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Fuld aerZ eitun g

Amtlicher Anzeiger für den Kreis und die Stadt Fulda.

Iie Schwierigkeit -er imerpolitischev Eilligmg

erst besetzt werden, wenn die Vereinigen der Ernennung eines Botschafters in Ber!

:en Staaten in

lin oorange-

ten, unzufriedene Elemente in den von Un­garn abgetretenen Gebieten Westungarns in verschie­denen Orten lokale Regierungen ins Leben gerufen haben Diesem abenteuerlichen Unternehmen wird kei­nerlei Bedeutung beigenwffen, und die unga­rische Regierung steht unentwegt auf dem Boden des abgeschlossenen Kompromisses und erhofft von den durch die italienische Regierung im Bermittlungswegv ange­bahnten Verhandlungen eine friedliche So» sung drr westrmgarischen Frage.

Aufhebung des bayer. Ausnahmezustandes.

Die bayerische Regierung wird gemäß ihrer Verabredung mit der Reichsregierung heute eine Verordnung herausgeben, durch die der Ausnahme­zustand in Bayern vom 15. Oktober an aufgehoben wird.

"Der Kampf an der österreichisch- ungarischen Grenze.

Aus Wien liegt folgende Meldung vor:

Die Politische Korrespondenz erhielt folgendes Te­legramm: O b c r w a r t h, 4. Oktober. Das Volk Wrstungarns hat in den durch den Friedensvertrag von Trianon abgetretenen Teilen von Ungarn die U n- abhängigkeit. Selbständigkeit und Neu­tralität des Gebietes proklamiert. Es hat den Oberkommandanten mit der Ausarbeitung eines Derfaisungsentwurfs beauftragt. Auch das Gebiet von E i f e n st a d t und Umgäumg hat sich der Pro­klamation der Unabhängigkeit angeschlossen.

Auf diese Nachricht hin, iröe natürlich in Oesterreich Beunruhigung hervorruft, wird aus Budapest folgen­des abschwächende Dementi verbreitet:

wtb Budapest, 5. Okr. (Tel.) Das ungarische Ka­binett teilt mit, daß laut Nachrichten, iric über die west- ungarisch« Demarkationslinie «ich PuÄopM gelang-

Hus dem besetzten Gebiet.

* Sine pädagogisch-wissenschaftliche Woche in Wies« baden Unter starkem Andrang und in Gegenwart des Kultusministers Dr. Becker wurde hier die pädago- gisch-wissenschaftliche Herbstwoche eröffnet, die erste Veranstaltung des Berliner Zentralinstituts für Er- ziehung und Unterricht im besetzten Gebiet.

Me-erbszinnderltnegsbeschsldigten- prozessc.

Doc dem Reichsgericht beginnen in nächster Woche wieder die f»genannten Kriegsbeschuld-igtenproirsse. Die Verhandlungen erstrecken sich zunächst nur aus Armee falle, nicht auf solche der Marine.

Die Notlage der Kleinrentner und Pensionäre

ist bereits feit längerer Zeit Gegenstand aufmerk - chmster Beobachtungen der maßgebenden Stellen. Der Reichskanzler Dr. Wirth hat erst während ferner letzten Neichstagsrede auf die Notwendigkeit hlngewiesen, den Kleinrentnern und Pensionären in ihrer Notlage zu helfen.

Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat wiederholt im Laufe des Sommers sowohl im Plenum des Reichstages als auch im sozialpoliti­schen Ausschuß eine Aktion zugunsten der notleiden­den Kleinrentner und Pensionäre angeregt und auch zum Teil durchgesetzt. Bei der wachsenden Not aber werden durchgreifende Maßnahmen er» forderlich sein. Die Reichsregierung ist grundsätz­lich bereit, durch entsprechende Bestimmungen ein» zugreifen. Wie wir aus parlamentarischen Krei­sen hören, werden sich die Hilfsmaßnahmen der Reichsregierung nach zwei Richtungen hin bewe­gen. Die eine Maßnahme bezieht sich auf die E r- Höhung der Invaliden- und sonstigen Sozial-Renten, während die andere M a ß- nahmederHilfederKleinrentnsrund ähnlichen Kreisen dienen soll. Dabei soll auch der- jenigen Kleinrentner gedacht werden, denen ein ge- setzl'cher Dersorgungsanspruch an sich nicht zusteht.

Zur Durchführung dieser Maßnahmen wird vom Reich ein Betrag aufgebracht werden müssen, der einige Milliarden beträgt. Auch werden Aenderun- gen bestehender Gesetze sowie die Vorlage neuer Gesetze erforderlich fein, ebenso kommt auch die

deutscher Reich.

* Berlin, 5. Oft. Zum Gesandten des Deutschen Reiches für Bolivien wurde Freiherr von Stengel ernannt. — Wie verlautet, ist der Legationsrat Frhr. v. T h e r m a n n als vorläufiger Geschäftsträger für die deutsche Vertretung in Washington in Aussicht genommen. Erne endgültige Entscheidung darüber ist aber noch nicht getroffen. Der Botschafterposten soll

Frage des Steuernachlasses für Unbe­mittelte und Minderbemittelte in Frage.

Erweiterter Schuh der Kleinrentner beim Rokopfer.

Nach § 15 Nr. 8 des Gesetzes über das Reichs­notopfer find bei einem steuerbaren Vermögen nicht mehr als 150 000 M bei Abgabepflichtigen im Alter von 45 bis 60 Jahren ein Viertel und bei solchen im Alter von über 60 Jahren ein Drittel des steuer­baren Vermögens bis zu 50 000 M abzuziehen, wenn der Abgabepflichtige am 31. Dezember 1919 kein Recht auf Pension oder Hinterbliebenenfür­sorge hat.

Diese Vergünstigung findet nach einer Verord­nung des Reichsministers der Finanzen auch An­wendung, wenn diese Abgabepflichtigen am 31. De­zember 1919 ein Recht auf Pension oder Hinter­bliebenenfürsorge hatten, sofern am Stichtage der Jahresbetrag der Bezüge 1000 nicht überstieg und das steuerbare Vermögen zu mindestens vier Fünfteln aus Kapitalvermögen bestand.

Wie die Berli«r Blätter melden, haben die 2 e- m o t r a 1 e n und das Zentrum ihre Zustimmung äu einem etmaigen (iinttift der Unabhängigen in die Rsnhsregicrung von [cigenben drei BedinMMn ab- hangig gemach:: !) muffen sich die Unadhangigen auf den Boden de: Weimarer Verfassung stellen, 2) müßte etne Einigung übet em gemeinsames Rogierungspro- gramm erzielt werden. 3) müsse die Koalition auch die Deutsche Dolkspartei umfassen.

Die Rationalliberale Korrespon» d e >r z teilt mit, die Deutsche Volkspartei sei für ein Zusammengehen mit den Unabhängigen zwecks Her­stellung einer Negserungsfront von Stresemann bis Breit sch erd nicht zu haben. Eine Möglich­keit, die Verhandlungen durch Hinzuziehung der Un» adhanaigen zu erweitern, bestehe nur, wenn gleich- -E"ig auf die Teilnahme der Deutschen dolkspartei verzichtet werde.

Treue zum Reich!

Wie ioit schon meldeten, kehrte am 1. Oktober das Dorf LoSheim (ehem. Str. Ralmedy), zum deutschen Vaterlande zurück. Die K. V. berichtet darüber: Mit der Miternacht des 30. September zum 1. Oktober hatten die letzten belgischen Beamten den Ort verlassen, gegen Mittag deS 1. sollte die Uebernahmekommisston erschei­nen. Fast jedes Haus legte Flaggenschmuck an, Papier, fähnchen grüßten von Bäumen und Telegraphenstangen, das Lokal Baiter, in dem die Uebernahme erfolgen sollte, war -mit frischem Tannengrün geziert.

Gegen 12 Uhr begann der Festakt, der einen er­greifenden Verlauf nahm. Er wurde einaeleitet durch eine feierliche Werse der Losheimer Dorfkapelle u. durch den herzlichen Willkomm, den Assessor v. Rösgen, ein Loshei­mer Kind, namens der Heimat den Herrn der UebernahmS» kommission entbot. Mit dem Gruß verband der Redner ein tiefempfundenes Dankeswort besonders an den Grenz- kommissar. Er schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf das deutsche Vaterland. In bewegten Worten freudiger Anerkennung dankte Grenzkommiffar Landrat Heimann für den herzlichen Empfang, der die treudeutsche Gesinnung LoSheimS bekundete. Ebenso dankte er all denen, die durch unermüdlichen Eifer die Vorbedingungen geschaffen, die es ermöglichten, daß Losheim als einzige Gemeinde des Kreises Mal- medy zum Vaterlande zurückkehren konnte. AIS Ver. treter der Verwaltungen übernahmen dann Freiherr v. Funk, Landrat Graf Spee und Bürgermerster Heud» richs die Gemeinde LoSheim. Beschlossen wurde die Feier in sinniger Weise durch den Gesang des aus jubelnden Herzen kommenden PreiSliedeS Großer Gott wir loben dich,

Aufrichtige Freude an dem Ereignis des hochbe. deutsamen TageS erglänzte auf den Gesichtern der zahl, reich erschienenen Losheuner; doch ein Gedanke erfüllte uns mit Wehmut, daß wir die einzigen sind, denen ein solch glückliches Geschick zuteil ward.

Preußischer Landtag.

Dir Schließung der Höchster Farbwerke.

Der preußische Landtag setzte am Dienstag die Beratung des Handels, und Gewerbehaus- haltS fort.

Die Aussprache wurde zum größten Teil bestritten durch die drei Linksparteien. Mehrheitssozialdemokraten, Unabhängige und Kommunisten brachten in zum Teil außerordentlich langen Ausführungen Forderungen und Beschwerden der gewerblichen Arbeiter vor. Die Kommu­nisten interpellierten wegen der Schließung der Höchster Farbwerke, der Elektrowerke in Griesheim und der Kunstseidenfabrik in Kelsterbach und verlangen von der Regierung, daß diese die Wiedereröffnung der Betriebe erzwinge und künftige Stilllegungen unmöglich mache. Den Kommunisten sekundierte der unabhängige Redner, der u. a. auch gegen die Verlängerung der Arb eitszeit auftrat.

Der mehrheitssozralistische Redner verbreitete stch rn sehr ausführlicher Weise über das Oppau er Un. ölück und forderte eine genaue Untersuchung. Auch er wandte sich gegen die Schließung von gewerblichen Betrieben.

Außer den drei sozialistischen Rednern sprach noch ein Demokrat, der u. a. nach der Verreichlichung der Ersenbahnen eine entsprechende Beteiligung der preuß. Handels, und Geweibekreisen in den Bezirksräten forderte, sowie eine Reform der Handelsgesetz, g e b u n g als dringend notwendig bezeichnete.

Am Mittwoch werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Kurland.

* Das logische Zrouenwahlrechl. Die Senats­kommission für innere Angelegenheiten hat den Ver­gleichsvorschlag angenommen, der bezügl. des Frauen- stimmrechts vvroclegt worden war. Danach werden die Frauen zur Stimmabgabe bei den im Nooem- der stattfindenden Ersatzwahlen der Provinzräre zu- gelassen.

* Lloyd George über die Arbeitslosigkeit. In einer Rede im Jnverneß erklärt Lloyd George über die heuiige Arbeitslosigkeit, diese sei nicht eine ce- wöhnliche Handelsdeprefsion, sondern sie sei auf die anormalen Verhältnisse und zerrüttenden Folgen des Weltkrieges zurückzuführen. Sie sei ein Weliproblem. Man könne kein Geschäft betreu den. wenn die Schwankungen des Wechselkurse- an.

• Rathenau und Loucheur.

Das Medsausbauabkommen.

Der Wiederausbauminister Dr. Rathenau wird sich heute abend nach Wiesbaden zum Abschluß der Derhwidlimgen mit dem französischen Minister Lou- chrur über das Wfedcraufbcmabkommen begeben.

Im Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten, der in Berlin ragte, ist über das Abkommen eingchend be­raten morden. Ver Reichsjustizminister stellte in län­geren juristischen AusMrunaen fest, daß sich 'Ms Wies­badener Abkommen Raihenau-Louchsur innerhalb des Rahmens des Friedensvertrages Halle. Der Vertreter des Reichssinanzimmsters berich­tete ausführlich über die Aufbringung von einer Mil­liarde Goldmark nach dem Ultimatum. In der Dis­kussion sprachen die Abgeordneten Bernstein, Dr. Spahn, Dr. Stresemann, Dr. Helfftich, Dr. Breit- schstd und Dr. Eothein.

I gangen sind.

* Ium Anschluß Pyrmonls an Preußen. Zu den I durch die Presse gegangenen Mitteilungen, daß Ber- I Handlungen zwischen Vertretern Preußens und Wal- I decks über einen Anschluß Pyrmonts an Preußen statt- I gefunden haben, wird gemeldet, daß die preußische I Regierung glaubte, sich diesem Wunsche nicht oerschlie» I ßen zu sollen, mnso weniger, als auch die Waldecksche I verfassunggebende Landesversammlung durch die Ein­setzung einer offiziellen Anschlußkommission ihre Be­reitwilligkeit zum Ausdruck gebracht hatte, diese Wünsche Pyrmonts auch von Waldttkscher Seite zu fördern. Die Verhandlungen haben — mit infolge des von preußischer Seite in finanzieller Beziehung be­wiesenen Entgegenkommens — verhältnismäßig rasch zur Ausstellung eines Vertragsentwurfes geführt Preußen wird jetzt abwarten, ob diese vorläufige Ab- machung von Waldeck-Pyrmonter Seite endgültige Zustimmung findet.

* Aus dem Wege zur Besserung. Der am Kapp- putsch hervorragend beteiligte Korvettenkapitän Ehr­hardt sandte der „München-Augsburger Abendztg." eine Zuschrift, in der er sich gegen die Behauptung I wendet, daß er einen neuen Putsch plane. Er habe I nach dem mißlungenen Kapp. Putsch kein Bedürfnis, । nochmals an einen solchen unvorbereiteten, planlosen Unternehmen teilzunehmen. Ein solcher Putsch sei von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es sei ein Verbreche na n der Nation, jetzt, wo schwache Aussicht besteht, unsere Wirtschaft vor dem Zu­sammenbruch zu retten, indem durch große Opfer vielleicht die Erfüllung des Ultimatums möglich wird, oder doch durch den Versuch zur Erfüllung Milderungen erzielt werden können, durch einen Gewaltakt störend, ja vernichtend einzugreifen. Er (Ehrhardt) habe seinerzeit aus tieffter Ueberzeu- gung, dem Vaterland zu helfen, den Kapp-Putsch mitgemacht. Er habe daraus seine Lehren ge* zogen. Möge man ihn noch so sehr anfeinden, ver­folgen und verhetzen, nie werde er etwas unter­nehmen oder zu etwas die Hand bieten, was unse­rem Lande, unserem Volke zum Schaden gereichen könnte. Er bringt für sich und seine Freunde eins Amnestie in Vorschlag.

* Eine vernünftige Entschließung. Die Lehrer­schaft der höheren Schulen von Freiburg i. Breis­gau bat folgende Entschließung gefaßt: „Die Lehrer und Lehrerinnen der höheren Schulen Freiburgs stellen sich in ihrer weit überwiegenden Mehrheit entschlossen hinter die Erklärung der badischen Re­gierung vom 3. September 1921. Sie bekennen sich zur deutschen Republik. Sie lehnen jede gewaltsame Aenderung der Verfassung ab. Sie erklären, daß sie gegen jede verfassungs­feindliche Hetze in der Schule entschieden auf­treten werden. Der Beschluß ist lobenswert, denn die Politik und der Streit um die Staatsform ge­hören wirklich nicht in die Schule. Es ist vielmehr eine vornehmliche Aufgabe der Schule, den staats­bürgerlichen Sinn der Schüler, d. t. für diePflicht der Mitarbeit in dem staatsrechtlich bestehenden Staat, zu wecken.

* Darmstadt. Im hessischen Landtag wurde der Direktor des Gießener Realgymnasiums Abg. Bürstadt mit dem Amt des Präsidenten des Landesamts für das Bildungswesen vorläufig be­auftragt. Eine Vorlage über die Errichtung einer Försterschule in Schotten wurde an­genommen.

Oie Regierungsumbildung im Reich und in preutzen

«ar, wie wir bereits mitteilfen, am Montag Gegen­stand von Verhandlungen, die am Vormittag in der Reichskanzlei und am Nachmittag beim preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald stattgefundnl haben. Beide Verhandlungen haben zu einem positiven Ergad- nis noch nicht geführt.

2m Reich werden zunächst noch urdtere Be­sprechungen mit maßgebenden KrÄsen der Landwirt- jchaft stattfinden und die Sozialdemokratie wird ihre Entscheidung erst treffen, wenn das Steuerprogramm Endgültig feststeht. Es ist also wohl nicht damit zu Rechnen, daß die Verhandlungen im Reich vor Ablauf tinrr Woche wieder ausgenommen werden. In Preußen haben die Verhandlungen zunächst nur zu vilker allgemenien Aussprache geführt. Diese Vur- yanülungcn sollen am Donnerstag fortgesetzt werden. Dis beteiligten Parteien werden dann ihre Stelllmg- nahme zu der Frage der Einbeziehung der unatchängi- gen Sozialdemokratie in die Regierung zur Kenntnis ■bringen und ihre Stellungnahme zu dm einzelnen für die Regienmgsbildung ausschlaggnbendm Fragen for­mulieren. Was die Heranziehung der unab- hängigen Sozialdemokratie sowohl im Reich wie in Preußen anlangt, so haben wir bereits darauf hingewiesen, daß die Erweiterung SM' bis­herigen Koalition im Reich und in Preußen nucnach links nicht den Bestrebimgen emspricht, die bisher vorherrschend waren. Dieses Bestreben schließt aber keineswegs jede EmbüziehLmg der Unadhangigen vss Regierungskoalition von ooroicherein aus. Denn der Zw/ck und das Ziel dieser BestreviMgen ist das, die Reichsregierung und die preußische Regierung auf «d« möglichst breite Grundlage zu fteHen. Wenn die Unabhängige Sozialdemokratie bereit ist, am Wieder­aufbau des Reiches und Preußens mitzuwirken und stch auf den Booden der bestehenden Verfassung zu stellen, so würden an sich grundsätzliche Beden­ken gegen die Einbeziehung der Unab­hängigen nicht bestehen.

Da aber das Ziel, die Regierung auf eine breitens Grundlage zu stellen, nicht nur in einer Erweiterung nach links bestehen kann, sondern zugleich auch ihre Erweiterung nach rechts zur Voraussetzung I hat, so wird für die Entscheidung dieser Frage wc- jentlich sein, wie sich die Unabhängige Sooziatdemo- kratie bezw. die Deutsche Volkspartei zu ihr stellen. Das ist Sache der beiden Parteien und wir fühle» nicht den Beruf in uns, ihrer Entscheidung vorzu­greifen. Nebrigens gewinnt es immer mehr den An­schein, daß unsere bereits ausgesprochene Vermutung richtig ist, daß es sich bei der Anftage der Sozial- demokrarie an die Unabhängigen durchaus nicht etwa nur um ein taktisches Manöver Harwell. Es liegen be­stimmte Anzeichen vor, Daß di-e ©031 albemo- kkat i e tatsächlich Wert auf eine Beteiligung der I Unabhängigen bei der Regierungsbildung [egt.

Die zweite wichtige Frage fit die, ob die Regie- I /ungsumdildung im Reich und in Preu- | ßen gleichzeitig erfolgen soll, oder wenn die Verhandlungen im llfeich sich iangn shinzrchen, ob Preußen vorangchen solle. Das ist letzten Ende eine 6rage der Zweckmäßigkeit, über die man sehr wohl | verschiedener Meinung fein kann. Wir wollen uns I in eine Untersuchung darüber nicht einlassen, halten I es aber für angezeigt, auf di- Gegensätzlichkeit der Stellung hinzuweisen, die zwischen der Reichstags» | ftaktion der Sozialdemokratie und ihrer LanÄtags- I fraftion zu dieser Frage besteht. Während irr Prxu- ßen die Sozialdemokratie auf eine rasche Verstan- I öigung hinzuwulen sich bemüht — ein Bemühen, das I an sich durchaus begreiflich ist — sucht die Sozial­demokratie im Reich fortgesetzt Schwierigkeiten zu I mat^en- Es ist daher nicht verwunderlich/werm hier I da der Eindruck auftommen konnte, daß die So- I Staldemokratie wohl ein Interesse daran hat, in Preu- tzen in die Regierung zu kommen, um dann hinterher I ™ /tettfj gegen die Einbeziehung der Deutschen Volks- puUn fortgesetzt Schwierigkeiten zu machen.

„ ®’r wollen uns diesen Eindruck nicht zu eigen I ma^En' ober verstehen können wir das wohl, wenn

„1 andern Parteien auskommen konnte. Wie die T.nge im Augenblick liegen, ist also f ü r d i e n ä ch st e I

ein endgültiges Ergebnis der n!-i-7 S*frten Verhandlungen nicht zu denken. Bei

2 ?tni> die Erwägungen, eine längere SÄU« pwußischen Landtages einrreten zu U'"' tn den Hintergrund getreten. Diese hnr kl ^^scheinlich entscheiden je nach dem Verlauf, den die Verhandlungen am Donnerstag neh- I inen werden. 7 I

5ut Sabinetlsur.’6ilbung.

Der MedenrverLrag mit Amerika.

I ist vom Reichstag ohne wesentliche Aussprache an» I genommen worden. Damit sind die Beziehungen I zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland I wieder geregelt und die letzten Hinderniffe, die bisher einen geordneten wirtschaftlichen Verkehr zwischen beiden Staaten unmöglich machten, aus dem Wege geräumt. Natürlich wird man sich davor hüten müssen, um sich etwa irgendwelchen Vorstellungen darüber hinzugeben, als ob nun alles wieder in bester Ordnung fei.

So liegen die Dinge nicht. Der Friedensver­trag mit den Vereinigten Staaten ist eigentlich nur ein Rahmen, dem der ins einzeln gehende Inhalt fehlt. Dieser wird erst zu schaffen sein durch Ver« I Handlungen, die die Vertreter der beiderseitigen ! Regierungen zu führen haben werden. Vor allem ist es die Frage der Freigabe des deutschen Eigentums, die durch den Friedensvertrag nicht restlos gelöst ist. Dessen ungeachtet kommt dem Friedensvertrag mit den Vereinigten Staaten aber beträchtliche Bedeutung zu. Mit Recht weist der Abg. Stresemann in einem Aufsatz in der „Deutschen Allgemeinen Zeittrng" darauf hin, daß die Bereinig­ten Staaten durch diesen Friedensvertrag mit allen Gedanken, deren Träger der frühere Präsident Wilson war, gebrochen hat. Das kommt besonders dadurch zum Ausdruck, daß in dem Friedensvertrag alle jenen Bestrebungen Wilsons abgelehnt werden, die auf die Errichtung des Völkerbundes abzielen.

Die Widerstände, die in den Vereinigten Staaten selbst gegen diesen Friedensvertrag bestehen, sind nicht gering und es wird abzuwarten sein, ob der amerikanische Kongreß ihn ebenfalls, wie es der Reichstag getan hat, seine Zustimmung geben wird.

Soweit wir unterrichtet sind, wird man wohl damit rechnen dürfen, daß er un amerikairischen Kongreß eine Mehrheit, wenn auch nicht eine allzu große, finden wird. Erft wenn das geschehen ist, wird die Bahn freigemacht für eine Verständi­gung zwischen den beiden Ländern, die dann wohl hoffentlich auch zu einer vollen Wiederaufnahme und Festigung der bisherigen Beziehungen zwischen beiden Ländern führen wird.

Was die Frage der Freigabe des deutschen Eigentums tu den Bereinigten Staaten anfangt, so ist diese Frage für Deutschland von umso größerer Bedeutung, als es sich dabei um so gewaltige Werte handelt, die nach dem heutigen Geldwert an 50 Millionen ausmachen. Wir haben bereits bemerkt, daß diese Frage in dem Friedensvertrag selbst nicht geregelt tst, auch in dieser Beziehung wird man die Stellung­nahme des amerikanischen Kongresses abwarten müssen. Indessen besteht doch Hoffnung darauf, daß die Vereinigten Staaten in dieser Beziehung bereit jein werden, die Eigentumsrechte zu respektieren.

Nr. 229.

Verantwortlich tür den reüauionellen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. n

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48. Zahrg.