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Fuld aer Zeitung

Amtlicher Anzeiger für den kreis und die Stadt Julda.

Nr. 226.

LeraatworiUch für den ctoauionellen Xtti: Dr. 3- Kramer, - tür btt Anzeigen: 3. ^arxtiiefguioa. s gtotationsbrud o. Verleg der Fuldaer ildienbrurferet in Fulda. Sernipreitwr Nr. «. Telegr.-Adresse: Fu > boer Zeitung

Samstag, 1. Oktober 1921.

Bezugspreis 'JJionatito 3,5-' Alt. ohne Bestellgeld. Post» Z bezug 4,10 Mk. Abgeholi 3,75 2TIL -

Anzeigen: aoioneigelie 70 Ptg.; für mehrfoalllge Anzeigen Zuschläge. Reklamezeile (lertbreite' 2 50 Alk.

48. Zahrg.

9er Äoijler md die AeWMstm.

Große Aussprache im Reichstag.

Sim Freitag hat nun der Reichstag die große potitijche Aussprache begonnen. Ter beutfcbnationaie Führer ©etgt, der Reichskanzler u. Scheide» mann haben sie bisher beherrscht. Tie Reden waren durchweg recht ausgedehnt. Tie Länge macht freilich noch nicht die Größe. Im Gegenteil: wenn sich der Wortwechsel an eine Menge von Einzelheiten Kommen, so wird aus der angekündigtengroßen* Debatte eine nicht mehr ungewöhnliche Parleipolemik.

Ein großer Zug im allgemeimpoliiischen Sinne zeigte sich in den ersten Ausführungen des Reichs» jkanzlers über die Beilegung des bayerischen Zwistes und über daS Berhältnis zwischen Reich und HundeSstaalen. Tann aber mußte der Reichskanzler auch mit vielerlei Einzelheiten arbeiten, um all die Einzelheiten zu widerlegen, die der deutichnationale Sprecher Hergt zur Verteidigung seiner Partei herangezogen halte.

Man könnte auch sagen: zur Bei he rrlichung seiner Partel. Denn eS war geradezu erstaunlich, welche Fülle von Eigenlob sich die deutsch» nationale Partei zu verschreiben wagte. Wer eS noch nicht gewußt Halle, konnte es heule erfahren, 'daß die Rechte auf dem Boden der republikanischen Verfassung fleht, daß sie keine Propaganda zur Verächtlichmachung von Siaatseinnchlungen treibt, und daß überhaupt die Versöhnung und Beruhigung nicht von rechts her gestört wird, sondern vielmehr vom Reichskanzler, dermit eigener Hand den Brand in das Volk geworfen hat". Der duftige Lobredner ließ sich auch durch die stürmische Heiter» skeit des Hauses nicht beirren. Er wollte «ms dem Gelächter die Folgerung ziehen, daß die Linke die Mordatmosphäre" nicht so ernst nähme, wie die Minister. Als ob man nicht auch in den ernstesten Stunden ein Hohngelächter Hervorrufen kann, wenn man die handgretflichen Entstellunzrn der Wirklich» kett bis in das Groteske steigert.

Wäre die devlschnattorrale Partei in der Tat das Dngrlonne Kind, das in Verfassungstreue und Frie­densliebe nichts verächtlich machen will, so könnte man nicht verstehen, warum die Deulschnationalen so heftig Sturm laufen gegen eine Roichsverordnung, die nichts weiter bezweckt, als Aufhetzung zu Gewalttätig» teilen zu untertrrüen. Wenn sie und ihre Presse sich wirklich frirrdlich verhallen, so werden sie ja van der Verordnung gar nicht getroffen.

Wer einen politischen Mord begeht, schließt sich automatisch aus unserer Partei aus,* sagt Hergt. Mik diesem automatischen Verlust der Mitgliedschaft ist aber r« Partei noch keineswegs entlastet. Es bleibt die Frage: Woher kommt der Mordent-schluß? Welche Agitation hat die Frevler zu der Bluttat angetrieben? Und dazu gesellt sich dann die rwch ebenso peinliche !frage: In welck-en Parteikreisen fand der Mord Brei- all und Verteidigung? In dieser Hinsicht prechen nun die bedauerlichen Tatsachen so klar, daß «uch Herr Hergt die Mitschuld an den Mordtaten nicht von seiner Partei abwälzen kann.

Es fällt noch, wie drr Reichskanzler mit Recht her­vorhob, die Aufdeckung der Geheimorganisa» t i o n ins Gewicht. Schon das allein würde genügen, um die Notverordnung zu rechtfertigen.

> So wird dir- Reichstogsdebatte trotz aller politischen Künste des Herrn Hergt auf einen durchschlagenden Sieg der SiegierunggpoHtii hinaus lausen und hoffentlich den programmatischen Ausführungen Und dem Sammlungs ruf, worin die Rede des Reichskanzlers ausklang, wesentlich zugute tonmren.

e

Die Freitagssitzung brachte zunächst die Beantwvr- Ttmg einiger beutid; nationaler und kommunistischer klei»

Der Simsedud.

Erönksscher Dorsroman von Sina Ernftbcrgrr. 56 ----------

Ro, etzt nix närrischas weiß ich net. As Zeiting- kfn soll für Aug'nbrenna helfn? Wenn Du's net etber sagest, Michel, glaubet ich's fei net*

Was glaubst denn Hanni: ich werb' doch net ögn.*

»Da 'kommen noch ganz andere Sachen vor,* sprach der Bober, und bitter auflachend fuhr er fort:Dafür sind die, ja autf) die Professoren! Ich muß es dulden, baß man mich Baiwirer Pfuscher, Sauern batet schimpft."

»Du bist uns mehr doch wert, wie all die Dokter und Professor mitanander,* tröstete Hanni den Unglüit- lichen.

»Du und die Echusterskundl und der Schlossersheina: hotzkreiz! was will ma denn noch mehr.*

Die Schmibgörg'nnanny is fei a noch da; die hätt'n wir eßt bei der Dokteret vergess'». Die hat as hclf'n für as Rotlauf los," ergänzte schnell die ärztliche Ortsstati. stik der Webermichel.

Ihr brauchet nicht die Schusterskundl und den Schlossersheina und die SchmidgSrg'nnanny: ich bin es, der jebe Krankheit heilt."

In mächtigem Zuge teerte der SaberbcTtOr lein Glas. Und er leerte und leerte es immer wieder; schon längst war fl0 fein Srib in Vier ersäuft, er aber ^nte noch unverdrossen weite».

DieOchsen"-Wirtin zündete die Lichrer aus: frei) singend saßen sie beisammen noch, die Irenen Z--stge- nossen; nur der lange Wcberm-chel fehlte im trauten Freundeskreise. Er hatte daheim ein sehr enngiiches Weib, die war nicht einverstanden mit der Zecherei inb holte ihren (Sotten nicht sehr zärtlich beim.

Während - dieser Vorgänge imOchsen*.Wirtshaus waren Joseph und Marianne eifrig bemüht, im Strom kenzimmer Wandel zu schaffen.

Einige Stunden später traf der Arzt ein. Nach gründlicher Untersuchung konstatierte ep eine heftige Lungeneuttünduo«

nerer Anfragen wegen Dersammlungsverboten und Shn» lichem.

Es folgte die erste Beratung des Gesetzentwurfes über den am 25. August 1921 unterzeichneten deutsch-amerikanischen Frieden »vertrag.

An die Abmachung, den Vertrag ohne Diskussion anzunehmen, hallen sich lediglich die Kommunisten nicht, da Abg. Stöcker gegen bas amerikanische Großkapital loszieht. Damit schließt die Aussprache. Es folgt fo- gleich die zweite Lesung und auch die dritte. Wortmel­dungen liegen nicht vor. Der Vertrag wurde darauf gegen die Kommunisten angenommen, auch von den Deutschnationalen.

Präsident Loebe: Durch den eben gefaßten Beschluß sollen die normalen Beziehungen zwischen den beiden Völkern diessells und jenseits des Ozeans wieder berge, stellt werden und der formell noch brstehende Kriegs­zustand mit dem letzten unserer ehemaligen Gegner beendet werben. Ich möchte auch von dieser Stelle die Befriedigung darüber aussprechen. daß nun der Weg geebnet wirb, um die Streitfragen, die aus dem Kriege her noch einer Klärung bedürfen durch einen entspre» chenden Gedankenaustausch in einer für beide Teile befriedigenden Weise zu lösen. Ich spreche im Namen der übergroßen Mehrheit des Hauses, wenn ich der Er- Wartung Ausdruck gebe, daß die freundschaft­lichen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland, die durch den Weltkrieg eine Unterbrechung erfahren haben, für alle Zukunft dauernd ungetrübt sein mögen. (Lebhafter Beifall.)

Die politische Aussprache.

Gemeinsam zur Beratung gestellt wird boram ber An­trag Horgt (Dmtti. Vpt.), der sich gegen die Verord­nung des Reich sPräsidenten vom 29. August richtet, ferner em Antrag der Unabhängigen bett, die Durchkreuzung der Politik des Reichskanz­lers durch Beamte und Offiziere, sowie bezüglich des Schutzes der Republik, weiter Anträge der Kommunisten und Unabhängigen, die die Aushebung des Aus» nahmezustandes in Bayern und die Auf» hebungderVolksgerichtem Bayern verlangen.

Abg. hergl (Dnat. Dpt.) begründet den beutfibnatio­nal en Antrag. Er bedauert, daß her Reichskanzler nicht feütft Gelegenheit genommen, über die schweren Gefahren der letzten'Tage und den Wandel zwischen den Verord­nungen des Reichspräsidenten vom 29. August tmb vom September zu sprechen. Es liege aber ein Rückzug'auf der ganzen Linie vor, aber fern siegreicher Rückzug. Wenn es der Reichsregierung mit dem inneren Frieden, den sie immer im Munde führt, ernst gewesen wäre, hätte sie wohl zugegeben, daß sie zu weit gegangen sei. (Lachen links.) Sehr oft hat der Reichskanzler von der Versöh­nung des Volkes gesprochen, wenn er auch dann mit eigener Hand den Brand in das Volk geworfen hat. Wir aber sind immer eine Partei der Dersöhnungs- Politik gewesen. (Stürmische Heiterkeit links.) Wir Deutschnationalen sind berest, unsere Dersöhnungspolitik durch die Tat zu bekräftigen. Der Geist der Regierung ist aber der gleiche geblieben. Deshalb müssen wir in der Kampf stellung verharren. Der Kanzler will ja ständig schweres Material über die Mordaffäre gegen uns in der Hand Haden, aber er kommt nicht damit her­aus. Vielleicht glaubt er hier im Hause einen besseren Resonanzboden zu finden. In der bayerischen Frage kommt Redner zu dem Schluß, daß nicht einmal geprüft worden sei, ob die Ausnahmebestimmungen ein­zelner Landesteiie nicht tatsächlich eine Notwendigkeit ge­wesen seien. Die Verordnung des Reichspräsidenten war damals einfach ein Aufruf zur Außerachtlassung der gesetz­lichen Bestimmungen. Jetzt ist sie natürlich geändert wor­den. Wenn jetzt aber der Reichstagspräfident in feinen Ausführungen Andeutungen gemacht tjabe, die auf eine genaue Kenntnis der Akten schließen lassem, so bedauere er, daß hier keine größere Zurückhaltung geübt wmden sei. Die Zugehörigkeit der Mörder Erzbergers zur betr.fd)nationalen Partei sei nicht einmal erwiesen. Je­denfalls sehen mir getrost der gerichtlichen Auseinander­setzung entgegen. Wir stehen auf dem Boden der

Schwere, düstere Schatten zogen über das Flick- schusterhaus dahin. Wochenlang rang in der kleinen Krankenstube Peter mit dem Geben. Der Kunst des Arztes war endlich die hartnäckige Krankhest gewichc«; Peter war außer Gefahr!

Wochen gingen seitdem dahin. Am Dogelnestche» über Mariannens Fenstern f logen zwitschernd junge Schwälbchen ein und aus und der Dornbusch am Hüte, anger stand in vollster Blüte. 3m (Sorten vor dem neuen Haufe dufteten die Blumen, alle Blüten hatten sich erschlosien; es war die Zett der Rosenpracht, es war die Zeit der Sonnenwende.

Dicht umhüllten die Ranken des wilden Weines da» kleine, zierliche Gartenhaus. Manchmal, wenn ein leichter Wind kühlend die grünen Ranken aueeinan» verwehte, dann sah das Schwalbenpärchen, das feinen Jungen am Dachfirst oben Flugversuche lehrte, ein glückliches Paar darinnen sitzen.

Fast jeden Nachmittag brachten Joseph und Ma- rianne in dieser Laube zu. Plaudernd, mit überein« andergeschlagcnen Seinen lag Joseph in seinem Schau» kelstuhl, kleine Wölkchen in die Luft blasend und behag­lich den Kaffee schlürfend, den ihm Marianne einla- dend servierte. Oft auch los er vor, während Marianne daneben sah und stickte. Es waren frohe, glückliche Stunden, die die beiden in der kleinen, meinumranf- ten Laube zubrachten. Der Verkehr zwischen ihnen gestaltete sich von Tag zu Tag herzlicher. Marianne war das Glück und di» Siebe stets fremd geblieben; sie ahnte, daß es mehr als Freundschaft sei was schon seit Wochen ans dem Wesen des geliebten Mannes zu ihr sprach. Oft glaubte sie in Jeinen Stiften ein fonber- bares Leuchte» bemerkt zu bnbrn, r-a uch mij hm unterhielt; ptt auch schien es ihr, als wär- o<r Ton, in dem er mtt ihr sprach, weich und imiig so ganz ander, wie früher. Ein wonnige, Gefühl von Heimat- glück und Friede hatte sie ersaßt. Ost bangte ihr, daß sich die Zeiten einmal wieder ändern könnten! Sie konnte an das ungewohnte Glück nicht glauben.

Dann eilte sie, wenn Joseph eg nicht merkte, hinaus zum alten Feldkreuz an der Waldesspitze und trug, mte

dies vor langen, langen Zeiten andere taten, ihre Sorge und ihr Glück dem schmerzgekrönten Heiland vor.

Andachtversunken sah man sie auch häufig vor dem Marmorstein im Dorsfriedhvf stehen. Mtt dankerfüll- tem Herzen schmückte sie das Grab täglich mit frischen Blumen. Sie hoffte, daß der Geist der teuren Schläfe, rin da drunten die Hände schützend über sie und Joseph halte.

Auch Cv fühlte sich zuftieden. Mit stiller Freude sah sie dem jungen Pare nach, wenn beide fröhlich plaudernd durch den Garten gingen. Sie sagte eg ja immer, wenn es in den Brautkranz regnet, da, trügt nicht; die Ehe muß glücklich werden. Was hatte sie an jenem Hochzeitsrnorgen oft sehnsüchtig durch da« Küchenfenster empor zum Himmel geschaut, bi, endlich weiße Flocken niederfielen, just, wie das Brautpaar von der Kirche kam. Ob es auch anfangs schien, als hätte selbst der alte Glaube von dem Brautkranzregen seine Kraft verloren; ob sie auch oftmals um das Eheglück der beiden bangte; jetzt war die Wirkung der gro­ßen, weißen filoden, die aus nebelbüfterm Himmel auf das kleine Myrtenkränzchen der Braut niederfielen, offenkundig.

So kam der Johannistag heran. Es war dies im­mer ein Festtag für die Dorfjugend. Seppele und Hei. nerle hatten seit Tagen Ev täglich bestürmt, nach dem Wettermesser des Herrn Onkel zu sehen. Sie fürchteten, Regenwetter möchte ihre Freude am Johannisfeuer z-r- stören. Auch jetzt kamen sie wieder angeftürmt; im We- sten ballten sich Gewitterwolken.

Du Ev. kommt de, G'witter her? Schau cmal an Herrn On-.l sein Wettermesser an, ob des G'witter herkomma tut," so hörte man die beiden in der Küche schreien.

Marianne, die mit ihrem Manne plaudernd m der Laube saß legte ihre Stickerei weg und erhob sich la- chend, um in das Haus zu den Schreihälsen -lohen.

lfioktzetzuLü tatst.* >

Verfassung, genau wie jede andere Pattei (ironisch« Zurufe) und wir ersuchen den Reichskanzler, diese Erklä­rung zu respektieren. Wir Protestseven gegen haltlose Ver- dächtjgungen. Dem zentnerschweren Material des Kanzlers können mir tonnenschweres Material ent­gegensetzen. Der Reichskanzler sieht nur das äußere, nicht den Kem der Sache. Unser Volk weiß, daß es nicht besiegt ist, sondern nur äußeren Einflüssen unterlag. Da- her seine Liebe zu den alten Regimentern. Wir bestreiten nickst, daß die Sozialdemokratie auch Rationalgesühl besitzt, ober sie soll es betätigen, namentlich der Entente gegen­über. (Unruhe. Zuruf: Aber nicht in ihrem Sinne!) Redner kritisiert dann bas Verhallen des Reichskanzlers, bar anstatt ein Reichs mehrer und Erhalter zu fein, selbst in die Arena gestiegen sei. Das fei für einen Mann, der über dem Ganzen stehen solle, unerhött. Statt dem Aus­land gegenüber das Volk zusammenzuschsießen. trage er zur Zersplitterung bei. Auch der Rest der Verordnung des Reichspräsidenten müsse fallen. (Beifall rechts. Zischen links.)

Abg. Dltfmmrn (U. S.): Wenn Ne Deuischnationa'en heute ein nationales Mäntelchen umhöngen, so können sie niemand damit täuschen. Ihre Maulwurfsarbeit zur Wiederausrichtrmg ihrer Herrschaft, ihre Putsch» t a f t i f, ihre zahllosen bewaffneten Truppenkörper auf den einzelnen Gütern des Lemdbundes seien bekannt genug. In Bayern und fetzt in Salzburg sei der Mittelpunkt der die Republik bedrohenden Elemente. Di« harmlosen Deutschnationalen wißen nichts davon. Kein Wunder, daß die Deuffchmttionalen ihre Iubelhymnen auf das Kahrbayern fangen. Dort fanden sie ihresgleichen. Dort nutzten sie die Ausnahmebestimmungen für ihr« Zwecke aus. Redner begründet nunmehr die Anträge feiner Partei.

Des Kanzlers Erwiderung.

Reichskanzler Dr. Wirth: Die Kennzeichnung der poil. Situation durch den Abg. Hergt als eine polst. Schlacht trifft zu. Di« Schlacht fft geschlagen, und nachdem ein friedliches Ergebnis mit Bayern erzielt ist, besteht kein Anlaß mehr zu irgend welchen Befürchtungen. Das Programm der Reichsregierung aber, den Ausnahmezustand in Deutsch­land, wo er auch noch bestehen mag. zu beseitigen, habe ich durchgesühtt und in Preußen hat sich dagegen auch kein Widerstand geltend gemacht. Der bayerischen Regierung war kein Zweifel gelassen worden, daß bei einer neuen Abstimmung im Reichstage das Ausnahmegesetz Bayerns fallen würde. Angesichts dieser Sachlage sind wir zu einem Krompromiß gekommen. Man nennt dies «inen Rückzug. Bester ein solcher als eine D*riorene Schlacht. Jedenfalls bin ich Herrn v. Lerchenseld für sein bereitwilliges Ent» geperfommen herzlich dankbar. Herr Hergt ruft zur natio­nalen Sammlung auf. Haben die Auslastungen auf dem deuffchrationalen Patteitag dem entsprochen? Hat er nicht heute selbst seine ganze Rede auf die vertraulichen Aus­lastungen auf gebaut, die der Reichskanzler getan? (Pfui­rufe, große Unruhe.) Redner stellt sodann den Wortlaut feiner Aeußerungen über das Verhalten gegen die Rechts» presse fest und betont die Notwendigkeit, dem psychologischen Moment Rechnung zu tragen. An meiner nationalen Ge» firmvng zu zweifeln, haben Sie keinen Anlaß, aber die Ge­denktage, welche die Deuffchnationaken für ihre Dattel aus­genutzt haben, haben dkn Interessen unserer Ration n'cht immer genützt. Redner zttiett Auslastungen derMün- chen-Augsburger Abendzeitung*, wonach Präsident Ehert nicht vom Volke, sondern von einem Haufen bolsche­wistischen Gesindels gewählt sei. (Große Unruhe.) Herr Hergt hat selbst erklärt, für uns Deutschnationale gebe es feine Erfüllung des Ultimatums, nicht einmal einen Versuch dazu. 3k scheiden sich die Geister, denn aus unserem redlichen Versuch zur Erfüllung un, ein Verbrechen zu machen, übersteigt alle Grenzen. Wir wol­len gern die allen Ruhmestaten feiern, aber wir müssen alles vermeiden, was auch de jetzigen Derbältniste berühren kann. Wenn ich das Material an Beschimpfungen gegen die Regierung vorlegen wollt«, müßte ich mindestens 8 Stunden reden. Sie haben die Verordnung der Regierung verhöhnt und perfsottet. Reicher hasst, daß alle, die politisch guten Willens seien, sich von den Deutsch- nationalen abwenden würden. Die Befürchtung, daß die morrtttfange von der Rechten getriebene Verhetzung zu Maßnahmen führen wüste, ist Gemeingut des ge­tarnten Kabinetts gewesen. Auch die badischen Ent­hüllungen haben unsere Befürchtungen noch übertroffen, greifen sie doch bis nach Oberschlesien hinüber. Wir danken allen, die mit den Waffen m der Hand um die deutsche Scholle gekämpft haben. Die badischen Enthüllungen be­weisen, baßessichumbsnDersuchzueinemneuen

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Kapp-Putsch gehandelt hat. (Gelächter rechts, Lärm links.) Die Republik muß gegen die reaktionäre« Umtriebe geschützt worden. Die Ersüllung des Ultimatums, die Entlastung der Offiziere und Auslieferung der Waffen hat uns eine schwere Aufgabe gestellt, die sehr schwer war. Diesen Offizieren etwa vorwerfen zu wollen, sie hätten die Wünsche der Regierung sabotiert, ist nicht angebracht. Vielmehr hat die Entente selbst diese Frage sehr zögern» behandelt. Zu Gunsten der Beamten und Offiziere. $u Gunsten des ganzen Mittelstandes und auch der Arbeits­losen müssen wir etwas entscheidendes tun. Andererseits wollen wir gern die Leistungen der Beamtenschaft aner­kennen, aber sie dürfte sich nicht m chaiwinistischem Sinn« betätigen, sie dürfe nicht zu Gewaltmaßnahmen drängen. Im Laufe der Debatte werde ich Gelegenheit haben, auf zahlreiche Anregungen des heutigen Tages zurückzukom» mem. Die Politik, die mir in diesen Tagen zu kon- ftruicren haben, muh getragen fein von Set Sorge, ob wir den Winter überfteben können oder nicht. Eie appelliert an all e Kräfte unseres Doikes, die willens sind, neben der materiellen Wohlfahrt unseres Volkes auch dem politischen Ideal zuzustreben, die deutsche Re­publik vor Gewalt und vor dem Untergang z n bewahren. (Lobh. andauernder Beifall bei btx Mehrheit).

Die Besprechung der Interpellation wird besch'ossen.

Abg. Scheldememn ISoz.) meint, Abwehrmaßnahmen gegen Mörder und Mordhetzer mußte die Regierung treffen, sonst werde sie selbst fortqefegt und der Dür- gerfrteg notwendig gemacht. Der Räterepublik ifl Bayern folgte das Regime Kahr, das in Deutschland den Hort für die Herren Hergt und Genosten errichtete und dort das Ausnahmegesetz erließ, das die Mörder von (Barels unbehelligt ließ. Daran tragen Sie (zur Rechtens die Schuld genau wie an dem Mord Erzber­gers. Sie haben Erzberger gehcht, bis er lag. Sie haben ihn um Ehre, um Einfluß, um alles und schließlich ums Leben gebracht. Er hat dabei sicher alles getan, um seinem Baterlande zu dienen. Redner schildert die Schmöhartikel der Rechten aus Anlaß des Mordes an Erzberger, zu denen man nur Pfui sagen könne Er habe nichts gegen die Segimentsfefte. aber sie sollen nicht zu deutschnationalen Demonstrationen benutzt worden. Redner kommt dann auf Bayern zu­rück, nennt das System Kahr-Roth-Pöhnrr, das einem Toller sogar bas Schreiben v-rbietet ein Unglück für Bayern. Dieses System sei nur das versteckte reaktionäre Preußentum, bas uns uni Bayern betrogen habe. Wir haben bas Vertrauen gu* Regierung Wirth, baß sie alles tun wird, die Repnb'ik zu schützen und den bisherigen Kurs einzuhalten. Wc» uns dabei Helsen will, ist uns willkommen. Unser Pro, gramm ist klar und deutlich. Wir brauchen die Repu, blikanisierung der Derwaltuna und der Reichswehr, ein# Gesundung unserer Justiz. Der von den Unabhängigem beantragte Gesetzentwurf zum Schutze der Republik möge dem Rechtsausschuß überwiesen werden. (Beifalls

Im Rahmen einer persönlichen Bemerkung protestier!

Abg. Helfferich (Dntl.) dagegen, baß ber Abg. Scheh bemann ihn gewissermaßen den Meuchelmörder Crzber, gers genannt habe, und stellt fest daß er von vornherein eine Untersuchung gegen Erzberqer verlangt habe. Sh sei aber nicht erfolgt. Abg. Schttb-mann (Soz.): Unte, Heksferichs Fühnina ist der Angriff auf Erzberger vost führt werben. Daher trage er die Schulb an bei» Morde. Möge er aber recht lange als lebendige» Beispiel dafür am Leben bleiben, wie tief bas parier men torische Leben Deutschlands gesunken sei.

Das Haus vertagt sodann die Weiterberatuna ml Samstag vormittag 10 Uhr. außerdem DalutmInteq petfation Hergt und Gen. und kleinere Vorlagen. BH dieser Valuta-Interpellation handelt es sich um eit weiteres deutschnationales A g itations. Manöver, wodurch der Regierung die Schuld fiir den Marffturz in ber öffentlichen Meinung zugeschoben werben soll. ___

Line NnndzebUNg der Z nttumssrakLion des Reichstags.

Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat sich in mehrtägigen Verhandlungen mit der allgemeinen politischen Lage befaßt. Die Aussprache ergab in allen grundsätzlichen Fragen volle Uebereinstim- mung in der Fraktion. Aufgetauchte Mißverständ- niffe sind völlig beseitigt. Das Ziel der führenden Manner unserer Partei, insbesondere auch des Reichskanzlers und des preußischen Ministerpräsi- benten, ist dasselbe. Die Zentrumsfraktion hat sich von dem durchsichtigen Bestreben der Rechts­presse und der Linkspresse, den Reichskanzler Dr. Wirth und den preußischen Ministerpräsidenten Stegerwald gegeneinander auszuspielen, dadurch den Sturz beider herbeizuführen und das Zentrum zu sprengen, nicht beirren lassen.

Es bestand hierfür umso weniger eine Gefahr, als der Gedanke der Politik der breiten Mitte nicht etwa nur von Stegerwald, sondern von der gesamten Zentrumsparter, einschließlich des Reichskanzlers Dr. Witth, vertreten wird. Die Gr- Siebniffe der Fraktionsverhandlungen wurden in olgenden einstimmig angenommenen Sätzen fest- gelegki

Die Sentrumsfraftion des Reichstages billigt die Politik des Reichskanzlers unb spricht ihm er­neut ihr Vertrauen aus.

Sie ist entschlossen, die Relchsverfassung unb die durch sie festgelegte Staatsform gegen Bedrohungen,, von welcher Seite sie kommen mögen, nachdrücklichst z u! schützen.

In ber lieber;eugung, bah nur ehrsicher Erfüllimgs» wllle unser Botertanb vor dem schlimmsten linsteil retten kann, unterstützt sie die Reichsregierung in istrsm Destre» ben, bie durch den Versailler Gewaktsrieben und bas Ulti­matum dem beut scheu Volke aufgezwimgenen Verpflich­tungen bis zur Grenze des Möglichen z» erfüllen.

Als unerläßliche Voraussetzung der Gesundung «mserev Inner- und außenpolitischen Verhältnisse betrachtet sie eine starke unb zielbewusste Politik ber Mitte auf breitester Grundlage.

Sm Geiste des alten bewährten H-ntrumsprograimns und gestützt auf bas Vertrauen ihrer Wählerschaft wird sie such in Zukunft dem wehren Ausale'ch ber wirr- schaf11ichen und berufsstänbischen Inter­essen ihre Kräfte mibmen. Sn dem Schutze unb ber Pflege ber christ 1 iHen Kulturideale erblickt ie «ch eie swr ihre norMyKe Lllss-st*