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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadl Aulda.

Nr. 227.

Verarm»orttich für Den ceüauionellen Teil: Dr. I. Kramer, 7. rtit di« Anzeigen: I. Parz,ller»FrÄa. u Rotationsdruck u. Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernsprecher 'J?r. 9. Telegr.-Adreff«: Fu ldaer Zeitu ng.

Montag, 3» Oktober 1921.

Bezugspreis: Monatlich 3,59 2TIL ohne Bestellgeld. Post- u bezug 4,10 2Rf. Abgrholt 3,75 ZUt. "

Anzeigen: tz olonelzeile 70 Pfg., für mehrspaltige Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (Tertbreitei 2.59 Alk.

48. Zahrge

Der Lentrumssührer zur Lage.

Adg. Marx gegen die haßpolitik.

Am Samstag ist die große politische Debatte im Reichstag fortgefü^rt und beendet worden. Der Reichstag hat sich wieder vertagt. Als erster Redner am SamStag hat Abgeordneter Marx» der jetzt als Nachfolger Trimborns an die Spitze des Zentrums gestellt worden ist, getragen voni Ver­trauen jedes Zentrumsanhängers im deutschen Lande, dos Wort ergriffen. Seine Ausführungen muffen wie eine Befreiung wirken. Endlich einmal wurde das ausgesprochen, was sich jedem Deutschen auf die Lippen drängte angesichts der unfruchtbaren Zänkereien, die von den rechtsradikalen Elementen, deren Aufgeblasenheit und Einbildung keine Grenzen kennt, immer wieder Hervorgernfen wurden. Jetzt aber fachliche Arbeit! lieber Deutschland breiten sich riesig wachsende Nöte! Ist da Zeit übrig für Katz­balgereien? Auch die Geduld des Zentrums ha: ein Ende. Zentrumsmänner haben sich immer wieder zur Verfügung gestellt, um Deutschland vor der schwersten, vor der letzten Katastrophe, vor dem Bürgerkrieg und dem Chaos zu retten.. Sie haben es getan, oblvohl ans den Reihen derer, die in erster Linie Nutzniesser der aufrechierhaltenen Ordnung sind, nichts kommt wie Spott, Hohn, Ver­leumdung, Drohung und sogar feiger Meuchelmord. Vor allem auch tückisches Ränkespiel in, der Poli­tischen Werkstatt und in der Presse. , Die Geduld des Zentrums ist groß, aber sie ist nicht unendlich «roß/

Gut, daß das einmal unzweideutig gesagt worden ist. Jetzt können sich die Leute, die tm November 1918'in die Mauselöcher gekrochen" waren, den Fall überlegen.

Ein geradezu jubelnder Beifäll ist der Marx'jchcn Rede zu Teil geworden. In das immer wiederholte laute Bravorufen der Zentrumsanbänger mischten sich and) starke Beifallskundaebungen der übrigen Parteien. Nur die äußerste Rechte verhält sich un­persöhnlich. Der erste, der den Abgeordneten Marx beglückwünscht, ist der Führer der Bayerischen Volks­partei, Abgeordneter Leicht. Wir möchten wünschen, daß die Marx'sche Rede im vollen Wortlaut in die Hände aller Zentrumsanhänger im Lande käme!

Sitzungsbericht.

Eine Interpellation der Deutschnationalen übet den Stand der deutschen Valuta wird von der Regierung innerhalb der geschäftSordnungs- mäßigen Frist beantwortet werden. Die abgebrochene Aussprache über die innere Politik wird fortgesetzt. Mit den Interpellationen und Anträgen wird noch verbunden em von den Kommunisten einge­brachter Gesetzentwurf eines Amnostiegesetzes.

Abg. Marx (Zentr.s: Der Gang der gestrigen Ver­handlungen hat mich geradezu erschreckt. Wir Deutsche ringen um unsere Existenz. Wir Witzen mcht, tote lange unsere wirtschaftliche Not dauern wird und ob wir den Gefahren Herr werden. Und in solcher Situation haben wir hier Zeit, uns die Köpfe heiß zu machen durch gegenseittge Beschuldigungen und Ver­dächtigungen. (Lebhafte Zustimmung.) Wir sollten uns nicht mit Wünschen, sondern mit den gegebenen Tatsachen abftnden. Nach langen, mühseligen und opferbereiten Kämpfen in Weimar haben wir eine Ver­fassung mit großer Mehrheit angenommen. An dieser Verfassung muffen wir festhalten, wenn wir Ruhe und Ordnung im Innern bekommen sollen. Wir vom Zentrum haben mit aller Entschiedenheit daran festgebalten und lehnen zurzeit jedeAenderung ab. Natürlich sind Verfassungen nicht für die Ewig­keit gegründet, aber es mutz eine Zeit der Ruhe sein und in absehbarer Zeit ist gar nicht an eine Aenderung der Lerfaffung zu denken (Lebhafte Zustimmung.) Wir werden namentlich allen Versuchen auf eine gewalt­same Aenderung der Verfassung entgegen­arbeiten und wir widersetzen uns diesen Versuchen mit aller Entschiedenheit und mit derselben Kraft, ob nun diese Versuche von rechts oder links kommen Von beiden Seiten sind sie gleich antinational. (Sehr richtig.) Die Herren von der deutschnationalen Partei nehmen flir fick da? Nationale tn Anspruch und wollen als Hüter der Staatsordnung an,eschen werden. Rehmen Sie' (nach rechts) es mir nicht übel, tote mögen guten Willen? sein, aber einen Fehler haben die Herren, sie haben keinen Srnn für die realen S)tn p c, für die einmal gewordene Entwicklung der Tatsachen. Niemand verlangt eine Gesinnungsänderung, aber das mutz die Republik verlangen, daß man ihre Verfassung anerkennt und hoch hält. _J)a» ist e t u e einfache Notwendigkeit für den «taat. (Beisall.)

Es ist nicht richtig, was Herr Hergt sagte, daß durch die Verordnung von der Teutschnationalen Partei verlangt werde, die Gesinnung zu ändern. Das würde direkt der Verfassung widersprechen, eine GefinnungS- änderung wird keineswegs durch die Verordung er- zwangen. Aber wie verträgt es sich mit nationaler Gesinnung, wenn in den Ihnen nahestehenden Zeitungen bis in die neuste Zeit gegen die Träger der öffentlichen Regierungsgewalt, die auf durchaus versag nngSmähigern Wege tn thre Aemtet gekommen sind, Sturm gelaufen wird, bald mit Lohn, bald mit Spott, bald mit Ver­leumdungen und Verdächtigungen aller Art. Sie vergiften das Volksbewußtsein. (Lebhafte Zustimmung.) Wer das Recht eines deutschen Bürgers in Anspruch nehmen will, hat für den Fortbestand des neuen Staates zu sorgen und darf ibn nicht absichtlich herabsetzen und unterminieren. (Lebhafter Beifall.)

Nun nennt man die Verordnung ein Ausnahme­gesetz und vergleicht sie mit dem Sozialistengesetz. Ich will mich bemühen, nicht boshaft zu werden, aber e3 hat für die Deutschnationaten etwas über­aus Bedenkliches, an Ausnahmegesetze zu erinnern. (Sehr richtig!) Es. gibt kaum ein Aus- nahmegesetz.an dem nicht geradedt«Konservativen einen außerordentlich lebendigen Anteil < enoinmtn haben. Die Verordnung ist gar kein Ausnahmegesetz im Sinne 4»es Sozialist enges ehe s._ Dio Verordnung richtet sich gegen alle Staatsbürger, wenn die Voraus­setzungen der Verordnung erfüllt werden, wie Anreizung zu gewaltsamer Beseitigung der repub.'.kanisck-dcmo- tratischen Verfaffung, zu Gewalttaten gegen Personen des öffentlichen Lebens, zu Ungehorsam gegen die Ge­setze. ' Es sind Vorschriften für außergewöhn­

liche Fälle. Nun sagt man, die Voraussetzungen da­zu seien nicht gegeben. Hier brauche ich nur auf das gestern miteeteiltc Material zu verweisen. Es ist tn feiner Gesamtheit erschreckend, traurtgerweise tn Kreisen, die sich national nennen. Bon einer pflichtbe­wußten Regierung mutz derartiges unter allen Umständen zurückgewiesen werden. (Sehr richtig!) Schon feit Monaten ist ganz bewußt und systematisch auf die Be­seitigung im öffentlichen Leben stehender Personen hin­gearbeitet worden, so daß die Regierung verpflichtet war, etnzugreifen und ihre Pflicht verletzt hätte, wenn sie die Verordnung nicht erlassen hätte. Der Reichs­kanzler hat nur pflichtgemäß seines Amtes gewaltet, als er die Veroi dnung dem Reichspräsidenten zur Unterschrift vorlegie. (Beifall in der Mitte und links.) Wir Haden zu der Regierung das Vertrauen, daß sie, wenn die Voraussetzung für den Erlgtz der Verordnung weggefallen ist, d,e Verordnung aucheben wird. Wir schenken der Regierung und dem RcrchS- kanzler das Vertrauen, daß sie auf Grund der Verord­nung gerecht vorgehen werden und sino bereit, die Re­gierung bei der Durchführung der Verordnung zu unterstützen. Die Zentrumspartci steht, das kann ich hier erklären, geschlossen hinter dem Reichs­kanzler Dr. Wirth.

Wir sind auch der Ansicht, daß, nachdem die B er- einbarungenmitBahern zustande gekommen sind, kein Anlaß vorlicgt, die Aufhebung des bayerischen Ausnahmezustandes besonders zu beantragen. Unver­ständlich ist es mir, wie man dem Reichskanzler ange­sichts der Verhandlungen mit Bayern den Vorwurf etneS schwächlichen und unrühmlichen Rückzuges machen kann. Wir danken dem Reichskanzler dafür, daß seine mühsamen Verhandlungen mit Bayern zu einem guten Ende geführt haben. Wir verlangen, daß die Verord- nung völlig unparteiisch und gleichmäßig ««gewendet wird, sobald die Vuraussetzunaen gegeben sind, und wir fordern, daß die Strafandrohungen zur Anwendung kommen, ohne Ansehung der Person, in gleicher Weise gegen rechts und links. Wir denken gar nicht daran, ernsthafte Veranstaltungen, die der Pflege des Nationalbewutztseinö dienen, verbieten zu wollen. Aber solche Feiern muffen eben auch wirklich von reinem nationalen Empfinden durchweht fein. Aber eS kann doch nicht geleugnet werden, daß man bei so manchen angeblich nationalen Feiern das Empfinden nicht loSwerden konnte, daß mit ihnen etwasganz anderes bezweckt wurde, als reine? edles Nationalbewuht- fein zum Ausdruck zu bringen. (Sehr richtig! in der Mitte und links.) Auch das Tragen einer Uni form kann unter Umständen geradezu aufreizend wirken. Die Folgen der reaktionären Bestrebungen verspüren wir im Rheinlande ganz besonders. (Sehr richtig.) Nach dem Mord an Erzberger hat die Entente erklärt, daß man wohl die wirtschaftlichen Sanktionen aus­heben könne, nicht aber die militärischen. Sie (zur Rechten) haben die Veranlaffung dazu gegeben, daß die Entente so vorgeht. Es ist antinational, wenn Sie Anlaß zu Vorgängen geben, die unS in Paris und London vorgehalten werden. Es ist ein Mangel an Vernunft, zu vergessen, daß wir ein geschlagene- Volk sind. Wir müssen doch darauf Rücksicht nehmen und müssen un3 ernsthaft überlegen, was wir tun. Wir müssen den Tatsachen Rechnung tragen. (Lebhafte Zustimmung in der Mitte und links.)

Ich meine, in einer so gespannten Zeit wie der re fü­gen, sollt« man doch das Verständnis für Ruhe und Ordnung oontnegen lassen und alles vermeiden, was irgendwie aufreijenb wirken kann. Die Herren von der dsuflchnaiionalen 'Partei sollten doch einmal nachprü- fen, ob man in ihnen nahestehenden Kreisen tatsächlich richtig vorgehl. Wenn ein Mann mie der General von Heering en sich genötigt gesehen hat. am 10 September ganz ernsthaft vor dem Vorgehen gewiss ec auf der rechten Seite stehender Organisationen zu warnen, gibt das doch zu den­ken. Die geradezu wahnsinnige Hetze gegen (Xrtbtrger hat die Atmosphäre geschaffen, die schließlich zu Gewalttaten anreizen mußte. 2§erm man derartige Be­schuldigungen gegen Erzberger erhebt, wie z. B. ine, er fei von der Entente bestochen worden, so mußte das natur« gemäß Haß erzeugen. Wenn nicht bald ein Riegel vor- geschoben wird, tonnen wir Folgen erwarten, die dem Erz- derger-Fall gleichzustellen sind. Wir vom Zentrum sind nicht gewillt, um das Vaterümd hochverdiente Männer Ge­fahren aussetzen zu lassen. Wir halten die Aufrecht- erhaltung der Verordnung auch aus diefem Grunde für notwendig. (Sehr richtig! tm Zentrum.) Ein Zwischenruf hat gestern die nationale Zuver­lässigkeit des Reichskanzlers in Frage gestellt. Ich nehme an, daß dieser Zwischenruf unüberlegt unb vom Augenblick etngcgCben war. Aber gegen diese Verdächti­gung erhebe ich doch namens meiner Freunde mit oller Entschiedenheit Widerspruch und weise sie mit Ent­rüst una zurück. (Lebh. Beifall im Zentrum.) Dor Reichs­kanzler ist in den Skraisdirnst eingetreten auf wieder­holtes, lebhaftes, ja geradezu gewaltsames Drängen un­serer Fraktion. (Sehr richtig! im Zentrum.) Es war kein (fljrgeiz oon ihm, ebsnsoweuig wie bei Erzbsrger. Man muß doch beachten, was es heißt, in so schwieriger Zeit die Zügel der Regierung m di« Hand zu nehmen, wo es heißt, traurige und ernsteste Pflicht mit}verfallen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Dem Reichskanzler ist ferne Ausführung über das Proletariat vorgehalten worden. Wenn das dsutsche Dost aber rechts und links ausein- cmdcrfciüt, so würde die Folge her Bürgerkrieg fern. Dieser Gefahr kann nur durch eine vernünftige und ruhige Politik der Mitte gesteuert werden. Das Zentrum hat feit jeher diese Politik vertreten. Zusammengesetzt aus oerschiebenen Berufsständen und Interessen, hat das Zen- tr um seit jeher seine politischen Entschlüsie f ü r d e n Aus­gleich der verschiedenen Interessen im va- ierlande eingesetzt. Mr haben eben di« »er- schiedenften Stände imb Beruf« im Daterlcmde. damit müs­sen wir rechnen. Da kann «ine stetige, ruhige Politik nur durch gerechten Ausgleich zwischsn alten diesen Interessen getrieben werden. Das Zentrum hat auch das Bestreben, daß in der Regierung die verschiedenen Meinungen ver­treten sind. Es kann sich ich stell« das mit Stolz und Genugtuung fest das Zeugnis ausfielleti, daß es noch nie aus der Regierung e u s g e t r e ten i ft, son­dern treu die schweren Lasten der Regierung immer weiter getragen hat alle Jahre hindurch seit der Revolution. (Sehr richtig! im Zenrnrm.)

Wir haben uns große Opfer aufetlegt und wenn noch einmal der Zentrum Sportel der Vorwurf gemachi werd« .sollt«, sie setzedie Partei über das Vaterland, dann werden wir diesen Sotmurf nicht «genbane zuflick- zuweisen brauchen, fnnbtcn dann werden wir die Blätter der Geschichte auffchlagen und zeigen, was Zentrum swän- nex für des Volkes Wohlfahrt nelaa haben ht Lrangpoll

schwerer Zeit mrb wie sie ds« Pflichten auf sich genommen haben, die dos Volk von ihnen oerlangte. Das fft na­tionale Tat mid treue Pflichterfüllung. (Bei­fall im Zentrum.) LÄiglich für meine Person sage ich, aber ich kenne auch die Stimmung meiner Freunde, daß der Augenblick kommen kann, wenn diese Angriffe gegen leitend« Männer des Zentrums fo fortgesetzt werden wie in den letzten Wochen, wo wir sagen: nun i st unsere GedutdauchzuEnde. (Sehr richtig! im Zentrum.) Dann mögen andere, bie es viel besser wissen, die Zügel der Regierung und di« Arbeit Übernehmen und sich diesen unangenehmen Konflikten aussetzen. Wenn dos Vaterland uns ruft, wollen wir unser« Pflicht tun, aber es kamt doch die Zeil kommen, wo auch der Mensch einmal in den Vordergrund tritt und das Pflichibewuhtjein sich sogt, daß man sich nicht herunterziehen lassen und dem Volk als Verräter hrnstellen lassen darf, ob­wohl man für das Volk die größten Opfer gebracht hat. Der. Augenblick verllmgl Opfer von jedem von uns, zwar nicht die Aufgabe der Ueberze-ugung, ober gemeinsames Verständnis für die verschiedenen Weltanschauungen. Wir muffen uns die Hände reichen und gemeinsam den Ge­fahren gegenüberftehen als ein einig Volk von Brüdern. In glücklicheren Zeiten können mir unsere WDerstärrde ausrechten, aber angesichts unserer Gegner müssen wir sagen: wir wollen politisch arbeiten und Opfer bringen;dast ft schm er, aberd i« Rot.1 ft groß, und die Wohlfahrt und das Glück unseres Vaterlandes stehen voran. (Lebhafter Beifall.)

An schießend an den Zentrumsredner sprach Abg. Thiel (D. VoUsp.). Gr versorgt das eine Ziel, cm vielen Bei­spielen nachzuweisen, daß bie beh örtlichen Organe in den erregten Zeiten der eben vergangenen Wochen nicht dafür gesorgt hätten, hie erforderlichen Maßnahmen zum Schutz friedlicher Bürger zu treffen. 2m übrigen aber bringt er die Stellung seiner Partei dahin $ttm Ausdruck, daß di« Volkspartei kein Anlaß habe, in Zeiten politischer Erregung grundiätzlich dagegen Einspruch zu erheben, daß durch außerordentliche Maßnahmen her innere Frieden erhalten werde.

Der Reichsmmister ©t ab neuer greift in di« Debatte ein. Gr lehnt es von vornherein ab, in Emzelfäll« einzugehen, muß allerdings zugeben, daß sich immerhin Vorfälle zu- getragen haben, die für jedermann betrübend gewesen sind. Aber auch zu ihnen und das dürste man nicht. Der- g ess en fei es nur gekommen durch die Tat von Kniebis. Bei seiner tRebe geht es ohne das Lärmen der Rechten nicht ab. Man kann es drüben nicht vertragen, wenn man immer wieder feststellen muß, daß die Hetze eines Teiles der rechtsradikalen Presse und dar rechtsmdrkalen Elemente zur Mordtat geführt und damit bat Anlaß zum Erlaß der Verordnung gegeben hat.

Für dte Demokraten spricht, nachdem der Thüringische StaatsminLster Fchr. v. SBranbenftein, nicht ohne großen Lärm der Rechten das Verbot der Tagung der Deutsch- nationalen Handlungsgehilfen gcredftfertigt hat, der frü­here Innenminister Loch. Seine Rede ist sachlich und ein­sichtsvoll. Der Politik der Versöhnung und des Ausgleichs redet er das Wort. Gr will die Verständigung. So wird er zum Mrsprecher der Politik der Mitte.

Von der bayerischen Volkspartei begrüßt dcr Wg. Dr. Dayerle bie versöhnenden Worte, bie der Kanzler bei der BehaMung des Verhältnisses vom Reich zu Bayern fand. Dabei unteMßt er es nicht, auch seinerseits zu versichern, daß die Bayerische Volkspartei das Bekenntnis zum Reiche abgelegt hat, daß sie die Gewalt verurteilt und auf dem Vaden des versaffungsmößigen Zuftandes steht.

Frau Zetkin, die Unentwegte, darf nicht schien, für wett sie spricht, weiß man nach dem Tohuwabohu, der in der kommunistischen Partei herrscht, nicht. Sie ereifert sich noch altgewohnter Weise. Daß sie bie Republik schützen will, fft neu und eigenartig. 3m übrigen ist sie gegen die Verordnung. Es sprachen noch bie radikalen Abgeord­neten Dr. Croi unb Dr. Rosenfeld sowie der unabhängige braunschweigische Ministerpräsident Oerter.

Der Antrag, alle Anträge dem Rechtscmsschuß zu über- weffen, wird gegen bie Deutschnationalen und Kommunisten angenommen. Die Entlassung des Abg. Wendelin Thomas aus der Haft rntrö mit den Stimmen der Linken beschlossen.

Nach kurzer Geschäfisordnungsdedatte vertagt sich, das Haus. Der Termin der nächsten Sitzung wird nach dem Stande der Beratungen der Stenerkommission angefetzk werben, jedenfalls nichtnachdem 3. November.

Koalition und Berliner ZtadtMahl.

Das geht nur die Berliner an," hat mancher ge­dacht, als rr las oder Hörle, daß am 16. Oftater di« Berliner Stadtvrroümcten in Berlin neugcwähit wer­den sollen. Es geht tatsächlich dos ganze Reich atr. und neuerdings zeigt sich deutlich, daß die Berliner Stadtmahlen cinwirken auf die Btthcmdmrrgen über erweiterte Koalition, uni) daß die Erschwerung der Koalition wieder Einfluß ho» auf die politische De­batten im Sleidjstagc.

Die Mchrhrilssozialisten machen treue Schwierig­keiten bei dem Berhaudlrmgswerk, und infnigtbeften wird auch dir Anschlußstttmmmg in der Deutschen Volkspartei wieder herabgedrückt. Die Soztaldemo- fraiie hat sich sogar einen bedenklichen Sritensprung gestaltet, indem sie bei den Unabhängig en an­fragt, ob diese iit die RegirrunFskoalifion cirttmtsn möchten. Das ist eine Abweichung von der Bahn, die der Göriitzer Beschuß des sozialdemokratischen Parteitages eröffnet hat«. Der Versuch, dm Unab- hängig-n als Wettbewerber und Ersatzkräfte gegen die Deutsche Dottsncrtei aurzuspielcn, muß natürlich stutzig martert, und zwar nicht bloß die Deutsche Dolks- partei selbst, sondern auch das Zentrum und die De­mokraten, denen man doch nicht oh>« weiteres zu- mutta kann, daß sie statt der erstrebten Mitarbeit oon rechts sich unzuverlässige Genossen von links in dis Werkstatt schiebert lassen.

Wie erklär« sich der störende Geilenspruüg der mehrheitssoziasistischen Re-ichstagsfrvkflon? Aus- schlagoebend war offenbar bas Bestreben, die Koali- tümsWrhcmdlmrgeu in Me Länge zu ziehen, unb zwar rv-mtgstens so fange, bis m Berlin die Kla- rang über öie künftige Rstharispolrtrk eingetneten ist.

Der Beschluß des Parteitages zuyuirstm der Drul- schW Llrhkspartti fand in Görlitz selbst feinen ernstLy

Widerstand; aber die Berliner Genossin (auch btt Franksirrter) erhoben Protest, und dieser Widerspruch erklärt sich dadurch, daß die Mchrheitssozialisten ht Berlin durch ihre RathEpolitik in das Joch der Un­abhängigen geraten sind. Sie haben sich an dieroh! Mehrheit" gowohm, die dort die Riesengemeinte mit ter »Diktatur des Proletariats" regieren möchte. Ilm bie rote Dichtheit im Etcckthouse zu retten, sollen d i e Sozial de mokra den aller Schattierun­gen, sogar mit den Kommunisten zusammen, ein« einheitliche Kampffront gegen diebürgerlichen" Wäh­ler bilden, also gerate den kriegerischen Gegensatz zwi­schenProeelariat und Bourgeosie" herveiführen, den der NeichskanZler und alle positiven Politiker in Deutschland vermeiden wollen. ,

Es «st eine sehr bedauerliche Schwäche ter soziali­stischen Reichstagssraktion, wenn sie woyrn dieses Ber­liner Wahlklüngels die große vaterländischs Aufgabe der Sammlung gefährdet. Was jrtzt verschoben wird, kann vielleicht auf absehbare Zeit iricht nachgcholt wer­den. Denn wenn auch die Verhandlungen nvit tert Unabhängigen sich naturgemäß -erschlagen, so bleibt doch eine Masse von neuerwecktem Mißtrauen übrig. In ter Deutschen Volkspartei wird sich der Einfluß der nach rechts neigenten Elemente verstärken, und daß solche noch vorhanden sind, hat sich m der Reichstagsdebatte gtgeigt, als ein Mitglied der Deut­schen Dolkspanei in einem Zwischenruf die nationale Gesinnung dcs Reichskanzlers Dr. Wirth anzuzwei- fein wagte, wogegen der ZentrumsrednLr Marx ent­rüsteten Einspruch erheben mußte. Die Sozialdemo­kratie selbst wird den erhöhten Einfluß auf die Ver­waltung in Reich und in Preußen, ten ihre meil- sichtigeren Führer erstreben, auf dem eingeschlagenen Wege sicherlich nicht erlangen, da ter Machiver- teilung das Vertrauen eine wesentliche Rolle spielt.' Stur eine Partei wird an der orrknifsemn Taktik der Sczialtemokraten reine Freude ha-, den, nämlich die Drutschnationalen, dsnen dir angeblichen Gegner von links aufs beste in die Hände arbeiten.

In einigen Zeitungen war gesagt, diescharfe" Rede des Reichskanzlers am Freitag habe die Koaliiionsregierimg erfchwert. Das ist hohles Gerede. Die ganze neue Koalition wäre überhaupt keinen Pfifferling wert, wenn sie nicht die gebührende Zu­rückweisung der rrchtsradi'aten Agitation vertragen könnte. Die wirklichen Hintern-isse der Samnitung lie­gen in ten betreffenden Parteten, und da muß man nun feststellen, daß neuerdings die Soziaitemokratie mehr Schwierigkeiten macht, wie die Leutsche Volks­partei. ___________ ____________________

Die llovemberrate gesichert.

Nach amtlicher Mitteilung haben die Derhand. hingen der deutschen Regierungsvertreter mit dem ©arantiefomitee über die von dem Deutschen Reiche am 15. November zu zahlende erste Quartalsrate dec sogenanntenvariablen Annuität", die bekanntlich in London auf 26 Prozent der deutschen Ausfuhr festgesetzt wurde, dazu geführt, daß das Komitee bie deutschen Schätzungen über den Wert der Ausfuhr vorläufig anerkannt hat.

Falls die seit dem 1. Mai 1921 bereits gemachten und bis Ende Oktober noch auszuführend-n Sack lieferungen berücksichtigt werden, so ergibt sich, daß die nächste Rate vom 15. November gedeckt ist, ohnr daß es erforderlich wäre, zu dem Mittel neue# Barzahlungen zu greifen.

preutztscher Landtag.

(Eine Kulturdebakke.

Der preußische Landtag ist auch weiterhin wie an den Dortagen mit der Erledigung kleiner Vorlagen be- Ichäftigi. Am Samstag sanden die ersten Punkt« der Tagrsordmmg eine debattelvse Erledigung. Daraus wendet sich das Haus der cm Freitag abgebrochenen Aussprache über den Antrag der Mehrheitssozialdemo, traten bezüglich der Ablösung der Staats- lei st ungen an die Religionsgemeinschaf, ten zu. Dieser Artikel verlangt, die Reichsregierung möge ersucht werden, gemäß Art. 138 der Reichsver. fassung baldigst die Grundsätze für die Ablösung der Staatsleistungen an die Religionsgemeinschaften aufzu. stellen. Die deutsche Volkspartei hat diesem Antrag einen Zusatzantrag beigefügt. Danach soll die Slufstel- lang der Grundsätze unter voller Berücksichtigung der 8 ebenen otroenbigfeiten der R eligions- g em einschaften und ihrer Bedeutung für die Volksgemeinschaft erfolgen.

Die Kulturdebatte die sich an diese Anträge an- schloß zeigte dasselbe Bild, das Kulturdebatten int neuen Deutschland an sich zu tragen pflegen. Die Linke kann es niemals unterlassen, solche Gelegenheiten zu benutzen, um in Ausfälle gegen bie Kirche und bie Reli­gion überhaupt auszuarten. Eine fachliche Ausein­andersetzung ist dadurch aufs äußerste -rschwerr. In der Fortsetzung der Debatte wendet sich darum dcr Dc- mokrat Dr. Gottschalk gegen di« Angriffe des Abg. Köniz gegen bie Kirche und ihre Diener. Daß man habet auf der Linken mit Lachen quittiert ist nur ein Zeichen dafür, daß man auf jener Seite den christ­lichen Gefühlen aus Grundsatz die Achtung verweigert. Abg. Srebi von der Wirtschaftlichen Vereinigung be. tont, daß unser Staatswesen auf Grundlage deß Christentums aufgebaut sein müsse, schon deshalb. damit wir nicht in schrankenlosen Egoismus verfallen. Der Staat habe unermeßliche Kirchengü­ter an sich gerissen, oe-aur erwüchsen ihm auch Derptlichtungen. In widerwärtiger Gehässigkest greift der Kommunist Schneider in die Debatte ein.

Die Ueberweisung de- Anträge an den Rechtsaus- fchutz <t ird abgelehnt, der deutsch-vollrparteiliche Ab­änderungsantrag aber angenemmen.

Nunmehr tritt das naus in die Behandlung der gro- t=tn Anfrage der Deaifchnationcilsn über die Lehr- träft« an eintlasfige« Volksschulen ein, Damit flehen in Verbindung Anträge der Deutschnatio­nalen auf Trennung drs Vermögens vereinigt« Kir­chen- und Echulst-llen. Die Vegründung liegt beim deutschnationalen Aba Herrmann. Ein Rcgi«ungs- vertreter macht die Mitteilung, daß ein Entwurf zur vermogensreckMchen Trennung Bereinigter Kirchen- und