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bewundern gelernt. Do ist auch die neue Auflage Kulturbilder doppelt aktuell. Gerade solche Bücher chen wir heute, um uns auf das Beste in unserem zu besinnen und daran anzuknüpfen im inneren deraufbau.
dieser brau. Bolte Wie.
Andreas Sdjambony
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Vie Pflege echter deutscher volkskultur.
Wie der Leib aus den unsichtbaren Kräften bir Seele lebt, so lebt dos Gemeinschaftsleben eines Volkes aus den in ihm schöpferisch tätigen seelischen Kräften der Kultur. Die äußere LebensgestMung durch die bloße Zivilisation dagegen wird zur Gefahr, wenn sie, statt der Kultur zu dienen, diese zu ersetzen sich an maßt.
Der im letzten halben Jahrhundert vollzogene Uebergang weiter Dolkskrerse vom Ackerbau zur Industrie hat das deutsche Volk aus den alten lieben Lebensverhältnissen und Gewohnheiten heraus- aerissen und ist eine rechte Gefahr geworden für die deutsche Volkskultur. Das verkennen wir Deutschen selbst am wenigsten. Es ist den Menschen ähnlich ergangen wie d»n Städten. Schaust du dir so eine o l t e d e u t s ch e Stadt an, mit ihren wunderbaren Kirchen und ihren: schönen Rathaus, mit ihvm schmalen, winkligen Gassen und doch so schönen, dem deutschen Gemüt abgelauschten Häusirn und Ecken, da hast du das Bild aL'ei deutscher Kultur. Gehst du ringsherum, wo sich ine Neustadt in breitem, erdrückendem
rer wegen intellekturtter Urkundenfälschung, ein Stu- denit wegen Begünstigung, ein Schriftsetzer wegen schwcren Diebstahls, eine Kellnerin wegen Rückfalldiebstahls, ein Händler wegen Betmgs, ein Be-aimtM- anwärter wegen Bttrug, em Schriftsetzer wegen Schleickchandels, ein Kaufmann wegen Kettenhandels, eine Kontoristin wagen schweren Diebstahls, ein Kunsthistoriker wegen Betrugs im Rückfall und gewinnsüchtiger Urkundenfälschung. Das ist nur eine Auslese aus einer einzigen Ausgabe des Palizeiorgans. In derselben Nummer wird auch der Steckbrief gegen den Kaufmann Heinrich Schulz und den Studenten Hrch. Tillessen trogen Verdachts des Mordes an dem Reichs- tagsabgeordneten Erzberger erneuert.
(fpd) Griesheim a. ZIL Dis Grmeinldeoertretung bewilligte für die Unterstützung der auf den chemischen Werken ausgesperrten Arbeiter 200 000 Mark und stellte ihnen die Lieferung von Mnterikartvffsln m Aussicht. Die Ausssspcrrten müssen sich aber ver- pslichten, die ihnen gewährten Unterstützungen in wöchentlichen Raten wieder abzuzahlen. Am Freitag findet in allen Orten, wo Arbeiter der chemischen Werke wohnen, «eine Generalabstimmung darüber statt, ob die Arbeit unter den neuerlich gemachten Bedingungen wieder aufgenommen werden soll oder nicht. Wie man hört, ist die Mehrzahl geneigt, wieder an die Arbeit zu gehen.
fpd. Würzburg. Frau Hannchen Stern hat zur Unterstützung notierdender Israeliten eine Siiftuna in Höbe von 100.000 Mark errichtet.
Zirkel um den alten Mittelpunkt legt, wo ine Mistkasernen einfach eine Masse bilden, und nichts die Masse zur Einheit verbindet, wo draußen vonl Stuck und Zemmt und Zierart angeklebt ist, drinnen aber recht öde und langweilig ausschamt, so sichst du sofort das Unfertige solcher Dinge. Sichst du im Dorf protzig und öde das städtische Haus, dir Mietskaserne, so fühlst du: das gehört nicht hierhin.
Genau so halte auch das Seelenleben der Deutschen sich den 1 veränderten, städtischen Verhältnissen, der großen wirtschaftlichen Umwälzung, die feit Jahrzehnten so plötzlich über uns gekommen war, noch nicht angepaßt. Die Stadt brachte anders geartete Bedürfnisse, anders geartete Lebensweise. Die Kleidung Mußte anders sein, die Ausstattung der Wohnung, die Art, sich zu erholen. Es kamen die Gewchnheilen und Moden von Völkern zu uns herüber, die schon länger Stadtoölker waren, und damit kam für uns die große Gefahr, daß wir nämlich gedankenlos hinnähmen und kritiklos bewunderten, was von diesen Völkern kam, ohne uns zu fragen, ob es denn auch uns zu Gesichte stände, ob es zu unserer Gesitmungsart paßte. Aber geradesvMt wie wir im Bau unserer Stätte daran waren, neue Wege zu suchen, wie allmählich ein ganz neues, eigenartiges, schönes deutsches Großstadlbild herouswuchs und wir die Pflicht erkannten!, unser altes schönes Dorfbild vor öder Verschandelung zu be- bewahren, sagte uns auch unser deutsches Pflichtbe- wußlsein, daß es gelte, in her Kultur der deutschen Seele neue Wege zu suchen.
Wir sahen "ein, daß es gelte, den Geist des M a rn m o n i s m u s, der Besitz- und Genußsucht, der uns mit unserer fortschreitenden Industrialisierung ergriffen hatte und weite Kreise lockte, besinnungslos dm Taumeltelch an die Lippen zu setzen, mit aller Tatkraft und rücksichtsloser Entschiedenheit zu bannen. Es tauchte eine Mange neuer Aufgaben auf vor dem deutschen Geiste: Familienpflsge, Jugendpflege, Heimatpflege, Naturpflcge, staatsbürgerliche Erzechung. Es tauchte eine Menge neuer OrganisationM des positiven Aufbaues; manche übers Ziel hinausschießend, manche zu verkehrten, äußerlichen Mitteln ihre Zuflucht nehmend. Aber von keiner einzigen kann man sagen, daß in ihr nicht ein guter, starker Wille lebendig gewesen wäre, sie alle, mochten sie mm radikal ober reaktionär fein, waren Kinder des deutschen Idealismus und von fe-Mm Geiste dirrchwcht. Schon lieh der Staat solchen Bestrebungen seinen starken Arm und seine kräftige materielle Hilfe. Schon war cr daran, die Kräfte zu sammeln und eine großzügige Gemeinschaftsarbeit ins Leden zu rufen; schon regten sich da und dort in alten Volksschichten die Kräfte, die mit vorsichtiger Hand und mit deutscher Gründlichkeit den großen Fragen der Volkskultur auf den Grund gingen. Schon klangen auf froher Wanderung hier und dort wiederum die Töne des alten Volksliedes. Schon schickte sich Mutter wiederum an, Märchen zu erzählen, und Vater, in seiner Familie sich die Stätte des Men .Lebcnsgenusses zu erbauen, schon tarn ein neuer Geist in unsere Jugend. der alte Geist des Lebensernstes und kor Slaturfreubigteit, da kam der Krieg. Und er offenbarte mit rücksichtsloser Offenheit gär manche Schäden in unserem deutschen Volkstum.
' Noch schärfer offenbarte sich die Zeit des inneren Zusammenbrmhs, die weithin das Bild von Verwahrlosung bot. Wie aber die polnische Revolution sich gezwunAm sah, an die mühsam aiufbaucnde Reformarbeit der Vorkriegszeit anzuknüpfen, so muß unser Wille zur Wiederaufrichtung aus dem seelischen Zusammenbruch anknüpfen an die frühere Bewegung, welche Erlösung von dm Schäden der bloßen Zivilisation suchte in ehrfürchtiger Rückkehr zur Pflege der alten Volkskultur. Diese wollte das Reich der Seele wieder aufbauen, in ernster Hingabe an die Aufgaben innerer Bereicherung unseres Lebens.
Ihr Kerngedaicke war, nicht auf möglichst leichte Weife vom Leben etwas haben zu wollen, sondern der Wille, unserem Leben und dem Gemeinschaftsleben unseres Volkes tieferen, wahrhaft beglückenden seelischen Inhalt zu geben.
M 12,—. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. 1921. Eine solche kurzgefaßte Einleitung für jeden Reisendem und Wanderer, der Land und Leute richtig kennen lernen und beobachten will, ist schon längst ein dringendes Bedürfnis. Denn den meisten fehlt die Erfahrung zu beobachten und zu werten. Die Grundsätze hierfür vermittelt dieses erü- kundliche Wandechuch des bekannten Geographen, besten erster Band über die Landschaft hier vorliegt. Es wäre eine schöne Frucht der hier geleisteten Arbeit, wenn sie weiteste Kreise zum Studium und vertieften Sehen her uns umgebenden Welt anregen würde und damit zugleich zur wissenschaftlichen Arbeit.
Me lese Ich Karlen? Einführung in bas Verständnis und den Gebrauch topographischer Karten für Wanderungen von Oberlaicknnesfer E W. Schmidt. Bonn 1921. Verlag Wilhelm Stollfuß. Der Verfasser hat nicht nur in seiner beruflichen Tätigkeit als Oberlandmesser die Auto- istät, den Stoff treffend zu behandeln, sondern hat auch Gelegenheit gehabt, im Kriege als Truppenführer den Wesenskern der Kartenkunde praktisch zu erproben. Neben klarer Gliederung des Inhalts zeichnet das Schristchen die vortreffliche Wahl schöner Kartenbeispiele aus, sodaß dem Wanderer ein wirklich gediegenes Hilfsmittel in die Hand gegeben wird, die Marschkarte mit Verständnis zu lesen unö nützlich anz uw enden.
Das Werrakal. Ein Wander buch von Münden bis zum Thüringer Wald. Von Prof. Ulrich. Verlag Otto Wol- precht, Buchhandlung, Efchwege. Preis M. 7,—. 2., neu- bearbeitete Auflage. Das Büchlein sollte jeder, der durchs Werratal wandert, im Rucksack mit sich führen. Dieses Wanderbuch ist ein echtes Heimatbuch. Die famosen 24 Federzeichnungen von Ernst Metz begleiten den Text, sie stellen Landschastsbrlder und besonders charakteristische Bauten dair und machen das Buch zu einer künstlerisch werb vollen Erinnerungsgabe.
Hedln, Z" Land nach Indien. (Volks- und Jugend- ausgabe als Band 8 der Sammlung „Reifen und Asten- teuer".) 159 Seiten Text mit 29 Abbildungen und 1 Karte. Brockhaus, Leipzig. 1921. Gebunden M 12,—. Durch Persien, durch das uralte Land der Sonne und des Löwen, das heute nach fast so mtbekannt ist wie Innerafrika führt uns Hedin in dem 8. Baud der „Reisen und Abenteuer". Ein weiter Weg fft es, 4000 Kilometer vom Schwarzen Meer bis zur ersten Station der englisch-indischen Eisenbahn; 2400 Kilomter hat der unermüdliche For- scher auf dem Rücken eines Kamels zurückgelegt. Aus all den zahllosen Gefahren führte der Glücksstern Hedins ihn unversehrt heraus. Auch in diesem Band können wir wieder HMns hohe schriftstellerische Gabe bewundern und ebenso seine Kunst als Zeichner und Photograph, von der zahlreiche Proben den Band schmücken, der sich vortrefflich den früheren Bänden der Sammlung anreiht.
mu8". Er ist nichts anderes als praktisches Christentum. Wenn wir das Wirtschaftsleben besseren wollen, dann fangen wir bei den Trägern der Wirtschaft, bei uns Menschen selbst an, andern wir unsere matzloS gewinnsüchtige Gesinnung. Seien wir nicht dem Worte nach nur Christen, sondern werden wir Christen der Tat. Dazu die Menschen zu erziehen, setzt sich der Bolksberem als eine seiner schönsten Aufgaben.
nie. Frankfurt a. M. Auf eine Forderung der Stadtverordneten hin werden die neuerbauten Häuser am Riederwald, im Volksmund „Gipsbrei- hausen" genannt, genau auf mangelhafte Herstellung untersucht und ordentlich repariert. Das kommt davon, wenn man billig baut.
— Frankfurt a. Al. Die Lösung einer außerordentlich inter effanten Bauaufgabe fall demnächst für Frankfurt ihren Austrag finden. Es ist dort die Errichtung einer Kirche mit Wohnung für Ordens geistliche in Verbindung mit einem Saat bau in die Wuge geleitet. Zur Erlangung von Entwürfen hierfür schrieb die Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst unter den Architekten, welche ihr am Tage der Ausschreibung bereits als Mitglieder angechörten, einen Wettbewerb aus. Die Gubäude- gruppe kommt mit ihrer Front an die Fürst ende r- gerstraße neben dem Leffinggymnasium. Das Klostergebäude fall die Mttte einnchmen, rechts davon soll der Saalbau und links die Kirche arsg:bracht werden. Eine besondere Aufgabe ersteht dem Architekten dadurch, daß der Hauptkirche noch eine kleine Nebenkirche angegliedert werden soll, und zwar in der Weife, daß beide Räume sowohl zusammen als auch getrennt vonÄmmber benützbar sind. Der kleine Raum soll sich sittlich als Seitenschiff oder Kapelle an die Hauplkirche anlehnen, aber von ihr schalMmpfend unb warmesparend abgesperrt werden können. Der Saalbau wird einen großen Saal, ferner kleinere Konferenzräume, eine Bibliothek und mehren? Zimmer aufnehmen. Die Entwürfe find bis zum 1. Dezember ernzureichen. Das Pneisgericht besteht aus der heurigen Jury der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst und vier zugewAftten Herren.
(fpb) Frankfurt a. 2IL Wie sehr der Hang nach Vierbrechen und Vergehen jetzt in allen Volkskreisen und Gesellschastsschichten Eingang gefun- ben hat, davon gibt das amtliche Organ der deutschen PolizeiverwallungiM in einer seiner letzten Ausgaben eilt beredtes Bild. Da werden u. a. steckbrieflich verfolgt: ein Zimmergefell wegen Diebstahls, ein Krankenpfleger trogen Einbruchs, ein Musiker trogen Betrugs, eine Kaufmannsfrau wegen Urkundenfälschung, ein Kaufmann wegen Hehlerei, ein Sparkassenbeamter wegen Unterschlagung, ein Hamdwerksobermeistsr wegen Diebstahls, ein Diplomingenieur wegen Betrugs, ein Fürsorgezögling wegen Raubes, ein Ingenieur wegen BanbciLiebstahls, ein Techniker trogen Ein-
Dle Landschaft. Erbkundlrches Wanderbuch.
Israelitischer Gottesdienst.
Samstag, 8. Oktober. Vorabendgottesdienst 5,30 morgens 8, nachmittags 4, Sabbathausgang 6,30 Nhr.— Wochengottesdienst: Morgens 5,30, nachm. 5,30, abends 6.25 Uhr.
Wilhelm H„ Bismarck und windthorst.
Ein Kapitel in Bismarcks Erinnerungen, 3. 58b., das unser Interesse besonders gefangen nimmt, sind die Beziehungen des Kaisers und Bismarcks zu Windthorst. Die Tatsache, daß Bismarck damals ohne vorheriges Einvernehmen mit dem Kaiser den Führer der Zentrumsfraktion, Windthorst, zum Vortrag empfangen hatte, war schon mit ein von Seiten des Kaisers geltend gemachter Grund für die schließliche Entlassung Bismarcks. Doch hören wir Bismarck selbst, der in dem 8. Kapitel des dritten Bandes unter dem Titel: „Meine Entlassung" folgendes ausführt:
„Am 14. März, morgens, fragte ich an, ok> ich an diesem oder dem folgenden Tage zum Immediatvortrag kommen solle, erhielt aber ferne Antwort. Meine Absicht war, dem Kaffer über eine Unterredung, die ich am 12. trat Windthorst gehabt hatte, und über gewisse Mitteilungen, die aus Rußland eingegangen waren, zu berichten. Aim 15., morgens 9 Uhr, wurde ich mit der Meldung geweckt, Se. Majestät habe eben sagen lassen, ich solle um halb 10 Uhr im „Auswärtigen Amte" Vortrag hatten, worunter nach der bisherigen Gepflogenheit die Amtswohnung meines Sohnes zu verstehen war. Wir empfingen dort den Kaiser. Aus meine Bemerkung, ich wäre fast zu spät gekommen, weil ich erst vor 25 Minuten mit Sr. Majestät Befehl geweckt worden sei, erwiderte der Kaffer: „So — ich habe die Bestellung gestern nachmittag hinaus- gegeben." Später ergab sich, daß er eist nach 10 Uhr abends den Vortrag festgesetzt hatte und daß Abendaus- trag vom Schlosse in der Regel nicht stattfmdet. Ich begann meinen Dortvag: „Ich kann Ew. Majestät melden, daß Windthorst aus dem Bau gekommen fft und mich aufgesucht hat." Der Kaiser rief darauf aus: „3t u n. Sie haben ihn doch natürlich zur Tür hinaus« werfen lassen?" Ich erwiderte, während mein Sohn das Zimmer verließ, daß ich Windthorst natürlich empfangen hätte, wie ich es mit jedem Abgeordneten, dessen Manieren ihn nicht unmöglich machten, als Minffter stets gehalten hätte und zu tun verpflichtet sei, wenn ein solcher sich anmelde. Der Kaffer erklärte, ich hätte vorher bei ihm anfragen müssen. Ich widersprach und vittdicierte mir die Freiheit, m meinem Hause Besuche zu empfangen und namentlich solche, die anzunchmen ich amüich die Pflicht dbet einen Grund hätte. Der Kaffer bestand auf seinem Ansprüche mit dem Hinzufügen, er wisse, daß Windthorsts Besuch durch den Bankier Bleichröder vermittelt worden sei. „Juden und Jesuiten" hielten immer zusammen, Ich erwiderte, es sei viel Ehre für mich, daß Se. Majestät über die inneren Vorgänge in meinem Hause so genau informiert sei. Es sei richtig, daß Windthorst Bleichröders Vermittlung nachgesucht, vermutlich aus irgend einer Berechnung, da er wußte, daß jeder Abgeordnete jederzeit Zutritt bei mir hatte. Die Wahl des Vermittlers fei aber von Windthorst und nicht von mir ausgegangen und gehe mich nichts an. Bei der Konstellation in dem neuen Reichstage sei es für mich wichtig gewesen, den Feldzugsplan des Führers der stärksten Fraktion zu kennen, und mir willkommen, daß dieser unerwartet um Empfang gebeten. Ich hätte in der Unterredung konstatiert, daß Windthvrst unmögliche Forderungen (stattrs quo ante 1870) zu stellen beabsichtigte. Seine Absichten zu ermitteln, sei für mich ein geschäftliches Bedürfnis gewesen. Wenn Se. Majestät aus diesem Anlasse mir einen Vorwurf machen wolle, so sei das gerade so, als wenn Se. Majestät seinem Generalstabschef im Kriege untersagen wolle, den Feind zu rekognoszieren. Ich könnte mich einer solchen Kontrolle in Einzelheiten und in meiner persönlichen Bewegung im eigenen Haufe nicht unterwerfen. Der Kaffer verlangte bas aber peremptorisch mit dorr Frage: „Auch nicht, wenn Ihr Souverän es befiehlt?" Ich beharrte in Ablehnung, lieber Windthorst's Pläne fragte der Kaiser mich nicht."
Diesen Aufzeichnungen brauchen mir unsererseits keine weiteren Worte hinzuzufügen.
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Kleines Feuilleton.
— Die Tage werden kürzer, das wird so recht fühlbar im Oktober, weil man da noch nicht ganz mit seiner Werktagsarbeit bis zum Dunkeln fertig stt. und das künstliche Licht zu Hilfe nehmen muß. Viele möchten das freilich vermeiden und begehen Dadurch einen großen Fehler. Unser Ange, gewohnt m voller Helligkeit seinen Dienst zu tun, wird beim . Jx V," ,n. der Dämmerung überaus angestrengt
“*f° geschädigt. Die ärztliche Wissenschaft lehrt, Kurzsichtige ihr Leiden durch das Arbeiten heraufbeschworen haben! Besonders „^oer lasse man daher niemals ihre Schularbeiten $e Beschäftigungen, die das Auge in Anspruch ™ der Dämmerung ausführen, sondern toenn man schon noch ein Weil- f. 7m möchte, als Ruhepause. Eine
Emnt ‘b, >viehd)t dar ihre besonderen Reize. Man ^Qull^en „Dämmerstündchen" im nPtTn mil u' r27o Mutter und Kinder sich nahe Alter imh Qm Tage. Und auch manch
Mütterchen kennt diese Stünd- fTen' d-e so recht angetan sind, monn Stete'hA’fte "^"hangen. Wenn doch jeder- im Dämmerlichts "nem Weilchen der Arbeitsruhe ; bet Säume toirb von Unkundigen
die Wissenstfi„f? itÄOlt^5mücfse'ü$rt während otc ^.stenschaft langst nachg<nr>iesen bat daü der Wassermangel die vornehmste Ur'oche ist''diealle^ dlngs mit dem Frost in gewissem Qnfnmm»nfinTT■> Ut- bringt man zum Beispiel' gewffse Lavbbäum unseres Klrmas m die Tropen, so bleiben sie dort „tmmerarun"; andere sind so verwirrt durch die neuen Alimaverhältnisie, daß sie olle Stadien De Biau-, Blüten- und Ftüchienbildung n e b e n e i n- ander zeigen, ein Bild, das man bei uns iettf __
Anfalls unter dem Einfluß der merkwürdigen Warmeverhältmsie dieses Jahres — an Obstbäumen und besonders an Kastanien schön beobachten kann.
— Amtsdeutsch. Das Reichsarbeitsministerium hat kürzlich Richtlinien über die Amtssprache heraus-
Ms dem Nachbargebiet.
= Somborn (Freigericht). Die monatliche Vortrags- solge für das neue Winterhalbjahr im Volksverein wurde am Sonntag in stark besuchter Versammlung eröffnet durch einen trefflichen Vortrag des Herrn Syndikus Dr. Burgbacher-Frankfurt über den „christlichen Solidarismus". In sachlich-bor- nebmen Tone legte der Redner die Schäden und Mängel des „Kapitalismus" sowohl wie des „Sozialismus" auseinander als zwei einseitige, immer nur eine Volksklasse befriedigende Wirtschaftssysteme und entwickelte in tiefgründigen klaren Gedankengängen den allen Volksschichten gerecht werbenden „Solidaris- gegeben, in denen es heißt: 1. Der sprachliche Ausdruck muß klar und unzweideuiig sein. Vorschriften, die beachtet werden sollen, müssen so ge- daß sie jeder — auch der wenig Gebildete — verstehen kann. Wer klar denkt, druckt sich auch klar aus. 2. Die Sprache soll ein- fach fein. Ein Kanzleistil, der sich in verzierten und verichnörkelten Formeln gefällt, ist ebenso abzulehnen wie jede andere Stilkünstelei. 3. Tie Erg gehandhabte Sprache ist ein Kunstwerk. Wohlklang der Worte muß sich mit Ebenmaß im Satzbau verbinden. Lange Schachtelsätze zerstören das Ebenmaß ebenso sehr wie zerhackte Sätze. Worte, die fehlen können, ohne den Sinn des Satzes zu ändern, sind fortzulassen. Kürze ist unangebracht, wenn sie Unklarhett verursacht. 4. Fremdwörter, die zwanglos durch deutsche Worte ersetzt werden können, haben keine Tajeinsberechtigung. Tiefe Richtlinien sind sehr zu begrüßen, sie kommen aber reichlich spät. Es wäre dringend zu wünschen, wenn sich auch die anderen Behörden endlich eines besseren „Amtsstils" befleißigen würden, d. h. wenn sie cinfaa) — deutsch schreiben würden.
* Allerlei Weisheit. Tie sog. spairischen Fliegen, die in der Heilkunde Verwendung finden, kommen zum großen Teil aus Rußland. — Venedig ist auf 118 kleinen Inseln erbaut worden, die durch 378 Brücken mit einander verbunden sind. — In den Vereinigten Staaten von Amerika gibt es über 305 Millionen Acres herrenloses Land. Tie Hälfte liegt in Alaska, das übrige in Montana, Neumexico und Arizona. — Das Gold war viel früher bekannt als das Silber und daher anfänglich auch billiger als dieses. Ter Wert des Silbers sank erst nach der Entdeckung Amerikas. — Die Marmor- Sägen, welche in Carara die Marmor-Blöcke zerschneiden, dringen binnen 24 Stunden nur 16 Cen- timeter tief durch das ©efteiit. — In Neufundland gibt • es keine Reptilien. Tort ist noch niemals eine Schlange, ein Frosch, eine Eidechse oder sonst dergl. gesehen worden. — Die Staats-Bibliothek in Berlin enthält rund 1,3 Millionen Bücher, 30000 Handschriften und über 50000 Kartenwerke.
Neue Bücher.
Geschichte und Länderkunde.
Das Griechentum und feine wettmisfiem. Von Prof. Dr. Freiherr von B i s s i n g. 188 S. (Wissenschaft unö Bildung, Band 169.) Preis geb. «M. 10.—. Verlag von Duette u. Meyer m Leipzig. 1921. Dies neueste Buch der Sammlung Wssenschaft und Bildung bietet weit mehr als sein Titel für den Laien ahnen läßt. Es ist nichts weniger als eine umfassende Geschichte staatlicher und geistiger Kultur vom 2. Jahrtausend von Christi bis zur Zertrümmerung des Römerreiches durch die Germanen. Altbekannte Totste en erscheinen uns in ganz neuen Zusammenhängen. ~or allem für die politische Erkenntnis fft die griechische Geschichte bsdeutungsvoll, wenn man auch nicht immer zu denselben Schlüssen kommen muß wie der Verfasser.
Die Kulturgeschichte der Deutschen im TRlftetofer. Don Bibliotheksdirektor Professor Dr. Georg Steinhaufen. 3. oerb. Auflage. 164 S. Preis geheftet J*. 10,—. Verlag von Duette u. Meyer in Leipzig. 1921. Die Kul- tur des Mittelalters ist uns erst in den letzten Jahren wieder nähergerückt. Wie fern liegt uns heute die Wer- , tung einer früheren Generation, die narr vom dunklen Mit. tslalter sprach. Wir haben die Gothik wieder neu ent«, deckt und die gewaltige Einheitlichkeit jener Geisteswelt