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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Fulda.

Ifir. 232.

Verantwortlich für öen reüaüionellen Teil: Dr. I. Kramer, » für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. - Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Ferniprecher Nr. 9. Telegr.-Adresse: Fulda er Zeitung.

Samstag, S. Oktober 192h

Bezugspreis: Monatlich 5.00 Hit. zugestellt frei ins Haus- - AbgehoU in der Geschäftsstelle 4,60 ZRL s Anzeigen: Lolonelzeiie 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (lertbreite) 2.50 Mk.

48. Zahrg.

Das Abkommen von Wiesbaden.

Lin Schritt aufwärts!

Was da fovbm unterzeichnet worden ist, hat eine 8roße Bedeutung für die wirtschaftliche und für die politische Entwicklung. Es bahnt sich da etwas Neues an. Nämlich einerseits die Umwcmd- lurog eines Teiles unserer GeldverpfUchtunsm in Sach- lieferungen, andererseits der Uebergang mm dem, bis­her üblichen Erpressungsverfahren zu einer Derständi- MMg über die gedeihliche Arbeitsgemeinschaft. Auf dem jetzt eröffneten Wege läßt sich für die bnden be­teiligten Völker viel erreichen, wenn die weitere Ent­wicklung in demselben Geiste erfolgt. Frankreich kann auf diese Welse schneller dm Wiederaufbau der zer- störten Gebiete erlangen, und Deutschland kann schnel­ler die auserlegtm Tribute abtragen. Wenn das fried­liche Zusammenarbeiten seine Früchte zeigt, kann die Spannung unter den Völkern gemildert, die Versöh­nung gefördert werden.

Vorläufig sind das alles nur Möglichkeiten, noch keine Sicherheiten. Die Erfolge hängen wesentlich da­von ab, ob in Frankreich die vernünftige Stimmung Mn Durchbruch kommt oder die Gewaltpolitiker nach 2Irt von Elemenceau und Poincare di» Oberhand be- halten.

Als günstiges Zeichen kann man es vielleicht be­trachten, daß trotz der jüngsten Hetzreden das Abkom- men in der Pariser Presse eine Überwiegmd gün­stige Besprechung findet. Man sieht doch den starkm Eindruck der materiellen Vorteile, die Frankreich durch diese Verständigung mit Deutschland erreicht. Die moralischen Wirkungen werden wohl nicht ausbleibm, wenn die Durchfichrung des Abkommens Üeim Störung erleidet. _

Die greifbaren Vorteile find freilich für Frank­reich noch größer' als für Deutschland. Unsere Unter­händler haben mehrere Klauseln zugestchen müssen, durch die sich Frankreich davor sichert, daß es durch die Beschleunigung des Wiederaufbaues finanziell be­lastet wird Das Anschreiben und Verrechnen der deut­schen Sachlieferungen erfolgt in so vorsichtiger Weise, daß der französische Finanzminister immer noch einen Barbetrag aus den laufenden deutschen Goldzahlunyen übrig behält. Deutschland muß die fraglichen Waren sDaustoste, Eiirrichtungen, Betriebsgsgenstände ufro. xum großen Teile aus Kredit liefern, so daß Dmisch- land. wie Rathenau in München sich ausdri'rckte, der Bankier seines Gläubigers wird. Unsevr Rvichskasse muß aufkommen für die Rechnungen der deutschen Licheranten. Diese neue Anspannung der Reichskasse ist jedoch eher zu ertragen, wie die Belastung durch das Ultimatum Die Reichsbank braucht deshalb nicht Golddevifen zu Wucherpreisen zu kaufen, sondern hat in deutschem G'lde an Deutsche zu zahlen. Das auf­gewendete Geld bleibt im Lande, die Arbeitsmöglich- keit wird gesteigert, unsere Handelsbilanz vertvss>rrt und der Dalutasturz gebremst. Auch in dem wamger günstigen Fall, daß die dmdsche Industrie der Rsichs- dank den neuen Kredit nicht aus eigenen Kräften ge­währen Knute wäre der Rückgriff auf ausländische Kredithilfe noch nicht so schlimm, wie jetzt die Jagd auf Dollars. Das Vertrauen des Auslandes auf die deutsche Volkswirtschaft wird sicherlich durch dieses Ab- kommen gehoben worden.

Die Befürchtung, daß England und Italien dem französisch-deutschm Abkommen S ch w i e r i g» fetten machen könnten, ist nicht beängftigmb. Der „FtttcrnrD" wird doch diese Mächte nicht so blind und engherzig machen. Sollte Italien die Umwand- iurlg von Gold- in Sachleistungen verlangen, so wird es uns nur recht sein, wenn das System der fried­lichen Cinzelverträge auf alte ©iegeiftnaien ausge­dehnt würde, so daß das Zeitalter der Diktate und der Sanktionen überhaupt em End: nähme.

Der Gänfebub.

Fränkischer Dorftoman von Dina Ernst berge r.

££• (Schluß.)

„3d; glaube kaum, daß ich jemals mehr dies kleine Nest hier sehe," entgegnete Lore geringschätzig.

Ueberrascht sah Marianne die Sprechende an.

..Ich dachte doch, Du hast dies Dörfchen lieb und hättest stets gern da zum Besuch gemcitt."

„3a ja! Es war einmal. Gar manche Aenderun- gen in unseren Ansichten und Wünschen bringt die Zeit. — Uebrigens würde dies zweifelhafte Vergnügen eines hiesigen Landaufenthaltes dsrch die weite Reise eine denn doch etwas kostspielige Fahrt."

»Dann ist Deine künftige Heimat wohl weit von Wer?“ , „ , . ।

„Sehr weit!" >'

„So sage doch endlich, wohin führt Dich dann Dein Stern?"

„Bis nach Kairo!"

lieber Nacht war Regenwetter geworden. — In lange Regenmäntel gehüllt, bestieg Lore mit ihren Ver­wandten den Wagen, der sie zur Bahn bringen sollte. Ev mußte mit Sdzirmen die kostbaren Hüte der Damen beim Einsteigen vor Rässe schützen. Der Regen schlug an die Fenster des Wagens und die Wolken hingen so schwer und düster am Himmel, als sollte nie mehr die Sonne scheinen. i

Man sprach wenig während der Fahrt. Das Räder, raffeln erschwerte die Unterhaltung und überdies — Lore schien keine Unterhalbung zu wünschen. Sie war schweigsam und verstimmt. Kaum sand sie es der Mühe wert, durch das Fenster 3U schauen, als Marianne sie darauf aufmerksam machte, daß man beim Hüteanger vorüdersuhr. Immer wieder versuchte Marianne eine Unterhaltung an.’ubatjnen; alle Versuche scheiterten an Lores Schweigsamkeit.

Vergessen wir nicht, daß Lloyd George soeben eine kräftige Red: geholten hat über die weltwirtschaftlich: Solidarität der Sälter. Das Abkommen von Wies­baden entspricht durchaus dem Leitsatz, den er so packend entwickelt hat.

Unser Bestreben war «s längst, die deutsche Volks­wirtschaft fo wieder zu beleben, daß sie als gesundes Glied im gemeinsamen Körper der Kulturwelt fungie­re ri können. Wenn man setzt auf äugt, auf die Lebens­fähigkeit öer deutschen Wirtschaft die gebührende Rück­sicht zu nehmen, so ist das ein Fortschritt in unserem Sinne.

Wft habe,, stets gewußt und gesagt, daß wir nur durch schaffende Arbeit uns aus dem Eiend retten können. Die neue Arbeitslast, die uns das Abkommen auferlegt, soll uns nicht ängstigen, sondern oielmchr antreiben, daß wir die parteipolitischen Zwistigkeiten überwinden und die Ordnung schnell und gut sichern, damit die heilsame Arbeit sich ungestört entfalten kann.

Die Nebenabkommen.

Dcm dm von Rathenau und Lauchei« gleichfalls unterzeichneten Nebenobkommen beziehen sich 3 auf die Ablösung der Frankreich gegenüber geschuldeten Re­st i t u t i o n e n. Die Rücklieferung von Industrie- material hört am 6. Dezember aus. Das auf deutschem Gebiet noch vorhandene, aus Frankreich weggeführte Material bleibt endgültig m dcutschem Besitz. Dafür liefert Deutschland an Frankreich 130 000 Tonnen Industriematerial. Die Restitution von rollendem Eisenbcchnmaterial wird auf 6200 Wagen beschränkt.

Die Restitution dor von Deutschland aus Frankreich noch Deutschland verbrachten Tiere wird durch die Lieferung von 62 000 Pferden, 25 000 Rindern, 25 000 Schafen und 40000 Bienenvölkern abgolöst. Außerdem hat Deutschland gegen Gutschrift auf das Reparationskonto weitere 13 000 Pferd: an Frankreich zu liefern. Dafür wird Frankreich keine wetteren Viehlieferungen auf Orurtb der Anlage IV zu Teil 8 des Friedensvertrages von. Versailles vertagen.

Das vierte Abkommen bezieht sich auf Kohlen- Lieferungen und bedarf der Zustimmung der Re- parationskommrsflon. Deutschland verzichtete Frank­reich gegenüber für Lieferungen über Rotterdam, Ant­werpen, Gent und widere nichtdeutschen Häfm auf besondere Preise. Es erhält für diese Lieferungen den deutschen Inlandspreis plus Transportkvjdm. Deutschland hat das Recht der freien Ausfuhr ferner Kohlen, wenn es dir Anforderungen der Reparations­kommission erfüfft. Deutschland kann bei etwaiger Ausführung der unter Artikel 299 aufrecht erhaltenen Vorkriegsoerträge bis 150 000 Tonnen monatlich der so gelieferten Mengen auf die anderen Pflichtlieferun­gen an Frankreich anmelden. Der Erlös folcher Lie- fenmgen wird auf das Reparationskonto eingezähtt.

Lalhenou mit dem Abkomme» zufrieden.

Minister Rathenau hat dem Sonderberichterstatter des „Intransigvanst" eine »christliche Erklärung ,in Wiesbaden übermittelt, in der er der Hoffnung Aus­druck gibt, daß bas Wiesbadener Abkommen der Be­ginn internationaler Zusammenar­beit und ein Symbol für den Wiederaufbau Euro- pas fei. Die Frage des Berichterstatters, ob Rathmau von dem Abkommen befriedigt fei, bejahte der Minister.

Der Reichskanzler zur Reparation und Koalition.

lieber eine Unterredung mit dem Reichskanzler Dr. Wirth berichtet der „Bad. Staatsanzeiger". Es heißt darin u. a., daß der Kanzler gegenüber der

Es geht ihr doch nicht fo leicht, dieser Abschied von Vaterland, Heimat und Freunden, wie sie uns glauben macht dachte Marianne. Sie scheint noch immer mit ihrem Entschlüsse zu kämpfen. — Und es wurde Ma­rianne ganz weid) um das Herz. Sie kämpfte mjl Trä­nen als sie neben Lore auf dem Bahnsteig stand und des Zuges harrte, der ihr die einzige Verwandte für immer entführte. . .

„Gore", baf sie weich mit zuckenden Lippen, „über­lege es Dir ja nochmal, bevor Du Dich für immer bin. dest. Bleibe da bei uns; gehe nicht fo weit fort; ziehe nicht in ein fremdes Land; gehe nicht ins Ungewiffe. Wozu denn? — Sieh um Dich; — gibt Dir die Heimar nicht auch Glück und Liebe?"

Mit kaltem Lächeln ließ Lore ihre Berwandte zu Ende sprechen.

„Erspare Dir Deine Worte und Ratsd)läge, Kleine; ich bin kein Kind mehr, das den Rat der Mutter' braucht. Meine Wahl ist getroffen. Wem die Fremde fo viel bietet, der mag die Heimat leicht vergessen."

„Niemals, niemals, Lore! Die Heimat vergißt sich nicht; sie ist'dem Herzen unersetzlich."

Ein ungläubiger Blick traf die Sprechende. Dann, als sie die tränenvollen Augen Mariannens und ihre ge- ängstigten Blicke sah, wurde sie weicher. Das Hoch­mütige, Gcringfd)ätzige, das sie während der Fahrt zur । Schau getragen hatte, verlor fid) aus ihren Zügen; ihre ' Stimme klang warm und herzlich.

Sie faßte Mariannens Hand und hielt sie fest.

„Sorge Dich nid)t um mich. Marianne, ich werde nichts zu bereuen haben. Mein erster Brief nach hier fall Dir diese Beruhigung bringen. Bis dorthin tröste Dich der Gedanke, daß mir die Zukunft keinen Herzens, wünsch versagen kann."

„Das bürgt noch lange nicht für echtes Glück! Es gibt auch „Herzenswünsche", die kein Gold bezahlt. 3m Gegenteil — das wahre Glück flieht .häufig Stätten, wo Besitz und großer Reichtum wohnt."

Lore ließ Mariannens Hand frei.

„Was Du nicht alles weißt, Kleine," spottete sic mir gezwungener Heiterkeit. Dann glitten ihre Blicke bm=

Forderung der Industrie, ihre Krcditoperationen mit dem Auslands möchten als Vorleistung auf die kommenden Steuern angerechnet werden, und ge­genüber der sozialdemokratischen Forderung einer Beteiligung des Reiches an der Industrie mit einem Vorschlags hervortreten werde, der den Bedenken und Wünschen beider Parteien gerecht werden soll.

Die Erledigung dieser weitreichenden Finanz- und wirtschaftspolitischen Fragen sei für ihn Vor­bedingung der Koalitionsverbreite­rung. Seiner Ueberzeugung nach wäre es ver­kehrt, mehrere Parteien in einem Kabinett zufam- menzubringen, bevor man wiße, welches die Stel­lung der einzelnen Parteien zu der im Augenblick wichtigsten Frage fei. Der Reichskanzler wolle darum erst einmal die Plattform schaffen, auf der eine erweiterte Koaliton arbeiten könne. Die Hoff­nung, daß sich die Plattform finden lasse, sei berech­tigt.

Das Abkommen in Wiesbaden wird vom Reichskanzler begrüßt. Nicht an letzter Stelle gehören zu den Gründen die Erwägung, daß die Uebernahme von Sachleistungen für die nächsten Jahre ausreichende Arbejtsmöglichkeiten sichere. Der Kanzlei fei nach allen Seiten gewillt, eine Ent» fpannungindenaußenpolitischen Be­ziehungen herbeizuführen, versöhnlich zu wir­ken und Deutschland in der Welt jenes Vertrauen zurückzuerobern ,das allein eine wirkliche Gesundung Deutschlands ermögliche.

Dreitfcheid gegen die große Koalition.

In einer stark besuchten Versammlung sprach am Donnerstag in Spandau bei Berlin der Unabhän­gige Dr. Breitscheid über die Regierungsbildung. Er verurteilte den Görlitzer Beschluß, mit der deutschen Volkspartei zusammenzugehen und lehnte eine Beteiligung der Unabhängigen an der Regie­rung zusammen mit der deutschen Volkspartei ab. Die Hauptfrage sei augenblicklich: wie werden sich die Rechtssozialisten angesichts der Ablehnung der Mindestforderungen der Unabhängigen durch die Volkspartei, welche Bedingungen auch die Rechts­sozialisten anerkannt haben, verhalten?

Zum Schluß predigte er den Kampf gegen Sün­nes und Strefemann und die Fortführung des revolutionären Klassenkampfes.

Deukschnakionale Koalitionsmanöver.

Die „Nationalliberale Korrespondenz" wendet sich gegen eine von deutschnationaler Seite ausgehende Stimmungsmache. In verschiedenen Meldungen, die, wie festgestellt wurde, alle von einer Seite aus­gingen, wird behauptet, daß in der deutschen Dolks- partei scharfe Auseinandersetzungen zwischen dem Abg. Dr. Strefemann und einem gro­ßen Teil der Fraktion im Gange seien, weil Dr. Strefemann in seiner ersten Besprechung beim Reichskanzler am 28. September Konzessionen ge­macht habe, die von der Partei abgelehnt würden. Die Mißstimmung, die dadurch hervorgerufen wor­den sei, werde wahrscheinlich dazu fiihren, daß man die Verhandlungen wegen der Koalition von feiten der deutschen Volkspartei einstelle.

Die Nationalliberale Korrespondenz sagt wört­lich: „Die Schlußwendung dieser Meldung zeigt den Zweck des ganzen Manövers. Alle Sitzungen, die in der letzten Zeit im Rahmen der deutsch-volkspar­teilichen Organisationen stattgefunden haben, sind ausnahmslos i n voller Einmütigkeit ver­laufen und haben die uneingeschränkte Zustimmung zu der Politik des Abg. Strefemann im ganzen wie im einzelnen ergeben. Das gilt sowohl für die Sitzungen der Reichstags- und Landtagsfraktion und nicht zuletzt für die Sitzung des geschäftsführen­den Ausschusses, die erst vor ganz kurzem stattge-

über zu dem ernsten, schweigsamen Manne, der ruhig, ohne mit einer Silbe zu unterbrechen, zugehört hatte.— Ihr Körper streckle sich, stolz hob sie den Kopf.

„Gut denn, ich wage es! Es gilt die Probe," sagte sie bann fest und bestimmt.

Marianne seufzte und senkte den Kopf; sie wußte nichts mehr zu sagen.

Da fuhr auch schon der Zug donnernd in die Sta­tion.

Wochen waren darüber hingegangen. — Tag für Tag verbrachten Marianne und Joseph den Nachmittag plaudernd und lesend in der weinumrankten Garten, laube; Tag für Tag wanderten sie am Abend fröhlich plaudernd durch die Felder und Wiesen. — Josephs Reisekvsfer hatte Ev hinauf in den Speicher geschafft. Er hatte es ihr selbst anbefvhlen. Sie sollten ausruhen da droben von ihren weiten Fahrten für lange Zeit. —

Acute hatte sie beide ihr Abendspaziergang hinaus an das alte, graubemoofte Feldkreuz geführt.

Dort blieb Marianne stehen und zog die kleine, brillantenbesetzte Uhr aus dem Gürtel.

»Jetzt, ist es vorbei," sagte sie ernst. „Sie wird nun bei bet Hochzeitstafel sitzen; im fernen Land — allein — die Frembe unter Fremden."

Traurig senkte sie das Köpfchen.

Da begann die Abendglocke zu läuten. Hell und klar Hangen die Töne durch die stille Luft vom Dorf her­über.

Joseph entblößte das Haupt.

„Schließen wir sie ein in ein Gebet, Liebster," sagte Marianne, in Andacht die Hände faltend. ,Laß uns für Lores Glück ein Ave beten!"

Leise verklingend war der Wendglockenklang ver­hallt. — Eng aneinander geschmiegt lehnten die beiden noch lange an dem verwitterten Gestein.

Stillschweigend lauschten sie dem Wechselgesang der Vögel und sie horchten auf das Rauschen de» nahen Waldes und sahen in die lohende Glut des Sonnenunter­ganges und in ihr neues, glückliches Leben.

funden hat. Allen diesen Tatsachen gegenüber muß jeder Versuch unwirksam bleiben, Meinungsverschie­denheiten der deutschen Bolkspartei zu konstruieren.*"

Preußischer Landtag.

Die Lage öer Landlehrer.

Nach Erledigung einer Anzahl kleiner Anfragen er­greift der Kommunist Gefchke bas Wort zur Begrün, bung eines Antrages auf Unterstützung ber Opfer von Oppau. Es ist dazu ein gemeinsamer Antrag der Sozialbcmokraten bis Deutsche Volkspartei eingelaufen, ber ben Opfern von Oppau 6 Mi 11 ia, ne« Mark bewilligen will.

Der Anttag geht an einen Ausschuß.

Eine heftige Debatte entsteht um ben Antrag des Gc- schäftsordnungsausschufses, die Genehmigung zur Straft Verfolgung des kommunistischen Abg. Kunze zu ertet len. der seine Immunität dazu mißbraucht, Hetzartikei in kommunistischen Blättern dadurch zu decken, daß er verantwortlich zeichnet. Der Kommunist Schulz pro.' testiert in wilden Worten gegen diesen Antrag, ber dem „Justizschurken"-Staatsanwalt und dem „frechen Ober» Präsidenten" „Zuhälter, und Hehlerdienste" leiste. Ord­nungsrufe und Rügen machen ihm nichts aus. 3nt Hause ist man gegen diesen kommunistischen Ton bereits’ so abgestumpft daß man ihn fast als selbstverständlich hinnimmt. Da Schulz jetzt plötzlich behauptet, daß Kunze, nicht alle in Frage kommenden Artikel gezeichnet habe — eine ganz neue Tatsache, wie sich in der Debatte her­ausstellt — sind die Vertreter der übrigen Parteien da. für, den Antrag nochmals dem Ausschuß zu überweifen/ was denn auch geschieht. Ebenso geht es einem Anttag auf Strafverfolgung des Abg. Ziegler.

Dann folgt die Besprechung einer großen Anfrage Herrmann.Friedersdorf (Dnatl.) über die L e hr fräfte an einklassigen Do 1 ksschu 1 en. 3n Verbindung damit werden beraten die deutschnationalen Anträge über die Trennung des Vermögens vereinigter Kirchen, und Schulstellen die Aufbesserung der Kanto. ren und Organisten, sowie die Befreiung von dem nie.' deren Küsterdienste. Die Anttäge finden die Zustim­mung der meisten Redner bis hinab zu ben Unabhän. gigen. Es wirb allgemein anerkannt, baß die Lage 6er1 Landlehrer unbedingt aufbefferungsbebürftig ist.

Nachdem man die diesbezüglichen Anträge dem Un. terrichtsausschuß überwiesen hat, vertagt man sich auji Dienstag. ________

Hns -em besetzten Gebiet.

• «Ein sozialpoNlsicher Referent für das Rheinland- Der Sekretär der sozialdemokratischen Partei Friedrich Profit hat einen Ruf der Reichsregierung erhalten, als sozialpolitischer Referent in das Staatssekretärs für die besetzten rheinischen Gebiete einzutreten.

* Die amerikanische Driatzungscnmce. Nach einet! Meldung aus Washington soll ein Teil ber amerikanischen Besatzung sarmse im Rheinland and) nach der Ratifikation des Frisdensvcrttages mit Deutschland bort verblei­ben. Es sei lediglich, um die Desatzungskosten zu cer« ringern, eine Verminderung der Truppmzahl ins Auge gefaßt.

* Verschiebung der lleberwachnngskonferenz. Der Prä­sident des alliierten Sachverstänbigenausschusses in Kob­lenz hat an den Reichskommissar für die besetzten rhei­nischen Gebiete die Mitteilung gerichtet, daß die Bera» tagen über die Einrichtung eines Uebomvachungsorgane, noch nicht zum Abschluß gelangten und deshalb die Zu­sammenkunft mit 'der deutschen Delegation nidjt an dem festgesetzten Termin ftotifinben tarnt. Die Delegation werde zu einem späteren Termin eingeladen werden.

* Am die militärischen Sanktionen. Der vom „3n« transigsant" nach Wiesbaden entsandte Sorrberberichterstai-. ter will wessen, daß die militärischen Sankito- n en tatsächlich auf gehoben würden, sobald Deutschland di« in der Note des Generals Rollet ge­stellten Forderungen erfüllt haben werde. Es fei wahr- scheint ich, daß Frankreich in der nächsten Sitzung des Obersten Rates, der nach im Oktober zusammemtreteu wird, um feine Entscheidung über Obsrschlesien zu fällen, gewisse Gegenforderungen stellen und de» Alliierten einen Vorschlag unterbreiten werde.

— Rach der Aufhebung der Sanktionen. Seit der Aufhebung der Sanktionen hat Der Eisenbahnverkehr bezw. Güterverkehr nad) dem besetzten Gebiet einen nie gesehenen Umfang angenommen Der An­drang non Gütern ist so gewaltig, daß manche Stationen! sich weigern für bie nächsten Tage Eisenbahngüter zur Versenbung anzunehmen. Firmen und industriell' Werke, auf bereu Erzeugnissen ein besonders hoher Zoll ruhte, hatten mit bem Versank, solange zurückgehaken, bis bie Enticheibung über bie Aufhebung der Maßnah. men gettoffen waren. 3etzt. nachbem die Schrankei, gefallen sind suchen sie bie seit Monaten auf gehäuften Aufträge in wenigen Tagen zur Ausführung zu brin­gen. 3m besetzten Gebiet wimmelt es feit ber Aushebung ber Sanktionen noch mehr wie sonst von sranzösischen Geschäftsleuten, die Waren um jeden Preis zu erwerbe/ suchen. _______________ _ __________________

Bekenntnisschule un- Schulaussicht.

Es haben sich in einigen preußischen Bezirken, in denen die Mehrheit der Bevölkerung an der Be» kenntnisschule festhält, Schulaufsichtsbe­amte dieser Bezirke als Gegner der Be( kenntnisschule öffentlich bekannt. Die Be­völkerung protestierte gegen eine Berufung diese» Schulaufsichtsbeamten.

Auf eine Anfrage der Abgg. Dr. P o r s ch und Genossen im Preußischen Landtage antwortete Kul­tusminister Becker:

„Das Staatsmiteisierium wird, wie lchon bisher, fo auch ferner bestrebt sein, bei ber Auswahl ber Krrisschul täte sowie ber Regierung-» und Schulräte auf bie An schouungen der Bevölkerung in angeiaessenei Weife Rücksicht zu nehmen. DÜe Schnaufstchtsbe amten haben den Schulen jeder Schulart «iw oerftärtbnie-' volle und wohlwollende Pflege zuteil ®ertwn zu lasten."

Diese Antwort ist zwar der Form nach sehr ent­gegenkommend gehalten, die Sache aber roiri" durch sie durchaus nicht geändert. Nach wi« vor soll der Zustand erhalten bleiben, daß ein Gegner der Bekenntnisschule die Schulaufsicht über eint konfessionelle Schule führen darf; es ist doch wo-?, hafüg ein billiges Verlangen, wenn man wünscht daß nach dieser Richtung hin kein unnötiger Kon­fliktsstoff geschaffen werde. Dies ist umso leichter-