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Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

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fir. 2Z4.

Verantwortlich für den ceDanionellen Teil: Dr. I. Kramer, - füt die Anzeigen: $. Parzelier-Fulbo. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adresfe: Fuldaer Zeitung.

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Dienstag, \\» Oktober 192).

BezugspreisMonatlich 5.03 2RL zugestellt frei ins Haus- n Abgrholt in der Geschäftsstelle 4,60 Alk. :: Anzeigen: Coionelzetle 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklomezelle (Tertbreite > 2.50 Alk.

48. Zahr^.

Sie Mhmßikmz md LterMfieli.

Emsige TMgkeit in Berlin.

' Reichskanzler Dr. Wirth ist gestern abend gegen 10 Uhr von feiner Erholungsreise nach Berlin zuruck- Wkehrt. W:e verlautet, ist für heute vormittag ein: 'Kabinettssitzung onbcraumt worden, in der Aas, oberfchlestfche Problem und die sich aus der Ent­scheidung ergebenden Folgen beraten werden sollen. 3n dieser Sitzung wird Reichsminister des Aeußern Dr. Rosen über eine Besprechung mit dem b&it» schen Botschafter in London Shtahmer berichten.

Der „Vorwärts" ist infolge der für Deutschland ungünstig lautenden Nachrichten am Genf um das Schicksal des Kabinetts Wirth äußerst te« sorgt. Das Blatt schreibt: Die Sozioldemokratie steht in Verteidigungssttllung^pnn Schutze des Kabi­netts Wirth und seiner bisherigen Politik. Sie ist von vorn angegriffen durch dte Nationalisten Deutsch­lands und sie ist im Rücken bedroht durch die Entschei- düng über Oberschlesien. Ob sie imstande sein wird, ihre Stellung zu halten, das wird von der Entschei­dung übet Oberschlesien abhängen. Fällt diese so un- günstig mrs nüe befürchtet wird, so werfen wir deshalb noch nicht die Flinte ins Korn. Aber wir dürfm uns ouch nicht verhehlen, daß dann die Zukunft sehr dun­kel vor uns liegt.

Wie die Blätter aus parlamentarischen Streifen ersah- rm, wird der Reichstagsausschuß für aus­wärtige Angelegenheiten am Mittwoch MfarnDurtreten, um über die oberschlesische Frage zu

Obrrschleflsche Arbeiter in London.

Eine Abordnung von deutschen Arbeitervertretern ist nach London abgereift.. Diese Reift wurde Deren- iastt durch die alarmierenden Nachrichten über dm dand der oderschlesischen Frage.

Erneutes Einsetzen des poinischm Terrors.

Wie aus Kattowitz gemeldet wird, trafen am Samstag in Beuchen 70 deutsche Männer aus Frieb- richshülle eien, die durch Bedrohung seitens der Polen zur Flucht genötigt tvarun. Auch ans Lipine und anderen Orten tarnen deutsche Flüchtlinge nach Beuthm.

Pfarrer Mitzka über die Teilung Oderschlesiens.

Im „Verl. Tagebl." vom Montag abend wird eine Unterredung mit Pfarrer Ulitzka veröffentlicht, in der dieser sich über den Plan ausspricht, das oberschlesische Industriegebiet politisch zu seinem weitgrößten Teile zu Polen zu schlagen, diesen pol­nisch gewordenen Teil aber als w i r ts ch a f t l i ch e Einheitzu erhalten, sodaß die in der Industrie führende deutsche Intelligenz daselbst arbeiten könne, und der deutsche Besitz dabei gewahrt bleibe.

„Dieses Projekt," sagt Pfarrer Ulitzka, „läuft aus eine glatte Zuteilung des Industriegebiets an Polen hinaus, hat aber noch den Nachteil, daß in dem naturnotwendig gegebenen Konflikt um die wirtschaftliche Suprematie die deutsche wie die pol­nische Bevölkerung Oberschlesiens gleichmäßig leiden. Der Plan ist praktisch undurchführbar. Das leuchtet jedem ein, der die Stimmungen in der durch den Abstimmungskampf aufgepsitschten und mit der beabsichtigten Lösung auf beiden Seiten runzufriede» nen Bevölkerung kennt. Auch die in dem Plan vor­gesehene Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der polnischen Regierung ist unmöglich. Man merkt dem Projekt auf den ersten Blick den fran«

Die Jagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

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„Albrecht Hohenfels, Weinkcllereien* stand auf dem schmalen Emailschild, welches neben dem inneren Tor an der Mauer angebracht war. Durchschritt man den Torgang, so gelangte man in einen weiten gepflasterten ®°f, auf welchem zu beiden Seiten Reihen von Wein, fäsiern verschiedener Größe lagerten, während im Hin­tergrund sich ein Garten mit dichtem Buschwerk und hochstämmigen Laubbäumen terrassenförmig an den efeubewachsenen Burgfelsen schmiegte. Schön gepflegte, mit bkau-m Kiez bestreute Promenadewege führten durch Den waldigen Park a, reizenden Blumenbostetts und einem kleinen Teich vorüber bis zu der Felswand, an welcher ein schmaler, in die Felsen gehauener, mit einem Eisengekünder gesicherter Steig in Schlangen, linien nach der Höhe führte Hatte man diese, ein ziem­lich geräumiges Plateau, erreicht, fo war man nicht nur von der henuchen Aussicht über Stadt, Fluß und Berge entzückt, die man von dem erhabenen Punkte aus genoß, auch der ehemalige Burghof, in welchem man sich be­fand, fesselte den Besuche,, auf dar höchste. Zwischen den altersgrauen, grün überwucherten Resten der Burg, mauern zogen sich mit reich-m Blumenflor geschmückte Beete hin; aus sarnbewachsenem Grottengestein sprüh- ten Wasserstrahlen in -'n rundes Steinbasiin nieder in welchem sich lustig zahllose Goldfische tummelten und an Stellen, wo die geborstenen Rundmauern einen Blick 'n die Tiefe freiliehen, waren Bänke angebracht, unter dem sie beschattenden Flnder und Jarmingebüsch lau- schige Ruheplätzchen bildend. Em massiver' Bau ganz im Stile des Mittelalters mit kreneliertem Mauerwerk, lehnte sich direkt an den in feinem oberen Teil gebot- firnen Rundturm der Ruine; wahrscheinlich diente der- selbe als Gartenhaus, schien aber wenig benutz, ju roet. den, denn vor den meisten _ der fpifebogigen schmalen Fenster lagen schwere Eichenläden und über einige die. [er kletterten ungehindert die Ranken bts wilden Weines.

Das war das Anwesen des Herrn Albrecht Hohen, tefc. bas mpM ü> itiu». 2fr* aU eines bei idtiniten

zösischen Einfluß an. Das Tröstliche bei der ganzen Sache ist die Tatsache, daß das ganze nur ein Vorschlag ist, der von dem Auftraggc _*r, dem Bölkerbundsrat, noch nicht angenommen worden ist und, wie selbst das „Journal de Geneve" sagt, nicht veröffentlicht werden wird, bevor nicht die für die Entscheidung allein maßgebenden Mächte, Frank­reich, England und Italien, ihre Zustimmung ge­geben haben. Die Entscheidung liegt aber, wie dasselbe „Journal de Een-ve" sagt, in London, Paris und Rom. Es kommt alles darauf an, wie sich die Ententemächte, wenigstens England, dazu stellen werden. Don der oberschlesischen Bevölke­rung und der deutschen Regierung muß klar und entschieden die Unannehmbarkeit und die Undurchführbarkeit dieses Projekts erklärt werden."

Das Kreöitangebot der Industrie.

Die ursprünglich für heute angesetzten Besprech­ungen zwischen dem Reichskanzler und den Der» tretern der Industrie über daS Kreditangebot wer­den erst am Donnerstag stattfinden.

Mentatsplane der Putschpolitiker.

Nach einer Meldung des ,Lokalanzeigers' aus Leipzig sollen gegen die b artige n Gerichts- gebäude Attentate geplant sein, namentlich gegen daS Landgericht in der Eliftnstraße. Die Gebäude werden von Sicherheitsmannschaften scharf bewacht. Alle Besucher des Landgerichts rnüsien sich beim Eintritt einer Leibesuntersuchung unterziehen.

Zur ttoalttionsumbildung liegen einige Shmigebungen vor. Einmal hat die U. E. P. jetzt offiziell mitgeteilt, daß sie keine Ver­anlassung habe, zu der völlig gegenstandslosen Frage ihrer Beteiligung an der Koalition Stellung zu nehmen. Ferner hat der Parteivorst and der Mehrheitssozia listen einen Aufruf an die Partei erlasien, in dem es heißt:

„Das Ziel der sozialdemokratischen Partei ist die Errichtung einer rein sozialistisch en Re. gierung. Koalitionspolitik treibt sie nur unter dem Zwange der Not. nicht einer der bürgerlichen Parteien zuliebe. Offen hat die Sozialdemokratie in Görlitz ihr Banner entrollt. An den andern ist ee nun, zu bekennen! Wollen sie den Bestand der Republik, die Demokratieflermig unseres öffentlichen Lebens, die Gleichberechtigung der werktätigen Schichten, dann gehen wir ein Stück Weges gemeinsam. Wollen sie die Mo. narchie, die wirtschaftliche Knebelung oder dir Mund- totmachung breiter Schichten, dann bietet die Sozialde. mokratie stärkste Gegne-rschäft und heftigsten Kampf. Das ist die Parole von Görlitz!"

Durch diesen Appell werden die kommenden Verhandlungen wenigstens nicht erschwert, wobei zu hoffen bleibt, daß die „Parole von Görlitz" nicht nur eine Parole der Führer bleiben wird.

Diesen Gedanken sprach auch der Führerder DeutschenVolkspartei, der Abg. S t r e s e- mann, am Sonntag auf dem Niederrheinischen Parteitag der Deutschen Volkspartei in Wesel aus, indem er sagte, die Sozialdemokratie habe anschei­nend mit Schwierigkeiten im eigenen Lager zu kämpfen, da sich eine starke Opposition gegen den Görlitzer Beschluß geltend und intereffanteften der Altstadt bezLchnet werden konnte. Seit undenklichen Zeiten befand es sich in dem Besitz der Familie. Deren Vorfahren sollten schon vor fünfhundert Jahren auf der Burg ansässig gewesen sein und damals den Adelstitel geführt, denselben aber ab­gelegt haben, als das Bürgertum erstarkte unb blühte und allem, was adelig war, mit grimmiger Verachtung aus dem Wege ging. Schwerlich wußten die Nachkom­men der längst vermoderten alten Herren diesen für ihren Verzicht auf dis Adelswürde heute noch Dank; vielmehr regte sich in ihnen wohl das blaue Blut, das ihnen, sowohl dem Chef des Hauses als auch den Mit­gliedern seiner Familie eingab, gegen alle Welt eine vornehme kühle Zurückhaltung zu beobachten und selbst im Verkehr mit Mitgliedern der besten Gesellschaft etwas wie Herablassung einfiießen zu lasten. Das Merkwür- digste war. daß man sich dieses Wesen gefallen ließ und daß es gewissermaßen für eine Ehre galt, mit Herrn Albrecht Hohenfels und seiner Familie zu verkehren, anstatt deren Umgangsart für lächerliche Vornehm^ tuerei zu erklären und entschieden dagegen Front zu machen — Denn so gewaltig reiche Leute waren die Hohenfels gerade nicht, es gab viel reichere in der Stadt — aber es lag in den imponierenden Erscheinun­gen des Herrn Albrecht Hohenfels und feiner Gemah­lin entschieden etwas, was an höheres gemahnte. Dieser hochgewachsene Mann mit dem geistreichen Gesicht, der wuchtigen Stirn, unter der zwei blaue Augen scharf und doch herablassend gütig in die Welt blickten, die tan. nenschlanke, über Mittelgröße sich erhebende Fran mit den edelgeformten, einen bräunlichen Teint zeigenden Eesichtszügen einer altägyptischen Königstochter — sie bildeten ein Paar, das einem Throne zur Zierde hätte gereichen können. Auch der Sohn und die Tochter des Ehepaares zeichneten sich durch hervorragende körper­liche Schönheit aus und zwar durch Schönheit von ganz verschiedener Art. «ährend Fräulein Emilie mit ihrem rötlich blonden Haar und dem alabasterweißen leint mehr an den Vater erinnerte, zeigte ihr Bruder Max eine fast lächerliche, bis in das Kleinste gehende Aehn. lichkeii mit der Erscheinung feiner schönen Mutter. Dos waren bei beiden genau die nämlichen, nachischwarzen Au--» V» fPflit. Des bläulich toiHK*seaiie

mache, was auch in der Thüringer Regierungsbil- düng zum Ausdruck käme. Der Gedanke der brei­ten Koalition fei aber so unbedingt der Ausfluß po­litischer Notwendigkeit, daß er sich durchsetzen werde, auch wenn der Weg zur Erfüllung des Zieles noch über mancherlei Enttäuschungen führen würde.

„Religion ist Privatsache".

Ein „freies" Gewerkschaftskartell gründet einen Freidc «'erdetet n.

Wie der „Typograph" vom 19. September 1921 mit« teilt, hat das mehrheitsfozialistifche Organ, die „Lau. scher Volksztg.", aus Sommerfeld folgendes be. richtet:

„Schon lange hatte sich das Gewerkschaftskartell mit der evtl. Gründung eines Freidenkervereins beschäftigt. Für Freitag, den 2. September, hatte nun dasselbe eine öffentliche Versammlung ins Schützenhaus einberufen, in welcher der Genosse Niederlich aus Liegnitz als Re. ferent erschienen war und über das Thema „Wer gehört in dir Kirche und wer nicht?" sprach. Der Referent griff in die frühesten Zeiten der Relrgionskämpfe zurück, schilderte das ausschweifende Lasterleben der damaligen Päpfte, welche zu der Zeit als die heiligsten Männer galten, ging bann in dte Jetztzeit über und legte klar, daß die Handlungsweise und Lehren der fetzigen Pasta- ren nicht mit dem übereinstimmen was die Bibel vor. schreibt."

Als Ergebnis dieser vom „freien* Gewsrkschaftskar- teil einberufenen Versammlung verkündet das mehr, heitssozialistische Blatt die Gründung eines Freidenker- Vereins mit 54 Mitgliedern.

Es muß um die Geistesoerfastung der Sommerfelder „freien* Gewerkschaftler recht trübe stehen, wenn sie flegeumärtig nichts anderes anzufangen wissen, als Freidenker.Verkine zu gründen. So also sieht die. Reu- trafität auf jener Seite aus, die angibt, nur für die wirtschaftlichen Jnteresten des Volkes einzutreten. Man follte meinen, daß nun bald dem letzten Nachläufer dieser Bewegung die Augen aufgehen, insbesondere jenen, die da glauben, Religion sei bei den freigewerk- schaftlichen Verbänden Prioatsache und man könnte ihnen auch als guter Christ angehören. Rein, hier gibt es kein Paktieren, hier kann nur eine reinliche Scheidung in Frage kommen.

.Jugendweihe" statt fionfirmafion.

Die Unabhängige Dresdener Volkszeitung schreibt in ihrer Nr. 219 vom 19. September 1921 aus Dresden:

Jugendweihen

der organisierte« Arbeiterschaft.

Men Mem unb Erziehern, die auf dem Baden der weltlichen Schulen stehen, hiermit zur Kenntnis, daß in einer gestern, Montag, stattgestrndenen Sitzung der unten angeführten Organisationen beschlossen wurde, Jugend­weihe« für die nicht konfirmiert« Jugend im ganzen Stadtgebiet abzuhasten. Mr bitten daher, daß Dte Eltern und Erzieher chre Kinder vom Äoirfirmanben- unterricht fernhalten möchten, da für bas ganze Stadtgebiet eine Reihe solcher Jugendweihen im weltlichen und neu- traten Sinne ftattfinben werden. Das Nähere wird in bett nächsten Tagen m der Arbeiterpresse bekannt gegeben werden, itnmeföungai dazu können bereits bei dem vom Freidenkerverband bekannt gegebenen Adressen bewirkt werben; weitere Anmeldungen werben roch veröffentlicht. Hinter diesen Jugendweihen steht Me gesamte organisierte Arbeiterschaft Dresdens, der Gewerkfchastsausfchuß des All­gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, die sozialistischen CStemrcte tmb der Zentr-ckverband der proletarischen Frei- dcnker. Die Jttgcaäoeihen werden vollständig «ett- tral geh«lten, künstlerisch arrangiert und von Pädagogen (fozftlMfchen Lehrern) gefettet unb unter­stützt werden.

Der Allgemeine Deutsche Gewerkfchaftsbund Arm in Arm mit sozialistischen Elternräten und dem Freidenkerverband gegen die christliche Kirche! Da wage noch einer zu zweifeln an der vollständigen Neutralität . . .

schwarze Haar, das in dichten Wellen über beider Stir­nen lag; ja selbst bas stolze Lächeln und die gelassenen Bewegungen schien Max seiner Mutter abgelauscht zu haben, wenn auch diese Bewegungen bei ber wohl in den vierziger Jahren stehenden Dame mehr die Note des Vornehmen, Unnahbaren verdienten, während sie ber dem jungen Manne mehr an Sichgehenlassen mit einem leisen Einschlag an Blasiertheit gemahnten.

Wir finden den Ches des Hauses, Herrn Albrecht Hohenfels, heute in seinem Probierzimmer, das dicht an die im Seitenbau des Hofes befindlichen Kontor- röume stieß, mit Prüfung der auf einem Marmortisch in langer Reihe vor ihm stehenden Weine beschäftigt. Hinter jedem der zierlichen Kelchgläser befindet sich ein kleines, braunes Fläschchen, auf dessen Etikette die Nummer des Fasses verzeichnet ist, aus welchem der bernsteingelbe Rebensaft entnommen wurde, um von der geübten Zunge des Chefs darauf geprüft zu werden ob er im Originalzustande zum Verkaufe ausgeboten werden sollte, ober ob es geraten erschien, behufs Gr- zielyng eines besseren Preises mehrere Sorten unterem- enber zu mischen, ober wie ber Fachausbruck lautet, zu verschneiben. Herr Albrecht Hohenfels ist ganz in seine Arbeit vertieft. Behutsam setzt er ein Glas nach bem andern an die Lippen, macht, nachdem er die wenigen Tropfen ber geprüften Sorte in einen neben ihm stehen- ben Glasstänber ausgespieen hat, einige Notizen in bas auf bem Seitentische liegenbe Probierbuch und grübelt manchmal mit aufgestütztem Haupt anscheinend dem Problem nach, zu möglichst niedrigem Preise möglichst haroonragende, den Geschmack seiner Abnehmer tres. sende Qualitäten auszuwählen.

Aus den an bas Probierzimmer stoßenden Kontor­räumen drangen bisweilen gedampfte Stimmen durch die geschloßene Zwischentür, welchen aber der Chef kei. nerlei Beachtung schenkte, denn sein Personal hatte die strengste Weisung, ihn während der Prsbierstunde un­ter keinen Umständen zu stören, sobaß all« Besucher es sich gefallen lassen mußten, von bem Buchhalter abge. fertigt oder auf eine spätere Stunde bestellt zu wer- ben.

(Forts etymg folgt'

Rus dem besetzten Gebiet.

• Vie Wahrheit über die Leiden der «hetnlander in im unbesetzten Gebiet und im Ausland noch viel zu wenig verbreitet. Das wurde auf der Tagung des Verbundes der rheinisch-westfälischen Presse, die in Bochum anläßlich der Eröffnung der Ausstellung für Bergmannswohnungen stattfand, festgestellt. Es wurde eine Entschließung gefaßt, die Aufhebung des Ausnahmeverbotes für dte Presse und dte Etnsetzung einer Pressestelle zu fordern, die die Aus- lanbSjouinoiiiten mit Tatsachenmaterial versorgen uni damit die Wahrheit über die Leiden deS Rheintandel zur Kenntnis des Auslandes gelangen lasien soll.

Soziales.

Arbellsloserwersichervng.

Das Reich sarbeitsrnmstterimn unterbreitet jetzt den Ent­wurf eines Gesetzes über eine „vorläufige Arbeitslosem Versicherung" der Oeffentlichkeit.

Bemerkenswert ist — so sagt die amtliche Begrüniunj — die Bezeichnung als „vorläufige" Regelung. Gini Arbeitslosenversicherung großen Stils trägt trotz aller Lä- B;ert, Me di« Frage im Auslände, msbefortbere in Eng»

, bisher gefunden hat, doch in vielen Punkten noch den Charakter eines Versuches. Das „Vorläufige" ist auch dadurch bedingt, daß ein Uebergang von dar geltenden Ermerbslofenfürforge zu Der endgültige« „Arbeitslosen Versicherung" gesunden werden muß. Di« geltende Fürsorge kann schon deshalb nicht tmmittsl- bar von einer reinen Versicherung abge!oft werden, weil bei deren Inkrafttreten wohl eine große Zahl oersorgungs» bedürftiger Arbeitsloser, aber noch keine cmfpruchsbvvkch- tigten Versicherten vorhanden sind. Der Entwurf Der« einigt gleichzeitig den Abbau der Fürsorge mtt dem Auf- bau der Versicherung. Noch en einem dritten Punkte tritt der „vorläufige" Charakter stark hervor. Der Entwurf hat daraus verxichdÄ, die Höhe der Verträge und Lei­stungen im Gesetz festzulegen, weit die Unsicherheit iw Geldwert es verbietet, unb hat dem Reichsarbeitsminister und einem vom Reichstag gewählten Ausschuß die Fest- setzung übertrage«.

Sonst aber ist der Entwurf bemüht, dar Problem bei Arbeitslosenhilfe einer endgültigen Lösung näher zu führe«. Demzufolge stehen neben der Unterstützung für den Fall bei Arbeitslosigkeit Maßnahmen, di« dazj dienen falten, Arbeitslosigkeit 8« verhüte» unb zu beendigen. Zu ihnen gehören: Die Uebersühnm« Arbeitsloser in aufnahmefähige Beruf« oder Bezirke, die. Kurzarbeiterunterstützung bei Avbeitsstreckung wegen Ar- beitrmangelr und schließlich die ArbeitLbefchaffung mit Hilft der wertschaffenben (produktiven) Arbeitslosenfite' sorge.

Dft Mittel für die Versicherung sollen auf- gebracht werben zu einem Drittel durch di« öffentliche» Verbände, Reich, Länder und Gemeinden, zu zwei Drit­teln durch die Versicherten unb ihre Arbeitgeber. 2Ar beit, gebet und Arbeitnehmer bilden im ganzen Reich sine einzig« G e fah ren gem e in sch af t. Da­durch wird erreicht, daß die Bezirke, dft von ber Konj-mck. tut begünstigt werden, für diejenigen eintreten, die vor der Arbeitslosigkeit besonders heimgesucht sind, und daß di« Boitrogslast — auf so vtele Schultern verteilt — füt den einzelnen erträglich bleibt. Man rechnet mit einem wöchentlichen Durchschnittsbeitrag von 1 M., wenn man der Aufwand für di« bisherige Erwerbslofenfürftrge zugrunde- legt. Weil sich ber Bedarf hn voraus aber weder errech­nen noch schätzen läßt, soll für die Höhe der Beiträge immer der Aufwand des vorangegangenen Jahres maß­gebend sein.

Der Kreis der Dersicherungspflichtige» deckt sich grundsätzlich mit dem der Krankenversicherung Nur Berufsgruppe«, in Denen eine Gefahr der Arbeits­losigkeit kaum besteht, wie m der Land-, Forst- und Haus- imttschaft, oder in Denen di« Versicherung gegen Slrbeiis- losigkest noch unüberwindliche Schwierigkeiten bereite? würde, wie im Wandergewerbe und bei Den unständig Beschäftigten, sind zunächst noch ausgenommen.

Die beteiligten Kreise, die Gewerkschaften und dft Parteien werden nun yt diesem Entwurf Stellung z» nehmen habe«.__

♦ Der neue Bantoestnfenfarlf. Dl« Verhandlungen im Reichsarbeitsministerinm über die Erweiterung des ma. teriellen Teiles des Tarifs im Bankgewerbe haben zu den Evgebms geführt, daß vom 1. Mi bis 31. Dezember 192z Dte außertariflich sofort au-Mzuhlmbe bezw. zu beofrn schussenden Sonderfteuerungsbeihilfen nachgezahlt bezw. g» roäljrt werben, die sich isgefamt für verheiratete auf 25M Mark, für Ledige auf 20Ö0 Mk., für weibliche Angestellte auf 500 Mk. und für Lehrlinge auf 450 Mk. belaufen. Fe» ner wird die Kinderzulaae erhöht. Die anwesenden An beitgeber- wie auch Arbsitnehmervertteter haben sich neti pflichtet, di« Annahme der Abmachungen in ihren Steife# zu empfehlen.

Deutsches Reich.

• Berlin, 11. Okt. Ms deutscher Vertreter bei dq Verhandlungen über die Aalandinselit wird Segations: rat Trautmann nach Genf gehen. — Die „Bres! lauer Zeitung" und die „Schlesische Zeitung" find do«! 11. bis 25. Oktober für Oberschlesien oerbotes worden.

* Die von Deutschland aboriieftrken Alnßschifft Der amerikanische Schii.'dsrichter in der Frage der D« teilung der oan Deutschland noch dem Friedensvertra^ abzuiiefernden Flußfchisfe, Walker O. Hines, ist va Paris nach Nvwyork zurückgekehrt. Er teilte ber Boi schafterkonserenz mit, daß die Ablieferung der R h e i r fahrzeuge nMjeju vollständig beendet sei. Dezuglil der späteren Ablieferung von Fahrzeugen auf der D o n a u und auf der Elbe sei man zu bestimmten Ab machungen gelangt Es bleibe noch eine Entschei düng twzüglich her O d e r - Flußfahrzeuge zu treffet was aber erst nach ber Regelung ber oberschlesisch« Frage möglich sei. Mit ben weiteren Schiedsspruch« wird Hines' Stellvertreter Brite Gl agett betrcrrt Für bie bereits abgelieferten Rheinfchiffe werden iz Uebereinstimnumg mit dem von Hines getroffen« Schiedsspruch auf bas Krebitkonto Deutschland» 15 450 000 Golbmark g u t.g e s ch r ie be n wer ben. Ebenso hat Deutschland eine gewisse Anzahl oa Elbeschiffen und Hafenmaterial an die Tschicho-Sla roafei abzutreten. Dafür werden seinem Kredickontr 8350000 Goldmark gutgeschrieben werden. Fü bie non Deutschland an bie Tschecho-Slowakei abge tretenen Donaufahrzeuge werden auf bas beutjch Ww 238940 Goldolluck gebucht werden.