Einzelbild herunterladen
 

Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Nr. 237

Freitag, 14* Oktober 1921

48. Zahrg

ctiendruckerei in Fulda.

der Raub an Sberschlesten,

zu

das den den und

$ -em besetzten Gebiet.

Verhaftung französischer Kaufleute. Die franzö, fische Militarpolizei verhaftete mehrere französische Kauf­leute unter der ÄuSschuldigunp, zollpflichtige Waren in Eisenbahnwagen auS Frankreich nach dem besetzten Deuischiand eingeführt zu haben, ohne daß dafür Zoll entrichtet wurde. Die Wagen wurden mit einem Zoll­freiem Zug mit französischem HeereSgut durchgeschmuggelt und passierten auf diese Weise unbeanstandet die Zollstationen. Die Angelegenheit wird kriegsgerichtlich abgeurteilt, weck das Vergehen noch unter die Zert der bestehenden Sanktionen fällt.

Drohende §treikr.

Im Eisenbahnbezirk Halle droht infolge einer Neuregelung der Arbeitszeit der Ausbruch eines Eisenbahn erstreik s. Den Blättern zufolge finden im Reichsverkehrsmmifterium mit den in De» kracht kommenden Verbänden Verhandlungen statt.

Die Berliner Metallmdustricllen haben es abge­lehnt, mit den Angestelltenoerbänden, die ein Ultima­tum mit Lohnforderungen an dm, Unternehmerver­band gerichtet haben, in neue Verhandlungen einzu- treten. Es ist mit einem Streik der Ange»

Rlmögebmg im preußischen Landtag.

Eine feierliche Erklärung über Oberschlesien.

Der preußische Landtag leitet seine Sitzung am Donnerstag mit einer feierlichen Erklärung über Obcrschlesien ein.

Indem sich sämtliche Mitgfieder des Hauses mit Ausnahme der Unabhängigen und Kommunisten von ihren Plätzen erheben, gibt Präsident L e i n e r t im Namen der überwiegenden Mehrheit des Hauses fo(. gende Erklärung ab:

"Nom Eitze des Völkerbundes ist uns die erschüt. tnnde Nachricht gekommen, daß der Nölksrbundsrat über das Schicksal Oberschlefiens Vorschläge unterbreiten ««d, die eine Zerreißung des schwerleidenden Ober. b 'Acuten. Eine solche Zerreißung würde den Grundsätzen, die in den Dersaillsr Friedeirsverhand- Mngen fcstgelegt sind, vollkommen widerspre. ch e n. Danach sollte die Entscheidung der Frage, ob Oberschlesien beim Deutschen Reiche verbleiben' oder Polen zufallen solle, denjenigen überlasten werden die ie besonders o.ngeht. nämlich der in Oberschlesien ge. borenen Bevölkerung. Diese hat mit großer Mehrheit dahin entschieden, daß ihr Land beim deutschen Volk verbleiben soll, mit dem sie mehr als 750 Jahre ver. Kunden und dem allein sie den wirtschaftlichen und kul- turellen Aufstieg verdankten.

Polen kann keinerlei Rechtsansprüche geltend machen. Trotzdem soll ein erheblicher Teil des Industriegebietes Polen überwiesen werden obgleich Industrie, Handel und Gewerbe allein durch Deutsch, land aufqebaut ist wie es auch der in den Gewerkschaf­ten vereinigten Arbeiterschaft den Aufschwung auf gei. tigern und wirstchaftlichem Gebiet verdankt.

Die Sachverständigen im In- und Auslande haben ich für die Unteilbarkeit O b e r s ch l e s i ens als unbedingte Voraussetzung des wirtschaftlichen Gedeihens dieses Landes ausgesprochen.

Die Zerreißung dieses Landes in einen deutschen und einen polnischen Teil würde, daher ein Gewaltakt ein, der gegen den Willen der gesamten oberschlesischen Bevölkerung vorgenommen wird, und er vernichtet damit zugleich den Grundsatz der Selbstbestimmpng des Volkes.

Der oberschlefischen Bevölkerung gegenüber bekundet der Landtag die untrennbare Zusammen, ge Hörigkeit des deutschen Volkes mit ihr. Die olurschlrsifch« Bevölkerung bat trotz der Gewalt. Herrschaft der Alliierten sich mit großem Mule zum deutschen Volke bekannt und wir drücken hiermit '-ar. Gelöbnis zur unwandelbaren Treue zur oberschlejifchni Bevölkerung aus."

Mit lebhaftem langanhaltendem Beifall nimmt das stark besuchte Haus diese Erklärung auf. Nur die Her. ren von der alleräußersten Linken müssen sich wieder einmal als Störenfriede zeigen und durch gehässige Zwischenrufe sich auf die Seite der Entente gegen ihr eigenes Volk schlagen.

stellten in der Berliner Metallindustria rechnen.

Richt Maßnahmen, sondern Menschen! | Nach der materialistischen Geschichtsauffassung, die I der sozialdemokratischen Weltibeirach- | tunß zugrunde liegt, smd es nicht in erster Linie ] d« Menschen mit ihren Vorzügen und Fehlern, ine I den Lauf öcr irdischen Dinge bestimmen, sondern letz- I tere entwickeln sich nach unergründlichen, unentwirr- I baren eignen Gesetzen. Dementsprechend mündet der I Kapitalismusautomatisch" in den Sozialismus aus. I Der Weg geht Wer eine zunehmende Konzentration I der 'Kapiialkräste, um steigender Zusammenballung der Großbetriebe, eine Beseitigung der Kbeinbetriebe

I und eine Verelendung der Massen. In einem bemer« | kenswerten Beitrag:Zur wirtschaftlichen Entwick- I hing" in der mehrheitssoMlistischen WochenschriftDie I Glocke" (1921, 24) weist der ehemalige Reichswirt- | schaftsmmiftvc Wissell mm nach, daß mit dem Ein« I treten der Revolution uird der Eroberung der politi« i scheu Macht durch das Proletariat die Voraus» ! setzungen für einen Vollsozialismus gu einem guten Teil nicht gegeben waren, sodaß die Durchführung vollsozialistischer Ziele so gut wre aus» blieb. Wenn demgemäß die sozialdemokratischen Mas­sen ein» tiefe Enttäuschung ersaht hat, so führt Wissell diese vornehmlich darauf zurück, daß dieErkenntnis der Ursachen der Nickstdurchführung der sozialisti­schen Ziele in den Reihen der Partei nicht vorhanden ist".

Persönlich hält Wissell die Großindustrie für reif I zu einer Durchführung der sozialistischen Ziele. Andere Sozialisten sind allerdings der Meinung, daß der Ka- pinritsmirs vorher erst noch einmal seine Hochblüte durchmachen muß. Wie dem auch sei, nach Wissest ! waren für einen Vollsozialismusdie Menschen ni cht reis". Die Menschen, die cm die Stelle der ! bisherigen Führer der Wirtschaft hätten treten kön­nen, fehlen, und somit fehlte auch die Möglichkeit, durch die dem Proletariat zunächst zugcsatlene Macht die materielle Existenzgrundlage der Ernährung und PrÄruttion, wenn auch nur im allerdürfiigstcn Maße, allein für sich zu sichern. Trotz gemaüiger subjektiver Bemühungen der radikalen pwlÄarischen Parteien war das Proletariat beim AuÄrruch der Revolution und im Laufs der darauffcckgenden Jahre objektiv nicht in der Lage, unter Verzicht auf die Mitarbeit der Bourgeoisie aus eignen Kräften für seinen alleinigen Nutzen dir ErnährMgscnrssichten und den Produktions- aufbau zu schaffen ... die Mitarbeit der wirtschaft­lichen und geizigen Führer der bisherigen kapitalisti­schen Ordnung auf feiten des Proletariats blieb aus . . . ein» Stellungnahme, zu der das taktische Verhal­ten des Proletariats früher und nach der Rteoolutionsi reichlich beigetragen hat."..

Also necht Maßnahmen allein können den Sozialismus hmbciführen, sondern in erster Linie muß er von den Menschen ausgehen. Soll der Sozialismus aber einen Zustand der Wirtschaft schaf­fen, so fährt Wssfell fort, in welchemjeder seinen Le­bensunterhalt finden kann, dann muß er auch von dem einzelnen Volksgenossen Pflichten fordern; dann muß er verlangen, daß innerhalb der grftll- schaftlichen Arbeit der einzelne sich in den Rahmen der Gesamtmteressen einfügt; daß dir Freiheit des ein­zelnen seine Grenzen findet, wo die Gesamtinteressen in Frage kommen. Unterordnung und Pflichtgebun- denheit werden heute freilich wenig geschätzt. Der So­zialismus mutz sie fordern, sie find unerläßlich, wenn das Ganze gedeihen soll. Notwendiger denn je ist heute aus Innerster Ueberzeugung getätigter Gemein- iinn. Ist er in den Arbeitermassen vorhanden? Wir vermeinen ihn zu haben. In Wirklichkeit aber fehlt er in der Arbeiterschaft ebenso wie in den Schichten, denen Erwerbstrieb und Gewinnstreben Richtschnur des Handelns war. Ohne Selbstzucht und vorbildliche Gesinnung kann der Sozialismus fein Ziel mcht erreichen. Nur weil dieser das ©genintereffe hinter dem Eefamtinteresse zurückstellende Gemeinsinn fehlte, auch deshalb haben wir nicht erreichen können, was uns als Ziel vorschwebte."

Der Spiegel, len hier Wissest seinen Parteigenos-

{en vorhält, wird muten nicht angen.h.u sein. Dns

Leranlwottstch tur üen red<unonellen Teil: Dr. I. Kramer, u t s?r d,e Anzr^en: A Parreller-Futoa. n RotMion-drucku. Verlag der Fuldaer Actlendruckerei in Fulda. Fermprecher Nr. 9. Telegr.-Adreste: Fuldaer Zeitung.

Bezugspreis: Monatlich 5.09 litt, zugestellt frei ins Haus- u Abgeholl in der Geschäftsstelle 4,60 Mk. :: Anzeigen: C olanelzeile 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Textbrelle) 2.50 Mk.

* ReilhMtimtt bleibt auf dem Wen

Um nur ein Beispiel anguführen wie unsicher die Meldungen sind, mca^en wir auf die Versionen Hin­weisen, die über das Schicksal Beuthens ver- sind. Nach den einen Nachrichten soll StM Bsuthen bei Deutschland verbleiben^ nach anderen wiederum soll sie den Polen zuMprochen fein. Das Reichs- tabiueti hat also bei der Unsicherheit der faktischen Tatsachen den einzig möglichen Weg beschritten, näm­lich abzuwarten, wie die amtliche Mitteilung des Obersten Rates lauten werde, ehe es sich mit der Frage seiner eigenen Existenz beschäftigt. Eine De­mission des Kabinetts in der augenblicklichen Lage konnte und durfte nicht ciniceien. Dem was wäre prattifch erreicht worden? In einem Zsitpunkk schwerer innen- und außenpolitischer Schwierigkeiten wäre nur eine geschäftssührende aber politisch aktions- unfähige Regierung vorhanden gewesen. Die Ersetzuirg durch ein neues Kabinett hätte in Hast und Elle er­folgen müssen.

Die Erwägungen, di« das Kabinett veranlaßt haben, abzuwarten, mögen nicht zu allerletzt von den Vorgängen beeinflußt worden fein, die wir damals bei der Kabinettskrise der Regierung Fehvenbach erleben mußten. Wer damals wahr­nahm, wie die Kabinettsbildung überhastet werden mußte und wie die Schwierigkeit und Ratlosigkeit dadurch mir erhöht würbe, der wird es dankbar be­grüßen müssen, wenn man in politischer Pflichterfül­lung nicht gewillt ist, die Flinte ins Korn zu werfen und die Dinge laufen zu lassen.

Wenn auch die Verhältnisse durch biß Entschei­dung über die oberschlefrsche Frage als einer Schick­salsfrage Deutschlands nicht unbeträchtlich erschwert snid, so dürfen dennoch die gesponnenen Fäden nicht abgerissen werden. Es wird nötig fern, daß man die Besprechungen über Erbreiterung der Koalition auch unter diesen Umständen fort- fttzt. Denn die Notwendigkeit der breiten Mittelbasis als eine Forderung unserer Sage bleibt in ihrem gan- gen Ausmaß nach wie vor bestehen.

Es wird weiterhin begrüßt werden müssen, daß, wie versichert wird, auch die Verhandlungen mit der Industrie und den Banken wie­der ausgenommen sind. Diese EnrtwiÄung, die in ihrem wirtschaftlichen Ausmaß weit über die Grenzen de: rein politischen Bedeutung hinausreicht, darf durch feine politische Konstellation beeinftuht oder abgebrochen werden. Es besteht deshalb nach wie vor dir Hoffnung, daß es hierin zu einer gün- fugen Losung kommt. Wie weit dieses Opfer des 'Besitzes als Steuer kompensiert werden soll, steht noch dahin.

Kabinett wird also dir Frage einer festen Entscheidung erst ilperanireteni, wemi bas la-ntiliche Tatsachenmaterial von feiten der Eutents oorlteat. Daß, wenn ole Nachrichen über die Teilung Ober- schlesiens zutres,en, eine ntw Lage geschossen ist, dir die Voraussetzungen einschneidend beeinträchtigen, unter denen die gegenwärtige Regierung die Geschäfte des Reiches übernommen und geführt hat, ist van. der Relchsregierung selbst m ihrer Erklärung nietergelegt

Di- w Sagt rtird zweifellos ihre Rückwirkung Ä PSilksche Emstellung hoben müssen.

Der Gedanke, daß nach ctm Wegfall eines wichtiaen Testes eines -«itschen Wir.tchauo^rbietes di- Eftül- lungsmöglichkeit stark beeinflußt wird, wird von i'eibst dazu sichren müssen, daß in Zukunft die Revision des Versailler Vertrages sowie des Ul­timatums in den Vordergrund der Bestrebungen der deutschen Politik gestellt werden.

Der Reichstag und die tage.

Der Aelteftenrot des Reichstage? hielt gestern eine Sitzung ab, um sich über die Einberufung des Reichstages zu verständigen. Da die amtlichen Grundlagen für die Beurteilung der oberschle- Achen Frage noch fehlen, wurde von einer so-

nach den vorliegenden Meldungen unvermoidlich deutsche Volk und Vaterland treffen wird, dar ro ietIL Aolstikrn bei aller Entrüstung über Rechtsbruch nicht die klare Uebertegung rauben eure nüchterne Betrachtung der Dinge unmöglich machen. Wenn es Politiker gibt, die die Stunde na-

tromser Rot benützen möchten, um das aus ttmerpvli-

^iründen gehaßte Ministerium Dr. Wirch um me Ecke zu bringen, so liegt es durchaus nicht im Gemeinwohl, dieses Beginnen zu unterstützen. Als gestern abend der Redner bei der Trauerfeier der Ful­daer Zentrumspartei, Reichstagsabg. Schwarz, darlegte, daß Dr. Wirth zrmächft Kanzler bleiben müße, damit nicht Bürgerkrieg und Umuhen aus­brechen, farL- er stürmischen Beifall. Jeder sieht ein, daß es gerade den Todfeinden Deutschfands, den französischen Rationalisten, recht wäre, wenn Un- nrhen in Deutschland ausbrächen, wenn dis deutsche Reichseinheit dabei zu Grunde ginge. Das ist der Wunsch der Todfeinde Deutschlands. Wir haben fernen Grund, ihnen behilflich zu sein, diesen Wunsch zu verwirklichen. Die rein demonstrative Wirkung Eines Rücktritts Dr. Wirchs zum Protest gegen die ®enfer Entscheidung darf vom realpolitischen Stand­punkt aus durchaus nicht überschätzt werden.

Die endgültige Stellungnahme über die Weiter- fuhrung der Regierung muh zum mindesten zuruckgestellt werden, bis die amtliche Mitteilung des Obersten Rates über den Teilungsplan in Berlin vor» liegf. Sie wird erst für Samstag erwartet. Die von bet Presse verbreiteten Meldungen lassen zwar ahMn, daß man mit einer ungünstigen Entscheidung rechnen muß, dennoch sind sie so mannigfach und in manchen Teilen auch noch so widerspruchsvoll, daß bestimmte Schlüffe für eine Grenzlinie noch nicht gezogen merken können.

Kurland.

* ver Streik zwischen Oesterreich und Ungarn um das Burgenland soll nach dem Beschluß der Konferenz in Venedig folgendermaßen geschlichtet werden: Acht Tage, nachdem die inter­alliierte Generalskommission die erfolgte Ent­waffnung festgestellt hat, wird in Oeden- burg und Umgebung, Agendorf und S r e m ! berg unter Kontrolle dieser Kommission die Volksabstimmung abgehalten. Was die in­folge der Uebergabe Oesterreich gegenüber erhobe­nen finanziellen Forderungen Un­garns betrifft, werden in dieser Frage in 14 Ta­gen die Verhandlungen in Wien eröffnet. Wenn diese binnen 14 Tagen nicht zu einem Er­gebnis führen, wird gemäß den Bestimmungen des Friedensoertrages von Trianon ein gemischtes Schiedsgericht über diese Frage entscheiden.

* Knox gestorben. Im Washingtoner Senat nimmt man an, daß der Friedensvortrag mit Deutschland in nächster Zeit ratifiziert werden könne. Urtierbeff en kommt die Nachricht, daß der Senator Knox, der durch die von ihm eingrbrochte Resolution den An­stoß zu dem deutsch-amorikcmischen Sonderfrieden g>e- geben hat, gestorben ist. Durch diesen Todessall ton sich dir Ratifikation möglicherweise noch etwas verzögern.

* Bürgerkrieg in China. Wie die .Chicago Tri­buns aus Washington meldet, hat die Regierung von Kanton den Militaristen von Pakhoi (in der Provinz Kwangtung) den Krieg erklärt. Truppen der Südstaaten, die von dem Präsidenten Sunyatsen selbst befehligt werden, haben ihren Vormarsch nach Norden begonnen. Ihr Ziel ist Peking. Sunh» offen hat 140,000 Mann mit den modernsten Waffen versehener Truppen zur Verfügung.

Fortsetzung der Tchuldebatte.

Dar Haug wendet sich nunmehr der Tagesordnung zu. Die Debatte über die Konfessionsschule wird fort­gesetzt. Der Mehrheitssozialist König will nachweisen, daß der Rqichsschulgesetz-ntwurf zur Reichsverfassung in direktem Gegensatz stehe. Mit ironischer Gebärde will er den Wert der Konfessionsschule abtun. Daß er den christlichen Erziehungsgeist und -Wert nicht aner- kennen will und nicht begreifen kann, nimmt uns nicht Wunder; gegen die absichtliche Profanierung, die diese Herren aber für gut befinden, haben wir das Recht, uns mit Entschiedenheit und Schärfe zu wenden. Für das Zentrum spricht Frau Wronke. Sie polemisiert mit viel Geschick gegen den mehrheitssozialistischen Krö­net und seine Vorwürfe gegen das Zentrum. Wir wünschen, daß der Religionsunterricht von Lehrern er. teilt wird, die auf konfessionellem Boden stehen und daß die Regierung die Privatschulen unterMtzt. Sie verwahrt sich mit Entschiedenheit gegen den Spott der Linken, mit dem sie der christlichen Weltanschauung zu begegnen pflegen. Wir verlangen für uns und un­sere Anschauungen 3um mindesten die Achtung der Andersdenkenden. Ein unabhängiger Redner et. eifert sich für die religionslose weltliche Schule, ein d e. mokratischer Redner für die Einheitsschule und ein d e u t s ch v o l k s p a r t e i l i ch e r für das liberale Schulideal.

Schließlich wird der Antrag Frau fittnerf (Unabh.) auf Wegfall des Religionsunterrichtes gegen die sozialistischen Parteien ab­gelehnt. Der deutschnattonale Antrag auf Unter, stützung der Privatschulen geht an den Unterrichtsaus, schuß.

Es folgt die große Aussprache Lehmann (Dnatl.) über Vorgänge an der Für st in Bis. marckschule in Charlottenburg. wo angeblich ein Studienrat, der radikale Schulreformer ist, durch das Ministerium Hänifch gegen den zuständigen Direktor unterstützt worden fein soll. Der deutschncrtionale Redner bezeichnet dabei das Ministerium Häni sch als einen Saustall. (Lebhafter Beifall rechts, Lärm i und Zischen links.) -

Freitag: Klein» Anfragen. Strafverfolgungen, In. i terpellation der Sozialdemokraten über die Personal. | Politik des Ministers des Innern, über die Maßrege- ! lung von Angestellten des Statistischen Amts und über den Polizeipräsidenten Liebermann. I

Deutsches Reich.

* Berlin, 14. Okt. Der wegen Beteiligung am Kapp-Putsch verhaftete Dr. Schiele aus Naum­burg a. d. Saale ist auf Ersuchen des Oberreichs» anwaltS am Mittwoch nach Leipzig übergesührt worden. Ein Gesetzentwurf über den Schutz der Walder und die Erhaltung und Schaffung von Uferwegen ist dem preußischen Staatsrat zugegangen. In der Begründung wird u. a. auf die verhängnisvolle Abholzung int rhei­nisch-westfälischen Jndustriebezirk bingewiesen.

* 2Vz Prozent Umsatzsteuer. Der Reparations» ausschuß des Reichswirtschaftsrats sprach sich ent­gegen dem Regierungsentwurf, der 3 Progent ver­langte, für eine Erhöhung bei Umfatzstauor auf 2!4 Prozent aus. Rach den VeWüssen des Ausschusses ollen auch die Ausfuhr und die ersten Umsätze nach )er Eirrftchr in bas Inland mnsatzstcuerpflichtig ftin. Die bisherige Steuerfreiheit der Ausfuhr tarnt, falls ijJkV Wrttttpewerb 'm/ ban WeltmoÄke geschädigt würde, durch Reichsratsbeschtuß rmedrrhergestellt werden, ebenso die Steuerfreiheit der Einfuhr der notwendigen Lebens- und Futtermittel sowie Roh- t fff je und Halberzeugniffc, soweit die Umsätze außer­halb des Kleinhandels erfolgen. An Stelle des bis­herigen Luxussteuersystems soll eine nach bestimmten Gruppen von Gegenständen fest umrissene Luxussteuer treten. Für die Umsatzsteuer auf Speisen und Ge­tränke in Gast- und Schankstätten schlägt der Aus- chutz Einteilung der Betriebe in drei Klassen vor tmb bestimmt ferner, daß die Gemeinden 50 Prozent des Ertrages dieser Steuer erhalten und Zuschläge bis zu 100 Prozent erheben dürfen.

(b) Umzugskostevzuschüsse für die Beamten. Der preußische Finanzminister tmb der preußische Minister des Innern haben unter dem 7. Oktober eine 22er- ügung erlassen, durch bii? die Gewährung von Zu- schüsien zu den Umzugskosten der versetzten Beamten bis in alle Einzelheiten geregelt wirb. Aus den all- gemeinen Bestimmungen ist besonders erwähnens- wen, daß den Beamten aus den besetzten Gebieten, die im waren dienstlichen Wohnorte vorläufig eine Notwohnung.-beziehen mußten, die Kosten des ein­maligen Umzugs r;" der Notwohnung in die eigent­liche Wohmmg ersetz: erhalten. Auch Beamte, die bei Auslösung ihrer Dienststelle in den Ruhestand irrten, sich abe- einen anderen Wohnort zum dauernder Aufenthalt wählen, erhallen die volle Umzugskoften- Dergitiung.

fertigen Berufung des Reichstages Ab­stand genommen.

Die Mitglieder des Reichstages sind jedoch auf. gefordert worden, sich auf eine rasche Einbe- rufung des Reichstages einzurichten. Ter Reichs­kanzler stellte in der Sitzung fest, daß nach ein» mütiger Auffassung des Kabinetts ein Rücktritt der Reichsregierung vorläufig nicht in Frage kommt, damit eine aktionsfähige Re­gierung int Amte ist.

Der Oberste Rat.

Briand als Vorsitzender des Obersten Rates hoi am Donnerstag die Empfehlung des Völkerbundsrats erhalten und das Dokument sofort den alliierten Re­gierungen Mitteilen lasten.

Das Rellterschc Büro meldet aus London: Die Schlußansicht der alliierten Re^gie^ r u n g e n muß bis zum Erhalt brs Textes abgewartst werden; doch muß daran erinusrt werden, daß die Mächte sich verpflichteten, die Entscheidung an- zunehmen. Dies schließt durchaus nicht die Mög­lichkeit aus, daß einer ober alle Allüirrten Bemer­kungen bagu Vorbringen, sobald die Entscheidung be- fanntgegeben fern wird. Es wird erwartet, daß Deutschland und Polen sie vollkommen loyal cmnch- men. Der Oberste Rat wird sich nicht im geringsten durch irgend einen Versuch von der einen oder anderen Seite, Abänderungen zu echalten, in feiner Haltung beirren lasten.

Vorbereitungen in Gberschlefien.

Maßnahmen der Jukeralliierken Kommission.

Nach einer Meldung derVoss. Ztg." hat die interalliierte Kommission in Oppeln gewisse In- struktionen für die Zeit der Bekanntgabe der Entscheidung des Völkerbundsrates er­halten. Jeder Versuch, sich dieser Entscheidung und ihrer Durchführung zu widersetzen, ist mit allen Mitteln sofort zu unterdrücken. Die Besatzungstruppen sind in dauernder Alarmbereitschaft an zentral gelegenen Plätzen und halten Transportmittel in so reichen Mengen bereit, daß eine Verschickung der Truppen an andere Stellen sofort erfolgen kann. Die Gren­zen sind hermetisch abzuschließen.

Ueber die Gebiete, in denen Unruhen vorkom­men, ist sofort der Belagerungszustand zu verhängen. General Lerond befindet sich seit gestern in Begleitung des englischen und italie­nischen Kommissars auf einer Besichtigungs­fahrt durch das Abstimmungsgebiet.

Die interalliierte Kommission erläßt einen Auf­ruf, in dem sie erklärt, daß sie jeder Herausforde­rung rücksichtslos entgegentreten werde. Die schul­digen Zeitungen würden gegebenenfalls unterdrückt und ihre Druckereien geschlossen werden. Die Kom­mission werde keine öffentlichen Kund­gebungen dulden und sei entschlossen, jede Unordnung zu verhindern.