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JVl. 226» *.♦* y f W SW 4% *2* Druck der Fuldaer Aette«dr«ote»ri ht Fulda

Samstag, L Oktober 1921. * W<VW<kJr JV___________________—

3n jedes Katholischetzaur...

Aus Anlaß des sächsischer^ K a t h o l i - tages in Saucen am 25. cepiember feit die „Sachs. Dolkszeft-ing" ein,: Festnummer her- tmsgegeben, in der wir unter anderen Beitragen auch folgenden aus Wunsch der schristleilung oer- faßten Artikel des Abg. Gerstenberger über die Presse stnden. Wenn er auch für tut sächsischen Lerhältmsse gemimzt ist, so ist er doch auch sür uns nicht ohne GEnmg. D. R.

Katholiken Sachsens! Ein Zeittmys- schreiber wendet sich an Euch, einAttaden von der Schristleitung der „Sächsischen Bolkszcilung", einige ©ebanten über die Presse in diese Festnummer zu schreiben. Lange Jahre als Seelsorger in ver­schiedenen Gemeinden Unünfrankens tätig, dachte ich nicht im Traume daran, den mir so lieben und so be- friebigenten Lews auszugeben und mich drr undank­baren und wenig Eigenfteude bringenden Tätigkeit eines Redakteurs zu widmen. Ader die Erkenntnis, von welch ungeheurem Einfluß die Presse im allge­meinen und für unser katholisches Dolk in Deutschland int besonderen ist, hielt mich ab, die Aufforderung mei­nes Bischofs zur Unternähme dieser Stelle abzuleh- neu, zumal er mich ermunterte mit der Bemerkung: „Das ist auch eine Seelsorge hn weiteren Sinne und da können Sie auch die A r b e i_t 3 9 res Bischofs unterstützen und fördern helfen."

Katholiken Sachsens! Ihr habt nun auch wieder Nach 400 Jahren einen Bischof bekommen, einen Over­hüten, der die Schäflein aus die Weide des göttlichen Heilandes führen, für ihr wahres Heil sorgen soll- Eine erschreckend schwere Aufgabe angesichts einer Herde, die über das weite Gebiet des ehemaligen Königreichs Sachfen in alle Winkel zerstvrut ist! Wie kann da der Hitte sein Augenmerk allen einzelnen zu- wenden? Wie sich täglich mit Jt 11 e n verständ - X i ch machen und mit ihnen in Fühlung treten? Wie sie schütze n, wenn der Wolf sie vereinzelt zu Überfällen und zu zerreißen droht? Wie sie z u r ü ck- rufen, wenn sie auf falsche verbotene Weiden ge­raten? Wie sie warne n, wenn man ihnen Gift­kräuter als Nahrung nicht? W« sie täglich wieder -famnuM wie sie ständig zusammenhalten? :— Da gibt es nur ein einziges, durchschlagendes und erfolgreiches Mittel: Die katholische Presse, die als Tageszeitung täglich in jede katholische Familie kommt.

Was wäre es ein Leichtes für Euren neuere Ober- hirten, feine Herde zu leiten und zum Guten zu führen, wäre sie auch noch so sehr zerstreut, wenn das kathol. Blatt Sachsens in jedem katholischen Hause ^gelesen würde! Sei es, daß er es unmittelbar als Sprach­rohr benützt, oder mittelbar durch gute Redakteure und Mitarbeiter, die im katholischen Geiste arbeiten. Dann würde die Zeitung wirken wie das Hirtenhorn das laut und vernehmlich auch bis in die abgelegensten Orte «ochsens ertönt, wo immer nur em Katholik wohnen mag; wie ein innrer Schäferhund, der unermüdlich die Herde umkreist, sie zusammenhält, herausdrängt aus lockenden, fremden, aber verbotenen Saatäckern, der den Feind verbellt urtb todesmutig selbst den Woks nicht fürchtet; wie der Hirtenstab, bis Schl'Mder, trnHdje die im Genüsse vertieften Stimm« lein aufschreckt, daß sie nicht zurückbleiben und schließ­lich hilflos von der Herde getrennt umherirren; wie die Hürde, welche allabendlich die Herde aufnimmt und zusammenhält. So wirkt ein katholisches Blatt in katholischen Familien. Und um so erfolgreicher, je mehr Familien es lesen und den gleichen Geist gemeinsam einatmen.

" Aber nicht nur für die hohen, idealen Gäter der Religion unentbehrlich und in der Dia­spora geradezu Lebensnotwendigkeit, auch alle an­deren Interessen des katholischen D o l k s t e i l s finden in ihr naturgemäß eine bevor­zugte Förderung. Ihr schreit mit Recht auf, wenn man Euch wirtschaftlich zurücksetzt; wenn man Euch Saften auferlegt für den konfessionellen Unterricht, die die Andersgläubigen nicht zu tragen haben; wenn man Euch für unwert hält, Aemter und Stellen zu beklei­den, die jedem Andersgläubigen offen stehen. Doch was ist der Aufschrei eines einzelnen oder auch meh­rerer? Er verhallt, wie der Schrei eines Rufenden in der Wüste; rare der Hilferuf eines Schwimmeirdm im Weltmeer. Aber unterstützt durch Eure Presse wird er zu einem Weckruf, der alle Stimmen ver­einigt derer, die die Zeitung halten; und wird um so lauter, je mehr Leser dahinter stehen, und wird mit solcher Gewalt ins Land und darüber hinaus ertönen, daß auch dte radikalsten Hcrrenmenschen ihn nicht über-

Unpolitische Zeitlaufe.

Von Fritz Nienkemper.

Berlin, 28. September 1921.

Unglück ist Lehrgeld.

So sage ich auch fei der entsetzlichen Explosion von Oppau. Die Hunderte von Opfern können nicht wieder lebendig gemacht werden, aber die Ikterleben« den lernen, daß man mit solchen künstlichen Erzeng- niffen der Chemie noch vorsichtiger umgehen muß, wie cs bisher geschehen ist.

Di? verantwortlichen Fachmänner sagen, es fei mit oller Vorsicht verfahren worden, und dir Ursache der Explosion fei noch ganz rätselhaft. Das Fabrikat (Bindung von Stickstoff in Ammoniak, Schwefel und Salpeters habe sich bisher als nichi-explodierbar erwie­sen- Das mag wohl fein; aber dann haben die Herren „bisher" noch nicht alle Triebkräfte der Explosion ent­deckt gehabt. Man härte sich sagen muffen, solche Kunst- pradulte feier doch nicht ganz zuverlässig, und demge­mäß hätte man nicht 4—5000 Tonnen davon an einer Stelle anhäujen dürfen. Es gab ja dort Platz genug, um die Erzeugnis^ in kleineren Haufen zu verteilen. Dann hätte es freilich auch noch ein Unglück geben können, aber es hatte sich in mäßigen Gnenzen gehalten und nicht ganze Berge von Toten aufgehäust.

Teile und herrsche! Das ist eine uralte Weis­heitsregel, für die man einentlitf) kein Lehrgeld mehr bezahlen brauchte. Doch scheinen auch dir geschulten ^Fachmänner in manchen Punkten erst durch Schaden ßug zu werden.

So z B auch im Dau von Automobilen. 2TIs man die sausenden Autos auf dir Rennbahnen schickte, häitu man sich doch von vornherein sagen müssen, daß so ein schnellsahrender Wagen fei einer Krümmung der Straße leicht nach außen Umschlägen könnte. Diese Kippgefahr war ja längst bekannt. Sri den Eisen- bahnzögen war dagegen das einfache Wwehrmittel ergriffen, bri Krümmungen die äußeren Schienen etwas höher zu lassen, so daß der fahrende Wagen eine Neigung nach innen erhält, wie ja auch der Rad- sichre" sich nach innen beugt, wenn er einen Boaen

hören können und die Aufmerksamkeit fürchten, die er selbst außerhalb der Grenzen des Landes erregt.

Was seid Ihr einzeln bei Euerer verfchwinden- den Minderheit? Nullen, die keine Geltung gefen- Eine starke, von Euch allen gelesene und unterstützte Presse ist die „1", die vor diese Nullen gesetzt wird. Sie verleih.' jeder je nach ihrer Stellung eine lOffadji’, 100sache und lOOOfadji? Geltung. Gewiß tarnt auch jede einzelne Stimme schön erklingen, rote die einzelnen Pfeifen einer Orgel. Ader erst all btefe, aus verschied.neu Stoffen, von verschiedener Große und nach verschiedener Bewertung zusammen gefaßt durch das gemeinsame Gehäuse der Orgel, angefacht durch einen einheitlichen starken Hauch geben einen gewaltigen, harmonischen Klang, der die Herzen er­freut, sic über Menschenleid erhebt und Gott dem Al­lerhöchsten selbst zur Ehre dient. — Das seid Ähr. Katholiken Sadi'ane in der Diaspora, zusammengef'aßt durch eure Presse, awAfacht durch den von ihr aus­gehenden gemeinsamen, kräftigen, katholischen Hauch. Darum gebärt in jede katholische Fa­milie eine katholische Zeitung. Sn Sach­en am besten die „Sächsische Volkszeitung".

Bei uns muß es natürlich heißen:

die .ßuldaer Zeitung'.

Ku- dem Nachbargebiet.

(spd) Sranffurl a. M. Nicht weniger als 350 Erfindungen und Neuheiten stellt der Deutsche Erfinderschutzbund München gegenwärtig zur Messe im Goethe-Meßhcms aus. Eine Unsumme von geleisteter Arbeit ist in den Modellen enthalten, die in 12 Abteilungen zerfallen. Mancher mittellose Er- sinder erhofft sich von dieser Sonterausstellung Erfolg.

(fpb) Frankfurt a. ffi. Prof. Richard Nacken in Greifswald hat Öen Ruf auf den Lehrstuhl der Mi­neralogie, Petrographie und Kristallographie an der Universität Frankfurt als Nachfolger Johnsen angenommen. Dcr Ordinarius für Philosophie Pros. Arthur Schneider, der erst im letzten Jahr von Straßburg nach Frankfurt berufen wurde, erhielt einen Ruf auf den erledigten Lehrstuhl für Philosophie an die Universität Wmzburg.

(fpb) Lich (Oberhessen). Zur Sicherung der nahen Klosterruine Arnsburg sind, da Einsturzgefahr be­fielst, Erneuerungsarbeiten dringend nötig. Die Solms- Saubachsihr Bcrwaltung als die Eigentümerin der Mine will die etwa 30 000 Mark betragenden Kosten zur Derfüsswg stellen, sofern hierzu auch vom Staat ein Zuschuß in einem Drittel der Höhe der erforder­lichen Gesamtauswendung tereitigestellt wird. Die Zulassung des Besuchs der Rmne durch die Allgemein- feit soll auch weiterhin gesichert werden.

(fpb) Würzburg. Unter den standesamtlichen Nach­richten findet sich auch das Aufgebot eines Chi­nesen, fes Studenten Tsansi Kin aus Schanghai mit einer Würzburgerin.

Aus Gberheffen und den hessischen Aemtern.

△ Marburg. In einer Dauersitzung beschäftigten sich fee Stadtverordneten mit verschiedenen wichtigen Fragen. So wurde ein Ortsstatut bereffend die Umlegung von Grundstücken aus Grün­den des effenflitfen Wohls, nämlich zur Erschließung von Baugelände, genehmigt. Ferner setzte man die vorläufige Mietsteuer außer den 5 Prozent für das Reich auf 10 Prozent für fee Stadt fest. Bei einer jährlichen Zinssumme von 300 000 M- gedenkt man vier Millionen Mark als Baukostenzuschüsse flüs­sig zu machen ufib mit deren Benutzung im Frühjahr mitt dem Bau von 78 Wohnhäusern beginnen zu kön­nen. Endlich wurde von Frau Exz. v. Behring ein 5000 Quadratmeter großes Gelände auf dem früheren Deutschordenshof bei der Elisaibethkirche als Bauplatz für die an dieser Stelle zu errichtende Marburger K i n- derklinik, wozu ein Deutsch-Amerikaner eine Stiftung in Aussicht gestellt Hai, für den Preis von 50 Jl pro Ouadrmmrter gekauft. Diese neue Anstalt ist, w'e der Direktor der Marburger Landesfeilanstalt, Sto. Pros. Dr. Oahrmärker bemerkte, für die Eitewick- [ung der Stadt und Universität von größter Bedeu­tung. Für Oppau wurden 5000 M bewilligt.

vermischter.

* Ein teuflischer Alordplcm. Ein als Schwerver­brecher bekanter B.rgmmm wurde in Hamm verhaf­tet, da er einen teuflisch erdachten Mordplan grgen eitre Hausnachbarin rorbweitet hatte. Er hatte eine Schlauchleitung fergeftettt, durch die er in die Woh­nung der Frau G a~s ein strömen lasten wollte.

Auszug ans öen Heglitetn des Standesamts Mo-

Sterbefälle vom 23. Sept, bis 30. Sept. 1921.

23. Ehefrau Ottilie Zentgraf, geb. Miethof 37 I. 7 M. 27 T. 24. Lehrer a. D. Peter Schick, 71 I. 4 M. 5 T. 25. Maria Theresia Berta Wolff, 6 M. 23 T. 27. Ehefrau Kiliana Raab, geb. Müller, 78 I. 2 M. 27. Chriitrna Helene Gärtner auS Flieden, 2 I 11 DL 18 T. 27. Witwer, Amtsanwalt a. D„ Johann Heinrich Kümmel, 70 I. 11 M. 3 T.

Hande! und wirtschaft.

Deutsche Hansa-Vank A.-G.

Am 13. Sept. er. fand in Leipzig eine Tagung von Ver­tretern der Hmisa-Banken (e. ® m. b. HÜ V?uthen O.-S.), Breslau, Essen (Ruhr), Frankfurt a. M., Mann- heim und München statt, die sich hauptsächlich mit der Gründung einer Zentralbank befaßte. An den Verhandlungen beteiligten sich auch Vertreter von Hollan- dischen Hansebanken. Es wurde beschlossen, mit der Fir- mienmg „Deutsche Hansabante em Zenttannstimr zu gründen mit einem Aktienkapital von nächst 24 Millionen Mark. Di« endgültige Grün­dung soll in der allernächsten Zeit erfolgen unter Beteili­gung der bereits bestehenden Hansa-Damken, und unter Heranziehung von Privatkapital, das bereits in nennens­werter Höhe gezeichnet worden ist. Sitz der Akttengesell- schast soll Berlin sein. Zweigbetriebe sind in rökfeartr Jett vorgesehen in Köln, München, Frankfurt a. M„ Bres­lau, Beuchen. Essen-Ruhr, Stuttgart. Königsberg, Aun- bürg, Stettin und Leidig. Die Dsutsche Hanso-Bank A.-G. soll eine Kreditausgleichs-Giro-Bbrsen-Auslands- und Organffaftonszentrale für die Hansa-Bank-Genoffen- schaften sein. Die neu zu gründende Bank stellt demnach eine Spitzenorganisation dar, die unmittelbar nur mit Den Banken verkehrt. Der Verkehr mit der Brroat- kundschaft bleibt nach wie vor den Genos­senschaften überlassen. . .

Die Hansa-Bank-Dowegung trat hn Jahre 1919 m Er­scheinung. Die erste Bank wurde im November 1919 m München errichtet. Heute bestehen bereits in Deutschland 18 Dankbetriebe mit ca. 7000 genossenschaftlichen Mitglre- 6cm. Aus vielen Orten in Deutschland wurde neuerinntrs aus Mittelstandskreisen das dringende Ersuchen an die vereinigten Hansabank-Denostenschaften gerichtet, weltere Bankbetriebe zu gründen. Die Ursache der raschen Aus- breitung der HansÄxmk-Dewegung liegt in deren Pro- grannn und Organisationssorm begründet. In dem Pro­gramm kommt zum Ausdruck, daß die Hansabanken dte SelbsthiifebestrebmigM des Mittelstandes unterstützen wol­len unter Betonung des Grundsatzes der Förderung der produktiven Arbeit hn Interesse des wirtschaftlichen Wie- deraufbaues. Dabei sollen die Prinzipien des christlichen Sittengesetzes maßgebend fein, nicht zuletzt,, um ein Funda- ment zu haben, aus dem der im deutschen Wirtschafts­leben dringend notwendige Gemeinschaftsgeist herauswach- sen kann. Die Hansabanken wollen dabei als Dolks- b-mken in Erscheinimg treten. Organisatorisch haben dte Hansabanken dte bislang vorherrschende Form der lo­kalen Kreditgenossenschaften verlassen. Der Wirkungs- bsrsich der einzelnen Hansabanken erstreckt sich über wrrt- schafttich zusammenhängende Landes teile unter Errichtung von Zweigsbetrieben. Hierdurch ist es ^möglich,, einen Geldausgleich herbeizuführen zwischen Plätzen nr.t vor- wiegen dem Geldbedarf und Plätzen mit Gelduberfluß, so- daß sich die genoffenschasckichen Mitglieder nicht allein örtlich, sondern in hervorragendem Maße . länderweise gegenseitig vorteilhaft unterstützen können. Die in Anbe­tracht des kurzen Bvstchens der Danken verhältnismäßig große Mitgliederzahl, der dauernd sich entwickelnde De- schöstsverkehr und die zahlreichen Wünsche aus ganz Deutschland auf Gründung weiterer Hansabanken haben bewiesen, daß die Gründung der Hansabanken dem Wun­sche weiter Volkskreise entsprach und daß die Führer der Hcmsabank-Dewegung mit einer weiteren bedeutenden Ent­wicklung rechnen müssen.

Um für diese Entwickelung die dringend nötige Zen- tmlstelle zu schaffen, erfolgt die bereits erwähnte Grün­dung. Die als Zentrale für Genossenschaftsbanken nicht mehr neue Form der Aktiengesellschaft wurde deswegen gewählt, um die Miibeteiligung von Privatkapital und von ausländischen Banken, deren Programm sich mit dem­jenigen der Hansabanken deckt, zu ermöglichen. Hierdurch ist es auch möglich, namentlich für die nüttelständffchen Fabrikanten, sowie In- und Exporteure sehr gute Be­ziehungen mit dem Ausland zu schaffen.

Weitere Auskünfte über die Gründung der Deutschen Hansabank A.-G. werden von den Hansabanken erteilt durch deren Geschäftsbetriebe in Deuthen O.-S., Hinden­burg, Oppeln, Breslau, Essen-Ruhr, Frankfurt a. M., Hanau, Mannheim, München. Altötting, Aschaffenburg, Dirlewanger u. Eo., Stuttgart-Frankfurt a. M.

Märkte.

— Fulda, den 1. Oktober.. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 5 Läufer und 123 Fe'kel anfgetrieben. Für elftere wurden 500—600—700 Mark, für letztere 60-75-130 Mark bezahlt. Ter Handel war schleppend. — Bom nächsten Sams- tag ab findet der Auftrieb zum Schweinemarkt erst um 7,30 Ubt statt.

macht. Trotz dieser offenbaren Kippcpfahr baute man •fee ersten Automobile nach fern Vorbilde der lang­sam fahrenden Wagen mit großen Rädern und hoch liegendem Wagengestell. Erst mußte bei einem Wett­rennen ein berühmter Fahvw itr seinem umgeschlage- nen Wagen den Tod finden, da kam man auf den ein­fachen Gedanken: Herunter mit dem Schnur punkt; kkeinere Räder, tteftrliegende Achsen und möglichst viel von Last noch unter das Achsengrstell geschoben! De dieser der Schwerpunkt eines Wagens liegt, desto weni­ger neigt er zum Umfallen. Warum mußten die Fa­brikanten und Fahrer erst durch ein aufregendes Un­glück an b«fe Binsemvafechcit erinnert werden? Weil der Mensch leichtsertia ist und im gewohnten Schlen­drian gern befangen bleibt.

Es ist ein sehr Hofes Lehrgeld, was da in Oppan gefordert worden ist, und wir werdm es mit verein­ten Kräften bezahlen müssen, wenn es auch in Hunderte von Millionen geht. Derrn es handelt sich da nicht bloß um den Bestand eines einzelnen Werkes, sondern im bchren Grunde um das tägliche Brot des deutschen Lolk:s. Wenn wir unseren Hunger stillen wollen, brauchen wir künstliche Düngung auf den Aeckern, und weil wir den Guano und den sonstigen fremdländischen Salpeter nicht mehr taufen können, müssen wir falber in Deutschland Stickstoffdünger fabrizieren. Der er* forderliche Stickstoff ist schon zu haben, nämlich aus der Lust. Die große Kunst besteht aber darin, den Stickstoff zu fassen und in eine solche Verbindung zu bringen, daß er haltbar und transportfähig und brauch­bar für den Ackerboden ist. Die Werkstätten, fee uns fee Nährstoffe aus der Lust holen, sollen gepriesen und gefördert worden. Auch von Oppau wird man hoffentlich bald sagen können: Neues Getreide blüht aus den Ruinen.

*

Auf fee Unglückswoche im Süden folgte die Auto­mobilwoche in Berlin. „Dort Elend, hier Luxus", d'nkt vielteicht mancher. Aber das Auto ist aus einem Spielzeug zu einem Verkehrsmittel von all­gemeiner Bedeutung geworden. Jeder Fortschritt auf diesem Gebiete kommt dem ganzen Bolk zugute. Ohne fees: Kraftfahrzeuge wäre die Dolkswärtßhast sicht

mehr im richffgen Gange zu erhallen. Für, den Der- kehr außerhalb der Schienen raufen fee Pfrrde nicht mehr aus. Erstens haben wir nicht viel Pferde mehr, und zweitens ist fee Vermehrung bedenklich, weil die Pferde zu viel Nährstoff verschlingen, dte bet Stufen und Menschen besser angebracht sind. Wenn wir dte Wagen durch Benzin oder Benzol antreifen lassen, so sparen wir wertvollere Sachen und profitteren an Schnelligkeit und Masse in der Beförderung von Wa­ren und Personen Darum ist nichts dagegen einzu­wenden, daß man im Gnmervatd bet Berlin eine be­sondere Große für Versuchs- und Uebungsfahrten der Automobile ausgebaut hat, nachdem ter alte Plan ht der Kriegszeit sechs Jahre lang liegen geblieben war.

lieber fee Preisfahrten, fee da veranstaltet sind, und über fei’ Anhängsel von Ausstellungen und Fest- lichk-tteu haben die Zeittmaen ‘fortlauferta genug be­richtet. Ich möchte mir einige Randglossen dazu ma­chen. Die Straße ist so glatt und sauber nach allen Regeln ter Kunst eingerichiitt, daß sie in erster Linie zum Cchnellfahren reizt. Dieser Sport m ter Schnel­ligkeit darf aber nicht ter letzte Zweck fein,, sondern nur ein Hilfsmittel zu dem richtigen Zweck, ein Fahr­zeug auszubiltekk, das mit Hofer Leistungsfähigkeit feie größtmögliche Sicherheit oerbmtet. Was nutzt uns im Bmckefe ein Wagen, ter im herrlichsten Tempo tevonfliegt, aber nach em paar Kilometern mit einer Panne liegen bleibt? Nur ter Wagen, der ausharrt, verdient getönt zu werten, und er muß auch durchhalten auf gewofeckichmi Wegen, die nickst so eben und nicht so staubfrei und nicht so abgeschloffen sind, wie fee Kunststraße im GnmewÄd.

In dieser Hinsicht fett es mich sehr enttäuscht, als bei dem zweiten Rennen im Erurmvald alle vier Wa­gen wegen einer Pamir liegen blieben, und bei einem folgenden Rennen von fünf Wagen nur einer fei’ Tour vollenden konnte. Das läßt befürchten, daß man noch immer zu viel Wert auf die Fixigkest und zu wenig Wett auf fei’ Festigkeit legt. Sportwagen für Wett­rennen bilden einen Luxus; zuverlässige Gebrauchs- roagerr bilden das SSrrtefesbärürfnis. Ich möchte wünschen, daß man bei den fünfttassn Nrmungen die Ausdauer vorcmstellt.

Gotlesdienstordnung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag, 2. Oktober. 1 Rosenkranzfest.) Do«. Kollekte für die JosephSkirche. ft,6, 6, */i7 u. 7 M., tun *Zi7 gestiftete M. für die gefall. Mit il. des M.-A.^ mit Ansprache und S. und Komm, der Männer, 8 Pfarr­amt u. Pr., VslO Kathedralamt m. Pr., 11 Chr. f. d. ^üngl., ft, 12 M. u. Pr., ft,2 SakramentS-Änd., 2 Ehrt, f. d. Jungfr., 4 Pr. u. And., 7 Rosenkranz m. Segen in der Marienkapelle. Montag 5 Uhr abends Rosenkrz. mit Segen.'— Stadtpsarrkirche. (Rosenkranzseft. Toties- quoties-Ablass. Teller-Kollekte für die St. SturmiuZ- kirche). 5ft- Kommunion, 5*/« Messe, 6,z< M. u. Komm, des Männerapostolates, 8 Uhr hl. M. und Predigt kl. Schulgd.), gft, l-estpredigt, Hochamt u. Chor iesang, 11 Uhr hl. M. und Predigt (2. Schulgottesdienst), 9'/* Christenlehre f. d. Jünglinge in d. Severikirche, 2V, Sakraments-Andachl, 7'/« Uhr Rosenkranz-Andacht. — Pfarrkirche zum hl. Geist. (Rosenkranziest, Kollekte für die St. Lturmiuskirche in Fulda). 7 Uhr Frühm., 8 Pr Segensamt m. Rom., ft,5 Chr., 5 Rosenkrz.»«nd. Werktäglich 5 Uhr Segensand. — Severikirche. Sonn, taas und werktags ft,7 hl. M., — Herz-Jesu-Heim. 8 Hoch, amt m. Pr., nachm. 2 A. (Mittwoch abends 8 And.) — Frauenberg. (Ablaßtag für die Terziaren wegen des Schutzengelfestes), 5, 6, 6'/, u. 7 M., 8 Rosenkranzm. m. Pred„ 9 Hochamt m. Pred., nachm. 2 Kreuzweg^Änd. und Pr. (auf d. Kalvarienberge).

Gottesdienstordnung für kathol. Taubstumme» in Fulba am 2. Oktober. Treffpunkt: 10 Uhr vor dem Dom.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 2. Oktober. Fulda Vormitt. 8 u. 9*/» Sup. Ruhl. (HI. Abendmahl.) — Großenlüder. Dorm. 9*/i Pfarrer Weber.

Mittwoch 5. Oktober. Fulda. Abend? 8 Dibel- stunde (Gemeindehaus).

Soanael. landerkirchl. Gemeinschaft tznttlarflr. 17.

Sonntag, 2. Oktober. Abends 8 Uhr Evangeli«. fatimt. Dienstag abend? 8 Uhr Bibelstunde. Mittwoch abends 8 Uhr Gesangstunde. Donnertsag abends 8ft« Uhr. Iunafrauen-B.-St. Freitag abends 8 Uhr Bibel- und Gebetftunde.

Tlmtliche Anzeiaeu.

Die Hochspannungsleitungen über die Ortschaften Rommerz. Flieden, Schweben. Niederkalbach; Mtttel- kalbach; Melzdorf. Wiesen, Traisbach; Allmus und Hofbieber werden in den nächsten Tagen in Betrieb genommen.

Es wird besonders darauf hingewiesen, daß bi Leitungen Hochspannung führen und daß ein Berühren der Drähte lebensgefährlich ist. Das Beschädigen der elektrischen Leitung ist verboten und wird besttaft. Dom Leitungsmast herunterhängende oder auf dem Erdboden liegende Drähte dürfen nicht berührt werden, ebenso ist die Berührung von allen Gegenständen, auf welchen diese Drähte Regen, gefährlich. Das Auffinden e.ncs gerissenen Drahtes oder sonstigen beschädigten Teiles der elekttffchen Anlage wolle man sofort dem nächsten Bürgermeister melden; dieser gibt dem Ueberlandwerk Fulda Telefon 290/291 auf dem schnellsten Wege Nach­richt. Die vom Ueberlandwerk herausgegebenen „Vor­sichtsmaßregeln bei elektrischen Seihmgen" sind zu be­achten.

Fulda, den 23. September 1921.

Der Landrat. 5. 53.: Schuster.

Erloschen: Die Maul- und Klauenseuche in den Gemeinden Dorsch und Lindenau, Beürksdirekiion Dermbachs Fulda, den 26. September 1921.

Der Landrak: t D. Schuster.

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Bei ter höchsten AnspamMng ter Schnelligkeit ent« wickelt sich in ter Regel ein Hasardspiel. Achnlich wie bei dm Fliegerrennen auf ter Radbahn. Da soll angeblich dte Leistungssäfeskeit des Fahrers auf Mus­kel und Herz geprüft werten. Ater immer nrieter! sicht man, daß ter tüchtige Fahrer he Hintertreffens gerät, well der Luftreifen oder sonst ein Stück des, Rades oter gar die Schrittmachermaschine rryenteins, Defekt erleidet oder ein unberechnttes Hindernis in dte, Quere kommt. Wenn der Zufall entscheidet, ist btej ganze Veranstaltung worttos. Je größer die ®e- fchwittbigkeit, desto mehr Spielraum hat bet bfintte Zchsall.

Dte FNegerremien auf Rad und Auto köimen nur insofern einen mittelbaren Nutzen haben, als sie die Fabrikanten aufmukjam machen auf fee schwachen Stellen ihrer Erzeugnisse. Die müssen immer roieber verbessert werten, um eine größere Sicherhett zu er­zielen, sei es auch auf Kosten ter Schnelligkeit.

Der Auto-Industrie wünsche ich allrs Gute, urtir zwar in solchem Maße, daß ich in dem Autoomnidus- sogar den Erben ter Straßenbahn begrüßen möchte. Heber fee Verhältnisse in den anderen Städten erlaube ich mit kein Urteil; aber was ich in Bulin seh«, macht den Eindruck, als ob fee Straßenbahn auf . ihrem Schienengleise den Weg zum Grab: geht. Dte Unkosten steigen so hoch, daß die Fahrpreise übermäßig' gesteigert rotrten müffen, wodurch fee Zahl ter Fahr­gäste sich stetig oermintett. Die Unkosten werten we­sentlich gesteigett durch ten Aufwand für das Pflaster. Die Schienen müssen auf kostspieligem Beton sehr sorg»-, fällig angelegt werden, und die Einfassung der Schie­nen feilt sich jo schlecht, daß fortwährend kostspieiigs Reparaturen unter Störung des sonstigen Verkehrs notwendig nxiten. Der Autoomnibus dagegen rui­niert das Pflaster vicl trrenigu. Er windet sich ge­schmeidig durch alle Hindernisse und kann sogar schnel­ler fahren wie die Straßenbahn. Ich glaube, ihm ge­hört die Zukunft. Er ist auch in engen Straßen anö für ten Verkehr über Land zu gebrauchen.

Wer alt wird, kann noch viel Unglücksfälle, aber auch manchen. Fortschritt im Zeitalter des Verkehre erlebe»