Fuld aer Zeitung
Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stabt Fulda.
Nr. 235.
Lerantworliich für den rebauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parze!ler-Fulda. = Rotationsdruck n. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fern,prechrr Nr. S. Telegr.-Adresse: Fuldaer Zeitung.
Mittwoch, 12. Oktober 1921.
BezugspreisMonatlich 5.00 Ml. zugestellt fiel ins Haus- “ Abgeholt in der GeschSftsstille 4,60 2HL :: Anzeigen: TotoneizeiIe 70 pf#.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklomezeile (Textbreites 2.50 Alk.
48. Zahrc,.-
Zie irsWe Mm AeWM.
guf der Kolter.
Es ist eine wahr« Folterqual, die wir jetzt durch- machen müssen. Deutschland ist in ähnlich« Arge, wie das arm? Opfer der Büttel in früheren Zeiten, das auf der Dank aus gespannt war und nun in bitterster Angst »bwarren mußte, ob die Kurbel weiter emgedreht würde, die Gelenke yt zerreißen oder ob ihm noch dis jNög'ichk-st gelassen werde, feine Glieder wieder zu« Hammen zu »chmen.
D'e Reichsregierung weiß noch nichts Endgültiges, eibtr sie muß das schlimmste befürchten und hält fort- Msttzt Beratungen ab im unheimlichen HÄbdmrke!, um firn Unglückssoli über ihre Pflicht klar zu fein. Dir ivssentlichc IDktnung hat noch weniger zuverlässige In» fforrnationm und ist mn so mehr dem lähmenden Eindruck der ungünstigen Gerüchte und der beängstigenden -Weglriterscheinungm ausgesetzt.
Ein Berliner Blatt will die peinliche Wartezeit vusMen mit der Erörterung von drei Möglich- feiten" nach der ungünstigen Entscheidung. Ent- Weder käme, dir Katastrophenpolitik der >2 e u t f ch n a t i o n a l e n jeti zum Durchbruch, oder fes würde sich eine neue Linkskvalition bil- iben, die immer noch die Erfüllung des Ultimatums versuchen, aber bald scheitern würdig oder drittens spränge ein neues Kabinett in die Bresche mit der Äbttmgen Aufgabe, eine wesentliche Revision des Wersailler Vertrages herdeizuführen. Bon allerhand x»,Möglichkeiten" läßt sich leicht phantasieren: aber wo list eins Lösung, die Erfolg verspricht? Wo ist ein Ausweg, der das deutsche Reich retten könnte vor Vergewaltigung unb Zusammenbruch?
üäfrr Blicke sind auf England gerichtet. Sollte sLloyd George wieder umfallen, so müßte auch Deutschland in dm Abgrmü» fallen. Ukchrre Regierung hat offenbar auch mir der entscheidend« Rolle Englands tzereckMi, wie dir Herreise und Rückreise des deutschen Botschafters in London und sein sofortiger Besuch bei Lloyd George gezeigt haben. Die Zeiiimge nachrichten bus London lauten aber nicht beruhigend. Er wird in bu englischen Presse betont, daß die britische Regie- pmg bei dru Beratungen in Genf „nicht interveniert" Hai» und dazu auch nicht brrrchtigt gewesen sei. Das ist ausweichendes Gerede. „Änteroenieren" kann man in verschiedenen Formen, und es gibt immer eine Art von Einwirkung, die formell nicht beanstandet werden kann. Din englisch? Rrgierung ist doch rückst so schüchtern oder so ungeschickt, daß sie nicht die Fühlung mit Strem Dölkrbundsrate und seinen Gehilfen hätte aufrecht erhalten können.
Bedenklicher aber ist bie weitere Behauptung in der Londorrer Presse, daß dir englische Regierung vrr- pflichtet sei, die Entscheidung des VAkerbimds- rctee anzvnehnrrn, auch w«m sie dieselbe für verfehlt krachte. Das stimmt nicht mit den Erklärungen, die bei dem Auftrag an den Völkerbundsart abgegeben worden sind Der Völkerbundsrar sollte als Gutachter teuren Vorschlag machen aber nicht als Schisds- jrichier ein endgültiges, an sich verbindliches Urteil vusfprechen.
Dts letzte Entscheidung sollte der Oberste Rat der Alliierten treffen. So hatte bisher alte Welt den Gang der Dinge ausgefaht. In erster Linie die Fran- zosen, die sich wohl gehütet haben, in irgendeiner Weise sich zu verpflichten, zur Annahme des Genfer Vor» Mages, ohne denselben erst geprüft zu haben.
3m übrigen entspricht das auch durchaus dem bestehenden Recht bis Friedensvertrages. Da« !nach hat der Oberste Rat allein das Recht, die Zu« Eimft von Obrrfchlesten zu bestimmen, nämlich auf jOnmb der VÄksabstimmung. Die VAfchiebung die- Sfrr Vcllmach: auf iraendeine andere Instanz wäre ein schreiender Vertragsbruch, den sich Deutschland nicht igefafitett lassen könnte. .
Und wie stände die englische Weltmacht da, wenn sie jetzt nachträglich behaupten wollte, ihre Hänbe seien „[eiber" gebunden während dte ander«, Mächte sich Die Freiheil der Entschließung und Sen Mist der Selbst- Verantwortung gewahrt haben?
Die fragliche Behauptung in der englischen Presse kann man nur erklären aus dem Wunsche, daß eine Ausrede bereit gel-alten wurden soll für den Fall, bah England aus Angst vor dem Zorn Frankreichs schließlich etwas annähme, was den feierlich verkündeten Grundsätzen von Lloyd George und ixn wcchl- tzerstandemn eigenen Interessen widersprSch».
Ist der SchwächeanfM in London wirklich schon so lftark, daß man nach einem Deckmantel suchen muß? JOfcer wird sich Lloyd George noch wieder aufraffen, u»2w er os* volle Wahrheit über die verhängnisvollen Fölsen des Genfer Planes erfährt?
Die nächst», Tage oder vielleicht schon die nächsten Stunden werden die Antwort bringen auf diese Schicksalsfrage. Wir „hangen und bangen in schweben öirr Pein" und haben feinen anderen Trost, als daß Deutschland nach ceften Kräften das feinige getan hat, Wfl, das Unherl von sich und der Welt abzuraehren.
Der Genfer Ceilungsplan.
Nach den privaten Meldungen wird an zuständiger Stelle definitiv beftätigr, daß die Teilung Oberschlesiens im Prinzip endgültig geschlossen sei. Der Völkerbundsrat sei voll- kommen unabhängig zu Werke gegangen und habe kein einziges derbisherigenTeilprojekte zur Grundlage seiner Beratungen gemacht. Der Kreis T a r n o w i tz wird voraussichtlich deutsch bleiben. Um den Uebergang zu den neuen wirtschaftlichen Verhältnissen einigermaßen möglich zu machen, werde ein Uebergangsregime unter interalliierter Verwaltung geschaffen werden, das den Warenverkehr über die neue Grenze und die Valutaregulierung überwachen fall. In den Kreisen, feie feem WMHunfe nato
stehen, verlautet aber mit Bestimmtheit, daß die Grenze ein Kompromißzwifchen den ber- den Sforzalinien darstellt. Darnach soll an Polen fallen: Rydnik, Pleß, der in den Kreis Pleß hineinragende Südzipfel des Kreises Hindenburg, Kattowitz Stadt und Land, der Ostteil des Landkreises Beuthen ohne die Stadt, und Teile der Kreise Tarnowitz und Lublinitz ohne die Städte. Was die rein deutsche Stadt Königshütte betrifft, fo wird von einer für Polen günstigen Lösung gesprochen. Neben den Bestimmungen über die neue Grenze soll das Gutachten des Dölkerbundsrats eine Fülle von teilweise sehr verwickelten Bestimmungen enthalten über technische und wirtschaftliche Fragen, deren redaktionelle Ausarbeitung auf große Schwierigkeiten stößt. Von den Mitgliedern des Völker- bundsrates wird, jede weiters Auskunft über die Grenzlinie verweigert.
vie Reichsregiernng berat.
Die Urteile der Presse. — Vie firdrtfatiion gefährdet.
Das Reichskabinett ist gestern abend nach einet kurzen Sitzung wieder auseinanbergeganyen, da ihm authentische Nachrichten über das Schicksal Oberschlesiens nicht Vorlagen. Das Kabinett wird heute vormittag 9 Uhr zu einer neuen Sitzung zufammentoelen. Sämtliche Blätter sehen bte durch die bisher aus Genf Eingetroffmeen Nachrichten in Deutschland geschaffene Lag: als äußerst kritisch an. Die „Bossischr Zig." erklärt, daß die Enlscheitrmg des Völkerbundes, wenn fit auch nur annähernd so ausfallen feilte wie es dis heutigen Meldungen be» Ürchten lassen, keineswegs von Deutschland wider- prmhstes hingvLommen yt werden braucht. Eine olche Entscheidung wäre kein Votum auf Grund der oberschlesischen Abstimmung, sondern vtelmahr eine willkürliche Phantasterei, deren Gutheißung weder ein deutsches Kabinett aussprechen könnte noch überhaupt politisch ernst zu nehmendm Mannern zuzu- muten wäre. Der Reichstag werde zweifellos einmütig dun selbstverständlich« Vorschlag de» Kcckinetts zustimmen, der Entente gegenüber die Entscheidung als unannehmbar und mit dem Friedsnsvertrag in Widerspruch stehend zu bcanftanäen.
Auch die „Deutsche Wg-m. Ztg." betont, daß roedrr das Kabinett Wirch noch irgend ein anderes imstande wäre, die Verpflichtungen aus dem Bmfaillrr Frie- densvertttw, aus dem Ultimatum und aus Am Wtes- baltoner Abmachungen zu erfüllen ,falls Deutschland nur ein Stück des oberschlesischen Industriegebietes ge- nomn,M würde.
Der „Derl. Lokalcmzeiger" spricht bereite von einer schweren Regierungskrise. Dem Blatte zufolge soll in politischen Kreisen verlauten, daß das Roichskabinett feft entschlossen fei, zu ruckzutreten, wenn die Entscheidung über Oberschlesien so ausfällt, rote w im Augenblick bar Anschein hat.
Wie das Blatt weiter mitteilt, wellten gestern abend einige Mitglieder des Reichs Verbandes der deutschen Industrie beim Reichskanzler, um sich mit ihm über die Kre- ditaktion zu unterhalten. Auch tote obsrschtesische Frage ist im Zusammenhang damit besprochen worden. Industrie, Larü>wirffchaft und Handel seien dem Blatte zufolge fest entschlossen, angesichts der Nachricht orr über dl« Beschlüsse des Völkerbundsrates die größte Zurückhaltung zu üben. Nach dem eiwaigrn Verlust von Oberschlesien oder nach der Teilung des Industriegebietes werde die deutsche Volkswirtschaft nicht die Kraft besitzen, Leistungen zu vollbringen, die mit dem Abschluß des Kreditabkommens verbunden wären. Das Abkommen dürfe also nur herausge- bracht werden, wenn Deutschland Odersihlesien behalte, denn die Industrie und mit ihr Handel und Landwirtschaft dächten nicht daran, Stiftungen zu übernehmen, von denen sie von vornherein Wichten, daß sie nicht erfüllt werden können. Außerdem verlaute dvm Watte zufolge, daß die ausländischen Finanzkreife die an die deutsche Wirtschaft mit Anteiheangeboten herangetretsn waren, entschlossen sind, ihre Angebote zurückzuzichen, wenn Deutschland wichtige Teile von Oberschlesien verlieren sollt«.
Deutschlands Entwaffnung.
Die Unmenge von Kriegsmaterialien aller Art, die auf Grund des Versailler Vertrages von Deutschland bereits abgeliefert find, geht ouS einer Meldung des »JntransigeanL hervor. Die Berichte deS Generals Rollet gehen dahin, „baß Deutschland hinsichtlich seiner Ahiüstung sich nunmehr innerhalb des Versailler Vertrages befinde."
An Geschützen sind bisher zerstört 32,306, noch zu zerstören sind 102. Vernichtet wurden weiterhin 34 Millionen Tonnen Geschoße, 1 Million Tonnen Geschosse muffen noch zerstört werden. Von Minenwerfern wurden unbrauchbar gemacht 84,000, während 200 noch zu zerstören sind. Von Gewehren sind 160,000 nod) abzuliefern, 4,160,000 sind bereits abgeliefert. 90 Millionen Patronen sind zu vernichten, 350 Millionen sind zerstört.
preußischer Landtag.
Eine Schuldebatte.
Auf -er Tagesordnung her Dienstagsitzung des preußischen Landtages sieht an erster Stelle eine kleine Anfrage des Lbg. Meyer-Herford betreffend die Gleichstellung ber Gemeindebeamten hin. sichtlich ihre, Gehalts mit den Staatsbeamten. Der Regierungsvertreter beantwortet sie dahin daß die Durchführung dieser Gleichstellung vielfach auf Schmie, rigkeiten stoße da die Gemeinden in sehr bedrängter Finanzlage seien. m ,
Der Antrag des Zentrums über die Serfor- gung dar üaotsichi» ßtamien, Sngejtefiten Md Llchsk
tritt.
Aus -em besetzten Gebiet.
• vie yiAdenburgbrücke. Im Hess. Landtag erklärte der Finavzinirnster H e n r i ch auf eine dahingehende Anfrage, daß der Regierung von einer beabsichtigten Un» brauchbarmachung der Hindenburg-Brücke bei Dingen nichts bekannt fei, doch werde sie die Anoelegenheit trotzdem im Auge behalten.
Vorläufiger Anffchub der Frsnkeuwährung hn Saargebiet? Die von den Vertretern ber Wirtschaftskreise des Saargebietes persönlich den Abordnungen beim Döl. kerbund überreichte Denkschrift über dis Gefahr der Verdrängung der Markwährung ist nunmehr auch ofii- ziell durch Vermittelung der Vorsitzenden der Regie, rungskommission beim Rate eingelaufen der also noch in der Lage ist, einen Referenten zur Berichterstattung für die nächste, voraussichtlich im Dezember stattfindrnde Session zu ernennen. Man darf unter diesen Umstän. den «nnehmen, daß bis Ende dieses Jahres in der Durchführung ber Frankenwährung ein Stillstand ein.
ter mit Wintervorräten wird an den Seamten- ausschuß verwiesen. ____
Da, gleich» Schicksal erfährt ein Antrag sämtlicher weiblicher Abgeordneten mit Ausnahme der äußersten Linken auf Neuregelung der Notzuschläge zur Herstel- lung des gesetzlichen Verhältnisses zwischen den Bezügen der Beamtenanwärter und -Anwär» trinnen und ber Lehramtsbewerber und »Bewerbe, rinnen. i
Ein Antrag der Deutschnattonalen auf Aufbesserung ber Bezüge der aus den A>b tr et ung s g ebi e. ten nach Deutschland verzogenen Ruhe. Gehaltsempfänger des mittelbaren Gtaatsbien- fies und deren Hinterbliebenen wird angenommen.
Danach kommen zwei Anträge zur Beratung betref. fend Frachtermäßigung zwischen Ostpreußen und dem Reich und auf Verbilligung ber Lebenshaltung für bie ostpreußische Bevölkerung. Ein Regierungsvertre. ter erklärt, daß eine eventl. Frachtermäßigung ein be. deutender Einnahmeausfall für das Reich bedeuten würde und daß Schwierigkeiten insoweit vorhanden seien, als die Entente nach § 365 des Frstdensvertra» ges das Recht auf eine gleiche Frachtermäßigung habe. Nach Erledigung dieses Punktes wird die Besprechung der großen Anfrage betreffend
Bekenntnis- und Weltanschauungs- schulen
fortgesetzt. Dabei kommt es zu heftigen Ausein. o>ndersetzungen zwischen den Anhängern ber konfessionslosen Schule und ihren Gegnern. Nach der Behauptung der Interpellanten dieser Anfrage ist der Reichsschulgefetzentwurf von solcher Wir- hing, daß er die preußische Schule in ihrem Lebensnerv treffe.
Die Interpellation, die von den Demokraten ausgeht, war bereits am 7. Juni eingebracht worden, man hatte damals mit ihrer Besprechung eingesetzt und die Fortsetzung auf später vertagt Damals schon erklärten die Demokraten, sie wünWen die Aushebung des Reichsschulgesetzentwurfes. Was sie wollen ist wie sie sagen, die Einheitsschule, was sie meinen, ist zweifellos die weltliche S chu l e, die den Unterschied ber Konfessionen aufhebt und die Religion ausschaltet. Die Unabhängigen haben diese Gelegenhest be- nutzt, um ihrerseits durch einen Antrag zu fordern, daß die Weltlichkeit aller Schulen durch völlige Ent- sqrnung des Religionsunterrichts cher. beigeführt werde.
Für das Zentrum spricht der Aba. Mldermann, der frühere parlamentarische Staatssekretär im Kultusministerium. Er betont das Recht der Geistlichen, von der Kanzel herab den (Eltern die Wichtigkeit der religiösen (Erhebung vor Augen zu führen. Mit Schärfe wendet er sich gegen den demokratischen Redner, den Abg. R|mpel; dieser hatte in einer geradezu unglaublichen Banalität die Behauptung aufzustellen gewagt, das genteum sei nur deshalb gegen die Simultanschule, weil man dort nicht Hetzen könne. Man sollte nicht glauben, daß eine derartig unsinnige Behauptung überhaupt von der Rednerttibüne eines Parlaments ausgesprochen werden könnte. Der Zentrumsredner tat recht daran, wenn er unter dem lebhaften Beifall seiner Freunde eine solche Bezichtigung in aller Schärfe und Entschiedenheit zurückwies. Wir werden uns die lieber, jeugung nicht nehmen lassen, daß die religiöse Erziehung die beste Erziehung ist, weil wir die Schule nicht nur als ein Dermittlungsinstttut für allerlei Fertigkeiten ansehen, sondern als eine Bildungsstätte des Charakters und des Gemütes, als eine Vermittlerin christlichen Geistes, ber den Menschen in allen seinen Le. benslagen begleiten soll. Der Redner wies schließlich darauf bin, daß. wenn man versuchen wollte, den Re. ligionsunterricht aus der Schule zu entfernen, daß dann ein Kulturkampf ausbretfjen werde, gegen den alle bisherigen Kämpfe ein Kinderspiel gewesen seien. Der Beifall bewies, daß diese Worte in den Kreisen der Bekenner der konfessionellen Schule lauten Ober, hall gefunden haben. i
Außer Wildermann und Kimpel sprachen Frau Leh. mann (Dntl. Dksp.) und Kollmann (U. S. P), der bie „religionslose" Sittlichkeit verherrlichte.
Rächst» Sitzung Mittwoch. Große Anfrage Braun (Soz.) über die Personalpolitik de, Mini, ft er s des Innern und über das Vorgehen des Statistischen Amts gegen bie Angestellten, große Anfrage über bie Vorgänge in ber Fürstin Bismarckschule, An. trag über das Beamtenrätegesetz, kleine Haushalte.
Aus der Gewerkschaftsbewegung.
• Sie christliche« «emerkschasten Sayernr für Steeer» »ald. Die Konferenz der Funktionäre ber christlichen Gewerkschaften Bayerns hat eine Entschließung an- genommen, in der e» heißt: .Die Konferenz ist nach wie vor von der Richtrgkeit de» Essener Pro- gramm» durchdrungen. AI» erste» Erfordernis zur Durchführung die Ziele des Esiener Kongress-» erachten die Konferenzteilnehmer eine einmütige Stellungnahme der in den Parlamenten tätigen christlichen Gewerk- schaftlcr bei der Entscheidung über alle für die Arbeiterschaft besonder» wichtigen Fragen. Die Konferenz spricht ihrem Führer Stegertoalb volle» Vertrauen au». Sie wurde es freudig begrüßen, wenn <8 Steger- toalb ermöglicht würbe, recht balb toieber seine ungeteilte Kraft in ben Dienst d es Deutschen Ge» Werkschaftsbundes zu stellen."
= Die Reichsjugrndtzonfrrenz de» Sewertzvereinr christlicher lergotbetier Deutschland,. Am vergangenen Esnntag fandm Essen die Reichsjugendkonferenz der genannten Gewerkschaft statt. Der erste Vorsitzende. Bbgeorbneter Jmbusch, hieß alle Erschienenen Herz, lick ig^nfttneii Aus allen >di Nsickes
insgesamt 800 Delegierte der christlich organisierte» Knappenjugend erschienen. Bemerkenswert war vor allem auch die Teilnahme don 15 jungen Delegierten aus dem Saargebiet. Ebenso waren aus dem übrigen besetzten linksrheinischen Gebiet Vertreter der Bergarbeiterjugend erschienen. Recht erfreulich war, in der den Vorträgen folgenden Aussprache, daS starke Bekenntni» ber Delegierten au# dem besetzten Gebiet zum Deutschtum. Die Konferenz verlief nach jeder Richtung hin befriedigend. Der gesunde, echt christlich nationale Geist der jungen Knappen wirkte erfrischend.' In seinem begeisterten Schlußwort forderte ber Vor- siheube alle Delegierte auf, im Sinne ber bewährten christlichen Grundsätze im Beruf und im Leben zu wirken und vor allem selbst nach diesen Grundsätzen zu leben. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf ben G-werkverein und seine Jugendbewegung wurde die Konferenz geschloffen. Nach der Konferenz wurde von einer Abordnung am Grabe des vor einem Jahre verstorbenen Mitbegründer» des Gewerkvereins, Hermann Köster ein Kranz niedergelegt. Bedeutsam war vor allem die einstimmige Annahme folgender Entschließung: .Ueber 800 junge Vertrauensleute bei Jugenborganisation deS GewerkverernS christlicher Bergarbeiter Deutschlands richten an die ReichSregierung und politischen Parteien die dringende Bitte, auf Grund der Artikel 118, Abs. 2 und 122 de Reichsverfciflung durchgreifende Maßnahmen zu treffen zum Schutze der Jugend gegen bie vielseitigen geistigen und sittlichen Gefahren. Die Versammelten weisen vor allem auf die immer gefährlicher werdende Schund- und Schmutzliteratur hin. Sie machen ferner darauf aufmerksam, daß die Bestimmungen be$ Lichtspieltheatergesetzes vom 12. Mai 1920; häufig übertreten werden, ohne oatz jemand daran, Anstoß nimmt. Nach wie vor untergrab-n die Lichts spieltheater Sittlichkeit und Moral nicht nur bei der Jugend, sondern auch bei vielen Erwachsenen. Ein gefährlicher Feind ist der Jugend aufs neue in dem Alkohol entstanden. Wir hoffen dringend, daß Wege gefunden werden, um auch diesem Volksfeind Schranken zu setzen. Wir jungen Vertrauensleute sind bereit, uns mti allen Kräften dafür einzusetzen, daß unter bet Jugend das Gute und Edle über das Gemein« siegt. Wir bitten aber um die tatkräftige Unterstützung deb in Frage kommenden Instanzen und aller gutge. finnten erwachsenen Volksgenossen. Bleibt diese Unterstützung auS, dann sprechen wir jedem das Recht ab, der Jugend gegenüber als Ankläger aufzutreten. DaS Reden und Schreiben über die »verdorbene" JugkAd nutzt nichts. Wir wollen Hilfe in unserer Not."
Deutscher Reich.
* Waffenlager in Ostpreußen. Ostpreußischc Blätter bringen Mitteilungen, wonach von Seiten privater Organisationen trotz behördlicher Anordnungen Waffenlager in der Provinz unterhalten werden. Das Oberpräsidium hat eine Untersuchung eingeleitet.
* Parteitag bet .Deutschsozialrn". Bekanntlich hat sich eine Gruppe von rechtsradikalen Elementen bet deutschnationalen Volkspartei zu einer deutschsozialen Partei zusammengeschloffen. Diese hielten am Sonntag im Herrenhause in Berlin ihren ersten Parteitag ab. Hr» Mittelpunkt bet politischen Agitation, die von diese» radikalen Elementen aus betrieben wird, steht dev Antisemitismus. Ihre Sßetbeauftufe beweisen/ daß sie unter dem Begriff des Deutschtums den Kampf gegen ba8 Judentum verstehen. Bon drutschnationalet Seite aus ist in letztet Zeit wiederholt betont worden, daß man mit dieser Grupp» nichts zu tun habe» wolle.
Ausland.
* Die Lage in Oesterreich. Seit einiger Zeit kommen hauptsächlich aus Berlin nach Wien Nachrichten, die davon wissen wollen, daß in Wien oder in ganz Oesterreich für bie allernächsten Tage ein Umsturz bevorstehe. Diesen Nachrichten gegenüber wird uns aus Wien versichert, daß sowohl in Wien als im ganzen Bundesstaate vollkommene Ruhe und Ordnung herrschen, und daß auch die Nachricht einiger monarchistischer Blätter» wonach die Regierung den Arbeiter-Sportvereinen Waffen herausgegeben hätte, vollkommen aus der Luft gegriffen fei. Auch in Tirol herrscht vollkommene Ruhe und Ordnung und alle im Auslande verbreiteten Nachrichten von einer bevorstehenden Ausrufung Tirols zur selbständigen Republik mit A n- schlußanBayernsunterdenWittels- b a ch e r n beruhen auf willkürlicher Erfindung. (Besonderes leisten in diesen Meldungen die „Frankfurter Nachrichten".)
* Lehrerstreik in Tirol. Die Volks- und Dürger- schullehrrr begannen einen Streik, truil die Landesregierung die Zulagen seit Juni schuldig geblieben ist.
• Französische KanalplSne. Im Ministerrat legte der Arbeitsminister Le Trocquer einen Gesetzentwurf über die Verbesserung des Rhein» Marne-Kanals, des Saargrubenkanals und der Kanalisation zwischen Metz und Diedenhofen vor.
* Das Massensterben der russischen Sinder. Die Hungersnot fordert in Rußland immer mehr Opfer. Im Gebiete von Samara verlassen die Eltern massenhaft ihre Kinder und töten diese sogar, um die Nahrungsmittel für sich zu verwenden. Der versuch der Sowfetbehörden, die Kinder aus dem Hungergebiet abzutransporsieren, ist völlig mißlungen. In einem Zuge, der mit 700 Kindern nach Petersburg abfuhr, befanden sich bei der Ankunft ist Petersburg nur noch 300. 200 waren unterwegs gestorben, 200 mußten infolge schwerer Erkrankungen zurückgelassen werden.
* Zusammentritt der griechischen Nakionalver- sammlung. Die griechische konstituierende Versammlung wird am 15. Oktober zusammentreten. Die Regierung rechnet mit einer großen Mehrheit.
♦ Griechisch-türkische Slegesmeldrmgen. Der griechische Generalstabsbericht vom 8. meldet einen gro^ fest Sieg « dW Gegend ö®, WiM'ÄrLÄissar. Dte