JE 236.
Donnerstag, 13. Oktober ISA.
- MldäMFeiiitng
0-^ Druck der Fnldarr Aetieudrnckerei itt Fulda
Deutschland und der Vatikan.
f JDie Beziehungen zwischen dem neuen Deutschland V» dem Vatikan haben sich durchaus gut, aufrichtig und herzlich schaltet. Um so mehr ist eine Beröffent- Kchung des SSemamwerlages zu bedauern, die geeignet ist, in diese guten Beziehungen nur Mißtrauen und Mißstimmung zu sSen: Wir meinen dte vor einigen Monaten erschienene Schrift: »Deutschland und dar Vatikan. Ein Beitrag zur politischen Orientierung von einem Deutschen." Nach der äußeren Aus. machung der 72 Seiten starken Broschüre, nach ihrer Sprache und Stellungnahme zu urteilen ist der unge. nannte Verfasser mit ungefährer Gewißheit derselbe, der Anfangs 1918 nut seiner im gleichen Verlag erschienenen Schrift: Papst, Kurie und Weltkrieg soviel unnötige unö ungerechtfertigt Verbitterung Stern gegenüber geschaffen hat. Auch die neue Veröffentlichung ist nicht fachlich. Trotzdem Men wir sie mit Still- schweigen iteergangm, wenn nicht eine bestimmt ge- richtete Presse die in der Säemann-Schrist ausge- sprochenm Anschauungen in den letzten Monaten systematisch verbreiten würde.
Die Angriffe der Schrift auf den Dotikcm laufen hauptsächlich in zwei Anklagen zusammen: Benedikt XV. Liebestätigkeit seit 1915 habe Deutschland stiefmütterlich behandelt. Der Vatikan habe unsere Niederlage gewollt und treibe polnisch-frm^ösische Polüik. Auf die erste Anklage einzugchon, möchten wir uns heute versagen. Nur die zweite sei auf ihre Stichhaltigkeit geprüft.
Hat Benedikt XV. unsere Niederlage gewünscht? Als Oberhaupt der kaü^lrschen Kirche durfte er wohl wünschen, der Ausgang des Krieges möge eine Aenderung der kirchenpolitischen Lage in Rußland, Frankreich, Italien und für die Katholiken der Türkei bringen. Er durste auch durchaus wünschen, die neuen Zustände möchten die »stark antika- thoiische Tendenz der neuen deutschen Kultur" schwä- chen. Aber unsere Niederlage hat Benedikt XV. nicht gewünscht. Dagegen sprechen klare Tatsachen. Einmal seine Unterstützung des Friedensangebotes der Mittelmächte Dezember 1916 und feine Frtedensaktion im Sommer 1917. Wenn wir damals überhaupt noch zu retten waren, hätten sie uns gerettet. Dann die Stellung des Papstes zum Versailler Frieden. Benedikt XV. hat nicht öffentlich und formell gegen diesen Frieden Einspruch erhoben, so wenig wie die Päpste feiner zeit gegen den WestfAischen Frieden und den Wiener Kongreß protestiert haben. Der Verfasser der Säemami-Schrift irrt, wenn er meint, Innozenz X. und Pius VII. unserem Papst gegenüber stellen zu können Die päpstlichen Proteste vom 26. November 1648 und 4. September 1815 trafen nur die Artikel in Münster-Osnabrück und Wien, welche die Rechte der Kirche verletzten, nicht die übrigen rein politischen Paragraphen. In diese haben sich fene Papste nicht eingemischt. Bei solchen Protesten kommen eben immer drei Gesichtspunkte in Betracht. Ihr Wert der Realpolitik gegenüber: der ist seit Jahrhunderten Mich Null. Ihr Micher Einfluß auf dos Menschheitsgewissen: der kann sehr groß sein, kann aber cnuh durch Gegenwirkungen — man denke an die Verherrlichung des Versailler Friedens in der englisch-omerikanisch- ftanzösischen Presse — sehr eingeschränkt werten Endlich ihr Nutzen oder Schaden für die Gesamtkirche. Niemand wird jedenfalls leugnen, daß der Schaden in unserem Falle recht beträchtlich hätte fein können. Diese drei Gesichtspunkte gegeneinander abzuwägen und dann die Entscheidung zu treffen, müssen wir dem Papste überlassen. Uebrigens hat nicht bloß die vatikanische Presse, sondern auch Benedikt XV. selbst den Versailler Frieden verurteilt. Im Konsistorium vom 16. Dezember 1919 hat er es offen ausgesprochen: er bedauere den Gewaltftieden, der nie ein wahrer Friede sein könne. Indes üter solche Tatsachen geht die Säemann-Schrist stillschweigend hinweg!
Unterstützt der Vatikan die polnisch- französische Politik? Sicher hat Benedikt Xy. Frankreich bei verschiedenen Gelegenheiten ganz unverhohlen sein Wohlwollen gezeigt und dies getan, um die Verbindung dieses Landes mit der Kurie wieder herzustellen. Das ist ihm auch gelungen. Wer die Entwicklung der kirchlichen Verhältnisse in Frankreich seit dem Tremnmgsaesetze kennt, ter wird, wenn er noch einiges Interesse für die Kirche jenes Landes hegt, das nur begrüßen. Aber mit der französischen Politik am Rhein hat das alles nichts zu tim. Die Beweise, die man dafür anführen will, sind äußerst kläglich. Was kann Benedikt XV. dafür.
Die Jagd nach dem Glücke.
1 Erzählung von Fritz Ritzel.
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»Ich bin doch bei der Sache" — ein hochmütiges /lufwerfen des Kopfes begleitete die Worte — »wenn ich es schmerzlich beklage, daß zwischen Gatte und Sohn rin so wenig harmonisches Verhältnis besteht! Fast sollte man glauben. Du beneidest Max um seine Jugend!"
Herr Hohenfels ging mehrere Male in dem kleinen Raume auf und ab, als koste es ihn Mühe seine ruhige Haltung zu bewahren. Bei den letzten Worten seiner Gattin zuckte er wie unwillig zusammen und entgegnete scharf: „Du bist eben nicht bei der Sache, Franziska, da Du mit gewohnter Meisterschaft das Gespräch in an. dere Bahnen und auf persönliches Gebiet zu lenken fuchst! _ Ich frage Dich jetzt kurz und bündig: Welche Ungehörigkeit hat sich Max gegen die Hochfelds zu Schulden kommen lassen? Falls Du mir wieder auszuweichen fuchst, betrachte ich unser Gespräch als beendet. Ich habe weder die Zeit noch die Absicht, mich in ein end. loses Wortgefecht mit Dir einzulassen!"
Der Sprechende nahm bei den letzten Worten eines der Probiergläser von dem Tische und führte dasselbe an die Lippen, als beabsichtige er in seiner Arbeit fortzufahren.
Einen Augenblick blitzte es zornig in den Augen der schönen Frau auf, dann nahmen ihre Mienen den Ausdruck eines gescholtenen Kindes an und mit vorwurfs. voller Stimme versetzte sie: „Hätte ich geahnt daß Deine Stimmung heute eine so schlechte ist, 'lieber Albrecht, dann würde ich die Sache ein gelegen eres Mal zur Sprache gebracht haben! Max ist eben — ich wiederhole es — ein dummer Junge, dessen Herz sofort lichterloh brennt, wenn ein hübsches Lärvchen in seinen Gesichtskreis kommt."
„Ich hoffe doch nicht, daß mein Sohn sich untersteht in irgend einer Weise Annäherung bei der Tochter des Nachbars Hochfeld zu suchen? warf Herr Hohenfels sichtlich aufgebracht ein. »Um diese handelt es sich doch wohl?" ।
„Annäherung? Nun so schlimm ist es wohl nicht!" beruhigte seine Gattin.
„Empörend finde ich-es von der dummen Gans, die jedenfalls einmal den »Fautz»" gesehen hat und sich mit ihren blonden Zöpken auf das Gretchen hinausfptelt.
wenn Mllerand und Mantel im Parlament die dies- bezügliche Regierungsvorlage begmiteten mit dem Hinweis auf die französischen Interessen nicht nur im Örtern, wo ihnen die Verbindung mit Rom früher entschieden von Nutzen war, sondern auch in Süddeutsch- Icmd und am Rhein? Die Lostremrung alldeutschen «tjaß-lochringischen Gebietes vom Rhein hat ihren Anfang genommen im Fürstenkrieg gegen Karl V. £1552), wo die aufständischen protestantischen Fürsten Metz, Toul und Verdun dem französischen König in die Hände spielten, und hat ihren Abschluß gefintiien im Westfälischen Frieden und in Versailles. Dort durch das Zusammenwirken ter französischen und pro« testantijch-antihabstmrgischen Politik, hier infolge unseres Zusammenbruchs. Aber das Papsttum hat sich in den Streit um den Rhein nie eingemischt und wird sich auch in Zukunft nicht einmischen. Noch ungereimter ist es, die Münchener Nuntiatur in Parallele zu stellen mit dem Bestreben Frankreichs, durch Sonderbotschaften den Süden vom Rhein zu trennen. Die Münchener Nuntiatur ist alt, unö Rom wird sie gegen Bayerns Willen nicht cmsheben. Aber weiß ter Verfasser ter SäemMMschrist nicht, was man vor 100 Jahren vergebens angestrebt hat und auch im asten Reich nicht erreichen konnte: ein Reichskonkordat? Ein solches kann aber, soweit es überhaupt polstische Wirkung Hal, nur dte Reichseinheit fördern. Wenn gar im Zusammen- Hang mit den Rhemgellisten der Franzosen Namen wie der von Professor Lauscher verunglimpft und verdächtigt werten, so muß dagegen im Namen ter deutschen Katholiken unö des Zentrums entschieden Einspruch erhoben werten.
Benedikt XV. soll die deutschfeindliche Polenpolitik unterstützen. Die Tatsachen reiten Mieter eine andere Sprache, lieber Oberschlesiens Schicksal und Zukunft hat sich ter Vatikan überhaupt nicht geäußert, weil diese Frage sein Interessengebiet zunächst gar nicht berührt, Dte Insurgentengreuel hat er noch vor kurzem inschärfsterFormoer- urteilt I» ter Frage der politischen Betätigung ter Geistlichen hat sich ter Hl. Vater enttöiäten auf dte Seite des Hochw. Harrn Kardinal-Fürstbischofs Bertram gestellt. Das Wirken des päpstlichen Sonderkommissars für Oberschlesien endlich wird von deutscher Seite einhellig dahin beurteilt, Monsignore O g n o habe gerade und rocht, klug und entschieden seines Amtes gewaltet.
Die Säemannschrift entbehrt ter Sachlichkeit. Schon in ihrer Beurtettung geschichtlicher Personen und Tatsachen. Es berührt eigentümlich, wenn ter Verfasser tei Erwähnung ter Kölner Wirren (1838) sofort für den damaligen preußischen Vertreter in Rom, Rstter von Bunsen, Partei ergreift Die Geschichtsforschung, selbst Treitfchke, fmb sich doch längst darüter einig, daß Bunsen damals unehrlich und mMschickt gespielt hat. Noch mroerständlicher ist es, wie er Bismarcks Auslastungen in ter Reichsmyssitzung vom 5. Dezember 1874: die römische Politik und jesuitische Ein- flüsse seien die Hauptschuldigen am Krieg von 1870, als geschichtliches Zeugnis für das „politische Treiben am Vatikan und seine Ftegen" anführen kann. Man weiß nun doch, daß die Worte gesprochen sind in der Leidenschaft des Kulturkampfs und von einem Mann, ter bei Angriffen auf Gegner in Auslese und Gebrauch der Waffen nicht zu ängstlich war. Die Art, wie ter Verfasser solche Worte vsrwentet, erweckt den Eindruck einseitigster Partetticksteit gegenüber ter katholischen Kirche. Im Interesse ter geschichtlichen Wahrheit müssen wir auch Einspruch erheben, wenn ter Verfasser dte Beziehung Deutschlands zum Vatikan mit Goethes Worten im Tasto kennzeichnet: „Rom will alles nehmen, geben nichts." Die Tatsachen: die Opfer ter Resormpäpfte für Deutschland Im 16. Jahrhundert, das hochherzige Entgegenkommen Roms Preußen gegenüber unter Friedrich dem Großen, ganz Seutfdjtanö gegenüber beim Abschluß ter Konkordate vor 100 Jahren, die Art, wie Leo XIii. zur Beilegung des Kulturkampfes mit Bismarck verhandelte, das alles und vieles aridere beweisen das gerate Gegenteil.
Nicht sachlich ist die Schrift ferner in der Benutzung und Verwertung des vorliegenden Materials. Alles, was für bas gute VerhAHis zwischen Deutschland und dem Vatikan spricht, wird einfach verschwiegen. Der Derfasier weiß nichts von den guten Be- zichungen, m denen Nuntius Pacelli zu Regierung und Volk in Deutschland sicht, nichts von den erhebenden Worten, die Beneditt XV. vor baß) einem Jahre zur Aufmunterung und zum Tröste des tem-
daß sie sich überhaupt auf die Unterhaltung mit unserem Max einläßtl" ।
„Wohl auf eine Unterhaltung über die Gartenmauer hin," fragte Herr Hohenfels. „Nun, wenn das alles ist — darüber wird die Welt wohl nicht aus den Fugen gehen, wenn er ein paar Worte mit der Nachbarin gewechselt hat! Aber trotzdem werde ich es ihm verbieten! Die Leute sollen auch für ihn absolut nicht existieren!"
„Em paar Worte? Wenn es nur ein paar Worte gewesen wären würde ich darüber geschwiegen haben. ®*n_ sehr lebhaftes, lang andauerndes Zwiegespräch hat er über die Mauer mit ihr geführt, wie ich aus meinem Versteck in der Laube beobachtete. Einige unserer schönsten Marechal Niel-Nosen hat er hinübergereicht, die anscheinend mit dem größten Vergnügen entgegen, genommen wurden. Und zum ersten Male scheint dieses tete-a-tete nicht ftattgefunten zu haben — dazu waren die beiden viel zu vertraut mit einander. Nun ich habe ihm nachher den Standpunkt gehörig klar' ge. macht." ।
Herr Hohenfels lachte leise auf und meinte: „Du wirst ihm nicht allzu wehe getan haben! Jedenfalls werde ich mit Max ein ernstes Wörtchen sprechen, daß er derartige Allotria für die Folge unterläßt. Damit wollen wir die Sache vorläufig als erledigt betrachten."
„Und die Mauer, Albrecht? Würdest Du die Sache vielleicht doch noch einmal in Erwägung ziehen?"
„Darüber sind doch wohl nun endgültig die Akten geschlossen!" erwiderte Herr Hohenfels mit hörbarer Ungeduld im Tone. „Sage dem Meister Gerhard, der jetzt wahrhaftig lange genug gewartet hat, daß er das Geländer so rasch wie möglich aufführen soll! Du entschuldigst mich jetzt — die Proben hier müffrn heute unbedingt noch zur Post?" i
Frau Hohenfels mußte diesen Ton kennen, denn sie wagte keine weitere Erwiderung mehr, sondern rauschte mit einer sehr ungnädigen Miene hinaus. In dem Kontor, welches sie durchschritt, erwiderte sie mit kaum wahrnehmbarem hochmütigem Kopfnicken die ehrfurchtsvollen Verbeugungen der an den Pulten sitzenden An- gestellten des Hauses, ohne denselben auch nur einen Blick zu gönnen und verschwand hinter der nach ihren Wohnräumen führenden Verbindungstür.
Hätte sie einen Blick auf den, dem Probierzimmer zunächst an einem breiten Pulte stehenden jungen Mann geworfen, fo wäre ihr vielleicht die sichtliche Erregung ausgefallen, die sich sowohl in der Röte von
scheu Volkes öffentlich an den Erzbischof von Köln richtete, wobei er betonte, die deutschen Bischöfe hätten durch die Kirchliche KriegshÄfe der ganzen Wett das Beispiel echter christlicher Nächstenliebe gegeben.
Der Verfasser weiß sich auch nicht hineinzüdenken in di« Aufgaben des Papsttums. Er betrachtet sie von einem ganz eng deutschen Standpunkt. Das Papsttum hat aber die Aufgabe, eine Weltkirche ju feiten. Es mutz mit allen ßäntern und allen Regierungen kn geordnete Beziehungen treten, es muß die Interesten der katholischen Kirche im Lande wahrnehmen, auch wenn testen Regienmgsform wechselt. Reiche können untergeben und Regierungen wechseln, die Kirche besteht weiter und bedarf um der Gläubigen willen geregelter und guter Beziehungen auch zwischen ter neuen Regierung und ihrem eigenen Oberhaupt, dem Papst. Vom Standpunkt der Weltkirche mit einem übernatürlichen Ziel fmb auch Mifsicnstegeisterrmg und Missionsalnwsen der Katho- fiten zu beurteilen. Sie fragen nicht: Kommt das Almosen dem De u t s ch t u m zugute. Wofür sie h i e r opfern, das ist das übernatürliche Heil aller Menschen. Uebrigens scheint ter Verfasser der Säemannschrist nicht zu wissen, daß immer noch drei Viertel des deutschen katholischen Missionspersonals in den Mfsiomn arbeitet und daß sich den anderen jetzt wieder ein neues Arbeitsfeld eröffnet.
Der Verfasser maßt sich an, die römische Kurie zur Wahrung des konfessionellen Friedens zu «rechnen. Es ist wohl noch niemals die Befürchtung ausgesprochen worden, die römische Kurie kömrte unter Bene- dikt XV. den konfessionellen Frieden stören. Mit viel mehr Recht glauben wir darauf aufmerksam machen zu dürfen, daß die Art, wie er kirchliche Personen und Verhältnisfe behandelt, dem konfessionellen Frieden wenig förderlich fein wird. K. K.
Aus tem Rachbargebiet.
X—Gersfeld. Laük Beschluß einer Versammlung des Mitteldeutschein Skiverbandes in Frankfurt a. M. soll ter Derbcmdsrvettlauf, oerfrurtten mit Iugondwettlout und vorangehenden Skikmsen, im Januar in Gersfeld abschalten werten.
fpd. Frankfurt«. M. Falsche deutsche ReiHs- banknoten vom 6. Juni 1920 werden augenblrck- lich in Frankfurt in großer Zahl verausgabt. Die Falschscheine unterscheiden sich in der Hauptsache von den echten Scheinen durch das auffällige Hervortreten des Wasserzeichens und der Vortäuschung der kupfer- braunen Faserstreifen auf der Rückseite deS Scheins durch schwache Strichaufdrucke. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Falschscheinfabrik ausfindig zu machen.— Der Privatdozent für innere Medizin von der hiesigen Universität Dr. Alfred Pongs, ist gestorben. — Aus einer Schneiderwerkstätte wurden in einer der letzten Nächte durch Einbruch Kammgarne und Cheviots im Werte von 72 000 Mark gestohlen.
)( Ans dem Taunus. Im Laufe der letzten Monate wurden im Taunus zahlreiche Jagd- hütten erbrochen und ihres Inhalts betäubt. Den Räubern fielen dabei neben Wäschestücken und EinrichtungSgegenständen auch manche wertvollen Jagdgewehre in die Hände. Der Frankfurter Kriminalpolizei gelang eS nun, die Diebe in dem Sljährigen Maler Wilhelm Bastian aus Nieder- omS, dem L2fährigen Alfred Diel aus Reichenberg und dem L4iahrigen Wilhelm Oetter aus Würzburg z« ermitteln und festzunehmen. Die Burschen hatten die geraubten Sachen an die Althändler Stein in Nied und Streicher in Höchst verkauft. Bis jetzt haben sie die Einbrüche in Miedelbach und auf der Tenne eingestanden. Die Art der Hüttenberaubungen läßt aber mit Sicherheit darauf schließen, daß die Gesellschaft auch für die anderen Beraubungen in Frage kommt.
vermischter.
* Professor Lila von Gierke, ter bekannte Berliner Rechtslehrer, ist im 81. Lebensjahre verstorben.
* Friedrich Hegar, der bekannte Komponist, beging in Zürich am 11. Oktober feinen 80. G e- bur ts tag. Universal veranlagt und ausgebildet, hat er in der Kammer« und Konzertmusik, im Siebe und im Oratorium Wertvolles geschaffen, aber das Gebiet, auf dem er seine eigentliche Bedeutung erlangte, war der Männergesang. Werke wie
besten hübschem, von einem blonden Dollbart umrahm- ten Gesichte, wie auch in den hastigen Bewegungen ausprägte, mit welchen er die Blätter des vor ihm liegenden Hauptbuchs ganz zwecklos umwendete, nicht minder der gepreßte heisere Ton, mit dem er »Herr Hohenfels" hervorstieß, als der Chef ihn mit einem: „Bitte, Herr Friedwald!" in das Probierzimmer be- schied. ;
2. Kapitel.
Gediegene Leute.
Wenn man um den rechten Seitenflügel des Hohen- fÄsifien Hauses herumging, so gelangte man in die schmale Schloßgasse, die so recht das mittelalterliche Gepräge trug, wie es im ersten Kapitel geschildert wurde. Unmittelbar an das HohenfÄsische Besitztum schloß sich ein mäßig breiter Steinbau an, mit steilem, rechts und links abfallendem Dach und einer Fassade, die wohl zum Entzücken für jeden, für mittelalterliche Baukunst Schwärmenden gereichen konnte. War auch in der Altstadt noch manches Prachtstück aus der erwähnten Periode vorhanden — einen solchen Reichtum von Steinmetzarbeit wie dieser Bau, wies doch wohl keines auf. Der Sockel, welcher den aus der Mitte der Front vorspringenden Erker trug, wurde von zwei Lö. wenfiguren gebildet, die mit roeitaufgeriffenen Rachen dräuend auf die Straße hinabsahen; die Steinplatten, welche den unteren Teil, die sogenannte Kniewand des Erkers bildeten, waren mit Blumengirlanden förmlich überladen, die sich auch um die die schmalen Fenster einrahmenden runden Säulen schlangen und in deren zierlichen Kapitalem ausliefen. Die Umrahmungen der schmalen Fenster des Hauses, wie auch die unter den Fensterbrüstungen eingemauerten Steinplatten waren mit Girlanden in gleicher Form geziert und auf der mächtigen, schief unter dem Erker in Wappensorm an- gebrachten, am Rande reich verzierten Tafel mahnte den Eintretenten der sinnige, eingemetzte Spruch:
Dein erstes Denken sey an Gott, Thu ihme nichts zu Leyd und Spott. Bewahr Dein Herz vor dem Gelüst, Nach gleißend Gold zu jeder Frist!
Anno Domini MDLVIII.
Und genau wie das Blattwerk der die Fenster und den Erker zierenden Steingirlanden, waren die Der- fchlingungen des kunfwoll geschmiedeten EiscnfebiDss
„Totenvolk", »Rudolf von Werbenberg", Kaiser Karl in der „Johannlsnachf würben epochemachend, durch sie ist der deutsche Männerchor vor Einseitigkeit und Verflachung bewahrt und neuer, höherer Entwickelung zngesührt worden. Das ist bas große unb bleibende Verbienst Friedrich Hegars, sein eigentlicher Ruhmes- titel.
• Die Zahrer-Tagnng des Sühnenvolksbundes fand in München statt. Geheimrat Dr. Dyroff (Bonn) eröffnete die Tagung mit einer Ansprache, in der er auf die Zwecke des Bundes hinwieS. Kein Staatsmann und kein VolkSfreund dürfe den erzieherischen Wert des Theaters unterschätzen. Weiterhin sprach der Vorira- gende über die Tätigkeit deS BühnenvolkSbundeS, die in einer Vermittlung zwischen Bühne und Volk, zwischen Künstler und Bühne und endlich zwischen Leben und' Bühne ihre Hauptaufgabe fehe. Dann berichtete Generalsekretär Wilhelm E. Ger st über den Stand der christlichen Theaterbewegung. Obwohl die Organisation erst in den Anfängen ihrer Arbeit steht, ist in über 100 Städten die Bildung von Theatergemeinden mit Hunderttausenden von Teilnehmern bereits erfolgt. Der Vortragende verlangt die Einbeziehung der Theater und Kinos in das KommunalisierungSgesetz. AIS letzter Redner sprach Dr. Werner E. Thormann» Frankfurt über die geistige Einheit deSKultur th e a te rS. ES sei bedauerlich, daß zwischen dem Leben deS Volkes und der dramatischen Literatur so wenig Zusammenhänge beständen. DaS Streben, das die ganze deutsche Theatergeschichte seit Lessing erfüllt, sei auf die Schaffung eines nationalen Theaters gerichtet. Dte letzten Jahrzehnte hätten zwar! den Gedanken der Schaf f.ing eines Gemeinschaftstheaters einigermaßen wieder erschüttert, doch sei neuerdings dieser Gemeinschafts» gebaute der Theaterkonsumenten, wohl bestimmt durch die wirtschaftliche Not der letzten Jahre, wieder gestärkt worden. (Sin inneres Verhältnis zwischen den Zielen des BühnenvolkSbundeS sei nur möglich, wenn die Arbeit deS Bundes im Zusammenhang mit den letzten Jahrhunderten deutscher Theatergeschichte im Kampf um das Ideal deS großen deutschen nationalen Theaters betracht tet werde. Der Tagung, an der auch Vertreter de» staatlichen und städttschen Behörden teilnahmen, waren, zahlreiche Begrüßungsschreiben, u. a. auch von RetchS-s tangier Dr. Wirth und dem preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald, zugegangen.
* Eine vkteilelle Goldschiebung. 3n Preußisch-' Stargard in Pommerellen tourte ein polnische»! Militärflugzeug infolge Motorschadens zun, Lauten g^mmgen. Herbeieilente Gendarmen, denen das Verhalten ter Insassen verdächtig vorkam, unter» suchten ten Apparat und stellten zu ihrer Ueberraschunz fest, daß er eine große Summe Gold enthielt. Flieger wurden verhaftet. Das Gold sollte, mte das nachfolgende Verhör ergab, nach Danzig verschoben werten. Die Verhafteten sind ter Generalleutnant Stirrmmt-Dwaniaki von ter Belacowitsch-Arrnee und zwei polnische Sergeanten.
* Die umstrittenen deutschen feuert eifern. Aus Paris mich berichtet: Die nationalistssche „Liberte" hat anläßlich der Feuersbrunst im Warmhaus Prmtemps mit Unwillen festgestellt, daß die viÄbewunderten mechanischen Leitern ter Pariser Feuerwehr deutschesFabrikat sind, und fragt batet, weshalb derartige Ausgaben nicht der fron» zöstfchen Industrie Vorbehalten bleiten. Tags darauf veröffentlichte das Blatt die Aeußenmgen eines hohen In- gmiemvffiziers ter Pariser Feuerwehr, aus denen hervor- geht, daß bisher ferne französische Firma bereit gewesen ist, die Konstruktion solcher Lestern auszusühren.
_ Handel und Wirtschaft.
— Wiener Preise. Am Wiener Lebensmkttelmarkt wurden amtlich am Montag früh notiert: 1 Kilo Schmalz 1200 Kronen, 1 Kilo Kaffee 1150 Kronen 1 Kilo Schweinefleisch 480 Kronen. 1 Kilo Kartoffeln 58 Kronen und für 1 Ei 36 Kronen.
Spirituosen und Liköre I
Fruchtbranntwein, Zwetschenbranntwein, Kirschwasser, Steinhäger, Weinbrand, Cognac, Rum, Cherry Brandy, Caraeao, Goldwasser, Halb und Halb, Vanille, Cacao, Ei - Creme Advocaat, Alpenkräuter, Maraschino, Allasch-Kümmel und andere
in grösster Auswahl. en
Joseph Schmitt, Fulda«
Zentral-Drogerie, Zentral-Passage.
gehalten, das, sich der Wölbung des schmalen Torwegs anpassend, über diesem angebracht war und das mit feiner Aufschrift in altgotischen Buchstaben:
„Konrad Hochfeld, Kunst und Bauschlosserei" genau mit dem Charakter des Hauses ütereinstimmte.
Nicht minder übereinstimmend damit war die mäch. tige Gestalt in ledernem Schurzfell und mit aufge. krempten Hemdärmeln, die unter dem Torweg stand und sich mit breitem, gemütlichem Lächeln auf dem glattrasierten Gesicht von einem älteren Herrn verabschiedete, der, seiner eleganten Kleidung nach zu urteilen, den besten Gesellschaftskreisen angehörte._
»Also nochmals besten Dank für den Auftrag Herr Baron!" hatte eben der gewaltige Mann im Schurzfell gesagt, in dem wir unschwer den Besitzer des Hauses, Herrn Schlossermeister Konrad Hochfeld, erraten, indem er die Hand des vor ihm Stehenden fo herzhaft drückte, daß dieser ihm dieselbe mit einer komischen Gebärde rasch entzog. »Herr Baron könnest sich daraus oer- taffen, daß die Umfriedigung zur bestimmten Zeit fertig gestellt ist — vorausgesetzt natürlich, daß kein Streif ausbricht."
»Rur der Preis, lieber Meister — den Preis finde ich horrend!" erwiderte der als Baron Angeredete mit fistelnder Stimme. „Läßt sich denn da gar nichts mehr abhandeln? Bei solchen Preisen müssen Sie ja in kür. zester Zeit Millionär werden!"
„Millionär?" lachte der Schlossermeister. „Das hat vorläufig noch gute Wege, Herr Baron! Wenn der Herr Baron einmal Einsicht in meine Kalkulationen nehmen wollten, würden Sie ganz gewiß selbst eingestehen, daß der Voranschlag nicht zu hoch gegriffen ist. Die Kon- kurrenz sorgt schon dafür, daß man nicht zu üppig wird. Und dann Herr Baron — was ich liefere, das hat Hand und Fuß — das wissen der Herr Baron!"
„Nun, schon gut, lieber Meister, schon gut!" fistelte der Baron mit freundlichem Lächeln. „Jeder Arbeiter ist seines Lohnes wert! Also es bleibt dabei — in sechs Monaten steht das Parkgitter fix und fertig!"
Damit winkte er feiner auf dem Breitemarkt stehen- den Equipage, drückte dem Schlossermckster nochmals die Hand und stieg ein, nachdem er dem den Schlag öffnenden Kutscher eine kurze Weisung gegeben hatte.
Der Meister blickte mst feinem gemütlichen LächÄn der in der Richtung nach der Breitegasse fortfahrenden Equipage nach und murmeUe: „Ohne zu handeln tut er W nicht — na, er soll der Schlimmste sein!" (F. f.) L