M 2Z8.
Samstag, 15. Oktober 1921.
• Fuldaer Zeitung
i*6«s oce Fuldaer Aetleudrnckerei t« Fuldo
Der Reichswirtschaftsrat
zu den neuen Steuern.
Der ww-ufholttame Fall der deutschen Valuta in den letzten Monaten droht die gesamten Finanz Verhältnisse der jungen Republik über den Haufen zu werfen und auch in Deutschland österreichische Zustände zu schaffen. Natürlich geht Hand in Hand mit der Entwertung des beut« schcm Geldes im Auslände di« Entwertung des Veldes In Inlande, d. h. die Kaufkraft der Mark sinkt auch auf len deutschen Märkten immer mehr und eme umfangreiche Preissteigerung macht sich geltend. Unter diesen Verhältnissen werden die finanziellen Anforderm^sn an den Staat grötzer und dies von zwei Seiten her. Einmal lautet di« Kriegsentschädigung, bezw. der Tribut, den die Sieger staaten Deutschland auferliegt haben, auf Gold- mark. Die Papiermark-Anforderungen, welche die deutsche Regierung aufi>rmgen muß, werden also bei fallender Mark größer. Und andererseits, die Preissteigerung im Inland hat Lohnerhöhungen für die im Staatsdienst Angestellten zur Folge. , .
Aus diesen Gründen erscheinen die Steuerpläne, die tat Laufe des Sommers ausgearbeitet, nun den gesetzgebenden Instanzen vorgölegt werden, eigentlich schon wieder überholt. Zur Zeit beschäftigt sich das Wirtschaftsparlament Deutschlands, der Reichswirtschaftsrat. mit diesen neuen Steuern. Obwohl er keime beschließende, sondern nur beratende Stellung in der deutsche« Gesetzgebungs- imaschine hat, erscheinen die dortigen Verhandlungen doch interessant, schon aus dem Grimde, weil in ihm di« ersten Fachleute aus Unternehmer- und Arbeiterkreisen, sowie andere namhafte Volkswirte zusammensitzen. In dieser Körperschaft wurde vor allem die Unübersichtlichkeit der Steuern bemängelt. Es wurde darauf hmgewiesen, daß die Steuervorlagen der Kriegszsit und auch die der ersten Nachkriegsmonate notwendiger Weise provisorisch sein mußten, daß aber dies heut« nicht mehr angängig sei. Die Steuerzahler sowohl wie die Steuerbehörden müßten wissen, woran sie sind. Diese Klage« scheinen gerechtfertigt vor allem durch dm Umstand, daß tat neuen Deutschland die Gemeinden, die Länder (Preußen, Bayern usw.) und das Reich, ferner noch die Kirchen einander konkurrierende Steuereinnehmer sind.
Nun bestand die unmittelbar nach dem Krieg« von Erzberger durchgesetzie Steuerreform darin, daß dem Reich der unbedingt« Vonang taf Steuerwesen eingerämnt wurde. Nach dem Grundgedanke« der Erzbergerschm Steuerreform sollten die wichtigste« Steuerquellen dem Reich vorbehalten fein, welches seinerseits wieder die Län- der und Gemeinden nach bestimmten Sätzen daran beteiligt. In der Vorkriegszeit war es gerade umgekehrt gewesen: die großen Steuern, vor allem di« Einkommensteuer, waren den Ländern zugeflossen und das Reich war außer auf Zölle und indirekte Steuern auf di« Beiträge der Bundesstaaten angewiesen. Die jetzigen Steuervorlagen führen den zweifellos richtigen Gedanken Erzbergers fort, was .freilich die Gemeindefinonzen der deutschem Städte in ihrer bisherigen Selbständigkeit dem Reiche gegenüber empfindlich trifft. Mußte doch Berlin feine Wohnungssteuer zu- rückziehen und in grundlegender Weise verändern, weil das Reich feine Zustimmung versagte.
Das Schlagwort, das, wie ta allen Steusrdebatten der jüngsten Zeit, auch wieder im Reichswirtschaftsnil im Vordergrund stand, war die sog. Erfassung der Geldwerte. Cs ist ein Irrtum zu glauben, daß die Forderung nach Erfassung der Geldwerte nur von den sozialistischen Parteien ousginge. Auch di« Vertreter des Den t- schenGewerkschaftsbundes, also die Arbeiter der Stegerwald'schen Richtung, wirft der bisherigen Steu-er- gesetzgebung vor, daß sie die Geldentwertung nicht genügend berücksichtigt habe, mit andern Worten, daß man die Besitzer von Geldforderungsn (also vor allem alle Lohnend Gehaltsempfänger, auch die auf Zinserträge Angewiesenen) gleichgestellt hat mit den Besitzern von Sachwerten. Auch diese Gruppe fordert die Beteiligung des Reiches an dm Sachwert en. Die Industrie, die davon natürlich in erster Linie betroffen fein würde, wendet dagegen ein, daß das nichts Geringeres bedeutet, als die Der- mögMssubftanz der deutschen Volkswirtschaft anzugreifen. Worauf die andere Seite fragt, was bei der finanziellen Lage des Reiches denn andres übrig bliebe. Denn darüber, daß die Erträge nicht genügen, den Steuerbedarf aufzubringen, solange die Tributforderungen der Entente andcmern, stad sich alle klar.
Eine viel beachtete Rede gelegentlich der Verhandlungen Ces Reichswirtschaftsvats hielt Georg Bernhard, ein hervorragender deutscher Finanzfachmoim. Er betonte, daß eine Erfassung der Sachwerte, also int gewissen Sinn« ein Angreifen der Vermögenssubstlmz der deutschen Volkswirtschaft tat Augenblick nötig fei, schon um eine Finanzkontrolle der Entente zu verhindern, die zweifellos verheerende Fol- gen haben würde.
Ihm erwiderte von Siemens, ein Vertreter der Großindustrie, daß man auch beim Zurückgehm auf di« „Goldwerte" doch nur Papierwerte erhalten würde. Der yanze Aktienbesitz Deutschlands belaufe sich auf 200 Pa- ptermilliorden, was 5 Goldmilliarden gleichkäme. Und wend Deutschland ein Fünftel des Besitzes an Aktien her« gäbe. ’ömte es doch nur eine halbe Jahresrate ferner Verpflichtungen damit tragen.
Die Jagd nach dem Glücke.
Erzählung von Fritz Ritzel.
Karl Hochfeld fett« sich neben feinem Vater an dem Eßtisch niedergelassen und ein gleichgültiges Gespräch begonnen, während fein Freund das von dem Hausherrn zur Seite gelegt« Blast ergriffen hatte und dem Anscheine nach darin la.'. Dabei verriet seine ganze Haltung etwas wie Unruhe und erwartungsvoll schweifte sein Blick öfters nach der Tür, welche nach der Küche führte und durch die Frau Hochfeld und ihre Tochter eintreten mußten. Länge ward seine Geduld nicht auf die Prob« gestellt; schon nach wenigen Minuten erschienen Mutter und Tochter mit dem auf weißen Porzelanplatten angerichteten kalten Abendessen nebst einigen Flaschen Bier und setzten mit freundlichem Gruße das Mitgebrachte auf den Tisch. Nachdem Friedwald die Mutter mit einem herzlichen Händedruck begrüßt hatte, trat er mit einigen raschen Schritten auf Hedwig zu und bot ihr mit einem forschend ernsten Blick in das liebliche Gesichtchen die Rechte und wie ein Schatten flog es über seine Zuge, als er gewahrte, daß das Mädchen errötet und sichtlich befangen seinem' Blicke nicht Stand hielt Und fast wie Aufseufzen klang es, als er jetzt rasch zurücktretend auf die Einladung der Mutter Hochfeld hin, einige Dankesworte hervorbrachte und sich an dem Tische neben dem Sohn des Hauses niederließ.
Das einfache Mahl verlief schweigend. Erst nach- tem die Frauen wieder den Tisch abgeräumt hatten kam eine lebhaftere Unterhaltung ;n ben Gang. Kar, Hochfeld erzählte von den großartigen Unternehmungen, welche das Bankhaus, in dem er als Kassierer an- gestellt war, in das Leben gerufen hatte, unter anderem von de'r Wiederaufnahme des Abbaus der Silbergruben in dem um Liebenburg liegenden Gebirge und erwähnte dabei, daß die seitherige Ausbeute zu den glänzendsten Erwartungen berechtige.
„Schon seit dem dreißigjährigen Krieg« liegen die Gruben brach und sind der Menschheit fast ganz aus dem Gedächtnis entschwunden", belehrte er die Zuhörer. „Unbegreiflich, daß in der langen Zeit kein Mensch auf den Gedanke« gekommen ist, die in der Erde verborgenen märchenhaften Schätze zu heben!"
„So unbegreiflich ist mir di« Sache gerade nicht!" meinte fein Vater bedächtig- „Wäre der Abbau damals rentabel gewesen, so hätte man wohl kaum den ^Betrieb
Auch die neuen Steuern werden den Finamzbedarf des Reiches nicht decken formen, der weit über 100 Milliarde hmausgeht, während der Er!vag der Steuern auf 86 Milliarden Mark gerechnet ist. Allein die schwebende Schuld des Reiches cm die Reichsbank hat sich feit dem 1. Apoll um 35% Milliarden vermehrt. Es wird also doch Nichts anderes übrig bleiben, als den Rest auf eine Weis« aufzubringen, di« irgendwie eine Erfassung der Goldwerte, em angreifen der Vermögenssubstanz, oder rot« man es nennen will, darstellt. Di« VerhanÄmtgen des Reichswirtschasts- mies haben die verschiedenartige Stellrmgnahme der De- trölferungstrerfe zu dem Problem gezeigt und es stehl yt erwarten, daß die Erörterungen tat Reichstag schwere politische Kämpfe bringen wird. Dr. A. N.
Aus dem Nachbargebiet.
’A Gersfeld. Zum ersten Male hielt am Donnerstag der Unterverband der Raiffeis env ere ine des Kreises Gersfeld, vom jüngsten Verein Gersfeld ein« geladen seine Tagung in unserer Kreisstadt im schön geschmückten Saal zum „Deutschem Kaiser" ab. Don 15 Der- einen waren 14 erschienen. Vormittags halb 11 Uhr fand eine von Unteroerbandsdirektor Herrn Pfarrer Gol- bach- Simmershausen geleitete Dertteterverfammlung statt. Die öffentliche Tagung war nachmittags 3 Uhr. Herr Pforrer Golbach erstattete feinen sehr günstig lautende« Jahresbericht über den Unterverband. Gekrönt wurde dieser Teil der Tagung durch derr gehaltvollen Vortmg des Herrn Pst. M ey e nschein-Kassel über Wesen und Bedeutung des Raifseisenvereins und seiner Organssation. An Herrn DerbandsanwÄt Rexerodt-Kassel und ben früheren Unternerbandsdirektvr Pst. Sltzert-Fulda wurden Be- grüßungskarten gesandt. Abends nach 8 Uhr begann die von der Vorftandschaft des hiesige« Steiffetfenoeretas aufs Beste vorbereitete Familienfeier, zu welcher sich auch viele Damen emgefimden batten. Musikvorträge der hiesigen Kapelle, Chöre der „Liedertafel", gefällige Lieder der zur Kur hier weilenden Frl. Müller-Frankfurt und hübsch« Duo's für Violine und Piano der musikbe-gabten Jüngling« Udo Barthel und Udo Barthelmes sowie Gedichtvorträg« von vier jungen Mädchen brachten reiche Abwechselung und ernteten großen Beifall. Herr Pfarrer Meyen- schein hielt eine« sehr beherzigenswerte« Vortrag über Raiffeisen und die Frauen. Herr Pst. Golbach gab seiner Freude Ausdruck über den schönen harmonischen 28er« lauf des Unterverbandstages und feierte gleichfalls ta der ihm eigenen humorvollen, groß« Heiterkeit a-uslössnden Weife di« 5narren und brachte dem Raiffeifenvereta Gers- felb nach anerkennenden Worten ein Hoch aus.
spd. Lauterbach. In der Dampfmolkerei Niedermoos geriet der Betriebsleiter in das Räderwerk und wurde mehrere Male mit herumgeschleudert und schließlich getötet.
fpd. Wächtersbach. Durch Rindvieh, das aus Frankfurt hier eingeführt wurde, ist unter dem Viehbestände von Wächtersbach dieManl- und Klauenseuche ausgebrochen.
mc. Bad Orb. In diesem Jahre waren 6000 Frankfurter Kinder klassenweise mit ihren Lehrern auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Wegscheide bei Bad Orb untergebracht. Die 'Erfahrungen, die man mit dieser Art Erholungsfürsorge gemacht hat, sind so gut, daß man auch im nächsten Jahre wieder sämtliche zur Entlassung kommenden Frankfurter Schulklassen auf 4 Wochen die Wegscheide besuchen lassen will. Die notwendigen Gelder sollen wieder wie in diesem Jahre größtenteils durch Stiftungen aufgebracht werden.
= Hanau. Die Arbeit in den Dunlop-Werken soll heute wieder ausgenommen werden.
)( Würzburg. Kommerzienrat Heinrich d' Hen- geliere, einer der bekanntesten und angesehensten Industriellen Unterfrankens, Handelsrichter und Direktor vom Bürgerbräu Würzburg, ist 45 Jahre alt, gestorben.
Vermischter.
* Durch eine schwere Explosion wurde der Betrieb des Klus-Wasserwerkes in Halber st ad t, das die Stadt mit Wasser versorgt, st i l l g e l e g t. Aus bisher unbefamtier Ursache explodierte plötzlich das Dentisl der beiden Diesemoioren.
* Ein Skandalprozesz in Köln. Vor einer Strafkammer in Köln wird soeben ein Prozeß durchgeführt, der sich um iffe Ausstattung der preußischen Schutzpolizei mit Kleidungsstücken dreht. Die Beschaffung s st e l l e des Ministeriums des Innern hatte im Jahre 1920, da in Deutschland das notwendige Tuch angeblich nicht zu beschaffen war, 750 000 Meter englisches Militärtuch in zwei Lieferungen durch Vermittlung einer m Köln ansässigen englischen Firma zum Preise von 250 bzw. 210 Mark das Weier be-
eingestellt, zumal da di« Arbeitskräfte in jener alten Zeit doch verhältnismäßig erheblich billiger waren als heute!" ' ।
»Aber Vater", entgegnete ihm der Sohn, „bedenke doch die technischen Hilfsmittel, die uns heute zu Gebote stehen, gegen vor zwei hundertfünfzig Jahren! Sie heben doch zehnmal die Differenz der Arbeitslöhne auf. Die fortwährenden Kriegszeiten sind jedenfalls daran schuld gewesen, daß sich niemand mehr an ein größeres Unternehmen heranwagte und daß die Gruben deshalb in Vergessenheit tarnen!"
„Mag sein, Karl!" gab der Alte zu. „So recht kann ich aber doch nicht daran glauben, daß da mär. chenhafte Schätze, wie Du sagst, verborgen liegen. Die Alte« sind gerade so klug gewesen, wie wir! Wahrscheinlich wird da wieder, wi« «g heutzutage ja Mode ist — gerade wie in der seligen Gründerzeit — gehörig die Lärmtrommel gerührt und alles so vorteilhaft — opti. mistisch sagt man ja wohl jetzt — wie nur möglich hingestellt, um recht viele Gimpel auf den Leim zu locken. Ich für mein Teil würde mich bedanken, An- tellscheine zu zeichnen, auch wenn ich überflüssiges Geld hätte!" ;
„Und ich bin überzeugt, daß horrendes Geld zu verdienen wäre!" beharrte Karl. „Die Aktten stehen heute schon über Part und sind fast nicht mehr zu haben. Mit dem Papier kann einer im Handumdrehen ein reicher Mann werden."
„Oder er kann ruiniert sein, ehe er sich umsieht, ( lieber Karl!" erwiderte sein Vater kopfschüttelnd. „Diese f gierige Sucht, rasch reich zu werden, ist mir unsäglich zuwider. Aufwärts ftreben soll der Mensch — gewiß! Das Streben nach Höherem, auch nach größerem Besitz veredelt ihn aber nur bann, wenn er mit allen i seinen Kräften einen Stein nach dem anderen auf baut! • Gelingt es ihm, den Bau zu vollenden, dann kann er j mit Stolz und mit innerer Befriedigung auf sein Le i benswerk bücken. Gewiß, mit einem ganz anderen j Stolz, als wenn ihm der Zufall, das Spiel an der Börse Reichtum in den Schoß» wirft! Wie viel Existenzen sind schon durch dieses wilde Spiel vernichtet worden! 2n dieser Beziehung halte ich es mit dem Spruch, den unser Urahn über unsere Haustür und in die Hausbibel geschrieben hat."
„Was meinst Du dazu. Wilhelm?" fragte Karl Hoch- eld den neben ihm sitzenden Freund, der auf die Anrede hin wie aus Sinnen geschreckt emporfuhr.
zogett. Die deutsche Tuchindustrie fühlte sich umgangen und erreichte durch Anfrage im Reichstag«, in den Landusversammkungen und durch Pressemeldungen die Untersuchung der Angelegenheit. Diese Untersuchung forderte im Verein mit eimM SteMwerfahrm außerordentlich hohe Zwischengewinne einer großen Anzahl von Personen mit Firmen, die beim Zustandekommen des Geschäfts mitgewirkt hatten, zutage. Der Staatsanwalt schritt gegen 17 Personen wegen Preiswucher, Provisionswucher und Kettenhandel ein. Die Gewinne einer einzigen Gruppe der Beteiligten wurden cntf 45 Millionen Mark berech- net. Dazu kommt für ein Mitglied dieser Gruppe noch eine Provision von iy4 Millionen Mark. Der Gewinn des beteiligten Berliner Bankhauses, dessen Inhaber verstorben ist, wird auf 12 Millionen Mark geschätzt, während die von einem Angeklagten gefettete Aktiengesellschaft für Handel und Verkehr etwa IVz Millionen Mark Gewinn erzielte. Die Erben des Bankiers werden wegen Rückgabe des Gewinns in Anspruch genommen. Me Gewinne der übrigen Beteiligten machen zusammen etwa 4 Millionen Mk. aus. Ein wesentlicher Teil dieser Summe ist Valutagewinn, der den Zwischenhändlern zugute kommen konnte, weil das Ministerium in deutschem Eelde kaufte, während der englische Lieferant in englischem (Selbe verkaufte. Bei der zweiten Lieferung hat ein Zwischenhändler fein,- Rechte an das Ministerium abgegeben, wodurch dieses 40 Millionen Mark ersparen konnte. Dar nach dun Gesetz als übermäßig bezeichnete Gewinn beträgt 13 Millionen Mark, worin die Einnahmen des Dersiner Bankhauses noch nicht einbegriffen sind. Die Anklage lautet bei einzelnen Beteiligten auch noch auf Kapitalflucht. Für die Verhandlung find zwei Wochen vorgesehen. Unter den Zeugen erschienen u. a. der ehemalige Staatsminister Seoering, Staatssekretär Freund und hoh- Mimstenalbeamte.
Neues vom Mchertisch.
Etbauuntzrbücher.
ffrau Armut und ihre Schwester. Bon Fr. Donatus Pfannmüller. Verlag von Herrn. Rauch. Wiesbaden. Preis in dreifarb. Einband 16 Mk.
Wie eine Königin ist die Armut schon immer über di« Erde geschritten, wir haben es aber noch nie so tief empfunden, mir Deutsche, wi« jetzt, wo sie als strenge Gebieterin über uns herrscht. Es wird uns wie dem Helden des schönen Buches, dem Klosterbruder Robert, ergehen, der aus dem Krieg« heimgekehrt unter bet Last der Armut seufzt; wir werden, ob wir wollen oder nicht, Frieden mit der Königin Armut schließen müssen. Sobald mir dies getan haben, wird uns die holde Schwester der Frau Armut, di« Zufrieden« beit, glücklich machen. Schon in diesem Sinne allein ist das Buch als Freund und Tröster für alle, die in irgend einer Weise unter dem Joch« der Armut seufzen, zu begrüßen. — Doch das nicht allein. Der Verfasser zeigt uns tn feiner anziehenden Weis« die Armut und die Zuftiedenheit als gleichberechtigte Himmelstöchter, die den Stammeltern im Paradiese sich freundlich nahens um durch die Jahrtausend« hindurch über die Erde schreitend endlich ihren edelsten und höchsten Freund, den Gottessohn, durchs Leben hindurch bis ans Kreuz zu begleiten. Bilder von überraschender Schönheit tauchen vor uns auf. Bilder aus Nazareth, Bethlehem, Golgatha, die stille Klosterzelle, die Wohnung der armen Witwe, der öd« „Unterstand" aus dem Wellkriege und viele, viele andere. Prächttge Menschen treten vor uns bin, die aus des Lebens Mitte genommen find. Beim Lesen dieses Buches söhnt sich unser Herz mit der Ar« mut aus, weil wir das Glück der Zuftiedenheit erkannt haben. Und zuletzt schauen wir der Armut größte Liebhaber: „Christus schritt dahin, der Arme aus Nazareth, wie er einst inmitten seiner Jünger durch Galiläas Gefilde wandelle. . Doch statt der Zwölf, die einst um ihn warm, hatte er heute nur zwei Begleiter. . . Zu seiner Rechten ging der Arm« von Assissi. zu seiner Linken eine Königstochter, die sich der Armut weiht«: Sankt Elisabeth." — Die Ausstattung des Buches ist sehr gefällig; dem ausdrucksvollen, dreifarbigen Ein. banbtitel entsprechen das kräftige Papier und die gute Druckausführung._________
handel und Wirtschaft.
---- Zwanzigfache Teuerung. Die Großhandels- Indexziffer des Statistischen Reichsamtes, die darauf basiert, daß die Preif« des Jahres 1914 mit 100 bezeichnet werden, ist von 1917 im Durchschnitt des Monats August auf 2067 im Durchschnitt des Monats September gestiegen. Don den einzelnen Warengrup- pen habe« zunächst Getreide und Kartoffeln eine Senkung
„Den Spruch über Eurer Haustür", sagte er bann sich fassend, sollt« wahrhaftig jedermann beherzigen! Wie heißt er doch? „Dein ganzes Denken fei nur Gott!" „In unserer alten Hausbibel steht er ausführlich!" unterbrach ihn der Hausherr sich erhebend. „Wenn es Sie interessiert, lieber Wilhelm, bann will ich bie Bibel einmal holen! Sie ist ein Prachtstück in ihrer Art. Es wundert mich nur. daß Hedwig sie Ihnen noch nicht gezeigt hat!"
„Das interessiert mich nicht nur" — erwiderte Fried, wald — „ich bin sogar leidenschaftlicher Liebhaber von allem, was aus alten Zeiten stammt, besonders von alt. deutschen Sinnsprüchen. Es liegt in diesen kernigen Keimen gewöhnlich mehr Kraft und mehr Lebensweisheit, rote in manchen dickleibigen Büchern!"
Meister Hochfeld war an einen altertümlichen, mit glänzenden Metallbuckeln verzierten, reich geschnitzten Eichenschrank zetteten, hatte denselben geöffnet und ein schweres, in Schroeinsledsr igebunbenes, mit einem Schloß versehenes Buch herausgenommen. Langsam begab er sich wieder zu seinem Platze, schlug den Decket des Buches zurück und deutete mit dem rechten Zeigefinger auf den auf der ersten Seite in krausen, aller- tümlichen Buchstaben geschriebenen Spruch. „Dann wird das ja gerade etwas für Sie sein, lieber Wilhelm!" sagte er dann und begann zu lesen:
Dein erstes Denken sey an Gott, Thu ihm« nichts zu Leyd und Spott. Bewahr Dey« Herze vor Gelüst, Nach gleichend Gold zu jeder Frist! Weyl Gold, so merk Dir unverdrossen. Ist aus der Höllenglut geflossen; Dieroeyl mit ihm des Satans Macht Diel Unheyl in die Welt gebracht. Sey brumb fo lang Du lebst hinieden Mit dem bescheyden Pfund zufrieden. So Gott in fetjner Güt und Gnad Dir Menschenkind gegeben hat.
Anno Domini MDLVIII.
Albrecht von Hochfels.
„Ein herrlicher Spruch!" sagt« Friedwald sich er. hebend und neben den Hausherrn tretend, um so bas in so ferner Zeit Geschriebene genauer in Augenschein zu nehmen. „Und Albrecht von Hochfels schreibt sich ber Urahn? Das klingt ja bald rote ber Name mgtnes
von 2033 auf 2016 zu verzeichnen, bie durch einen leichten Rückgang ber Weizen-, Gerste- und Kartoffelpresse herbeigeführt wird. All« übrigen Warengruppen weisen demgegenüber eine zum Teil beträchtliche Steigerung der Preise auf; und zwar Fleisch, Fssche und Fette von 1762 auf 1943, Jfotomatoiaren von 1731 auf 2317, landwirtschaftliche Erzeugnisse und fickensmittel zusammen von 1949 auf 2020, ferner: Häute unb fieber von 2305 auf 3727, Textilien von 2193 auf 3070, Metall« von 1673 auf 2036, Kohle und Eisen von 1774 auf 1830, Jndustriestoffe zusammen von 1857 auf 2155. Die vorwiegend tat Inlande erzeugten Waren (Getreide, Kartoffeln, Fleisch, Fssche, Fette, Kohle, Eisen) stiegen von 1913 auf 1952, die vorwiegend aus dem Anstande ein geführten Waren von 1953 auf 2643. Die Ziffern beleuchten den ausgesprochen geldwirtschaftliche Charakter ber gegenwärtigen Preissteigerung, bis sich bä ben Rohstoffen ber Bekleidungsgewerbe zu einer stürmischen Preis-Haussee verschärfte.
Markte.
----- Zulda, 15. Okt. Der heutige Schtveinemarkl hatte eine Anfuhr von 231 Ferrkeln und 9 Läufern zu verzeichnen. Die Ferkel erzielten einen Preis von 400, 200 und 90 Mk.; für Läufer 700, 650 und 620 Mark bezahlt. ES verblieb ein ziemlich großer lieber, stand. Gegen Marktschluß gingen die Preise noch etwa- zurück.
(mc) Frankfurt a. M., 14. Okt. Die Zufuhr an Gr- müfen war aus dem Erzeugergebiet und auch beim Großhandel gut. Im besonderen war Weißkraut, Rotkraut und Vlumsnkohl stark angeboten. Beim Großhandel kosteten K a r t o f f e I n fm Zentner 80 -4t, Weißkraut 80—90, Rotkraut 80—100, Wirsing 100, Spinat 80—100 unb Zwiebeln 90 Mark. Bei ben Erzeugern kam Weißkraut auf 100—120 'M, Wirsing 100—110 M, Blumenkohl 100 Kops 150—500 M, Tomaten 60—90 M. Weiter wurden bezahlt für 100 Stück Kohlrabi 50—60 M, Sellerie 200—400 M, Kopfsalat 80—100 M, Eßkarol 80 bis 120 M. Der Obstmarkt war bei festen Preisen reichlich. Aepfel kosteten 150—230 M, Dirnen 130—250 M, Trauben 380—450 M, Kastanien 230—250 M. Lebende Flußfische wurden gerne gekauft und kosteten das Pfund 3—10 M. Lebendes Geflügel ebenfalls in größeren Mengen angebroten bas Pfund 9—10 M, Gans« ebensoviel unb Feldhasen 8 M das Pfund. Die Press« sind im Verlaufe des Marktes etwas gefall««.
Gotterdienftordnnng.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, 16. Oktober. Dom. (Diözesanmonats, kollekte.) Vi6, 6, ’/s7 u. 7 M., 8 Pfarramt m. Umg., Pr. u. Segen, VilO Kathedralamt u. Pr., Vsl2 M. u. Pr., */i2 Sakraments-A., 2 Ehr. f. d. Jungfrauen, 4 SakramentS.Bruderschaft m. Pr. u. Segen, 7 Rosenkranz m. Segen i. d. Marienkapelle. Montag abends 8 Rosenkranz. — Stadtpfarrkirche. Diözesanmonatskollekte. 5V. Som., 5’A M., 6’/. M. u. Kom. d. Jüngst, 8 M. u. Pr. (1. Schulgd.), 9'/, Pfarramt u. Pr., 11 M. n. Pr. (2. Schulgd ), 9V« A. f. d. Jüngl.-Sod. i. d. Severi- kirche, IV, Ehr. f. d. Iungfr., 2V, Bruderschaft vom hochwürdigsten Gut, 7’/« Rosenkranz-Andacht. — Pfarrkirche zum hl. Geist. 7 Frühm., 8 Pr., SegenSaml m. Rom., V»5 Ehr., 5 Rosenkranz-A. Werktäglich 5 Segens-A. — Severikirche. Sonntags unb werktags V«7 M. — Herz-Jesu-Heim. 8 Hochamt m. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 A.) — Frauenberg. 5, 6, 6Vt u. 7 M., 8 Bruderschaftsm. m. Pr. u. Rosenkranz-A., 9 Hochamt m. Pr., nachm. 2 Pr. u. A. f. d. Terziaren.
Evangelischer Gottesdienst.
Sonntag, 16. Oktober. Fulda. Vormitt. 8 u. 9Vi Missionar Bernius. — Bad Salzschlirf. Vormitt. 9Vi Pfarrer Reich. — Großenlüder. Vormitt. 9‘/i Pfarre» Weber.
Mittwoch. 19. Oktober. Fulda. Abends 8 Bibel stunde (Gemeindehaus).
Dr. Bahr’s
Zahnpulver „EFo«
vom Zahnarzt verordnet, daher
„das rechte Zahnpflege mittel*'
Drogerie G. K. Steyer.
Dsr teure Bohnenkaffee gibt erst dann allen feinen exrrakt reftlos her wenn man Pfeiffer4 bittens Kaffee-Cflenz dazu tut. Sn Versuch überzeugt
Gr.SiIberpakrtHl.3.- Originaldofe Ul.3.60 in allen einschlägigen Getebäften.
Chefs — den gleichen seltenen Vornamen? Das ist do», merkwürdig!"
„Aber lÄcht erklärlich!" belehrte bet Hausherr. „Der das geschrieben, ist eben auch der Stammvater der Hohenfels — wie der unserige! Mein Großvater hat öfters darauf hingewiesen, daß die Hochseld und die Hohenfels eines Stammes sind. Wie es kam, daß im Laufe der Jahrhunderte einerseits aus dem Hochfels ein Hohenfels, andererseits ein Hochfeld wurde, das ist nicht mehr festzustellen. Jedenfalls haben beide Linien um die Mitte des stebenzehnten Jahrhunderts noch Hochfels geheißen, denn darauf deutet hier eine auf der zweiten Seite geschriebene Bemerkung eines Vorfahren hin. Da heißt es:" — der Meister hatte das Blatt umgeschlagen und deutete auf die mit vergilbter Tinte geschriebene Notiz:
„Geb Gott, daß rneyn lieber Sohn Hans aus dem leydigen Krieg heyl und gesund zurückkehr, nit stech und bresthast, rote ber Albrecht Hochfels im Nach, barhaus. Sind wir auch ftemd und ungut mit unfern Dettersleut da drüben, fo jammert mich doch bei schmucke Gesell. Wär boch ein Fried.
Kunrad Hochfels anno 1647."
„Eine richtige Familienchronik!" sagte Wilhelm Friebwald ftaunenb, inbem er in ber Bibel blätterte. „Unb dabei als Buch von unschätzbarem historischem Wert! Dem Datum ber ersten Eintragung nach muß dies ja eine ber ersten gedruckten Bibeln {ein! Richtig — es ist eine zweiundvierzigzeilige Bibel, wie ich sie in der Bibliothek in Mainz gesehen habe. Die ist etwa um 1450 Mark gedruckt worden."
„Dem Vater ist auch schon ein Vermögen für die Bibel geboten worden — er gibt sie aber nicht her!' warf hier Karl Hochfeld ein.
„Aber Karl", mischte sich hier die Mutter in das Gespräch, „ich will doch nicht hoffen, daß Du jemals daran denkst, unsere alte Hausbibel zu verkaufen, wenn wir einmal die Augen zugemacht haben? Di« Bibel ist der gute Geist unseres Hauses!"
„Aber ein Geist, der nichts einbringt, Mutterchenl"- antroortet« Karl lachend. „Die Zinsen von dem, was das ave Buch jetzt wert ist, mögen schon ein hübsches Sümmchen ausmachen!"
(Fortsetzung folgt.)