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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Aulda.

Nr. 228.

Verantwortlich -ür ben reauaioneHen Teil: Dr. I. Kramer, - für die Anzeigen: I. Parzeller-Fulda. n Rotationsdruck u. Berlag der Fuldaer Actiendrnckerei in Fulda. Fernfprecher Nr. 8. Tclegr.-Adresse: FuldaerZeitung.

Dienstag, 4 Oktober 1921.

Bezugspreis: Monatlich 5.00 2KL zugestellt frei ins Haus- n Abgeholt in der Gefchäftsstclle 4,60 2RL - Anzeigen: Colonelzeile 70 pfg.; für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Tertbreite' 2.50 TM.

48. Zahrg.

Zrankreich und Deutschland

Der Tiger latzt sich wie-er hören.

Der achtzigjährige Clemenceau, her von fti= -ren französischen Llmdslmten den Beinamen das Ti­gers erhalten Hot, ist nach einer zweijährigen Erho­lungsreise in die politische Arena zurückgäehrt. Man hat ihm noch bei feinen Lebzeiten ein Dcntmat errich­tet, und er hielt es, wie wir schon kurz berichteten, für geschmackvoll, höchstselbst die Eimveihmwsr»de zu halten

Bei dem unverwüstlichen Naturell diesesVaters des Sieges" wurde das selbstverständlich eine H e tz- und Kampfrede. Er hetzt gegen Deutschland, das nach seiner Behauptung immer noch von der Weltherrschaft seiner Rasse träumt, und er blies zum Kampfe gegen die Regierung Briand, weil diese nach seiner Ansicht dem verbo-cherischen ÄTustchlarL Ke Halste seiner Verpflichtungen aus dem FriedeiHSver- ttag nachgelassen und überhaupt die stanzösische Sie­gesherrlichkeit sich von den Verdüirdcten hat entreißen lassen.

Wir Deutsche schütteln mit dem Kopf, wenn wir hören müssen, daß DeutschlarÄ von der Pariser Re­gierung zu z a r t behandelt wird. Aber der grimmige Rus des Tigers muß doch ernstlich beachtet werden, denn er macht uns von neuem klar, daß es in Frank­reich mächtig,- Leute gibt, die uns noch Schlim­meres bescheren möDen, als wir bisher schon zu erdulden hatten.

Es genügt nicht zur Beruhigung, wenir man au das sehr hohe Alter Clemenceaus himveist. Wenn er auch kein langes Leben mehr vor sich hat, so kann er doch noch viel Verwirrung anrichten zmn Schoden für uns und für den Weltfrieden überhaupt. Es hat auch keinen durchschlagenden Wert, wenn man uns aus der stanzösische» Presie Auslassungen oorsührt, die Clemenceau und seine Rede tetis zurückhaltend, teils kritisch besprechen. Die wahre Bedeutung der Rede liegt in dem Einfluß auf die öffentliche Mei­nung, auf die Volks st immung in Frankreich, und auf diese demagogische Wirkung war die ganze Veranstaltung berechnet.

Clemenceau ruft mit feiner Stentorstimme in dem französischen Volk Mei Leidenschaften wieder wach, die allmählich sich etwas zu dämpfen schienen: die Begehrlichkeit und die Herrschsucht.

Der Boche bezahlt alles". Das volkstümliche Sätzchen wird fetzt aufs neue in Umlauf kommen, denn derSieger" hat ja gesagt, daß Deutschland alles Listen muß und alles leisten kann, was ihm der gerechte" Vertrag von Versailles ausbürdel. Was kümmert den französischen Spießwger die Tatsache, daß Deutschland schon unter den bisherigen Leistungen zusammenzubrechen drohte? Clemenceau, der Vater des Versailler Vertrages, muß es ja wissen, daß Deutschland noch doppelt so viel zahlen kann.

Neben der Habsucht wird der Größenwahn ausgestachelt. Wer hat gesiegt? Nicht England durch seine Blockade: nicht Amerika durch sein erdrückendes Kriegsmaterial, sondern dasheldenhafte Frankreich", bas demgemäß die Vorherrschaft in der Welt bean- spmchen darf. Wer bÄwoht die volle Abnutzung desfranzösischen" Sieges? Abgesehen von der Eistr- sucht gewisser Verbündeter ist und bleibt Deutschland der böswillige und gefährliche Feind Frankreichs. Darum ruft Clemenceau auf zu schärfster Wachsam, keit und Abwehr der .Deutschen Gefahr" und fördert damit die Gewalt Politik, die sich nicht mit der Aus­saugung Deutschlands begnügen will, sondern auf des­sen wirtschaftliche und polttische Vernichtung hin­arbeitet. Das findet nur zu viel Anklang bei den Durchschnillsstanzosen. in deren Köpfen der Grö­ßenwahn blüht, während in den Herzen die F u r cht vor den 60 Millionen Deutschen sich regt.

Das Auftreten Clemenceaus wird leider die Be- ftrtinmgcn wieder erschweren, die zum Ausgleich und urr Annäherung der Völker im Gang,- waren. Welche Nutzanwendungen ergeben sich daraus für uns?

Zunächst die, daß bei den bedenklichen Berhält- niffen in Frankreich auf absehbare Zeit deine Rede sein kann von der sog. Kontinentalpolitik, die Deutsch­land an das unberechenbare Frankreich schmieden wöchte. W:r müßen vor allem England uns warm halten als Gegengewicht gegen die französischen Üri- denschaften.

Zwestens müssen wir olles vermeiden, was ine Manzofen noch weiter aufreizen könnte. Also keine

Demonstrationen, ferne Katastrophenpolitik!

Dritrens aber, und das ist gerade jetzt die Forde- 2?lt müssen uns einigen, wir muffen I alle Kraft, jammern, wir müssen endlich eine feste jhegterun 0 auf breiter Grundlage schos­sen, die allen Gefahren standhallen kaim.

«ollst die Stimme .des Tigers nicht auch gehört werden in d.r Amtsstube und in den Franktionszim- mern, wo letzt über die Koalition verhandelt wird? Ist da polnischer Eigensinn und Eigennutz noch zu- I

Vie Regierungsumbildung im Reich war Gegenstand der Bcsprechung, die am Montao mittag beim Reichskanzler Dr. Wirth stattsand ' Da­mit sind die Verhandlungen um die Erw'ite- rung der Koalition im Reich wieder aufgenom­men. Gegenstand der Besprechung waren u. a. mich die Forderungen der Unabhängigen Soziallemokratte, die diese in Beantwortung der an sie gerichteten Frage wegen ihrer Beteiligung an der Regierungsbildung im Reich an die Sozialdemokratie "endetet hat. $tan wird setzt zunächst an die unabhängige Sozialdemokratie 'i« Frage richten, ob sie bcrri1 ist, sich an einer Re­

gierungsbildung unter Einschluß der deut­schen Volkspürtei zu beteiligen.

Die Verhandlungen wogen der Regierungsumbii- dung m Preußen wurden am Montag nachmittag in einer interstakttoneilcn Besprechung wieder ausge­nommen. Diese Verhandlungen haben zu einem ab­schließende» Ergebnis noch nicht grfichrt. Alle Zei- tungsmiridungen, die bereits Einzelheiten über die Re­gierungsumbildung in Preußen zu melden wissen, eilen .turn mindesten den Tatsachen voraus und ent­haltet, überdies zum Teil völlig irrige Behauptun^n, zun'.al über "sie Grundlage der Verftändtgtmg noch nichts endgültiges ststfteht. N«h wie vor besteht aber in parlamentarischen Kreisen der Wmfich, daß die RegierunHsumblldung in Preußen wenn irgend möglich gleichzeitig mit der im Reich erfolgt.

Wie wir weiter hören, rechnet man in parlamen­tarischen Kreisen des preußischen Landtages damit, daß dieser nach Abschluß der cm Montag be­gonnenen Beratung des Handels- und Grwrrbchaus- hasts. der für etwa Mitte dieser Woche zu erwarten ist, sich auf etwa 4 M ochen vertagen wird.

Die neueflen Mitteilungen

über den Stand der A.rhairdftmgen besagen: Bezüglich des Reichskabinetts ist noch kein positives Ergebnis erzielt. Die Aussprache buchte sich vor allem um die Meimmgsdiflenmz, die in der Auffassung über das Steuerproblem bsstcht. Im Zus«nunen- haug damst nahm einen breiten Raum der Erörte­rung das Angebot bet Industrie, der Bmrkrvelt und drr Landwirtschaft zur Beschaffung von Devisen 'für die Reparation ein. Es wurde bkWossen, daß Reichs- kanzssr Dr. Wirth nach Mckkehr der leitenden Per­sönlichkeiten des Reichsverbandes der Rutschen In­dustrie von der Münchener Tagung mit den Vertre­tern der Industrie, der Barckwrlt und ter Landwirt­schaft in Verhandkn^en über ihr Angebot eintritt. Darauf wurde die Aufforderung der M.-hrheitssosta- tiften und der Unatchängigen zmn Eintritt in die Re­gierung und deren Antwort besprochen. Eine grund­sätzliche Ablehnung der Mitarbeit der Un- -abhängigen wurde weder von den Demokraten noch vom Zentrum ausgesprochen. Die Verhandlun­gen Wer die Regierungsumbildung wurden darauf auf. Mitts nächster Woche vertagt.

Die Besprechung beim Ministerpräsidenten S t e» gerwald über die Regierungsneubillmng in Prsü­ße n hat gleichfalls kein positives Ergebnis gehabt. Es wurde beschossen, daß jede Fraktion ihre Grundsätze für weitere Verhandlungen und ihre Forderungen an die künftige Regiemngspoistik schriftlich formu­lieren soll. Daraus soll dann darüber in einer neuen Besprechung der Fraktionssührer tnrt dem Minister­präsidenten Skegerwold, die am nächsten Donnerstag stattfinden soll, Beraten werden.

Reichsminister Hermes.

Die Zentrumsparlamentskorresponden; erklärt zu der Blättermeldung, nach der dem Reichsminifter Tr. Hermes der neu zu besetzende Washingtoner Botschafterposten angeboten sei, daß die Zentrums- frafften um ihre Meinung bezüglich deS Botschafter- Postens in Washington garnicht gefragt lvorden sei. Auch mit der Sozialdemokratie hätten keinerlei Ver­handlungen stattgefunden. Nach Auffassung des Zentrums habe die Besetzung deS Botschafterpostens ganz unabhängig von der Umbildung der Reichsregierung nach freien sachlichen Gesichtspunk, ten zu erfolgen. Weiter erklärt die Korrespondenz, daß man im Zentrum einen Wechsel in der Leitung des Retchsminifteriums für Ernährung und Land­wirtschaft außerordenklich bedauern würde.

Die Entscheidung über Gberschlefien.

einer Meldung derHavasagentur" aus wenf bestätig: es sich, daß der Dölkerbunds- r a t in der Lage fein werde, fein Gutachten über die oberfchlesische Frage na ch st en Sams- i° 9 ob er Sonntag bekannt zu geben. Der Temps" fügt dieser Meldung hinzu, der Völker­bundsrat werde mit anderen Worten an einem die­ser Tage des Obersten Rat der Alliierten die Lö­sung mitteilen, die er für die Teilung Oberschlesiens anempfehle. In London ist dagegen die Meldung eingegangen, der Rat des Völkerbundes habe be- fchloffen, die endgültige Entscheidung des Rates in der oberschlesischen Frage am 11. November bekannt zu geben.

Deutsche Creue!

Im Verlaufe der Festlegung der neuen deutsch- belgischen Grenze wurde das zum Kreise Mal- medh gehörige Torf L o s h e i rn entsprechend dem einstimmigen Wunsche seiner Bevölkerung durch Beschluß der Grenzkommission Deutschland wieder zugesprochen. Die Uebernabme des Dorfes in deutsche Verwaltung fand am 1. Oktober in Gegenwart des deutschen Grenzkommissars und eines Vertreters des Regierungspräsidenten von Aachen statt. Die Uebernabme war von ergrei- senden Kundgebungen der Einwohner begleitet. Sämtliche Bewohner des Dorfes, das reichen Flaggen­schmuck angelegt batte, waren von früher Morgenstunde ab in festlicher Stimmung zusammengekommen und als die Uebernahme ausgesprochen wurde, fand der Jubel fast keine Grenzen mehr. Alle Ln- lprachen, die bei dieser Gelegenheit gehalten wurden, ließen deutlich die tiefe Bewegung der Bewohner über die Befreiung von der Fremdherrschaft und die ! Wiedervereinigung mit dem deutschen I Vaterlandc erkennen. *

Hns -er Zenttumspatter.

f. Bayerische Balkspattel und Zentrum. Der Kreis- oerbsnd Mittelfranken bsr bayerischen Volkspartei nahm einftänmig ehre Ewschließmig an, in der die Wie­derherstellung der früheren ArbertsgemMrschast zwischen der bäuerischen SBoHsportei und dem Renhszentrum ver­langt wird.

i. Cine VolksavsMche der Enzyklika recnm rtooorntn. Wir weifen für die Winterarboit der Ottsgruppen unser« Partei besonders auf die Durcharbeitung der En- ZyklstaSerum nooarum" hin. Eine sehr billige Ausgabe lxrt dir Mendener Ortsgruppe herausgegeben und im Ber­lage von Heinrich Sempfer, Menden, Kreis Iserlohn, er- schemen farffot.

cpc. DasZentrum". Von Zeit zu Zeit machten wir bereits unsere Leser auf die vom Reichs general- sekretariat der dent'schen Z e n t ru m s pa r t e i, Berlin W. 8, Französische Straße 62 II, hervusgegebene ui© vorzüglich geleitete Halbmonatsschrift für politische Bildung, dasZentnnn", aufmerksam. Dor uns liegt Nr. 10 desZentrum" vom 1. Oktober 1921. Dich diese Nummer reiht sich würdig an die vorigen an. Eine Na- roetreibe ouserlrftner Ateoren und Themen aas allen Gebieten des politischen Lebens der Gegenwart zeigt die Inhaltsangabe auf dem Titelblatt. Der Leitarttee! bäbet eine R echtfertigungsschrist. Versaßt von OberpräfStent Geh. Justizrat Bitte, trägt er m klarer Sprache über die Arbeit des Zentrums für Oberschlesten umfassendes Tatfach enmaterial. Eine Frage, die alle pslitrschsn Kreise der Gegenwatt bewegt, findet ihre Würdigung in einem Artikel von Dr. Schwerin, Köln, M. d. L.:Dar Kampf tuns Mütttmeer".' Stubiemut Dr. Heibges, Lippstadt, schreibt überAkademische Jugend und monarchischer Ge­danke", ein Aufsatz, der in studeiMschen Kreise« gewiß große Beachtung finden wird. Zur Fmge der Windt- horstbundo aus dem Londe äußert sich Parteisekretär Jos. ZrmmeMnonn-Beutt. Eine wertrolle Ergänzung buirmt Dr. Herschel, M. d. R. zu seinem Artikel ?if voriger Num­mer:Stödtffche Mittelstandshikse", unter dem gleichen Titel. Auch der weitere Inhalt ist sehr fesselnd.

Preußischer Landtag.

Handels- und Gewerbefragen.

Ter preußische Landtag begann am Montag die -weite Beratung des Handels, und Gewerbe­haushalts.

Während int Sitzungssaal« der Mehrheitssozial, demokratische Abg. Hanna in mehrstündiger Rede eine ganze Fülle von Forderungen und Beschwerden vortrug, fanden beim Ministerpräsidenten Etegerwald Berhand. lungen über die Regierungsumbildung in Preußen statt, deren Aussichten von den Abgeordneten außerhalb des SltzungssaaleS lebhaft erörtert wurden. Die Mei­nungen gingen in dieser Hinsicht auseinander, auf der einen Seite war man zuversichtlich, auf der anderen dagegen sah man Schwierigkeiten, die sich aber doch beheben lassen würden.

Der Hauptausschuß deS Landtages beantragt für die preußischen Mellen in BreSlau, Köln, Frank, furt a. M. und Königsberg Unterstützung von je 2ls Millionen Mark zu bewilligen. Ferner wurden Zuschüffe vorgesehen für di-Neueinrichtung von HauShallungsschulen und Hauswirtschaft, ltcheu Berufsschulen. Weitere Anträge deS AuS- fchuffes verlangen eine allgemeine Revision des Gesetzes bett, die Erwerbs, und WirtschaftSgenoffenschast, sowie schleunige Neuwahlen zu den Handwerks- kammern. Ferner die Anstellung von Frauen als planmäßige Beamtinnen, insbesondere als Gewerberäte beim Ministerium, Ein weiterer Antrag deS Aus- schuffeS fordert Berücksichtigung deS preußischen Hand- Werks bei der Vergebung von Arbeiten und Lieferungen für den Wiederaufbau in Nordfrankreich und Belgien.

Vom Zentrum sprach der Abg. Dr. hsrster, der einleitend bte Aufhebung der wirtschaftlichen Sanktionen am Rhein als einen Erfolg des Reichskanzlers Dr. Wirth begrüßt. Er wandte sich dann den einzelnen Wünschen und Beschwerden deS Handels und Gewerbes zu, die er in überaus geschickter und nachdrücklicher Weis« zu ver­treten wußte. Im besonderen begründet et einen An­trag deS Zentrums, auf die Reichsregierung einzu- wirken, in den besetzten Gebieten ein beschleunigtes abgekürztes Abschätzungsvelfahren der Kriegs- und atzungsschaden gU veranlassen, zweitens für be- schleunigte Regulierung der festgesetzten Schäden Sorge zu tragen, in erhöhtem Maße durch Vorschußzahlungen die Not der Geschädigten zu mindern.

Am Dienstag werden die Verhandlungen fortgesetzt.

Preußische Zentrumssraktion unö psarrbesoldung.

Don parlamentarischer Seite wird der Kalhoi. Korrespondenz aeschriebm:

Durch die katholische Presse ging vor kurzem ein Artikel der mit Recht darüber Klage führt, daß die Herrn Pfarrer noch nicht in den Genuß der nach dem Gefetz vom 17. Dez. 1920 ihnen zustehenden Bezüge für das Jahr 1920 gekommen find. Wir dürfen hinzu- fügen, daß viele Herren bereits alle Hoffnung aufge­geben haben und einer aussichtslofen Zukunft entgegen sehen. Diese Hoffnungslosigkeit ist unberechtigt: was dos Zentrum in zähem Kampfe endlich erreicht hat die gehaltliche Gleichstellung des katholischen Pfarrers mit den Beamten gleicher Vorbildung, dos wird es auch, soweit staatliche Mitwirkung erforderlich ist, zur Ausführung bringen. Insofern wird es auch die Hoffnung, die in jenem Artikel ausgesprochen ist die Herren Abgeordneten möchtendie Staatsmafchine- rie wegen die,es auffälligen Versagens auf Defekte untersuchen" nicht rnltäuschen. Sollte, was wir von dem offenbar nicht ganz uneingeweihten Verfasser nicht annehmen können, tatsächlich ober so aufgefaßt word-n ist ein Dorwurf für uns ausgesprochen werden, so müssen wir solchen cis durchaus unberechtigt mit oller Entschiedenheit zurückweisen. Wir hoben bereits im Juli 1920 uns dafür eingesetzt, daß von der «Staats. regi-rung Vorschüsse zur Verfügung der bischöflichen Behörden bereit gestellt wurden aus denen ein großer Teil des Grundgehaltes gezahlt werden konnte: nach An- nähme des Gesetzes vom 17. Dezember 1920 wurden weitere Mittel zur Anweisung flüssig gemocht. Bei der Erhöhung der Notzulage im vorigen Monat haben wir feftfteffen lassen daß dieselben im Falle der Leisnnegs- unfähigkeit der Gemeinden ebenfalls aus Stoatsrnkteeln foUten bezahlt werden.

Nachdem so von unserer Seite alles geschehen war, was auf dem parlamentarischen Wege mögii.-h mar, dursten m- nertrauer.sv-»u bi, weiter« v-estübr- d«-'

Gesetzes dem Zusammenarbeiten derStaatsregierung mit den bischöflichen Behörden überlassen um so mehr als die letzteren durch den Herrn Kardinal von Breslau mit mehreren im Besoldungsausschuß tätigen Abgeordneten Fühlung hatten, und bereits im Juni eine Nachricht durch die Presse gegangen war, daß eine für alle preu. ßflchen Diözesen oleichloutends Beioldimgsordnung von den bischöflichen Behörden geschlossen sei, die nur noch der staatlichen Bestätigung bedürfe, damit auch die Orts- und Teuerungszuschläge ousgezohlt werden könnten. Durch Befragen hoben mir festgestellt, daß der Herr Kardinal von Breslau im Namen der preußischen Bi­schöfe die am 14. Juni beschlossene Besoldunqsordnung am 18. Juni dem Kultusministerium zur Bestätigung eingereicht hat. Von diesem wurde sie dem mitzuständi- <ten Finanzministerium alsbald überschickt. An d i e se r Stelle der Staatsmaschinerie haben wir leider einen etwas schleppenden Gang feststellen müssen, der in her Benrteifuna der zuständigen Beamten (Germania", Nr, 568 15. Sept, 1920) nicht restlos Erklärung findet.^ Nun, do mir die kranke Stelle entdeckt haben, werden mir ihr in Zukunft etwas mehr unser» Aufmerksamkeit schenken. Nachdem vor kurzem die Bestatiaung der Be- soldungsreform erfolgt war, hotten wir nicht notwendig, noch fördernd einzugreifen. Die Mitteilung der Bestüti- mrng ist bereits in den Händen der Herren Bischöfe. Bon diesen können die staatlichen Vorschüsse sofort angefor­dert werden Damit dies mit reckitsverbindlicher Kraft für die ollfalls leistungsfähigen Gemeinden geschehen kann, bedarf es noch einer kleinen gesetzlichen Verord­nung, deren Crlediguna durch den Landtag keine Schwie­rigkeiten bereiten wird, jedenfalls die alsbaldige Aus» zahlung der Orts- und Ausgleichszuschläge nicht zu ver­zögern braucht. Die Auszohluna selbst erfolgt noch den Anweisungen der bischöflichen Behörden durch die Re-, gierungshauptkossen oder von durch diese beauftragte staatliche Kassen unmittelbar an die Empsangsberechtig- ten. Di» kirchliche Besoldungsordnunq wird wohl bald in den Diözesanverordnungshlättern erscheinen.

Die R u h e g e h a l t z o r d n u ng ist gleichfalls neu bearbeitet und den zuständiaen Ministerien unterbreitet. Wir stellten fest, daß das Kullusministerium feine Ge­nehmigung bereits erteilt hat. Dos Finanzministerium läßt hoffentlich nicht wiederum fast drei Monate auf sich warten.

Deutscher Reich.

* Berlin, 4. Oft. Auf GrmiÄ dss ReichstLFS- befchlusfes mm 29. September wurde ein parla­mentarischer UntvrsuchungsauÄfchuißi für die Oppouer Unglücksstätte ge&USeL Vorsitzender des Ausschusses ist der Abg. Schwar­zer (Bay. Vpt.). Das RerchskabinÄt beriet gestern über das Wieberaufbauabkommen unL» sprach sich nach einem Vortrag des Ministers Dr. R a t h c n a u für die Ratifizierung des Abkommens aus.

* Beisetzung des früheren Königs von Württem­berg. Aus Bebenhausen wird gemeldet, daß die Beisetzung des früheren Königs von Württemberg am Freitag vormittag 11 Uhr auf dem allen Fried­hof in Ludwigsburg an der Seite seiner ersten Ge­mahlin stattfindet. Alle Zeitungen, mit Ausnahme der kommunistischen Blätter, widmen dem Heimge­gangenen herzliche Nachrufe. Auch die jetzige Re­gierung sandte der Königin-Witwe ein überaus herzllches Beileidtelegramm.

* Der Neubau von Wohnungen. Der Reichstags« ausschuß für Wohnungswesen nahm folgenden An, trag cm: Es fit anzustrÄen, daß in den Jahren 1922 bis 1923 mindestens je 200 000 Wohnungen erbaut werden. Zur Deckung der unrentierbmen Saufioften sind 1922 und 1923 von ben Ländern und Gemein­den je 6 Milliarden Mark zur Verfügung zu stellen. Zu Metern Zweck ist das WvbnunFsabFabe- gesetz mm 26. Juni 1920 weiter auszubauen. Sollte es nicht möglich sein, für das gesamte Reich die Bau­kosten eines Jahres unmittelbar durch eine Echöhung der Wcchmmgsabgabe au^ubringen, so ist es ben Län­dern zu überlassen, ob die neuen Einnahmen immtttel- bar zuzuschießen sind ober zur Verzinfting und Til­gung der notwendigen Beträge Verwentmng findet» sollen. _

Kurland.

* Verwirrung in Deutsch-Oesterreich. Deuisch» Oesterreich macht gegenwärtig überaus schwere Stunden durch. Alle Hoffnungen, welche das gegenwärttge Kabinett auf die Entente-Hilfe in po­litischer, wie vorab in wirfichaftlicher Hinsicht ge­gründet hatte, können als gescheitert betrachtet wer­den- Die Regierung Schober selbst ist dadurch in die schwerste Bedrängnis geraten. Wie ernst die Lage ist, mag folgender Alarm-Ruf dartun, der von dem Führer des Tiroler Selbstschutz-Berban* des, Dr. Steidle, ausgeht. Es heißt da:

Wir wissen nicht, wie sich die Dinge weiter gestalte» werben. Eines aber ist sicher: Tirol muß die Ordnungs­zelle bleiben, komme, was da wolle. Die Tiroler Landes, regienmg hat die Pflicht, dott, wo der Staat gegen di, Lebensinteressen des Landes handelt, aufzutreten. Kommt es zu em sm Konflikt mit Wien, fo steht das Recht auf unserer Seite. Bon Dien aus ist die Vakka-nisterung Oesterreichs erfolgt imd m den letzten Tagen haben ge­wissenlose Volksausbeuter und kondfremde Wucherer am Daiutemarkt eine Hausse heworgerufen und dein Staat den Todesstoß versetzt. Findet die Wiener Regierung nicht die Energie, diesen Augiasstall mit eisernem Des« zu säubern, sind wir geschiedene Leute."

Die politisch-parlamentarische Lage in Wien wird immer trostloser. Man hat den Eindruck, als verließen die Ratten das sinkende Schiff! Die So­zialdemokraten haben dieser Tage dem Kabinett in dem sie gegenwärtig nicht vertreten sind, ein Finanz Programm in Vorschlag gebracht, das den Versuch macht, die Finanzwirtschaft Deutsch- Oesterreichs aus eigenen Kräften in Ordnung M bringen. Ob es aber dazu nicht sch« zu spät ist, ist sehr die Frage. Der pollttsche *^ett der letzten Tage ist in einer Abwendung maßgebenden Kreise von der sogenannten westlichen Orientierung zu erblicken. «dr.*

* Räumung des Burgenlandes. Die ungarisch« Regier: ma bat der Botschafterkonferenz offiziell zur