JE 242.
Donnerstag, 20. Oktober 1921.
- Fuldaer Zeitung
Druck der Fuldaer Nctieudrrrckerei i« Fulbs
der deutsche als llrdeitsmenjch.
Uns Deutschen steht viel mehr die ruhige Gesetzt, heit, de: Ernst des Wesens zu Gesichte als die spielende Oberflächlichkeit. Die Natur unseres Bidens, die uns mchr Rcagen als Weizen, mehr Kartoffeln als Feigen gibt, der armiere kältere Himmel mit seinen sturm- geperrschren Wolken, die natürliche Armut unseres Landes an Gold und Silber, das natürliche Bedürfnis nach schwerer Kost, alles weist uns darauf hm, daß wir nicht dazu geschaffen sind, mit dem Leben zu spielen, sondern das Leben als ernste Arbeit anFuschen und auszufassen. ,
Der Deutsche ist immer em Arbeitsmensch gewesen. Er hat cs immer mit der Arbest bitter ernst genommen. Wir sehen eine größere Wohltat darin, den Menschen arbeitsfähig und arbeitstüchtig zu machen, als darin, ihm Almosen zu spenden. „Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen." Darum ist bei uns das Bettlerfein viel beschämender, das Tagediebfein mol entehrender als draußen. Darum ist uns auch die geistige Arbeit immer harte Anstrengung gewesen. Wir haben uns hrnernMbvhrt in die Geheimnisse von Natur und Leben, mit Mtchsal und Entbehrung, mit Hingabe an unscren Gegenstand. Dir zufällige neue Entdeckung oder Erfindung hat sich bei uns in ernfte Forscherarbeit umgesetzt. In Eisenindustrie, Maschinen, Instrumenten, chemischen Erzeugnissen waren wir dem Auslände überlegen. In Toibrlteartikeln und Moden das Ausland uns.
, In der Philosophie herrscht ebenfalls Arbeitsgeist. Wir haben uns gequält um die Welt- und Lebensfragen. Unsere Philosophen haben gesucht, in das Geheimnis der Welt- und Lebenszufammenhänge ein« zudringen. Ihre Arbeit lief immer wieder darauf hinaus, die Pflicht, deren Bewußtsein im Deutschen so stark ist, das große, „Du sollst" als in der Men- scheämatur tief verankert, nicht bloß als Gottesgebot, sondern muh ■atz ®oties|c)ite zu begründen. Den deutschen Pflichtbegriff können die Ausländer meist am allerwenigsten fassen. Daß das Leben den Zweck haben soll, nicht zu genießen, nicht, uns glücklich zu machen, sondern im Dienste der Pflicht zu stehen, ist ihnen rätselhaft. Hinter solch ernster, ihnen finster erscheinenden Lebensauffassung wittem die einen die alten Germanengötter, die artberen dm Militarismus.
Die seelische und leibliche Ueberspannung von Heer- und Heimatvolk während vier Kriegsjahre halle Erschlaffung, Arbeitsunlust, wilde Selbstzucht, Mangel an Pflicht- und Verantwortungsgefühl weithin wie in einem Fieber über uns kommen lassen. Was wir davon um uns noch erblicken, das zeigt das entstellte Gesicht eines Deutschen. Lassen wir dm echten deutschen Pflicht- und Arbettsgeift unter uns wieder herrschen. Er hat uns in Vergangenheit immer wieder emporgebracht, allen Gewalten zum Trotz.
Gewiß hat bei uns das Christentum, das Gold der christlichen Wahrheit und Gnade in der deutschen Seele seine eigenartige Prägung erhalten. Beim einen Volk ist es eine Verklärung der weltflüchtigen Seelenstimmung, beim anderen eine Verklärung des Lebrnsspiels, beim dritten eine Religion des Kampfes geworden, die nicht selten der Beftiedigung eitler Rechthaberei dienstbar gemacht werden soll. Uns Deutschen ist es vor allem Pflichtreligion. Wir haben seine ernste, tragische Seite tief erfaßt, fühlen uns wesensverwandt Christo, dem Manne der Arbeit, dem Manne des freudigen Opfers, dem Manne der unerschütterlichen Pflichterfüllung bis zum Tode. Uns tritt in Christus das nnmschgewor- dene Ideal der Pflicht, in seinem Erlösung«opfer die freudige Lebenshingabe an die Erlösungsaufgabe entgegen. Wir suchen deshalb auch im Christentum weniger Trost für ander- Freuden als Kraft, und zwar Kraft zur Erfüllung der Aufgaben, die Gott uns gegeben hat. So sehen wir auch in der Gottes- und Nächstenliebe, die das Hauptgebot des Christentums ist, weniger eine Sache süßlichen Schwärmens als vielmehr tiefer Gesinnung und Tat.
Wir sind das Volk der Schule. Wllllen wir im Arbeitsleben voran, so müssen die tiefen Anlagen der deutschen Seele möglichst allseitig geweckt werden. Der Mensch muß ein seelisches Verhältnis zu seiner Arbeit finden. Der Deutsche will nicht arbeiten wie das Tier, das nicht weiß, was seine Arbeit bedeutet; nicht wie eine Maschine, die im selben Takt dieselbe mechanische Teilarbeit tut Der Deutsche will als lebendiges mttschafst-ndes Glied des Arbettsorga- nismus sich fühlen, als lebendiges Glied des Arbeitsvolkes. Er verlangt deshalb muh Schulung, um an feiner Arbeit itmern, seelischen Anteil nehmen zu können.
Zur Zeit unserer staatlichen Ohnmacht sind wir das V 0 l k d e r Träumer gewesen. Die deutsche Sehnsucht, die in der armen, zerrissenen Wirklichkeit so gar wenig Raum zu kraftvoller Betätigung fand, hatie sich ins Land der Musik, des Märchens, der Sage, der Kunst geflüchtet. Träumte von der großen
Die Iagd nach dem Glücke.
Erzählung von F r i tz Ritzel.
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Einen Augenblick hob Hedwig verwundert den Kopf. Besatz denn dieser Monn die Fähigkell des Gedankenlesens? Die geheimsten Regungen ihres Seelenlebens rl er mit klaren Worten blotz — die Regungen, th sich ienem Tage bei ihr eingeschlichen hatten, ms ber Gewittersturm das laubüberwachsene Gitter von Trennungsmauer gerissen und ein ideal schöner •junghngstopf über der Mauer erschien und freundlich nut einem so seltsamen, ihr ganzes Empfinden durchschauernden Blick herübernickte. War es da nicht als lodere plötzlich eine jähe Flamme in ihrem Herzen em-
ClIl5 "^zehrte, was bis zu jener Stunde darin gelebt, nur bas unsagbare Gefühl der Wehmut nicht, das sie bei dem Gedanken erfaßte, von Wilhelm Friedwald ftrr immer zu scheiden? Mit einem kühlen Reigen des Hauptes hatte sie damals den Gruß des Nachbarsohnes Z h^be Begierde war es über sw gekommen Worte mit dem bildschönen jungen Mann ?u wechseln, zu erproben, ob Max Hohenfels denn wirklich so unwiderstehlich sei wie er neulich im f7JfV^JrTtb‘nnen geschildert wurde. Und sie hatte Antwort auf ftme, mit einer gewissen Schüchiern- heit vorgebrachten «ragen gegeben, hatte sich auf ein gleichgültiges Gespräch nut ihm eingelassen und war von jenem, Tage an dem unwiderstehlichen inneren Zwange verfallen gewesen, nnmer wieder die Gelegen- hett zu suchen chm, der ihr als der Inbegriff edelster Männlichkeit erschien, zu begegnen, trotzdem eine mahnende Stimme in ihrem Inneren sie jmrütfvaba'ten suchte. Die Schüchternheit, die Max Hohenfels ihr btt dem ersten Begegnen gezeigt hatte, war bei späteren Zusammenkünften einer naiven Bertraulichkeit gewichen die ganz geeignet war, jedes Bedenken des jungen Mädchens, daß der Verkehr nicht schicklich sei, einzulullen U-ch als dann allmählich zwischen den harmlosen
Vergangenheit und der goldenen Zukunft. Aber hinter solchen Träumen barg sich doch die Sehnsucht, die mit dieser Wirklichkellswelt nicht zufrieden war; barg sich Kraft, di- sich nach Befreiung, nach großen Zielen schule; die darauf wartete, daß ihr solche Ziele ge- gcben würden. Es war nicht der weüschmerzliche Traum eines greisenhaften, sondern der tatendurstige Traum eines jugsendftischen Volkes. Der Deutsche hielt mit der größten Zähigkeit an jener Idealwelt fest, die sich über all der Unvollkommenheit des Irdischen erhä>t: an der Wett des Wahren, Guten, Schonen. Und aus dem Traum strömte ihm eine gewaltig- Tatkraft in die Seele, das Ideal aerwirk- iichen zu wollen. Mit welcher Zähigkeit hat bas 19. Jahrhundert art der Reichsidee festgchattenl Wie viele Opfer hat das deutsche Volk gebracht, bis sie endlich verwirklicht war! Der deutsche Geist hat daraus den mächtigen Ansporn empfangen, dem neuen Leben RiAhmmg zu tragen, staatliche Sozialpolitik und Selbschllfebestrebungen sind die Früchte dieses idea- llstischen Zuges des deutschen Geistes. S. K,
Das Schicksal der Gnadengesuche.
Dem Reichstag ist die durch seine Entschließung vom 26. Februar gewünschte Statistik über das Ergebnis der Prüfung von Gnadengesuchen, wofür die Zuständigkeit des Reiches gegeben ist, nunmehr zugegangen.
Nach einer Zusammenstellung hat der Reichs- präsident im Rechnungsjahr 1920 über insgesamt 6090 Gnadengesuche entschieden. Davon betreffen 4113 Fälle Urteile militärischer Gerichte, 1977 Urteile ziviler Gerichte, des Reichsgerchts und außerordentlicher Gerichte. Von ersteren wurden in 2526 Fällen GnadeNerwÄs (Straferlaß, bedingter Straferlaß, Kürzung ter Strafdauer, Umwandlung in müdere Strafarten, Wegfall von Ncbenftrafen) ausgesprochen. In 1587 Fällen erfolgte die Ablehnung des Gnadengesuchs. Don dm Fällen der bürgerlichen Gerichte betrafen 30 Urteile d>-s Reichsgerichts, davon wurden neun durch Gnadenerweis, 21 durch Ab- lehnuing erletiigt 1947 Gesuche bezogen sich auf Urteile der außerordentlichen Gerichte; in 290 Fällen wurde eine Gnadenerweis abgeletjnt, in 963 ein Gnadenerweis ausgesprochen. 694 Fälle erledigten sich durch das Amnestiegefetz vom 4. August 1920.
Notgemeinschast der deutschen Wissenschaft.
Die deutsche Wissenschaft führt zurzeit einen Da seinskampf. Das Reich hat deshalb im Reichshaushalt 1920 je 20 Millionen Mk., bewilligt. Die deutschen Gelehrten und zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften haben sich zu einer Notgemeinschast der deutschen Wißen, schäft zusammengeschloffen.
Am 11. und 12 Oktober fand in Baden-Baden eine Sitzung des Hauptausschuffes und der Mitglieds- dersammlung statt. An ihr beteiligten sich Staatssekretär Schulz vom Reichsministerium des Innern ferner Vertreter deutscher Hochschulverwaltungen und zahlreiche Gelehrte. Vom Reichstag war der ReichStags- abg. Prof. Dr. Schreiber (Münster) als Referent für den Haushalt des Reichsministeriums des Innern erschienen. Vom Buchhändler »Börsenverein beteiligte sich Geheimrat Sigismund an den Verhandlungen, eben, so war Prof. Schenk (Münster) als Vorsitzender des Verbands deutscher Hochschulen anwesend.
Der Präsident der Notgemeinschaft, Staatsminister Dr, Schmitt-Otto leitete die Verhandlungen, die einen bemerkenswerten Einblick in die erst arkte Or- ganisatronstätigkeit der Notgemeinschaft gewährten. Was das Ausland betrifft, hat es manche dankenswerte Beihilfe für die Not der deutschen Wissenschaft gewährt. Aber zahlreiche Hoffnungen sind auch enttäuscht worden. Angenommen wurde eine Entschließung des Abg. Prof. Dr. Schreiber, die Reichsregierung zu ersuchen, im Interesse der deutschen Geistes- lebens und der deutschen Kultur die Valutazuschläge für das deutsche Buch zu belassen und dem Gedanken einer Erhöhung näherzutreten.
Die wissenschaftliche Herbsttagung in Baden-Baden hat ein wertvolles Stück deutscher Kulturarbeit geleistet.
Hus der katholischen Welt.
Köln Der Heilige Vater ernannte den Domkapitular C. Cohen in Köln anläßlich seines siebzigsten Geburtstages zum Hausprälaten.
* Der voktor-Tttel bei den Geistlichen der Diözese Bonenburg ist so häufig, daß jeder zwölfte Geistliche sich „Dr." schreiben kann: 94 erwarben sich den Doktor, 12 davon doktorierten sogar zweifach. ES gibt unter ihnen 70 Doktoren der Philosophre, 10 der Theologie nebst einem Lizentiaten der Theologie, 9 der Theologie und Philosophie, einen Doktor deS kanonischen Rechts, einen Dokwr beider Rechte, zwei Doktoren der Natur- Wissenschaften, und sogar einen Doktor im Ingenieur- sach.
Scherzreden der jungen Leute ein heißes Begehren sei. tens des in Eroberung van Frauenherzen bewanderten jungen Lebemannes herausklang, da war es für bie unerfahrene Jungfrau zu spät gewesen, die in ihrem Herzen emporlodernde Flamme zu ersücken. Vergeblich suchte sie sich in schlaflosen Nächten auf sich selbst und auf ihre Pflicht gegen den Verlobten zu besinnen, ver. geblich klammerte sie sich in Gedanken an die Gestalt Wilhelm Friedwalds und suchte das Gefühl innerer Befriedigung wie ehedem wieder über sich Herr werden zu lassen — das unheimliche Begehren, das sie zu dem schönen Sohn des Nachbarhauses zog war zu mächtig und bebend hatte sich an einem der letzten Abende das Geständnis ihrer Gegenliebe von ihren Lippen gerungen. Mit Blitzesschnelle zog diese Gedankenfolge durch des schönen Mädchens Sinn, als seitens des Bräuttgams jetzt die offene Frage an sie gerichtet wurde. Zu lügen vermochte Hedwig Hochfeld nicht und unsäglich niedrig und oerächllich wäre es ihr erschienen, den braven Mann, der ihr Bräutigam hieß, mit Beschönigung des. fen, was vorgegangen, zu beruhigen und hinzuhalten — offen wollte sie seine Frage bantroorten und ihn bitten, sie freizugeben, wenn es auch bei diesem letzten Gedanken wie ein schneidendes Weh ihr Inneres durchzuckte. Aber es mußte sein, wenn sie nur einen Funken von Achtung vor sich selbst bewahren wollte.
Ein paar schwere Tropfen lösten sich non ihren Wimpern und mit abgewendetem Gesicht hauchte sie leise: „Ich bin Deiner unwert, Wilhelm — vergib mir! Ich glaubte, daß mein Gefühl für Dich die reine Her. zensneigung sei — es war ein Irrtum! Nur warme Freundschaft ist es gewesen, herzliches Wohlwollen —
Sie unterbrach sich, als sie einen Blick auf das lei» chenhaft blaß gewordene Gesicht des Verlobten warf und fuhr, mit beiden Händen das Gesicht verhüllend, Muchzend fort: „Ich bin ffo schlecht, Wilhelm, so schlce'tt — ich muß Mich ja selbst verabscheuen! Und ich roe'i daß Du mir niemals verzeihen kannst — aber ich kann nicht anders! Ich kann nicht mit einer Lüge im Hirzen Dir ins Aug, sehen, kann nicht mein Herz
b Der Reichsverband für die katholischen Ausländsdeutschen erläßt folgenden Auftuf: „Diele Millionen deutscher Katholiken befinden sich heute außerhalb der Landesgrenzen, oft weitab vom Vaterlande, viele wollen noch hinaus. Keiner denkt an sie, sorgt für sie, wenn nicht wir, chre deutschen Glaubensbrüder in der Heimat. Nicht so sehr mit materieller Hilfe können wir ihnen beistehen, da unsere Armut uns das versagt; aber wir wollen ihnen die Hand reichen zur Wahrung ihrer Religion und ihres Volkstums. Denn nach alter Erfahrung ist beides untrennbar vereinigt: Die Ueberliefe- rung der Vätersitte und des Däterglaubens. Bieten wir ihnen nicht rege Verbindung mit dem katholischen Heimatboden, so suchen sie sich draußen ihren Anschluß und gehen dem Glauben und dem Volkstum verloren. Unersetzlich sind die übergroßen Verluste, die in der Vergangenheit durch unsere Kurzsichtigkeit hervorgeru- fen wurden. Dabei sind sie nicht nur Empfangende sondern auch vor allem Gebende! Sie leisten uns die größten Dienste: als Ausländsdeutsche verschaffen sie dem isolierten, abgeschnürten Vaterlande neuen Zudntt zur großen Weltgemeinschaft; als Kacholiken verbreiten sie den Geist wahrer Gerechtigkett und wahren Bölkerfrie- bens. Unter dem Schutze der Kirchs wird jedem Volke das Seine und allem Alles. Suum cuique und omnia ontnibus gehört echt deutsch und katholisch zusammen- Kein Weitblickender wird die außerordenttiche Bedeutung der Pflege unseres katholischen Auslandsdeutsch, tums verkennen. Zu gemeinsamer Arbeit an demselben haben sich darum im Jahre 1918 die großen katholischen Auslandsorganisationen der Heimat zusammenge- schlossen zu dem „Reichsverband für die katholischen Ausländsdeutschen E. E. W. 40 Vereine und Ordensgesellschaften gehören ihm an. Vieles ist erreicht, mehr ist noch zu tun. Ihm liegt es ob. in der Heimat die Arbeit am katholischen AuslandÄ>eutschtum anzuregen, zu organisieren und zu ergänzen, sowie einheitlich und wirksam zu vertreten; im Auslands Verbindungen zu schaffen, zu sorgen für katholische Seelsorge, Schule, Vereine und Presse. Der Reichsverband unter dem Vorsitze der Unterzeichneten ist in steter Fühlung mit dem Hochwürdigsten deutschen Episkopat, durch dessen Jni. tiatiue er ins Leben gerufen wurde. Seine Geschäfts, stelle befindet sich, seinen zentralen Aufgaben entfpre. chend in der Reichshaupfftadt. — Jeder deutsche Katholik. dessen Blick über die engen Grenzen der drücken, den Gegenwart und des oerftümmelten Vaterlandes Hanaus den Zusammenhang für bas Weltganze noch nicht verloren hat, freut sich, in reger Mitarbeit an den großen Zielen bes Reichsverbanbes fein Herz weiten unb für eine bessere Zukunft wirken zu können, zum besten des Vaterlandes und der Regierungen. Mitarbeit leistet, wer seine Sachkenntnisse, Erfahrungen und Der- binbungen in ben Dienst der großen Sache stellt. Jede Adresse solcher Persönlichkeiten ist uns von Wert. Mit- arbest geschieht ferner durch Geldbeiträge. Einzelpersonen zahlen als „Freunde^ jährlich von 25 Mk. an; als „Förderer" jährlich von 100 Mk. an; als „Stifter" einmalig von 2000 Mk. an. Körperchaften zahlen nach näherer Uebereintunft. Auch jede sonstige Zuwendung wird mit Dank angenommen. Heber die Zulassung zur Mitgliedschaft entscheidet auf Antrag der Vorstand- Beiträge und Korrespondenzen sind zu richten an die Adresse: „Reichsverband für die katholischen Ausländsdeutschen E. V.", Berlin N. 24, Oranienburgerstr. 13/14. Bankkonto: Deutsche Bank Depositenkasse B, Berlin N. 24. Hackefcher Markt 2/3. Postscheckkonto: Berlin 10 060. Der Vorstand: Alois Fürst zu Löwenstein, Erster Vorsitzender. Florian Klöckner. M. d. R.. Zweiter Vorsitzender. Dr. Sonnenschein. Geschäftsführer. >
Biblische volksspiele in Münnerstadt.
Die bUffchon Spiele Selb. Wiesers haben auch m Nord- boyem verständnisvolle Aufnahme und liebevolle Pflege gefunden. Im verflossenen Jahre wurde in Münnerstadt von ben Klosterzögkngsn der Augustiner „Paradies und Brudermord" aufgsMrt. Die Bevölkerung der näheren und wetteren Umgebung nahm daran einen fo lebhaften Anteil, daß es siebzehnmal gegeben werden mußte. Dieses rege Interesse des Volkes beweist, daß die bÄ Spiele wirkliche .Volksspiele sind. Ihre Wirkung beruh: auf dem Gemeinschaftsgefühle: Spieler und Zuschauer find von ihrem Stoff tiefglöubig überzeugt und fichlen sich seelenverwandt und eins in ihrem Denken und Wollen. Bei den Mmmsostädter Spielen war dies in idealer Weise erreicht. Publikum und Darsteller bildeten eine einzig große Seekengvmcknschaft. Die Zuschauer Haden in gewissem Sinne mitgespiÄt, die Spieler waren von ihrem Äoff so durchdrungen und ergriffen, daß bie Darstellung nicht mehr Theater im gewöhnlichen Sinne war, sondern den Charakter eines religiösen Weihefestspieles trug. Manche Geistliche habm den hohen sittlich-religiösen Wer! dieser Aufführung erfarnrnt und durch Erklärung des Stückes von der Kanzel den Besuch vorbereitet.
Zurzeit wird das schon angekundigte bibl. Spiel „Elia s" auf geführt. Es behandelt den bekannten bitt. Stoff, der den Kampf des Propheten Elias, des unerschrockenen Vorkämpfers und Verteidigers des reinen Gottesglaubens, gegen die BaalsosrShrung in der Residenz des Königs Achüb und der Königin Iezahel schildert. Je- zabel ist im Stücke auch die treibende Kraft, der schwache, weichliche König ist nur ein willenloses Werkzeug in ihrer Hand. Mit List und Gewalt sucht sie den Götzen Baal an die Stelle Jehovas zu fetzen. Der alte gottesfürchtige Naboth und die VerWndiger des Gottes Israels werden ihr Opfer, nur Elias, über den Gott sichtbar feine zwingen, Dir anzugehören — mag es noch so ruchlos unb cerbammensroert von mir fein, mögen alle Eltern Bruder inb Du sich von mir empört abroenben — ich bitte Dich: gib mich frei!"
Langsam war Wilhelm Friedwald einen Schritt näher getreten, hatte die Hände von dem Gesicht des sich wie verzweifelnd gebärdenden Mädchens gezogen und sagte jetzt mtt tonloser Stimme:
„So weit tft es gekommen, Hedwig? Du liebst einen anbern? Was mir unglaublich schien, ist die reine, entsetzliche Wahrheit?"
Wie schulbbewußt senkte Hedwig bas Köpfchen und vermochte es nicht, in die auf sie gerichteten ernsten Augen zu schauen.
„Und hast Du wohl bedacht, wohin Deine Neigung zu jenem Anderen führen soll, der wie ein Dieb in der Nacht gekommen ist unb mir mein Kleinod gestohlen hat? Sein blendendes Aeußere, seine gesellschaftliche Stellung haben Deine Sinne verwirrt, haben Dich in einen Taumel versetzt, aus dem Du eines Tages mit Schrecken erwachst! Eines vorübergehenden Rausches wegen wirfst Du Dein ganzes Lebensglück hin? Besinne Dich, Hedwig!"
Mit einer heftigen Gebärde machte das Mädchen seine Hände tos und unwillig stieß es hervor:
„Du kennst ihn? Du weißt, wer es ist? Dann muht Du auch wissen, daß er es nicht verdient, mit einem Dieb verglichen zu werden! Sein offener wahrhaft vornehmer Charakter läßt eine solche Deutung nicht zu! Nenne es Zufall, nenne es Schicksalsfügung — erst bei ihm ist es mir klar geworben, was es heißt, jemand lieb haben, so lieb zu haben, daß man alles andere dafür hergibt! Und wenn ich mir auch hundert Mal selbst sagte: es ist ein Unrecht, was Du tust, ein Unrecht an Deinem Verlobten — mit Gewalt ist es über mich gekommen, daß ich nicht mehr von ihm lassen kann und wenn es mein Unglück ist!"
Wie ein entfesselter Strom waren diese Worte von ben Lippen Hedwigs geflossen. Hochausgerichtet, mit stammender Röte auf dem schönen Gesichte, stand sie
Hand hält, vermag sie nicht zu schaden. Er wird sing» kerkert, aber vom Volke, das feine Wunder geschaut uni die Heimtücke der Königin erkannt, befreit und erhöht. Der König fällt im Kampfe und Iezabel wird von bd Stadtmauer gestürzt. Clios erscheint am Schluß, besonders in feiner Himmelfahrt, als Vorbild Christi.
In buntfarbigen attbibisschtti Widern erstehen bie Er> eigniffe jener wechsetvollen Zeit vor unsevm Auge. Mr sehen die Heldengestatt des Gottesmamres Elios, die kauf- sichen, wankelmütigen Israeliten, die tiefgebeugte Rachel mit ihren muntern Kindern, den greifen Naboth, der seinen Weinberg nicht oerfaufen will unb deshalb gesteinigt wirt), die weh-heiße Tränen vergießenden Klageweiber, wir sind Zeugen des Opfers auf dem Berge Karmel unb der Wiedererweckung bes Kindes der Witwe von Sarepta. Im Vordergründe des Interesses aber steht der Kampf zwischen Elios und Iezabsl. Im Grunde genommen ist es der Kampf zwischen Gott und Teufel. Elias und Iezabel find die Repräsentanten dieser beiden Mächte. Durch diesen Grundgedanken, der durch die direkte Einführung des Teufels noch gestärkt wird, erhebt sich das Spiel übet den historischen Rohmen hinaus und erfjält typische Bedeutung.
Die ersten Aufführungen nahmen einen sehr günstigen Verlauf. Die schärf herausgeorbeiteten Einzelfiguren, die eine hohe scha fpietomiische Leistung darstellten, gaben in Verbindung mit dm lebendigen, von feinem Rhythmus getragenen Dolksszenen ein innerlich geschlossenes Ganze, do, von reffster künstlerischer und ethischer Wirkung war.
Die Aufführungen finden in der Aula des Gymnasiums statt an allen Sonntagen unb Mittwochen vom 9. Oft. bis 13. November. Wegen großen Andranges ist eine Vorherbestellnng, zumal bei größeren Gruppen, ratsam, Adresse: Klosterseminar Münnerstadt (11fr.).
Hu$ dem besetzten Gebiet.
H • Der Ausverkauf des Saargebietes Hot in der letzte» Woche wieder ganz bedeutend zugenommen. Seit eint« gen Wochen ist das Saaryebtet und besonders Saarbrücken von Fremden förmlich überschwemmt, die mit ihren kaufkräftigen Zahlungsmitteln die Preise auf eine ungerechtfertigte Höhe hinauftreiben.
• Protest der Lehrerschaft des besetzten Gebietes. I« einer Vertreterversammlung des hessischen Lehrervereins wurde erklärt, daß die gesamte Lehrerschaft des besetzten Gebietes durchaus deutsch sei und den Loslösung?, beftrebungen aus dem Deutschen Reichsverband allen nur möglichen Widerstand entgegensetzen wird. Es wurde heftig gegen eine etwaig beabsichtigte Loslösung Rheinhessens zugunsten einer Rheinischen Republik protestiert.
Sur dem Rachbargebiet.
--- Hilders. Herr Bürgermeister Seifert hat sich während des ganzen Krieges und auch gerade jetzt während der steigenden Teuerung große Verdienste um die hiesige Gemeinde erworben. So verstand er es auch dieses Jahr wieder, dahin zu wirken, daß sämtlichen Versorgungsberechtigten, die ihr Brot selbst verbacken wollen, anstatt der Brotkarten, die ihnen dafür zustehende Menge Roggen durch Ausschaltung des Zwischenhandels zu einem ermäßigten Preise abgegeben wurde. Möge doch manche andere Gemeinde dieses nachahmen. Mit Einsetzung seiner ganzen Kraft arbeitet Herr Seifert unermüdlich für das Wohl der Gemeinde, deren Wunsch nur dahin geht, ihn noch recht lange auf feinem verantwortungsvollen Posten zu sehen. Der Dank der ganzen Gemeinde, ganz besonders aber der armen Bevölkerung, ist ihm sicher.
fvd. Frankfurt a. M. Am hellen Tage kletterten Diebe in eine Herrschaftswohnung des Westends und stahlen aus ihr alle in wenigen Minuten erreichbaren Wäschestücke und Kleider im Werte von mehr als 50,000 Mark. — Ein Goldwarengeschäft in der Weißfrauenstraße wurde von Einbrechern heimgesucht, die für eine bedeutende Summe Gold- und Silberwaren stahlen. — Aus einem Wohn«« wagen auf den Häuser Wiesen stahlen Langfinger Kleider im Werte von nahezu 10,000 Mark.
mc. Frankfurt a. M. Vor einer katholischen Kirche wurden am vergangenen Sonntag Flugblätter verteilt, die zu einer D ante feier einluden. Ein altes Mütterchen nimmt ebenfalls einen Zettel und fragt dann eifrigst:„Kimmt derDante selbst?"
)( Biebrich. In den Lagerräumen der bekannten Chemischen Fabrik von Kall brach ein Großfeuer aus. Die Entstehungsursache ist noch unbekannt; der Schaden ist ziemlich bedeutend.
(fpd) Wiesbaden. Daß es auch noch schwer reiche Vereine gib, davon legt der Vierciri Nassauischer Land- unb Forstwirte beredt ZNrgnis ab. Die Einnahmen des Dercins betrugen im letzten Jahr 529 820 <Al, nach namhaften Ausgaben verblieb ihm ein Ueberschuß von 95 592 <M. Das verzirwbar angelegte Vermögen des Vereins belief sich bei Schluß des Geschäftsichres auf 885 200 JUL. AuherdlM ha! der Verein Grundbesitz im allgemeinen begw. An- fchafftmgsioert von 1 864 000 Jl.
dem ernsten Mahner gegenüber, als gelte es die Der. täbigung ihrer höchsten Rechte, doch wie ein jähes Feuer zu Asche, sasank ihre Aufwallung zusammen als sie dem todestraurigen BNck begegnete, welchen der junge Mann auf sie geheftet hielt. Eine peinliche Pause ent- stand. Stumm standen sich die beiden Menschen gegenüber, die noch vor wenigen Wochen des festen Glaubens gewesen waren, daß sie zu einander gehörten und zwi. schen denen jetzt ein unglückseliges Verhängnis die Scheidewand gezogen. Die Blätter der hohen Ulmen flüsterten leise im Abendwinde, als wollten sie das blühende Menschenkind dort unten mahnen, aus feinen berückenden Träumen zu erwachen und es nicht zum entscheidenden Trennungswort kommen zu lassen — wie wehmütiges Klagen klang das Flöten der Nachtigall aus den Büschen und langsam schwand der von der Felswand rückstrahlende rosige Schimmer vor den aus der Tiefe kriechenden abendlichen Schatten.
„Was habe ich Dir vorhin gesagt, Hedwig?" begann jetzt Wilhelm Friedwald und man hörte es ihm an, wie er bemüht war, seiner Stimme Festigkeit zu geben. „Zugeschworen habe ich mir, daß mein ganzes Dichten unb Trachten darauf gerichtet fein sollte. Dich glücklich zu machen. Du glaubst das Glück an der Seite jenes anderen zu finden, vor dem ich Dich warnte — warnte, weil meiner heiligsten Ueberzeugung nach, dies er. träumte Glück ein Truggebilde ist. Mir, der ich Rechte auf Dich habe, steht es nicht an. Deinen Glauben man. kend zu machen, denn jedes meiner abmahnenden Worte müßte Dir als Ausfluß der Eifersucht auf dem begün- ftigten Nebenbuhler erscheinen. Und vielleicht — ich will es auf das Innigste hoffen und wünschen — ist der Irrtum auf meiner Seite; vielleicht kommt alles anders, wie ich es befürchtete — vielleicht wirft Du glücklich! Deswegen gebe ich Dich frei — leb wohl!"
Ünd leicht, wie segnend das gesenkte Haupt des Mäd. chens mit der Rechten berührend, verließ der blond, bärtige Mann die Laube und ging mit festen Schritte» dem Ausgang des Gartens zu.
ßtatfefoung folg**