stimmen losten em unnennbares Bongen ein unbestimmtes Za. gen vor der Zukunft in dem Innern des jungen Mäd- chens aus das >etzt auf die in der Laube befindliche Lank n,edersank und das Gesicht verhüllend, in ein bit­terliches Weinen ausbrach.

3. Kapitel. Siegmund und Sieglinde.

Die zündende Melodie des Hauptschlagers au- der neuesten Operette vor sich hin.ral/ernd hatte Karl Hoch- Äd das väterliche Haus verlassen und war nach dem Tnmarm SCn'm ?ie nächste elektrische Bahn nach der Neustadtju benutzen Wie freudige Erwar­tung lag es über 1 einem ganzen Wesen, - nicht weil er sich bewußt war, in den ersten Kreisen der Gesell, schast, zu welchen ihm die Einladung seines Chefs de; Herrn Diektor Hagen Zutritt verschaffte auf Grund seiner gesellschaftlichen Talente als oollberechtit aner­kannt und gern gesehen zu werden, über diesen Stolz glaubte er sich erhabU, zu fühlen ein anderer Magnet war es, der ihn in die mit fürstlicher Pracht ausgestatte- ten Räume der Hagenichen Billa zog. Einer de^ schönt ften Tage seines Lebens war es gewesen, als er. ein leidenschaftlicher Wanderer, wie er mur. an einem herr­lichen Mai en tage die Wälder des heimatlichen Gebirge? durchstreifte und in einer einsamen Waldschnejse der­jenigen begegnete, an die er nicht decken konnte, ohne

h:rzen leben. Zwar müssen auch in der Lehms- und Schickfalsgemeinfchaft, zuerst der Famllis, noch mehr aber des Standes und der Volksgemeinschaft die Rechte des einen Gliedes gegenüber denen des anderen fest- S'setzt und gegen Verletzungen sichergestellö werden; ober es ift doch ein himmelweiter Unterschied, ob man diesen Ausgleich der Rechte, im Notfälle selbst hn Machtkämpfe, sucht gegenüber solchen, in denen man nur die auf den nackten Eigennutz bedachten Jnteresfen- gegrer sieht, ober ob man ihn sucht unter solchen, die voneinander wiffen, daß über allen Interessengegen­sätzen sie sich eins wissen als Glieder einer von Gott und von der Natur gewollten V o l k s f a m i l i e, die sich ehrfürchtig bewußt sind, daß der eine dem anderen der Standesoenoffe, der Mitbürger, der Volksgenosse und erst recht der Bruder in Christo ist. Alle, die dieses Bewußtsein im Gewissen tragen, stehen unter dem Banne des Wortes im Anfang der Menschheitsge­schichte:Sain, wo ist dein Bruder Abel?", auf das nicht die Ausrede gestattet ist:Mn ich denn der Hüter meines Bruders Abel?" Der so sprach, füllte bald das Kainszeichen des Zerstörers der Grundlage alles Gemeinschaftslebens, der Bruderliebe, auf feiner Stirn. Sein Gewissen sagte ihm, daß er aus bei menschlichen Gemeinschaft ausgestoßen fei, daß er von ihr als verfemt betrachtet werden muffe.

Die innerliche lteberwindung jenes zweifachen Marn- nwnsgeiftes ist die Aufgabe aller, welche den Geist des Kapitalismus als den GMtinfchastszerftörer ernstlich befämpf.-n wollen. Was könnten echte Bekenner der Religion Christi darin leisten, wenn sie den Geist der Bruderliebe aus ganzem Herzen betätigen woll­ten! Bloßes streben darüber hilft nicht. M. G.

Hus öem Nachbargediet.

X hersfeld. Der Zustrom zum diesjährigen Lullusmarkt war größer als in jedom der Nach­kriegsjahre. In allen Geschäften hielt ein ganz unge­wöhnlicher Andrang die Verkäufer in lebhafter Bewe­gung. Der weite Marktplatz war für die zahlreichen Schaubuden, Vergnügungsstätten und Kramstände fast zu klein. Um die Mittagsstunde setzte der Betrieb ein und schuf ein bunigestoltetes Treiben mit Lärm, Musik und Staub. So ging es bis zur Polizeistunde; dann blieb nur der einsame Wächter am Lullusfeuer zurück, und hie und da klang der Ruf durch biß nächtliche Stille: Enner, zwon, brät, Bruder Lolis!"

Rotenburg. In der letzten Kreistags­sitzung teilte ber ßanbrat Dr. Burchard mit, daß zur llebernahme des städtischen Elektrizitätswerkes auf den Kreis 660 000 Mark erforderlich feien. Der mitbe­teiligte Kreis Hersfeld soll einen Teil der Kosten über­nehmen. Dio Kartoffelfrage macht hier große Sorge. Der Kreisbauernverein hat sich bereit erklärt, den Zent­ner zu 3035 Mark für Minderbemittelte zu liefern. Bebra und Rotenburg brauchen je 8000 Zentner für Minderbemittelte. Der Landrat hält einen Preis von 45 Mark für dm Zentner für angemessen und sieht höhergehende Forderungen als Wucher an.

O Hanau. Einen größeren Kupferdraht- diebstahl ift die Polizei auf die Spur gekommen. Einige Monteure der Firma Brown, Booerie & Co haben es verstanden, bei dem Bau der elektrischen Ueberlandzentrale im Landkreise Hanau eine größere Menge Kupferdraht bei Seite zu schaffen. Es ist gelungen, Draht im Werte von etwa 40 000 Mark wieder herbeizuschaffen, der von verschiedenen Stellen und von verschiedenen Personen versteckt worden war.

(fpb) Frankfurt o. M . An der Hauptwache wurde in einer der letzten Nächte ein Bockeftheimer Einwoh- ner, der etwas schwankend feinen Penaten zusteuerte, von einem etwa 3üjübrigen Menschen überfallen. Das wäre nichts Auffälliges. Aber der Räuber be­nutzte zu seinem Ueberfall einen eigens zu solchen Zwecken dressierten Hund, der auf bas Opfer losgelassen wurde. Als der erste Ueberfall nicht gelang, probierte es der Räuber später in brr stillen Bockerrhei- mer Landstraße zum zrveitMnafe mit demselben Opfer, diesmal mit dem Erfolge, daß die Brieftasche verloren ging. Auch bei diesem Ueberfall leistete der Hund sei­nem Herrn beste Dienste. Drr moberne Räuber konnte noch nicht ermittelt werden.

(fpb) Frankfurt a. 21L Das Ssnckenberg- Museum mir seinen weltberühmten Sammlungen öffnete am 22. November 1821, also v o r 1 0 0 I a h - r e n, zum erstenmate seine Pforten und ist seitdem als csttziges auf ber gangen Erde von der Bürgerschaft einer ötabt allein erhalten worben. Jetzt' sind seine Mittel und Quellen derart erschöpft, baß die Angestellten nicht mehr bezahlt werden können. Um diesen Gelegenheit zum 5iebenenrcrb zu geben, wurde ihre Arbeitszeit auf dftß es stürmisch in seinem Innern aufwallte. Wie eine Göttergestalt der griechischen Sage war sie ihm ftets in ihrem lang wallenden, Hellen Gewände or- jdjienen, wenn er sie in ihrem väterlichen Garten auf- und abwandeln sah; er hatte den Gewittersturm geseg­net, der das dichtbewachsene Holzgitter auf der Tren. nungsmauer niedergesetzt, so daß ihm der Anblick der Holden gewahrt wurde. Wunschlos wie er meinte hatte er sich am Anblick der edlen 'Gestalt mit ihren gemeßenen Bewegungen, die ihm als Ideal vollendeter Weiblichkeit erschien, geweidet wunschlos, denn wie durfte er jemals hoffen, die Kluft zu überbrücken die ihn von Emilie Hohenfels trennte er ber Sohn eines simplen Schlossermeisters und sie, die Tochter aus einem der vornehmsten Häuser der Stadt? Wenn er auch als Kassierer derDeutschen Industriebank" gesellschafttiche Fühlung mit ihren Kreisen hatte und wenn es ihm selbst je gelingen sollte, sich so hoch emporzuschwingen, daß er mit den vermessensten Wünschen vor sie treten durfte lag nicht zwischen feiner Familie und der ihri­gen ein seltsames, durch Jahrhunderte genährtes feind­liches Etwas, das sich zwar niemals in Worten oder Handlungen äußerte, aber unleugbar bestand? Dieses gegenseitig beharrlich durchgeführte Nichtbeachten war das nicht gleichbedeutend mit Feindschaft und zwar mit Feindschaft, die nie und nimmer in ihr Gegenteil um­gekehrt werden konnte? Wie hatte er da jemals hof­fen dürfen? Und an jenem Maientage hatte sie plötz- lich vor ihm gestanden, anzusehen wie eine Fee des Waldes in ihrem lichten Gewände, allein mit ihm in lannenumraufchter Einsamkeit und hatte mit weicher Stimme die schüchterne Bitte an ihn gerichtet sie aus dem Wirrsal der Waldpfade zu geleiten! Mit ihrem Bater und einigen Freundinnen hatte sie das herrliche Wetter zu einem Ausflug auf den etwa vier Stunden von Liebenburg entfernten Gipfel des Herzogssteins be­nutzt: blumenpflückend war sie weit hinter ihren Ge­fährten zurückgeblieben, hatte den breiten, mit Zeichen versehenen Weg verlassen und einen schmalen Wald­pfad eingeschlagen, der nach ihrer Voraussetzung, wenn auch steiler, so doch rascher zur Höhe führen mußte. Der Pfad verlor sich in dichtem Gestrüpp, so daß Ne umzukehren gezwungen war und dabei offenbar auf einen falschen Weg geriet, der sie immer mehr in die Irre führte, bis ein glücklicher Zufall den ihr nur von

vier Stunden herabgesetzt. Trotz aller dieser kleinen Mittel und trotz aller Hilst und des erfreulichen Mit- gliederzuganges zur Senckenbergischen Naturfvrschen- ben Gesellschaft ift die Erhaltung des Museums aufs schwerste gefährdet. Die Leitung wen­det sich heute irr ihrer Not mi feinem Aufruf an die Dessen tlichkeit, in dem sie um die Erhöhung der Mit- gliederbtiträg>e von 20 Mark auf 50 Mark jährlich bittet, um wenigstens das Schlimmste abzmvsnden. Bei der sorgfältigen Präparatton des berichmten Diplo- dvcus-Skelettes im Sknckenberg-Mufeum fiel immer wieder auf, daß die eine Seite des Wirbels stark zer­stört war. Jetzt hat der Präparator Strunz aus einem Hohlraum des Wirbels zwei Zähne eines Raubdinosauriers von bebeutenber Größe her- ausgemeißelt und damit den Bezwinger des Diplodocus in flagranti ertappt.

fpd. Frankfurt a. M. Neben der offiziellen Messe blühten bisher an allen Ecken und Enden im Meßgebiet die sogenanntenwilden" Meffen. Wie wir aus sicherer Quelle hören, haben sich Baupolizei und Branddirektion einhellig gegen die weitere Zulassung dieser Mißstände wegen der Feuer­gefahr ausgesprochen. Es ist also mit größter Wahr­scheinlichkeit damit zu rechnen, daß zur Frühjahrs­messe diewilde" Messe verschwunden ist.

= Frankfurt a. BL Zoologischer Garten. Die Be­stände an heimischen Tieren erfuhren in letzter Zeit durch Schenkungen mannigfache Bereicherungen. So überwies in dankenswerter Weise Herr Dr. Siessl in Kirchhetm-Bolanden einen Dachs, der Tierschutzverein in Mainz einen Storch, Herrn Kienzle-Franfturt einen Wespenweih, Herr Vogelhändler G. Müller Weitzsrauen- straße ein Paar Haselmäuse. Die im Aquarium neu erworbenen Niesenschlangen (Teppich-und Abgottschlange) sind jetzt völlig futterfest und eingewöhnt, so daß sie sie ihre ganze Farbenpracht entfalten. Im Insekten- haus sind Ricinusspinnenraupen vom Himalaja erst­malig ausgestellt.

Göttingen. Die hiesige Niederlassung der Barmherzigen Schwestern Neu-Mariahilf feierte in diesen Tagen das 2 5-jährige Be­stehen. In der festlich geschmückten Hauskapelle fand ein Levitenamt statt. Zwei Schwestern des Hauses, die 25 Jahre hier in der Diaspora gewirkt, wurden mit dem Silberkranze geschmückt.

(fpb) Würzburg. In der Nähe des Rothofs stellte man eine dorfiihnli ch e Siedlung aus b eY füngieren Steinzeit fest, die mst etwa dreißig Hüttcnstellen den fruchtbaren und sonnigen Berghang zwischen Hrrrenholz und Hartwald besetzt hielt. Bisher wurden zwei Wohnhütten untersucht. Es handelt sich um ziemlich geräumige Hütten mit unrcig,ttmäßigem Grundriß, die teilweisr stark in den Boden eingetiest waren und verschiedene Herb-, Abfall- und Schlafdm- ben enthielten. Die zahlreichen Kleinfunde bestehen hauptsächlich aus Resten von Tongefäßen, Steinwevk- zeugen und Tierknochm und kennzeichnen die steinzeit- liche Stuft der sogenanntenRößener" Kultur, die bisher in Franken unbekannt war.

Hus Mederheffen.

A Wolfhagen. Die hiesige landwirtschaft­liche Schule beginnt in diesem Jahre mit dem Un­terricht am 1. November. Das Schulgeld ist gegen bas Vorjahr um 100 Mark erhöht.

Vermischtes.

* Ein respektables SktMhealer. In dem Stadt­theater des Stadtteils M o a b i t hat dis Berliner Poli­zei während der Vorstellung plötzlich eine Razzia ver- anstaüet. Dabtt stellte sich heraus, daß die meisten Be­sucher mit Schlagringen und Gummi­knüppeln ausgestatiet warm. Teilweise verfügten sie über gefälschte Papiere. Ewa 200 Personen wur­den auf die brreitstehenden Lastautos verladen und dem Polizeipräsidium zugeführt.

* Oeffenlliche Hinrichtungen. Wie die Schweizer Blätter melden, sind inStraßburgaufoffrner Straße vor dem Gefängnistor die beiden Raubmör- b-r LüntzundFrintz, die seinerM in das Münster- Postamt eingedrungen waren, bien Poftwächter erdros- fell und den Geldschrank aus geplün dert hatten, hinge- richtet worden.

* Die Kinder von Oppau. In den ersten Tagen der Explosions-Katastrophe kamen viele auswärtige Besucher nach Oppau, welche unter dem Eindruck des grenzenlosen Elends sich erboten, verwaiste oder obdach­lose Kinder mitzunehmen und ihnen Unterkunft und Pflege angedeihen zu lassen. In der furchtbaren Aufre­gung haben nun die bestürzten Eltern und Angehörigen die etwa zurückgelaifsenen Adressen dieser Menschenfreunde vergessen oder verloren. Zur Be­ruhigung der Eltern und Angehörigen werden nun alle

Ansehen bekannten Sohn des Nachbarn ihr begegnen ließ.

Karl Hochfeld hatte sich mit ehrerbietiger Ritterlich­keit der Erschöpften angenommen, und hatte sie zu einem Ruheplatz geführt, von welchem aus man eine herrliche Aussicht auf die rückwärts liegenden Gipfel des Gebir- ges genoß. Ohne sich zu zieren, nahm Emilie Hohen­fels den von ihrem Beschützer angebotenen Becher kal­ten Kaffees, sowie eine Tafel Schokolade dankbar an, und bald waren die beiden jungen Leute in einer so lebhaften, ungezwungenen Unterhaltung begriffen, als wären sie schon feit frühester Jugend miteinander be, tonnt. Woher tarn es nur, daß ein so warmer Grund­ton ihre Unterhaltung beherrschte, gleichsam als freue sich ein jedes von den beiden darüber, sich endlich Auge in Auge gegenüberzustehen und Worte miteinander zu wechseln? Mit beroufchender Glückseligkeit rief sich der junge Mann jede Phase des Zusammenseins mit der schönen Nachbartochter in die Erinnerung zurück, fragte sich immer wieder, ob es denn wahr sei, daß die reh. braunen Augen der von ihm Vergötterten feinem Blick jedesmal mit einem so innigen Ausdruck begegnet wa­ren, daß sie beim Heimwärtswandern an schwierigen Stellen des Weges ohne sich zu zieren, feine Hilfe an­genommen und sich vertrauensvoll, als fei er ihr Bru­der, auf feine Schulter gestützt und daß sie ihm beim Abschied, als die Stimme der Ihrigen in der Ferne ertönten, unter fünftem Erröten einAuf Wiedersehen!" zugeflüstert hatte, begleitet von einem leisen Hände- druck? Wie ein elektrischer Schlag hatte ihn die Berüh­rung des weißen Händchens durchzuckt war sie nur der Ausdruck der Dankbarkeit für die ihr geleistete Hilfe, oder wollte Emilie Hohenfels ihm damit ein stummes Zeichen geben, daß er ihr sympathisch sei?

Er hatte sie wiedergesehen, als sie einige Tage daraus wieder in dem väterlichen Garten lustwandefte, hatte entzückt wieder das warme Aufleuchten in ihren Blicken beobachtet, als er einen ehrfurchtsvollen Gruß über die Mauer sandte, und heute stand ihm das Glück bevor, ihr auf gleichberechtigtem Boden zu begegnen, denn sicher glaubte et hoffen zu dürfen, daß ihre Fa­milie von dem Herrn Direktor zu der kleinen Festlich, feit eingelaben worden mar. Standen doch die Fami­lien Hagen und Hohenfels in regelmäßigem gesell- schHtlichem Verkehr und fungierte doch der Sohn des

diejenigen dringend gebeten, die über den Aufenthalt der Oppau er Kindex Näheres wissen hiervon Mittet, hing an den städiischen Kanzle i.B ermatte, Wilhelm, Stadchaus-Nord, Zimmer -23. in Lud­wigshafen a. Rh. zu geben.

* Amerikanische Bankräuber. In Toronto (Ka­nada) drangen fünf bewaffnete Männer in die Zweig­stelle der Rawlinson-Bank und zwangen mit vorge­haltenem Revolver die Angestellten, sich auf den Fußboden zu legen, während sie die Kassenschränke ausraubten. Sie entkamen darauf in einem Auto­mobil.

Auszug aus den öegiskern des Standesamts Mo

Sterbefälle vom 14.21. Oktober 1921.

13. Oktober. August Guierrnuth, V« Stunde. 14- Theresia Diegelmann, 82 I. 2 M. 3 T. 14. Ehefrau Konstanzia Grom, geb. Demi aus Neuhos-Opperz, 49 I, 13 T. 15. Dienstmädchen Maria Faust, 34 I. 9 T. 16. Rentenempfänger Ignaz Georg Joseph Domprobst, 71 I. 4 M. 1 T. 16. Ehefrau Auguste Hack, geb. Moller aus Neuhof-Ellers, 30 I. 3 M. 4 T. 17. Witwe Rentnerin Elisabeth Gertrude Reinhardt, geb. Schreiner, 76 I. 7 M. 1 T. 18. Korbmacher Witwer Adolf Schultheis, 47 I. 1 M. 14 T. 21. Ehefrau Katharina Trabert, geb. Muth, 58 I. 9 M.

Märkte.

= Zulda, 22. Okt. Auf dem heutigen Schweine, markt waren 7 Läufer und 185 Ferkel angetrieben. Für erstere wurden bezahlt 630, 650700 Mark, für letztere 90, 150, 200400 Mark. Der Markt war flau­es verblieb ein großer Ueberstand.

Gotlesdienftordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 23. Oktober. Dom. V-6,6, */-7 u. 7 M., um 6 Generalkom. d. christl. Müttervereins, 8 Pfarr­amt u. Pr., VilO Kathedralamt u. Pr 11 Ehr. f. d, Jüngl., Vil2 M. u. Pr., 1/»2 SakramentS-A., 2 Ehr. f. d. Jungfr., 3/<3 Vers. d. christl. Müttervereins, 4 A. (Pr, fällt ans), Vi7 (ausnahmsweise) Rosenkranz m. Segev i. d. Marienkapelle. Montag abends 6 Rosenkranz. Stadtpfarrkirche. 5Vs Kom., 5V« M., 63/« M. u. Kom. d. Müttervereins, 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), 9V» Pfarr­amt u. Pr., 11 M. u. Pr. (2. Schulgd ), 9 V« Ehr. f. d, Jüngl. i. d. Severikirche, IV» Ehr. f. d. Jungfr., 2Vi Bruderschaft vorn hl. Erzengel Michael, 3V« A. f. d. Mütterverein, 7V« Rosenkranz-Andacht. Pforr, kirche zum hl. Geist. 7 Frühm., 8 Pr., Segensami m. Kom., Vs5 Ehr., 5 Rosenkranz-A. Werktäglich 5 Segens-A. Sodalität./»IO. Severikirche. Sonn­tags unb werktags V»7 M. Herz-Jesu-Heim. 8 Hoch­amt ,jfi. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) Frauenberg. Vi6 Uhr erste Generalkommunion mit kurzer Ansprache, 7 Uhr zweite Generalkommunion mit Ansprache, 8 Uhr hl. Messe, 9 Uhr Festpredigt und feierliches Pontifikalamt, zelebriert vom Hochw. Herrn Bischof Dr. Joseph Damian, Erteilung des päpstliche» Segens und Te Deum (Schluß des Triduums).

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 23. Oktober. Fulda. Vormittags 9Vi Pfarrer Weber, 11 Kindergottesdienst, nachm. 2 Sup. Ruhl. Bieberstein. Vormittags 9 Pfarrer Reich (hl. Abendmahl).

Mittwoch, 26. Oktober. Fulda. Abends 8 Bibel, stunde (Gemeindehaus).

Lvangel. landerkirchl. Gemeinschaft vuttlarftr. 17.

Sonntag, 23. Okt. Zulda. Abends 8 Evangelisation. Dienstag abends 8 Bibelstunde (Pfarrer Weber). Mittwoch abends 8 Gefangstunde. Donnerstag abends 8V« Jungfrauen-B.-St. Freitag abends 8 Bibel- und Gebetstunde.

Dr. Bahrs

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vom Zahnarzt verordnet, daher

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Hohenftlsischen Hauses, Max, seit feiner Rückkehr von London als Bolontär bei der Induftriebank. Eine un­angenehme Empfindung bemächtigte sich Karls bei dem Gedanken an den jungen Max Hohenfels. Verkörperte dieser doch in seiner Persönlichkeit den ganzen Hochmut der oberen Klassen. Auf Wunsch feines Vaters sollte Max Hohenfels vorübergehend eine Stellung als Volon, tär in dem bedeutenden Bankhause bekleiden um das deutsche Bankwesen gründlich kennen zu lernen, nach­dem er mehrere Jahre lang in London bei einem mit der Firma Albrecht Hohenfels in Verbindung stehenden Importhause tätig gewesen war. Ob der junge Herr die ihm in seiner Stellung gebotene Gelegenheit benutzte, um sich das Wissen, wie es fein Vater wünschte,, anzu­eignen, das erschien Karl Hochfeld mehr als zweifelhaft, denn noch feiten war ihm jemand vorgekommen, ber mit einer solchen Energie wie Max Hohenfels allem, was Arbeit hieß, aus dem Wege ging, und der dabei trotz feiner Unwissenheit in merkantilen Dingen sich doch gebärdete, als brauche er sich von niemand belehren zu lassen. Halbe Tage lang versäumte er oft, wahrschein­lich ohne Wissen seines Vaters, die Bureaustunden, und wenn er sich mit sichtlicher Verdrossenheit einmal herbei- ließ, ernstlich zu arbeiten, dann waren die Beamten, unter deren Leitung er stand, herzlich froh, wenn sie ihn wieder los waren, beim feine Tätigkeit war infolge feiner Unfähigkeit und Unlust nicht als Hilfe, sondern als Last zu bezeichnen. Dabei trug er aber gegen sämt­liche Angestellte der Bank, unter welchen sich viele ältere gesetzte Herren befanden, so hochfahrendes un­artiges Wesen zur Schau, daß er schon mehrere Male in heftigste Kollision mit einigen, besonders mit dem etwas cholerisch veranlagten englischen Korrespondenten geraten war und nur der Umstand, daß er als einziger Sohn seines Vaters einmal Chef der Firma Albrecht Hohenfels wurde, schützte ihn davor, daß man ihm Übel mitfpielte. Noch'heute hatte der englische Korrespondent Herr Weigelt, zu ihm Karl Hochfeld inbezug auf Max Hohenfels gesagt:Wenn der aufgeblasene Den­gel mit seiner Modejournal-Visage noch länger bei mir gearbeitet hätte, dann würde ich ihm gelegenttich eins hinter die Ohren gegeben haben Gott sei Dank, daß der Fatzke in ein anderes Ressort versetzt wird."'

(Fortsetzung folgte /