Nr. 242.
Serantwortltd) für den «oautoneUen letl: Dr. I. Kramer, 5 für Me Anzeqen: I. Parzetter-Futda. - Rotationsdruck u. Vertag der Fuldaer Actiendruckeret in Fulda, flernlprecher Nr. ». Telegr.-Adressr: Fu Idaer Zeitung.
Donnerstag,
20. Oktober 1921.
Bezugspreis: Monatlich 5.0J Mk. zugestellt frei ins Haus- ~ Abgeholt in der Geschäftsftlle 4,60 Alk. $ Anzeigen: Colonelzrile 70 Pfg.; für mehrfoaltige Anzeigen Zuschläge. Rrklamezeile (lertbreile) 2.50 Zllt.
48. Zahrg.
Ile fmzHWn M^olitiier.
vie Senfer Entscheidung.
An amtlicher Stells in Berlin li
Ä L"' b" Ob" O&KÄ
Der Aeltestenrat deS ReichStaaeS wird am Donnerstag vormittag zusammentreten Die Dritglieder des RetchstageS fallen Tonneritaa Freitag und SamStag versammelt bleiben um ieder^ ,-'t tagen zu können. Ist b.S zum Ende der Woche noch keine Mitteilung seitens der Entente eifolat Fann wird der Aeltestenrat erneut zusammentreten' um sich schlüffia lix werden ob und wann eine
Die radikalen Franzosen gegen Deutschland.
Am Dienstag wurde die Herbstsession der fnnyösi- fchen Kammer eröffnet Gleich am ersten Tage setzte jter von den treiben radikalen Richtungen, hinter denen Clemenccau urchPoincare stehen, lange vorbereitete uni) angekündigte Angriffe gegen Br Land ein. Auf ter Tagesordnung standen die eingebrachtsn Interpellationen über die im:re und äußere Politik. Einer der Interpellanten nach dem andren trat auf, und der nachfolgende ritt eine immer schärfere Attacke gegen die Regierung als der Borredner» aber Brümd und Äs sein Sekundant Loucheur ■Hieben dm Angreifern unter Tardieus und Dautets Führung die Antwort nicht schuldig.
Grund-Tendenz aller Angriffe war: Briand 4eht mit Deutschland viel zu glimpflich um, cs muß noch ganz anders angepackt werden. Man kann sich denken, zu-was für wüsten Hetzreden gegen Deutschland sich die Begründungen der Interpellationen bei einer solchen Tentenz auswuchsen. Der erste Jnterpellatirmsredner, der Radikale Mar» (jaine griff die Entscheidung über Olrerschlesiett an, die Deutschland noch viel zu großen industriellen Einfluß in dem Lndustrügebiet lasse. Richtig ins Zeug legte sich dann erst der Royalist Daudet, der gar gefährlich mit dem Sätel rasselte. Die wirtschaftlichen Sanktionen hätten nicht aufgehoben werden dürfen, ■mit den militürischm darf dies nie geschehen. Den Deutschen dürfe man nie trauen. Jetzt sei die Zeit, wo man Deutschland erst richtig die Hand en den Kragen legen müsse. Die deutschen Einnahmen müßten internationalisiert nxr- tat
2n dieselbe Kerbe Hiob d:r Redner des Nationalen Blocks P e y r o u x, der besonders forderte, daß Frankreich sich aus den englischen Fesseln löse. Die Allianz mit England möge zwar wertvoll sein, ■aber man müsse auf sie verzichten, wenn die Bande, die England und Frankreich mit einander verknüpfen, Frankreich erwürgen würden.
Demgegenüber erklärte Briand in seiner Antwort, wenn di>e Kammer eine Politik der Geroaltrnaß» nahmen gegen Deutschland wünsche, die über zu einer Ssocierung Frankreichs von den übrigen Alliierten führen würde, möge sie es klar aussprechen, und alle Konsequenzen daraus zöchen. Er sei entschlossen, nicht nach Washington zu gehen, wenn die Kammer nicht mit großer Mehrheit feiner „Friedenspolitik" (!) ein Vertrauensvotum schenke.
Briand stellte weit« fest, daß Deutschland bis jetzt feine Entschädigungen bezahlt habe, es habe das Ultimatum angenommen uni) durchgeführt. Frankreichs Lage fei durchaus nicht geschwächt. Die Mobilmachung der Jahres klaff.- 1919 hab- Frankreich seine volle Kraft wiedetD>grbett. Die andere Politik könne man immer noch durchführen. Er sei aber der Ansicht daß das zum Unglück führen müsse. —
Arn gestrigen Mittwoch haben sich di; Angrifft gegen Briand wiederholt Abg. Barres sagt, durch die Aufhebung der Zollime am Rhein habe man die Sanktionen Frankveichs gegenüber dem besiegten Deutschland geschwächt. Kankreich könne sich am linken Rheinuf-r nur in Sicherheit fühlen, roettn es wisse, daß zwischen Frankreich und Preußen eine Zone moralischer Entwaffnung bestehe. Die Aus- sührung des Wiesbadener Abkommens muffe garantiert und am Rhein eine Sicherheilszone geschaffen werden. Er habe nur eine Sorge, die Sicherheit und die Rn. parationszahlungen, die man Frankreich schulde, sicher- Fustellen
Briand erinnert an die Bedingungen, unter denen der Steifte Rat die wirtschaftlichen uni) militärischen Sanktionen erlassen habe. Wenn man behaupte, weil dir wirtschaftlichen Sanktionen ausgehoben worden seien, müßten die militärischen nun auch verschwinden, fo sei das eine Diskussionsart, grgyj die er gewappnet fSt.
Abg. Maillard spricht über die oberschlesische Aage. Er wirft Briand vor, daß er die Regelung oKp: Frage als eine solche bezeichnet habe, die nur Ech die (Sorge um Gerechtigkeit erledigt roer- «m kcmne, während Frankreich sich nur von der ? *lö“’Y .seine Sicherheit gegenüber Deutschland harte leiten taffen dürften.
. J0™1"0 antwortet, in der oberschlefischen Frage habe ?^^^^E?ngrkrerschierenh;it unter den Alliierten be-
Mm dürft nicht oergeffen, daß der Fricdens- rktivoertrag fei. Die vom über die Empfehlungen fotm£ er nicht gckm, da sie vertrau- ßlo?be nicht, daß Schwierigkeiten mtSn würSn "9 Empfthlungen mit England babm 1ü* 061 französischen Kammer
“StrS’US' etn klrvßcs Interesse, weil sie ■ ^gen uns in Frank-
f "'nhrren uns, alles tun, ■ i!,^n unter unseren Gegnern, die
' ÄSiSn5 ' b,e Dinge nach ihrem Willen gestatten können.
Sitzung des Reichstages evtl, mit einer anderen Tagesordnung statlfinden soll.
Gegenüber der politischen Erregtheit der vergangenen Woche ist nunmehr eine wesentliche ruhigere Beurteilung der Lage eingetreten. Die Hauptfrage für die inncrpolitifche Entwicklung ist zurzeit die Erweiterung der Koalition, die nach rote vor eine dringende Rotwendigkoit darf teilt. Im Bor- dergrunde ttt nach dieser Richtung zielenüm Bestrebungen stehen naturgemäß die ©teuerfragen. Sie sind der Kernpunkt für das Gelingen ter breiten Mitte. Soweit wir unterrichtet sind, besteht in der Steuerftage begründtte Aussicht, baldigst zu einer Derständigung zu fommpn; diese dürfte umso eher zu erhosftn fein, als feie ElMiiMMg der Koalllion in allen beteiligten Kreisen als die nächste dringliche Aufgabe angcschen werde. B:züglich der küirfligen innen- und außen- polttischerr Fragen dürften ernste Meimmgsverschiefeen- heitM kaum nrehr beft.'hen. Als erste ter Fraktionen hat am Mittwoch nachmittag die Zentrumsfraktion getagt. Sie hat sich in eingehender Weise mit ter Sage befaßt sie wird ihre Besprechungen in den nächsten Tagen fortsetzen.__________
Unbegreiflichkeiten.
Bon parlamentarischer Seite wird uns gefchrtebcri: Cs scheint in ter deutschen Politik zu einer Gewohnheit werten zu sollen, daß jede schwierige außenpolitische Sage unter allen Umständen mit einer Kabinettskrise verbunden sein muß. Gewiß gibt es politische Schwierigkeiten, deren Lösung letzten Endes nicht anders gesund«! weiten kann als durch den Rück» fritt ter politischen Führung, also des Kabinetts. Diese Tatsache sollte aber doch nicht dazu führen, mm einfach ohne weiteres jede politische Schwierigkeit damit lösen zu wollen, daß man den Rücktritt des jeweilig amtierenden Kabinetts zur Voraussetzung macht. Auch jetzt wieder wird im Zusammonhang mit ter Entscheidung über Oberschlesien den Rücktritt des Reichskabinett- in politischen Streifen ernsthaft erörtert. Wir wissen wohl, daß man innerhalb ter Regierungsparteien in dieser Frage nicht einheitlicher Meinung ist daß vielmehr besonders auf Seiten ter Demokraten die Auffassung vorherrscht, daß ter Rücktritt des Gefamt- tabinetts erfolgen muffe. Es will uns schritten, als ob man in diesen Kneifen mancherlei Grünte übersieht, die unter allen Umständen gegen den Rücktritt tes Kabinetts sprechen. Zunächst sollte man sich doch in jenen Kreisen einmal vergcg.'ntoäriiflen, wem sie mit ihrer Haltung Wasser auf die Mühlen leiten. Es war doch vorauszusehe», baf$ die Deutschnationalen, die mit zäher Energie am Sturz fees Kabinetts Wirth feit ftimm Bestehen arbeiten, bei feer Entscheidung über Oberfchlesien erneut unfe mit verstärkter Wucht ihren Angriff gegen das Kabinett Wirth fortfetzen würden. Schon das wäre ein Grund, zu mindesten stutzig zu werden.
Aber es ist merkwürdig, es braucht nur von einer Seite das Wort Rücktritt ausg'sprochm zu weitert sofort wird es aufgegriffen, auch in solchen Kvcison, die den Grund hätten, allem was von ter äußersten Rechten kommt, mit schärfstem Mßtrauen zu begegnm Run fragen wir ater roriter: Liegt denn wirklich in ter Entscheidmrg über Lbcrschlesien, deren Ausfall in aüm ihren Wirkungen noch gar nicht einmal einwandfrei gtsteht, ein Zwang Mn Rücktritt des Kabinetts Wirch?
ir tötmeir uns einer solchen Sluffaffung einstweilen nicht anschließen. Gewiß hat sich das Kabinett« Wirch und der ReichskariZler selber itt der oduschlcsischen Frage stark engagiert. Aber es weiß doch jeder, aus welchen Gründen das geschah. Will man in ernsthaften politischen Kreisen vielleicht dem Reichskanzler einen Vorwurf daraus machen, daß er offen und rückhaltlos ausgcfprochen hat, was das feeutfdje Volk in feiner Gesamtheit gedacht und gefühll Hot? Will man übrigens zunächst nicht einmal abwarten, bis man sich ein klares Urteil darüber bilden kann, welche Wirkungen die Entscheidung über Oberschlesien für Deutschland und sein Wirtschaftsleben Hafen wird und ob und welche Möglichkeiten oorhanfem sind, sie in etwa auszugleichen?
Mr fragen weiter, was wäre mit einem Rücktritt des Kabinetts Wirth erreicht?
Cs kann doch wohl niemanden geben, ter sich im Ernst einbildete, ter Rücktritt des Kabinetts Wirch würde die Entscheidung über Oberschlesien rückgängig machen. Aber etwas anderes würde eintreten. Das Kabinett Wirch hat zwoiftllos im ganzen Ausland dos Aktionm, daß es eine große außenpolitische Entspannung herbeigesührt hat. Ein Wechsel in ter Reichsregierung würde ater zweifellos dazu beitragen, neues Mißtrauen gegen die Ehrlichkeit ter deutschen Politik im Ausland roheter wachzunrfon. Wenn man dagegen eirtnxntet, was schadet das, so mag man sich überlegen, daß Deutschland machtlos ist und von der Gnade oder Ungnade feiner früheren Gegner abhängt. Wer sich das überlegt, ter wird sich seine Frage selbst beantworten töraien. Und endlich, glaubt man denn, die Schwierigkeiten, die auf mnrepolitischm Gebiete liegen, durch einen Rücktritt des jetzigem Robinetts be- heben oder erleichtern zu können?
Der Angelpunkt ter inner politischen Schwierigkeiten ist die Steuerreform. Daß man ste ohne Mitwirkung der Sozialdemokratie bewältigen kann, wird man ernsthaft nicht behaupten wollen. Gerate diese aber legt, wie sie wiederholl erklärt hat, auf das Verbleiben des Reichs Witzlers Dr. Wirch in feinem Amte den allergrößten Wert, weil sie in ihm eine Gewähr für die Verteidigung der Demo- kratft erblickt. Will man allen Ernstes die ohnehin schon vorhandenen großen Schwftrigkeiten noch weiter steigern dadurch, daß man ohne einen vernünftigen Grund, — letzten Endes einfach deshalb, weil von rechtsradikaler Seite ter Alcrrnruf zum Rücktritte tes Kabinetts ausgestoßrn ist, — blindlings ten Rechtsradikalen Gekotalchaft leistens
Alles zufammengenommen sind es allenfalls nur formale Grünte, wenn es überhaupt solche gibt, die für tinm Rücktritt fers Gesamtkabinetts spreehen könnten. Die s a ch l i ch e n Gründe aber sprechen unbedingt für das Verbleiben des fetzigen Reichs- tabinetts.
Die Kredilhilfe des deutschen Gewerbes.
Der Reparationsausschuß des Reichswirtschafts- rcts hat sich grunds nützlich mit dem vom Unterausschuß ausgearbeiteten Entwurf für die Kreditoereinigung der deutschen Gewerbe einverstanden erklärt.
Er wird dem Plenum empfehlen, die Reichsregierung um die Einbringung eines Gesetzes über die Bildung einer Kreditgemeinschaft unter Zugrundelegung der im Entwurf enthaltenen Richtlinien zu ersuchen.
Per grieöe mit Amerika.
Der amerikanische Senat hat die Frie- densvetträge mit Deutschland und mit Oesterreich mit 66 gegen 20 Stimmen und den Frtetenswrtrag mit Ungarn mit 66 gegen 17 Stimmen ratifiziert.
Die voraufgegangene Diskussion eröffnete ter republikanische Senator Johnson mit einer Erklärung zugunsten ter Ratifizierung. Ebenso setzte sich Senator Hitchcock dafür ein, wöhrcrä> Senator Borah unter Hinweis auf die noch unerledigte Frage feer örrjcl Pap unfe ter Mandate über feie früheren deutschen Besitzungen gegen feie Ratifizierung sprach. Schließlich lehnte der S-nat mit 71 gegen 7 Stimmen einen Zusatzantrag zum Frieden mit Deutschland ab, der die Vereinigten Staaten von so gut rote allen aus feem Versailler Frieden sich ergebenden Verpflichtungen befreien wollte.
Teuerung und Lohnbewegungen.
Die Notlage der Beamtenschaft.
DieReichsgewerkschaftderPost- und Telegraphenbeamten befaßte sich erneut mit der Frage der Steuerung der wirtschaftlichen Not der Beamtenschaft. Um sie vor einer sonst unabwendbaren Katastrophe zu bewahren, müsse sofort durchgreifend geholfen werden. Die in Vorbereitung befindliche Neuregelung der Veamtenbesol- dung sei mit größter Beschleunigung durchzufüh- ren. Außerdem wird zur Beschaffung von Wintervorräten und Kleidung verlangt, daß ein namhafter Betrag auf die zu erwartenden Mehrbezüge im voraus ausgezahlt werde.
Die Beratungen über Hilfsmaßnahmen.
Sei dm Beratungen im Ausschuß tes Preußischen Landtages über die Teuerungsanträge erklärte Finanz- Minister S a e m i s ch u. a.: Die Staatsrogierung verfolge mit Aufmerksamkeit, wie die mit ter Entwertung der Mark steigere Verteuerung der Lebensbedürfnisse cs den Beamten und Angestellten fees Staates er» schwere, mit ihren Sicnftb^ügsn auszukommen. In ähnlicher Notlage seien die Rrchegehaltsempfänger und die Unterbliebenen. Eine weitere Anspannung der Ausgftichs- und DerforMngszuschläge werte aber grundsätzlich bedenklich. Zunächst müsse ter Abschluß ter zwischen dem Reich um> Preußen zwecks anderer Regelung tenrebenten Verhandlungen abgeroartet wer- bum Die Regierung werte alles daran setzen, triefe Angelegenheit rasch zu beenden. Der Minister werte die Führer der Parteien zu einer Besprechung auffordern, sobald ter Stand ter Verhandlungen mit dem Reiche ihn zu näheren Angaben instand setze. Die Redner aller Parteien erklärten schnelle Hilft fiir nötig. Ter Fmanzmimstec erklärte, er hoffe binnen acht Tagen Erklärungen abgriren zu können. Die Regelung wurde auf sämtliche Staotstedienstete ausgedehnt werten. Der Ausschuß vertagte die Weiterver- hoMung, bis dir bindenden Regierungserklärungen vorhanden feien.
Eia Streik der Lokomotivführer?
Nach einer Pressemeldung aus Eisenach sollen die Lokomotivführer der deutschen Reichseisenbahnen mit etwa 75 000 Beamten unmittelbar vor einem Streik stehen wegen Nichterfüllung der vom Reichsverkehrsministerium den Lokomotivführern gegebenen Versprechungen hinsichtlich der Einstufung in die Besoldungsklasft 7 als Spitzenstellung und in einer Weigerung der den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend gestalteten Bemessung auf Aufwandsentschädigung.
3m Berliner Zeikungskonflikl
fanden gestern im Beisein des Reichsarbeitsmini- stersDerhandlungen zwischen der Firma Mosse und dem Druckereipersonal des Verlags unter Hinzuziehung der tariflichen Instanzen statt. Zu einem Ergebnis sind die Beratungen nicht gekommen. Die Verhandlungen sollen fortgesetzt werden und zwar unter dem Borsitz des Reichsarbeitsministers. Die bürgerlichen Berliner Zeitungen erscheinen nicht.
Aerzkestreik in Dien.
Infolge von Streitigkeiten mit dem Betriebsrat sind sämtliche Aerzte in den Wiener Spitälern in den Streik getreten. Da auch der Küchenbetrieb eingestellt ist, erhalten die Patienten keine Kost.
preuhifcher Landtag.
Gegen die Preistreiberei auf dem ßarfoffetmarft
vm Mittwoch drehte sich die DerhaMunq um die Kartoffel Versorgung, die durch eine große In- terpctfaiujn feer Zentrumssrakiion zur Debatte gestellt wurde. Die Interpellation befaßt sich mit der fiartofftfnot und dm hohen Äartoffeäpreifen und ersucht die Regierung um Auskunft, wie sie bief-em Uedelstcmde abhelfen wolle. Eine Anzahl von Anträgen sind zu dieser großen Anfrage eingegcmgrn, so ein Antrag der Deulsch- nationalen r**r rechtzeitige Dtaiscinftchr, um ancresichts der Kartokfetaiißernte Ote stanuü'ri.; ausfchlUHttch für feie
menschliche Ernährung frei zu bekommen, außerdem ein Antrag des Amtrumsabg. Jakob y-Rafft-uf auf Herabsetzung der Tarife für Speisetettoffeln, ein deutjch-volks» parteilicher Antrag auf Maßnahmen gegen Kattoffelver- fchiebung und zwei kommunistische Anträge, der eine auf Einführung des Kartoftetalbttefenmgszwanges und trio andere auf Verbot Les Verkaufs von Saalkartoffeln vor dem 15. Februar.
Für Maßnahmen gegen das moderne R a u b r i t i e r t u m.
Für das Zentrum spracht der Abg. Gronowski, rote immer fachlich, aber bestimmt und energisch. Er nennt das Kind beim richtigen Namen. Die Kartosfelteuerung Ist größer, nicht kleiner geworden. An vielen Boispleien belegt er diese Tatsache. Don der Regierung fordert er, daß sie sich klopp und klar darüber äußert, ob sie in der Lage ist, der schamlosen Preistreiberei auf dem Kartofselmarkt Einhalt zu gerieten. Er fordert weiter Auskunft darüber, was die Regierung tun wolle, um di« Bevölkerung m den Industriegebieten mit Kartoffeln zu versorgen und er richtet schließlich die dringende Aus. forterung am die deutsche Justiz, dem modernen Raubritierium der heutigen Zeit enüiich einmal auf die Finger zu klopfen. Er verlangt Bekämpfung des wilden Händlertums, Einsetzung von Wuchergerichten und Preisprü- fungsstellen. Die Regierung muffe gegen die Aus» fulirhcmmungen in einzelnen Provinzen und Kreisen ihr Machtwort einlegen. Der Redner stellt rocitor fest, daß zwar Richtpreise festgesetzt seien, man aber für sie kein« Kartoffeln bekommen könne. Wer mit Absicht Kartoffeln zurückhätt, um höhere Preise herauszuschiagen, der müsse rücksichtslos bestraft werden. Die Zustimmung, die diesen SBorten des Redners folgte, beweist, daß man im Preußenparlamenl den Wunsch hegt, mit schärfftm Mitteln gegen die Schädlinge, die mit der Not des Volkes Mrcher treiben, vorzugehen. Er unterstützt feen Antrag feines Fraktionsfreundes Jakoby-Raffauf um Frachtermäßigung. Dies« aber muffe den Konsumenten, und nicht dem Händler zugute kommen. Mit feiner Ironie und angebrachter Schärfe mentet sich der Zentrums- rcSmer gegen die Deutschnationalen, dis in ihren Reden wieder einmal bewiesen haben, daß sie diese Slot des Volkes ausnutzen, um parteipolitische Agiiations- reben zu hatten. Diese Herren haben «s tatsächlich fertig bekommen, mit dieser Frage Angriffe auf die Regierung bezüglich des Ultimatums, Oberschlesiens und ter Valuta zu richten. Der Rrimer bezeichnet das mit dem einzig wahren Worte: Gedankenverrenkungenl
Herr Limbertz von der Mehrheitsfoziademokrasie reitet das Schlachtroß gegen die Deutschnationalen. Sie Härten bisher nicht ein Wort des Bedauerns für den Preiswucher gehabt. Lautes Hört, hört! begleitet diese Feststellung des Sozialisten. 3m übrigen roütet Herr Lim» bcrtz gegen die Landwirtschaft. Wir muffen allerdings unserer Meinung dahin Ausdruck geben, daß doch auch Herr Limbertz hätte bedenken sollen, rote nicht gerade d>e pa n 3 e Landwirtschaft über einen Kamm zu scheren ist. Auch wir wenden uns mit aller Schärfe gegen den Wucher. Der Abg Gronowski sprech sogar von der An» wenfermg des Zuchthausgesetzes bezw. der Todes st rase gegen solche Wucherer — aber wir wissen ebenso gut, daß ein großer Teil der Landwirffchaft der Not des Volker Rechnung trägt. Man sollte sich darum vor Verallgemeinerungen, die dm Gegensatz von Stadt und Land nicht zu beheben verrnögm, m Acht nehmen.
Der Unabhängige Klausner vertieft die Rete seines Vorgänger, nach ter Seite ter Anwürfe gegen die Landwirtschaft hm. Sein Allheilmittel ist ter R u f n a ch S o» zialisierung getreu den Grundsätzen, mit denen man m der U. S- P. D. immer noch hausieren geht.
Der Demokrat Riedel wünscht die Ermäßigung der Transportsätze in Anlehnung an den Zentrumsantrag. Auch er polemisiert gegen die Dsutschnationalen, die bestrebt seien, die ganze Karioffckmisere für die Inievesi« ihrer Pattei ouszunutzm.
Was man vom Kommunisten Schulz hört, ist die übktche Schimpfkanonade, die man von jener Seite bei feder gutei- ober schlechten Gelegenheit zu hören gewohnt ist.
Donnerstag: Weiterberatung.
Veutschlan-Z rlartoffelversorgung.
5n einer im Reichsernährungsmini- terium statt gehabten Besprechung feer Karlvfftlver» orgung und Preisentwicklung wurden eingehend feie Maßnahmen erörtert, die geeignet sind, eine Verstärkung derAnlieferungen und eine Ein» Dämmung der Preise herbeizuführen. Seitens des Ministers wurde betont, daß im Interest« der Ko» smrenten dringend eine Senkung der Kartoffel p r «i f c notwendig sei.
Dis Vertreter feer Landwirtschaft und des Handel» tourten ersucht, im Hinblick auf den Ernst der Sage kein Mittel unversucht zu lasten, um eine Preissenkung herbeizuführen. Weiter wurde dringend empfohlen, feie bereite in vielem Teilen eingeleitete Hilfsaktion durch Abgcche verbilligter Kartoffeln die Notlage der Minderbemittelten zu lindem, möAichst in allen Reichs, teilen durchzuführen.
Die Festsetzung ttinheitlicher Höchst» und Richt- preift wurde obgelehnt, da eine solche Maßnahme geeignet sei, die Ware vom Markte zu vertreiben. Die Vertreter der Landwirtschaft und des Handels stimmten dem Minister zu und versprach'», durch Eimoirkung und Aufklärung innerhalb ter Berufsgenosftn auf eine Preissenkung hinarteilen zu wollen.
ver erste Uapp ftenprozetz.
Heute sollte vor dem bereinigten 2. und 3. Strafsenat des Reichsgerichts in Leipzig der Prozeß gegen Henn v. Jagow und v. Wangenhetm Wege» Beteiligung am KaPputich beginnen. Die Angeklagken sind beschuldigt des Verbrechens des Hochverrats uns zwar als Mittäter. Im März 1920 sollen sie gemeinschaftlich unter sich und im Verein mit dem Kenerallandschafisdirektor Dr. Kapp, dem General Lüttwitz und anderen es unternommen haben, die Verfastung deS deutschen Reiches gewaltsam zu ändern. Da beide als Führer deS Kappunter» nehmens anzufthen sind, findet die seinerzeit erlassene Amnestieverordnung auf sie keine Anwendung.
Die Anklageschrift umfaßt 100 Seiten. Sie geht weiischweifend auf ine Entstehungsgeschichte des Militärputsches ein. ES werden werter die bekannten $oigönne des 13. März 1920 behandelt, die Flucht der Rerchsregierung und die Konstitutierung der, Kappregierung. in der Herr von Sagoro feen