48. Zahrg.
Dienstag, 18. Oktober 1921
Nr. 240
Verzögerung
die
in Saarbrücken
Er.
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land vom oberschlesischen Die „Volksmacht" Hai mit zu tun, als daß sie dieses sie dann in der Weiteren
Unterstützung im Kampf um di« Existenz und um die Haltung der durch die Revolution ihnen gewordenen rungenschastem.
dem Gedicht nichts weiter! auch abgedruckt hat. Daß Oefsentlichkeit als Urhüb« vom „Vorwärts" auf ein
machtvoller Weife und unter Beteiligung Taufender imo Abertausender gegen die Einführung der Frankenwäh. rung ins Saargebiet. Die Demonstration erbrachte dafür den Beweis, daß die überwältigende Mehrheit des Saarlandes sich mit aller Kraft geg en die Franken. Währung stemmt, weil dadurch der wirtschaftliche Ruin herbeigeführt wird und für Tausende nur Not und Elend bedeutet. Au» Anlaß der Kundgebung hielten am Nachmittag die Saarbrückener Geschäfte geschlossen.
Wirth geht — Wirth bleibt.
Nach den deutschnationalen Zeitungsorganen ist es unzweifelhaft, daß Dr. Wirth nicht weiter als Reichskanzler in Betracht kommt. Dabei ist dis Presse der Rechten auch über das, was das Zentrum beabsichtigt, wenn man ihr glauben dürfte, besser unterrichtet als die politischen Kreise unserer Partei.
Tatsache ist, daß von den Mitgliedern der Zentrumsfraktion, die zurzeit in Berlin weilt, keines den Rücktritt des Reichskanzlers für notwendig hält oder ihn sogar fordert. Für die Zentrumsfraktion wird von entscheidender Bedeutung sein, zu welchem Ergebnis der Reichskanzler und das Kabinett in der Frage ihres persönlichen Schicksals selbst kommen.
Der „Vorwärts" beschäftigt sich mit der Möglichkeit eines Rücktritts des Kabinetts vor dem Zu- fammenttitt des Reichstages. Für diesen Fall, so sagt das Blatt, lasse sich nicht voraussehen, ob die sozialdemokratischen Minister dem neuen Kabinett angehören und ob die Sozialdemokratie dann überhaupt noch in der Regierung fein werde. Die Sozialdemokratie könne eine Lenierung des außenpolitischen Kurses nicht mitmachen. Auch eine Aenderung des innerpolitischen Kurses durch eine Rechtsschwenkung könne sie niemals decken. Man möge sich nicht darauf verlassen, daß die Sozialdemokratie, wenn die Rot offenbar werde, wieder einspringen würde.
Unfruchtbare Verhandlungen.
Wie der Vorwärts mitteilt, ist die gestrige Sitzung de sinter fr aktiv nellen Reichs» lagsausschusseS ergebnislos verlaufen. Die Frage der Demission deS Kabinetts wurde nicht gelost und. in der Steuerfrage konnte kein Vortswrttt erzielt werden, da bestimmte Nachrichten über die geplante Kredühilfe der Industrie nicht vorlagen.
Lerantwoniich für den ceüauionellen TeU: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzetter-Fittda. “ Rotationsdruck u. Vertag der Fuldaer Acttendruckerei in Fulda. jVem|pred;er Nr. 9. Teiegr.-Adresse: Sulbaer Zeitung.
Die VstschasterLonserenz.
Die Sitzung bet Botschafterkonferenz am Montag in Paris, die sich mit dem Völkerratsbeschluß in der oberschlesischen Frage befassen sollte, ist auf Mittwoch vertagt worden. EZ soll vorher noch eine
warten.
15 punkte der Entscheidung.
Wie aus London gemeldet wird, enthält Entscheidung des Bälkerbundes 13 Punkte:
1. Es wurde beschlossen, eine Grenze zu ziehen, die das Industriegebiet durchschneidet und die nach den Grundsätzen geschaffen wurde, daß ein Minimum von Polen auf der deutschen Seite und ein Minimum von Deutschen «ruf der polnischen Sorte zurückblejben sollte.
2. Da der Kern der Streitfrage wirtschaftlicher Art ist, wurde der Versuch gemacht, die Bedeutung der politischen Grenze dadurch henabzusetzen, daß gewisse rmrt- sch-lstüche Maßnahmen beschlossen wurden, um den wirklichen Charakter des Industriegebiets aufrecht zu erhallen, und zwar während einer Dauer von 15 Jahren, und deshalb vorgeschlagen, eine gemischte Kommission von Deutschen und Polen einzusetzen.
3. Bezüglich der Eisenbahnen soll eine gemischte Kommission einen Plan ausorde-iien, um das ganze Elfen» bahnsystem zu einem einheitlich zusammenhängenden System des Industriegebiets zusammmzufasien.
4. Es ist klar, daß eine politische Grenze auch sofort eine Zollgrenze wird.
5. Während der Periode von sechs Monaten sollen beide Teile vollkommene Freiheit genießen, ihre Geschäfts so zu organisierien, ckl» ob die politische Grenze nicht bestände.
6. In der Periode von 14% Jahren dürfen alle Rohstoffe, die entweder au» der deutschen oder aus der pol- mrschen Zone stammen oder dort verwendet werden sollen, die Grenze ohne Zollabgabe passieren und zurückpassieren.
7. Die gemischte Kommission soll berechtig sein, ein allgemeines Abkommen zwischen Polen und Deutschland <ms- zuarbeiten für den ungehindertetr Export solcher Rohstoffe ,die von der Industrie auf 6er anderen Seite gebraucht werden.
8. Während der Periode von 15 Jahren dürfen keine gewaltsamen Enteignungen von Privat- ei gen tum auf irgend einer Sehe der Grenze stattfinden.
9. Die Deutschen, die aus her polnischen Sorte her Grenze schon, haben das Recht, während einer Zeitdauer von 15 Jahren für die deutschen Staatszugehörigkeit zu optieren,
10. Die deutsche Mark ist als gesetzliches Zahlungsmittel in der polnischen Zone anzuerkennen.
11. Die deutsche Sozlalgesetzgebung bleibt so lange in Kraft, bis die polnische Regierung entsprechende eigene Gesetze erläßt.
12. Die Wasserversorgung innerhalb des Industriegebiets soll unter bauernder internationaler Kontrolle bleiben.
13. Bezüglich der Lieferung von elektrischer Kraft wird dafür gesorgt, da die jetzige Kraftlieferung nicht unterbrochen wird.
lieber die genaue Grenzführung kann noch nichts gesagt werden. Es heißt aber, daß außer Pleß, Rybnik und Kaüowitz, Königshütte und Tar- nowitz an Polen abgetreten werden.
Bezugspreis: Monatlich 5.01 Mk. zugestellt frei ins Haus. ~ AbgehoU in der Gefchästsst, lle 4,60 Ult - Anzeigen: E oionelzeile 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklame geile (Xertbreite) 2.53 Ulk.
Deutscher Reich.
* Berlin, 18. Oft. Mit Rücksicht auf dve durch die Entscheidung über Oberschlesien herbei geführte politisch-parlamentarisch: Lage ist der für den 24. Oktbr. nach Stuttgart anberaumie ParteitagderDeut- scheu Volkspartei vorläufig verschoben rrordou. — Wie eins Korrespondenz an zuständiger Stelle erfährt, hat der Rcichswirtschaftsminister einen Handwerker-Beirat beim Reichswirt- 'chastsminifterium gebildet. Die Mitglieder ;-3 Beirats wurden auf Grund des Vorschlages des .'.'.terfraklion'llen Handwerker-Ausschusses des Reichstages und des vorläufigen Rvichswirtfchaftsrates ernannt.
* Ium Reichsgeseh befr. die religiöse Kindererziehung. Abg. Porsch (Z.) hat im Landtag folgende Anfrage eingebracht:
Das Reichsgosetz vom 15. Sirit 1921 betreffend die religiöse Kindererziehung soll am 1. Januar 1922 für das ganze Reich in Kraft treten. Es kann indessen für ein Land durch Verordnung des Reichspräsidenten mit Zustimmung der betreffendy, Landesregierung schon zu einem
juristische Prüfung der Frage vorgenommen werden. Tie Veröffentlichung deS Beschlusses Vöikerbundsrates ist demnach erst Mittwoch zu
Einleitung: „Ein Leser unseres Blattes übersendet uns folgende „Verse", die in einem D-Zugr-AbtM von Jünglirrgm mit handtellergroßem Hacke-nlkreug am Waffenrock gesungen und von unserem Gewährsmann s e st g e h a l t e n wurden." Die Sänger foltert nach dem „Vorwärts" Mitglieder des Freikorps Ober-, Selbstschutz gWesen sein.
Hus dem besetzten Gebiet.
* Var .höchster Kreisblatt' ist wegen eines Artikels „Ein neues Elsatz-Lothringen", in dem die Entscheidung deS VölkerbundSratS über Oberschlesien kritisch beleuchtet wurde, auf drei Tage verboten worden.
Streik und Ztreikgefahr.
Berliner Zeitungsstreik.
Die Organisation der Berliner Zeitungsverleger hat sich mit der Firma Rudolf Mosse, bei der die Zeitungsdrucker unter Nichtachtung der Tarifabmachungen höhere Lohnforderungen gestellt haben, so daß daS ,Berliner Tageblatt' feit Samstag nicht erscheinen kannte, solidarisch erklärt. Infolge di-fer Solidarität sind heute (Dienstag) morgen nur di« drei sozialistischen Blätter sowie die „Kwuzzeitung" und die „Deutsche Zeitung" in Berlin erschienen. ...
Die Strcikgeflchr bei der Eisenbahn.
In der Eisenbahnhauptwerkstätte in Halle ist eine Urabstimmung über dm Streik oorgenom- iiren worden. Für den SSreik ergaben sich 1087, dagegen 200 Stimmen. Bei den Verhandlungen zwi- schm der Eisenbahndirektion und den Angestellten kam keine Einigung zustande.
Lereikschafi zum Generalstreik.
fpd. Frankfurt a. M. Die Dollversommlurrg der Der» trauens!atte, Betriebs- und Beamtemäte des Deutschen Eiser.bahnerqfevbandes, Ortsgruppe Frankftrrt am Main, nahm eine Entschließung an, in der sie vom Hauptvorstand m Berlin erwartet, daß er die Lohn- und Gshaltsfordenmgen der Eisenbahner mit allen ihm zu Gebot« stehenden Mitteln gegebenenfalls durch Anwendung des Generalstreiks durchgeführt. Die Frankfurter Eisenbahner seien bereit, einem an sie ergehenden Ruf zum Generalstreik sofort Folge zu leisten. Den Eisenbahnerkollegen im Bezirk Halle und Sachsen sprachen die Frankfurter Eisenbahner, obwohl Gegner des General- streiks, für ihr entschlossenes Borgehen ihre vollste Sympathie aus und versicherten sie gleichzeitig ihrer aktiven
Donnerstag Reichstag.
Am Montag vormittag trat der Aeltestenrak des Reichstages zusammen, um sich mit d« künftigen par- lamenia rischen Lage zu befassen. Die SSera»untren mitten nur von kurzer Dauer. Man einigte sich dahin, daß die Reichstaasmitglieder telegraphisch eingeladen werden sollen, sich am Donnerstag im Reichstag an«
Riesendemonstrakion gegen die Irankenwährung. Eine von allen politischen Parteisn mit, Ausnahme der Unabhängigen und Kommunisten veranstaltete Kundgebung am Samstag richtete sich in
Vie Stadtwahl in Groß-Berlin.
Schlüsse auf die politische Stimmung in Deutschland.
Kurz gesagt: das Ergebnis ist eine Rose mit Domen : Die rote Mehrheit ist gebrochen, aber die bürgerliche Mehrheit ist nur ganz knapp. Wahrscheinlich etwa 115 gegen 110 Sitze im Rathaus. Das wicht allenfalls zum Abwchrech aber nicht zum Schaffen.
Den stärksten Zuwachs haben tote Deutsch- nationalen erhalten. Ihre Stimmenzahl ist von 188 000 des Borjahrs auf rund 300 000 gestiegen; wenn iran eine neue rechtsradikale Gruppe (deutschsozial) hinzurechnct, sogar auf 311000. Das ist gut insofern, als es zur Befestigung der roten Mehrheit beiträgt; aber im Hinblick auf die Arbeitsfähigbnt ist es bedenklich, daß die Partei der KatostrvptMpolitik so viel Erfolg hat.
Den zweitstärksten Zuwachs bat die Mehr hei ks- sozialdemokratie zu bmym. Die sog. Scheide- männer haben sich von 283 000 auf 344 000 ver- inchrti Da, ist tzut insofern, als bfe gemäßigten Sozialisten das Uebergewicht über die radikale Linke (Kommunisten und Unabhängige) erlangt haben. Aber es fragt sich, ob die Mehrheilssozialisten nicht etwa übermütig und allzu herrschsüchtig werden, wenn sie sich al» die stärkste Fraktion im Hause und als Zimg- fetn in der Mag: fühlen.
Di« Unabhängigen und Kommunisten, die vorig:« Jahr zusammen mit 633000 Stimmen an der Spitze aller Parteien marschierten, haben dm kolossalen Verlust von 160 000 Stimmen erlitten. Das ist sehr gut. Rur bleibt die interessante Frage, wo denn diese 160 000 Stimmen geblieben sind. 60 000 mögen Zu den MchrhÄtssozialiften übarge« gangen sein. Daß die übrigen 100 000 einfach zu Hause geblieben seien, ist kaum wMnehmen, da in diesem Falle die Eesamtsummen der abgegebenen Stimmen nicht in dem Maße gestiegen wären, wie es tatsächlich geschehen ist Zur Lösung frs Rätsels ist man auf die Vermutung gekommen, daß von den Links radikalen ein verärgerter Teil diesmal sich zu den Rechtsradikalen geschlagen habe. Das klingt überraschend; doch bei diesen extremen Elementen, d« auf den Umsturz spekulieren, sind sonderbare Schiebungen nicht ohne weiteres ausgeschlossen. Die Sache verdient eine nähere Prüfung auf Grund der Einzelergebnisje in den betreffenden Wahllokalen.
Die Deutsch« Bolts Partei hat etwa 20 000 Stimmen verloren; zum größten Teil vermutlich an die Deutschnationalen. Die Demokraten dagegen hoben günstig abgeschnitten mit einem Gewinn von 6000 Stimmen oder etwa 5 Prozent.
Die Wirtschaftliche Bereinigung, eine angeblich unparteiische Gruppe für die materiellen Interessen des Mittelstandes, hat durch rührige Agitation sogar 15 000 Stimmen (beinahe 20 Prozent) gewonnen.
Und das Zmtrum? @s tyat fernen Bestand behauptet, und es will unter den schwierigen Ver- hältnisien von Groß-Berlin schon etwas sagen. Natürlich hätten wir die 8 Zentrumssitze im Stadthause gern auf das Dutzend gebracht. Es ist ttotz fleißiger Arbeit nicht gelungen; doch lasten unsere Parteigenossen in Berlin die Hoffnung nicht fahren,, daß sie künftig vorwärts kommen, wenn die augenblieüichs Zugkraft der Desperadotaktik ausgefpvelt hat.
Warum besprechen wir diese Einzelheiten der Berliner Parteibervcgung? Weil sie mehr als ein örtliches Interesse haben und gewisse Rückschlüsse auf die allgemeine Volks st immung gestatten. Früher dienten die Ersatzwahlen zum Reichstag oder Landtag als Barometer für die Regungen der Volksseele. Bei dem gegenwärtigen, Listenverfahren gibt es währerch der Wahlperiode keine Ersatzwahlen mehr. Wenn mm inzwischen Kommunalwahlen in einem größeren Bezirk stattjinden, so ist di« Verschie- bring der Parteistärke beachtenswert, da heutzutage die Stadtwahien auef) unter den parteipolitischen Gesichtspunkten erfolgen. Groß-Bertin hat nmd 4 Millionen Einwohner, bildet also »etwa den fünfzehnten Teil des deutschen Volkes. Also kann man aus dem Wellengang der öffentlichen Meinung m Groß-Berlin schon «m«s lernen.
fleslae».
* Die Deutschen in Elsaß-LolhrirMu. In ölt. französischen Kammer wurde eim Jrtterpek lation eingebracht, in der gefragt wird, warum in Loth. ringen die deutsche Gesetzgebung und bte deutschen Verwaltungsgepflogenheiten aufrecht erhallen und in den wichtigsten Aemlern in Elsaß-Lothringen Deutschs beibehalten werden, deren Tätigkeit für die öffentlich« Ruhe und dis nationale Verteidigung gefährlich seiuch — Huih!
• Einfall ungarischer Banden in Steiermark Wie berichtet wird, ist am Montag vormittag iy dem steierischen Grenzort Warlegg eine ungarische Bande eingefallen. Sie wurde nach langem Feuerkampfe durch Alpenjäger und Gendarmeriepatrouillen zurückgeworsen.
* Der Verfall Sowjetrußlands. Nach einer Meldung auS Helstngfors wird die englische Handels, abordnung, die sich einige Zeit in Moskau aufhielt, demnächst nach Helsingsors zurückkehren. Die Abordnung soll zu der Ansicht gelangt fein, daß der allgemeine Versall Sowjetrußlands fe lief fei, daß regelmäßige Handelsbeziehungen mit Rußland erst nach längerer Zeit wieder aufqeuomme» werden können.
* Das Sfreiffirbet In Amerika. Man rechnet, daß am 31. Oktober eine halbe Million Eisenbahnangestellte m den Streik treten merbere, deren Zahl sich bis zum 2. November auf zwei Millionen erhöhen dürfte. Die Blatter rechnen damit, daß die Eisenbahner bei hem StrziL eine DiedA- lage WlMv lverÄn. --r-
cmgesprochen wurde, wird
boshaftes Manöver der Kommuni st en zurückgeführt, die die sozialdemokratische Presse barr.it diskreditieren wollten.
Dor läufig möchten wir aus zwei Punkte Hinweisen:
Die äußerste Linke (Kommunisten und llnab- hängige) hat "durch das Moskauer Sprengpulver eine Lrfrarliche Einbuße erlitten, aber nicht die mehrheitssozialistische Partei. Wie für'die Berliner Stadtverwaltung, so kommt auch für die Rrichs- tmb Landespolitik alles daraus an, die Mchrheits- sozioliften zur positiven Mitarbeit heranguziehen. Es ist möglich, daß diese Partei infolge ihrer jüngsten Erfolge die alle lähmende Angst vor den radikalen Stimmenjägern ül>erwindet. Die Berliner Stadtwahl bestätigt, was durch dir KoalitionsverhanÄlungen im Reich und in Preußen an gestrebt wird: eine feste und fruchtbare Arbeitsgemeinschaft muß sowohl die Mehrheitssozialisten als auch die Deutsche Dolkspartai um- 'fassin.
Das ist eine neue Rechtfertigung der Zentru ms- Politik. Demgegenüber dürfen wir aber nicht übersehen, daß die deutschnationale Partei, die schärfste Eignerin unserer Politik der Sammlung, nach wie vor eine starke Anziehungskraft ausübt. Ihr Zulauf kommt hauptsächlich von den Ungeduldigen und Verdrossenen, die durch fortgesetzte Nackenschläge in der hohen Politik in eine verzweifelte Stimmung geraten. Je mehr Widerwärtigkeiten Deutschland treffen, desto mehr Wähler fiiuben Geschmack an der verwegenen Katastrophen Politik. Dieser Verirrung der Seelen müssen alle besonnenen Elemente mit großer Kraft entgegenwirken, und zwar nicht erst im künftigen Wahljahr, sondern schon von langer Hand durch fortgesetzte Belehrung und Erziehung unserer Wähler in Wort und Schrift, in großen und kleinen Versammlungen, in reger Veoeinstätigkell sowie in der Presse und in Flugschriften.
Das erfordert viel Arbeit und Opfer; aber es ist notwendig. Nicht bloß für die Partei, sondern zur Rettung des Vaterlandes.
Das Hell liegt in der Mitte.
zusinden. Da eine amtliche MUteiluyg über den Genfer Beschluß noch nicht vorllegt und auch noch nicht vorauszusehen ist, wann Jie antreffen wird, ist auch noch nicht sicher, ob der Reichstag an diesem Tage eine Plenarsitzung abhalten wird Jeden- falte aber ist damit zu rechnen, daß wenigstens die Parteien in Bereitschaft sind, um sofort bei Eintreten der Notwendigkeit dm pavlamenarischen Apparat sp seien zu lasten.
Am Mctttag abend hat eine Besprechung der Führer derjenigen Parteien beim Reichskanzler statt- nffumden von denen man amnrnmt, daß sie die K o a - lition'der Mitte bilden werden. Bestimmte positive Schritte der Reichsregicvung sind gemäß ihrer Erklärung nicht eher zu erwarten, als bis die Entscheidung über Oberschinsten offiziell und amtlich in Deutschland überreicht worden ist. Man wird deshalb auch am.'t)men dürfen, daß die Besprechungen beim Reichskanzler trotz ihrer zweifellos wichtigen po- lltischm Bedeuttmg irgend eine Entscheidung über die künftige Gestaltung der Regierung kaum mit sich bringen werben. Da die Parteien in Berlin weder anwesend, noch versammelt sind, tft auch eine feste Stellungnahme derselben noch nicht erfolgt. Erst die Fraktionssttzungen werden über die Stimmung der Parteivn Klarheit schaffen können.
Die Zentrumsfraktion des Reichstages wird cm Mittwoch nachmittag um 3 Uhr zusammen- tresen.
früheren Zeitpunkt in Kraft gefetzt werden. Mit Rücksicht auf die schwere Gewistensbedrückuna,^ die der bisherige blechtszustond mnneni'ich für viele Mütter mit sich bringt, wäre ein möglichst baldiges Jnkrafttretea des Gesetzes auch für Preußen in hohem Grade erwünscht. Ist das Gefamtministermm bereit, den Erlaß der entsprechenden Dervrtmung beim Herrn Reichspräsidenten unverzüglich zu beantragen?
» Der „Schutz der Republik" und die presse. Die Gewerkschaft fränkischer Redakteure safte nach voraus- gegangener Aussprache folgende Entschließung: „Dte Gouxirkschaft sieht in der Verabschiedung eines Gr-setz- erttwurses zum Schutze der Republik durch bas Reichskabinett ein für die Freiheit der.Presftz unerfreuliches und im Hinblick auf die Tätigkeit der Preste gefährliches Gesotz. Sie bittet bta Fraktionen des Reichstages dringend vor Verabschiedung eines solchen Gesetzes crnsthaft zu prüfen, ob der durch das Gffetz beabsichtigte Zwang nicht auch bereits durch die bestehenden strafrechÄichm Bestimmungen erreicht werden kann, zum<al ja auch das Strafgesetzbuch in seinen §§ 196 und 197 dte Männer des öffentlichen Lebens und öffentlich-rechtliche Körperschaften schützt. Sollt« aber wider Erwarten ein solchn Gesetzentwurf Gesetz werden, so häü es Lis Gewinkschaft für unbedingt erforderlich, daß bann der § 193 des Strafgesetzbuches (Wahrnehmung berechtigter Jitteresten) auch auf die Kritik an Männern ds- öffentlichen Lebens ausgedehnt wird."
* Ter preußische Staatsrat will in gewiffen Zeik abständen von jetzt an regelmäßig zusammentretew, da der vorliegende Arbeitküoff dauernd onwöchst. Der Staatsrat will daher allmonatlich an jedem vierten Dienstag zusammenkommen und dann eine» oder mehrere Tage verhandeln.
* Konstituierung des Eisenbahner-Hauptbeamten- rateS. Im Reichsverkehrsministerium bat sich beq aus den Wahlen im ganzen Reiche hervorgegangenü Haup!beamtenrat in feierlicher Weise konstituiert- nachdem die bisherige Beamtenvertretung beim Reichsverkehrsminifterium, die sogenannte „Personal- Vertretung", noch eine letzte Sitzung abgehalten hatte- in der eine Uebersicht über die bisherige Arbeit der Beamtenvertretungen gegeben wurde. Der Haupch beamtenrat, die Spitzenorganisation der Bezirks- und Direktionsbeamtenräte im Reich, wirb seine Funktionen so lange erfüllen, bis die desetzlich? Regelung der Beamtenvertretungen erfolgt ust.
* Anschluß Pyrmonts an Preußen. Am Sonntag fand in Bad Pyrmont die Abstimmung über de» Anschluß von Pyrmont an Preußen statt. Unter einerTettnahme vvn55 Prozent aller stimmberechtigten Wähler wuiden 2^56 Stimmen für den Ans schluß an Preußen und 640 Stimmen gegen bei} Anschluß abgegeben. Die Entscheidung unterliegt jetzt noch der Abstimmung in den beiden Landtage» von Pyrmont und Preußen.
* Zur Geschichte eines politischen Schmghgedichl«« In den Sagen des Erzbergermvrdes wurde als Bete» für die politische Verwilderung ein Gedicht m der bsrja sehen Presse mtebergegeben, in dem es zum Schluss^ hieß: Haut immer feste aus den Wirth! Haut feinen Schädel, daß er klirrt. Knallt ab den Waller Raihnm»r, die gottverfluchte Judensau! Wie viele anders Zti- tungen Hatton auch wir als Quell: dieses Gedichte» die „Schwarzwälder Volkswachk" emgegebtei und dieses Blatt als ein wchtsrMkaies Organ btA trachtet. Die „Volkswacht" ist jedoch, wie sich inzwischen herausgeftellt hat, einerseits ein s o z i a l { demokratisches Parteiblatt, andererseits g a i nicht di« Quelle des Gedichtes. Das Gedicht ist tatsächlich zuerst am 26. Juni vom „Vorwärts" - in Berlin veröffentlicht worden und zwar mit der
Fuld aer Zeitung
Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.