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Fuldaer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 244.

Verantwortlich für den reüaaionellenTeil: Dr. I. Kramer, - . für die An,eigen: L ParzeIIer-Futda. =

Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. S. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.

Samstag, 22. Oktober 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.00 2HL zugestellt frei ins Haus- u AbgehoU in der Geschäftsstelle 4,60 AN. s Anzeigen: Colonelzeil« 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Textbrette) 2.50 AN.

48. Zahrg.

Skegerwald proklamiert

die pflicht der Einigkeit.

Schlimmer als schlimm!

Die Vergewaltigung an Obeffchlesien ist uns jetzt fn einer richtigen Note bekannt gegeben worden. Wir haben den Inhalt dieses Dokuments unseren Lesern gestern mitgeteilt. Was wir jetzt schwarz auf weiß zugestellt bekommen haben, bestätigt mchü bloß die schlimmsten Befürchtungen, sondern übertrifft sie noch in mehreren Punkten der Grmzführung und der wirtschaft­lichen Vorschriften.

Es ist ein treues Ultimatum im schärfsten Sinne des Wortes. Obschon der Ukas der Entente über das bestehende Bertragsrecht weit hinausgeht, wird Deutschland nicht erst zu Verhandlungen zugelassen, sondern soll unter Drohungen mit Zwangsmaßnahmen Mr glatten Unterwerfung gezwungen werden, und zwar in der kürzesten Frist. Schoninnerhalb der nächsten acht Tage" soll die deutsche Regierung ihre Delegierten für die wichtige gemischte Kommission be­nennen.

Der Reichstag und die Regierung müssen also in dieser außerordentlich verzwickten und folgenschweren Angelegmheit sich Hals über Kopf entscheiden. Damit di« Bedrängnis aüs den Gipfel kommt, wird uns das neue Ultimatum gerade jetzt beschert, wo unsere Poli­tiker mit der erblichen deutschen Gründlichkeit und Um- ständlichkeit über die Ausgestaltung der Koalition und der Regierung in langwierigen Verhandlungen stehen. Wenn die Flammen schon an den Mauern lecken, wird erst noch über die Ausbesserung der Spritze geredÄ und gefeilscht!

Dringender als jemals zuvor brauchen wir jetzt eine gesicherte, feste, aktionsfähige Regierung, die noch zu retten vermag, was überhaupt zu retten ist, im schlimmsten Fall wenigstens die Ehre Deutsch­land s. Wenn wir uns jetzt zerfahren, unschlüssig und hilflos erweisen, so geht der letzte Rest von Respekt vor lt^utschla nd und der Welt flöten.

Was ist nun zu tun? Die Antwort auf diese Schick- salsstage erwarten wir von Miseren Abgeordneten und von den Ministern, die aus dem Ueberblick über die Gesamtlage und im Bewußtsein ihrer gewaltigen Ver­antwortlichkeit die bestmöglichen Mittel und Wege fin­den und ausnützen müssen, um Oberschlesien und ganz Deutschland vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Wir Hecken das Rocht zu protestieren gegen den offenen Vertragsbruch. Das wäre, um im stanzö- sischen Jargon zu reden, ein« schöne Geste. Ms Real­politiker müffln wir aber fragen, welche Wirkung der flammende Protest haben wird. Man kann eine

Rechtsverwahrung einlegen, darf aber nicht erwarten, daß die Machthaber im Westen oder die gierigen Nach­barn im Osten durch eine Bcleuchtung des Unrechtes sich aufhalten lassen.

Deutschland kann auch p a s s i ve n W i der st a n d leisten, d. h. seine Mitwirkung bei der vorgvschricbenen Neuordnung in Oberschlesien verweigern. 3u einer solchen fatalistischen Zurückhaltung hätten wir beider Anlaß genug. Aber gegenüber dieser Taktik der Ent- rüstung erhebt sich wieder die Frage nach den F o l g e n. Die Herren auf der Gegenseite haben Mmht genug und Rücksichtslosigkeit genug, um ohne uns und gegen uns das durchzuführen, was sie beschlossen und ver­kündet haben. Wenn wir die Mitwirkung verweigern, müssen wir mit der Gefahr rechnen, daß unter der französischen Gewaltherrschaft und der polnischen Miß- wirtschaft die Industrie in Oberschlesien ruiniert wird, so daß wir schließlich nicht bloß die Hälfte, sondern das ganz« Kleinod verlieren.

In eine ähnliche Klemme würden wir geraten, wenn der Gedanke eines Generalstreik» durch, dringen sollte, das würde zu einer fürchterlichen Kata- strophe führen. Doch welche Aussicht auf Rettung und Neubelebung bliebe da?

Mancher sogt: Lieber ein Ende mit Schrecken, als em Schrecken ohne Ende! Andere sagen, wenn es sich um Leben oder Tod von vielen Millionen handelt, sei W die strengste Pflicht, auch in der schlimmsten Be­drängnis zu ringen und zu streben, so lange noch über­haupt noch irgend eine Möglichkeit zur Abwendung oder mentgftens zur Beschränkung des Unglücks zu erkennen

mit Umsicht und kühlem Blute Wer- ^gewogen werden. Das Volk schaut in dieser "us seine berufenen Vertreter und oer- Führer mit dem dringenden Ruf: Sex .?mug gewechselt; jetzt laßt uns klare Entschlüsse und zielbewußte Taten sehm! Rücktritt -es Gesamt­

kabinetts wahrscheinlich.

Soll sich das Zentrum abermals opfern?

. durch das Bekarmtwer-

to Ar in vielen Bestimmungen k ^m^^ch^^bn hinausgcht, er-

dbbllch Während in den leiten Tagen

SSS E« r°n'ch°-U>arflilichM BesprechLgen Ehr äJWW« S---- «Sn-llch Inta, 1ÄS* £

Ictatang iita da- Bleiben te MlreÄ, El Umbildung und im Zusmnmenhcmg damit Mch die Frage der Erwetterung der Koalition entscheidet be. rmflußt. Gerüchtweise verlauüet, daß die beSL^rftF Partei und die Demokraten sich n ich t emschl^- fg_ nen, dem Genfer Beschluß zuzustimmen. DflIosiafl demokraisn haben sich bereits vor dem Bekanntwerden

Genfer Beschlusses dahin festgelegt, daß sflfi^in Verbleiben des bisherigen Sabinetts eintreten.

Das Zentrum hat sich in durchaus vechöMich^ -G5etl« völlig freie Hand Vorbehalten bis zum Bekanru-

werden des Genfer Beschlusses. Die Zentrumsfraktion des Reichstages wird zu dem Genfer Beschluß erst jetzt Stellung nehmen. Sollte es sich bewahrheiten, daß die deutsche Dolkspartei mtd die Demokraten sich tatsäch­lich abseits stellen wollen, dann dürste auch für das Zentrum die Frage von entscheidender Bedeutung sein, ob es unter diesen Umständen in der Lags fein wird, weiter die Verantwortung allein mit der Sozialdemokratie zu übernehmen. ®s muß aber ausdrücklich bemerkt werden, daß alle triefe Fragen noch völlig im Fluß firtb und irgend welche entscheiden- den Beschlüsse nach keiner Richtung hin gefaßt sind. Es ist möglich, daß die Entscheidung rasch fällt. Auf der anderen Seite wird man allerdings unter Umständen auch damit rechnen können, daß sich die Entscheidung um einige Tage hinausschiebt, weil namentlich über die wirtschaftliche Bedeutung des Genfer Beschlusses und auch übet dessen rechtliche Seite im besonderen unter Hinzuziehung des Friedensoertrsges noch eine Reihe von Unklar beiten auhuräumen find.

Die Hauptsache ist. setzt nicht di« Ruhe zu verlieren. Es ist selbstverständlich, daß seitens der Reichstags- Parteien alles geschehen wird, was nach ßag> der Sache geboten ist. Bis dahin wird man gut tun, ruhig ab­zuwarten. Wie wir hören, kann mit der Wahffchein- lichkrit gerechnet werden, daß der Rücktritt des Gesamtkabinetts erfolgen wird, liebet die Bildung der neuen Regierung Läßt sich nach dem Dorausgefagten zur Stund« noch nichts sagen. Ob es zu einer Neukonstruktion des bisherigen Kabinetts, zu einer Erweiterung der Koalition oder zu irgend welcher anderen Kombination kommen wird, wird letzten En­des, wie bereits bemerkt, von der Entscheidung in der oberschlesischen Froge abhängen.

Wie wir hören, hat sich die Mehrheitssozial- demokratie in ihrer letzten Sitzung einstimmig entschlossen, aus der Koalition auszutreten, wenn die deutsche Dolkspartei die Bildung des breiten Blockes durch immer wieder neue Schwierigkeiten zu erschweren sucht.

Soweit sich die Ding: übersehen (affen; ist die Lage im Augenblick derart, wie sie seinerzeit vor Unterzeichnung des Versailler Frie­densvertrages in Weimar und bei der Ankunft des Ultimatum» in Berlin ge­wesen ist. Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß die oberschlesischen Abgeordneten sowie Vertreter der oberschlesischen Arbeiterschaft, der ÄÄustrie, des Han­dels und Gewerbes am Freitag wn Auswärtigen Amt mir der Reichsregirrung Aussprache über die geschaffene Situation gepflogen haben. Diese Besprechungen wer- den auch, soviel wir erfahren, in den nächsten Tagen fortgesetzt werden.

Die Erregung in Oberschlesien.

Die Lage in Oberschlesien ist in Anbetracht der Veröffentlichung der Enffcheidung aufs höchste gespannt. Trotzdem fft es, soweit bis jetzt be­kannt, nirgends zu Zwischenfällen gekommen. Nur wird aus dem Kreis Rybnik gemeldet, daß dort die Polen die Drohung gegen Geistliche wahr gemacht haben. Der Pfarrer aus Lefkhzin mußte aus seiner Pfarrei flüchten.

Anläßlich der Enffcheidung über Oberschlesien hat der Oberbürgermeister in Breslau angeord­net, daß sämtliche städtischen Gebäude einschließlich der Schulen auf Hal b m a st oder mit Trauerflor zu flaggen haben.

Die oberschlesischen Abgeordneten der Zentrumsfraktion des Reichst»- ges und des preußischen Landtages ha- den an ihre Wählet eine Kundgebung gerichtet, in der sie ihrer Entrüstung über die Entscheidung der Botschafterkonferenz Ausdruck geben und ihre Wäh­ler bitten, auch wie bisher Vertrauen zu ihrer Ar­beit zu haben, Ruhe zu wahren und alle unüber­legten Schritte zu vermeiden.

Die deutschen Parteien und Gewerkschaften von Königshütte sandten an den Reichskanzler ein Telegramm, in dem gegen die Losreißung der deut­schen Stadt Königshütte vom Vaterland protestiert und versichert wird, daß die Bewohner auch unter der Fremdherrschaft das Deutschtum wahren mür­ben. In einem Aufruf der Absender an die deut- schen Bürger von Königshütte wird zum engeren Zusammenschluß aufgefordert.

Eine geplante Masienkuudgebung.

Die Verbände heimattreuer Oberschlesier rufen zu einer Massenkundgebung gegen die Ent- scheidung de« BölkerbundSrareS in Der oberschlesischen Frage für Sonntag Nachmittag auf.

wirtschaftliche folgen der Teilung.

ImVorwärts" errechnet ein bergmännischer Sachverständiger unter Zugrundelegung der Koh­lenförderung im Jahre 1913 in Oberschlesien, daß nach der Genf-Pariser Entscheidung Polen viermal so viel Kohlen bekommt, als Deuffchland verbleiben.

Im April 1921 wurden in Oberschlesien 2 922 539 To. Kohlen gefördert. Don dieser För­derung fallen künftighin 2197 884 To. an Polen, während 653 200 To. bei Deuffchland verbleiben und der Verbleib von 71455 To. noch unentschieden ist. Don dem gesamten Kohlenvorkommen in Ober­schlesien, das bis zu einer Tiefe von 1200 Meter 112y, Milliarden Tonnen beträgt, bleiben nur un­gefähr 55% Milliarden in deutschem Besitz.

Da Deutschland alle oberfchlesifchen Zink- und Bleigruben verliert, büßt es damit stark % seiner gesamten Zinkproduktion >'-d die Hälfte feiner Blei- I erzförderung ein.

Der Zusammentritt des Reichstages.

Der Aeltestenrat des Reichstages konnte noch nicht zu einem festen Beschluß über den Termin der Plenarsitzung kommen. Zn Aussicht genommen ist sie für Sonntag oder Montag. Die Verhand­lungen werden sich voraussichtlich so adspielen, daß zunächst der Reichskanzler die Erklärungen der Re­gierung abgibt und danach eine Pause für die Be- tatung der Fraktionen gelassen wird, bevor die wei­tere Aussprache im Plenum beginnt.

Der Standpunkt der Parteien.

Die sozialdemokratische ReichstaMfraktton Hai geftcrn gemeinsam mit dem Parteiausschuß beraten. Die, Stellungnahme der Fraktion in der Frage her Regierungsbildung, die das Recht über Serbletben oder Gehen des Kabinetts Wirth allein dem Re ich s- 1 a g zuerkennt, fand lautVorwärts" auch in dieser gemeinsamen Sitzung einmütig Zustimmung.

Die Reichs tagsf ra ktion der USPD, nahm gieftem zu Ä-r durch die Enffcheidung über Ober« schlffien geschaffer-m Sage Stellung. Die Fraktion beklagte aufs lebhafteste die Teilung Ober fehles iens, die eine große Amcchl deutscher oder Werwiegknd deuffcher Gemeinden Polen zmoeist und ein einheitliches Wirtschaftsgebiet zerreißt. Dem Kabinett Wirch kann nach Ansicht der Fraktion die Schuld an der für Deutschland ungünstigen Lösung des obeffchlesischen Problems nicht zugffchoberk werden. Ein Wechsel in der auswärtigen Politik würde die verhäng­nisvollsten Folgen nach sich ziehen. Die Fraktion pro- testiert aufs schärfste gegen die Versuche, unter Aus- schalttmg des Reichstages einen Kabinett- und Per­sonenwechsel hrrbeizuführen.

Erklärung int preußischen Landtag.

Die fiommuniflen lärmen.

3m Preußischen Landtag gab in der Freitagsitzung Mnisterprüsrdem Stegerwalb folgende Erklärung ab:

Neues schweres Unheil von noch unabsehbarer Trag­weite ist über Preußen und Deutschland hersmgebrochen. Nachdem der Friedmso ertrag uns die Provinz Posen, die halbe Provmz Westgreußen, das Memekgsbiet, NottMes- wig und Eupen-Malmedy geraubt, sind nun auch die famt*. kchen Würfel über Obeffchlesien gefallen. Das ausschließ, ttche Werk preußisch-deutscher Arbeit und Tatkraft, deut­scher Intelligenz und Ordnung, soll In zwei Teile zerrissen werden, von denen der wertvollere Teil Polen überant­wortet wird. Kerndeutsche Städte, Bilder westeuropäischer Kultur, wirtschofitiche Mittelpunkte des ganzen obeffchlest» schen Industriegebiets, Knotenpunkte seines Eisenbahnnetzes, sollen 6er Polorrisienmg verfallen! Die gesamte Zinkprobuk- lion, der größte Teil der Eisen- und Stahlwerke, weit mehr als die Hälfte unserer dortigen Kohlengruben worden uns entriff«, uns, die wir andere Länder mit jährlichen Koh- lentttbnlen versorge« müßen.

Jeder Mann und jede Frau, die noch deutsches Emp­finden bewahrt haben, stöhnt auf unter dieser neuen Ver­gewaltigung.

Don den unparteiischen Sachkennern aller Nationen die Obeffchlesien besuchten und studierte!», ist ferne Unteil­barkeit als mibÄnngte Lonmssstzung feines wirtschaft­lichen Gedeihens festgestellt warben.

Den Aussichten aber aus endlichen wirklichen Frieden und auf die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas ist damit der schwerste Schlag versetzt. Die Zahlungsfähigkeit Deutschlands ist nach Lloyd Georges eigener Erklärung aufs Aeußsffte geschwächt.

Ohnmächtig an äußerer Gewalt, gilt es für uns, mH kühlem Kopf bi« Tatsachen zu prüfe». Die Gegner selbst schlagen mit ihren immer drückerSer werdenden Auf­lagen alle Aussichten nieder, von DeutMmd die echofften Stiftungen pu gswmvm. Wir Mtrfen nicht müde werd«, triefe Erkenntnis fct der Wett |* vertieft«,.

Einigkeit km Sxnetn ist jetzt erst, w» hsvigst» Wicht, linfroe oberschlesischen Brüder, die in den letzten zwei Jahren so Fürchterliches Haden dewchenoch«, muffen, find uns in dieser Beziehung «in leuchtendes BorbtCb. Dort in Obeffchlesien ist alle parteipolitische Gegnerschaft unter den deutschen Volks genossen in den Hintergrund getreten vor der Rot. Damm fei ihrer, unserer ober«

schlesischen Brüder und Schwestern, in diesem Augenblicke in Ergriffenheit, Verehrung rmd herzlicher Liede gedacht. Was sie bisher geleistet und gelitten haben, ist echtes Heldentum.

Unzerreißbare Battde verknüpfen uns auch m Zu- krmst miteinander. Wir werden Euch mit allem, was wir sind und haben, weiter die Treue havenl e

Selbst in diesem Augenblick höchster nationaler Not, wo nm ein Empfinden alle Deutschen, die auch nur einen Funken Vaterlandsliebe noch tm Herzen haben, beherrscht, ve^ichteten die Kommunisten nicht darauf, die wi­derlichsten Skandalfzenen $u provozieren. Als zu Beginn der Sitzung von Eintritt in die Tagesordnung der Präsident dem Ministerpräsidenten das Wort erteilte, schrte der Kommunist Katz, er habe zuerst um das Wort gebeten, und als der Ministerpräsident dennoch sprach, er­hob sich bei den Kommunisten ein ohrenbetäuben­de r L ä r m. Vie wüstesten Sch'mipfworte flogen Sieger» wald an den Kopf; ein dichter Knäuel von Abgeordneten ballte sich vor der Tribüne zusammen, und es schien fast, als ob es zu Tätlichkeiten zwischen den radikalen Radau­brüdern und der aufs Aeußeffte empörten Mehrheit kom­men würde. In diesem wilden Lärm waren die Worte des Ministerpräsidenten fast ganz unvefftändlich. Als er aber geschlossen hatte, übertönte der tosende Beifall der Mehr­heit des Hauses den Lärm der Moskowiter, und man be­reitete ihm stürmische Ovationen, die ihm bewiesen, daß er der überwältigenden Mehrheit des Volkes aus dem Herze» gesprochen hatte.

Und roaram dieser kommunistische Lärm? Weil bei dem 8bg. Mayer We Polizei «ne Haussuchung vomahm und er deswegen nicht tn der Sitzung des Ältestenrates teil- nehmen konnte, rote de-r vbg. Katz nachher erklärte, der sich deswegen mit dem Präsidenten herumstritt. Die Mehrheit schloß diese unerquicklichen Szenen schließlich damit ab, daß sie sich auf den 3. November vertagte.

Vie zlucht tu-en-orsss

nach der Revolution.

In derKreuzzeitung" hat General Ludendorff gegenüber Ausführungen Scheidemanns in der Glocke* behauptet, daß er nach der Revolution lediglich wegen der Gefährdung derjenigen Persön­lichkeiten, die ihm damals Aufnahme gewährt hätten, nach Schweden gegangen fei. Er habe Hauptmann Lömker zu dem damaligen Minister Scheuch ge­sandt, damit dieser den Volksbeauftragten Ebert um Schutz für ihn, Ludendorff, und diejenigen ersuche, die ihn aufnahmen. Falls Ebert nicht in der Lage sei, diesen Schutz sicher zu stelle«, habe er um einen Auslandspaß ersuchen lassen. Dieser Paß fei ihm dann durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes zugestellt worden.

DerVorwärts" erklärt demgegenüber, daß an^ der Behauptung Ludendorffs, er habe durch Eberts Vermittlung einen Paß vom auswärtigen Amt er** halten, kein wahres Wort fei. Ludendorff fei in Wirklichkeit mit einem ausländischen Paß, unter ausländischem Namen und mit blauer Brille geflohen. Wenn man nicht glauben wolle, daß Ludendorff willkürllch mit der Wahrheit umspringe, fo bleibe nur die Annahme übrig, er habe sich damals in einem solchen Seelen- zustand befunden, daß er selber nicht mehr roiffe, rote er eigentlich Schwedens rettendes Ufer erreicht habe.

Aus dem besetzten Gebiet.

* Sämtliche Parteien des Rheinlandes faßten in K ö. nigsrointer eine Entschließung, in der sie ange­sichts des Genfer Fehlspruches ihre warnende Stimme erheben und die Dercmtwortung für das kommende Un. heil dem Völkerbund zuschieben. Den Brüdern in Oberschlesien wird versichert, daß man in alter deutscher Treue unverbrüchlich zu ihnen stehe» werde, komme was da kommen mag.

Hus -er Zentrumspartei.

.fpd. Hessische Sanötagibanbibafuren. Der Lander- auSschuß Oer hessischen Zentrumspartei hat in semer am Dienstag in Mainz abgehaltenen Sitzung für Die LandtagSwahI die folgenden ersten 14 Kandidaten aufgestellt: Lenhart, Domkapitular-Mainz, Justiz- mmister 6. Brent an o-Darmstadt, Ministerialrat Hebel-Dieburg,Arbeitersekretär Knoll-Mainz,Rechts- anwalt Nuß- Worms, Landwirt Blank« Gaulsheim, Gewerkschaftssekretär F ei der-Mainz, FranH a 11 e m er- Darmstadt, Weinhändler Sch er r-Bingen, Fabrikant Hofmann»SeIigenftabt, Landwirt Wagne r-KIein- Breitenbach, RechnungSrat Herbert-Darmstadt, Semi- narlehrer Hofmann.Alzey, Rechtsanwalt BockinS- Mainz.

, A fjeifigenffabf. Am Sonntag wurde in Heiligenstadt ein Schulungskursus fur den Kreis Hei­lig en st a d t abgehalten, der von den Vertrauensleuten des Streifes überaus gut besucht war. Das Schwer­gewicht des Kursus wurde auf die Aussprache gelegt. Für die Referate war nur eine halbe Stunde Redezeit fest, gesetzt. Am Vormittag sprach Studienpräfekt Thöne über das Verhältnis des Christentums zur Politik, zum Staatsleben und zum Lölkerleben. Rsichstagsabgeord- neter Propst Poppe behandelte unsere polittsche Sage. 3n der Beurteilung der oberschlesischen Frage warnte er vor einer gefühlsmäßigen Politik. Studienassessor Pradel bewies die Notwendigkeit der Zentrums- Politik in der ®emeinbe. Mit ihr fiele die Bin. düng von Standesrücksichten: der Egoismus bestimmter Interessengruppen würde beseitigt; die Materie würde oorberaten und die freudige Mitarbeit am kommunalen Leben sei die Folge; das auf veffchiedenen Schultern Tragen würde verschwinden, stärkere soziale Fürsorge und Wohlfahrtspflege und beffere Schulverhältnisse wür. den praktische Ergebnisie einer zielbewußten kommuna­len Zentrumspolitik sein. All, Vorträge wurde» mU großem Beifall ausgenommen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 22. Ott. Wie die Rote Fahne mitteih, wird in der nächsten Zeit in Berlin eine Filiale der Russischen Staatsbank eröffnet werden.

* fiomtnnnifü« als Amksvorstcher. Der Oberprä- sident der Promnz Sachsen erließ baß) nach dem letzten kommumstischen Putsch eine Derordnung, nach der all« Anttsvoffteher, die sich offen zur kommurnsttschen Par- tei bekennen, auf dem Drfziplinarwege ihres Amtes zu entsetzen sind. Unter dm enthobenen Anttsvor- stehern befand sich auch Bürgermeister Heinrich Ms« m Helbra (MansftLer Seekreis). Der dortige Kreis- ousfchuß erkannte trie Amtsrnfetzung an. Fleer focht, dieses Urteil beim Oberverwaltungsgericht an. Nach eingehender Dechcmdlung wurde der Ettffcheid des Kreisausfchusses des Marisfelder Sevkreifts aufg«. hoben.

Ausland.

* 3n der französischen Kammer hielt B r i a n d eine Verteidigungsrede gegen die Angriffe der fran­zösischen Chauvinisten. Er sagte u. a.: Zweifellos bleibe Deutschland immer eine Nation von 70 Millionen Menschen und eine beständig« G e fahr. Gewiß könne es die zerstörten Kanonen wieder fabrizieren, aber man könne der franzö­sischen Regierung nicht den Vorwurf machen, daß sie noch nicht die Kanonen von morgen zerstört habe. Man könne von ihr verlangen, daß sie die Wachsamkeit und Kontrolle verlängere, lieber die Aburteilung der Kr iegs b eschuld ig» ten sagte Briand, Frankreich sei bereit, sie in contumaciam abzuurteilen. Die juristische Kammerkommiffion zur Prüfung der Frage sei noch zu keiner Entscheidung gelangt. In der oberschlesischen Frage sei man jetzt zu einem Ergebnis gekommen. Essen werde von den französischen Kanonen bedroht; das Arsenal von Oberschlesien könne Deutschland nicht mehr dienstbar gemacht werden