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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 239.

Veranlworiiich tür den reöauionellen Teil: Dr I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzel ler»Fn!üa. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuiüaer Actiendruckerei in Fulda, flerniprecker Nr. S. Telegr.-Ldresie: FuldaerZeitung.

Montag, t7. Oktober 192L

Bezugspreis: Monatlich 5.00 Btt. zugestellt frei ins Haus. ." Abgeholt in der Geschästsstrlle 4,60 2HL n Anzeigen: Colonelzeile 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (TeMreitet 2.50 Mk.

48. Zahrg.

JelhMMW te MsWeMfemz.

Notifikation vermutlich Dienstag.

Die Proteste der oberschlesischen Be­völkerung gegen die Entscheidung von Genf dauern fort.. Gleichzeitig gehen die Bestrebungen gewisser Kreise weiter, aus dem Verhängnis von Oberschlesien innerpolitische Vorteile heraus zu Magen. Inzwischen hat die Bolschafteikonferenz E Ententemächte in Paris getagt und wichtige Beschlüsse gefaßt, worüber die ,Franks. Zta/ zu berichten weiß.

Die Entscheidung des Völkerbundsrates besteht bekanntlich aus zwei Teilen: dem Vorschlag für die Grenzziehung und einem Komplex von Be­stimmungen, der in dem wider Vernunft und Recht auseinandergerissenen Gebiet die unumgänglich not­wendige Einheit der Wirtschaft für die Dauer von fünfzehn Jahren aufrechterhalten soll. Dieses Wirtschaftsregime, das den polnischen Raubgelüsten wenigstens für einige Zeit den Zugriff auf eine blühende deutsche Industrie unmöglich machen soll, war den Franzosen vom ersten Augenblick an ein Dorn im Auge. Sie stellten deshalb die These auf, daß nur der Vorschlag für die Grenzsestsetzung bindend sei, daß es sich dagegen bei den wirtschaft» schaftlichen Bestimmungen lediglich um Anregungen handle, deren Befolgung oder Nichlbcfolgung Sache Deutschlands und Polens sei, und daß diese deshalb unter keinen Umständen Gegenstand eines Beschlusses des Obersten Rates bilden könnten.

Durch dieses Manöver hat bte Botschafterkon- ferenz einen Strich gemacht, indem sie die Genfer Entscheidung in ihrem ganzen Umfang, die Grenzlinie sowohl wie die Bestimmungen über das besondere Wirtschaflsregime zum Beschluß des Obersten Rates erhoben hat. Von französischer Seite wußte man nun also schon einen neuen Trick er­sinnen und man war nicht lange darum verlegen: Frankreich hat in der Botschafterkonferenz den An­trag gestellt, daß die Regierungen von Berlin und Warschau zunächst die neue Grenze notifiziert er­halten sollen mit der Aufforderung, die ihnen zuge< sprochenen Gebiete gemäß Artikel 88 des FriedenS- vertrages innerhalb eines Monats in Besitz zu nehmen. Gleichzeitig sollen die beiden Regie­rungen .verpflichtet" werden, Bevollmächtigte zu er­nennen, um Verhandlungen zum Abschluß der vom Völkerbundempfohlenen" Abmachungen zu treffen.

Das englische Mitglied der Botschafterkon­ferenz hat gegen diese Prozedur, deren Ziel an Durchsichtigkeit nichts ztt wünschen übrig läßt, Ein­spruch erhoben und darüber an seine Regierung berichtet. Vorausgesetzt, daß er bis dahin im Besitze der erbetenen Instruktionen ist, wird bte Botschafter- konferenz am heutigen Montag über diesen Punkt entscheiden. Die Ratifikation ihrer Beschlüsse würde dann wahrscheinlich am Dienstag in Berlin und Warschau erfolgen.

5ur Srage eines Regierungswechsels.

Dreibt uns ein alter Berliner ZenlrumsoctDran: Wenn ein Unglück über das Land heroingübrochM ist, pflegt man hier und da von einem Regierungs­wechsel zu sprechen. Die ehren denken so, weit sie gewohnt sind, der jeweiligen Regierung die Schuld an allem Unheil auiftuhalscn. Die anderen haben den .Aberglauben, daß eine neue Regierung esjedenfalls" ibessser fnachen oder wenigstens wuchr Gück haben werde, wie die alte.

Ein mächtiger itnb gesichertes Land kann sich er- lrmben, das Ministermm ausschließlich nach den

Görres-Gesellschaft und Dantefeier.

Zur heuiigen Feier im Sladikaal.

Daß zur Zeit in so vielen deutschen Städten be­sondere Gedenkfeiern zu Ehren des vor 600 Jahren verstorbenen großen Florentiner Dichters abgehoben werden, ist zu einem wesenllichen Teile die Wirkung eines Beschlusses, der auf der voriojährigen Görres- tagung hier in Fulda gefaßt worden ist. Auf den Vorschlag ihres Präsidenten, des Herrn Gchsimirats Prof. v. Granurt zu München, der selbst einer der verdienstvollsten Dantrforscher unserer Zeit ist, nahm damals die Eörrcsgesellschoft sich dieses Jubiläums mm. internationaler Bedeutung an. Es wurde die Einsetzung eimsDeutschen Dante-Komitees der Gör- res-Gesellfchaft" beschlossen, in dessen Ehrenvorstand aus Ersuchen des Präsidenten der in kor Versammlung «wesmche Hochw. Herr Bischdf von Fulda sofort ein- wat. Das Ghsamtlkomitss, dem ^och Lw:i weitere Herren aus »ulda angehören, trat am 8. Dez. 1920 si Lie -Oefsentlu^ett, mit einemAufruf zur deutschen ßjbTfxtU lanb ' *** aIIeiTi^i>err lebhaftesten

3n derselben Mitgliederversanmümg der Görres- tzcfellschaft narr, in der dieser Gegenstand beraten wurde --es war am 4. Oktober 1920 hn Refektorium unseres Prnftersemmars, wurde auch einstimmig eine Resolution ^angenommen, die bemerkenswerte Anregungen zur Forderung des Volkshoch schul- wesens gab und in der Press- gleichfalls viel be- acht.:t wurdeDie GorresMsellschast", so hieß es Darin,empsichlt ihren Mitgnedern freudige Anteil­nahme und wtrkiame Unterstützung der Volksbildunas- beftrdangen und des Bolkshochschulmrsens Mehr denn je bedarf es in den Tagen deutfcknr Rot einer lebendigen Volksgemeinschaft, zu deren A;iftich:unq die deutsche Wissenschaft ganz besonders berufen ist Dringlicher als sonst bedarf es eines Austausches des geistigen Kulturbesiß's der Nationen zwischen g-W- gen Arbeitern und Handarbeitern, so daß alle Volks­bildung auch nützliche Bolkserzichung bedeutet." Mehr als es in jener Sitzung wohl irgend jemand geahnt hat.

lnnerpolischen Gesichtspunkten gy gestal­ten. Deutschland ist jedoch zurzeit genmigt. auf die außenpolitische Leistungsfähigkeit seiner Re- grerung die sorgfältigste Rücksicht zu nehmen. Hat nun etwa das trstchende Kabinett Mangel an An­sehen und Vertrauen im Auslände? Das gerade Ge­genteil ist der Fall. Keine bisherige Regierung hat im hochpolitischen Getriebe sich so viel Wertgeltung erruntzm, wie das Kabinett Wirch. Im Gchchästsstil kann man sagen: Diese Firma hat Golluvert. Es ist nicht cbzusehen, wie wir durch einen Wechsel des Mittfftcrrums in: deutsche Außenpolitik erleichtern können. Beim Rücktritt des Kanzlers Fchrenbmh Md d.s Außenministers Simons spielten derartig,» Rück- sichte.t mit, da man versuchen wollte, gewisse Miß­stimmungen zu beftitigen, die sich bei ien alliierten Staatsmännern herausgebildet hatten und die berück­sichtigt werden solllen, obschon sie feinen rechten Gmnd hatten. Ätzt sprechen Erwägungen dieser Art für di» Erhaltung des gegenwärtigen Kabinetts.

Die Entscheidung liegt schlichlich beim Reichs­tag. Aber die Haltung der Parteien im Reichstag müßte eine überraschende Wendung nehmen, wenn sich eine Mehrheit bildut sollte, die dem Rrfthskanzlcr Wirth und seinen Genoffen kündigt-

Darum sollte man das Gerede von einer Neubil­dung des Rc-ichsnunisteriums aufgeben und desto eif­rige dahin trachten, daß die Regierung gefestigt wird auf einer breiten und geschloffenen Koalition.

Die Wahl in Grotzberlm.

Die Groß-Berliner Stadtverordnetenwahlen sind bei schönstem Wetter vollständig ruhig verlaufen. Da in 2 507 Wahllokalen gewählt wurde, konnten die einzelnen Wähler in wenigen Minuten abge­fertigt werden. Die Wahlbeteiligung scheint dies­mal, besonders in bürgerlichen Kreisen, stärker ge­wesen zu fein als im Vorjahr.

Nach den bisher vorliegenden nichtamtlichen Meldungen sind in den Bezirken 1 bis 6, die d a S engere Berlin ohne die Vororte umfaffen, für die drei sozialistischen Parteien rund 444000 und für die bürgerlichen Parteien rund 394000 Stimmen abgegeben worden.

Nach einem Privattelegramm der .Franks. Zig? ist die bisherige sozialistische Mehrheit im Groß- Berliner Stadtparlament gebrochen worden: Nach den zur Stunde vorliegenden Meldungen haben die sozialistischen Parteien insgesamt 815166, die bürger­lichen 838471 Stimmen auf sich vereinigt.

dem besetzten Gebiet.

Der neue Relchrkommiffor für die Sheinlande. Nach­dem der neue ReiüMoimmssar für die besetzren rheini­schen Gebiete, Fürst Hatzfeldt-Wildenburg, bereits dieser Tage in Koblenz die Führung der Ge­schäfte des ReichSkommrffariatS übernommen hatte, über- reichte er jetzt der interalliierten Rheinland kommission seine Vollmachten, wodurch dem Reichskommiffar namens des Deutschen Reiches und der an der Besetzung be- teüigten Länder die Aufgabe zuteil wird, die Rechte des Reiches und der NeichSregierung, sowie der Länder und ihrer Bevölkerung bei der interalliierten Rheinland- kommission zu vertreten.

* Diedrich a. Rh. Vor mehreren Monaten rettete der Steuersupernumcrar Karl Kuhn in Biebrich a. Rh. unter eigener Lebensgefahr einen französischen Soldaten vom Tode des Ertrinkens aus dem Rhem. Für diese Tat wurde dem jungen Manne jetzt unter entsprechenden Feierlichkeiten die franzöfische Rettungsmedaille am Bande nebst einer Urkunde verliehen. Herr Kuhn ift bereits im Besitz der Äronzeplakette der deutschen Rei-

habm inzwischen gerade Danteseiern mit sachlich ge­diegenen Lor!rügen und vollendeten künstlerischen Darbietungen in diesem Sinw gewirkt, und in den Programmen der einzelnen Volkshochschulen hoben seitdeni vielfach auch ganze Borlesurigsrerhen üter Dante eine Stelle gesunden.

Jene Dante-Gäächtnisfriern blieben keineswegs auf das Einflußgebioi der Görresgefellfchaft beschränkt. Es bestehl auch noch ein tmiterer Festausschuß in Deutschland, an besten Spitze Adolf von Harnack steht. Am 2 Juli d. I. sand im Berliner Opernhaus eine Dantefeier statt, an welcher der Reichspräsident, der Reichskanzler, mehrere Minister und eine Reihe der hervorragendsten Persönlichkeiten des deutschear Geistes­lebens teilnahmen. Ernst lisch, Professor der Theologie an der Berliner Universität, hieü dort die Gedächtnisrede, die die große ethische Blutung der Donteschen Dichtungen herausstellte und besonders die Fror-: bchan^tte, was Dante in der Not der gegen­wärtigen Zeit für uns in Deutschland bedeutet. Auch wo von Ang-chörigen der Görresgesellschast die Anre­gung zu solchen Gedächtnisfeiern uasging, wurde doch in der Regel Gewicht daraus gefegt, daß an der Ausführung weitere Kreis: beteiligt wurden. In Freiburg im Breisgau, wo der in Fulda von der (tzörrestagung her wohlbekannte Historiker Ge­heimrat Prof. F r n k e die Jubiläumsfeier in die Wege fettete, konnte man den Versuch wagen, eine gongt Dmileweche" zu veranstalten, zu der Prsfessorcn der «rschieedensten Fakultäten yufamrrm wirkten. Vom Auditorium maximum mußte man wegen des stets größeren Slirbrangee zunächst in diu neue große Aula der Universität, zuletzt in die städtische Festhalle über­siedeln, wv zur Schlußfeier über 3000 Zuhörer sich zusammendrängtsii. Auch Großherzog Friedrich von Baden mit Geinchlin und bte in Freiburg wohnen- den Mitglieder der sächsischen Königsfamilie nahmen an den dortigen D-ranstaltungen teil. Professor Engelbert Krebs sprach dort am dritten Abend über Dante als Philosoph und Thevlog.

lieber aus glänzend gestallte sich sodann auch die doppelte Dantefeier, die in dos Programm der dies-

tungSgefellfchatt, die ihm ebenfalls für die Rettung eines Menschen vom Tove des Ertrinkens verliehen worden ist.

Deutscher Reich.

* Berlin, 17. Okt. Reichspräsident Ebert wird am 27. Oki ober au der Eröffnung des Muse­ums des Deutschen Auslcmdsinstttut in Stuttgart teilnehmen.

* Der frühere König Ludwig von Bayern, der seit kurzem auf seiner Besitzung Sarvar in Ungarn weilt, ist dort an Magenerkrankung nicht un­bedenklich erkrankt. Sein Münchener Leibarzt, ver­schiedene seiner Töchter und Verwandte haben sich zu ihm begeben. Freitag wurde ein Krankenbericht ausgegeben, daß die Schwäche andauere. Nach neueren Berichten hat sich das Befinden Ludwigs III. wesent­lich verschlimmert.

* Ter Ausnahmezustand in Bayern ist am 15. Oktober außer Kraft getreten. Damit haben auch die verantwortlichen Träger des Ausnahmezustandes, die Staatskommissare, ihre Täiigkeit beendet.

Äu§!and.

* Griechenland. Die Nationalversammlung hat der Regierung Gunaris fast einstimmig ihr Ver­trauen ausgesprochen.

* Vereinigte Staaten. Trotz des Widerstandes der Wilson-Gruppe gegen den Sondervertrag mit Deutschland ist angeblich dessen Ratifikation für die nächsten Tage zu erwarten. Die Mit­glieder der vier amerikanischen Verbände des Zug­personals sowie des Weichenstellerverbandes wurden aufgefordert, in einen allgemeinen Streik einzu­treten, der am 30. d. Mts. beginnen soll. Die Eisen­bahnen sind in vier Gruppen eingeteilt. Das Per­sonal von 17 Linien tritt am 30. d. Mts. in den Ausstand; nach je 24 Stunden wird der Streik für die anderen Gruppen erklärt.

Äu§ der katholischen Welt.

* lieber Sir Srneft Kaffei, den au? Köln gebürtigen bekannten englischen Finanzmann wird jetzt noch folgende bemerkenswerte Nachricht bekannt: The Universe, bte bekannteste kath. Wochenzeitung Englands, bringt in Nr. 3169 die Nachricht, daß Sir Ernest Kassel, der be­kannte Mrllionär als Katholik gestorben sei. Kassel war von Geburt Jude. Die Tatsache des Uc&citritt« zur katholischen Religion sei eine volle Ueberraschung für viele gewesen. DaS Begräbnis fand nach römisch- katholischem Ritus auf dem Kensal Green-Friedhöf statt, nachdem in der Kirche von der unbefleckten Empfäng­nis in der Farm-Street bte feierlichen Ex-quien gehalten worben waren. Der König von England, die Königin Alexandra und der Herzog von Jork waren bei den Begräbnisfeierlichkeiten vertreten.

Vie ttartoffelnöten.

Die Zentrumsparlaments- Korrespon­denz schreibt:

3n den letzten Tagen hat sich die Oeffentlichkeit und nicht minder jeder einzelne und jede Familie sorgen­voll mit der Frage beschäftigt, wie sich in diesem Jahre die Versorgung mit Kartoffeln, also eines der wichtig» stet Nahrungsmittel, gestalten werde. Die Sorge ist erst im Laufe des Herbstes aufgetaucht, als die anhal­tende Dürre die großen Hoffnungen auf eine reiche Ernte vernichtete. Bis weit in den Sommer hinein konnte man aus eine gute Ernte rechnen, weil die Pro. dukiionsfreudigkeit der Landwirtschaft angeregt, ein viel stärkerer Anbau als im Vorjahre und zugleich eine sehr stark gesteigerte Anwendung von Kunstdünger erfolgt war. Die Vorbedingungen für eine gute Ernte waren gegeben. Das Weiter hat einer Strich durch diese Rech­nung gemacht. Die Ernte, wenn sie auch in verschiede, nen Teilen sehr ungleich ist. bleibt doch hinter einer Mittelernte zurück.

jährigen Generalversammlung der Görresgesell schäft selbst nii tauf genommen mar, eine weltliche Feier, die am Wend des 7. Sept, im Spiel- und Festhaus der Stadt Worms, und eine kirchliche, die am nächstfolgenden Morgen im alt- ehrwürdigen Kaijcrdome zu Speyer sich vollzog. In jenem festlichen Saale zu Worms wirkten die reizvolle und geschickte künstlerische Ausschmückung, eine wunder­bare Musik, dm-geboten von dem Hessischen Lcmdes- orchester zu DarmstoÄ, mit dm Dante-Symphonien von Liszt als Höhepunkt, und vor allem die großartige Festrede Pros. Finkes zusammen, um diese Feier für «alle Teilnehmer zu einem gang außergewöhnlichen geistigen ©muffe zu gestalten. Geheimrat Finke bemerkte zu Beginn seines Vortrages, daß er an die­sem Abends vor einemParterre von Dantakennem" zu reden habe; neben dem Präsidenten der Görvesge- ftllschaft nannte er in diesem Zusammenhang auch fernen ehemaligen Schüler Pros. Krebs, der m der speziellen Dantekenntnis über den Lehrer hmmisge- wachfen sei. Die Besucher der Görrcstagung bildeten nur einen kleinen Teil des auserlesenen Publikums, das zu diesem Abende auch aus den Nachbarstädten sich eingsfunden hatte.Die Zuhörerschaft", so be­richten am nächsten Tage dieWormser Nachrichten", bestand aus geistig Regsamen aller Dekenntniffe. Wohl niemand ist nach Hause gegangen, ohne im Herzen das Gefühl eines großen und glücklichen Er- lebniffss zu tragen. Und die etwas weiter denken, find sich bewußt geworden wie viel Gemeinsames die Menschen haben, wenn sie ihren Blick von dem Tren­nenden auf das Ewige richten." Richt minder ein­drucksvoll verlief aber die kirchliche Feier im Speyrer Dom*: ein Pontifikalamt mit einer gdbanftntkfcn und dabei doch rednerisch höchst wirksamen Predigt des geistvollen Mimsterischen Dompropstes und Profeffors M a u s b a ch. Er konnte an heiliger Stätte nicht direkt die Person Dantes feiern, der ja Sein Heiliger war,wenn auch ein zum Höchsten ringender Geist". Was er 'eiern wollte, das waren die großen christ­lichen Wahrheiten, denen Dante als Denker, als sitt­licher Genius und als Rechts- und ^aatsxhiftrjoph

Mit dieser Tatsache also muß man rechnen, ohne daß man daran jemandem die Schuld geben könnte. Aber die Frage ist die, ob damit nun auch wirklich eine Versorgung unmöglich gemacht worden ist. Nach Auf­fassung der maßgebenden Stellen ist dies durchaus nicht der Fall, wenn sich zweifellos auch einige Nach, teile zeigen werden. Vielmehr ist nach der Ansicht des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft für die sich augenblicklich zeigenden Mängel in erster Linie die ungenügende Wagengestellung verantwortlich. Es haben bis in den Oktober hinein täglich ein paar tausend Wagen gefehlt, sodaß der Reichs- ernährungsminister sich genötigt sah, persönlich mit dem Reichsoerkehrsminister in Verbindung zu treten, um Ab. Hilfe zu schaffen. Das Reichsverkehrsministerium aber befand sich in erheblichen Nöten; denn einmal schränkte der niedrige Wasserstand die Binnenschiffahrt außeror­dentlich ein und drängte die Güter auf die Bahn; und zum andern verlangte die Entente gerade jetzt die Beute, wagen zurück, die schnellstens repariert werden mußten, sodaß ein Ausfall im eigenen Wagenpark entstand. Aber den dringlichen Vorstellungen des Rckichsernährungs. Ministers hat sich das Eisenbahnministerium nicht ver­schlossen und Abhilfe geschaffen. Die Gestellung an W a g e n st i e g um die Hälfte und scheint z u r Zeit ausreichend zu fein.

Damit ist anscheinend ein Abhilfemittel für die augen­blickliche Not vorhanden und die Bevölkerung wirb gut tun. ein paar Tage wenigstens sich von alten 21 n g ft. kaufen fernzuhalten. Denn sie darf nicht ver­gessen, daß die Angstkäufe die Preise steigern. Als in. folge der mangelhaften Wagengestellung die Anfuhr stockte und unzureichend war. zogen sofort die Preise sprunghaft an, weil die Preisgebote einander trieben. So entstanden Preise, Ule sehr bedauerlich sind und die hoffenllich jetzt bei stärkeren Angeboten zu- rückgehen. !

In einer Konfernz mit Gewerksch afflerrf hat der Reichsmininister Br. Hermes sich auch mit dieser Preisfrage beschäftigt und die hohem Preise als äußerst bedauerlich bezeichnet. Er hat dann weiter mit den Gewerkschaften die Frage er­örtert, ob durch Richtlinien oder Höchst­preise Abhilfe geschaffen werden kann. Nach dieser Hinsicht liegen die Erfahrungen von einigen Jahren vor und diese ermutigen leider nicht zu einem Vorgehen mit Höchstpreisen; denn diese Höchstpreise haben immer nur eine Wirkung gehabt, nämlich die, daß die Ware vom Markte verschwand,' daß der reelle Handel sich vom Geschäft zurückzog und zurückziehen mußte, weil er keine Ware bekam und daß dafür nur der Schie­ber- und Schleichhandel auftrat und zu hohen Preisen die Kartoffeln verschob. Diese Wirkung kann kein Mensch und vor allem auch der Konsument nicht wünschen. Der Reichsminister Dr. Hermes hat darum von einer generellen Festsetzung von Höchstpreisen abgesehen und die Gewerkschaften haben nach den ausgegebenen Milleilungen diesem z u g e « stimmt. Hingegen hat sich der Minister geneigt ge- zeigt, auf eine totale Einwirkung der Preise bedacht zu fein und die Preisprüfung s. stelle anzuweisen, je nach Lage der örtlichen Verhält­nisse einzugreifen. ' i

Vor allem hat der Minister dann erneut auf die unmittelbare Verbindung zwischen Er. zeuger und Verbraucher hingewiesen, die an manchen Stellen schon bestand. Den landwirtschaftlichen Genossenschaften und Organisationen liegt hier ebenso wie den städtischen Konsumvereinen, den ©tabtoermal-1 hingen selbst und anderen in Betracht kommenden Der­braucherorganisationen ein Feld reicher praktischer.. tigkeit offen. 3n manchen Gegenden hat man den Weg schon mit Erfolg beschritten und damit erreicht, daß' der Erzeuger einen angemessenen Preis für fein Pro­dukt bekommt, ohne daß der Verbraucher übermäßig' belastet wird. Jüngst haben im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft eingehende Besprechun­gen stattgefunden, an denen sowohl die landwirtschaft. lichen Organisationen wi, die Derbraucherorganisationen und die Konsumvereine teilgenommen haben. Nach einer offiziösen Mitteilung hat sich eine Uebereinftim« mung und Bereitwilligkeit auf allen Seiten gezeigt. Es kommt jetzt vor allem darauf an. diese Anregungen in die Tat umzusetzen. ;

Da wo bas nicht geschehen ist und wo sich der Preis unabhängig von solchen Abmachungen bildet, müssen sich die Beteiligten hüten, die Preise zu steigern, und zwar sowohl diejenigen, die Preise bieten, als diejenigen, die

charMeristffchen Ausdruck verliehen; dadurch cerabe sei Dante eine so impenderenÄe Größe für alle Zeiten geworden. Für alle Stände faßbar, seien aber diese Wahrheiten zugleich ein ideales Banb zwischen den gelehrten und den schlichten Volkskreisen Es sei darum auch die WahrhertLaufsaffung der Görn^gesellschaft im besten Sinne volkstümlich. Mausbach sprach von einer Art3. Ordens", der der Görrcsgesellschast aus die­sem Sachverhalt erwachse müfle. Seine zeitgsmLßen AlWsührungen über die Idee der sittlichen Gerechtigkeit, die nach Dante das ganze Staats- und Völkerleben durchdringen muß, wirkten ungemein packend in die­sem gewaltigen htstorischrn Barrwerke, irr dem so viele Herrscher bes Mittelalters ihre Ruhestätte gesunden haben. So verstärkte der monumentale Rahmen, in dem diese Feier stattfand, den Eindruck des gefproche- nen Wortes, fefanders auch, als nach dem Festaottes- dicnstr der Vorsitzende der Görresgesellfchaft, Prof, von G r a u e r t, der selbst vor einigen Jahren in stoallichZm Sluflragt die Speyrer Kaisergräbsr durch­sucht und wissenschaftlich bearbeitet hat, über diesen Gegenstand wertvolle Aufschlüsse gab und darauf hin­wies, daß einst auch Dante, ein warmer Freund des römischen Kaisertums deutscher Nation, bei feierlichem Anlaß in diesem Kaiserdome geweilt haben könnte. Ein weihevoller Schlußakt der diesjährigen Görres- tagung!

Für Fulda hatte das Arrangement einer Dante­feier unser früherer Seminarvegens, der jetzige Hochw. Herr Bischof Dr. Schreiber übernommen. Im GeLaird.maustaufch mit den Dozenten der Fuldaer Polkshochschule wurde dazu die Eröffnung der Volks­hochschule für das Wintersemester 1921=22 ins Auge gefaßt, gewiß im Einklang mit dem besonderen Ge­präge der vorigjährigen Fuldaer Gärrestagung, die, nach den Dorten des letzten Jahresberichtes, so manche Anzeichen für einedemokratische" Weiterentwicklung der Gesellschaft darbot. Er selbst wollte bei dieser Feier den Festoorlrag halten. Nach seiner Erhebung auf bat bischöflichen Stuhl von Meißen bemühte er sich mit Erfolg, Herrn Prof. Dr. E. K r e b s zu Frei- wra als RkdnLr für diesen Abend zu gemimten. Schon