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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stabt Aulda.

Nr. 233.

Vercumvorttich iür Sen ceöauionellen Teil: Dr I Kramer, - für die Anzeigen: Z. ParzeIIer-Fuida. u Rolalionsdruck u. Verlag der Fuldaer Aülendruckerei in Fulda. Fernsprecher Nr. 9. Telegr.-Adreffe: Fuldaer Zcitung

Msntag, 10. Oktober 192).

Bezugspreis: Monatlich 5.0i) Mt. z«gestellt frei ins Haus- u AbgehoU in der Geschäftsstelle 4,60 2RL s Anzeige«: Coloneizeiie 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Textbreite) 2.50 2b k.

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48. Zahrg.

die katholische Lchul-zorkerung.

Auf dem Provinzial-Parteitaa der demokratischen Partei in Cassel wurde folgende Entschließung gefaßt: Die Gemeinschaftsschule ist die normale deutsche Volksschule. Sie ist als Regelschule Zweifels, frei jestzuleaen. Sie tritt mit Erlaß des Gesetzes für alle Schulgemeinden in Wirksamkeit. Die Gemeinde» schule ist im Rcichsschulgesetz nach den auSgesuqrten Grundsätzen in ihrem inneren Wesen deutlich zu charakterlsieren. Sie mutz als Fortsetzung der bis­herigen Simultanschule klar in Erscheinung treten. Sonderschulen (Bekenntnisschulen), ebenso be- kenutniSsreie Schulen sind nur auf besonderen Antrag der Erziehungsbeteiligten und -berechtigten tn den Grenzen der Verfassung zuzulaffen. Der EinheitS. schutgedankc Hal den Sonderwünschen immer insoweit porzugehen, daß die Sonderschulen das Schul, wesen der Gemeinde nicht zerspliltern und seinen Ausbau und seineLeistungsfähigkeitnichtbeeinträchtlgen dürfen.- Gegenüber dieser Entschließung ist es- zweck- mätzig. die katholische Forderung auf dem Gebiete der Schule unzweifelhaft festzustellen, tote es in folgendem Hirtenbrief geschieht.

Bischof Paul Wilhelm von Nvttenburg hak folgenden Hirtenbrief erlassen:

Schon in ihrem gemeinsamen Hirtenschreiben vom 1. November 1917 haben die deutschen Bischöfe es für eine heilige Gewissensoslicht erklärt, für das hohe Gut der konseffionellen Schule einzutreten, damit cs erhal­ten bleibe, wo es besteht, und erreicht werde, wo es nicht besteht. Nun ist gerade in unserer Zeit die 2 e- kenntnisschule aufs äußerste gefährdet. Im Reichstag soll demnächst ein Gesetzentwurf beraten werden, der für ganz Deutschland die sog. Gemein, schaftsschule als Regelschule einführen dage. gen unsere christliche Bekenntnisschule nur noch unter besonderen Voraussetzungen schlaffen und dulden will.

Wir müssen uns klar machen, welche F ol g e n ein solches Gesetz nach sich ziehen würde. Bis jetzt besu­chen die katholischen Kinder die katholische Volksschule, wie die evangelischen Kinder die evangelische. Unsere Kinder werden von katholischen Lehrern unter- richtet und im chri st katholischen Gei st erzogen. 3m Schulzimmer ist das Kruzifix: es wird vor und nach der Schule gebetet, dte Lehr, und Lesebücher haben katholischen Geist und Inhalt. Das soll jetzt auf Betreiben der Glaubens- und Kirchcnfeinde an- d e r s werden. Die Regelschule der Zukunft soll die Gemeinschaftsschule fein für alle Schüler, ob katholisch oder protestantisch, jübifd) oder heidnisch. In dieser Schul« darf kein christliches Zeichen fein kein Kreuz, kein religiöses Bild und Buch. Sein reli­giöses Lied ist mehr erlaubt; da gibt es kein Heiligen- fest, kein Weihnachten und kein Fronleichnam, da darf der Name unseres Herrn und Heilands Jesus Christus nicht genannt werdet. Denn cs sind ja in der Schule auch Kinder, di» daran Anstoß nehmen könnten und das mutz nach Art. 146 der Deutschen Neichsverfaffung ver- mieden werden. Die Lehrer an diesen Schulen brau­chen keinem christlichen Bekenntnis anzugehören; sie kön- nen Juden oder Freigeister oder Gottesleugner fein.

Es ist nun freilich wahr, daß auch an diesen Schulen noch ein Religionsunterricht zugelassen wer- den soll. Aber dieser wäre nur wie ein fremdartiges Anhängsel an den übrigen Unterricht, der keine christ- liche Geistes, und Herzensbildung vermitteln kann und darf. Die sollen die wenigen wöchentlichen Reli^ons» stunden dazu genügen, um die Kinder zum christlichen Glauben und Leben zu erziehen, wenn der ganze Un- terricht eine solche erzieherische Einwirkung ängstlich vermeiden muß. wenn die Kinder sonst in der Schule nie ein Wort von Gott, von Christus von Got­tes Geboten und Gnadenmitteln, von der Kirche hören? Wenn dann an diesen Schulen in Zukunft auch noch ungläubige Lehrer tätig sind, die in den weit- lichen Lehrfächern absichtlich dem Religionsunterricht ent' qegenarbeiten, dann werden die wenigen Religionsstun- den in leider nur zu vielen Fällen unfruchtbar bleiben und die Seele des Kindes wird unter solch tmertragli« chem Widerspruch schwersten Schaden leiden.

Nur die Bekenntnisschule entspricht den Anforderungen, welche katholische Eltern zu stellen berechtigt und verpflichtet sind. Rur in

Das Rätselraten über Oberfchlesien.

Dr. Wirth wieder in Berlin.

Reichskanzler Dr. Wirch hat seinen Urlaub abge- »rochen und ist am Sonntag abend nach Berlin zurück- gekehrt. Man bringt diese Rückkehr vom Urlaub in Zusammenhang mit dem Stand der oderschlesischen Frage.

Was in biefor Frage eigentlich an positiven Ent- schridungen vorlisgt, verbirgt sich vorläufig noch hin­ter einem drchtM Schleier völlig unkontrollierbarer Pressenachrichten aus den verschriensten Quellen. Als Zern kann man wohl die Tatsache herausschälen, daß der Bölkerdundsrat seine Entscheidung H-ttroffen, diese deck Ententemächten mrterbreiret hat, wo sie aber auf neue Schwierigkeiten gestoßen ijt_ Unmittelbare Verhandlungen zwischen den Mächten sollen allem Anschein nach diese Schwierig­keiten beseitigen. Jedenfalls wird sich die Bekannt­gabe der Entscheidung noch hinausziehen und heinesfalls vor Donnerstag erfolgen.

Auf Sonntag nachmittag war eine Sitzung des Völkerbundrates in Genf angefagt. Diese ist vertag: worden. Dagegen hat eine Sitzung der mit d:r ober- schlesischen Angelegenheit betrauten Viererkom- Mission stattgefunden. DieFrankfurter Zeitung" hört nun-, daß in der Frag? ein: ganz neue Wen­dung eingetreten sei, die die Beratung des Völker- bundsrates wahrscheinlich noch um einige Tage ver­zögert. Die bereits von der Viererkommission fertig- ,gestellte Lösung soll, wie man sagt, durch einen ganz neuen Plan, der früher bereits einmal austauchte, dcuin aber als mepraküsch abgelehnt worden war, er­gänzt werden. Dieser Plan geht angeblich aus fran­zösische Anregung zurück.

Allen diesen Kombinationen gegenüber verlangt Deutschland in QberschLesien fein gutes Recht.

, 3n diesem Sinne hat sich mit großer Enischiedcn- Ijert am Sonntag der Reichskanzler gelegentlich seiner Rede in Offenburg vor den katholischm Arbeitern aus« gesprochm, reo er u. a. sagte:Ich bin sehr be­unruhigt über das Schicksal Oberschlesiens. Ich weiß nicht, ob ein Gesinnungswechsel unter dm Alli­ierten eingetreten ist oder ob man etwa Lust verspürt, ein neues Land im Osten zu konstruieren, über das in Deutschland noch Jahrz>chickie getrauert werden würde. Heine noch wäre eine Verständig-ung mit dem <>polnischen Volke möglich In Warschau hat je- doch die Vergrößerungswut die Geister verblendet und 'fca, polnische Volk geht dazu über, sich mit dem du­schen Volke zu verfeinden, nachdem es sich die Russen zum Todjuinde gemacht hat und obwohl in Litauen und Galizien der Stampf noch nicht abgeschlossen ist. Soll zwischen das deutsche Volk und das polnisch? Volk ein verpestender politischer Leichnam gelegt werden? Der Gedanke an eine solche Konstruktion füllte die Politiker i aller Länder obhalten, den Schritt zu tun, dem deulschm ' Volke deutsches Land, das Äahrhundrrlö lang zu uns gehört hat, durch em Diktat zu rauben. Das deutsche Volk tieifj nichts amtlich über die Stimmung im Böl- kerbundsrat. Aber enttäusche man Deutsch­land nicht, gerade nicht um des demokra- tischen Prinzips in Europa willen! Das deutsche Volk, das guten Willms ist, ein Reich des Friedens mit allen Völkern mit eigener Hand unter größten Opfern auszubauen, darf nicht enttäuscht werden. Eine Enttäuschung wäre schmerzlich, nicht nur für die Führung der Politik und ihre großen Ziele der Völkerverständigung und Völker­versöhnung. Nicht allein um der deutschen Regierung willen, nein, um des Schicksals Europas willen, um des Schicksals insbefondem des arbeiten­den deutschen Volkes willen ist für uns eine gerechte.

Die Iagd nach dem Glücke.

Erzählung von Fritz Ritzel.

1. Kapitel. Ein vornehmes Hans.

Was würden wohl die Großväter und Großmütter der Bewohner der guten Stadt Liebenburg gesagt ha. ben, wenn man ihnen gegenüber behauptet hätte, daß bhr ehede:n so weltverlorenes Nest eine solche Ausdeh­nung, wie es dieselbe heute hat, gewinnen würde? Wahrscheinlich hätten sie den Propheten mit einem mit- fetbigen Lächeln angesehen, als ob sie davon überzeugt waren, daß es bei ihm nicht ganz richtig im Oberstüb- sei und zweifellos hätten auch fortschrittlich den­kende Köpfe selbst bei der optimistischsten Auffassung oeffen, was die Zukunft noch bringen könne, eine ber- artge Entwicklung des Gemeinwesens für ein Ding der Unmöglichkeit erklärt. Und von ihrem Standpunkte aus allerdings mit Recht! Waren doch schon anderthalb Jahrtausende über das alte Städtchen mit seinen zinnen. bewehrten von Gfeu übersponnenen Stadtmauern da- hin gerauscht, über bas in seinem Weichbilde auf schroff abfallendem Felskegel sich erhebende, in Ruinen zerfall lene Schloß ohne daß bi» Bevölkerung merklich zuge- nommen batte wie sollte man da, selbst wenn man sich bas Kommende in den rosigsten Farben ausmalte, voraussehen. daß aus dem, zwischen den grünen Bcr- gen malerisch geicgenen Städtchen innerhalb fünfzig Jahren die stolze Großstadt werde, deren Schönheit unb Reichtum heute 'M ganzen Lanbe beinahe sprichwörtlich geworben ist? Das hatten nicht bie Heilquellen getan welche in dem Tale der Mutter Erbe entsprubeltcn diese waren schon 3U Seiten ber Römer bekannt gewe­sen unb wurden dis langen Jahrhunderte hindurch von Bresthasten oller Art besucht der Zauberer Dampf war es, der den riesigen Aufschwung zu Wege brachte, denn Liebenburg mar seiner außerordentlich günstigen Lage im Herzen Deutschlands wegen e;n Eisenbahnkno. tenpuntt ersten Ranges geworden. Außerdem aber war der Fluß, an welchem die Stadt liegt, nur bis hierher schiffbar, so daß alle zu Wasser kommenden Güter um- geladen und mit der Bahn befördert werden mußten. Es D.erßefct sich daß unter dem Einflusi. dieser Verbüll-

tinc weitausschau itde, eine ihrer Bedeutung ange­messene Entscheidung in der oberschlesischen Frage eine LÄrensnotwendigkeit."

Ist es vermessen, zu hoffen, daß diese Stimme im Rate der Weltmächte die gebührende Beachtung findet?

Sumpfblüten.

Der Freistaat Danzig hat btefer Tage ehren Staubai erlebt, der um des Ortes willen, an dem er sich abge­spielt Hai, iwch besonders bedauerlich ist. In der vom Hennatdimst fjerausgegebmen ZeitschriftDeutscher Volksrat" wurde nämlich der Herausgeber derOst- wacht", eines nationalistischen und reaktionären Blat­tes, L u e d e ck e, des Vaterlcmbsvriiats beschuldigt. Es Mwds dokumentarisch nachUWiesAt, daß dieser Mann jahrelang während tes Krieges englischer Agent gewesen ist, und daß er auch an Polen Berichte ge­liefert hat. Welcher Art der Inhalt gewesen ist, ergibt sich schon daraus, daß er eine Anzahl Agenten bsschäf- tigte, die führende rechtsstehende Persönlichkeiten dazu verleiteten, sich politisch zu kompromittieren, um ihm Material für entsprechende Kommentare im Sinne seiner Auftraggeber zu liefern.

Jetzt hat Herr Luedecke, wie mir in derVoss. Zig." lesen, in eurer Nummer seines eigenen Mattes den ganzen Tatbestand eingeräumt und erklärt, «habe die Reaktion mit ihren eigene« Waf­fen schlagen" wollen. Er beflogt sich darüber, daß er in Danzig extremen Nationalismus und krasseste Rückwärtscrei gefunden hatte. Dann folgen Angriffe auf Danziger Personm und Verhältnisse, die man draußen zum Schaden des Deutschtums ausbeuten wird. Er droht mit weiteren Enthüllungen. Wahr­scheinlich wird er auch dafür Geld bekommen. Herr Luedecke war bisher ÜJliigleb der Deutschnationalen Partei und des Deutschvölkischsn Schutz- uni) Trutz- bund-es. Peiirlich wird es für diejenigen, dir ihn bisher für ihren politischen Freund hielten, fein, zu lesen:

Solch rohes Geplärr, rote ich e$ in dcr ,Ost. wacht' drucken ließ, konnte nur dem wenig wählerischen Geschmack bet Alldeutschen toohlinn. Und die ,Osttocichtt tat ihnen wohl! Täglich gewann ich neue Mitarbeiter, jede Post brachte mir Lobes- und Anerkennungsschreiben. Als ich vas auf btt Blödheit der Reaktion zugeschnittene Gedicht zur Verherrlichung der Ermordung ErzdergerS vom Stapel liefe, glaubte ich die Saite überspannt zu haben; aber nein, die Dummheit der Herren Alldeutschen war doch noch größer als ich annahm, und ich erhielt nicht weniger als 32 Glückwünsche und LobeSschreiben ans den Kreisen Danzigs und auch des oescnnten Deutschen Reiches.

Es oerbient frstgshalien zu wcrttrn, was dieKöln. Ztg." dazu bemerkt:Diese Sätze geben zu denken. Ist es wirklich so, daß gerade n ationake Kreise sich so wenig kritisches Gefühl bewahrt Haban, daß sie alles und jedes für echt tjdten, wenn es nur unter nationale Flagge segelt? Ist es wirklich so, daß ein nationales Schlagwort genügt, um deutsche Männer unb Frauen, die stolz auf ihr Volkstum sind, blind zu machen? Und um das letzte Beispiel Luedeckes herauszugreifen hat es wirklich Leute gegeben, die so gesimumgsfroh waren, baß sie sich von dem Gedicht nicht angewiDcrt fühlten, bas in selten ab­stoßender Form die Ermordung Erzbergers verherr­licht^ sondern noch Worte des Lobes dafür gefunben haben?" Es scheint doch so. Betrogen werden kann jede Partei. Aber der Fall Luedeckes ist mehr als ein Einztelfall, er ist ein Symtom dafür, bis zu welcher Verblendung gegenüber unlauteren Machen- schäften der RadikÄisrmks führen tan~

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nffe eine große Anzahl kaufmännischer Firmen sich an dem so günstig gelegenen Platze seßhaft gemacht hatte, welche im Verein mit der sich ebenfalls recht lebhaft ent­wickelnden Industrie der Siabt zu dem fast an ameri­kanische Verhältnisse gemahnenden Aufschwung ver- halfen.

Wo noch vor sechzig Jahren zu beiden Seiten de« sich in Schlangenwindungen dahinztehenben Fluffes la­chende Auen mit ihrem Smaragdgrün das Ange erfreu., ten, freundliche Gärten mit dichtem Buschwerk, viel­farbigem Blülenschmuck und reizenden Lusthäuschen der Landschaft ein überaus anheimelndes gemütliches Ge- präge verliehen, da zogen sich jetzt breite Sttaßenzüge hin, in welchen zwischen dem Rasseln der Droschken, das Poltern der Hotelomnibuffc erklang, wo die elektrischen Bahnwagen mit langgezogenem Surren dahinsausten und wo er aus den breiten Asphalürottoirs von h'm- und herhastenden Menschen wie in einem Ameisen- Hausen wimmelte. Hinter riesigen Glasscheiben waren in den Derkaussläden alle möglichen Dinge verlockend zum Verkauf ausgebreitet, von deren Existenz sich der Kleinstädter vor fünfzig Jahren nichts ttäumen ließ und wo auf den ehemaligen Uferwiesen nach dem Glauben poetisch angehauchter Gemüter, die aus den mond­glitzernden Wellen des fagenumtöofcenen Flusses gestie. genen Nixen und Wassergeister ihre Reigen geschlungen, da tänzelten zu Anfang unseres Jahrhunderts in der von den riesigen elektrischen Lampen ausgehenden Licht­flut, elegant gekleidete Damen auf zierlichen Stöckel­schuhen, schritten stolz gravitätisch die Löwen der Gesell, fdiaft in Zivil und Uniform, oder es gingen Arbeiter aus den Fabriken der Dorstadt, Arm in Ärm singend nach Hause, manche wohl auch ins Wirtshaus.

Die Rixen und Wassergeister waren vor dem mo­dernen Großstcdtgetöfe weiter stromausirärts geflüchtet und die Fee, welche Jahrtausende lang ihr Füllhorn poetischen Reizes über die Landschaft ausgegoffen, hatte ihr Haupt trauernd verhüllt, als ein Steinkoloß protzig nach dem andern aus dem Boden wuchs, und zierliche Brücken in Stein und Eisen den Fluß überspannten, aber sie mar nicht von der, ihr im Laufe der langen Zeil iiebg:wordencn Stätte gewichen in der Altstadt hacke sie ihren Wolmütz aufaesthloaew in der Altstadts die mit

ihrem grauen Gewirr von Gaffen unb Gäßchen sich ge­gen den breiten Ring der sie umspannenden neugebau­ten Straßen wie ein Häuslein Proletarier inmitten einer großen, glänzenden, mit Juwelen und Orden ge­schmückten Gesellschaft ansnahm. Dort webte noch Frau Poesie ihre zart duftigen Gespinste, aus jedem der schmalen Fenster der erkergezierten, mit Schieferplatten an der Front gedeckten alten Häuser lugte sie hervor, grüßte herab von den in Steinbildern der Heiligen, die über den Torbogen an den Ecken oder in ben Rischen der Häuser angebracht waren und durch alle Jahrhun­derte hindurch das Gebäude vor Unheil behütet hatten; sie schwebte durch die eichengetäfelten Wohnräume, die altertümlichen Höfe mit ihren Holzgalerien und thronte auf dem Gemäuer der auf dem Felskegel ragenden Ruine mit ihrem im oberen Telle geborstenen Rund­turm.

Alle Anerkennung konnte man der Regierung des Landes dafür zollen, daß sie die Wahrzeichen der Ver­gangenheit, vor allem die alte Stadtmauer mit ihren in den verschiedensten Formen, bald rund, bald eckig, bald breit und wuchtig, bald zierlich und schlank empor- ragenden Wachttürmen unter den Schutz des Gesetzes für Erhaltung historischer Denkmäler ßeftellt hatte. Ueberfchritt man den Ring der Stadtmauer, vor welcher sich ein breiter Graben rundum zog. durch deffen wal. diges Grün schöngepflegte, mit Felsengrsttrn und Springbrunnen gezierte Spazierwege liefen, fo glaubte man in ein ganz anderes Zeitalter versetzt zu fein. Pul- fierte auch in den engen Gaffen der Altstadt reges Leben und Treiben, fo war dies doch von einer ganz anderen Art, wie der Trubel, der in der Neustadt wogte. Da glänzten nicht die Spiegelscheiben prunkender Läden in der seit Jahrhunderten hergebrachten Weise wurden die Waren in offenen Laubengängen feilgeboten; selten nur rumpelte eine Droschke oder knarrte ein Dollfuhr­werk über das holperige Pflaster und um die an den Straßenkreuzungen befindlichen Steinbrunnsn standen noch Mägde und Burschen mit Eimern, Zubern und Krücken, um den häuslichen Bedarf an Master zu holen. Nur in der Sreitegaffe welch« die Mitt« der Altstadt durchschnitt, herrschte etwas moderner Verkehr; dort wa­ren bie früheren Verkaufsgewölbe der alten Häuser zu

i h r nimmt die Religion die Stellung ein. die sie für sich beanspruchen muß, nur da ist sie die Grundlage der ganzen Bildung und Erziehung. Nur in ihr die not- wendige Verbindung und Einheit zwischen der reltgiöfe0 Unterweisung und dem Unterricht in den weltlichen Fächern hergestellt. Nur sie ist daher imstande, die Kinder zu einhellichen und geschloffenen Persönlichkeiten zu erziehen. Nur in ihr können sich unsere Kinder ganz heimisch fühlen.

Diese Schule haben wir bisher gehabt, sie hat sich bewährt und erprobt. Darum wäre es schwerste Gewis­sens- unb Pflichtverletzung, wenn wir nicht alles tun würden, um unsere katholische Volksschule zu verteidigen und zu retten. Wir müffen ben Gegnern geschloffen und gerüstet entgegentreten und das von unfern Boreltern ererbte kostbare Gut um jeden Preis schützen. Dazu ist vor allem nötig ein Zusam­menschluß der katholischen Eltern. Schon an vielen Orten der Diözese hat sich eine Elternvereini- gung zum Schutz der katholischen Schule gebildet. Wir müffen wünschen, daß unverzüglich alle Gemeinden die­sem Beispiel folgen. Denn es kann sehr bald nötig wer. den, daß die katholischen Eltern auf den Plan treten und ihre Stimme erheben. Sie werden etwas errei­chen, wenn sie zu einem Verbände zusammengeschloffen sind und einheitlich vorgehen. An Väter und Mütter, an Seelsorger und Lehrer ergeht unsere dringende Mah- nung, solche Elternvereinigungsen ins Be­ben zu rufen als Dolkswehr zum Schutze der christ, lichen Bekenntnisschule.

Spanischer Schrecken im Thüringer Land!

In der .Eisenacher Tagespost" lesen wir folgendes: .Zur Abwehr de» Reichs sch ulgesetzenttourfeS haben in den verschtedenen Thüringer Städten jetzt van der Lehrerschaft veranstaltete Prat estversamm- lungen stattgefunden. Auch in anderen Orten werden, solche «nberaumt werden. DaS Reichsschulgesetz wird von der gesamten Lehrerschaft deshalb abgelehnt, weil es unter dem H aupteinf luß katholischer Geist, l ichkei t zustande gekommen ist." Fürchterlich, sürch. terlichI Haupteinfluß katholischerGeistlichkeitl Hilfe, damit da» rote Thüringerland mit seinem ganz toten Ministerium nicht in tief schwarz« Sklavenkette» sollt. Hilfe! l

Hus dem besetzten Gebiet.

' Ministerpräsident Gras Lerchenseld ist in Oppau eingetroffen, um sich über den Fortgang der Wieder« aufdauarbeiien zu unterrichten. Er wird noch andere, pfälzische Städte besuchen und dabei weitere Fabrik- anlagen besichtigen. Den Betriebsräten wird Gelegen­heit gegeben werden, ihre Wünsche unmittelbar Vorzug brinnen.

llartoffelschtebtmaen ins Ausland. Bekanntlich ist die diesjährige Kartoffelernte gerade im Rheinland äußerst gering. Um so ungeheuerlicher ist eS, daß Schieberfirmen den niedrigen Stand der deut­schen Valuta benutzen, um große Mengen Kartoffeln aus ben besetzten rheinischen Gebieten nach Frankreich und Belgien auszuführen. Festgestellt ist das jetzt von ber Firma Mond u. C o. in Aachen, die 300 Tonnen Kartoffeln nach Belgien, und von der Firma Barz in Köln, die 250 Tonnen Kartoffeln nach Frankreich ver­schoben hat. Aus Befehl des Interalliierten Comit6 Exöcutif ist die Ausfuhrbewilligung erteilt worden. Wo bleibt da die Fürsorge für die rheinische Bevölkerung, von der die Rheinlandkommisstou immer so schön zu redeii weiß?

Deutsches Reich.

cpc. 3m preußischen Landtag brachten dte Abgg. Stös­sels, Wronka, Giese (Ztr.) folgenden Antrag em: Durch das Beamten- und Dolksschullehrer-Dienftemkom. mensgesetz vom 17. Dezember 1920 sind die Bezüge der B eamtenanw örter innen und ber Lehr- amtsbtmerberinntn so festgesetzt worden, bafe st« gegenüber denen der Anwärter und der Bewerber in der Grundvergüämg und dem von dieser abhängigen Aus- gseichsguschlag um 10 Proz. zurückdlieben, das Gesamt- emkommen mfolgedejsen ein« Spannung von ungefähr 7 Proz. oufrotee. Diese, VechAtens bleibt bestehen, als der Ausgleicher uschlag durch dte Notzufchläve vom 8. Febr. 1921 eint Echälsimg erfuhr. Die letzte Neuregelung der

modernen Läden hergerichtet worden, mäßig breit« Asphalt-Bürgersteige zogen sich vor den Häuserreihen hin und unter fortwährendem Klingeln bahnten sich die Motorwagen der elektrischen Bahn ihren Weg durch die vielfach gewundenen, stets von einem dichten Menschen- ström durchflutete Gaffe. Wo diese an dem mit der Burg­ruine gekrönten Felshügel vorüberlief, traten die Häu­ser zu beiden Seiten etwas zurück, fo daß ein mäßig großer, freier Platz entstand, in dessen Mitte sich ein schlanker Scmdsteinobclisk mit einem auf ein Schild sich stützenden heraldischen Löwen erhob. Auf wuchtiger, run° um die Basis der Säule angebrachten Sockeln ruhten und standen vier Tierfiguren und spieen in breiten Strahlen das glitzernd« Wasser in den ungeheuren Trog, dessen verwitterte Steinplatte das hohe Alter des Brun­nens verkündeten. Und übereinstimmend mit dem alten Steinbrunnen zeigten bie Häuser auf dem Breitemarkt das ®präge einer längst entschwundenen Dauperkode, vor allem das die ein« Seite des Platzes fast ganz ein- nehmende alte Rathaus der Stadt mit feinem steil nach beiden Seiten abfallenden Schieferdach, dem über das- selbe wie steinernes Spitzengewebe ragenden Uhrturm und den beiden mächtigen, aus der Faffade springenden mit zierlich gemeißelten Steinfiguren geschmückten Er­kern, die eine steinerne Galerie verband. 3e eine Reihe schmaler, teils mit vorspringenden oberen Stockwerken gebauter, teils mit Erkern und bloßliegenden, braunem, verschlungenem Balkenwerk gegierter Häuser schlossen sich dem Rathause zu beiden Seiten wie getreue Tra­banten an, während fast die ganze gegenüberliegende Seite des Marktes von einem fchloßarttgen Steinkoloß eingenommen wurde, der feine Entstehung wohl einer späteren Zeit wie die anderen alten Häuser des Breite- marttes verdankte. Da sah man weder zierliche Erker noch schmale Spitzbogenfenster aus einer Reihe von breit ausgeroötbten Sandsüeinrahmen blitzten große Spiegelglasscheiben; zwei riesige Ballone mit wuchst- gern Steingeländer reckten sich aus dem ersten Stockwerk hervor, getragen von steinernen Riesen, in deren starren Zügen die Mühsal, welche die Last verursachte, einge- meißelt war und während die steinernen Spitzbogen der Rathausfenster verschiedene Wappenschilder zeigten, mar eil an dem Gegenüber die Wölbunaen über ben