Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.
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48. Zahrg.
fit. 241-
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Mittwoch, 19. Oktober 1921.
Der Genfer Schiedsspruch.
vorbehaltlose Annahme.
Wie Reuter erklärt, haben sich alle alliierten Regierungen damit einverstanden erklärt, die Vorschläge des VölkerbundSratS in Bezug auf Oberschlesien ohne jeden Vorbehalt anzu» nehmen. Sie betrachten es als von höchster Wichtige leit, daß Deutschland und Polen sich streng nach ihnen richten.
Was noch der Erwägung unterliegt, sind einzig und allein Fragen, die das Verfahren betreffen, insbesondere die Frage der Ernennung der gemischten Kommission, die die Durchführung der wirtschaftlichen Vorschläge des Völkerbundsrats überwachen soll.
Es wird für wichtig angesehen, daß diese erledigt werden, bevor die neue Grenzlinie der deutschen und polnischen Regierung bekanntgegeben wird.
Gegen -le MmfterstSrzerei wendet sich in der „Frankfurter Zeitung" der demokratische Reichstagsabg. Erkelenz.
Er schreibt u. a.: Wegen der oberschlesischen Entscheidung muß die deutsche Erfüllungspolitik andere Wege wandeln. Heute heißt Erfüllungspolitik beschleunigter Abbau der Unmöglichkeiten des Londoner Ultimatums. Zu dieser Politik sei Wirth besser imstande als irgend ein anderer. Er habe das moralische Recht, Aenderungen und Erleichterungen zu verlangen, well er versucht habe, das Mögliche aus freien Stücken herzugeben.
Das Kabinett Wirth fei das 6. Ministerium in31Monaten. Jeder Minister habe also eine Durchschnittslebensdauer von nur 5 Monaten. Die Republikaner könnten daran kein Interesse haben. Die Wirch'fche Politik ist durch die oberschlesische Entscheidung stark beeinträchtigt. Aber sie ist n i ch t gescheitert und steht nicht ohne neue Ziele den zukünftigen Aufgaben gegenüber. Wir könnten uns nicht erlauben, alle 5 Monate ein Dutzend Männer als verbraucht in die Ecke zu stellen und wir hätten auch keinen Anlaß, einen Turnus cln- -zuführen, wonach jeder Minister 5 Monate im Amte -md 5 Monate außer Amte sei.
Die interfraktionellen Besprechungen.
Der interfraktionelle Ausschuß des Reichstages beschäftigte sich gestern in einer Sitzung beim Reichskanzler mit der Frage der Kredithilfe durch die Industrie.
Auch die politische Lage wurde besprochen, jedoch wurde eine Klärung nicht erreicht. Die Sozialdemokraten wiederholten ihre Erklärung, daß ein Rücktritt des Kabinetts Wirth nicht angängig fei.
Die Panik -er Mark.
Eine panikartige Flucht vor der Mark hat an der Berliner Börse, dem Zentrum des Devisen- handsls in Deutschland eingesetzt, deren Folgewirkungen alles bisher Dagewesene übertreffen. Der Dollar, der heutzutage die Goldmünze der Welt ist, nach der sich alle anderen Währungen richten, hat an den Tagen nach dem Bekanntwerden der Entscheidung über Oberschlesien in gewaltigen Sprüngen Höhen erreicht, wie es so rasch selbst die schlimmsten Pessimisten nicht für möglich hielten. Von 120 sprang er von Tag zu Tag auf 130, dann aus 145 und dann am Montag gar an einem
Die Iagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
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Auch Karl Hochfeld trat von der anderen Seite her .wieder ein, ebenso die Mutter, die in der Küche mit fhrer Arbeit fertig zu sein schien, denn gemächlich lieh sie sich auf dem in der einen Fensternische stehenden Stuhl nieder und nahm ihren Strickstrumpf zur Hand.
Der elegante Gesellschaftsanzug, den Karl angelegt halte, hob desien Erscheinung auf das vorteilhafteste. Mit feiner schlanken Gestalt, den ungezwungenen Bewegun. gen hatte der junge Mann entschieden etwas Aristokra- »ischcs und man konnte wohl begreifen, daß er, wenn auch nur aus mittlerer bürgerlicher Familie stammend, kfch dock) auf dem Parkett zu Haufe fühlte. Vielleicht patte er sich den Platz in der besseren Gesellschaft durch sein sprühendes Wesen, seine vielseitige Unterhaltungs- •abe und durch seine witzigen Ginfälle erobert, mit welch letzteren er auch im Streife der Seinen nicht kargte. Auch jetzt wandte er sich an den in Gedanken versunkenen freund und meinte launig: „So ernst mein Freund, ch kenne Dich nicht mehr! Ist das ein Gesicht für einen 'leugebmfencn Bräutigam, dem das Vergnügen bevor- ckeht, heute abend so ziemlich Solo mit seinem Schatz sein? Geht in den Barten — heute ist so recht ein ckb-md für Verliebte!
Des Meders Duft durchhaucht die lauen Lüfte, Süß schmelzend tönt das Lied der Nachtigall —" Inb die pathetische Gebärde, mit welcher er die Verse deklamiert, unterbrechend, setzte er hinzu: „Die Reime dazu sucht Euch selbst — ich habe keine Zeit mehr!"
Damit verschwand er blitzschnell hinter der Tür, durch welche sein Vater eben dos Zimmer verlassen hotte.
Mit heiterem Lächeln auf dem guten Gesicht sah Frau Hochseld ihm nach und, meinte: „Gott erhaße unferm Karl seinen guten Humor! Immer bei froher Laune sein, ist wahrhaftig eines der schönsten Geschenke, das uns unser Herrgott geben kann. Das hilft über manchen Aerger und über manche Sorgen hinweg. Sie, liefc-r Wilhelm, könnten sich ein Beispiel an Karl nehl
Tage um fast 40 X Während er am Vormittag dieses Börsentages noch mit 165 <M gehandelt wurde, stieg er fast von Minute zu Minute, bis er teilweise gar nur noch für 194 M Zu erhalten war. Amtlich wurde er schließlich mit 189,90 no.tert. Gestern wurde er mit 187,50 notiert. E i n ro t l- der Taumel hatte die Börse ergriffen. Alles wollte seine Bestände an Papiermark los werden. Wer nicht Devisen kaufte, kaufte Industrie- p a p i e r e, die an diesem Tage oft um Hunderte von Prozenten stiegen. Es ist nicht nur bie berufsmäßige Börsenspekulation allein, die diese Kurssteigerungen verursacht hat. Weiteste Kreise der Bevölkerung, die sich sonst niemals damit beschafttgt haben, sind von dem Dörsenfieber ergriffen worden. Man hat kein Vertrauen zur deutschen Währung mehr und jeder, der irgend kann, sucht zu jedem Preise sich anstatt des deut- scheu Papiergeldes Werte zu sichern, die nicht rote dieses der ständigen Entwertung preisgegeben sind, Werte, die noch ihren Goldwert beibehalten haben: Geldsorten des valutastarken Auslandes und In- dustriepapiere.
Wohl spielt hierbei krasse st erEgoismus eine große Rolle: ganz so schlimm, rote es die deutsche Spekulation treibt, steht es mit uns denn nun doch noch nicht. Steht doch an den ausländischen Börsen die deutsche Währung immer noch nicht unbeträchtl ich höher als an den inländischen. Gewissenlose Kreise suchen hier ihr Schäflein ins Trockene zu bringen, suchen das Elend des Vaterlandes zu eigenem Gewinn skrupellos auszubeuten. Gegen diese üblen Auswüchse und die Nebenerscheinungen des Niederganges muß endlich einmal energisch eingeschritten werden, soweit es möglich ist.
Soweit es möglich ist. Denn schüeßlich ist der katastrophale Sturz der Mark nur insoweit gewissenloser Spekulation zuzuschreiben, als diese den Wert des deutschen Geldes künstlich noch niedriger treibt, als er es schon tatsächlich ist. Aber im Grunde sind das nur Neöenerfcheinungen, wenn auch gefährlichster Art. Die Wurzel des Hebels, ohne desien Ausrottung niemals Heikimg und Gesundung zu erwarten ist, liegt doch an anderer Stelle. Sie liegt in der systematischen Zerstörung der deutschen Wirtschaft durch die Entente, deren Werkzeuge der Versailler Friedensvertrag und seine Folgee^cheinungen sind.
Nicht durch Valutakonferenzen und durch aller- lei wohlmeinende Ratschläge kann geholfen werden. Eine Besserung ist einzig und allein nur dann möglich, wenn unsere Feinde ihren Zahlungsplan aufgeben, ihn zum wenigsten erträglich utib erfüllbar machen, und so Deutschland von den ungeheuren Lasten, unter denen es zusammenbrechen muß, befreien. Das weiß bereits die ganze Welt, das sieht man sogar bereits in Ententekreisen, besonders in England ein, und es schien die Möglichkeit vorhanden, daß diese Einsicht auch in Taten umgesetzt werden könnte.
Da wurde plötzlich die Entscheidung über Oberschlesien bekannt, die eins der wichtigsten Industriegebiete Deutschlands zerreißen und unproduktiv machen und dadurch das Deutsche Reich noch zahlungs- und leistungsunfähiger machen muh. Das zerriß die letzten Hoffnungen.
Schon jetzt spüren unsere Feinde die Folgen des Tiefftandes unserer Mark schwer, der weitere Fall der deutschen Währung auf die Hälfte ihres bisherigen Wertes wird sie noch schwerer schädigen.
men. Ihr ernstes Wesen steht Ihnen ja ganz gut zu Gesicht, aber es macht Sie älter, wie Sie wirklich sind! Kennen Sie denn nicht das schone Sprüchlein:
„Sei lustig. Du Schote, was leidst Du denn Not — So kurz ist das Leben und so lang ist der Tod?"
„Sie wissen, liebe Mutter, daß mir dos Leben ziemlich übet mitgespiett hat!" erwiderte Wilhelm Fried, wald mit trübem Lächeln. „Wenn man so früh schon elternlos geworden ist und die Elternliebe nur vom Hörensagen her kennt, bann wird man schon in jungen Tagen ernst, besonders, wenn man sich einen so schwierigen Weg durch das Leben bahnen mußte, wie er mir beschieden war."
„Um so stolzer können Sie darauf sein, daß Sie es so weit gebracht haben!" tröstete Frau Hochfeld und fuhr dann in leichtem Tone, als wolle sie dem Gespräch eine andere Wendung geben, fort: „Karl hat übrigens recht! 3m Garten muß es heute abend wundervoll sein — da können wir in der Laube noch ein gemüt. liches Plauderstündchen halten. Geht nur voraus — in einer Diertelfümde komme ich nach."
Stumm gehorchten die beiden und schritten durch den in Dämmerung liegenden Hof nach dem Garten, über welchen die von der scheidenden Sonne beleuchtete rötliche Felswand ein eigentümlich rosig schimmerndes Licht zurückwarf. Es war in der Tat ein reizendes Plätzchen mit den uralten Ulmen, und Eibenbäumen, dem dichten Jasmin- und Fliedergebüsch und dem in der Mitte angelegten Rasenrondell, aus welchem sich ein Kranz von in voller Blüte stehenden Rosenstücken erhob. Um das Rondell führten schmale, kie-beftreme Wege nach der im Hintergründe ragenden Felswand und nach der an den Hohenfelsischen ©arten grenzenden mit wildem Wein überwachsenen Laube, die um einige Stufen erhöht, einen reizenden Blick über das kleine Eden gewährte.
Verschwand da nicht ein dunkellockiger Männer köpf an dar Mauer, welche den ©arten von dem Hohenfelsi. scheu Besitztum trennte, als die Gartenpforte klirrte, durch welche Wilhelm Friedwald und Hedwig Hochfeld einfr-'en? Forschend richtete der junge Mann einen Blick nadi der Stelle mähr mb bn« feiner V«
Dann wird ihnen roohl schließlich doch einmal die Einsicht kommen, wohin der Weg, den sie jetzt immer noch blindlings gehen, führt, und sie werden ganz andere Bahnen einschlagen müssen. Wenn es dann nur nicht zu spät ist, für uns wie für sie.
Gegen die Ausschreitungen der Spekulation.
Der bayerische Handelsmini st er hat die Aufmerksamkeit der zuständigen Rcichsstellen darauf gelenkt, daß die Ausschreitungen der Spekulation vor allem auf dem Devisenmarkt in den weitesten Kreisen der bayerischen Bevölkerung schwerste Besorgnis und tiefgehende Beunruhigung hervorgerufen haben.
Nach Auffassung der bayerischen Regierung müsse versucht werden, wenigstens den gröbsten Ausschreitungen derSpekulation ent» gegenzuwirken. Hierzu wurde in Uebereinstim- müng mit dem Urteil hervorragender bayerischer Sachverständigen neben anderen Maßnahmen die Einführung der Legitimationspflicht und des Schlußfcheinzwanges bei den Devisengeschäften angeregt__________
USnig Ludwig von Bayer» t-
In Szarves inUngarn, wo er auf einem seiner Güter weilte, ist König Ludwig von Bayern am Dienstag nachmittag 4 Uhr 30 Minuten im Alter von 76 Jahren gestorben.
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Der Verstorbene wird im Herzen feines Bayernvolkes fortleben und auch außerhalb der blau- weißen Grenzpfähle stehen Taufende trauernd an der Bahre eines trefflichen Menschen. König Ludwig konnte durch feine Art und feine Gesinnung auch viele von denen, die sonst dem monarchistischen Gedanken durch Erfahrungen entfremdet worden sind, erwärmen. Schlichtheit, Leutseligkeit, Frömmigkeit, Männlichkeit haben König Ludwig nie verlassen. Es bedarf der ganzen Schwere der Kriegsleiden zur Erklärung dafür, daß gerade im Bayernland zuerst der Thron im November 1918 gestürzt worden ist. Der Einfluß von landfremden Elementen muß damals unerhört groß gewesen fein. Denn für eine Spannung zwischen den echten Bayern und ihrem König, der nach Glaube und Weltanschauung eins mit einem Volke war, gegen den selbst in sozialdemokratischen Kreisen niemals ein persönlicher Kampf geführt worden ist, fehlte jede Voraussetzung. Nach der Verwirrung der Revolutionszeit hat sich die Sympathie für den König und fein Haus in Bayern auch bald wieder allgemein Durchbruch verschafft und Bayern wird wohl in der Trauer um den Heimgegangenen das Bild größter Einigkeit bieten.
König Ludwig war als ältester Sohn des Prinz- regenten Luitpold am 7. Januar 1845 geboren. Am 20. Februar 1868 vermählte er sich mit der Erzherzogin Maria Theresia von Oesterreich-Este. In der Reichsratskammer und bei anderen öffentlichen Gelegenheiten hat sich Ludwig vielfach als schlagfertiger und sachkundiger Redner gezeigt. Besonderes Interesse zeigte er für das Gedeihen der Landwirtschaft sowie für die Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt. Das großzügige Projekt des Rhein- Main-Donaukanals, das jetzt Wirklichkeit zu werden scheint, hatte sein ganz besonderes Interesse. Bon seinen 12 Kindern ist der älteste Sohn Prinz Ruprecht von Bayern, im Kriege viel genannt. 1912 folgte er, damals schon 67jährig, dem Prinzregenten Luitpold, feinem Vater, in der Regentschaft. 1913 wurde ihm die Königswürde übertragen, obwohl damals der geisteskranke König Otto noch lebte.
Voraussichtlich wird König Ludwig in der Wittelsbacher Gruft in München bestattet werden.
gleiterin eine hohe Röte überflog. Wie um ihre Verlegenheit zu verbergen, wandte sie sich seitwärts und pflückte hastig einige Sasminblüten von dem nächsten Strauche; — mit einem trüben Kopfnicken beobachtete Friedwald ihr Gebaren und seine tiefernsten Züge nahmen einen Ausdruck an, der auf einen unwiderruflich gefaßten Entschluß deutete.
So ergriff er denn, als sie die Laube betreten hatten, die Hand des Mädchens und sagte: „Laß es llar werden zwischen uns, Hedwig! Als Du vor wenigen Wochen diese Hand in' meine legtest und mir versprachst, mein zu werden, da habe ich mir zugeschworen, daß es von jener Stunde an mein höchstes Ziel sein sollte, Dich glücklich zu wissen. Mein heißer Wunsch, Dich zu besitzen, hat keine Bedenken wegen des großen Altersunterschiedes, der zwischen uns herrscht, aufkommen lassen — Dein-befangenes, ich möchte fast sagen, furchtsames Wesen, das Du mir nun schon seit etwa acht Ta. gen entgegenbringst, hat mich belehrt, daß Du Dein Jawort bereust! Ist es nicht so. Hedwig?"
Das liebliche Gesichtchen des Mädchens war bleich geworden und unruhig wichen feine Augen den traurig ernst auf sie gerichteten Blicken des Verlobten aus. „Ich weiß nicht, wie Du zu der Frage kommst!" stammelte es. „So bedeutend ist doch der Altersunterschied nichi und mit Freuden haben meine Eltern ihre Einwilligung gegeben. Du hast —"
„Und die Freude Deiner Eltern" — unterbrach der junge Mann — „in Verbindung mit den freundschast. lichen Gefühlen, die Du mir immer bewiesen hast, hat in Dir den Glauben erweckt, daß Dein Herz für mich spricht. Ein gewifler Taumel hatte Dich erfaßt — Stolz darauf, daß Deine Hand begehrt wurde; die Dankbarkeit gegen den, der sie begehrte, hast Du mit wahrer Neigung verwechselt! Erst als Du erkanntest, daß der Bräutigam mit seinen 35 Jahre» kein tändelnder Jüngling mehr ist, daß fein Denken und Empfinden nicht mehr den Frohmut der Jugend kennt, da ist ein leises Dangen über Dich gekommen, ob Du das Glück an meiner Seite findest. Habe ich recht, Hedwig?"
(Fortsetzung
preutzischer Landtag.
In der Sitzung am Dienstag wurde dem Aus- schuß für Handel und Gewerbe überwiesen -in Antrag Dr. v. Krause (D. Vp.) Vorsorge zu treffen, daß bi* Aufbringung der Reparationslieferungen in einfachst, Weife organisiert, insbesondere, daß von der Schaffung eines großen Lieferverbandes abgesehen wird, und daß! auch das Handwerk und die kleine und mittlere' Industrie herangezogen wird.
Ein Antrag Richtarsky (Ztr.) derlangt, daß bei Altenteilsverträgen gelegentlich der Uebergabe landwirt- fchaftsicher Grundstücke anstelle der Gelbreme Natural- leistungen ober eine dem Sinken ber Gelbwl hrung ent» sprechenbe höhere Gelbrente gesetzlich festgelegt wird.' Es wird ber Ausschußantrag angenommen, bei der Reichsregierung die Ermächtigung zum Erlag von ent« sprechenden Bestimmungen nachzusuchen. ।
Dann setzt man die Aussprache über di Perso - «alpolfttik des Ministers des -Jnnern fort. Der Kommunist Eberlein greift die Regierung und besonders dir Schutzpolizei auf das heftigste an. Alsdann spricht der 'demokratische Abg. Oder. Er wird von dem Kommunisten Schulz-Neukölln mit dem Ruf: „Der Dokumentenschieber" empfangen, wofür Scbulz einen Ordnungsruf erhält. Der sozialbemokra. tische Abg. Severing erklärt, daß die Anfrage seiner Partei sehr notwendig gewesen sei zur. Sicherung der republikanisch-demokratischen Staatseinrichtung. Der Minister des Innern möge als richtiger Staatsmann den politischen Notwendigkeiten Rechnung tragen. Minister Dominicas weist in längeren Ausführungen zahlreiche einzeln gegen ihn gerichtete Vorwürfe zurück. Solange der Abg. Eberlein nicht schlüssige Nachweise für seine Angriffe liefere, müsse er sie als unbegründet energisch zurückweisen. Zum Schluß richtet der Minister an den Abg. Severing die Mahnung, mitzuhel- fen daß bie Regierung auf eine breitere Basis gestellt werbe, damit sie die Unterstützung durch die Rechte nicht mehr brauche. , '
Nach Ablehnung eines Dertagungsantrages besaßt sich das Haus mit der K art o ff elv e r {o r gun g. Diese Anfrage begründet der Abg. Krüger (Snc.t)!.) namens feiner Partei und stellt fest, daß die Kartoffelernte nur mittet bis gering sei. Er fordert schärfste Maßnahmen gegen die Verschiebung von Kartoffeln ins Ausland, verbilligte Frachten für Kartoffeln und bessere Waaengestellung ‘ durch die Eisenbahn.
Mittwoch: Weiterberatung.
Has -em besetzten Gebiet.
• Vie amerikanische« Truppen am Rhein. Laut Havas erklärte Senator Mac Kinley rm Senat, Amerika müsse seine Truppen am Rhein be- lassen, da es die amerikanischen Interessen in Europa erforderten.
• Lin Rrlegrgerichtrurteil gegen einen stanzssischen Schieber. Wegen Zollhinterziehung und Umtoben, fälschung wurde der französische Kaufmann Dotier vom Kriegsgericht zu einem Jahr Gefängnis, 13000 Franks und 40000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Verurteilte hatte große Mengen Schokolade und Kasfee zollsrer alS Militärgnt eingeführt und an deutsche Kaufleute toeiterberfauft.
Deutscher Reich.
* Berlin, 19. Okt. Ein Disziplinargesetz jüe die Reichsbeamten unterliegt gegenwärtig der Prü- sung der obersten Retchsbehörde. — Ein sozialdemokratischer Antrag im Preußischen Landtag fordert die Sozialisierung des A erztewesens.
* Das amtliche Resultat der Berliner Wahlen. Nach den vorläufigen Berechnungen des städtischen Wahlbüros sind bei den Stadtverordnetenwahlen am Sonntag insgesamt 1672 513 Stimmen abgegeben worden, von denen auf bte bürgerlichen Parteien 845 773 Stimmen, auf di« dmi sozialistischen Parteien 826 740 Stimmen entfallen. Im einzelnen entfallen auf die Sozialdemokraten 343 695 Stimmen, Unabhängigen 323 085 Stimmen, Kommunisten 159 970 Stimmen, Deutschnationale Dolkspsrtei 288 988 Stimmen, Deutsche Volkspartei 251 728 Stimmen, Deutsch-demokratische Partei 122 917 Stimmen, Zen- trum 61433 Stimmen, Wirtschaflspartei 84 370 Simmen, Deutsch-soziale Partei 11830 Stimme^ Deulschnationole Wählerschaft 5973 Stimmen, Ord- rmngsblock 9076 Stimmen, und Freia Vereinigung 9463 Stimmen Nach einer Berechnung der „Freiheit" würden sich die Mandate infolgrdesfen folgendermaßen verteilen: Deutschnationale 41 (bisher 27), Deutsch-Soziale 1 (—), Deutsche Volkspartei 35 (39), Wirtschaftspakte' 11 (10), Zentrum 8 (8), Demokraten 17 (16), Sozialdemokraten 47 (39), Unabhängige 43 (63), Kommunisten 21 (23).
* Die Deckung für die Teuerungszuschläge. Für die mit Wirkung vom 1. August laufenden erhöhten Teuerungszuschläge für die im Reichsdienst stehen den Beamten und Arbeiter sind bisher tm Reichs- etat noch keine Mittel ausgeworfen worden. Dem Reichstag wird demnächst der dafür notwendige Nachtragsetat zugehen. Der Gesamljahresbelrag, den die Erhöhung der Zuschläge erfordert, wird sich auf rund 7.745 Milliarden Mark belaufen; auf die Reichs- post entfallen davon 1,4 Milliarden, aus die Retchs- eiienbahnen 3,2 Milliarden und auf die innere Verwaltung des Reiches 3,145 Milliarden Mark.
* Der Konflikt im Berliner Zeilungsgewerb? dauert rote Hier an. Auch heute morgen find nur die drei sozialistischen Blätter und die „Deutsche Zeitimg erschienen. In einer Betriebsversammlung der Arbeiter der Firma Rudolf Moste wurde in einem Bericht des Vorsitzenden des Arbsilerrates über den bisherigen Verlauf des Konflikts erwähnt, daß sowohl das Tarif-Schiedsgericht als auch das Tarifamt der Buchdrucker die Forderungen des Druckereipersonals des Verlags Rudolf Moste für ungerechtfertigt erklärt hoben. In oer Aussprache und itr einer Resolution wurde das scharfe Vorgehen der Firma, die nicht den Verhandlungsweg gewählt, sondern die Arbeiter ftnstlos ersttastm hat, verurteilt. Vertreter anderer Druckereien bekundeten ihre Sympathie für dia Aus gesperrten und erklärten, eine geschlossene Front gegen das Unternehmertum bilden zu wollen.
* Der Prozeß geger. von jagoro. Vor dem Reichsgericht in SeitZ . beginnt am Donnerstag