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Fuld aer Zeitung

Amklicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Aulda.

Nr. 231

Verantwortlich für den reüautonellen Teil: Dr. I- Kramer, = für die Anzeigen: I. ParzeUer-FulOa. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerri in Fulda. Ferniprecher Nr. 9. Telegr.-Ldrefl«: Fu ldaer Zeitung.

Freitag, 7. Oktober 1921

Bezugspreis: Monatlich 5.00 Ulf. zugestellt frei ins Haus- = Abgeholt in der GeschäftssKlle 4,60 Mk. - Anzeigen: Colonelzrile 70 JJfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Tejrthreitel 2.50 Ulf.

48. Zahrg.

Oberschlesien und die Koalition.

zranzöfifche Tenden;meli»«ngen

SBir mochten fo gern schnell vorwärts kommen in der Befestigung unserer politischen Einrichtun­gen. Aber es gibt immer wieder Verzögerun­gen, teils durch kleine, teils durch größere Hemm­nisse. Die Sozialdemokratie möchte Zeit gewinnen, wenigstens bis nach den Berliner Stadtwahlen und hat einen Seitensprung gemacht zu den Unabhän­gigen hin. Aus der ersten Anfrage ergibt sich die weitere Anfrage, ob die Unabhängigen mit der Deutschen Volkspartei zusammen in die Arbeits­gemeinschaft treten wollen, und dieses Zwischenspiel bestärkt wieder den rechten Mrgel der Deutschen Volkspartei in seinem Widerstand gegen die Koa­lition. Die parteipolitische Unsicherheit wirkt nun wieder hemmend auf die Abmachungen wegen der industriellen Kredithilfe und ebenso hemmend auf die sachliche Verständigung über das Steuer­programm.

Zum Ueberfluß haben nun die beiden letzteren Verhandlungen auch noch zu leiden unter der Un­sicherheit der oberschlesischen Zukunft.

Man sagt sich: Was helfen uns die Krcditopfer auf dem Altäre der deutschen Volkswirtschaft, wenn in Oberschlesien ein lebenswichtiges Glied aus dem Körper der deutschen Volkswirtschaft herausgerissen wird? Was kann uns die schönste Steuergesetz­gebung nutzen, wenn Deutschland durch den Verlust m Oberschlesien leistungsunfähig gemacht wird?

Jetzt heißt es, daß die Entscheidung über Ober» schlesien vor der Türe stehe. Von Paris aus wer­denE n t h ü l l u n g e n" verbreitet über die ge­planten Entschlüsse, und diese Nachrichten klingen -sehr beunruhigend. Die alte Sforzalinie taucht wie­der als Schreckgespenst auf; die unerträgliche Tei­lung des Jndustriebezirks wird uns wieder in Aus­sicht gestellt.

Wir haben ost vor überspannten Hoffnun­gen warnen muffen; da dürfen wir auch wohl gegen übertriebene Befürchtungen ein Wort sagen. Mas die Franzosenberichten", entspricht ihren Wünschen und ist vielleicht darauf berechnet, die be­teiligten Staatsmänner zu beeinflussen. Bange machen gilt nicht!

Es ist noch nicht zu erkennen, was die Unter­suchung des Völkerbundsrates ergeben hat. Die Sachverständigen und die Mitglieder des Völker- bundsrates müßten ja von allen guten Geistern der Gerechtigkeit, des Friedens und der Vernunft voll­ständig verlassen gewesen sein, wenn sie auf diesem großen Umwege schließlich wieder auf die Sforza­linie zurückkämen, die schon längst als unmöglich erkannt und ausgegeben worden ist nicht bloß von Italien selbst, sondern auch vom Obersten Rat. Letzterer hat ja gerade deshalb den Völkerbunds­rat zu Hilfe gerufen, weil die bisher vorliegenden Pläne für unbrauchbar erachtet wurden.

Ferner ist zu beachten, daß der Beschluß des Välkerbundsrates, über den die Franzosen phanta­sieren, durchaus noch nicht die endgültige, rechts­kräftige Entscheidung darstellt. Der Völkerbünds- rat soll eine Lösungempfehlen". Die Entscheidung liegt aber nach wie vor beim Ober st en Rat. Sollten die Völkerverbündeten sich von den Fran­zosen haben einfangen lassen, so wäre erst noch abzuwarten, ob England und Italien ihre Zustimmung gäben.

Lloyd George müßte einen Umfall vollziehen, der feine bisherigen Leistungen in der Nachgiebigkeit noch weitaus überträfe, wenn er auf die bisher ab­gelehnte Zerreißung des Industriebezirks einginge.

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Der Sänsebub.

Frönkischcr Dorfroman von Dtna Ernst berge r. 59 . ----

Aus Deiner Hand schmecken sie mir aber besser", erwiderte er galant, während Marianne für ihn die schönsten Früchte aüssuchtc.

Soll diese Bemerkung wohl eine Ihrer Unbeholfen­heit im Verkehr mit Damen sein, verehrter Detter?" b-- zann Lore aufs neue mit nervösem Lochen.

Wo man nicht anders scheinen muß, als wie man eben ist, da ist man meistens auch nicht unbeholfen. 5Ün den Verkehr mit meiner Fran dachte ich da nichr, als ich von Unbeholfenheiten im Verkehr mit Damen sprach. Marianne macht nicht Anspruch aus galante Phrasen und Salonmanieren ihr ist die offene Art bes Dörflers lieb. Sie weiß, daß alles von Herzen kommt."

Marianne war froh, als Ev sie mitten in dieser Auseinandersetzung in die Küche rief. Ihr war der Eang der Unterhaltung peinlich geworden. Mit seinem Gefühl hatte sie das Herausfordernde Lores erkannt; erkannt auch die gereizte Stimmung in Josephs Ant. warten.

cic sah es nicht mehr, wie es bei ihrem Weggang in Lores Augen freudig ausblitzte; wie ihre Finger un­geduldig aus die Tischplatte trommelten' als Marianne sich für einen Moment nochmals in das Zimmer zu­rückwandte.

Aber, ich mache doch wirklich auch keine Ansprüche aus galante Phrasen. Ich sagte es ja eben, daß ich dies formellegnädige Frau" so ungern höre. Ich habe stets Ihren offenen, geraden Charakter bewundert und nun muß ich mein Ohr täglich mit diesem fremden, steifengnädige Frau" verletzen lassen. Verstehen Sie s denn nicht, daß ich Lore viel, viel lieber höre!"

Mit ihrem ilicbenswürdiigsten Lächeln sah Lore Ihn an.

Seine Züge bliebe» unverändert cmft.

^Es lohnt sich jetzt nicht mehr der Mühe, meiner Zunge andere Worte anzulernen, gnädige Frau", sagte er ausweichend.

Damit würde er sich überdies mit seiner jüngsten Rede in Widerspruch setzen; denn eine fo heillose Schädigung einer hochwichügen Industrie und eine solche Zerrüttung der deutschen Finanz- und Wirt­schaftspolitik wäre ein blutiger Hohn auf die welt­wirtschaftliche Solidarität, die er soeben empfohlen hat.

In dieser Rede sagte bekanntlich Lloyd George, die Aufwiegler schrien jetzt so laut, weil sie selber ihrem Ruf nicht recht mehr trauten. Viel­leicht gehören auch die Urheber der erschreckenden Nachrichten aus Paris zu den Aufwieglern, die durch ihr Geschrei die friedliche Entwicklung stören wollen.

Wir müssen natürlich immer noch auf schlimme Ueberraschungen gefaßt sein. Aber wir brauchen uns nicht durch jedes Gerücht in Angst jagen oder gar arbeitsunlustig machen zu lasten. Daß Ober­schlesien deutsch bleibe ist eine Forderung, die wir auf Grund unseres Rechtes erheben, der auch der Völkerbund Rechnung tragen muß. Durch tenden­ziöse Meldungen dürfen wir uns unter keinen Um­ständen in dieser Forderung irre machen lassen. Solche Lösungen, wie sie bisher gemeldet worden sind, sind für uns unerträglich, unannehmbar.

Militärische Tkirbercifangen.

Nach einer Havasmeldung werden sich die Ve r- irete-r der englischen und französichen Regierung am 8. Oktober in Paris versammeln, um das Eingreifender Truppenderdrei Mächte oorzick>sreiten, sobald die oborschlesische Frage durch den Völkerbund geregelt fein werde. Cs sollen die Vorschrstten ausgearbeitet werden, die den alliierten Truppen in Odcrschlasim erteilt werden sol­len bezüglich der Tätigkeit, die ihmn miserlvgt weiden soll, sobald der Völkerbundsrat seine EntfchMung ge­troffen hat.

Das lvieberausbauabkommen unterzeichnet.

Minister Rat Henau und L ou cheu r haben am Donnerstag in Wiesbaden in Vollmacht ihrer M- gierunycn das Abkommen über dsutsche Sachl-iesenm- gen art Frankreich abgeschlossen. Die Unterzeich­nung der Reben abkommen erfolgt voraussichtlich am Fvntag.

In dein Hauptoükommen bekunden beide Regie- umgen ihren Willen, den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete Nordfrankreichs durch Lieferung bezw. Bestellung von Eiiteichkmgogegen- ständM sowie von Baustoffen in möglichst großem Umfange zu bewirken. Die Durchführung der Liefe- rungen soll beiderseits durch prioatrechtliche Organisationen erfolgen. Die zu Gunsten Deutschlands bezw. der LtefcUmgsorgcrnrscrtivnsn auf Grund des Abkommens entstehenden Kredite sind dem Zugriff Frankreichs entzogen. Zu den ßiefermtgan ist die deutsche Organisation nur insoweit verpflichtet, als sie mit den Produktionsmöglichkeiten Deutschlands und den Bedingungen feiner Rohstoffversorgung ver­einbar sind.

Der G.samtwen der Leistungen soll bis zum 1. Mai 1926 7 Milliarden Goldmark nicht überschreiten. Die Lieserungen sollen erfolgen durch unmittel­bare freie Vereinbarungen der deut­schen und französischen Organisationen. Die Zahlungen an die deutsche Lisferungsorgoiniisation geschehen durch die deutsche Regierung. Dies« wird der Wert der Lieserungen mtf Reparaiilmskonto gut« geschriebm.

0 doch! Um dieses kleine Wort Lore aus Ihrem Munde wieder einmal zu hören, würde ich all das Dringende, das mich heimruft, übersehen und meinen Aufenthalt verlängern."

Hastig kamen die Worte aus ihrem Munde; auf ihren Wangen brannten zwei grellrote Flecken.

Josephs Oberkörper straffte sich. Wie zur Abwehr lehnte er sich tiefer in die Polster zurück.

Nein, gnädige Frau. Solch Opfer um diese Nich­tigkeit dar wäre zu viel verlangt. Und dann es würde auch umsonst gebracht. Ich halte nach zäher Dörslerart an dem fest, was ich einmal gut und passend gefunden habe und paffend erscheint mir der Ton im Verkehr mit anderen, den ich wähle. Ich finde das sonderbar, wenn sich Fernstehende beim Taufnamen nennen. Dies Vorrecht möchte ich nur bei meiner Frau genießen."

Ganz ruhig und leidenschaftslos hatte er gesprochen.

Lore aber mar erbleicht; in ihren Mienen zuckte es; ihre Finger strichen nervös an den Falten ihres Kleides. Sekundenlang war es still, bann haftete sich ihr Auge kalt auf den Sprecher; fast feindselig blitzte es auf in ihrem Blick. Sie wallte eben die Lippen zur Cmtgegmmg offnen, da kam Marianne wieder in das Zimmer zurück.

Heute nachmittag könnten wir ja gleich einen Spa­ziergang hinaus aus den Hüteanger machen," sagte sie schon unter der Türe.

ßcre antwortete nicht sogleich; sie schien zu überlegen.

Denn plötzlich:Ich will diesen Nachmittag dazu benützen, um meine Sachen Zu packen."

Marianne merkte sofort, daß etwas Lores Stim­mung getrübt hatte. Sie bemühte sich deshalb doppelt, liebenswürdig zu fein.

Aber auf den Tag wird es dach nicht eilen. Bleibe noch ein wenig," sagte sie herantretsnd.

Gott, was fall ich eigentlich »och. länger hier?" ent» I gegnete Lore im Tou nachlässiger Langeweile.Ich | wollt», ja eigentlich einzig nur Dich in Deinem neuen Heim einmal sehen bevor . . . bevor . . sie schien , iu zögern, dann erriete sie schnell,bevor auch ich «in

Dr. Mayer bei Briand.

Wie derTemps" meldet, habe sich der deutsche Botschafter Dr. Mayer während eines Besuches beim Ministerpräsidenten Briond über die augerchlicklichr politische Lage m Deutschland ausgesprochen. Im Lause der Unterredtmg habe er, ohne ein positives Ver­langen zu stellen, von der Aushebung der mitt» tärischen Sanktion? n, also der Besetzung von Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort gesprochen und Hecke auf den großen Eindruck hingewiesen, den diese Maßnahme cur die öffentliche Meinung in Deutschland cmszuübeu im Dande fei."

Kreöitangebote.

Ebenso wie der Reichsoerband der deutschen Industrie haben jetzt auch die B a n k e n, der H a n- d e I und die Landwirtschaft besondere Kom­missionen gebildet, die die Frage des Kreditange­bots an die dsutsche Regierung bearbeiten sollen. Die Ausschüsse werden in der nächsten Woche mit dem Reichskanzler Dr. Wirth über die Aufbringung der Goldmilliarde verhandeln.

lieber die amerikanischen Anleihean­gebote an die dsutsche Industrie wird berichtet, daß, nachdem der Plan der deutschen Industrie, eine Goldmilliarde zur Reparationsleistung aufzu- bringen, am 17. September imNewyork Herold" veröffentlicht worden war, bereits am 20. Septem­ber in Berlin das erste Angebot einer An- lsrhe von einer großen amerikani­schen Finanzgruppe eintraf. Bor etwa einer Woche fragten andere Bankgruppen in Berlin an, ob man deutsche Unterhändler nach Amerika schicken würde. Mit diesen amerikanischen Finanz­leuten finden bereits Konferenzen im Ausland statt. Gestern traf in Berlin dis Mitteilung e i n e r d r i t- ten amerikanischen Finanzgruppe ein, wonach heute zwei Finanzleute nach Berlin kommen würden, um über eine amerikanische An­leihe zu unterhandeln. Wie weiter mitgeteilt wird, stehen deutsche Industriekreife mit Vertretern der valutastärksten Länder Europas in Verhandlung. Auch diese Angelegenheit soll sich günstig entwickeln.

Gras Bernstorfs über die Zchuldsrage.

Aiff dem Parteitage der Demokraten Schleswig- Holsteins in Mona machte der ehemalige deutsche Botschaften in Amerika, Gras Devnstorff, der über die außenpolitisch: Log» sprach, bemerkenswerte Ausfüh- t'ungen zur Schuldfrags. Da es fraglich ist, fo führte der -Rebner aus, ob durch eine sofortige amtliche Dis­kussion der deutschen Sache ein Dienst erwiesen tuet« dm würde, fei eins gewisse Vorsicht am Platze, umso­mehr, da kein Staatsmann unserer Gegner sich zu der objektiven Auffassung bekennen kann, die durch die Tatsachen gegeben ist; denn infolge der auch in Dem Nachkriegszahom unablässig fortgesetzten gegnerischen KriegspWpaganda ist die Meinung von der Allein- schuld Deutschlands allzu tief in die Massen der gegneri­schen Völker eingchämmert worden.

Bon deutscher Seite ist wenig geschehen, und das Wenige unzweckmäßig rmd mit der üblichen psycholo­gischen Fehlerhaftigkeit' deutscher PropogEdaversuche. Mit unbesonnenen marktschreterischM und zum-eist überheblichen Ucbertreckungen erreicht man nichts. Nur konsequente energische Arbeit fuhrt zu dem Ziel, das Unrecht de» femdlichen Behauptungen über die bs- wnßte mtb vorher bedachte AllernschuD Deutschlands an dein, wie bchauptcl wird, von ihm planmäßig zur Begründung einer derrtschen Wellherrschast herbei ge­führten Krieg zu beweisen. Die Lebensfrage für uns sei moralische Rehabilitierung, die aber nicht erreicht werden kann durch Meugncn begangener Fehler; noch weniger allerdings kann sie rafgebaut werben auf dem

neues Heim besitze und unsere Wege weit von einander führen."

Wie? Was soll das heißen? Wie sollen wir das verstehen?" Schnell trat Marianne hinter Lores Stuhl. Sich über die Lehne beugend, nahm sie ihren Kopf zwi. schen ihre beiden Hande und bog ihn weit zurück, ihr fiagend in die Augen sehend.

Laß doch. Du ruinierst mir meine Haare," sagte Lore unmutig. Marianne aber ließ sich nicht abweh­ren.

Wahne ich recht? Am Ende gar Verlobung, Lore?"

Lore machte ihren Kopf aus Mariannes Umflam, merung frei. >

Laß doch, Marianne, meine Haare!" wiederholte sie, die Stirn saftend. Dann als Marianne Platz ge- nommen hatte fuhr sie in liebenswürdigem Tone fort: Du wähnst ganz recht, Marianne. Meine erste Tat nach meiner Rückkunft daheim wird fein, ein nwnate- langes Werbe» zu erhöre»."

Marianne war aufgesprungen. In aufrichtiger Freude schlang sie ihre Arme um den Hals der Ver­wandten. :

Und wer, Lore, wer ist der Glückliche?"

Ein Großkaufrnann, weit, weit von hier."

Gott segne Deine Wahl! Ich will beten, daß Du recht glücklich wirst."

Joseph war nun auch herangetreten.

Lore hatte sich erhoben. Sie machte ihre Hand frei, die Marianne noch immer umflammert hielt, um sie in die dargebotene Rechte Josephs zu legen.

Gestatten Sie, daß auch ich meine Segenswünsche zu Füßen lege," sagte er herzlichIch wünsche reiches Glück Werden Sie fo glücklich wie Marianne und ich!"

Lore warf stolz den Kopf in den Nacken, falt und fremd blickte sie ihn an.Ich werde meine Wahl faum zu bereuen haben."

Marianne legte ihren Arm um Lores schlanke Taille.

Dann sehen wir Dich jm nächsten Jahr mit Deinem Saiten hier als junge Frau?"

^Schluß folgt?

schmachwürdigen, wahrheit-widrigen Bekenntnis eine; nicht vorhandenen Schuld.

Aus dem besetzten Gebiet.

* Die fioffen der Rheinlandbesatzong. Die Repa- rotionsfommiffion hat beschlossen, die Kosts» der Befatzungsarmee zu dem Durchfchniüskurfe jedes Quartals, in dem sie aufgelaufen sind, m Goldmark umzurech. nen. Die Gefamthöhe der Desatzungsfoften in der Zeit vom 11. Novencker 1918 bis jum 1. Mai 1921 wird dem- gemäß auf 363 966 Millionen Goldwert berechnet.

* Zu- und Abgang farbiger Gruppen. Im Kehler Brückenfopfaebiet find sämtliche schwarze» und Kolonial» truppen abtransportiert worden. Dagegen sind in Straßburg neue afrikanische Streitfräite eingetroffen. In Straßburg wie auch in Kehl ist aber die Gesamt­zahl der Truppen nicht unerhevlich vermindert worden. Infolge der verstärkten Ueberwachung der Nheinbrücken hat der Verkehr zwischen Straßburg i$n> Kehl in den letzten Tagen nachgelassen.

Preußischer Landtag.

fiommunistische Gehässigkeit.

Die Aussprache über dm Etat des Hanüers- mtnifteriums würbe am Donnerstag fortgesetzt eröffnet durch dm Kommunisten finokh, der eine mit der Besprechung verbundene große Anfrage über die Schlie­ßung der Höchster Farbwerke begründet Was man bei dm Kommunisten begründen nennt. Kein Mensch hört mehr auf feine, allen allzu bekannten abgedroschenen Phra- fen hin. Nach weiterer Debatte es sprechen noch der Unabhängige Ulmer rind der Demokrat tzarlnumn, die sich mit einigen Einzelheiten den Rode des Ministers befduf­tigen folgt die Abstimmung.

Der Etat sowie sämlliche Anträge des Haupiansschufles wecken angenommen. Man besprich! bann dm Etat der Mimzverivattung. Der Etat wirb genehmigt, ebenso der der Porzellanmannfaktur, des Reichs- und Staats-Angei» gets, der preußischen Gesetzessammlung, ber Lotisriever- wÄtung.

Bei der Lolterieverwaliung werft ein Rsgierungsver- treter auf die Einnahmen aus der Lotterie hm, die für bas Reich 76 Millionen jährlich, für Preußen und die an­deren Länder 8 Milli.cmen betragen. Wg. Schulz-Neukölln (Komm.): Man sollte die 2000 Millionen für die Schuck- Iacks streichm. (Die fommunstttfchen Wüteriche verstehen unter Schup-Jacks die Schutzpolizei, bis ihnen offenbar sehr unangenehm ist. D. Red.) Dornt könnte man auf di« Einnahmen aus diesen schwindelhaften Unternehmen Der- zichten. Auch Weismann (der Leiter der polit. Polizei) und seine Burschen könnte der Staat sich sparen. (Der Redner wirb zur Ordnung gerufen.)

Freitag: Kleine Anfragen, Unterstützung für Oppau, Strafverfolgung von Abgeordneten, Anträge über Schul, fragen.

Die ttartoffelversorgung.

Eia begrüßenswerter Z-mkrmnsanlrag.

Der Zentrumsabg. Jakobi hat tm preußischen Land­tag einen Antrag erngebracht, wonach der Lmcktag dis preußische Regierung ersuchen möchte, auf die Reichs- regterung einzuwirken, dis Eifenbahntarif» für die Beförderung von Speifekartof- fetn wesentlich herabzufetzen, um eint in Ausgleich zwischen den Sankest eiten, wo ein Kartoffelüberschuß vorhanden ist und denjenigen, wo großer Bedarf herrscht, herbeizuführett.

Zu diesem Antrag wird uns vom Antragsteller ge­schrieben: 2m Westen Deteschlands ist durch die un­günstige Witterung (Trockenheit), wie svr feit langen Jahren nicht mehr zu verzeichnen war, eine Karte M- mißemte, ja stellenweise ein völliger Ausfall der Kar­toffelernte eingetreten. So kommt beispielsweise be­sonders in Maifeld (Kr. Mayen) und im linksrheini­schen Teil des Kreises Koblenz Gebiete, die als Kar­toffelkammern des Rhünlandrs ungefähr 2,5 Mill, Ztr. Kartoffeln absetzten und fast die Hälfte des Kar­toffeloerbrauchs der rheinischen Städte deckten als Ab­satzgebiet infolge der Mißernte nicht mehr in Frage. Auch im WZterk Deutschlands mit Indufdrrsgebich, das die stärkste Bevölkerungszahl des Reiches enthält,, in Mitteldeutschland sowie auch teilweise im Osten, ist nur eine mittlere Kartoffelernte zu verzeichnen, es herrscht hier ein großer Mangel an Kartoffeln, llnbe- fcittgt, nötig erscheint es, daß der Karteffeltrcmsport in, möglichster Stärke nach dem Weston einfetzt, bevor' Frost kommt, damit wenigstens der Kartoffelbedarf für die Wintermonate sichergestellt wird. Um dich» Not­wendigkeit gerecht zu werden, soll eine Derbilli- gung des Fahrtarifes für die Kartoffel, befördernng eintreten.

Da auch für Fulda größere Kartoffelabschlüffe, im Osten getätigt werden mußten, würde die vom Abg. Jakobi beantragte Tarifermäßigung auch für die hiesi­gen Verhältnisse mm großer finanzieller Tragweite sein.

Deutscher Reich.

* Berlin, 7. Okt. Offiziell wird gemeldet, daß Geheimrat H a u s s ch j l d t als deutscher Delegier­ter für die internationale Kommifsion zur Bekamp- fung der Hungersnot in Rußlaird, die in Brüssel zusammentritt, ernannt wurde. Der Ober-Reichs- anroalt erneuert den am 26. März 1920 von dem Untersuchungsrichter des Reichsgerichts erlassenen Steckbrief gegen die acht Hauptbeschuldigten des Kopp-Punches. Als Botschafter Amerikas in Berlin soll der Bankier Thompson in Betracht kommen.

* Die Regierungsbildung in Preußen. Don­nerstag fand in Gegenwart des Ministerpräsidenten Stegerwald eine Besprechung der vier Mittelpar­teien über dis Frage der Regierungsbildung statt. Ein Abschluß ist auch dabei noch nicht erzielt wor­den, doch ergab sich aus den Verhandlungen eine Uebereinstimmung in den grundlegenden Fragen. Die Verhandlunllen sind im übrigen als streng ocr»