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Dienstag, 18. Oktober 192L

Fuldaer Zeitung

^$0 Dr«ck der Fuldaer Actieadrvckerei t* Fulda

Lin konservativer über das Zentrum.

Adam Röder, der süddeutsche konservativ-soziale Politiker und aufrechte evangelische Christ schreibt in seiner Korrespondenz folgendes:

Ich bin Monarchist aus historischen und sittli­chere Ueberzeugungen heraus. Niemand kann den Ver­lust der Monarchie schwerer empfinden, als ich. Auch Kaiser Wilhelm dem Zweiten fühle ich mich in Treue verpflichtet. Ich stehe in der Frage Bismarck-Kaiser Wilhelm durchaus auf der Seite des letzteren ohne alles zu billigen, was aus einer gewissen ostelbisch-milita. ristischen Großsprecherei entstand. Im Jahre 1890 hatte der Kaiser zweifellos recht; er vertrat den sozialen Fort­schritt, Bismarck die gewalttätige Reaktion. Nachdem man einmal den großkapitakiskichen Großindustrialis. mus mit seinen Millionen von Arbeitern sozial etabliert hatte, konnte mit Sozialistengesetzen und ähnlichen Ge­waltakten auf politischem Gebiet nicht mehr regiert wer. den. Das sah der Kaiser ein, Bismarck nicht. Bismarck stand der ganzen neuen sozialen Entwicklung mit dem Großkapitalismus auf der einen, dem Millionenheer der Arbeiter auf der andern Seite, verständnislos gegen­über. Eine solche Verhärtung intellektueller Sphären findet man oft auch bei Genies; die Weltgeschichte ist Zeuge davon. Der letzte Band von Bismarcks Erinnerungen ist der einzige und wirk­liche Dolch stoß von hinten gegen die Hohen- zollernsche Monarchie.

Ich bin also rationell und persönlich Monarchist. Ich glaube aber auch, daß ich Politiker bin und zwar ein gerechter und objektiver Politiker. Als solcher weiß ich, daß sich in Deutschland die Monorchie nicht wieder etablieren läßt solange es Millionen von un. selb.st ä ndigen Industriearbeitern geben wird. Der großkapitalistische Liberalismus Hot diese in seiner blindwütigen Ausdehnungssucht erzeug-. Diese Arbeitermassen. politisch geschult und trainiert, werden niemals eine Monarchie wieder aufkommen lassen. Man kann nicf>t über seinen Schatten springen.

Darum hat die Ze n t r it m s p a r t e i einen poli­tischen Akt großen Stils vollzogen, als sie sich mit Demokratie und Sozialdemokratie entschloß, durch politische Arbeitsgemeinschaft den neuen Staat auf Unterlagen zu stellen, die in ihrem geistigen Gewebe mit dem verflossenen Staat ein bestimmtes Maß konser­vativer Struktur aufrecht erhielten. Die robuste An. schauungsweise eines Ostelbiers wird diese Auffassung seinem Denken nach nicht assimilieren können. Daß es aber auch auf der rechten Seite so viele Männer von Geist und Charakter nicht vermögen, namentlich nicht so viele positio.konservative Geistliche, das ist tief trau-' rig und beweist, welch gewaltiges Prävale die egoisti­schen Instinkte gegenüber der ethischen Auffassung be. sitzen.

Das Zentrum hat die einzige mögliche Lösung aus den chaotischen Wirren des verlorenen Krieges und der Revolution erkannt und hat. indem es sich mit Demo­kratie und Sozialdemokratie verband, eine staat s - männische Tat geleistet. Darum stehe ich auf sei­ner Seite, heute wie seit beinahe 40 Jahren, sobald es sich um die Fragen der Gesellschaftserhaltung auf christ­lichen und sozialen Grundlagen handelt.

Einen Alldeutschen, Chauvinisten. Antisemiten und chakenkreuzler wird man solche Auffassungen nicht bei­bringen können. Aber sie sind ja auch keine Politiker, sondern Flugjsand des ^Irrationalen, der vom Samum instinkthafter Triebkräfte aufgewirbelt wird und ganz gewiß die Lungen eines Volkes verder­ben kann, wenn nicht eine sorgsame politische Hygiene einsetzt, um das liebel zu bekämpfen.

Man freut sich, Hier einmal einem politischen Denker zu begegnen, der Wahrheiten ausspricht, die in der lendenlahmen politischen Diskussion unserer Tage tote eine Oase in der Wüste erfrischen und und anregen.___________

Oie Umwälzungen in der russischen StaatsLirche.

Von besonderer Seite wird uns ^schrieben:

Das unerhörte Schauspiel der bolschewistischen Mutherrschast hat bett Blick weiter Kreise von Vor­gängen abgelenft, die 'für die Entwicklung des russi­schen Volkes von der größten Bedeutung sein werden. Neben dem Blutgerüst auf dem Marktplatz des öffent­lichen Lebens sind in der Stille der Kirchenhalbm fol­genschwere Entscheidungen getroffen worden. Wegen 6er Spärlichkeit der Nachrichten läßt sich erst heute ein mmüherndes Bild der kirchlichen Entwick­lung seit dem Staatsstreich von 1917 tzitwerfm.

Gleich nach dem Sturz der Zarenherrschaft war ein neuer Synod gebildet worden mit dem demokra­tischen Fürsten L w o f alsOber-Prokuror" an der Spitze, Die erste Tat des neuen Synods war die Einberufung eines panruf sifchenKonzils, das nach der Absicht dieser Kreise die Demokratisierung der Kirche durchführen sollte. Zu diesem Zweck war das Laimolement unter den Mitgliedern in ungewöhnlicher Zahl vertreten. Entgegen den Berechnungen der Einberüser des Konzils gerieten aber die Laien

Die Jagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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Mit einem unwilligen Blick auf den Sohn richtete sich der alte Hochfeld empor und sagte nicht ohne Schärfe:Das ist wieder eine "von Deinen echt moder, nen Anschauungen, Karl! Nimm mir's nicht übel! Muß denn an alles der Maßstab gelegt werden, was es nach Zahlen wert ist? Gibt's denn nichts anderes in der Welt zu erstreben als Geld und immer wieder Geld?"

Dein Idealismus in allen Ehren, lieber Vater, aber leugnen kannst Du nicht daß der Besitz in unser« Zeit jju einer geradezu unheimlichen Macht geworden ist. Geld regiert die Welt das ist das wahrste Sprich­wort! Ohne Geld kein Ansehen der Person, keine Be. friedigung der Herzenswünsche, kein Aufsteigen über die nur das Notdürftigste erringende geplagte Mensch- hell! Das Geld befreit von dem Schlamme der Nie. drigkell, gibt die Möglichkeit, die edelsten, höchsten Ziele zu erreichen"

Und verdirbt den Charakter!" unterbrach der Vater mti schwerer Betonung die begeisterte Rede des Sohnes. »Nur äußerst selten werden von einem Mitgliede der oberen Zehntausend die höchsten Ziele erstrebt. Reichtum macht schlaff und ersttckt jede edle Regung. Ich halt's Mit unferm Urahn:

Sey brumb so lang Du lebst hinieden "

Mit dem bescheyden Pfund zufrieden

Sv Gott in seyner Güt und Gnad' >

Dir Menschenkind gegeben hat!

Doch was streiten wir um des Kaisers Bart? Ihr jungen Brauseköpfe glaubt eben den Himmel stürmen 8U können! Wenn Du einmal in meinen Jahren bist, dann denkst Du anders dann wirst Du zur Erkennt­nis gekommen sein, daß es nur eins auf der Welt gibt was erstrebenswert ist, und zwarZufriedenheit!"

Mit ausleuchtenden Augen hatte Hedwig den Worten des Bruders zugehört, während Wilhelm Friedwald dazu leise den Kopf schüttelle. Und umgekehrt nickte er zu der Erwiderung des Alten Beifall, indes das schöne Mädchen dahei MiMülüg drMchaM Offenbar neigte

vielfach ganz ungebildete, des Lesens und Schreibens unkundige Dauern im Verlauf der Verhandlungen bald vollständig unter den Einfluß der anwesenden Bischöfe. Nur mit Mühe gingen die VerhanÄungen in den mehr als zwanzig Cmzelausschüssen voran, da die Mitglieder erst vielfach über den Sinn der Fragen unterrichtet werden mußten. Zur Währung gaitz grundlegend:! kirchlicher Interessen mühten di« Bischöfe öfter von ihren: Vetorecht Gebrauch machen.

Das anfängliche UÜbergewicht der liberalen Links­partei verschob sich immer mehr zu Gunsten der kon- seroativLN, von Bischöfen vertretenen Rechten. Nicht zum geringsten unter dem Einfluß der erschrecklichen Wendimg der innerpolitischen Lage, die manchen die Augen öffnete . Im April 1918 mußte das Konzil wegen der allgemeinen Unsicherheit zunächst bis Au­gust und dann auf unbestimmte Zeit vertagt werden.

Die Versammlung hat manche bedeutungsvoll« Be­schlüsse gefaßt: DerZö 1 ibat des Weltllerus wurde verworfen, dagegen sollen die Priesterkandidaten nicht mehr zu vorausgehender Verehelichung angehalten werden, sobald sie dreißig Jahre alt sind. Man war sich darüber einig, daß die bisherigen Erzichungsan- stalten für die Heranbildung eines guten Klerus völlig unzureichend seien. Sie mürben nur von Priester­söhnen besucht, und die meisten Zöglinge träten nicht aus Beruf in diele Schulen ein, sondern einzig, weil der Unterricht dort umnlgottlich sei. Um diesen Miß­stand zu beseitigen, beschloß man die Bildung höherer Schulen, die ausschließlich für künftige Priester be­stimmt sind (Pastoralschulen"). Auch Fragen des Gottesdienstes wurden hier geregelt. Drei Arten von Gottesdienst wurden unterschieden: der längere für Klöster, von mittlerer Dauer für den Pfarrgvttesdienst, und endlich ein kmzer für die gewöhnlichen Wochen­tage. Zweifellos die allerwichtigste Entscheidung, di« auf der Versammlung getroffen wurde, ist die Wie­dereinführung des Patriarchates. Auf die Geschichte und Bedeutung dieser Einrichtung für die russische Kirche näher emzusehen, winde zu weit führen. Die Versammlung war anfangs, in ihrer über­wältigenden Mehrheit gegen die Wiedereinführung des Patriarchates, und die Regierung setzte aus be­greiflichen Gründen alles daran, ste zu hintertreiben. Es gelang aber dem Vorkämpfer des Patriarchates, Bischof Anionyi von Karkof, durch aufklärende Vor­träge über die geschichtliche und kanonische Bedeutung der Einrichtung, die Mehrheit für freuten Gedarcken zu gewinnen. -

Aus einer an spannenden Einzelheiten reichen Wahl ging der Metropolit von Moskau, T y k h o n, eine sehr sympatische Gestalt, hervor. Der neue Patriarch hat mit wahrem Bekermermut fern Amt in diesen schweren Jahren geflshvh, das würde allein schon der Hirtenbrief bezeugen, in dem er mit wahr­haft apostolischem Freimut die Gottfeindlichkoll der bolschewistischen Schreckensherrschaft aussdeckt.

Diese Ereignisse sind unzweideutig' Zsichrn eines religiösen Erwachens in russischen Kirchen­kreisen. Der Organismus der russischM Kirche, von der Umklammerung durch den Staat befreit, geht zweifellos einem neuen Wachstum entgegen. Aber kräftige Nahrung, frisches Blut muß ihm zugeführt werden, denen die russische Volksseele ist über die Maßen unterernährt, sonst könnten krankhafte Zuk- kungen, wie die des Bolschewismus, nicht von solcher Dauer sein. Wer aber soll neues Leben zuführen, wenn nicht die katholische Kirche? Es kann nicht zweifelhaft fein, daß über inert deutschen Katholizismus ein Hauptstrom der Le­benssäfte nach Rußland fluten muß!

Hus dem Nachbargediet.

(ntc) Frankfurt a. M. Die Landwirte des Oder- tannuÄkreises lieferten in das Reseroelazarett Bad Homburg gwße Mengen Honig, aber wie sie zu ihrem Erstaunen erfahren mußten, betonen die kranken und verwundeten Soldaten recht wenig davon zu sehen. Der Verbleib der Smteware führte zu einer Anklage gegen den Lagarettinspektor Wich­mann wegen Untreue bezw. Unterschlagung. Am Samstag fand mm die Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer statt, in der festgestellt wurde, daß Wich­mann Honig an ihm bekannte Damen ver- s ch en k t e, daß er seinen Verwandten HonigpaSete schickte, außerdem verkaufte er drei bis vier Zentner Honig zu einem höheren als dcm Erwerbspreis. In der Verhandlung wurde die Sache nicht so vollkom­men aufgeklärt, daß die Bezahlung des Honigs un­bedingt sicher stand, doch erkannte das Gericht gegen Wichmann wegen Unterschlagung auf 3 Monate Gefängnis. Nur dem Umstand, daß der Ange- klagte schon betagt und seither unbescholten ist, kann es zugeschrieben werden, daß er gegen Zahlung einer

Hedwig mehr zu den Ansichten des Bruders, dem sie auch verständnisvoll zunickte, als sie die Gebärde des. selben gewahrte, mit der er sagen zu wollen schien: und ich habe doch recht!"

Der Hausherr halle sich von seinem Platz erhoben und schloß die alte Mbel wieder in den Schrank. Dann entnahm er diesem ein an der Hinterwand hängendes uralles Blld in schmalem Rahmen und sagte:Wenn Sie sich für Altertümer interessieren, lieber Wllhelln damit kann ich aufwarten! Hier ist auch noch so ein Stück, das fast so alt ist wie die Bibel. Scheint von einem Meister zu sein, der mehr wie Brot essen konnte. Wenn man die lebenswahren Figuren betrachtet und mit den steifen Linien auf Bildern aus gleicher Periode vergleicht, dann möchte man fast sagen, daß der Künst­ler seiner Zeis vorausgeeilt sei! Was aber das Bild und seine Unterschrift eigentlich bedeuten soll das wis. sen die Götter! Ich und wahrscheinlich auch meine Vor­fahren haben sich darüber vergeblich den Kopf zerdro. chen! Damit stellte der Meister das Bild vor den Be­sucher, der es, an das Fenster tretend, aufmerksam betrachtete.

Das Blld stellte eine Gebirgslandschaft vor, einen grünen Anger, in dessen Hintergründe sich ungeheure, wild durcheinander geworfene Felsmassen türmten. Zwei Jünglinge in altdeutscher Tracht strebten mit auf­gehobenen Armen nach der Höhe, aus welcher sich ein rosiger Schimmer über ihre Gestalten ergoß Fiebern- des Begehren drückte sich in den schönen Gesichtern der beiden aus, doch auch etwas wie trostlose Erkenntnis, daß jede Anstrengung, nach der lichten Sphäre zu ge­langen, vergeblich fei, denn dicht vor ihnen gähnte dem Anscheine nach ein grauenvoller Abgrund. Genau ver­mochte man dies nicht zu erkennen, denn gerade an dieser Stelle war das Bild halbmondförmig ausgeschnit­ten. Der das Gemälde umfassende Rahmen paßte sich genau dem Ausschnitt an, so daß nicht anzunehmen war, der Ausschnitt sei später durch Fahrlässigkeit oder durch die Hände gedankenloser Kinder entstanden es mußte damit eine nur dem Maler des Bildes bekannte Bewandtnis haben. Unter dem Bilde stand in verschnür, leiten Buchstaben, anscheinend von der nämlichen Hand

Buße von 3000 'M bei weiterer guter Führung Straf­aussetzung erhält.

Von der Weser. Auf Anregung eines Pa­ters in Münster sind auf der abgetriebenen Fläche des Hersteller Waldes feit einiger Zeit Ausgrabun­gen im Gange, die mit vielem Interesse verfolgt werden. Nachdem der dichte Fichten- und Eichwald voriges Jahr unter den Axthieben der Holzhauer gefallen ist, treten Hünengräber mit einem Durch­messer von 613 Meter deutlich hervor und machen sich dem Auge schon von weitem bemerkbar. Nach den Funden, die man gemacht hat, ragt ihre Ent­stehungsgeschichte bis in die graue Vorzeit zurück; sie erzählen uns, wie man vor etwa 3V- Jahrtausen­den die Toten zu bestatten pflegte. Es wurden bis jetzt bronzene Spirarmbänder, eine ebensolche Speerspitze und ein kurzes Schwert mit der noch erkennbaren Holzscheide beim Ausgraben gefunden. Reste von Gefäßen aus gebranntem Ton, die in geringer Tiefe angetroffen werden, lassen darauf schließen, daß hier auch Nachbestattungen stattgefun- den haben. Von Knochenresten ist natürlich nichts mehr zu sehen. Die gefundenen Bronzegegenstände sind auch schon stark angegriffen, eine Erscheinung, die das Vorhandensein besonderer Bodensäuren vor­aussetzt. ____________________________

Vermischtes.

* Das Hagener Folkwang-Museum kommt nach Essen. Das von dem berftorbenenen Karl Ernst Osthaus gegründete Folkwang-Museum in Hagen wird voraussichtlich für einen Preis von 10 Mill. Mk. in den Besitz der Stadt Essen übergehen. Bis zum 22. Oktober ds. Js. verfügt zwar die Stadt Hagen über das Vorkaufsrecht für das Folkwang- Museum, doch gilt als sicher, daß sie davon keinen Gebrauch macht, so daß nach diesem Termin der Kaufvertrag mit Essen in Kraft tritt.

* Ein seltsames Vermächtnis. Wilhelm Wal­de her, der verstorbene Berliner Anatom, hat testa­mentarisch bestimmt, daß sein Schädel, Gehirn und Handskelett im Berliner Anatomischen In­stitut ausbetoahrt werden sollen. Der Grund dieses eigenartigen Vermächtnisses ist der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift' zufolge ein wissenschaft­licher. Waldeyer hielt es für erforderlich, daß ana­tomische Studien an Skelett-Teilen und -Organen genau gekannter Persönlichkeiten vorgenommen werden.

Schutz der Weimarer Kunst- und Kulturstätten. Die wiederholten schweren Einbrüche in die Museen und Denk- stätten der Stadt Weimar während der letztem Mo­nate hoben das thüringische MiMtsrium Des Innern veranlaßt, bescmdsvepolizeiliche Maßnahmen zum Schutze der Weimarer Kunststättsn mit ihren unersetzlichen Beständen zu treffen. In einer Besprechung am 14. Ok­tober unter dem Vorsitz des Staatsmimsters Hermann, des neuen Ministers des Innern, wurden die notwendigen Schutzmaßnahmen im einzelnen beschloss«. Mit der be- sonderen Bewachung der hauptsächlichsten Gebäude durch Beamte der Landespolizek ist noch am gleichen Tage be­gonnen worben.

* Das erste wiederaufgebauke Dorf Itorbfrant- reichs. In einer Berliner Korrespondenz lesen wir: Dieser Tage fand die feierliche Einweihung des Dörfchens Cery für Somme unter großem Pomp statt. Es ist dies die erste völlig zerstörte Ortschaft in dem ehemals besetzten Gebiet Nord­frankreichs, die wiederhergestellt worden ist. Drei Jahre, nachdem die deutschen Heere fort find, das erste Dorf! Und wie schnell war das zerstörte Ge­biet Ostpreußens wieder aufgebaut. Wenn die Franzosen in dem Tempo^weiterbauen wollen, kann der Wiederaufbau noch lange dauern. Der Mann, der das geschrieben hat, dürfte nie die West­front gesehen haben. Neber Ostpreußen ist einmal die Kriegsfurie in wenig Wochen Hinweggebrauft. In Frankreich sind die Ortschaften in den Linien derart zerstört, daß sich oft kaum noch die Spur findet, wo sie gestanden haben. Vielfach trägt die Landschaft ein ganz anderes Gesicht als vor der Dauerbeschießung. (i)

Neues vom Büchertisch.

Liierakurschähr.

Schillers werke für Schule und Haos. Mit Lebens- beschreibung, Einleitungen und Anmerkungen tyerausge­geben von Prof. Otto Hellinghaus, Geh. Studtemrat. Vierte, durchgesehen« Auflage. Drei Bande. (Bibliothek deutscher Klassiker, VIIIX) 12» (XXVIII u. 2034 S.; 3 Bildnisse) Freiburg t. Br. 1921, Herder. Geb. in Pappe je 25 M, in Leinwand je 30 M und Zu­schläge. Was Schillers eigentliche Bedeutung für die beut»

wie der Spruch in der Bibel geschrieben:nach dem Glücke". '

Wilhelm Friedwald befrachtete das alte Stück kopf­schüttelnd und gab es dann mit den Worten zurück: Daraus werde auch ich nicht klug! Man sollte fast meinen, daß das Bild einer Ergänzung bedürfe. Mel- leicht ist die Lösung des Rätsels, welches Glück die bei­den Gestatten auf. dem Bilde verloren haben, auf dem fehlenden sichelförmigen Ausschnttt zu finden? Die Unterschriftnach dem Glücke" deutet doch offenbar dar- auf hin, daß den beiden ein Glück entschwunden ist!"

So ähnlich habe ich mir die Geschichte auch gedacht!" erwiderte Herr Hochfeld und schloß das Bild wieder in den Schrank. Dann wandte er sich an den Gast und meinte lächelnd:Sie entschuldigen mich, lieber Wil­helm, heute ist mein Ausgehabend der einzige in der Woche da darf ich am Stammtisch nicht fehlen!"

Und mich entschuldigst Du auch!" setzte Karl Hoch­feld hinzu.Du weißt, daß ich heute abend zu dem Sing-Sang bei Direktors eingeladen bin. Eine große Ehre was? Wäre nur die Ohrenqual, die uns Fräu- lein Frieda Wunderlich mit ihrem:Ich wollt', meine Lieb' ergösse sich" bereitet, erst glücklich überstanden! Na hoffentlich hat sie ausgerungen, wenn ich auf der Bildfläche erscheine. Ich muß mich noch umziehen."

Und die Weise des eben genannten Liedes in komi­schen Fisteltönen vor sich hinsummend, entfernte sich der junge Monn durch die nach dem Flur führende Tür, während sein Vater langsam nach dem Seitenzim- mer schritt, um sich gleichfalls für den Ausgang fertig zu machen.

Schon vorher hatte Frau Hochfeld die Stube ver­lassen^ so daß Wilhelm Friedwald und die schöne Toch­ter des Hauses allein waren.

Der Ausdruck von Befangenhett, den Hedwig Hoch­felds Wesen vorhin gezeigt hatte, machte sich jetzt in erhöhtem Maße geltend, als der Besucher schweigend auf sie zutrat, mit der Rechten sie leicht unter dem Kinn faßte und wie vorhin einen forschenden Blick auf ihr liebliches Gesichtchen heftete.

Es liegt ein Schatten über Dir und Deinem Wesen, Hedwig!" sagte er dabei in einem Tone, der wie in *

sehe Literatur ausmacht, und was im Volte immer fortleben wird, das sind nicht seine geschichtlichen, ästhetischen und philosophischen Schriften, die in erster Linie nur den Fach, mann und Literaturhistoriker anziehen, das sind auch nicht seine Erzählungen, die weniger dem Drang des Genies als dem Kampf ums Brot ihre Entstehung verdanken, das sind vielmehr seine dichterischen Werke. Eine Aus­gabe wie die HerderscheBibliothek deutscher Klassiker", die, für die weitesten Kreise des Volkes bestimmt, diesem die ganze Schönheit, Kraft und Gedankenfülle des groß« Dichters durch eine verständnisvolle Darbietung des Besten vermitteln will, kann sich daher auf seine Dichtungen be- schränken; diese aber sind vollständig gebracht: die Ge­dichte, die Dramen nebst dem Demetrinsbruchstück und der Huldigung der Künste und zur Ergänzung seine klassischen Uebersetzungen von Virgils Zerstörung Trojas und der Iphigenie in Aulis des Euripides. Alle Dichtungen er- scheinen in der Gestalt, wie sie Schiller selbst der Nachwelt überliefert wissen wollte und zwar unter Zugrundelegung der besten wissenschaftlichen Ausgaben. Der erste Band enthält als Einleitung eine ausführliche LeLsnsbesHrei. btmg des Dichters aus der Feder des Herausgebers mit einer Gesamtwürdigung fernes Schaffens und feiner Be­deutung für unser Schrifttum. Jeder Dichtung ist eine Einleitung vorangestellt, die ihre Entstehung. Aufnahme!, Wirkung behandelt imd eingehend ihre künstlerische Glie­derung und ihren dichterischen Gehalt würdigt; außerdem sind am Schlusie jedes Bandes ausgiebige Amnerkungen und Erläuterungen beigegeben, die das Verständnis er­leichtern und vertiefen sollen. Die gange Anlage von Her­dersDeutschen Klassikern" ist überdies so getroffen, daß sie auch der Jugend mrbedenklich in die Hand gegeben wer­den können. Bei diesen inneren Vorzügen wie der ge­schmackvollen, gediegenen Ausstattung kann daher diese Ausgabe von Schillers Werken jeder Familie und na­mentlich der fftudierendÄrt Jugend betiten Ge­schlechtes aufs beste empfohlen werden.

Deutsche Gedichte. Zur Wiederholung und zur Er­innerung für Schule und Volk. Zusammengestellt von Pros. I. Feldmann. Zweite, unveränderte Auflage. 12° (486). M.-Glaübach 1921, Volksvereins-Verlag Ä. m. b. H. Preis 8 M. WD lernen manches schöne Ge­dicht in der Schule, vergessen es aber leider nur allzubald wieder. Das Büchlein will diesem Uebelstand abhelfen. In feiner bescheidenen Gestalt (Klein-Oktav) und feinem hübschen Gewand bietet es sich als ständigen Begleiter durchs Leben an, der wenig Beschwerden verursacht, aber viel Freuden bringt. Zu dmk alten Bekannten sind neue und neueste gefügt, und diese Zusammenstellung von alter und neuer Auffassung bietet willkommene Anregung zu lehrreichen und überschauenden Vergleichen. Man kann nur wünschen, das Büchlein möchte den Weg finden in Schule, Häuser und Herzen.

Freiburg« Gaudeamus. Taschenliederbuch' für die deut­sche Jugend, entbaltenb 223 unserer schönsten Weder zu­meist mit Melodie. Zusammen gestellt von Dr. Karl Reifert. Dritte bis fünfte, vermehrte Auflage. (17. bis 28. Taufend) 12°. (XVI u. 234 S.) Freiburg k. Br. 1921, Herder. 7.80 'M und Zuschläge. Wenn bei der großen Zahl der Taschenkedarbücher für ine Jugend das FreiburgerGaudeamus" unter den gegenwärtigen Verhältnissen gleich in mehreren Auflagen erscheinen kann, so ift dies sicher ein Beweis für feine große Beliebtheit. Und diese ist wohlverdient. Hat doch der Herausgeber überall den richtigen Ton getroffen. Wohl der weitaus größere Teil ds» Lieder und das möchten wssr als den Hauptvorzug bezeichnen gilt dem Vaterland und der Heimat, der Frteche an Gottes schöner Wett und dem frohen Wandmr. Der Jugend an den höheren Lehnm- Hatten aber, deren großer VerbandNen-Deutsch- land" dasGaudeamus" kürzlich zu seinem Bundes­liederbuch erkoren hat, werden die humorvollen Pennäler- und Studentenlieder ganz besonders willkommen fein. Unfern vollen Beifall endlich findet es, daß in wertvollen neuen Liedern auch des fmchtbaren Krieges unti feiner Opfer gedacht fft. Druck und Ausstattung sind in Anbetracht der augenblicklichen Umstände überraschend gut, der Preis mäßig. Es wird daher dasGaudeamus" auch weiterhin feinen Weg machen; des sind wir sicher.

Märkte.

nc. Frankfurt a. HL, 17. Oft Der heutige Frucht, markt lag sehr fest, doch war das Geschäft infolge der erneuten Steigerung der ausländischen Devisen sehr ge­ring. Die Preise hielten sich fast vollkommen im Rahmen her Vorwoche, nur Futtermittel zogen etwa an. Gesucht ist noch immer Saatgut, auch für Mehl macht sich stärkere Nachfrage geltend, anscheinend infolge ter starken Er­höhung der KartoffelpneHe.

Auszug aus öen Wlskmi des Skaulsesams ä.

Sterbefälle vom 7.14. Oktober 1921.

7. Oktober. Elisabeth Erb, Vi Stunde. 7. Margareta Gentzler, 41 I. 3 M. 7 T. 7. Rentenempfänger Her­mann Dehler, 52 I. 11 M. 2 T. 8. Taglöhners-Witwe Anna Emilie Maria Weigand, geb. Eckardt, 71 I. 9 M. 29 T. 9. Witwer Rentenempfänger Philipp Dippel, 70 I. 10 M. 10 T. 10. Fabrikarbeiterin Maria Enderz aus Eichenzell, 19 1.11M. 7 T. 10. Therese Katharina Kreuzberg, 2 M. 5 T. 11. Privatmann Rudolf Nikolaus Kalb, 62 I. 5 M. 24 T.

verhaltener Angst vibrierte.Sind es die kleinlichen Sorgen des Alltagslebens, ober hat Deine Mißstmuf mung einen anderen Grund?"

Mit einer beinahe unwilligen Gebärde wendete sich das schöne Mädchen ab und den Blick des vor ihr« Stehenden vermeidend, erwiderte es ausweichend:Miß. ftimmung? Ich wüßte nicht, daß ich mißgestimmt wär« es fei denn darüber, daß Du mich während des ganzen Essens wie ein Argus beobachtet hast!"

Das ist mir neu, Hedwig, daß Dir meine Blicks lästig fallen! Es gab eine Zeit fo lange ist es noch nicht her da suchtest Du meine Augen und ich di« Deinigen in Gegenwart anderer. Heute hast Du es gefliffentlich vermieden, mir auch nur einen lieben Blick zu schenken! Habe ich irgend etwas getan, wodurch Du Dich gekränkt fühlst? Dann ift es gewiß' nicht mit Absicht geschehen! Willst Du mir nicht sagen, Lieb, was zwischen uns steht?"

Du stehst Gespenster!" erwiderte das Mädchen mit gezwungenem Auflachen.Fast kommst Du mir vor, wie ein alter Schulmeister, der ein Schulkind ins Geber nimmt! Wenn Du wüßtest, wie Dir die salbungsvolle Weise steht, dann würdest Du einen heiteren Ton bei mir anschlagen! So all bist Du denn doch noch nicht"

Meine salbungsvolle Weise?" unterbrach sie Fried­wall, betroffen.Was Du noch vor vierzehn Tagen gereiften, männlichen Ernst genannt hast das ist jetzt salbungsvolle Weise? Ich kenne Dich nicht mehr, Heb. wig! Was ist mit Dir vorgegangen? Du schweigst? Hedwig haben wir uns nicht hoch und heilig gegen, fettig versprochen, niemals ein Geheimnis vor einander zu haben? Hast Du vergeßen"

Das Gespräch wurde durch den alten Hochfeld untere brochen, der zum Ausgehen fertig in die Stube trat und dem Besucher zum Abschied die Hand reichte.

Also nichts für ungut, lieber Wilhelm! Hoffentlich sind Sie morgen abend wieder unser Gast ober müs­sen Sie wieder verreisen? Nicht? Nun, dann kann ich Ihnen noch verschißene Altertümer aus unserem Hause zeigen wie Sie Aehnliches in manchem Museum nicht finden."

GoMetzmtg folgt.)