- Auldaer
M 225»
Freitag, 30. September 1021.
Meter Wilhelm II,
seinen Charakter und seine Denkweise, geben die im jetzt erschienenen 3. Bande der Dis m a r ck- schen Erinnerungen mitgeteilten Bnefe lichtvolle Aufschlüsse. Einen davon, zu dessen rich- tiger Würdigung nur vorausgeschickt werden mutz, daß ihn der nachmalige Kaiser Wilhelm II.» damals Prinz Wilhelm, im Alter von fast 29 Jahren, nämlich im November 1887 schrieb, sei hier wie- dergegeben:
„Ew. Durchlaucht erlaube ich mir anbei ein Schrift- stück ui übersenden, welch?» ich im Einblick auf die nicht unmögliche Eventualität eines baldigen ober überraschenden Hinfcheibens bes Kaisers und meines Daiers verfaßt h-be. Es ist ein kurzer Erlaß an meine fünf, tigen Kollegen, die deutschen Reichssür- ft en. Der Standpunkt, von welchem aus ich geschrieben habe, ist kurz folgend«: Dos Kaisertum ist noch neu, der Wechsel in bemfr'beii der erste, welcher sich ereianet. Bei diesem geht die Macht von einem mächtigen, m der Geschichte des Aufbaues und der Gründung des Reiches her- vorrogend beteiligten Fürsten an einen hinnen, ziemlich unbekannten Herrn. Die Fürsten sind fast alle der Generation meines Vaters angehörig, und ist es menfchlich gedacht ihnen nicht übelzunehmen. wenn ihnen es zum Teil sauer ankommt, unter den neuen so jungen Herrn zu treten. Daher muß die von Gottes Gnaden herstammende Erbtolne als ein selbständiges fast aeeompl! den Fürsten gegenüber betont werden, und zwar so. daß sie keine Zeit haben, viel darüber zu grübeln. Daher ist mein Gedanke und der Wunsch dahinlauiend. daß, nach Durchsicht seitens Ew. Durchlaucht und eventu-ller Amend'erung. an jeder Gesandtschast diese Proklomaston (bie dem Schreiben im Entwurf beigesügt warf versteaelt deponiert und im Falle meines Regierungsantritts f o - gleich durch die Gesandten den betreffenden Fürsten übergeben werde. Mein Verhältnis zu allen ve'tern im Re-ch ist ein recht gutes, ich habe m'ch mit fast jedem hn Laufe der Feit über die Zukunft be-rdet, und durch meine Verwandtschaft mft dem größten Teil der Herren eine sehr angenehme Balis des freundfchgftlichen verk-hrs herav-zubilden aelucht. Das werden Ew. Durchlouchs in dem 'Nasius ernennen, wo von der Unterstübuna durch Rat und Tat die Rede ist. d. h. die alten Onkels fol- len dem lieben sungen Refken nicht Knüppel zwischen die Deine steckens Sch habe be- tre^s der Stellung ein-« zukünftigen Kaisers öfters mit meinem f^rn Vater Meimmasavstaulch gehabt, wobei ich lehr 6cj sah. daß wir sehr verjchied-n-r Anlicht feien. Ersterer war stets der Meinung, er habe allein zu k o mm a r B i e r e n und die Fürsten hätten zu pari er er, während ich ds-> Anstcht vertrat, man wüste die Fürlter- nicht als einen Hausen Vasallen, sondern m"ir als eine Art Kollegen ans-hen. deren Warf v"d Wunsch man nch'g mithkren wüste; ob man sie erfülle das jns etmoa anb-res. Mir wirb es lefcht werden, per nt Onkel mit bieim Herren ste durch kleine G-läll'-gkester zu gewinnen um. durch etwasae Hüij'che»-'t,- befvrfie ,u kirren. Habe ich ste erst von meinem Wef-n und Art üterzengf und in d— Hand wir oespielt. nun. dann parier m ste mir um lg lieber. Denn pariert muß werden! Aber bester, es geich'eht aus Heber« zsumma und vertrauen, als gezwungen!"
Bismarck riet dem Bringen in einem längeren Äntwortbrief, den Entwurf der geplanten Proklamation „ohne Aufschub zu verbrennen".
Vie Hatte aus dem Sack gelassen
Hai in einem schwachen Augenblick die Berliner deutsch- nationale ,.K r e u g z e 11 u n g". Den Nachruf, den in der ersten Reichstagssitzung Risichspräsident ßoebe dem ermordeten Enberger widmete, versah die „Kreuz- z^itvna" in ihrer Mittwoch Morgenausgabe mit einem Kommentar, der folgende bemerkenswerte Süße ent- hielt:
Nickt? ist billiger, al» die Täter, deren Motive noch anbekannt find, zu schmähen. Die Nachwelt denkt manchmal ganz anbei». Charlotte CordaL. die den Republikaner Marat ermordete, wurde zwar in Paris guillotiniert, doch haben auch deutsche Dichter sie und ihre furchtbare Tat verherrlicht. ES ist auch por nicht einzusehen, warum nur die revolutionären Meuchelmörder Brutu» und Wilhelm Tell besungen werben sollen. Die heuiiaen Lobpreiser ErzbergeiS und Angreifer seiner Gegner scheinen völlig außer acht zu lasten, daß der ganze Kampf, der gegen Erzberger geführt wurde, ein Abwehrkampf war.
Dieser Ausflug in die Geschichte stellt sich als eine glatte Verherrlichung der Griesbacher Mordtat dar. Diese Auffassung der „Nachwelt" wird zwar der deutschnationalen Mitwelt entsprechen, aber be! näherem Zusehen wird man in der „Kreuz, zeitung" doch gemerkt haben, daß hier die deutsch
nationale Seele allzu deutlich enthüllt worden ist. Möglich ist auch, daß mehr diplomatisch veranlagte Poneigenossen der „Kreuzzeitung" ob ihrer Offen» Herzigkeit den Kops qewaschen haben — jedenfalls tritt das Blatt in f intr Mittwoch-Abendausgabe diesen unglücklichen Rückzug an:
„Um Mißvernänonissenvorzubeupen, die etwa an die heutigen AuSfi-hruni-n zu der peinigen Reichsta'rsihun.i geknüpft werden könnten, stellen wir unsere Auffnstun-z und die Haltung, die wir bisher eingenommen haben und weiter einnehmen werden, nochmal« fest. Nicht daraus machen wir dem Herrn Reicht ta kp äsidenten einen Vorwurf, daß er in seinem Nachrufe auf den Ab,eoroneten Erzberger besten Er- mordung erivähnt und Tet und Täter scharf verurteilt Wir sind nicht der Meinung, daß Die Nachwelt diesen Mord pünitiperbeurteilen oder qnr verherrlichen wird. ES liegt un»daran, die» sofort klarzuiiellen Die schweren Anstände, dre lr:r iieflen ande-e in diesem Zusammenhänge getane . eußer- ungen de» Herrn Reichspräsidenten zu erheoen haben, bleiben bestehend
Die Nachwelt der „Krruzzeitirng" hat, so sagt dazu treffend die „Germania", von morgens bis abends bemerkenswerte Wandlungen b°rrchgrmscht. Trat Mitwelt wird freilich nicht im Zweifel darüber fein, ob die morgendliche oder abendliche Nachwelt die deulfch- Matiomale Auffassung über Mörd-r, deren mehr oder minder idkÄe Gesinnung man noch nicht kennt, am besten wiedergibt.
Bus der katholischen Welt.
• stattzolische Zunrlehier «nb veitsche Zugenbllraft Auf dem letzten tn Köln abgevaltenen Bundestage des Katholischen Junglehrerbunde» des Deutschen Reiches, »u dem Vertreter ruä dem ganzen Reiche erschienen waren, sah man unter diesen jugendlichen Führern nicht wenige, die sich zu der tatbolischen Jugendbe- we, una bekannten. Am Schluß der Ta ung wurde folgender Antrag einftimnn i an enommen: In dieser Zell be» Zusammenbruches unsere» Vaterlandes ist die Gesundung der Bolksjugend Grundbedingung für den Wiederaufbau. Da neben dieser aut, die religiös-sitt» liche Umkehr unserer Jugend zu erstrelen ist, so hält der Bundestag besonder» die Deutsche Jugend- kraft für geeignet, diese Aufgabe zu erfüllen. Dai um bittet der Katholische Jun'lehrerbund be» Deutschen Reiche» seine Miiglieder, sich tn den Dienst oet Sport-, Wander- und Turnabieilungen der Deut scheu Jugendkraft zu stellen. Der Bundestag eiroarlct, daß jede Gruppe gern und freudig bereit ist, Vorturner, Abteiluii sführer und andere altive Mitarbeiter für die Deutsche In eudkraft zu werden. Der Bundestag begrüßt die Bestrebungen des Verbände» für Deutsche Jugendherbergen uns tritt ihm al» Mitglied bei.
Rus dem Nachbargebiet.
Q Hana». In der am Donnerstag abend stattgr- funbenen Sitzung der Stadtverordneten wurde ein Betrag von 20 000 <4i für die Opfer von Oppau bewilligt und der Beitritt zu der Gesellschaft „Eleklroocrband Mitteld^ttschlanü G. m. b. $)." bt» schlossen. Die sozialdemokratische Fraktion hatte eine Anfrage eingebracht. ob drr Magistrat bereit frei, dafür zu sorgen, datz rach dreijährigem Bestehen der Republik die noch vorhandenen anttsichen Bezeichnungen „Königlich" ufro. verschwinden, und datz die in Amtszimmern usw. befindlichen Bilder und Düsten der letzten hohenzolliernkaijer und deutschnationalen Generäle entfernt werden. Die gegebene Begründung ging tief in das politische Fahrwasser hinein, sodatz sich auch bald eine politische Aussprache ergab, die von den komnnmistischen Rednern noch b.sondere Färbung erhielt, da von diesen darauf hingewiesen wurde, daß die „Regierungsfozialisten" ein Zusammengehen aller Proletarikc verhindert hätten u. a. m. Als ein kommunistischer Redmr sich weiter in politisch.' Ausführungen verlor, verließ die Mehrzahl der rechtsstehenden Svdiverordnelen den Sitzungssaal. Da sich min Drfchlußunföhigkett ergab, mußte die Beratung abge- brodln werden.
(fpb) Aravkfull a. M. Wie fetzt bekannt wird, ist es drr Allgemeine Bankverein in Düsseldorf, der cm den Magistrat das Ersuchen gt» richtet hat, ihm die allhistorische Hauptwache zur Einrichtung eine« Bankgeschäfts zu vermieten. Während bisher die Hauptwache ai, Kaffeehaus der Etadt- kämmerei nur eine Jahresmiete oon 41 000 Jt ein» brachte, bietet der Bankverein bei einer Mietsdamr von 10 Jahren eine Iahrespacht von 150 000 M. Die Bank verpflichtet sieb ferner, den historischen Charakter der Baue- zu walnen und dem bisherigen Pachter der
Zeitung
Hauplwache eine große Abfindungssumme, man spricht von mehreren Millionen, zu zahlen. Der Magistrat Hot sich diesem Anerbieten bisher weder zustimmend noch ablehnend geäußert — Nach unserer Kenntnis der Sachlage dürste der Plan, so finanziell verlockend er auch sein möge, kaum zur Verwirklichung kommen, denn di- gesamte Bürgerschaft erhebt eimnutig Widerspruch dagegen.
(fpb) Frankfurt a. IN. 3m Kunstgewerbe-Mufeum wurde eine Ausftllung neuzeitiger h e f f i s ch r r Keramik eröffnet. In ungemein reicher Auswahl wird die über ganz Hessen verbreitete und noch in alten ttoerlieferungcn arbeitende Bauerntöpserei sowie di- im Kannedeckerläudchen im W sterwow feit Iahrhund.rten heimische Sieingulerzeuguiig gezeigt. Neben diesen Erzeugnissen bat auch Ne Wächtersbacher Steingulfabrik ein» große Auswahl neuerer Arbeiten ausaeftellt.
(fpb) Mcincfchaff. Der ftldenr Fall, daß eine Mutter einen bei ihr im Haufe wohnenden Sohn vor das M i e t e i n i g u n g s a m t laden ließ, um ihm dort eine IMprozewiM Steigerung feiner Woh- nungsmiete mitzmeilen, ereignete sich in unserer Gemeinde.
— Naumburg. In der letzten Stadtverordnetenversammlung kamen neben einigen frim-ren Vorlagen auch die Besetzung des hiesigen Bürgermeist er- p o ft e rt s zur Beratung. Do schon jdl Jahresfrist die hiesige Sladt ohne ein Stadioberhaupt ist, wurde von der Siodtoerordmtenversanimlung b:r Beschluß gefaßt, in aller Kürre zur Wahl eines Bürgermeisters zu schreiten. Sie soll in der am Montag den 3. Oktober stattfindenden Sitzung vorgenommen werden. Soweit bekannt, kommen auswärtige Anwerber nicht in Betracht. ________________
Aus Gberheffen und den heffrschenAemtern.
0 Zltatburg. Eine unter dem Dorsitze des Landwirts Kapp-Wolfshausen abgehaitene stark besuchte Dertrauensmännewersammlung b?5 jdrcisbauern- vereins beschäftigte sich haupifächlich mH der Frage, die Loge der minderbemittelten Bevöl- kerungskreife teils durch unentgeltlich«, teils durch verbilligte Belieferung mit Lrbens- mitteln, besonders Winterkartoffeln, zu erleichtern. Nachdem der Vorsitzende sowohl, wie auch Haupt- geschcifte sichrer Fürst und Landwirtschaftsschuldirektor Schlich! nebst zwei Vertretern des Reninerbund's die Lage der in Betracht kommenden Kreise geschildert hatten, wurde beschlossen, sog. Patenschaften zu empfehlen und auch in den einzelnen Ortschaften Listen für verbilligte Kar'offelabgade, der Zentner zu 30 <41, in Umlauf zu f tzen. Es wurde gewünscht, durch zahlreiche Beteiligung das Vorurteil gegen die „hartherzigen" Landwirte, so würde ja oft unberech- Ugt rweife gesagt, b fettigen zu helfen. Ferner wurde gewünscht, daß die Landwirte, die Kartoffeln verkaufen können, die Aufkäufer des Erzrugerverbande«, der ohne den Zwilcheub" ' . .u - benölk-r mg
mit Kartoffeln beliefern wolle, kräftig zu unterstützen und nicht an Schieber zu verkaufen. Bei der Berichterstattung über dir Reichslandbundtogung in Berlin wurde darauf hingewiesen, daß dem Kur- hessischen LlUidbund die Abhaltung der nächsten großen deutschen Reichslandbundtagung übertragen worben sei und daß dies« im Februar n. 3. in Kassel stall finde. _______________________________
Vermischtes.
* 6in Einbruch in die Weimarer Sfaalsbibliolhek ist in einer der letzten Röcht« verübt worden. Den Tätern fielen wertvolle Münzen, Medaillen und andere Kunstgegenstande in bre Hände. Wahrscheinlich werden Ne Einbrecher die wertvolle Beute bei Antiquitäten- Händlern zu verkaufen suchen.
* Di: Fürstin Pauline Metternich ist in Wien im Alter von 85 Jahren gestorben. Sie war als Gattin des österreichischen Botschafters in Paris bie F r e u n- bin der Kaiserin Eugenie und spielte durch ihren Witz und ihre Phantasi.» eine große Rolle in der Gesellschaft des Pariser Kaiserreichs. Nach 1870 spielte sie die gleiche Rolle In Wien, wo sie bei allen gesellschaftlichen Veranstaltungen und allen Wohllätigkeits- anstatteli leitend und tonangebend war.
handel und wirtschaft.
mc Frankfurt a. M , 29. Sept. Da« Geschäft auf
der ,rrn«f turter Messe ist otänzend zu nennen
„Das muß zublclb'n, hat der Bader gesagt." wagte er leise etnjuroenben.
„Der Bader bat bier nichts mehr zu tun," sagte Joseph in bestimmten Tone. „3n wenigen Stunden ist ein geschickter Arzt aus der Stadt hier. Da war t höchste Zeit, daß ich ankam, das Treiben dieses Pfn scher, hat ein Ende Ueberhaupt" — er wandte sich un willig zurück, um den verschiedenen Burschen anzudeuten, daß es mit dcm verabred ten luftigen schwarzen Peter für heute abend und noch lange Zeit zu Ende fei; ee sand sich aber auch nicht mehr ein einziger Besucher vor. Stilljchweigend, lautlos, hatten bie Bauern, einer um den andern, bie <5tub? verlassen.
Im „Ochsen"-Wirtshaus sand man sich bald hernach vollzählig zusammen. Mit Entrüstung sprach man von der unsanften Störung in der angenehmsten UntertjaU tung durch Joseph. Schnell holte man den Bader herzu unv malte ihm Josephs Benehmen m den schwärzesten Farben.
„Der Pfuscher hat da nix mehr z' ko. hat er fliegt, der Joseph." erzählte ihm entrüst t der Webermichel „und sei Madam hat gleich a Fenster aujanber g'risse" wie a Scheuerlor."
Wehmütig hatte e. In den Mienen des braven Sa. derdvktors gezuckt.
«Undank ist der Welt Lohn!" sagte er resigniert: al» er aber hörte, Marianne hätte die Fenster ausgemacht, schlug er entsetzt die Hände über dem Kops zusammen.
„Da t, dann flsehlt! Der Joseph hat sein Bruder aus ’m G'wiss’n", sagte er in prophetischem Tone.
„Wär' schad' ffir’n Peter," sagte der Schustcrjörz mitleidig. „Meinst net. es is am End' scho a gut’« Teil von dem Z'rückg'jchlagna drauh'?"
«Vielleicht! Wenn er durchkommt hat er’s nur mir zu dank'n."
„Sell glaub’ ich wohl. Müht' me net fl'seg'n hab'n, wie er's rausg’schwitzt hat, die War'."
„Proßi Bruder, laus! Nimm Dir’s net so zum Herz'n. Du beft Dei Schuldigkeit rechtschaffen to; für’s ander kannst halt net"
„Erst nach dem Tode »rfennt man der G oßen Größe," deklamierte melancholifch ber verkannte Gelehrte. Er sprach jetzt wi»der reinstes Hochdeutsch. „Ich tröste mich mit anderen, die vor mir waren. — Da haben wir den Dichlerhelden Schillinger; die Gräfin Genovesa und die selige Echneiderskundl, bU für all«
Druck der Fuldaer Aclieudrnckerei i« FrUda
Der @intäuferanbrang au» dem Auslände ist ja stark, daß manche Aussteller schon wieder abgereist sind, da sie t änjlid) auSverkausi haben. An ihren Ständen hängen große Schilder, die al» einzige» Wort .Ausverkaust" tragen. In anderen Abteilungen ilt e» so, daß Miitelwaren und geringere Qualitäten nicht mehr g» liefert werden können und nur erstklassige Sachen, bt< naturgemäß schwerer abgehen, noch verkauft weide» fönnen. Da der (Sinfäuferanörang auch heute noch unvermindert anhält, werden bis Meffeschluh hier eben,« gute G.schchte gemacht werden.
Israelitischer Gottesdienst.
@am»tag, 1. CUober. Vorabend,lotiesvienst 6„36 morgen» 8,00, nachin. 4,30, SabbathauSgang6,ö0 Uhr. — Sonntag morgen» 6,00 Uhr.
Montag und Dienrtag Neujahr. Vorabendsotie» dienst 5,30 Uhr, mor. en» 6 00, nachmittag» 4,00 Uhr, DadbaiyauSgang 6,40 Uhr. — WochengotleSdrenft; Mordend sIo, nachm. 12,50 und 5,30, abö». 6^5 U h»
Die Not der preffe.
Anhaltende Steigerungen der gesamten Herstellungskosten haben schon seit Monaten den Etat der Zeitung« aus dem Eieick^ewicht gebracht. In der Hossnung aus e men endlichen Rückgang der Preise hatten viel« Zttiungc« trotz ihrer Notlage zunächst von einer entsprechenden Erhöhung der Bezugspreise Abstand genommen. Di« erhoffte Besserung ist aber nicht eingetreten, im Gegenteil immer neue Ausgabe-Steigerungen stellten sich ein, sodaß ein Ausgleich jetzt zur gebieterischen Notwendigkeit geworden ift Biele Zeitungen hn Rheinland und Westfalen haben inzwischen schon eine Erhöhung der Bezugspreise durchgesührt. Auch die Ientrurnsdlätter am Rhei» mrd in Hessen-Nassau sind vor die unabweisbar« Notwendigkeit gestellt, eint Erhöhung der Bezugspreise zum 1. Oktober eintreten zu lassen. Die katholischen Zeitungen im genannten Umkreise haben deshalb folgenden gemeinsamen Aufruf an ihr« Leser erlassen:
An unser« Lejert
Neue große Lohn- und Gehatts-Erböhung«,, die noch- malige Steigerung des Dnickpapierpreises, der Farbe» und der sonstigen Matenalien zwingen bie unterzeichneten katholischen Zeitungen zu einer mäßigen
Erhöhung des Vezusspetist«.
Wir erwarten und «hoffen oon unserer SMern, dbst sie der Rol ihrer Presse Verständnis entgegenbringen und nicht mir selbst ihr die Treue bewahren, sondern durch crnste Arbeit ihren Abonnentenstand vergrößern helfen. Nur dann kann sich die fatbolifdje Presse in der Not bet Zeit und irn Konkurrenzkampf gegen die fapitolflemeltigt farblose und gegnerische Presse behaupten.
Er geht nicht um Gefchäslsgew nn, sondern es fleht ums Danze, um unsere kachottsche Sache!
Koblenzer Volks,elkuny. Aranksurter Volkszeitung. Fuldaer Zeitung. Mainzer Journal.
Mttlelrhelnijche Volkszettung. Nassauer Bote.
Rheinische volkszettung. Wormser Rachrichten.
Aber auch die übrigen Zeitungen befinden sich in derselben Zwangslage; auch sie müssen, wolle» unk werden ihre Bezugspreise erhöhen.
Wie sind überzeugt, daß bie Les« der «Fulda«, Zeitung" einmütig ihr abgewohntes Blatt auch zu de« neuen, mir mäßig erhöhten Preise weiter halten, |« H jetzt in de» Zeiten d« Not erst recht hochhalten roer&en
Spirituosen und Liköre!
Fruchtbranntwein, Zwetschenbi anntwein, Kirschwasser, Steinhäger, Weinbrand, Cojnac, Rum. Cherry Brandy, Cnracao, Goldwasser, Halb and Halb, Vanille. Cacao, Ei-Crem« Advocaat, Alpenkräuter,
Maraschino, Allasch-Kürnmel and andere '
in grösster Auswahl. e» >
Joseph Schmitt, Fulda, j
Solch« Kinder oebelhen wirklich, deren Ernährung und Derdauuna durch Nestle', Kinde, mehl geregelt ist. Es ent« hält die unübet-reff lbe Milch kerngesunder Alpenkühe und alle onber> n NShr'toffe, welche rum Wachstum bes Säug« lims et vrderlich sind. Die Illustrierte Bro chüre über bie Ü siege bes fllnbes gratis und trän o durch «Linda" Gesell» scha t m. b. f). Berlin W 57.
Krankheiten in die Stöll' drlnn kennt hat. Seitdem sie tot ist. wehren sich die Unglücksfälle bei dem Vieh. Laßt mich mir erst begraben sein; ihr werdet dann die Größe des Verlustes wohl erfahren!"
„Hast g’bört, Bader, wir wiss'n fei, daß Du mehr kannst os wie da teuerste Professor. Uns tummt ka anderer Doktor rel ins Dorf. Soll ner amal a so » Herr Professor Dir gleich tun tuet den z'rückg'schlagna Schweiß. Ich wett', wo, an er will, da« bringt so schnell gleich kaner 8’famm’ wie Du."
Zur Bekräftigung seiner Worte schlug der Schmitz« bauer so heftig auf die Tifchkante, daß ber tief ge» kränkte Babcrboftnr ganz nervös zusammenzuckte.
Der Webermichel bfies mächtige Wolken aus feinte Pfeife, bann spuckte er öfter kräftig auf den Baden. (Es war dies das Zeichen, daß er was recht Interessantes 8» erzählen wußte.
„Laßt mich mit bie Professor nur tn Ruh; das sind die richtig'» Tunn«fci!rr. Im vorig'» Sommer war'», da hat in et Tlaig amal klagt, daß cllaroetl ihr' Äug’» recht brenna tun, wenn’» im Gebetbuch lieft, da bi» ich mit ihr net in die Stadt zu a» Professor gonge, zu an recht g'fcheifn noch dazu. Ich hab' ihm so der. zählt, was mit der Maig ihr’n Aug'n is; der hat mir a ganz höfli zug’horcht dann auf amal bat er meiner Maig a Setting geb’» und bat g’fagt, sie fall da hrinna lef’n. Hotzdunnerkeii! Mei Maig hat g’fchaut, sie bat meitebtig noch ta Setting g’lef’n. 3d) hab' ihr bann an tüchtig'» Stumpera geb'n und hab' leis' zu ihr g’sagt: „Dumm’, Luder, les' halt, wenn «'s amal will. So sind wir a weil hocket blieb'»; der Prozessor Hot sich um uns gar net weiter kümmert. Ich hab’ mich g'räu« fpert, g’hust und mei Hand’ ineinander g’rieb’n — den Kerl bat’s net g'schiniert; der bat gang ruhig weit« g'schrieb'n. Mei Maig, die hat ihr Schnupftuch rau», sie hat oe grein« bald net halt’n tönna auf amal i» zum Glück d« Kerl a» Aug'nblick in o andere Slub'» naus. Ich hab’ mei Maig schnell packt und hopp! roar’e wir zum Tempel glücklt drauß'n."
„Hör’ns!" hab’ ich zu den Man» dann g’fagt, me allweil vor der Haustür steht, .sagen'» net ihr » Herr» brtnn, zum Seiting tef’n is mei Maig fei net herkomm». Wen» der nex anders kann — as Seiting lef’n kann mei Maig dauß a." Uns bet er g sih n. der Kund’ Seit Der Zeit will ich ntr mehr von tut Herrn Professor wiss'n!" (Forts, folgt.)
Der Gänjebub.
Fränkischer Torfroman von Sine Ernst berge r 55 ------
„Darf ich Dir nicht schnell einen kleinen Imbiß drtn» gen, bevor wir hinübergehen", frag fte, nur um schnell etwas zu sagen.
„Später, Marianne, zuerst jetzt hinüber zu dem Kranken."
Gemeinsam Begäbe» sich dann beide an da« Kranken, lager.
Joseph fand de» Zustand feines Bruder» schlimmer, <Is er vermutet hatte. Schwer atmend lag der Kranke i” den Kissen., Obwohl Schweißperle» aus ber Stirne bes Stauten standen, tnifterte un Ofen ein luftiges geucr; eine wahre Tropenhitze mar in der Kramen- ftube. Dazu roar das Zimmer niemals leer von Be- fuchen.
Qualmend und schwitzend saßen Peter, Freunde an feinem Krankenlager und versuchten es ihn mit allem Mögl chen zu unterhalten.
„Laß gut fei' Peter", tröstete eben, als 3o>ph etn- treten wollte, einer de» Kranke». „He it’ nacht, da tumma wir und Ipi.r» an lujtig'n fchwarzen B t»r oder Scchsundlechzizer. Der Heinerle tut uns das B er vom Ddjien rüber bol n. Ob wir bann da des sa» f n o_er b’rüb’n int Ochj n. Dann hast a bisla Unterhaltung. Der Bader tummt scho a dazu dann hab'» wir an Dokter a gleich bo ber Händ’."'
Joseph zog die Türe wieder »twag zu. — Da war es wohl an der Seit, daß er eintraf und diesem Treiben in der Kranlenstube ein E»d« bereitete Entrüstet wollte er feine Schwägerin rufen, daß sie sofort die Be- suchet vecanlaßte, den Kranken $u verlassen, ba hörte er drinnen seinen Namen. Zögernd bi eb er mit Marianne einen Moment noch an der Schwelle stehen.
„Der Joseph manft soll tumma? D Peter, sei doch »'scheit; Tu bist doch net |o tränt. Dez is ta Wunder a, wenn's Dir schiedst werd mit der Teebrüh von dem Bader. Sauf a Maß Sier, den, rolrä’e Di- q eich ganz anders ro rä’n. Leut wie der schwitzt! Da schau nur, Hanni, wie der Kerl schwitzt! Ma, soll n?t gla-j. b-n. daß soviel Schweiß nur in an Me. sch'n fted’n könnt!"
„No, Narr, des !s fei Krankheit ja", uni erbt ach den Sprechenden Hanni «Des Zeug, des hat sich net. roärts g'jchlag’n und tummt etzt wieder ‘raus. A
g’fcheiter Kund is er doch, der Bader. Da g'HSrt fei was bo- t. daß ma bo (o a Kranthcji gleich errät."
„3a Brüberla, weißt, ber vcrftefst sich halt g’rab gut do d rauf. Hast noch nix g’hört oon an Spezisten- bottor? — Der a versteht am best'n dir Lu.igaentzün- diga; der andere es Zahnweh und der andere os Fieber", sprach der Schmidbauer belehrend. „Der Bajer, der verst hi am best'» an z'rückgejch.agena Schweiß. Und des is unser Glück. G rad da d’ran sind die mei. ften Menschen tränt.“
„Do hast wohl recht, es des a Glück“, bestätigte der Webermichel. «Hotz-Krei'z! Was hat ber schon für Leut von bera Krankheit g'holf’n. — Wir sind net schlecht dran do im Torf mit Tottor. Die alta Schustertundl tann für’s Fieber und für’s Rotlauf helf'n —“
«Der Schlussersheiner hilft für Hühneraug’n.“
„Horch, Peter" sagte ber Webeimichl, sich zu dem Krönten neigend und ihm einen kräftigen Zug aus feiner Pfeife in das Gesicht blasend, „manft denn net, ma sollt die Schusterrkundl hol'n, am End is doch a bihla Fieber a dabei!"
„Tie Jtunbl kann nur helf'n, wenn ter Mond voll werd. Tes dauert haft acht Täg' noch", sprach Hanni, während man Peter H f ig husten hörte.
„No, bann wart'n wir halt noch acht Täg. Bis dorthin hat der Bader den z'rückgschlagna Schweiß ganz ’nausturiert. Etzt aber hol a srischa Maß, sch -ell, Hanni; schau ner, schau »er amal, rote der Peter schwitzt! Des Hilst gleich bess r für’n Durscht als wie die stinkat Teebrüh in der Röhr'n."
Hanni schickte sich an das Zimmer zu verlassen, um Bier gu holen. Kräftig riß er die Tür auf, da stand vor ihm Joseph.
Im ersten Moment starrte er wortlos. mit weit auf. gerissenen Ang^n Joseph und Marianne an, dann ftürgte er mit dem Stufe: „Der Sofepb. drr H-rr Joseph is drauß’n“ In die Krankenstube gurücf.
Wie elektrisiert sprangen die and ren auf von ih en Sitzen-, selbst Peter holte sich in ten Kissen aufg rich et. ■ Sein fieberglüh-nder B'ick traf in freudiger Ueberra- I schlag den Bruder. Joseph eilte an das Kran endest i und umfaßte in gärtlid) m Druck tb obg -gehrte Ha d , Die Kur des Torfbaders hotte ihre Schuldizk il getan; i völlig e t'röftst urh todesmot' fand Jofeph den Bruder : wieder. Marianne halte das Fenster geöffnet; die heiße, i rauchige Luft tat selbst gesunden Lunge» weh. Aengst- i lieh sah Peter aus da« offene Fenster,